A rough road ahead

GeschichteRomanze / P16
22.05.2018
28.05.2018
2
6466
 
Alle
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
Vorwort

Hallo meine lieben ERler,
Dies ist meine erste Fanfiction im ER-Fandom. Ich habe vor ein paar Wochen die Serie für mich entdeckt. Ich muss gestehen, ich habe sie wegen der wunderbaren Alex Kingston angefangen, die mich bei Doctor Who einfach nur verzaubert hat. Ich hab also nach weiteren Sendungen und Videos mit ihr gesucht und bin auf ER gestoßen und habe mich sofort verliebt.
Elizabeth Corday ist ein wunderbarer Charakter und definitiv mein liebster in der ganzen Serie. So süß ich sie mit Mark finde und so sehr ich Ella auch anhimmle, ich schippe sie definitiv mit Robert. Die beiden sind so süß zusammen und dieses Feuer.. ich könnte Lizzie den Hals umdrehen, wenn er sich ihr öffnet und sie einfach davon läuft. Der erste wirkliche Moment, in der ich sie nicht verstehen kann. Er war so cute.
Diese Geschichte wird sich also, oh welch Überraschung, um Lizzie und Robert drehen - eben Cordano.
Ich habe nämlich mit Schrecken fest gestellt, dass mein Lesebedürfnis nach diesem Pair hier nicht gedeckt werden kann, also musste ich auf die englische Version ausweichen. Und als ich da die letzten Tage so rumgestöbert habe, sind mir selbst Ideen für Cordanos gekommen.
Dies hier wird die Erste sein, die Zweite ist schon in Planung und auch ein Kapitel, leider mitten raus gegriffen, ist schon geschrieben.
Für alle Mark/Elizabeth- Fans wird diese Geschichte wohl nichts sein. Ich werde ein bisschen gemein zu ihm sein, weiß aber noch nicht, ob er stirbt oder doch am Leben bleibt.
In den ersten Kapiteln wird wohl noch nicht so viel Cordano kommen, ich lasse mich überraschen.
Ich versuche auch die Kapitel immer so in der Länge zwischen 2000 und 3000 Wörtern zu halten, aber das wird rangieren.
Ich versuche auch, jede Woche ein Kapitel hochzuladen. Mal sehen wie die Resonanz ist und ob sich überhaupt noch jemand in dieses Fandom verirrt.
Ich wünsche euch jetzt erst mal viel Spaß beim Lesen und würde mich defintiv sehr über Reviews freuen - sie würden mich bestärken weiter zu schreiben. :)

Disclaimer
Mir gehört (leider) gar nichts an ER und den hier aufgeführten Charakteren. Wirklich, gar nichts. Anderenfalls hätte ich Elizabeth nicht weggeschickt und Robert nicht sterben lassen und, wenn es nach mir ginge, wären die beiden auch in der Serie ein Paar geworden und nicht nur in meiner Fantasie. Alles ist frei erfunden, wurde nirgendwo her geklaut und entspringt meinen verworrenen Gedankengängen. Nur die Charaktere gehören sich selbst und den Produzenten und Schreibern, ich bemächtige mich nur ihres Wesens und versuche sie auf Papier einzufangen.

Best Wishes ~ Alice

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Sie konnte es nicht glauben. Er hatte es ihr verschwiegen.
Warum hatte er nichts gesagt?
Warum hatte er sie die ganzen letzten Tage in Dunkelheit gelassen?
Elizabeth lehnte ihren Kopf an die kühle Fensterscheibe. Ihr Stirn fühlte sich unsagbar heiß an, glühte, drohte das dünne Glas zu schmelzen. Der Regen prasselte leise gegen die Scheibe, der Wind presste die Tropfen in jede einzelne Fuge, in jeden Spalt, fegte in Böen durch die lauten Straßen der Stadt. Und doch war es in dem kleinen Wartezimmer so ruhig, dass sie selbst ihren Herzschlag hören konnte, wie er stetig und leise in einem ruhig Rhythmus tanzte und ihren Körper die Kraft verlieh zu laufen, zu atmen, zu leben.
Mit einem leisen Seufzen schloss sie ihre Augen. Wie konnte das nur passieren? Natürlich wusste sie, wie so etwas passieren konnte. Sie war schließlich Arzt. Aber sie konnte einfach nicht verstehen, warum so etwas immer den Guten passieren musste.
Warum musste das Leben immer den Guten eins auswischen?
Warum musste es ihr immer den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn sie gerade einmal wieder Stand gefunden hatte?
Warum konnte nicht einfach mal alles gut in ihrem Leben laufen?
Und warum verdammt nochmal wusste sie so lange nichts von der ganzen Sache?

