Ein Ausflug mit Folgen

von Marilinus
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Penny Sheldon Cooper
22.05.2018
22.05.2018
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22.05.2018 4.125
 
Vielen Dank an alle, die mir durch konstruktive Kritik geholfen haben, meine Fanfiktion zu überarbeiten! Mithilfe der angebrachten Punkte hoffe ich, diese kleine Geschichte noch etwas anschaulicher und unterhaltsamer gestaltet zu haben, ohne sie komplett zu verändern.
Viel Spaß mit den folgenden Zeilen und liebe Grüße :)




Die Sonne strahlte an diesem ersten warmen Frühlingstag mit den Menschen auf den Straßen um die Wette. Alles, was Beine hatte, war draußen unterwegs und gut gelaunt.
Jeder außer einer jungen Blondine, die mit gehetzten Gesichtsausdruck zu ihrem Cabrio flitzte. Das Verdeck klappte sie zurück und warf die Handtasche auf den Beifahrersitz. Der bordeauxfarbene Hosenanzug umschmeichelte sanft ihre Kurven, was einen vorbei fahrenden LKW-Fahrer zum Hupen veranlasste.
Unwirsch streckte sie ihm den Mittelfinger entgegen und brüllte ihm hinterher: „Du kannst mich mal, du notgeiler Penner!“
Unsanft schmiss sie Fahrertür ihres Autos zu und steckte den Schlüssel ins Schloss. Natürlich hatte sie heute noch besonders viele Punkte auf ihrer To-Do-Liste und erwischte ausschließlich rote Ampeln. Fluchend kramte sie an der nächsten Kreuzung in ihrer Tasche und förderte einen Kellnerblock zutage. „Neue Laken im Bettwäscheshop besorgen, im Elektromarkt den bestellten Adapter abholen, Einkaufen für Shellys Nudeln...“ murmelte sie gedankenverloren.
Die Ampel war auf grün gesprungen und der Fahrer hinter ihr hupte ungeduldig. Als sie sich umdrehte, nahm der Mann zwei Finger vor den Mund und vollführte mit der Zunge eine schweinische Bewegung.
Fluchend gab sie Gas.

Zwei Stunden später erreichte sie verschwitzt und völlig entnervt die Wohnung. Wie sie erwartet hatte, lag ihr Verlobter nur mit dreckiger Unterwäsche bekleidet auf der Couch und spielte Videospiele. Er begrüßte sie mit einem Rülpser und beschwerte sich dann, weil seine Figur verstorben war. Penny seufzte; die Zeit der rosaroten Brille war definitiv vergangen.
„Hallo Schatz, schön dich zu sehen. Wie war dein Tag? Darf ich dir etwas abnehmen?“ ätzte sie mit verstellter Stimme.
Leonard lenkte den Blick nicht einmal zu ihr hinüber und antwortete auch nicht. Wutschnaubend spazierte sie zum Fernseher hinüber und zog das Kabel der Xbox aus der Steckdose.
Es folgte ein waschechter Wutanfall: Leonard brüllte, dass Penny seine Interessen völlig egal wären.
Sie schrie, dass seine Interessen den Radius des Sofas nicht überschritten. Er verhöhnte sie und fragte, wann sie das Wort Radius gelernt hätte.
Penny unterdrückte die Tränen der Wut, weil er sie – wie so oft – offen als dumm beleidigte und beschuldigte ihn, dass er sich doch sowieso nur für ihr Äußeres interessiere. Der Streit uferte immer weiter aus.
Schlussendlich betitelte Leonard sie als blödes Blondchen und Penny warf ihn und seine Konsole aus der Wohnung. Aus dem Fenster brüllte sie ihm heulend Beleidigungen hinterher, während er sich hinter das Steuer seines Autos klemmte und davon brauste.
Schluchzend sank sie zu Boden und lehnte sich an die Wand. Ihre Arme lagen auf den Knien und ihr Kopf sank schwer darauf. So schlimm wie heute war es noch nie gewesen und sie war sich sicher, dass dies das Ende ihrer Beziehung war.
Ein vertrautes Klopfzeichen ließ sie aufhorchen.
Klopf. Klopf. Klopf.
„Penny?“
Eigentlich stand ihr nicht der Sinn nach Gesellschaft.
Klopf  Klopf. Klopf.
„Penny!“
Andererseits hatte seine Anwesenheit etwas ungemein tröstliches... Sie stand auf und schlich zur Tür, wo sie ungeduldig auf das dritte Mal wartete.
Klopf. Klopf. Klopf.
„Penny???“
Als er ihren Namen zuletzt rief, klang es zögerlich und sie bekam Angst, er könne wieder gehen. Schnell riss sie an der Klinke und rief. „Hallo Sheldon. Was kann ich für dich tun?“
Er war in den letzten Jahren zu ihrem besten Freund und Vertrautem geworden. Und doch überraschte es sie ein wenig, als er erwiderte: „Du sollst überhaupt nichts für mich tun. Ich wollte nur sehen, ob es dir gut geht... jetzt wo eure Beziehung offensichtlich ihr unausweichliches Ende genommen hat.“
Auf Außenstehende mochte er gefühllos wirken, doch für seine Verhältnisse war dies ein Übermaß an Emphatie.

