Unvergessen.Unvergänglich.Lebenslänglich - GlaubeLiebeTod - Frei.Wild und Oomph!

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Christian "Föhre" Foerer Jochen "Zegga" Gargitter Jonas Notdurfter OC (Own Character) Philipp Burger
21.05.2018
21.05.2018
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Unvergessen.Unvergänglich.Lebenslänglich
                                                           Glaube Liebe Tod

Die Schulglocke klingelte und die Kinder rannten aus dem alten Schulgebäude, hinaus auf dem Hof. Mädchen und Jungs, mit kurzen Hosen und Kleidern spielten sie Verstecken oder jagten sich gegenseitig. Nur ein Junge saß allein und verlassen im leeren Klassenraum an seinem Tisch. Seine Finger bluteten, er war zornig. „Was soll denn aus dir werden, wenn du weiter so machst, sitzt du bald auf der Straße.“ Wetterte die Frau hinter ihrem schweren Lehrerpult. Philipp, genannt Fips, sah sie hasserfüllt an. Wie sie dort saß, mit ihrer dicken Brille, den hochgesteckten blonden Haaren und den scharfen Lippen. Sie würde ihn doch gar nicht verstehen. Er biss sich auf die Lippe und erwiderte nichts. Als die Uhr 12 schlug, griff er seinen Rucksack und verschwand endlich aus dem stickigen Klassenraum. Es war das 4. Mal diese Woche dass die Lehrer ihn zurück hielten. Sie hatten Angst vor ihm, dass konnte er spüren. Aber was sollte er tun, wenn die Wut ihn überkam.
Er rannte die Treppen hinunter bis in die Eingangshalle. Der helle Fliesenboden war bereits geputzt, ein beißender Geruch lag in der Luft. Philipp blieb kurz stehen, sah sich um. Der Hausmeister fegte gerade den Schulhof, als er den Jungen erblickte. „Guck das du nach Hause kommst, Junge.“ Philipp nahm die Beine in die Hand und rannte in der späten Mittagssonne herunter ins Tal. Phillip war ein 10 Jähriger Junge der im sonnigen Südtirol lebte. Seine hell blauen Augen wirkten auf manche aggressiv, wodurch sich Philipp oft Ärger einhandelte. Er ließ sich ungern etwas sagen und hatte oft sehr viel Wut in sich. Seine Eltern verstanden nicht, wieso die Lehrer ihn ständig länger da behielten. Daheim war er ein lieber Junge, der im Haushalt half und friedlich war.
Philipp hatte das Dorf erreicht. Doch anstatt nach Hause zu rennen, lief er weiter. Er folgte dem kleinen Bach unter sich, der seine Bahnen durch das Dorf machte. Das Kopfsteinpflaster unter seinen Turnschuhen war heiß von der Mittagssonne. Es war Hochsommer und schon bald schwitzte Philipp arg. Als er von weitem bereits die Stimmen hörte, legte er einen Zahn zu. Seine Freunde warteten bereits auf ihn. Stefan, Andy und Rob waren bereits da und stapelten Steine aufeinander. Sie saßen mit hochgekrempelten Hosen im seichten Wasser und bauten einen Damm. Als Stefan ihn erkannte, rief er von weitem. „Hey, da bist du ja endlich Fips.“ Philipp nickte, warf seinen Rucksack zu den anderen und zog sich die Schuhe aus. „Ätzend, immer diese Lehrer.“ Murmelte er. „Was hast du dieses Mal angestellt?“ fragte Andy und ließ einen Stein flitschen. Ganze 5 Mal titschte der Stein auf der Wasseroberfläche bevor er im Wasser unterging. Philipp zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht, ich habe bloß gesagt dass Anette heute wieder ein blödes Kleid an hat.“ Rob kicherte beherzt. „Und das haben sie dir übel genommen?“ „Anette´s Eltern sind da sehr penibel.“ Mahnte Stefan und tippte mit dem Finger an sein Kinn. „Bei der muss man echt aufpassen, dass man nichts Falsches sagt.“ „Diese blöde Petze.“ Meckerte Andy. “Wie kommen wir voran?“ erkundigte sich Philipp und stieg ebenfalls ins kühle Nass. „Nun, wenn wir so weiter machen, staut sich das Wasser bald vollständig zurück.“ Die Jungs nickten begeistert.
Als die Sonne bereits tiefer stand, legten sich die vier in die warmen Sonnenstrahlen. Stefan hatte gerade die Augen geschlossen, als er quietschende Fahrradbremsen hörte. Rob setzte sich sofort auf. „Da kommt jemand.“ Und tatsächlich fuhren plötzlich 6 große Jungs auf ihren Mountainbikes knapp vor den Jungs vorbei. Sie kurvten durch den Bach und zerstörten dabei den Staudamm den die vier Jungs mühsam gebaut hatten. Stefan und Philipp standen wutentbrannt auf. „Hey, was soll der scheiß?“ schrie Fips hinter den Kerlen her. „Ja wirklich, legt euch mit jemandem in eurer Größe an.“ Doch die Jungs kamen zurück. Kurz vor den beiden 10 Jährigen blieben sie stehen. „Habt ihr was gesagt?“ Fragte der größte von den 6. Er trug seine Haare zu einem Zopf zusammen und  hatte einen Zahnstocher im Mundwinkel. „Oder habt ihr es euch doch anders überlegt.“ Während Andy und Rob ein Stück zurück wichen, verzogen Fips und Stefan keine Miene. „Ich sehe schon, ihr wollt eure Schnauze poliert haben?“ grinste der Kerl. Er warf sein Fahrrad in den Busch und stürzte sich auf die zwei kleinen Jungs. Das Gefolge stimmte ein und feuerte den vermeintlichen Anführer an. Stefan und Philipp wurden die Arme schmerzhaft auf den Rücken gedreht. Unter Tränen jammerte Stefan. „Lass los du Arschloch!“ Er haute zu und traf den Kerl in der Magengrube. Er sackte in sich zusammen. Philipp löste den Griff und schlug dem großen Jungen seine Faust ins Gesicht. Der großgebaute Junge sah nur einen kurzen Moment sein Gefolge an, dann stürzten sich alle 6 auf die zwei. Rob und Andy versuchten noch ihre Freunde zu verteidigen, doch der Kampf war schnell vorüber.

„Und was machen wir jetzt?“ „Ich muss langsam echt nach Hause.“ „Wie sollen wir hier bloß runter kommen…?“ Jammerte Rob. Die 4 Freunde baumelten jeweils kopfüber von einem Meter Hohen Baum herunter. Fips schnaufte. „Diese Feiglinge. Alleine hätten wir ihn fertig gemacht.“ Stefan nickte und versuchte seine Fußfesseln zu lösen. Doch keine Chance, sie waren so feste zugezogen, dass ein 10 Jähriger sie nie hätte lösen können. „Wir werden hier oben verhungern.“ Jammerte Andy und stellte sich ein gebratenes Stück Kasseler vor. Plötzlich vernahmen sie Stimmen. Drei Mädchen kamen vorbei. Sie kicherten hinter vorgehaltener Hand. Sie legten ihre Handtücher ab und wollten sich gerade die Kleider vom Körper streifen, als Stefan husten musste. Die Mädchen zuckten zusammen und blieben wie angewurzelt stehen, als sie die 4 Jungs am Baum hängen sahen. „Igitt, wolltet ihr uns etwa bespannen?“ „Das ist vielleicht eklig. Schämt euch was.“ Die Mädchen packten ihre Sachen. „Nein bitte, ihr müsst uns helfen.“ Flehte Fips. Zwei der Mädchen liefen weiter, doch eine sah die Jungs an. „Wieso sollten wir das tun? Ihr ärgert uns doch eh in der Schule, wenn wir euch jetzt nicht hängen lassen.“ Andy schüttelte wild mit dem Kopf. „Nein, wirklich nicht. Bitte, helft uns. Wir kommen hier sonst nie wieder runter.“ „Lilly komm schon, lass dich nicht bequatschen.“ Drängte die eine und zog ihr am Arm. Lilly nickte. „Was ist wenn wir einen Deal machen?“ Andy, Rob und Stefan sahen sie an. „Deal?“ fragten sie, wie aus einem Munde. „Wir holen euch da runter und dafür beschützt ihr uns beim nächsten Mal wenn in der Schule jemand böse zu uns ist.“ Fips dachte nach. „Abgemacht!“ Die Mädchen berieten sich kurz. Dann fischten die drei einen Stock aus dem Gebüsch, knebelten ein kleines Taschenmesser an die Spitze und führten den Stock dann an die Seile. Sie schnitten mit viel Mühe die Seile durch. Es dauerte lange, doch plötzlich knackte es bei Stefan und mit einem Mal flog er mit einem Affenzahn auf den harten Boden. Er bewegte sich schwerfällig und rieb sich die Schulter. Andy folgte und dann Fips. Als letztes war Rob dran. Als alle 4 Jungs gerettet waren, bedankten sie sich bei den hilfsbereiten Mädchen. „Ohne euch hätten wir da oben warten müssen, bis die Seile verrottet wären.“ Kicherte Andy. „Und das dauert ziemlich lange.“ Merkte Rob an. Andy knufft ihn, denn Rob hatte das gleiche Mädchen angelächelt, die Andy im Blick hatte. Die ließ sich davon jedoch kaum beeindrucken und schaute bloß ihre Freundin an. „Na gut, dann lasst uns nun aber auch Baden.“ Bat Lilly und forderte die Jungs auf, zu gehen. Fips und Stefan nickten. „Kommt Jungs, lasst uns nach Hause gehen.“ Stefan lächelte Lilly verträumt an. „Dankeschön nochmal….“ Lilly nickte und wurde rot. „Spinnst du? Streich das sofort aus deinem Kopf Lil. Das sind die schlimmsten Buben, die es in der Gegend gibt.“ Meckerte Tris. „Ach, ich mach doch gar nichts.“ Verteidigte sich Lilly und grinste, während sie Stefan noch lange hinterher sah. „Können wir nun endlich baden gehen?“ erkundigte sich Rika, bereits splitterfasernackt tanzend. Tris schämte sich prompt für Rika.