Sein Tumor war zurück.
Marks Tumor war wieder da und hatte sich ausgebreitet, war auf wichtige Bereiche des Gehirns übergegangen.
Und er hatte es ihr verschwiegen. Sie hatte es aus zweiter Hand erfahren müssen und dann auch noch von dieser Lewis. Natürlich, von wem auch sonst. Sie ließ ein verächtliches Schnauben hören. Er hatte sich Susan, einer Frau, die erst vor kurzem wieder in sein Leben getreten und ihm davor das Herz gebrochen hatte, anvertraut und es ihr, seiner eigenen Frau, der Mutter seiner Tochter verschwiegen. Oh und wie einfach sie wieder in sein Leben gekommen war und er sie bereitwillig aufgenommen hatte. Elizabeth beneidete Susan insgeheim für den Umgang den sie mit Mark pflegte. Es sah so einfach, so ungezwungen.. so harmonisch aus.
Ihre Ehe glich hingegen einem Haufen an Scherben, an denen sie ständig drohten sich in die Finger zu schneiden, sobald sie sie zusammen fegen und wieder aufbauen wollten. Ihr hatte er vertraut von der ersten Sekunde an, in der sie wieder ans County zurückgekehrt war. Und Elizabeth? Bei ihr sah er es nicht einmal von Nöten sie von seiner wiederkehrenden Krankheit in Kenntnis zu setzen. Er vertraute ihr nicht mehr, Susan dafür aber anscheinend blind.

Elizabeth fühlte sich schlecht, elend. Sie hätte für ihn da sein sollen. Sie hätte ihn nach New York begleiten müssen. Hätte ihm während den Bestrahlungen und der Chemotherapie zur Seite stehen müssen. Hätte ihn dazu drängen müssen noch weitere Versuche, andere Wege zu wagen um den Tumor wieder zu besiegen. Sie hätte ihm beistehen müssen, als ihm die niederschmetternde Diagnose gestellt wurde: Sein Tumor war irreparabel.
Sie hatte es nicht verstehen wollen, als er es ihr vor ein paar Stunden erzählt hatte. Konnte ihm nicht glauben, wollte ihm nicht glauben. Sie konnte ihn nicht verlieren, nicht jetzt, wo Ella einen Vater brauchte, wo sie selbst ihn brauchte.
Ein bitteres Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Sie war ausgezogen, hatte Ella mit sich genommen. Und jetzt spielte sie die trauernde, am Boden zerstörte Ehefrau, die ihrem Mann vorwarf sie hintergangen zu haben. Sie fühlte sich selbst schäbig. Aber sie konnte einfach nicht länger in diesem Haus bleiben, Ella nicht länger dieser Gefahr aussetzen. Und Mark konnte sie in dieser Sache nicht verstehen, wollte es wahrscheinlich auch gar nicht. Doch sie musste einfach in ein Hotel flüchten.