Wenn sie zurück dachte, hatte Sheldon sie schon bei ihrer ersten Begegnung versehentlich beleidigt. Damals war sie etwas nervös gewesen, denn schon auf den ersten Blick war ihr klar, dass er anders war. So kam es dann, dass sie ihm von ihrem Sternzeichen erzählte und von ihrer Wahrsagerin. Daraufhin hatte er sie als naiv und ihre Weltanschauung als Blödsinn betitelt.
Natürlich fühlte sie sich gekränkt, aber seine direkte Aufrichtigkeit hatte sie beeindruckt. Nachdem sie bemerkt hatte, dass Sheldon ganz sicher weder auf einen Flirt mit ihr noch sonstiges in der Richtung aus war, fühlte sie sich in seiner Gegenwart viel freier. Penny konnte bei ihm ganz sie selbst sein und musste keine Spielchen spielen oder sich verstellen. Auch interessierte Sheldon sich weder für ihren Körper, noch sonstige Äußerlichkeiten und dies gab ihr ein tolles Gefühl.
Sheldons Freundschaft hatte sie sich einzig durch ihre inneren Werte verdient.

„Penny?“
Sie hatte ihm nicht zugehört.
„Bitte entschuldige, ich war mit meinen Gedanken woanders. Komm rein.“ forderte sie ihn auf. Er bedachte sie mit einem seltsamen Blick, bevor er an ihr vorbei schritt.
Unsicher schloss sie die Tür und deutete ihm, sich zu setzen. Als sie ihm eine Limonade anbot, verneinte er dankend. Schweigend standen sie sich gegenüber; Sheldon beobachtete, wie Penny an ihrem Pulloversaum spielte. Dann schien er einen Entschluss zu fassen.
„Weißt du Penny, nach derart einschneidenden Erlebnissen ist es manchmal hilfreich, die Perspektive zu wechseln. Vielleicht sollten wir einen kleinen Ausflug machen.“
Sie wurde nicht ganz schlau aus seinem Verhalten. Dennoch überlegte sie nicht lange und stimmte zu. Was hatte sie schon zu verlieren?
Also zog Penny sich in Windeseile um, schnappte ihre Lederjacke und den Autoschlüssel und antwortete: „Also gut. Egal, wohin, ich bin dabei.“