Stefan und Fips wohnten in der gleichen Gegend und hetzten gemeinsam durch das stille Örtchen. Sie waren locker 2 Stunden zu spät. Ihre Eltern würden ausflippen, gab es doch so viele Orte an denen sie hätten reinfallen oder abstürzen können. Stefan grinste Fips ein letztes Mal zu, bevor er den Schlüssel leise ins Schloss steckte. Fips hob die Hand und stieg dann die Treppen am Haus seiner Eltern hoch. Im Örtchen Brixen waren alle Häuser noch wie vor Hunderten Jahren. Schöne Fachwerkhäuser, mit prächtigen Balken, schönen Treppen und Blumen an jedem Fenster. Brixen war ein ruhiges Örtchen am Rande des Eisacktals in Südtirol. Die Bewohner kannten sich untereinander und im groben war es sehr friedlich. Das sollte sich in ein paar Minuten ändern. Stefan schlich sich ganz langsam in den Flur, ließ die Tür ins Schloss fallen und schlüpfte so leise es ging aus seinen Turnschuhen. Er glaubte zu hören, dass seine Eltern Fernsehen guckten und so ging er schnell auf die Treppe zu. Plötzlich regte sich etwas. „Wo warst du?“ ertönte es hinter ihm. Stefan blieb ruckartig stehen. „Öhm, ich….komme gerade von…oben?!“ Er glaubte wohl selber nicht ganz an seine Aussage. „Stefan, nehm mich nicht auf den Arm. Wo zum Teufel warst du um die Uhrzeit noch? Ich habe mir Sorgen gemacht!“ wetterte seine Mutter. Sie stand da, die Hände in die Hüften gebohrt, der Blick durchstechend. Sie erwartete eine Antwort, ganz klar. Doch sollte Stefan ihr wirklich sagen, dass er eine Weile an einem Baum gehangen hatte? Kopfüber? Er schüttelte in Gedanken den Kopf. „Ich habe nicht auf die Uhr gesehen. Da waren drei Mädchen und…“ Seine Mutter hob die Hand. „Stefan, bitte. Ich mache mir bloß Sorgen um dich. Ich will nicht, dass dir etwas zustößt. Bitte achte darauf. Morgen läuft das anders.“ Stefan nickte und rannte dann schnell die Treppe hinauf.
Bei Philipp war es nicht ganz so einfach. Er war nicht das erste Mal zu spät gekommen. Meistens wussten seine Eltern, dass er pünktlich kam, man konnte sich allerdings nicht immer ganz darauf verlassen. Als er gerade im Flur auf dem Boden saß und seine Schuhe auszog, stand bereits sein Vater in der Tür. „Philipp!“ donnerte er. „Wo warst du? Deine Mutter sucht dich schon im Ort!“ Fips sah auf. Oh nein, wenn seine Mum ihn suchen war, war es bereits zu spät. Sie würde ihm die Hölle heiß machen und vermutlich sogar mehrere Tage Stubenarrest aufbrummen.  Er seufzte. „Papa, ich hatte da so ein Problem…“ Sein Vater sah ihn erwartungsvoll an. „Und zwar?“ fragte er. Sollte er? Fips dachte kurz nach. „Weißt du, wir waren am Bach. Und da waren plötzlich diese Kerle.“ Er erzählte seinem Vater die Geschichte von der Schlägerei und auch von den Seilen. Und natürlich auch von den Mädchen. Fips Vater grinste. „Mädchen? Sind die nicht noch zu doof?“ Fips schüttelte energisch den Kopf. „Nein, DIE nicht! Ich glaube, sie ist keine Petze.“ Sein Vater grinste. „Komm, zieh dir die Schuhe aus und geh schon mal hoch. Ich komme dann gleich nach. Gleiche Geschichte, wie jeden Abend?“ Fips nickte freudig und flitzte schnell die Treppen hoch.
Fips kramte, oben in seinem Zimmer angekommen, sein WalkiTalki heraus und funkte sofort seine Freunde an. Andy meldete sich als erstes. „Ich bin gut angekommen, ich liege schon in der Badewanne. Und? Ärger bekommen?“ Fips funkte zurück. „Nein, nicht wirklich. Stefan?“ „Hier ist alles im Reinen.“ Funkte es zurück. Als auch Rob heile angekommen und keinen Abriss bekommen hatte, verabschiedeten sich die Jungs voneinander. Fips schlüpfte in seinen Pyjama und huschte unter seine Decke die mit vielen Astronauten bedeckt war. Fips liebte das Weltall und deswegen las sein Vater ihm jeden Abend eine Geschichte aus dem Weltraumbuch vor, dass seine Oma ihm geschenkt hatte. Nach den ersten Sätzen, schlummerte Fips bereits tief und fest.
„Stefan, magst du noch eine warme Milch haben?“ tönte es aus der Küche. „Ja, bitte!“ rief er zurück. „Aber bitte mit Hoonniigggg!“ hing er an. Milch ohne Honig war doch was für Babys. Als seine Mutter nun zu ihm hoch kam, seine warme Milch mit Honig in der Hand, rutschte er unter seine Bettdecke und schaute seine Mutter glücklich an. „Lesen wir heute Tabaluga weiter?“ Seine Mutter musste nachdenken. „Hmmm wir können aber auch….“ „Nein! Ta….ba…lu…ga!“ buchstabierte er und beharrte auf sein absolutes Lieblingsbuch. Also setzte seine Mutter sich wie immer auf seine Bettkante und begann zu lesen.
Am frühen Morgen wachte Andy ziemlich unsanft auf. Er träumte von dem Mädchen, dass er am vorherigen Tag gesehen hatte. Als er gerade vor ihr gestanden hatte und ihr ein nettes Hallo zugeflüstert hatte, war sein Kater Buddha auf ihn drauf gesprungen. „Eyyy….“meckerte er und erkannte erst jetzt, das es Buddha war, der seinen Traum beendet hatte.  „Andy bist du wach Schatz?“ tönte es von unten. Andy streckte sich. Seine Decke hing halb über dem Geländer seines Hochbetts. „Jaahhaaa!“ rief er zurück und folgte dem Kater runter in die Küche. „Na was hast du heute vor?“ erkundigte sich sein Vater bei seinem Sohn, während er die Zeitung las. Andy zuckte mit den Schultern. „Fips, Rob und Stefan wollten heute eventuell ne Runde Fußball spielen, unten im Park.“ Seine Mutter stellte ihm eine Schüssel Cornflakes vor die Nase. „Aber erst wird gegessen.“
Als alle Jungs fertig waren, trafen sie sich am Brunnen in der Mitte des Dorfes. Fips war zuerst da und grinste als er Rob und Stefan erblickte. „Fehlt mal wieder Andy. Der kommt aber auch immer zu spät.“ Stefan nickte. „Das wird sich wohl nie ändern.“ Von hinten ertönte es. „Hey Philipp!“ Fips drehte sich um. Es waren zwei seiner Freunde aus dem Fußballverein. Jonas und Christian kamen auf die Gruppe zugerannt. Stefan und Rob begrüßten die beiden flüchtig. Die beiden waren aus dem nächsten Dorf, und daher noch ziemlich unbekannt für die beiden. Nur Andy, der nun angeflitzt kam begrüßte beide. „Hi Jungs. Sagt bloß ihr spielt heute mit?!“ Stefan und Rob verdrehten die Augen. „Hi Andy, nein nein wir wollten bloß Philipp zur Probe einladen.“ Fips sah die beiden an. „Probe?“ Christian erklärte. „Na du hast doch gesagt, du würdest gerne ein Instrument spielen. Heute Mittag treffen wir uns alle gemeinsam in Waldburg. Wenn du möchtest?!“ Christian und Jonas nickten den anderen drei Jungs zu. Während Stefan und Rob die Arme verschränkten, war Andy Feuer und Flamme. „Ich würde gerne mitkommen!“ Er strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Jonas nickte in Richtung Stefan und Rob. „Was ist mit euch?“ Die beiden erwiderten gleichzeitig ein „Nein, Danke“. „Ich würde gerne kommen, Jungs.“ Sagte Fips und nickte. Als Christian und Jonas wieder verschwanden, sahen Stefan und Rob ziemlich verärgert aus. „Was ist?“ fragte Fips. „Wir wollten heute etwas miteinander unternehmen!“ „Wieso habt ihr euch jetzt anderweitig verabredet?“ Fips und Andy verdrehten die Augen und sahen sich an. „Ihr hättet doch mitkommen können.“ „Wir haben aber keine Lust auf blödes Musikmachen. Schon gar nicht in Waldburg.“ Argumentierte Rob genervt. Andy jammerte. „Ach kommt schon. Wir wollten doch Fußball spielen.“ Stefan und Rob schüttelten die Köpfe. Sie waren eingeschnappt und gingen ohne sich noch einmal nach Andy oder Fips umzudrehen.
Stefan und Rob hatten sich entnervt auf dem  Schulhof auf die Tischtennisplatte gesetzt und starrten Löcher in die Luft. „Blöder Fips und blöder Andy.“ Brummte Stefan. Er hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt und biss sich auf der Lippe herum. Er war vor allem auf Andy sauer. Er war sein bester Freund und hatte ihn jetzt dennoch so versetzt. Rob sah Stefan an. „Was machen wir denn jetzt?“ Stefan zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht.“ Lange Zeit saßen sie so da, bis Stefan leicht eindöste. Er wurde geweckt als eine Engelsgleiche Stimme sprach.
„Hey!“ Stefan wedelte herum und verlor beinahe das Gleichgewicht auf der Tischtennisplatte. Direkt vor seinem Gesicht tauchte das Gesicht eines dreinblickenden Mädchens auf. „Du schon wieder!“ stellte sie fest. Als Stefan sich die Augen rieb, erkannte er die drei Mädchen vom vorherigen Tag. „Oh hey.“ Sagte er verlegen und kratzte sich am Hinterkopf. Rob war von der Platte aufgesprungen und grinste. „Hallo die Damen.“ Er kicherte. „Stellt ihr uns nach?“ wollte Tris wissen. Stefan winkte ab. „Na, wir waren zuerst hier.“ Tris musterte ihn, aber Lilly zog sie beiseite. „Nun lass doch. Ich finde….wir sollten die beiden zum Spielen einladen.“ Tris fiel vom Glauben ab. „Spinnst du? Die beiden bringen nur Ärger. Schon schlimm genug dass sie diesen Burger kennen. Mama hat mich vor ihm gewarnt. Er hänselt die Anette immer so.“ Lilly nickte. „Aber das ist er nicht. Das ist….“ Sie stutzte. „Wie heißt ihr eigentlich?“ erkundigte sie sich. Stefan stand stramm, als Lilly ihn ansprach wurde er ganz blass. „Stefan!“ sagte er prompt. „Ich bin Rob.“ Sagte Rob lächelnd. „Angenehm. Lilly, Rika und das ist…“ „Geht dich nichts an.“ Protestierte Tris. „Tris.“ Beendete Rika den Satz. Tris warf ihr einen bösen Blick zu. „Ich habe da keine Lust drauf, wir kennen die beiden doch überhaupt nicht!“ Lilly lächelte. „Aber genau deswegen müssen wir sie ja kennenlernen.“ Rika nickte. „Also Stefan, Rob, wollt ihr eine Runde mitspielen?“ Stefan musterte Lilly aufmerksam. Sie war so wunderschön in seinen Augen, dass er ihr gar nicht richtig zuhören konnte. Ihre Stimme klang wie Musik in seinen Ohren, ihre Haut war vermutlich weich und zart. Sie hatte wundervolle grün-braune Augen, ihre Lippen waren in ein leichtes Rosa getunkt. Ihre Haare trug Lilly offen. Lange wellige Haare in einem dunklen Rot getunkt. Sie war bezaubernd. „Stefan?“ fragte Lilly erneuert. „Wollt ihr nun, oder nicht?“ Stefan nickte schnell. „Sehr…sehr gerne sogar.“ Er schluckte. „Na wunderbar.“ Meckerte Tris und verschränkte die Arme genervt. Sie konnte es überhaupt nicht leiden, wenn man sie überging, aber ihre beiden Freundinnen waren da ja leider anderer Meinung. Wenn sie nicht immer so abenteuerlustig wären, dachte sich Tris. Sie schaute entnervt auf Rika, wie sie da neben Rob stand und ihn anlächelte. Sie waren doch überhaupt nicht auf einer Wellenlänge. „Also, ich verschwinde.“ Sagte sie und drehte sich auf dem Absatz um. „Aber Tris, nun stell dich doch nicht so an. Wir spielen doch bloß eine Runde Tischtennis mit den beiden.“ Sagte Lilly. „Ja, wir spielen schon kein Flaschendrehen.“ Kicherte Rika und Rob fiel in ihr Lachen mit ein. „Sehr lustig!“ meckerte Tris und ging. Lilly schnaufte. „Es tut mir wirklich leid, sie ist normalerweise nicht so.“ „Doch ist sie…“ brummte Rika und schnappte sich die Schläger aus dem Körbchen dass Lilly mitgebracht hatte. „Spielen wir?“