Ihr Baby war noch nicht ein Jahr alt, gerade einmal neun Monate atmete und lebte sie auf dieser Welt und war dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen. Und das alles nur wegen seiner Tochter Rachel. Weil Mark nicht stark genug war, um bei ihr durchzugreifen. Nur deswegen war ihre Tochter in Gefahr gewesen an einer Überdosis zu sterben. Sie hatte ihn gewarnt. Sie hatte ihm mehrfach gesagt, er müsse härtere Regeln setzen und stärker und konsequenter durchgreifen. Sie wussten von Rachels Umgang, dass sie trank, spät weg war und sogar rauchte. Dass sie Drogen nehmen würde, sei nur eine Frage der Zeit, hatte sie ihm gesagt. Doch er hatte ihr nicht glauben wollen, hatte sie mit stumpfen Plattitüden, dass Teenager nun mal schwierig sind, auf Abstand gehalten.
Sie konnte es auf der einen Seite verstehen auf der anderen verachtete sie ihn dafür. Er fühlte sich selbst schuldig, schellte sich, Rachel kein guter Vater gewesen zu sein. Und ja, vielleicht war da ein Fünkchen Wahrheit dran, aber das würde sie ihm nie so sagen. Er hatte sich dafür verantwortlich gemacht, dass Rachel in die falsche Szene abgerutscht war und mit seinem zusprechenden und fürsorglichem Verhalten ihr gegenüber, wollte er versuchen, wieder Boden gut zu machen. Doch das führte eher zum Gegenteil. Er ließ Rachel viel zu viel durchgehen und gefährdete damit seine andere Tochter.
Ihr kleines Mädchen.
Als vor ihrem inneren Auge das Bild eines kleinen, gebrechlichen Wesens in einem sterilen, weißen, befremdlichen Krankenbett auftauchte, zog sich ihr Herz krampfend zusammen. Sie schloss gequält die Augen, als ihr die Bilder von vor ein paar Wochen wieder in den Kopf kamen. Ella in einem der Betten im County. Gehüllt in weiße Laken. Still, friedlich, aussehend als ob sie schliefe. Doch die zahlreichen Schläuche und Kanülen, die in ihren kleinen Körper verliefen, straften der Wunschvorstellung Lüge. Sie wusste ihre Tochter war gut aufgehoben gewesen in den ausgewählten Hände des Countys, aber trotzdem war es nie sicher gewesen, ob sie je die nächsten Tage überleben und wieder aufwachen würde.
Sie erinnerte sich nur zu an die Geschehnisse nachdem sie mit Ella im Krankenhaus angekommen war. Der Ausdruck in Marks Gesicht, als er realisierte, dass nicht Rachel, sondern Ella die mit der Überdosis war. Die mitleidigen Blicke der Schwestern und Ärzte über ihr eigenes Unglück. Der alarmierende Piepton der Monitore als Ellas Herzschlag auf 200 anstieg und drohte stehen zu bleiben klingelte immer noch in ihren Ohren und verursachte eine Gänsehaut über ihren gesamten Körper. Als sie zu schwach war, um sich noch länger auf den Beinen zu halten, wurde sie beiseite gedrängt, in den nebenliegenden Raum geschoben und das, obwohl sie nur bei ihrer Tochter bleiben und ihr helfen wollte. Als Ella endlich einen Sinusrhythmus hatte, dachte sie ihr Herz würde vor Freude zerspringen nur um Sekunden später auszusetzen, als die Alarmtöne die sinkende Sauerstoffsättigung ankündigten.
In ihrem Kopf schwirrte nur ein Gedanke umher: „Gott bitte, schütze das Leben meiner Tochter. Nimm mir meins aber lass sie leben.“
Als dann auch noch Mark zur Seite gedrängt und ihrem kleinen Engel ein Tubus in den Hals geschoben wurde, konnte sie einfach nicht anders und musste sich abwenden, übergab sich in den nächst stehenden Behälter und ließ sich weinend auf den Boden sinken, betend, dass ihrer Kleinen nichts passieren würde. Vor Erschöpfung war sie damals eingeschlafen, konnte sich nur noch an ein Paar blaue Augen erinnern, dessen Besitzer ihr dann verkündete, dass Ella nun stabilisiert war und sie verlegt wurde. Sie selbst fühlte sich am Ende ihrer Kräfte, hatte ihren Infekt selbst noch nicht ausgestanden, trotzdem wich sie ihrer Tochter von da an nicht mehr von der Seite.
Jede Stunde, jede Minute saß sie an ihrem Bettchen, hielt ihre kleine Hand in ihrer und beobachtete das stetige Heben ihres kleinen Brustkörpers, froh, dass sie noch atmete, auch wenn sie wusste, dass sie es nicht selbstständig tat, lauschte dem konstanten Geräuschen der Maschinen, suchte Sicherheit in ihnen, dass sie ihren größten Schatz noch nicht verloren hatte. Sie war krank, gebrochen und am Ende ihrer Kräfte gewesen und doch musste sie genug Stärke aufbringen, um ihrer Tochter beizustehen, ihr zu versichern, dass sie weiterleben würde und ihr die Nähe und Geborgenheit bieten, wie es eine Mutter zu tun hatte.