Nun war es an ihm, sie etwas verwirrt an zu starren - offenbar hatte er mit mehr Gegenwehr gerechnet. Schulterzuckend folgte er ihr ins Treppenhaus und hinunter zu ihrem Cabrio. Dieses Auto war neu und er war noch immer unsicher, ob es ihm gefiel. Die leuchtend rote Farbe sprach eindeutig für das Fahrzeug, allerdings verursachte das Fahren mit offenem Verdeck bei ihm Ohrenschmerzen. Auf der anderen Seite strahlte Penny vor Freude, wenn der Wind durch ihre Haare zauste. Also hatte er es akzeptiert (wenn auch nicht gerade still schweigend).
Die Sonne ging bereits unter, als sie die Stadt schweigsam hinter sich ließen. Penny fragte, wo er hin wolle und etwas nervös wies er ihr den Weg. Unruhig glitten seine Finger an der Unterseite des Autositzes umher. Er ließ seine Augen über die vorbei sausende Landschaft und seine Gedanken in die Vergangenheit schweifen.

In letzter Zeit war Streit zwischen Penny und Leonard regelmäßig an der Tagesordnung, aber heute war es noch viel gewaltiger als sonst.
Bis in das Wohnzimmer seiner Wohnung hatte Sheldon hören können, wie Penny nach Aufmerksamkeit schrie und Leonard sie als dumm betitelte. Kurz danach flog die Tür des gegenüberliegenden Appartements krachend ins Schloss und etwas unten auf die Straße. Er hörte Leonards Auto weg fahren und ahnte, wohin sein ehemaliger Mitbewohner verschwand. Schon seit einer Weile, so glaubte er, suchte sein ehemaliger Mitbewohner Trost in den Armen einer jungen Frau, die er aus dem Comicbuchladen kannte. Die Gerüchteküche der Nerds drohte seit Wochen über zu kochen, auch wenn er sich da heraus hielt. Für Sheldon gab es kaum etwas schlimmeres, als Geheimnisse vor einem anderen Menschen zu haben. Umso weniger er also vom Betrug an Penny wusste, desto besser.

Als Sheldon in den Flur trat konnte er Penny durch die Tür schluchzen hören. Selbstredend waren auch sie und er nicht immer einer Meinung gewesen, aber niemals würde er sie zum Weinen bringen. Eigentlich war Streiten mit Penny sogar ganz lustig...
Wie damals, als sie sein Essen mit den Händen berührte und er sie dafür aus der Wohnung verbannte. Penny hatte sich als ebenbürtige Gegnerin erwiesen und ekelte ihn - „No shoes, no shirt, no Sheldon“ - umgehend aus der Cheesecake-Factory. Danach hatte er ihre Verbindung zu seinem W-Lan gekappt, woraufhin sie seinen Waschtag ruinierte. Nachdem er ihre Dessous auf der Telefonleitung vor seiner Wohnung verteilte, hatte Penny schließlich seine Mutter angerufen und den Krieg so beendet.
Damals hatte er zum ersten mal bemerkt, welche Bedeutung sie für ihn hatte. Schon nach relativ kurzer Zeit kannte sie ihn sehr gut und auch war sie ihm nicht egal. Denn wäre sie das gewesen, hätte Sheldon ihr einfach aus dem Weg gehen können, wie damals den Schulrowdys.
Mit der Zeit hatte er begonnen es regelrecht zu genießen, wenn sie ausgerechnet zu ihm kam, um über ihre Probleme zu sprechen. Und sie kam immer öfter, um sich einen Rat von ihm zu holen, ob in Beziehungs-, Geld- oder Karrierefragen. Umgekehrt hatte sie immer ein offenes Ohr für ihn, selbst wenn er sich bis tief in die Nacht das Gehirn zermarterte, wegen dem Manbat-Batman und seinem Anzug.
Das zeigte doch, wie sehr sie einander vertrauten...
Auch ihm fiel es immer leichter, sich Penny gegenüber zu öffnen.