Philipp und Andy saßen im Bus in Richtung Waldburg. Andy war ganz aufgeregt, er hatte dieses Jahr von seinen Eltern ein Keyboard geschenkt bekommen und fühlte sich seit dem unfassbar cool. Wenn er eines Tages so gut spielen könnte wie seine Vorbilder, wäre ein Traum für ihn in Erfüllung gegangen. Fips sah aus dem Fenster. „Meinst du Stefan und Rob beruhigen sich wieder?“ fragte er besorgt. Er kannte Stefan bereits seit dem Kindergarten und sie waren quasi miteinander aufgewachsen. Es schmerzte ihm schon ein wenig, dass Stefan gegangen war. „Ach, die beruhigen sich bestimmt wieder. An welchem Instrument hast du eigentlich Interesse?“ fragte Andy neugierig. Fips sah wieder auf die an ihm vorbei sausenden Bäume. „Weiß nicht….“seufzte er.
Als sie ausstiegen, warteten bereits Chris und Jonas auf die beiden. „Cool dass ihr gekommen seid.“ Begrüßte Christian die beiden. Die Vier Jungs betraten das kleine Vereinsheim. Hier standen überall Instrumente herum. Viele Leute waren bereits da, unterhielten sich und rauchten und tranken Bier. Fips und Andy verzogen die Nasen. „Hier kriegt man ja kaum Luft.“ Meckerte Fips prompt. „Ja, das sind halt die Erwachsenen.“ Sagte Jonas. Die Jungs gesellten sich zu einem Haufen Jugendlicher die bestimmt schon an die 16 Jahre alt waren. Fips und Andy rutschte beinahe das Herz in die Hose. Vor ihnen saß der Kerl, der sie zusammen geschlagen hatte. Er rümpfte die Nase und sah Fips sauer an. „Was will die kleine Mistkröte hier? Hast du noch nicht genug?“ Fips hob die Fäuste. Er war auf alles gefasst, was nun kam. Andy hob die Hände schützend vor sich. „Hey, wir haben doch gar nichts gemacht.“ Jonas und Chris sahen sie an. „Beruhigt euch wieder.“ Der große stand auf, hob die Faust und schlug sie Fips mitten ins Gesicht. Der fiel zu Boden, raffte sich dann wieder auf und sprang den großen Jungen an. Wie wild schlug er auf ihn ein und ließ sich auch von Andy nicht los reißen. Erst als die Erwachsenen die beiden Prügelknaben auseinander rissen, war endlich Ruhe. „Du gehst jetzt besser Heim.“ Drohte einer der Männer und sah Fips wütend an. Fips starrte ihn aggressiv an. „Ich lasse mir von euch gar nichts sagen!“ Andy versuchte seinen Freund zu beschwichtigen, doch Fips drehte sich bereits um und wollte gehen. „Philipp Burger, war klar! Verschwinde bloß hier und wag es dich nicht noch mal hier her zu kommen.“ Merkte einer der Erwachsenen Männer an. Fips drehte sich ein letztes Mal um, sah dem Mann in die Augen und flüsterte. „Na warte…“  Dann verließ er das Vereinsheim. Andy blieb regungslos stehen.
Als Andy hinter ihm her rannte, saß Fips alleine auf einer hölzernen Bank die Straße hoch. Außer Atem schnappte Andy nach Luft und beugte sich dazu auf die Knie. „Mensch…..was war denn los?“ fragte er immer noch röchelnd. Der sportlichste war er noch nie gewesen. Fips seufzte. „Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nicht, was die Leute gegen mich haben.“ Er trat vor Wut gegen eine leere Bierdose die vor ihm lag. Lag es daran, dass er sich so schnell provozieren ließ? Oder tatsächlich an seinem stechenden Blick? „Ich brauche diese Leute nicht.“ Sagte er und sah seine Arme an. Er würde sich nicht verbiegen lassen. Komme was wolle!

Fein angezogen und mit gekämmten Haaren stand Stefan vor dem Spiegel. Er zupfte ein letztes Mal an sich herum bis die Krawatte saß. Das letzte Haar wurde vom Ärmel gezupft und das Sakko wurde glatt gestrichen. „Bist du soweit Stefan?“ erklang es von unten. „Ich komme sofort!“  Stefan lächelte sich ein letztes Mal im Spiegel zu. „Du packst das schon!“ grinste er. Stefan war ein großer Junger geworden. Seine Schultern waren breiter und seine Beine länger geworden. Sein Gesicht wirkte nun männlicher, die kindlichen Züge waren verschwunden. Langsam setzte der Bartwuchs bei ihm ein, er würde sich wohl für einen schicken Bart an den Wangen entscheiden. Heute war ein wichtiger Tag für ihn, denn heute war der Abschlussball der Unterstufe. Nach den Sommerfreien würde Stefan die Oberstufe besuchen, um sein Abitur zu machen. Doch statt aufgeregt auf sein Zeugnis zu sein, beschäftigte ihn nur eins. Was würde Lilly sagen? Er hatte sich fest vorgenommen, sie am Abend endlich zu fragen, ob sie mit ihm zusammen sein möchte. Sie waren jetzt schon so lange befreundet und er musste auch oft mitbekommen, wie andere Jungs sie umwarben, doch er hatte nie den Mut dazu gefunden, sie endlich zu fragen. Stefans Herz pochte vor Aufregung wenn er nur daran dachte. Er atmete noch einmal tief ein und aus und ging dann nach unten zu seinen Eltern.
Andy stand aufgeregt im Badezimmer und versuchte seine Haare zu stylen. Doch die wollten einfach nicht so wie er.
Nachdem er endlich fertig war (seine Haare waren nun vorne leicht hoch gekämmt) packte er sich seine Jacke, quetschte sich in die engen Schuhe und verließ unter Stress das Haus.


