Wenn es dunkel wird

GeschichteDrama, Romanze / P18
Alfred Graf von Krolock OC (Own Character) Sarah
21.05.2018
26.03.2020
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Erm … Ja, mich gibt’s noch *vorsichtig um die Ecke schau* Es ist schon lange kein Update mehr gekommen, was mir aufrichtig leid tut, aber leider hat die Zeit dafür nicht ausgereicht. Aber wie es Corona so will, habe ich jetzt unverhoffter Zeit im Überfluss, wodurch ich denjenigen, die vielleicht noch immer mitlesen und lange auf ein neues Kapitel gewartet haben, endlich wieder neuen Lesestoff bieten kann.

Als kleine Erinnerung: Alfred hat das Schloss mit seinem Kreuz etwas „umgestaltet“, um es nett zu formulieren, der Graf ist am Boden zerstört und mit seinen Kräften am Ende und Sarah befindet sich mit der vampirischen Gefolgschaft auf dem Weg zum Schloss, um Breda zu retten …

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Die Stille, die mit dem Verschwinden seiner Brüder zurückbleibt, ist erdrückend. Sie legt sich um ihn, schwer wie Blei, hält ihn am Boden und macht ihm seine eigene Schwäche bewusst. Er spürt das Blut seines Sternenkindes durch seine Adern fließen, getrieben von einem toten Herz, das in alles verzehrender Agonie im Angesicht des Todes erneut zu schlagen begonnen hat.
Er weiß, dass es nicht von Dauer sein wird. Er weiß, dass es nur Sarahs Blut ist, das ihn am Leben erhält, ist es versiegt, so ist es auch sein untotes Leben.
Seine Brüder werden alles tun, um sein Sternenkind zurückzuholen. Ihre Beweggründe resultieren nicht etwa aus Zuneigung oder Loyalität ihm gegenüber, das ist ihm wohl bewusst. Die Kinder der Nacht sind für sich selbst verantwortlich, es kümmert sie nicht, was mit ihresgleichen passiert. Einzig das Schicksal eint sie. Geschaffen von einem Einzigen bedeutet dessen Tod auch den ihren. Purer Überlebensdrang ist es, der sie aus dem Schloss treibt, dem Jüngling hinterherzujagen, der sein Sternenkind geraubt hat.
Schiere Wut ergreift ihn beim Gedanken an den vermaledeiten Jungen, der sich zum wiederholten Mal zwischen ihn und sein Sternenkind stellt. Er hätte ihn umbringen sollen, als sich die Möglichkeit geboten hat. Hätte Sarah ihn nicht angefleht, hätte er es getan. Wäre er seiner Schwäche für ihren menschlichen, warmen Körper nicht erlegen, so könnte er sie nun in Armen halten und diese erste Nacht einer neuen Ewigkeit mit ihr verbringen.
Erneut durchfährt ihn ein Stich tiefster Qual. Es dauert nicht mehr lang und der Vampir in ihm hat den letzten Tropfen von Sarahs Blut in sich aufgenommen und sein Herz wird erneut erstarren, allerdings wird er aus der Dunkelheit nicht wieder erwachen, wie es vor hunderten von Jahren der Fall war.
Sarah muss zurückkommen. Rettet sie ihn nicht, wird auch sie dahinscheiden und das beschäftigt ihn noch mehr als sein eigener Überlebensdrang. Dieses kleine, unschuldige Mädchen, das durch die wenigen Nächte in seinem Schloss aufgeblüht ist wie eine Knospe im Frühling, dieses kleine Mädchen, das ihm seit ihrer Geburt ein Funken Licht in der ewigen Verdammnis war. Geht er zugrunde, wird auch ihr Licht erlöschen, das selbst der frisch erwachte Vampir in ihr nicht hätte zerstören können.
Komm zu mir, Sternenkind …

Äste zerren an meinem Kleid, zerreißen den feinen Stoff, ziehen unangenehm an meinen Haaren und zerkratzen meine Arme und mein Gesicht. Ich spüre das Brennen kaum. Inmitten der anderen Vampire eile ich den Steilhang zum Schloss hinauf, mich nicht darüber wundernd, warum mir der Anstieg keine Anstrengung bereitet und meine Füße den Weg zwischen den scharfkantigen Steinen finden, ohne unter mir weg zu knicken. Ich sollte schockiert sein über die vampirischen Fähigkeiten, die Breda mir mit seinem Biss geschenkt hat. Gewiss sollte ich sie nach und nach austesten, um meine neu erlangte Stärke auszutesten. Aber nichts dergleichen tue ich. Jede Faser meines Körpers ist auf das hoch aufragende Schloss gerichtet, das mit jedem Schritt näher rückt. Irgendwo in diesem riesigen Gewölbe liegt Breda und könnte jederzeit der Verletzung erliegen, die Alfred ihm mit seinem Kreuz zugefügt hat.
Herabgefallene Gesteinsbrocken liegen im Schlosshof verteilt und auch die gewaltige Eingangshalle ist halb verschüttet. Einen kurzen Moment bin ich erschüttert über das Ausmaß der Zerstörung, das dieses kleine, hölzerne Kreuz verursacht hat, dann haste ich weiter, zielstrebig auf den Tanzsaal zuhaltend.
Purer Schock erfasst mich beim Anblick Bredas, der zusammengesunken inmitten des Saals liegt, von seiner einstigen Größe ist nichts geblieben. Ich falle neben ihm auf die Knie, taste seinen Körper nach Verletzungen ab, kann jedoch keine entdecken. Ein verhangener Blick aus grauen Augen trifft mich, streicht über mich hinweg, unfähig, mich zu fokussieren. Tränen stauen sich in meinen Augen an, ein Kloß bildet sich in meiner Kehle.