Sie stoppte sein Gedankenkarussel und forschte besorgt: „Du bist so still, Schätzchen. Ist alles in Ordnung? Eigentlich hatte ich Nudeln und Würstchen gekauft und wollte kochen. Wenn du Hunger hast, können wir gern einen Halt bei einer kleinen Pizzaria machen oder so.“
Sheldon lächelte. Einige Wochen lang hatte er heimlich Strichlisten gefertigt, welche ergaben, dass Penny ihn 83% häufiger mit diesem Kosenamen bedachte, als die anderen Nerds.
„Ich habe keinen Hunger, danke. Aber deine Nudeln hätte ich zu gern gegessen. Im übrigen wollte ich dich nicht mit Papperlapapp langweilen, wie du es zu sagen pflegst. Obwohl ich mir kürzlich ein neues Autofahrspiel ausgedacht habe, an welchem sogar jemand mit deinem Bildungsstand Freude haben dürfte.“ antwortete er.
Penny setzte den Blinker und drehte sich zu ihm herum. „Schätzchen, ich interessiere mich durchaus für Papperlapapp. Vorausgesetzt er kommt von dir, es ist nach elf Uhr morgens und du bringst mir Zucchinibrot mit.“ zählte sie auf.
Ihr intensiver Blick jagte ihm eine Gänsehaut über den Rücken, doch sie  konzentrierte sich schnell wieder auf die Straße.

Sheldon genoss ihre gemeinsame Zeit, ob während ihrer kleinen Sticheleien oder gemeinsamer Ausflüge nach Disneyland.
Selbst banalste Dinge wie Einkaufen oder ein gemeinsamer Abend vor dem Fernseher wurden für ihn zu kleinen Highlights. Er hatte sogar ihre Nähe gesucht, indem er während ihrer Schicht an der Bar saß und kurzzeitig ebenfalls in der Cheesecake-Factory arbeitete. Derartiges wäre früher undenkbar gewesen.
Selbst nach Pennys und Leonards erster Trennung hatte er sich nicht von ihr fern halten können und sie heimlich getroffen.
Manchmal war er sicher, dass auch Penny nach seiner Gegenwart hungerte. Seit er sie mit „Age of Conan“ in die Welt der Videospiele eingeführt hatte, hatten sie unzählige Abende gemeinsam gezockt. Sie hatte sogar ein Zauberschachspiel gekauft, um es von ihm zu lernen. Und er war ziemlich sicher, dass sie vorher nie Interesse an solchen Sachen gehabt hätte.

Natürlich schaffte er es schlussendlich doch noch, sie zu einem seiner berühmten Spiele zu überreden, wobei sie ihn zwar mit richtigen Antworten verblüffte aber kläglich verlor. Nach einer Stunde verließ Penny die Hauptstraße, um nach einer Toilette zu suchen.
Sheldon entdeckte im nächsten Dorf endlich die kleine Pension, nach welcher er gesucht hatte und überredete sie, auf den Parkplatz zu fahren. Als sie hielten, setzte sie zu einer Diskussion an, doch Sheldon kam ihr zuvor: „Penny, du siehst müde aus. Ich denke es wäre besser, wenn wir etwas schlafen und morgen früh weiter fahren. Du weißt wohl nicht, wie viele Unfälle durch Sekundenschlaf eines übermüdeten Fahrers ausgelöst werden. Glaube mir, es gibt laut Statistik jährlich Millionen Tote wegen Schlafmangels und ich will wirklich keiner davon sein.“ Nachdem er zunächst Angst hatte, nicht hierher zu finden, konnten sie nun nicht wieder fahren. Schon seine geliebte Meemaw war einst mit seinem Opi hier gewesen und irgendwie schien es ihm passend. Er erinnerte sich genau, wie fröhlich die beiden immer lachten, wenn sie von hier aus dem Urlaub kamen.