Aufgeregt stand sie da. Völlig nervös knibbelte sie an ihrem leichten Samtkleid, das strahlend weiß war. Die Sonne umspielte ihre kurzen dunklen Haare, ihr sanftes Make Up betonte ihre zarten Gesichtszüge. „Hey Lilly!“ brüllte plötzlich jemand über den Parkplatz. Lilith drehte sich um und erkannte Rika von weitem. Sie hatte ein kurzes schwarzes Kleid an, dazu schwarze Pumps. Ihre wallende blonde Mähne hatte sie leicht aufgelockt. Strahlend sah sie Lilith an. „Du siehst fantastisch aus!“ strahlte sie über das ganze Gesicht. Lilith wurde rot. „Na, du aber auch, mein lieber Mann.“ Staunte sie. Rika war eigentlich genau wie sie nie der Typ für Kleider gewesen, aber irgendwann wurde wohl jeder erwachsen. Lilith kicherte. „Ich bin so aufgeregt. Ich hoffe ich habe meine Noten, so wie ich sie haben wollte.“ Rika winkte ab. „Klar, du auf jeden Fall. Ich mache mir eher um meine Sorgen…“ Sie packte sich an den Hinterkopf. „Wird schon schief gehen. Hast du die Jungs schon gesehen?“ Lilith schüttelte den Kopf. „Rob und Andy wollten gemeinsam kommen, wie es mit Stefan aussieht, weiß ich gar nicht.“  
Während die beiden Mädchen also am Parkplatz der Schule warteten, trat Tris auf den Plan. Brummig sah sie in Richtung der beiden Mädchen. Sie selber hatte ein prächtiges Ballkleid an. Sie war extra beim Friseur gewesen, doch ihr Gesicht passte nicht ganz zum Outfit. Sie war ziemlich schlecht gelaunt, denn ihre Begleitung hatte ihr in letzter Minute abgesagt. Nun stand sie da, ohne Partner. Sie sollte am besten wieder heim gehen, dachte sie sich. Als sie sich gerade umdrehen wollte, knallte sie gegen jemanden. Sie fluchte, warf sich die Haare aus dem Gesicht und blickte in zwei große grüne Augen und ein wunderbares Lächeln. Sie war für eine Sekunde vollkommen hypnotisiert. Dann fing sie sich wieder. „Kannst du nicht…aufpassen!“ meckerte sie. Rob lachte. „Tut mir schrecklich leid, Tris. Mensch du siehst ja fabelhaft aus!“ merkte er an und Tris wurde rot. „Naja, hat sich ja gelohnt. Ich fahre wieder nach Hause.“ Rob schaute sie schockiert an. „Wieso? Bleib doch hier.“ Tris schaute ihn säuerlich an. Was wollte der Kerl mit Glatze eigentlich von ihr? Sie fand Rob schon als Kind sehr aufdringlich, nun forderte er sie auch noch auf, zu bleiben. „Ich würde dich gerne ausführen, wenn du das möchtest.“ Grinste er und hielt ihr seine rechte Hand hin. Tris sah ihn an. „Im Ernst?“ Rob nickte. „Na komm, wir kennen uns ja schon ne Weile. Keine Sorge, ich tu dir nichts.“ Tris nickte. „Na gut Glatze, aber wehe du blamierst mich.“ Rob nickte. „Werde ich nicht, versprochen.“Innerlich strahlte Tris.
Rob schaute nach hinten. Andy hatte das Auto seiner Eltern geliehen.  Nachdem er einen passenden Parkplatz gefunden hatte, kam er auf die beiden zu. „So, dass wäre erledigt.“ Grinste er und erschrak als er Tris an Robs Hand sah. „Was zum!!!“ kiekste er. „Dich darf man keine 5 Minuten aus den Augen lassen Rob!“ Tris sah ihn herausfordernd an. „Na Hosenscheißer.“ Andy brummte. „Tris!“ Rob fing an wild mit den Armen zu wedeln. „Mensch, jetzt beruhigt euch mal!“ Zu dritt liefen sie zu Rika und Lilith, ließen die Sticheleien dennoch nicht sein. „Hallo Mädels.“ Grinste Andy zufrieden, als er Rika erblickte. Rika grinste zurück. „Andy, du siehst ja schick aus. Ist man gar nicht gewohnt von dir.“ Neckte Rika ihn und haute ihm den Ellenbogen in die Rippen. „Habt ihr Stefan irgendwo gesehen?“ fragte Lilith besorgter als ihr lieb war. Außer Rika wusste niemand etwas von der heimlichen Schwärmerei und dabei sollte es auch bleiben. „ich meine, nicht dass er noch zu spät kommt.“ Rettete sie sich aus der Affäre. Rika nickte. „Schau mal, da ist er doch!“ sie zeigte in Richtung Straße. Da stand Stefan, die Hände in den Taschen, den Blick leer. Vor ihm standen 5 Polizisten. „Was ist denn da los?“ fragte sich Rika, während Lilith direkt zu ihm rannte. Rika und Andy folgten ihr, Tris und Rob sahen den anderen erst nur verdutzt hinterher, ehe auch sie sich bewegten.
Bei Stefan angekommen, konnte Lilith nur Bruchstücke von dem hören, was die Polizisten zu Stefan sagten. Stefan jedenfalls nickte bloß stumm, sah schockiert aus. Lilith zitterte. Hatte Stefan etwas verbrochen? Als die Polizisten fertig waren, bedankten sie sich bei Stefan und stiegen in die Streifenwagen, die am Wegesrand standen. Stefan blieb mit gesenktem Kopf stehen. Als die Polizei fort war, ging die Gruppe sofort zu ihm. „Stef….“wisperte Lilith und sah ihm in die Augen. Stefan sah Lilith bloß an und drückte sie an sich. „Sie…sie haben ihn festgenommen….er…“ stotterte Stefan fassungslos. „Fips, er….er wird gesucht. Er muss sich geschlagen haben und hat dann wohl betrunken randaliert mit ein paar zwielichtigen Typen.“ Stefan hob den Kopf. In seinen Augen sah man die Tränen, die sich langsam sammelten. Er ballte seine Fäuste und biss sich auf die Unterlippe. „Sie wollten Auskünfte von mir über ihn. Welcher politischen Richtung er angehört und so weiter.“ Lilith, Rika, Andy und Rob sahen Stefan völlig fassungslos an. Hatte Stefan das gerade wirklich gesagt? Der kleine Fips, der einst ein fester Bestandteil der Gruppe gewesen war, sollte sich nun betrunken prügeln und die Stadt unsicher machen? Rika war fassungslos, sie starrte auf Lilith. Sie verzog die Lippen. Rikas Augen wurden wässrig. Sie schluchzte einmal und wisperte. „Ich…ich hab wohl zu Hause was vergessen. Ich glaube ich geh schnell, wartete ihr hier?“ Lilith nickte, sah ihrer besten Freundin noch nach. Die arme würde sie nun brauchen, aber was sollte sie tun, damit niemand etwas mitbekam? Sie strich Stefan sanft über den Rücken. „Was willst du nun tun?“ fragte sie behutsam. Stefan sah entschlossen aus. „Ich werde Fips suchen!“



Alles drehte sich um ihn herum. Langsam erhob er seinen Oberkörper, öffnete die Augen schwerfällig. Sein Kopf schmerzte unfassbar, seine Glieder taten ihm weh. Wo war er bloß? Fips sah sich um. Er lag auf einem grünen Stoffsofa. Um ihn herum war alles trüb und düster. Vor ihm stand ein alter, abgewetzter Tisch in den bereits einige Parolen und Bilder eingeritzt worden waren. Ein Geruch von Zigaretten und Alkohol lag in der Luft. Als er sich weiter umsah, erkannte er eine Theke, auf deren Ecke ein Fernseher stand. Er setzte sich auf und spürte etwas Warmes an seiner Schläfe. Nach einem prüfenden Wisch entdeckte er Blut an seinen Fingern. Auch an der Lippe verspürte er einen ziehenden Schmerz. Seine Lippe war aufgeplatzt und blutete ebenfalls. Was zur Hölle war denn nur passiert? Langsam stand er auf, war etwas wackelig auf den Beinen. Ihm war schlecht und er hatte Kopfschmerzen. „Na, endlich wach?!“ rief ihm jemand zu. An einem Billiardtisch gegenüber saß ein großer, schwerer Mann der ihn angrinste. „Hast gestern Nacht gut ausgeteilt, aber auch einstecken müssen.“ Er nickte und kam auf Fips zu. „Frühstück?“ fragte er. Fips sah ihn an. Kommentarlos ging der Mann und kam wenige Minuten später zurück, warf Fips eine Dose zu und grinste. Fips fing die Dose und starrte irritiert auf das Bier in seinen Händen. Zum trinken war ihm nun wirklich nicht zu mute. „Ich…ich muss nach Hause.“ Stammelte er und versuchte aufrecht zu gehen. „Ich an deiner Stelle, würde hier bleiben. Du willst doch nicht dass die Bullen dich einbuchten!“  merkte der Mann an und hob eine Augenbraue. Fips sah ihn fassungslos an. „Bullen? Wieso?“ fragte er. „Hör zu kleiner, du hast gestern ganz schön Terror gemacht im Ort. Du hast Parolen an die Häuser gesprüht, Menschen angepöbelt und zu guter Letzt einen Polizeibeamten niedergeschlagen.“ Der Mann lachte. „Die fanden das gar nicht witzig, dass du deine Bierflasche nach ihnen geworfen hast.“ Der Mann konnte sich kaum noch halten vor Lachen.
Fips erinnerte sich langsam. Er erinnerte sich an die Wut, die in ihm aufgekocht war. Irgendjemand hatte sich über ihn lustig gemacht, irgendetwas war vorgefallen, dass er sich plötzlich nicht mehr unter Kontrolle gehabt hatte. Nun öffnete er doch die Bierdose in seiner Hand und schüttete den ersten großen Schluck in die trockene Kehle. Sein Kopf schmerzte, seine Lippe pochte, doch er wusste wieder was geschehen war. Diese blöden Schweine hatten es auch nicht anders verdient. Er war sich zurück auf die Couch, schniefte ein zwei Mal. Diese scheiß Bullen hatten ihn eh auf dem Kieker, waren doch alle gleich. Er blickte auf seine volltättowierten Arme. Auf seinem linken Unterarm prangte der Schriftzug „My Life My Rights“ Er strich mit dem Finger darüber. Sie waren die Narben zu seiner Seele, doch nur so konnte er endlich ausdrücken, welchen Hass er auf die Gesellschaft hatte. Die mit ihren Vorurteilen hatten es nicht anders verdient. Er fuhr sich mit der Hand auf den beinahe kahlgeschorenen Kopf.