Dabei hätte sie es selbst auch gebrauchen können. Sie hätte Marks Nähe, seine Hilfe, seine Unterstützung, seine Liebe gebrauchen können, aber er war nicht da gewesen, war stattdessen Rachel hinterhergerannt, die aus dem Krankenhaus geflüchtet war. Es hat ihr nicht Leid getan, dass sie Rachel gegenüber so abweisend und kalt gewesen war: Es war ein ungehobeltes, verantwortungsloses und verzogenes Kind. Umso mehr hatte es sie geschmerzt, dass Mark eher Rachel nachgelaufen war, als ihr und seiner kleinen, in Lebensgefahr schwebenden, Tochter beizustehen. Sie hatte das Gefühl, sie und Ella hatten keinen Stellenwert in Marks Leben, dachte, er wolle es Rachel einfach nur so komfortabel wie möglich machen, um vergangene Fehler wieder gut zu machen und sein Gewissen zu beruhigen.
In ihrer Brust wallte erneut der Schmerz und die Wut über Marks Verhalten auf und sie biss sich auf die Lippe, um sich zu beruhigen. Es war nicht fair von ihr, Mark so etwas vorzuwerfen, aber er versuchte ja nicht einmal sie zu verstehen. Nachdem es Ella wieder besser ging, wollte sie einfach nur noch nach Hause, sich von Mark in die Arme nehmen lassen und sich geborgen fühlen, den ganzen Stress hinter sich lassen und dankbar dafür sein, dass sich alles zum Guten gewendet hatte. Das einzige, was sie damals von ihm verlangt hatte, war, dass er Rachel nach Hause schickte, wenn er sich schon sträubte sie der Polizei zu melden. Sie wollte dieses Kind einfach nicht in der Nähe ihres Babys haben. Egal wie sehr und wie oft Rachel es auch beteuern würde, dass es ihr leid täte, Elizabeth hatte mit ihr abgeschlossen, vertraute ihr nicht mehr und war sich nicht sicher, ob sie es jemals wieder tun würde.
Sie hatte Rachel auf deren Frage, was sie tun könne, gesagt, sie solle einfach ihr Haus verlassen und nie mehr wiederkommen. Aber Mark hatte es verhindert, weigerte sich Elizabeths Wunsch zu erfüllen. Warum wollte er nicht verstehen, dass das für sie so wichtig war? Er versetzte Elizabeth damit einen Stich ins Herz, entschied sich für SEINE Tochter und damit gegen Elizabeth und ihre gemeinsame Tochter. Elizabeth fühlte sich betrogen, hintergangen, ungeliebt und unverstanden. Sie konnte einfach nicht mehr in diesem Haus bleiben, mit der Fastmörderin ihrer Tochter unter einem Dach wohnen. Sie brachte es einfach nicht über sich Rachel zu verzeihen, es wie Mark auf die schwere Zeit eines Teenagers zu schieben.
Sie musste an sich und Ella denken, an ihre Sicherheit und dass sie zufrieden aufwachsen konnte, deswegen war sie in ein Hotel ausgewichen. Es sollte nicht für Lange sein, hoffte sie doch immer noch, dass Mark einsichtig werden und einlenken würde. Aus diesem Grund hatte sie sich auch nicht nach einer neuen Wohnung umgesehen, sondern war nur vorübergehend ausgezogen. Sie brauchte einfach Abstand von allem und Zeit für sich und Ella.
Und doch vermisste sie Mark.
Schrecklich sogar.

Natürlich, es war nicht einfach mit einem 9-monatige altem Baby alleine in einem Hotel zu wohnen, wenn man auch noch einen Fulltime-Job hatte, aber Katherine war eine enorme Unterstützung für Elizabeth. Ohne sie wäre sie wahrscheinlich schon durchgedreht und hätte alles hingeschmissen, aber irgendwie funktionierte es. Sie war weit entfernt davon mit ihren Lebensumständen zufrieden zu sein: Sie fühlte sich ausgelaugt, gestresst, aber sie hatte ihre Tochter bei sich und sie lebte. Das war die Hauptsache. Und doch versetzte es ihr jeden Morgen einen Stich ins Herz, wenn sie die Augen aufschlug und nicht die warme, einladende Umarmung von Mark sie willkommen hieß, sondern bloß eine kalte, bis auf den kleinen Körper ihrer Tochter,  leere Betthälfte. Sie vermisste seine Umarmungen, seine Küsse, seine Stimme, sein Lächeln, seine Anwesenheit neben ihr.
Aber sie war zu stolz und stur um nachzugeben und zu ihm, zu Rachel, in ihr Zuhause zurückzukehren. Sie fühlte sich schlecht, sie wollte Mark nicht seine Tochter vorenthalten, aber sie wusste sich einfach nicht anders zu helfen. Vielleicht würde er sie so verstehen können. Doch solange dies nicht der Fall war, konnte sie einfach nicht in seiner Nähe sein. Es schmerzte sie einfach zu sehr zu wissen, dass er sich gegen sie entschieden hatte. Es schmerzte sie zu sehen, wie vertraut er mit Susan umging. Es schmerzte sie, den Schmerz in seinen Augen zu sehen, wenn er sie über einen Patienten hinweg ansah. Sie konnte diese Emotionen in seinem Blick einfach nicht mehr ertragen, weswegen sie die Besuche in der Notaufnahme auf ein Minimum beschränkte und so kurz wie möglich hielt. Und es funktionierte meist auch.