Seine Hand lag auf ihrer, welche noch immer das Lenkrad umschloss. Die Tatsache, dass er den Körperkontakt nicht unterbrach, kostete sie jeglichen klaren Gedanken. Zögerlich stimmte sie zu.
Nervosität kroch in ihre Glieder, als sie ausstiegen und zum Eingang hinüber liefen. Was war nur los mit ihr? Sie übernachteten doch nicht das erste Mal zusammen! An der Rezeption erwartete sie eine freundliche, runde Frau mittleren Alters. Sie erklärte Penny wo sie eine Toilette finden würde und sprach anschließend mit Sheldon.
Aufgeregt wusch Penny sich in dem kleinen, gefliesten Raum Hände und Gesicht. Sie überlegte kurz, bevor sie sich das Shirt über den Kopf zog, um sich auch unter den Achseln zu reinigen. Warum nur schwitzte sie so furchtbar? Und viel wichtiger noch... warum war machte sie sich nur so verrückt?
Sheldon würde zwei Einzelzimmer buchen und sie könnte an seinem Bett sitzen und „Soft Kitty“ für ihn singen. Wie damals, als ihre Freunde in Las Vegas waren und er sich ausgesperrt hatte.
Penny hatte dieses Lied oft und gern für ihn gesungen. Wenn er krank war, Heimweh hatte oder Trost wegen einem Streit mit Leonard brauchte hatte sie ihn so sicher aufmuntern können. Als sie einmal in der Dusche gestürzt war, hatten sie es sogar im Kanon gesungen.
Sich selbst als bescheuert abstempelnd zog sie ihr Tshirt wieder an und ging zurück ins Foyer.
Sheldon wartete mit unergründlicher Mine auf sie. Mit fragendem Gesichtsausdruck schritt sie auf ihn zu.
„Es war nur noch ein einziges Zimmer frei.“ erklärte er zögerlich.
So nervös hatte Penny ihn zuletzt gesehen, als er diesen wichtigen Vortrag halten musste und sie sein Lampenfieber mit Alkohol gedämpft hatte. Sie wünschte beinahe, sie hätten auch jetzt Alkohol da, denn nun wurde sie augenblicklich wieder nervös.
Als hätte er ihre Gedanken gelesen, zauberte Sheldon eine Flasche Wein hinter seinem Rücken hervor. „Die überaus nette Mrs. Bloomingdale hat zufällig den selben Lieblings-Rosé wie du und hat mir eine Flasche gegeben. Des weiteren versprach sie mir, ihre Nichte würde sehr gründlich putzen und alles, was ein junges Paar für die Nacht braucht, auf das Zimmer bringen. Wir können ja einen Spaziergang machen, bis das Mädchen seine Arbeit getan hat.“ schlug er vor.
Ihr Herz raste und überschlug sich beinahe. Augenscheinlich hatte Sheldon die gute Frau nicht darüber aufgeklärt, dass sie kein Liebespaar waren und irgendwie freute Penny sich darüber.
Die kühle Nachtluft tat ihrem schmerzenden Kopf gut und friedlich schlenderten Sheldon und sie durch den malerischen Ort. Das Dorf war so klein, dass sie keiner Menschenseele begegneten. Ein kleines Waldstück grenzte an das Ende des Dorfes und als sie dem Verlauf der Bäume folgten, gelangten sie an einen kleinen See.

Schweigend blickte Penny über seine ruhige Oberfläche und genoss die friedliche Stille, die nur von Vogelzwitschern und Fröschequaken gestört wurde. Unbemerkt war Sheldon hinter sie getreten und schlang seine Arme um ihren Oberkörper. Sie war froh, dass er sie dadurch stützte, denn sonst wäre sie vermutlich umgefallen. Seine Umarmungen waren ein wertvolles, seltenes Gut und sie kostete jede Einzelne davon voll aus. Sie wollte diese auch nicht zerstören, indem sie den Grund hinterfragte.
Mittlerweile hatte sie genau sieben Umarmungen von Sheldon bekommen...