Stefan stand vor der Haustür von Fips Eltern. Seine Mutter sah Stefan besorgt an. „Es tut mir so leid Stefan. Ich kann dir nicht sagen wo Philipp ist. Er ist seit langer Zeit wirklich sehr selten zu hause. Seit er diesen neuen Freundeskreis hat….“ „Neuer Freundeskreis?“ horchte Stefan nach. Fips Mutter nickte. „Er hat seit geraumer Zeit einen Verein, wie er es nennt, wo er sich jeden Tag mit trifft. Angeblich treffen sie sich nur und diskutieren dort über verschiedenste Ansichten, aber meiner Meinung nach, steckt mehr dahinter. Immer diese Musik in letzter Zeit, die so voller Hass und Gewalt ist.“ Stefan senkte den Blick. Seine Vermutung offenbarte sich als böse Realität. Sein beste Freund Fips war in die rechte Szene abgerutscht!
Nachdem Stefan wieder zu Hause war, starrt er eine Zeit lang seine Wand an. Alte Bilder aus der Vergangenheit, die Fips und ihn zeigten. Sie waren so eng verbunden, dass Stefan es nie für möglich gehalten hätte, eines Tages so weit entfernt von Fips zu sein, wie es nur ging. Während er den Abschluss locker in der Tasche hatte  und nun sein ABI machen würde  um dann als Schlagzeuger durchzustarten, schwänzte Fips regelmäßig die Schule. Er war kurz nachdem die Gruppe und er sich getrennt hatten nicht mehr in die Schule gekommen. Statt zu lernen, schwänzte er lieber, traf sich mit seltsamen Leuten und pöbelte Menschen anderer Herkunft im Dorf an, sobald sie ihm unter die Augen kamen. Stefan verstand nicht, was aus seinem einstigen Kumpel geworden war. Er war schon immer nah an der Grenze zu Gewaltbereitschaft und Hass gebaut, doch dass er eines Tages tatsächlich über sie drüber steigen würde, hätte Stefan nie gedacht. Wie konnte es dazu kommen? Stefan warf sich rücklings auf sein Bett und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Er dachte nach, warf seine Gedanken in die Vergangenheit

„Nein, lass es sein! Bitte, hör auf!“ Stefan zitterte und kauerte ängstlich auf dem Boden. Schützend hielt er sich die Arme über den Kopf, doch Fips hörte nicht auf. Immer und immer wieder schlug er zu, Stefan konnte nur das dumpfe Geräusch hören, das eine Faust machte, wenn sie mit hoher Geschwindigkeit auf einen menschlichen Körper traf. „Du wirst dafür bezahlen!“ brüllte Fips laut und schlug noch fester zu. Irgendwann ließ er von seinem Opfer ab. Stefan hob den Kopf leicht. Der Junge, der die beiden vor einem Monat verprügelt hatte, war ihnen bis an den Waldrand gefolgt, um sich dafür zu rächen, dass Fips ihm seine Reifen am Mofa zerstochen hatte. Doch nun lag er blutüberströmt auf dem Waldboden, hustete wegen dem Druck auf seiner Lunge stark und hatte vermutlich heftige Schmerzen. Er sah überhaupt nicht gut aus, vermutlich waren auch innere Verletzungen dabei. Stefan setzte sich auf und sah seinen Freund an. „Warum …hast du das….getan?“ fragte er völlig entgeistert. Fips rieb sich die Fäuste, mittlerweile tat das zuschlagen gar nicht mehr so weh, wie am Anfang. „Er hat es doch verdient! Er hat angefangen und uns verprügelt.“ Stefan nickte „Ja verprügelt, aber nicht krankenhausreif geschlagen! Fips, wir müssen einen Krankenwagen rufen, er wird verbluten wenn wir ihn hier lassen.“ Fips zuckte mit den Schultern. Er verschränkte die Arme und wandte sich ab.

Stefan drehte sich auf die Seite. Er wollte die Bilder von Jan vergessen. Nachdem Stefan lang genug auf Philipp eingeredet hatte, hatten sie endlich einen Krankenwagen für Jan gerufen. Seinen Namen erfuhren sie später im Krankenhaus, als Stefan versuchte sich bei ihm zu entschuldigen. Doch Jan hatte nur eines im Sinn. Gesund werden und Anzeige erstatten. Und zwar gegen beide! Stefans Eltern war damals die Luft weggeblieben, als sie hörten dass ihr kleiner 10 Jähriger Junge an starker Körperverletzung beteiligt war. Gott sei Dank hatte Jan später ausgesagt, Stefan hätte den Krankenwagen gerufen und ihm geholfen. Somit war er aus der Nummer schnell raus, doch Philipp musste damals 200 Sozialstunden leisten, die er nach der Schule absaß. Eigentlich hätte Stefan da bereits die Reißleine ziehen sollen. Bereits da war Fips auf dem besten Wege abzurutschen. Doch er hatte nichts von alledem bemerkt. War er damals einfach zu jung gewesen? Stefan erinnerte sich noch genau, wie die Lehrerin reagiert hatte, als Fips eines Morgens mit einem Tattoo am Arm zur Schule kam. Sie war völlig außer sich gewesen. Völlig entgeistert hatte sie bei Fips Eltern angerufen, die davon nicht das Geringste gewusst hatten. Stefan fiel früh auf, dass Fips´ Eltern den Kontakt zu ihrem Sohn früh verloren hatten. Hatten sie eine Mitschuld daran, dass Fips mittlerweile so war? Stefan stand auf. Er konnte sich nicht weiter mit den Gedanken quälen. Er kramte seinen Laptop heraus und suchte im Internet nach rechtsradikalen Vereinigungen in seiner Nähe. Es gab bloß eine: Ewiger Herbst 77

Lilith saß an ihrem Schreibtisch und machte ihre Hausaufgaben. Sie war mit ihren Gedanken nicht ganz dabei. Immerzu musste sie an Stefan und Philipp denken. Und auch Rika wirrte in ihrem Kopf herum. Sie war so plötzlich verschwunden und hatte sich bisher auch nicht gemeldet. Ihr musste es schrecklich gehen. Lilith schob das Biologiebuch von sich und warf einen Blick aus dem Fenster. Sie wusste schon eine Weile von Rikas Problem. Sie war sowohl Andy als auch Fips verfallen, kam aber bisher zu keiner Entscheidung, wie es weiter gehen sollte. Andy hegte dieselben Gefühle wie Rika, doch Rika konnte sich nicht entscheiden. Hin und her gerissen, war sie mal bei Fips dann wieder bei Andy. Doch nun, in der momentanen Lage fürchtete Lilith sich um ihre Freundin. Was wäre, wenn an den Geschichten über Fips etwas dran wäre und Rika ihm blind Folgen würde, nur um bei ihm zu sein? Lilith stand auf. Sie musste zu Rika!

Auf dem Weg zu ihrem Elternhaus traf sie zufällig auf Stefan. Schnell eilte sie zu ihm herüber, während dieser nachdenklich auf einer Bank auf dem Marktplatz saß. „Hey Stefan!“ begrüßte sie ihn und setze sich dazu. „Hast du schon was heraus gefunden?“ erkundigte sie sich. Stefan nickte niedergeschlagen. „Ich war bei seiner Mutter. Sie erzählte von Hasserfüllter Musik, Flaggen mit Parolen an seinen Wänden, Veränderungen an Fips selbst.“ Stefan schüttelte den Kopf, er wollte den Gedanken nicht zu Ende denken. Lilly ließ den Kopf hängen. „Er ist also….tatsächlich ein…ein…“  „Ein Skinhead….“ Schluchzte Stefan. Lilith legte einen Arm um seine Schulter. „Wir holen ihn da raus.  
Wenige Tage später saß Andy auf dem Spielplatz nahe der Schule. Er saß auf einer Schaukel, und ließ Kopf und Beine vor sich hin baumeln. Er hatte Rika seit Tagen nicht mehr gesehen, nichts von ihr gehört und auch sonst nichts mitbekommen was sie betraf. Er machte sich große Sorgen, doch Rika war nicht sein Eigentum, er konnte ihr doch nicht hinterher spionieren. Oder doch? Andy richtete sich auf. Er wusste dass es nicht richtig war, aber wie sollte er sonst durch den Tag kommen, ohne zu wissen wie es ihr ging? Stefan war momentan mit Philipp beschäftigt, Lilith unterstützte ihn dabei und Rob konnte man total vergessen, seit er Tris näher kennengelernt hatte. Die beiden gab es momentan nur im Doppelpack. Andy nickte sich selbst zu, er würde Rika suchen.

Während dessen saßen Lilith und Stefan bei ihm im Zimmer. „Alles in Ordnung Lilly?“ fragte Stefan, als er Lilith zum dritten Mal ansprach, ohne eine Antwort zu kriegen. „Wie was?“ stammelte sie, vollkommen aus ihren Träumen gerissen. „Ob du eine Idee hast?“ fragte Stefan erneuert und merkte sofort, dass mit Lilly etwas nicht stimmte. „Was bedrückt dich?“ erkundigte er sich und sah sie scharf an. Lilith senkte den Blick. „Ach nichts, konzentrieren wir uns auf Fips.“ Stefan schüttelte den Kopf, rutschte zu ihr herüber. „Nun sag schon. Ich sehe dir doch an, dass etwas ist.“ Lilith sah Stefan in seine großen braunen Augen. Seine Lippen waren so voll und er hatte einen Geruch an sich, dem Lilly kaum widerstehen konnte. Sie hielt den Atem an, als Stefan ihr noch näher kam. Ihr Herz bebte. „Ich darf nicht Stef. Ich habe es versprochen.“ Stefan sah sie verwirrt an. „Was hast du versprochen?“ Lilith sah aus dem Fenster um seinem Blick auszuweichen. „Ich habe versprochen, kein Wort zu verlieren darüber….aber...!“ „Was aber?“ hakte Stefan nach. „Ich mache mir so unendliche Sorgen.“ Winselte sie und brach plötzlich in Tränen aus. Sie erzählte Stefan alles, was Rika und ihr Gefühlskarussel momentan anging und vor allem ihre Ängste bezüglich der Gerüchte über Philipp. Stefan schluckte. „Glaubst du sie ist...:“ begann er den Satz, doch plötzlich klingelte sein Handy. Ihn der Hoffnung es wäre Fips, schnappte er es sich und sah auf den Bildschirm. „Andy…“ sagte er enttäuscht und nahm ab. „Hallo Andy, was gibt’s?“  „Hey sag mal, ist Lilly bei dir?“ „Ja , wieso?“ „Ich muss sie unbedingt fragen, ob sie weiß wo Rika ist!“ Er reichte das Andy weiter, doch auch Lilith hatte seit zwei Tagen keinen Kontakt mit Rika gehabt. Andy wurde nervös. „Scheiße man, ich war bei ihr zu Hause, an der Schule, bei Tris und in der Stadt. Ich mache mir so sorgen!“ Stefan nahm das Andy an sich und beruhigte seinen Freund. „Komm erst mal zu mir, dann bereden wir alles.“
Als Andy endlich eingetroffen war, erzählten Lilly und Stefan wohl oder übel die bittere Wahrheit über die Gefühle seitens Rika. Für Andy brach eine Welt zusammen. Er sah vollkommen fassungslos die Gesichter seiner beiden Freunde an. Andys Herz begann zu schlagen wie verrückt, aber sein Kopf drehte sich. War also alles nur Einbildung gewesen? Seine Lippen verzogen sich zu einem schmalen Streifen. „Dann….dann geh ich wohl besser. Lass….ich lasse Rika dann nun in Ruhe…“ Stammelte er völlig wortkarg. Stefan hatte Andy noch nie so erlebt. Er stand auf, ergriff die Schulter von Andy, der im Begriff war die Tür zu öffnen und zog ihn zu sich. Andy versank in Stefans Arm wie ein Sack Kartoffeln und weinte bittere Tränen. Stefan strich ihm über den Kopf. „Es wird alles wieder gut Andy. Glaube mir, es wird wieder.“ Andy schluchzte und jammerte bitter und vergrub sich immer tiefer in Stefans Schulter. Es muss schrecklich weh tun, wenn der geliebte Mensch die Gefühle nicht so erwidert, wie man selbst fühlt. Für Andy brach gerade eine Welt zusammen. Hatte er die kleine niedliche Rika doch schon süß gefunden, als sie sich das erste Mal begegnet waren. All die Jahre hatte er zusehen müssen , wie die schmierigsten Typen der Schule sie anbaggerten, mit ihr Tanzen wollten auf Festlichkeiten oder über sie sprachen als wäre sie bloß ein Mädchen. Doch sie war viel mehr als das. Rika war für Andy eine Welt gewesen, wie ein wahrgewordener Traum. Wenn sie lachte, ging in Andy die Sonne auf. Doch nun, zerbrach diese Welt in tausend kleine Teile. Rika war so weit von ihm entfernt, wie noch nie. Und dann tauchte Fips auf, sein bester Freund seit Kindheitstagen und nahm sie ihm weg. Er wusste doch, wie sehr Andy für Rika schwärmte. Wieso tat er ihm sowas an. Andy ballte die Fäuste wütend. „Fips wird es bereuen, mir Rika weggenommen zu haben!“ teufelte er. Lilly sprang auf. „Sowas darfst du nicht sagen Andy.“ Sagte sie streng und sah ihm in die völlig verheulten blauen Augen. Er schluchzte sie bloß weiter an, zog die Nase hoch und biss sich auf die Lippe. Das letzte Wort war noch nicht gesprochen.