Wenn sie frühs mit der El vor dem Krankenhaus ankam, schlich sie sich meist unbemerkt einen der Seiteneingänge ins Gebäude und fühlte sich erst sicher, wenn sie im Stockwerk der Chirurgie angekommen war und ihren vollen Operationsplan betrachtete. Sie musste einiges in Bewegung setzen und ein paar Leute bestechen, aber sie hatte es die letzten paar Wochen geschafft, dass ihre Kollegen ihre Bereitschaftsschicht in der Notaufnahme übernahmen. So absolvierte sie mehr oder weniger gelassen ihre Operationen in ihrer Schichte und schlich sich, sobald sie mit dem letzten Patienten fertig war, wieder über einen Seiteneingang noch draußen. Natürlich bemerkten ihre Kollegen ihr Verhalten, Shirley hatte sie auch schon einmal gefragt, warum sie sich vor Arbeiten in der Notaufnahme drücke, aber Elizabeth war immer ausgewichen, hatte ihr gesagt, das würde nur falsch rüber kommen und sie hätte hier oben einfach alle Hände voll zu tun.
Natürlich blieb es keinem verborgen. Vor allem nicht ihm. Als sie vor zwei Tagen am Informationstisch angekommen und ihren Plan inspiziert hatte, viel ihr auf, das sämtliche Operationen von ihr auf Eis gelegt, oder anderweitig vergeben worden waren. Sie hatte Robert sofort zur Rede gestellt, ihm deutlich gemacht, dass sie ihre angesetzten Operationen auch durchführen wollen würde und zwar dann, wann sie es wollte. Er schenkte ihr einen dieser Blicke und sie wusste, sie hatte keine Chance ihn umzustimmen. Er machte ihr unmissverständlich klar, dass sie ihre Zeit in der Notaufnahme nicht vernachlässigen durfte und sie schon seit Wochen keinen Dienst mehr dort angetreten war.
„Man hat mir schon vorgeworfen, dich verschleppt oder ermordet zu haben, weil man dich dort unten nicht mehr zu Gesicht bekommt, obwohl du früher jede freie Minute dort verbracht hast.“ ,hatte er mit einem verächtlichen Schnauben zu ihr gesagt.
Sie versuchte ihn noch umzustimmen, aber er verdonnerte sie zu einer Woche Bereitschaftsdienst. Wie sehr sie ihn dafür hasste. Er wusste, dass sie Marks Nähe gerade nicht ertrug und ihn amüsierte es, sie leiden zu sehen. Sie wusste, er liebte es, Menschen Leid zu zufügen, sie zu demütigen und ihnen ihre Stellung klar zu machen.
Aber sie hatte nicht von ihm geglaubt auch mit ihr so umzugehen. Sie hatte geglaubt er hätte sich geändert.
Hatte geglaubt, die letzten Wochen hätte etwas zwischen ihnen beiden geändert, hätte ihre Beziehung auf eine freundschaftliche Basis gehoben, doch sie hatte sich wohl getäuscht. Wie so oft.  