Sheldon war einem Instinkt gefolgt, als er Penny in seine Arme zog. Sie sah traurig aus und überhaupt gierte er nach ihrer Berührung, wie bei keinem anderen Menschen auf der Welt.
Nach einer Weile einträchtigem Schweigen fragte er ihren Nacken leise: „Glaubst du, diese Trennung von Leonard und dir ist...endgültig?“
Kurz versteifte Penny sich in seinen Armen und er bereute es, gefragt zu haben.
Doch ihre Antwort kam kurz darauf: „Ich vertraue ihm einfach nicht mehr, seit er mich damals auf seiner Nordseeexpedition betrogen hat. Er beteuert zwar, dass es nur ein einmaliger One-Night-Stand war, aber... ich...“ Sie stockte kurz und er presste sie noch fester an sich.
Ermutigt fuhr sie fort: „Leonard ist kein schlechter Mensch. Er denkt vielleicht selbst, dass er mich liebt... aber er tut es nicht wirklich. Nur mein hübsches Äußeres, damit gibt er überall an. Aber er schämt sich für meine Dummheit...“
Abrupt drehte Sheldon sie zu sich herum und fiel ihr ins Wort: „Du bist nicht dumm, Penny! Ich weiß, dass ich selbst dich oft mit deiner naturwissenschaftlichen Unbedarftheit aufziehe, aber du hast andere Stärken. Du bist nicht nur hübsch; auch warmherzig und treu. Ich habe dir in jener Zeit ohne Leonard viele Geheimnisse anvertraut und du hast sie bewahrt. Deine Pennyblossoms zeugen von Kreativität und Geschäftssinn; genauso wie das Schuhprojekt. Deine soziale Kompetenz ist überragend und du beherrschst die Kunst des Schauspiels – was du mich übrigens auch hervorragend gelehrt hast. Du magst vielleicht andere Interessen haben als wir, aber du bist sicher nicht dumm.“

Sprachlos starrte Penny ihn an. Dies war das mit Abstand das liebste, was Sheldon oder überhaupt irgendjemand je zu ihr gesagt hatte.
Um ihre Unsicherheit zu überspielen, forschte sie ihrerseits: „Sheldon ich wollte dich das schon eine ganze Weile fragen... warum habt ihr euch getrennt, du und Amy?“
Er schwieg sich aus, ließ von ihr ab und lief nervös umher. Gerade als sie die Hoffnung auf Antwort aufgeben wollte, gab er ihr doch noch eine eine: „Nun es gab mehrere Gründe. Zum einen ist Amy mathematisch gesehen der Meinung, dass wären sie und Leonard kein Teil dieser Gleichung gewesen, die Lösung die selbige wäre. Sprich a+l+p+s ergibt über kurz oder lang p+s. Und ich denke, dass sie recht hat, so unlogisch das auch klingt.“

Für Penny klang das erst recht unlogisch.
„Bitte was?“ fragte sie belämmert.
Seufzend wollte er seinen Vortrag wiederholen: „Es gab mehrere Gründe. Zum einen ist Amy mathematisch gesehen....“
„Sheldon, ich bitte dich! Erkläre es mir so, dass ich dich verstehe.“
Penny flehte beinahe, also setzte er leicht errötend neu an: „Vereinfacht gesagt: Amy denkt, dass du und ich ein Paar werden. Dass ihre und Leonards Anwesenheit lediglich ein Aufschub fü uns war.“
Ganz sicher träumte sie noch. Unsanft zwickte sie sich in den Unterarm. Es tat weh.
„Bei unserem ersten Date wollte ich dich dabei haben und auch nachdem unsere Beziehung ernsthafter wurde, habe ich unablässig deine Nähe gesucht. Meine Versuche dir fern zu bleiben scheiterten kläglich. Oh und zuletzt muss ich noch erwähnen, dass äußerlich vielleicht jeder Amy und mich für das perfekte Paar hielt. Beverly, meine eigene Mutter und auch meine geliebte Meemaw hingegen konnten sie von Anfang an nicht besonders gut leiden.“
Das Blut rauschte in Pennys Ohren und sie kämpfte mit dem Schwindelgefühl. Hoffentlich wurde sie nicht ohnmächtig. Vielleicht war sie auch schon gefallen und hatte sich den Kopf gestoßen.
Vorsichtig versuchte sie sich an einer Erklärung: „Shelly, ich glaube die ganzen Veränderungen machen dir Angst und...“
Der Rest blieb ihr im Halse stecken, denn noch nie hatte sie ihren Freund so wütend gesehen, wie in diesem Moment. Zorn verzerrte sein sonst so liebes Gesicht, als er auf sie zu schritt und beinahe schrie: „Sei still, Penny! Natürlich machen all diese Veränderungen mir etwas Angst, aber diese hier will ich mehr als alles andere!“
Sheldon stand nun direkt vor ihr, sie konnte seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht spüren. Dennoch wich sie keinen Millimeter zurück.
Scheinbar nahm er gerade erst Anlauf, denn er setzte seine Ansprache direkt fort: „Wir waren schon immer ein gutes Team Penny. Die Schnitzeljagd neulich hat es wieder bewiesen. Ich fühle mich nur in deinem Beisein so richtig wohl und kann mir mein Leben ohne dich nicht vorstellen. Warum denkst du wohl, bin ich immer fort gelaufen, wenn Leonard und du Streit hattet? Ich hatte solche Angst, ihr könntet euch trennen und du würdest weg ziehen. Weg von mir...“ während er sprach, war seine Stimme immer leiser geworden.