Rika saß etwas zurück haltend inmitten einer Gruppe Männer. Sie betranken sich und redeten über verschiedenste Themen, während Philipp auf der selbstgebauten Bühne an der Gitarre saß und ein paar Saiten zupfte. Er spielte noch nicht sehr lange, hatte aber eindeutig Talent. Rika sah ihm dabei zu, als Fips allerdings ihren Blick erwiderte wurde sie rot und schaute schnell weg. „Hey kleine, willst du noch ein Bier?“ fragte der große bullige Mann vor ihr sie und lächelte. Rika nickte. „Ja, gerne.“ Ihr war zwar nicht ganz wohl dabei zu Mute am helllichten Tage Bier zu trinken, aber sie war bei ihm und das war momentan was zählte.
Als es schon etwas später wurde, verließen beide das Vereinsheim und liefen zu Fuß zur Bushaltestelle. Fips hatte seinen Arm um Rika gelegt. Sie liefen stumm nebeneinander her, doch Rika brauchte keine Worte. Sie fühlte sich geborgen und sicher. Philipp roch so unwahrscheinlich gut und seine muskelösen Arme strahlten Geborgenheit aus. „Ist dir kalt?“ erkundigte er sich bei ihr und sah zu ihr herab. Sie war um einiges kleiner als er. Während sie kleine 1,60 Meter war, war Fips stolze 1,83 groß. Aber das änderte bei weitem nichts an der Gefühlslage der beiden. Fips sah sie an, lächelte und sagte mit seiner mittlerweile sehr tiefen und rauchigen Stimme. „Ich bin echt froh, dass du zu mir gekommen bist. Ich habe mich echt verlassen von den anderen gefühlt, sie verstehen mich einfach nicht. Aber du, du warst immer da für mich.“ Sie nickte. „Aber das ist doch selbstverständlich.“ Sie trat einen Stein vor sich her. „Ich verstehe nicht, wieso dir alle den Rücken kehren.“ Sie sah Fips an, er wirkte sehr angespannt. „Rika, warum bist du bei mir?“ fragte er plötzlich. Rika stutzte. „Wie meinst du das?“ Er sah sie ernst an. „Ich schätze, dass du genug weißt, um dich eigentlich von mir fern halten zu müssen. Aber du bist noch da….wieso?“ Rika grinste. „Mir ist es egal, was die anderen über dich sagen. Ich kenne dich nun schon so lange und ich kenne dich gut genug, um zu wissen dass du kein schlechter Kerl bist.“ Sie drückte sich näher an ihn. Fips genoss die Zweisamkeit mit ihr. Als der Bus sie beide in Waldburg abgeholt und in Brixen heraus gelassen hatte, sah er ihr plötzlich tief in die Augen. Rika hielt den Atem an. „Danke dass du für mich da bist, kleine.“ Flüsterte er und kam mit seinem Kopf immer näher. Rikas Herz bummerte wie verrückt, sie schloss ihre Augen und ließ den innigen Kuss zu. Seine Lippen drückten sich auf die ihren und schienen gar nichts anderes mehr tun wollen. Rika legte ihre Arme um Fips Nacken während er seine um ihre Hüfte legte. So standen sie dort, in der einsamen stillen Nacht. Der erste Kuss, es war besiegelt und er würde ein Feuer der Gefühle entfachen.

Ein Monat verging.
Es war bereits sehr spät als Philipp mit dem Auto seiner Eltern auf den Schulhof seiner alten Schule fuhr. Er stellte den Wagen ab, zog seine Bomberjacke an die auf dem Beifahrersitz lag und ging zu Fuß hoch auf das Gelände. Oben an den Tischtennisplatten wartete Rika bereits auf ihn. Um niemanden die Möglichkeit der Tuschelei zu bieten, trafen sie sich heimlich im dunklen. Als Fips lässig den Weg herauf kam, lächelte Rika bereits voller Glück. „Da bist du ja.“ Sie sprang von der Platte und lief auf ihn zu. Er vergrub sie in seinem Arm und küsste ihr leidenschaftlich auf den Kopf. „Wie geht es dir?“ fragte er lächelnd. „Alles gut soweit, Lilith und die anderen sind mir jeden Tag auf den Fersen, aber ich werde kein Sterbenswörtchen verraten.“ Sie kicherte. Es fühlte sich aufregend an, verbotene Dinge zu tun. Erst vor kurzem war sie mit Fips auf einem Konzert gewesen, dass es echt in sich gehabt hatte. Lilith hätte ihr sicherlich abgeraten dorthin zu gehen, doch sie war einfach nur zu ängstlich. Die Musik war klasse und die Leute echt nett. Dass die Leute um sie herum Bierflaschen auf Autos warfen als sie eine Brücke überquerten, darüber dachte sie nicht nach. Sie hatten ja kein Auto getroffen. Auch Fips fühlte sich pudel wohl in seinem neuen Freundeskreis. Er nahm sie hoch und setzte sie auf die Tischtennisplatte zurück. „Ich bin so froh, dass wir uns haben.“ Sagte er und vergrub sein Gesicht in ihren langen Haaren. Sie kuschelten ein wenig und küssten sich innig, ohne zu bemerken dass ihnen jemand zusah. Plötzlich trat jemand aus dem Gebüsch und schrie „Du Schwein! Dafür wirst du bezahlen!“ Und innerhalb einer Sekunde ging das Auto von Fips Eltern in Flammen auf. Fips und Rika schauten panisch in Richtung des Feuers. „Scheiße! Was passiert hier?!“ schrie Rika und schaute aufgeregt zu Fips. Der stellte sich vor Rika und versuchte zu erkennen wer dort war. Doch von einer Sekunde auf die andere flog ein Stein direkt in sein Gesicht. Er ging schmerzerfüllt zu Boden und hielt sich die Hand auf sein rechtes Auge. „FIPS!“ brüllte Rika und wollte sich zu ihm herunter bücken, als jemand aus dem Gebüsch gerannt kam, Fips packte und ihn wüst umwarf. Immer wieder schlug die Person wie wild auf den wehrlosen Fips ein, der noch versuchte sich mit seinen Armen zu schützen. „Rika, hol Hilfe!“ brüllte Fips. Rika blieb wie angewurzelt stehen. Sie konnte ihn doch nicht so zurück lassen. „Aber…Fips…“ stammelte sie. „NUN GEH SCHON!“ brüllte er sie an, bevor er einen heftigen Schlag in die Magengrube bekam und verstummte. Rika rannte den Weg herunter um Hilfe zu holen. Währenddessen spürte Fips nur noch Schmerz. Seine Eingeweide zogen sich zusammen, er krampfte und verlor beinahe das Bewusstsein. Als er kaum noch die Augen aufhalten konnte, folgte ein heftiger Tritt gegen seine Schläfe. Fips verlor das Bewusstsein und blieb schwer verletzt und blutend zurück. Er konnte nur noch eine schemenhafte Person erkennen, die auf ihn zu kam und seinen Namen sagte. Dann war es dunkel.
Fips wachte wieder auf, als er eine fremde männliche Stimme vernahm. Er lag in einem Krankenbett, er konnte sich kaum bewegen. Vor ihm standen zwei Leute die ihm den Rücken kehrten. Sie sprachen mit jemandem. Als das Gespräch vorüber war, drehten sie sich um. Es waren Stefan und Andy. Fips versuchte zu lächeln, doch sein Gesicht fühlte sich an, als wäre es eine einzige Schwellung. Stattdessen hob er nur leicht die Mundwinkel und sah die beiden an. Während Stefan eher traurig aussah, machte Andy einen wütenden Blick. „Wenn du das nächste Mal Probleme mit anderen Skinheads hast, klärt das unter euch. Aber wage es dich niemals wieder, Rika da mit rein zu ziehen.“ Wetterte er und verließ erbost das Zimmer. Stefan steckte seine Hände in die Hosentasche und begutachtete Fips, wie er so da lag. Dann verließ auch er das Zimmer.
„Lasst mich zu ihm!“ brüllte Rika und trat mit voller Wucht gegen ihre Zimmertür. „Du kommst so lange nicht raus, bis du diesen Scheißkerl vergisst.“ Schnauzte ihr Vater von draußen. „Ihr versteht das nicht! Wir lieben uns!“ „Ihr liebt euch einen Scheißdreck, den Kerl liebst du ganz sicher nicht!“ Rika schlug immer wieder auf ihre Tür ein, doch es hatte keinen Sinn. Ihre Eltern hatten sie eingesperrt und die Tür hielt ihren Attacken stand. Verzweifelt ließ sie sich an der Tür herunter rutschen und blieb weinend auf dem Boden sitzen. „Philipp…..“ seufzte sie. Dann ohne zu überlegen stand sie auf, öffnete ihr Fenster und sprang heraus. Sie musste zu ihm, koste es was es wolle.