Er hört Schritte, die sich ihm nähern, ebenso das erschrockene Aufkeuchen, dann presst sich der tröstliche Körper seines Sternenkindes an ihn, vertreibt für einen Moment den Schmerz und lässt ihn die Pein vergessen. Verschwommen schiebt sich ihr schönes Gesicht vor seine Augen, kühle Finger tasten sein Gesicht ab, wie aus weiter Ferne dringt ihre Stimme an sein Ohr. „Breda! Sieh mich an! Sag doch was!“ Wie gerne würde er ihr antworten, doch er ist zu schwach, um einen Ton von sich zu geben. Tränen tropfen auf seine Wange, benetzen seine Haut. Der zierliche Körper an seiner Seite wird von heftigem Schluchzen geschüttelt. Wie gerne würde er ihr die Sorge nehmen, doch er kann sie nicht einmal in den Arm nehmen.

Ich höre das stetig langsamer werdende Pochen eines Herzens und es kostet mich wertvolle Sekunden, um zu erkennen, dass es Bredas Herz, das soeben seine letzten Schläge tut.
„Breda, sag mir, wie ich dir helfen kann, bitte!“ Seine Augen schließen sich, das Pochen in seiner Brust wird immer langsamer, sein Atem immer schwerer. Die Verzweiflung nagt an mir. Ich würde mein Leben geben, um ihn zu retten. Wäre ich doch früher gekommen, so hätte er mir sagen können, was ich tun könnte, es hätte gewiss einen Ausweg gegeben. Ich drücke seinen Körper fest an mich, wiege ihn in den Armen wie ein kleines Kind, will ihm und auch mir selbst während dieser letzten Minuten Trost spenden.
Bredas Atem schlägt kalt gegen meinen Hals, das einzige Zeichen, dass er noch bei mir weilt. Doch mit jedem Atemzug, den er tut, verlässt ihn der letzte Funken Stärke und mit ihm auch mich.

Er weiß, dass ihm nur noch wenige Minuten bleiben, ehe ihn die Dunkelheit übermannen wird und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es wird kein Erwachen geben. Nicht diesmal. Der Vampir in ihm klammert sich an das Band zu seiner Gefährtin, will nicht einsehen, dass ihn das Ende nun doch eingeholt hat. Er wird sie mit sich in den Tod reißen, keine Macht der Welt kann es verhindern. Ihr Schicksal ist durch das unvollendete heilige Ritual an das seine gebunden, was ihm widerfährt, widerfährt auch ihr.

Ich spüre, wie sich das Wesen in mir nach dem Vampir in Breda ausstreckt, wie sie sich aneinander festhalten, aneinandergekettet durch das Schicksal und unsere Liebe. Unzertrennlich vereint, unzerstörbar. Durch den Biss bin ich an ihn gebunden, ich teile sein Schicksal, teile sein Leid, sein Leben und seinen Untergang. Mein Blut, das in seinen Adern fließt und sein Herz zum Schlagen gebracht hat und nun …
Blut!
Wie konnte ich das Offensichtliche übersehen? Breda braucht Blut, mein Blut. Blut, damit sich das Band zwischen uns festigt und er nicht sterben muss. Kurz entschlossen führe ich mein Handgelenk an die Lippen und beiße zu. Der Vampir in mir triumphiert, als er endlich sein Lebenselixier bekommt, im nächsten Moment schreit er vor Wut auf, weil es das eigene Blut ist, das ihm zugeführt wird. Ich ignoriere ihn und presse mein Handgelenk an Bredas Lippen, die sich rot färben.

Erneut spürt er Bewegung, dann presst sich der blasse Arm seines Sternenkindes an seine Lippen. Kühles Nass benetzt seinen Mund, fließt durch seine leicht geöffneten Lippen und umschmeichelt seine Zunge. Süße legt sich auf seinen Gaumen, streicht darüber hinweg und läuft seinen Hals hinab. Ein natürlicher Reflex bringt ihn dazu, zu schlucken und mit einem Mal erwacht der Vampir in ihm mit neuer Stärke.

Eiskalte Hände umschließen mein Handgelenk, während sich Bredas Lippen fest um die offene Wunde schließen. Bodenlose Erleichterung überkommt mich, als er das dargebotene Blut annimmt und mit jedem Schluck die Kraft in ihn zurückkehrt. Der Herzschlag beschleunigt sich wieder, unregelmäßig wird zu regelmäßig, unerträglich langsam zu lebendig pochend.

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Scheint, als wäre Breda dem Tod gerade nochmal von der Kippe gesprungen, wir wollen hoffen, dass es so bleibt, allerdings gibt es die eine oder andere Sache, die ihm und Sarah zu denken geben sollte. Das heilige Ritual ist nach wie vor unvollendet, Alfred läuft frei im Wald herum und führt womöglich etwas im Schilde … Wir werden sehen.
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