*

Ein Jahr später

Zugegeben, Penny war ein wenig angetrunken. Seit sie das letzte Mal an diesem See war, hatte sie immer weniger Alkohol zu sich genommen und dementsprechend zeigte die Flasche Rosé, welche Sheldon und sie sich geteilt hatten, ihre Wirkung. Schwankend aber kichernd zog sie die hohen Schuhe von den Füßen, hielt sich an ihm fest.
Sein Gesicht kam ihrem ganz nahe und sie hatte Mühe, sich zu konzentrieren. Sprachlos starrte sie in die babyblauen Augen des Mannes, den sie seit Jahren zu kennen glaubte. Nach wie vor wisperte eine Stimme aus ihrem Unterbewusstsein, dass sie vermutlich zu viel getrunken hatte und in einem ihrer Tagträume hängen geblieben war. Das letzte Jahr war einfach zu schön, als dass sie es wirklich glauben konnte.
Irgendwo in der Ferne ertönten Glockenschläge. Es war Mitternacht.
Schreckensbleich riss Penny die Augen auf und rief: „Oh Schätzchen, du hast Geburtstag! Aber ich habe dein Geschenk im Appartement vergessen!“



Schmunzelnd hob Sheldon seine Hand an ihr Gesicht und strich sanft über ihre Wange. Augenblicklich schwieg sie still und blickte mit unsicherem, flehendem Blick zu ihm auf. Das gefiel ihm, warum hatte er es nicht viel eher versucht? Alles schien mit einem Mal so leicht...
Langsam näherte er sich ihr noch ein Stück, schloss die letzten Zentimeter Abstand zwischen ihnen.
Ihre Pupillen weiteten sich und sie atmete schwer. Seine Lippen waren nur Millimeter von ihren entfernt, als er flüsterte: „Völlig davon abgsehen, dass mir materielle Güter nichts bedeuten, hast du mir bereits meine größten Wünsche erfüllt, Schätzchen. Für mich hast du auf die Reise in die Schweiz verzichtet, damit ich den berühmten CERN Teilchenbeschleuniger sehen kann – auch wenn das nicht funktioniert hat. Du hast dich so oft für mich eingesetzt; hast sogar meine gestohlenen World of Warcraft – Sachen zurück erobert!“

Penny erinnerte sich nur zu gut an all das. Ihr Verzicht auf die Reise zum Valentinstag hatte ihr eine seiner seltenen Umarmungen eingebracht.
Etwas verlegen warf sie ein: „Aber du warst doch auch immer für mich da! Du hast dich zum Beispiel um mich gekümmert, als ich in der Dusche gefallen bin. Damals hast du mich ins Krankenhaus gefahren und mit mir Soft Kitty gesungen. Selbst vor Gericht und im Gefängnis bist du meinetwegen gewesen!“