Ihr traten die Tränen in die Augen und plötzlich schien es, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggerissen werden. Die harte Realität traf sie mit voller Wucht: Marks Tumor war zurück und er würde sterben. Sie würde ihn verlieren für immer. Auf einmal tat es ihr so leid, wie sie sich verhalten hatte. Sie kam sich so dumm vor. Sie presste ihre Handflächen auf die Augen, genoss den roten Schleier, der sich über ihr Blickfeld legte, aber das konnte nicht verhindern, dass die Tränen begannen über ihre Wangen zu fließen. Sie fühlte sich so nutz- und hilflos. Ein unterdrücktes Schluchzen verließ ihres Mund, gefolgt von einem weiterem, einem lauteren. Sie schlug die Hände vors Gesicht und fing an bitterlich zu weinen.
Ihr Ehemann würde sterben und sie konnte nichts dagegen tun. Ein weiterer Schluchzer erschütterte ihren Körper.
Ella würde ohne ihren Vater aufwachsen, würde sich kaum an ihn erinnern können. In ihrem Bauch krampfte sich alles zusammen und die Schluchzer hallten unerbittlich von den Wänden des Aufenthaltsraumes wieder.
Er würde ihr nie das Laufen, das Schwimmen, das Autofahren beibringen. Nie irgendwelche Jungs unter die Lupe nehmen und Ella damit enorme Peinlichkeiten bescheren.
Er würde sie nie zum Traualtar führen können.
Elizabeth fühlte den aufkommenden Schwindel und ließ sich schluchzend auf einen der Sessel sinken. Das Leben war so ein mieser Verräter. Warum musste es ihr gerade so viel Leid bereiten? Sie konnte es nicht verstehen. Konnten sie nicht einfach eine große glückliche Familie werden und zusammen alt werden? Auch, wenn Mark und sie ihre Differenzen hatten, so liebte sie ihn immer noch sehr. Er war ihr Mann, der Vater ihrer Tochter. Der Mann, neben dem sie die letzten zwei Jahre aufgewacht war, mit dem sie durch Höhen und Tiefen gegangen war. Er würde sterben, würde sie hier auf dieser kalten, unberechenbaren, grausamen Welt allein und mit der Aufgabe Ella großzuziehen zurücklassen. Es war einfach nicht fair. Sie fuhr sich durch die Haare, stützte ihren Kopf in ihre Hände und ließ den Tränen freien Lauf, wimmerte und versuchte ihre Atmung wieder unter Kontrolle zu kriegen.

Plötzlich wurde mit Schwung die Tür von draußen geöffnet und eine ihr nur allzu bekannte Stimme schnarrte ungehalten, als sie in sein Blickfeld geriet: „Ahh, verkriechen wir uns, ja? Tun Sie mir einen Gefallen und gehen Sie einfach runter, wenn diese Idioten Sie anpiepen.“
Robert Romanos Stimme triefte nur so vor Sarkasmus und zeigte deutlich, wie genervt er war.
„Die sind wie halbirre Androiden, die alle fünf Minuten um Hilfe schreien bis sie es geschafft haben den furchtlosen Anführer zu finden und uns alle in ihr Universum zu saugen.“
Das Geräusch von Kaffee, der in einen Becher geschüttet wird und das Klirren eines Löffels bei dessen Umrühren erklang hinter ihr. Sie versuchte das Schluchzen zu unterdrücken, richtete sich ein wenig auf, putzte sich die Nase und wischte sich die Tränen ab, versuchte alle Spuren ihres vorherigen Zusammenbruches zu vernichten. Sie wollte vor ihm nicht schon wieder diese Schwäche zeigen.
„Halloo? Was ist passiert? Muss der holde Gatte wieder in die Reha?“
Seine Stimme wurde ungeduldiger, schwappte kalt und emotionslos zu ihr herüber. Sie konnte ein weiteres Schluchzen nicht mehr unterdrücken.
Stille.
Dann Schritte, die sich auf sie zu bewegten.
Drei, vier.
Er stand hinter ihr. Sie spürte eine Hand auf ihrer Schulter, warm und stark, schenkte ihr Halt und Geborgenheit. Ein weiteres Schluchzen wallte in ihrer Brust auf, das sie aber auf ein Wimmern herabdrücken konnte. Sie drehte leicht ihren Kopf und wurde von einem Paar brauner Augen eingefangen. Sie strahlten so viel Liebe, Besorgnis, aber auch Vorsicht aus. Sie verlor sich darin, fühlte sich zurück erinnert. Robert Romano rief Erinnerungen in ihr wach, die sie versucht hatte, als schwärzeste in ihrem ganzen Leben zu vergessen, auch wenn er der einzige helle Lichtblick in dem ganzen Szenario war. Sie verlor sich in seinen Augen, tauchte in das dunkle Braun ein und erlebte noch einmal die Geschehnisse der letzten Wochen.

TBC
Review schreiben
 
'