Einige Tage später war Rika im Supermarkt um die Ecke. Während sie gerade ratlos vor dem Regal mit Duschgel stand, trat Andy an sie heran. Erst bemerkte sie ihn gar nicht, doch dann plötzlich erschreckte sie sich so sehr, dass sie beinahe in das Regal gefallen war. „Was zum….Andy! Spinnst du, mich so zu erschrecken?“ Andy nickte. „Du begehst einen großen Fehler Rika.“ Rika sah ihn stirnrunzelnd an. „Was zum Teufel meinst du?“ „Ich meine diesen Burger, mit dem du dich da abgibst!“ Rika wurde wütend. „Hörst du eigentlich, wie du da sprichst? Dieser Burger war mal dein bester Freund.“ Andy lachte, bevor er wieder ernst wurde. „Dieses Schwein ist bei mir mehr als unten durch. Aber du merkst natürlich nicht, was da von statten geht. Du bist mitten drin und merkst es gar nicht!“ „Nun hör aber mal auf. Du bist doch bloß sauer auf Fips, weil er mit mir zusammen ist und nicht du!“ Nun hatte sie einen wunden Punkt erwischt. Andy wirkte getroffen, senkte den Blick und nickte. „Ja, da hast du Recht. Weil dieser Kerl es nicht verdient hat, dich als Freundin zu haben. Er ist ein Skinhead und ein heftiger noch dazu. Er schlägt sich und verletzt Menschen, nur weil sie eine andere Glaubensrichtung oder Denkens weisen haben als er. Was findest du toll an ihm? Dass er die Regeln bricht?“ Rika wollte antworten, doch sie konnte nicht. Stattdessen verstummte sie und sagte kleinlaut. „Ich liebe ihn, Andy.“ Andy erschrak. „Nein……“ Er schüttelte den Kopf. „Das tust du nicht. Rika, er ist schlecht für dich. Wenn ich nicht gewesen wäre, wäre er todgeprügelt worden.“ Rika stutzte. „Du?“ Andy nickte. „Ja, ich habe ihn gefunden und den Kerl vertrieben der euch angegriffen hat.“ Rika überlegte, doch plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. „Wieso warst du zufällig in der Nähe?“ Andy schaute sie sauer an. Nun würde alles auffliegen, da war er sich sicher. Doch das spielte nun keine Rolle mehr. „ Ich folge dir Rika. Schon seit Wochen klebe ich an deinen Fersen, um sichergehen zu können, dass du in Sicherheit bist und dir niemand etwas antut.“ Rika flippte aus. „Spinnst du, du stalkst mich?“ Sie packte wutentbrannt ihre Tasche die sie fallen gelassen hatte und verließ fluchtartig den Laden. Andy blieb regungslos zurück.
Lilith saß auf Stefans Bett und schaute auf ihren Laptop. Sie tippte vor sich her, als Stefans ins Zimmer kam. Lilith hatte bei ihm übernachtet, da ihre Eltern verreist waren und sie sich zuhause alleine fürchtete. „Brauchst du noch etwas?“ fragte Stefan nervös. Lilith nickte. „Nein danke, ich hab alles was ich brauche.“ Sie deutete auf einen Flyer auf Stefans Schreibtisch. „Das ist doch heute oder?“ Stefan nickte, als er erkannte dass es um das Alpen Flair ging. Jedes Jahr im Sommer kamen die verschiedensten Bands in den Ort, um gemeinsam Musik zu spielen und die Fans wieder zu sehen. Lilith`s Augen schimmerten, als sie las wer alles kommen würde. „Gehen wir dort hin? Zusammen?“ fragte sie ihn und er nickte freudig. „Ich hatte schon befürchtet, ich müsste alleine gehen. Andy und Rob teilen den Musikgeschmack nicht wirklich mit mir.“
Die zwei machten sich also gegen Nachmittag fertig und machten sich auf den Weg zum Alpen Flair. Die besten Bands spielten heute. Lilith konnte sich kaum satt sehen, all die vielen Bands die in direkter Nähe und zum greifen nahe waren. „Komm wir schauen uns mal Rohstoff an.“ Hetzte sie und Stefan hatte Mühe hinter ihr her zu kommen.
Gegend Abend, als die Sonne langsam unterging und die Wärme der Sonne langsam nachließ, standen die beiden an einer Bierbude und tranken etwas. Stefan hatte schon ein wenig über den Durst getrunken und war leicht angeschwippst. Lilith fand das urkomisch und zog ihn damit auf. Allerdings war sie nicht besser dran. „Weißt du Lilly. Als ich dich das erste Mal gesehen habe….“ Fing Stefan an und sah Lilly an. „Ja?“ wollte sie wissen. „Da fand ich dich echt niedlich.“ Lallte er ein wenig und grinste. „Ach, ich dich auch Stef. Und wie ist es heute?“ Stefan grinste. „Heute nicht mehr….“ Lilly war entrüstet. „Heute finde ich dich echt heiß.“ Lilly lachte. „Weißt du was, ich dich auch.“ Flüsterte sie ihm ins Ohr und musste kichern weil seine Barthaare sie an der Nasenspitze kitzelten. Die beiden turtelten ein wenig miteinander rum, bis sie plötzlich Aufruhr vernahmen. Sie folgten dem Gebrüll und entdeckten eine Gruppe großer Männer die mit Schlagstöcken auf eine kleinere Gruppe einschlug. Die Menschen drum herum waren schockiert und versuchten die angegriffene Gruppe zu beschützen. Doch die Männer waren viel zu stark. „Schlagt sie nieder, ich kann ihre Visage nicht ertragen. Dieses Pack!“ brüllte einer und spuckte einen jungen Teenager an der schon auf dem Boden lag. Stefan war schockiert als inmitten der Gruppe Rika und Fips auftauchten. Doch die beiden sahen alles andere als begeistert aus. Rika drückte sich ängstlich an Fips Schulter und weinte während Fips versuchte sich aus der Gruppe zu befreien, ohne dass jemand etwas wahrnahm. „Komm schnell!“ forderte Stefan auf, von jetzt auf gleich wieder vollkommen nüchtern. „Fips, Hilfe.“ Flehte Rika, als sie bemerkte dass sie an gegrabscht wurde. Fips verteidigte Rika und schubste die Männer von ihnen weg, doch es wurden immer mehr. „Hey kleiner, deine Süße ist aber auch ganz schnuckelig. Kameraden teilen alles, wusstest du das? Komm, gib mal her!“ brüllte der Kerl und riss Rika am Arm zu sich. Diese schrie vor Schmerz auf und rief nach Philipp. „NEIN!“ schrie er, doch er wurde von zwei weiteren festgehalten. „Hast du ein Problem mit unseren Regeln Philipp?“ Fips versuchte sich los zu reißen.  „Lasst sofort die Finger von meiner Freundin!!!“ Er schlug um sich, haute einen um, nein zwei. Er kämpfte sich durch bis zu Rika, bis jemand vor ihm stand. Der Mann holte aus, wollte Fips die Faust genau ins Gesicht befördern. Doch eh das geschehen konnte, fiel der Mann plötzlich um. Bewusstlos blieb er liegen und offenbarte den Angreifer der hinter ihm gestanden hatte. Es war Stefan!
„Du hier?“ freute sich Fips und lächelte Stefan an. „Komm, wir müssen Rika helfen!“ Die beiden Jungs rannten hinter dem Fleischklops her, der Rika in seinen Fängen hatte. Doch sie hatten seine Spur hinter einer großen Bühne verloren. „NEIN NEIN NEIN!“ brüllte Fips und schlug mehrere Male auf den Boden. „Ich habe versprochen sie zu beschützen!“  „Keine Sorge, wir finden sie.“ Machte Stefan ihm Mut. Sie durchkämmten das gesamte Gebiet, doch Rika blieb verschwunden. Fips wurde nervös. „Stef bitte, ich wollte das alles nicht. Ich hatte ja keine Ahnung, dass es so schlimm werden würde.“ „Es sind Skinheads Fips, was hast du erwartet.“ Merkte Stefan an. Als er plötzlich einen Schrei hörte, rannte er gemeinsam mit Fips durch die Menschenmenge. „RIIIIIIKKAAA!“ schrie Stefan aus voller Kehle. „Da hinten!“ brüllte Fips und deutete auf ein Zelt am Ende des Geländes. Tatsächlich verschwand der fette Kerl mit Rika auf der Schulter in einem Zelt. „Er wird sie doch nicht….“ Stammelte Fips. Stefan brummte. „Dazu wird es nicht kommen!“ Sie rannten los, stürmten das Zelt und fanden den fetten Kerl, wie er sich gerade über die schreiende Rika beugte. Fips stürmte auf den Kerl zu, welcher den jungen aber schnell wieder zurück schlug. „Verschwindet!“ fauchte er. „Fips, Stefan bitteee…“flehte Rika um ihr Leben. Stefan legte sich nun ebenfalls mit dem Mann an, doch der zückte ein Messer. „Einen Schritt näher und die Kleine ist Hackfleisch.“ Drohte er. Fips und Stefan hoben die Hände, als wollen sie sich ergeben. „Bitte, tu ihr nichts. Sie ist alles was ich habe.“ Stammelte Fips und begann zu weinen. „Rika, bitte…“ Er sackte zu Boden. Der Kerl beugte sich wieder über die wehrlose Rika, als plötzlich 20 Mann das Zelt stürmten und sich den Kerl vorknöpften. Während die Gruppe sich den Kerl vorknöpfte rannte Fips zu seiner Rika.
Sie war befreit und begann zu weinen. Fips nahm sie in den Arm. „Es ist okay, alles wird wieder gut! Ich verspreche es dir.“ Er drückte sie ganz feste an sich und strich ihr behutsam über den Rücken. Als Lilly völlig hysterisch ins Zelt gerannt kam und ihre Rika im Arm von Fips liegen sah, begann sie zu weinen an. „Oh Fips….“ Sie nahm die beiden in den Arm und war vollkommen geschafft von der Aufregung. „Du hast dein Versprechen also doch gehalten.“ Sagte jemand. Andy stand im Eingang des Zeltes und schmunzelte. „Andy…Du…“ stammelte Fips. „Nicht der Rede wert. Ich kenne hier ein paar Leute, die nicht gewallt bereit aber hilfsbereit sind.“ Er rieb sich die Nase stolz und grinste. „Die machen jetzt erst mal Hackfleisch aus IHM. Aber Hauptsache unserer Rika ist nichts passiert.“ Fips und Lilly lachten, Rika drückte sich feste an ihre Freunde. „Es tut mir alles so schrecklich leid.“ „Ach…Schwamm drüber. Aber nur wenn ihr ab sofort wieder zu uns gehört.“ Sagte Lilly. „Und keine Alleingänge mehr, kapiert?!“ mahnte Andy. Fips nickte geschafft. Stefan wirkte erleichtert. Nun hatte sich dieser Albtraum immerhin zu einem Happy End gewandt. Stolz auf seine Freunde nahm er alle gemeinsam in den Arm und sagte. „Eine Liebe, eine Familie!“