Auch Sheldon erinnerte sich nur zu gut – was natürlich seinem eidetischem Gedächtnis zu verschulden war. An dem Tag hatte er Penny das erste Mal nackt gesehen. Noch heute dachte er manchmal daran zurück und beinahe hätte ein schmutziges Grinsen sich auf sein Gesicht geschlichen. Stattdessen entgegnete er ihr: „Wir waren quitt, als du mich dafür zu Stan Lee brachtest. Zu Weihnachten hast du mir DNA von Leonard Nimoy geschenkt!“
Ihr schlanker Körper berührte seinen bei jedem Atemzug und Sheldon gab sich größte Mühe, sich nicht auf gewisse Körperstellen zu konzentrieren.
„Im Gegenzug bekam ich einen Vorrat Badezusätze, von dem ich heute noch zehre und meine allererste Umarmung von dir.“ warf sie leise ein. „Von diesem Tag war ich süchtig.“
Für einen Moment setzte sein Herz aus, um anschließend wild gegen seine Brust zu trommeln.
Pennys letzter Satz war nur ein Hauch im Wind und sie hoffte inständig, dass er ihn nicht verstanden hatte. Sheldon ging nicht darauf ein, schlang aber seine Arme um ihre Taille. Ein wenig zuckte sie zusammen und versuchte, das Zittern ihres Körpers zu unterdrücken.
Sie spürte Sheldons Mund an ihrem Ohrläppchen, als er sanft flüsterte: „Wovor hast du Angst? Durch Gesundheit und Krankheit sind wir schon gegangen und haben zueinander gehalten, selbst in Konflikt mit dem Gesetz. Ich bin so stolz auf dich und was du aus dir gemacht hast. Du bist eine wundervolle Person und das ganz unabhängig von deiner offensichtlichen Schönheit. Dich an meiner Seite zu haben ist das schönste Geburtstagsgeschenk auf dieser Welt!“ Etwas zittrig atmete er aus; an diesem Vortrag hatte er ewig geschrieben und sogar seine Zwillingsschwester Missy zu Rate gezogen! Bis ins kleinste Detail hatte er dieses Wochenende geplant und nun furchtbare Angst, dass etwas schief ging.
Überwältigt rang Penny mit den Tränen, als er seine Stirn gegen die ihre lehnte. Wie oft hatte sie davon geträumt... Freiwillig hatte sie damals seine Kurse besucht, um nur eine flüchtige Berührung von ihm zu erhalten und heute war sie ihm näher, als sie je zu hoffen gewagt hatte.

„Ich habe so oft von diesem Moment geträumt.“
In der Ferne schrie leise ein Käuzchen, als Sheldon beschloss, sich seine Träume zu erfüllen und seinen Mund auf Pennys süße Lippen presste.
Sie erwiderte seinen Kuss beinahe zögerlich und sehr sanft. Obwohl es theoretisch unmöglich war wurden ihre Küsse mit jedem Mal noch besser und sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als er sie vorsichtig von sich schob um vor ihr in den Dreck zu sinken.
Mit großen Augen blickte sie auf ihn herab, als er mit der Linken ihre Hand griff und deren Rücken sanft küsste. Seine Rechte griff in die Innentasche seines Jacketts und förderte eine kleine Schatulle zu Tage. Bei ihrem letzten Besuch hatte er Meemaws Segen erbeten und mit Wyatt hatte er schon vor Monaten heimlich gesprochen.
Sheldon holte noch einmal tief Luft, dann versuchte er, seine Gefühle in Worte zu fassen: „Schätzchen, mir ist bewusst, dass die Umstände nicht gerade ideal sind. Es ist, als wäre unsere Liebe in der Hitze eines sterbenden Sterns geschmiedet worden. So wie einst Thors Hammer. Und mindestens so mächtig wie Mjölnir sind auch meine Gefühle für dich. Deswegen bitte ich dich, Penelope Barrington, werde meine Frau und fange als Mrs Cooper ein neues Leben mit mir an.“
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