Traurig saß Rika am Bahnhof und sah auf ihre beste Freundin Lilly. „Muss das denn wirklich sein?“ fragte sie und schaute Lilly mit Hundeblick an. Lilly nickte und setzte sich schwerfällig neben die traurige Rika. „Was soll ich denn tun? Ich kann doch nicht einfach hier alleine bleiben, ich habe weder Job noch Geld. Ich muss mit.“  Sie sah zu ihren Eltern herüber die gerade die letzten Reisedaten kontrollierten. Lilly’s Vater hatte eine neue Stelle als Abteilungsleiter bekommen und musste dafür sein Büro in der Hauptzentrale in Hamburg beziehen. Sie und ihre Mutter würden ihm natürlich folgen, denn eine baldige Rückkehr war bisher nicht zu erwarten. Lilly schluchzte. „Ich werde natürlich in den Ferien hoch kommen, vorausgesetzt ich habe zur gleichen Zeit Ferien wie ihr.“ Rika nickte niedergeschlagen. Sie konnte es noch gar nicht glauben, demnächst würde sie all die typischen Teenie Sachen ohne ihre beste Freundin erleben. Sie waren seit über 10 Jahren die besten Freunde gewesen, hatten sich alles erzählt waren durch dick und dünn gegangen und Lilly hatte all die Geheimnisse stets für sich behalten, vor allem welche Gefühle Rika für Fips hegte. Nun würde sie all ihre Geheimnisse in einen großen Koffer packen und mit nach Hamburg nehmen. Aussicht auf ein Wiedersehen? Fehlanzeige. „Halt, du darfst nicht Fahren!“ schrie jemand hinter den Mädchen. Sie drehten sich um und sahen wie Stefan vollkommen losgelöst über den Zaun der Bahnhofsanlage sprang und auf sie zugestürmt kam. Im Schlepptau hatte er Andy und Fips dabei. Vollkommen außer Atmen warf er sich Lilly vor die Füße, atmete tief ein uns aus und versuchte unter heftigem Luftholen zu sprechen. „Bitte…..Lill….Lilly….Du kannst…doch..bei mir wohnen.“ Lilly lächelte und ging ihrem Stefan durch die spitzen Haare. „Ach Stef. Schön dass ihr noch vorbei gekommen seid. Das bedeutet mir sehr viel.“ Sie lächelte und begrüßte auch Fips und Andy, die ebenfalls niedergeschlagen da standen. „Musst du wirklich gehen?“ fragte Fips und hockte sich hin. „Hier ist es doch gar nicht so übel. Hier scheint oft die Sonne und es ist der schönste Ort auf der ganzen Welt.“ Grinste er. „ja eben, was willst du denn in einer langweiligen Hafenstadt. Da gibt’s doch bloß Fisch.“ Grinste Andy und machte einen Fischmund. Die Jugendlichen lachten doch die Zugansage ließ sie wieder verstummen. „Nächster Einfahrt, ICE 438. Bitte nehmen sie Abstand vom Gleis, vergewissern sie sich dass sie ihr Gepäck haben!“ Lilly sah ihre Freunde an. „Dann ist es wohl nun Zeit. Ich werde euch nie vergessen meine Lieben.“ Sie drückt Rika Andy feste an sich. „Pass mir gut auf Stefan auf, nicht dass er irgendwelche Dummheiten anstellt, wenn ich nicht da bin!“ Andy grinste. „Kannst dich auf mich verlassen.“ Mit Tränen in den Augen ging sie auf Stefan zu. „Pass auf dich auf auf, okay? Ich vermisse dich jetzt schon...“ Sie verdrängte ein paar Tränen. Stefan und sie hegten bereits seit der ersten Begegnung Gefühle für einander, doch wirklich etwas geworfen, war es nie zwischen den beiden. Nun sah Stefan sie mit seinen großen braunen Augen an und grinste nicht mehr so wie sonst. Er rieb sich die Tränen vom Gesicht und verzog das Gesicht. „Melde dich, okay?“ sagte er und strich ihr über die Wange. Lilly nickte, den Tränen nahe. Dann ging sie auf Fips zu, der sich zu Rika gesetzt hatte. „Hey Lil.“ Sagte er und nahm sie in seinen Arm. „Du pass bloß auf Rika auf. Ich hoffe ich darf eins Tages eine CD von dir und deiner Band in der Hand halten. Bitte halte an deinem Traum fest.“ Fips nickte. „Ist alles schon in der Mache. Komm gut an, leb dich ein und komm schnellstens zurück,  wir warten täglich auf deine Rückkehr.“ Sie bedankte sich bei Fips und ging schlussendlich zu Rika. Die verzog den Mund und heulte direkt los wie ein Schlosshund. „Ach komm schon kleine. Du hast versprochen nicht zu weinen.“ Sagte Lilly streng, doch auch sie war im Inbegriff zu weinen. Rika wischte sich mit dem Ärmel immer wieder übers Gesicht, doch sie konnte nicht aufhören zu weinen. Wie auch, ihre beste Freundin würde nun für immer fort sein. Würde sie je zurück in ihre Heimat finden? Würde sie Rika einfach vergessen und eine neue beste Freundin finden? Rika weinte noch mehr, bei dem Gedanken. „Bitte melde dich!“ schluchzte sie. Lilly nickte, nahm ihre Tasche und warf sie sich über die Schulter. „ Ich werde euch vermissen Leute!“ Sie ging zu ihren Eltern, der Zug rollte bereits ein. Ein paar letzte Blickkontakte wurden ausgetauscht, sie winkten sich gegenseitig wild zu. Lilly stieg ein und Rika atmete tief ein. „Das wars dann wohl. Auf wunderschöne 10 Jahre!“ Sie verdrückte die letzte Träne und verließ den Bahnhof.
Fips wibbte mit dem Fuß im Takt, horchte der Musik und kritzelte immer wieder etwas auf seinen Block vor ihm. Die Gitarre ruhte auf seinem Schoß, um ihn herum war es ruhig. Nur der Verstärker hinter ihm brummte. „Wie im Fegefeuer, ohne Decke und Boden. Eingesperrt im tiefsten Nirgendwo. Es gab kein Unten und leider auch kein Oben .Ich konnte es mir denken, die Stimmung so mal so.“ Er nickte und kritzelte wieder schnell. Dann spielte er die Noten noch einmal, bis sie richtig saßen. Es klopfte an der Tür und ein Junge in Fips Alter trat ein und warf seinen Rucksack in die Ecke. „ Du bist schon da?“ fragte er und schüttete sich ein Glas Cola in der kleinen Single Küche ein. Fips nickte, ganz konzentriert. Erst als er die Noten fertig aufgeschrieben hatte, ging er auf Jonas ein. „Ja, ich dachte ich fange heute etwas früher an. Ich hatte früher Schluss in der Schule und hatte da so ein paar Texte die aus meinem Hirn wollten.“ Jonas nickte. Er las sich den Text durch, nickte. „Hast du es schon gesungen?“ Fips nickte. „Ich weiß aber nicht, ob es wirklich gut ist.“ Jonas grinste. „Komm, ich spiel die Gitarre und du singst das mal. Dann können wir immer noch entscheiden, ob es gut ist oder nicht.“ Die Jungs probten noch bis in die tiefen Abendstunden an dem Song. Doch am Ende war er perfekt. Fips hatte ihn eingesungen und für gut befunden und auch sein Kumpel Jonas nickte ab. Der erste Song war geschaffen:
Allein ohne Dich bei dir
Die nächsten Tage arbeiteten Fips und Jonas verstärkt an ihren Songs, doch etwas fehlte. Immer wieder fiel den beiden Jungs auf, wie wichtig ein Schlagzeuger für ihre Songs wäre und auch ein Bassist wäre nicht schlecht. Also saßen die beiden eines Tages gemeinsam in Jonas Zimmer und bastelten Flyer für die Schwarzen Bretter in der Schule und dem Supermarkt.
Als Fips mittags einen Flyer ans Schwarze Brett im Supermarkt um die Ecke pinnte, kam ihm Stefan entgegen. In letzter Zeit hatten sie weniger Kontakt, doch wenn man sich traf, begrüßte man sich und tauschte Neuigkeiten aus. „Hey Stef.“ Begrüßte Fips ihn und nickte in seine Richtung. „Na, wie läuft’s mit den Bandproben?“ erkundigte sich Stefan. Fips nickte. „Wir suchen nun einen Bassisten und einen Schlagzeuger. Und bei euch“ Stef nickte. „Ich werde zunächst mein Studium fertig machen. Was bandtechnisch aus uns wird, wissen wir noch nicht. Die Ideen sind da, aber wir wollen uns erst mal weiter entwickeln und gucken, wo wir stehen.“ Fips nickte. „Kennst du nicht jemanden der gut Schlagzeug spielt?“  Stef dachte nach. „In meinem Kurs ist einer, der leidenschaftlich gerne am Schlagzeug sitzt. Ich kann dir mal die Nummer klar machen, vielleicht ist das ja was?“ Fips nickte. „Sehr gerne, Jonas und ich könnten Bandnachwuchs gut gebrauchen.“ Stefan grinste.  „Ich hoffe wir dürfen eines Tages mal gemeinsam auf einer Bühne stehen.“