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Colourful

von Fire moon
Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Dr. Kai Hoffmann
20.05.2018
20.05.2018
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1.647
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Dieses Kapitel
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Hey Leute! :D

Das hier ist mein erstes Geschreibsel in diesem Fandom - von einer angefangenen FF im 'In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte' - Fandom mal abgesehen.
Das Ganze ist ziemlich spontan entstanden, nachdem ich die Folge letzten Dienstag gesehen habe. Ich muss sagen, ich hatte den leisen Verdacht bzw. die Hoffnung, dass es wirklich so kommt. Bei Dr. Hoffmanns Gespräch mit Katrin am Ende, habe ich fast schon auf einen Satz dergleichen gewartet und definitiv gehofft.
''Natürlich'' ist aber nichts dergleichen passiert, was ich sehr schade finde, weil es meiner Meinung nach der Story noch den letzten Schliff und mehr Tiefe gegeben und zudem unzählige großartige und unglaublich interessante Möglichkeiten für weitere Storylines geschaffen hätte. Von der Message mal abgesehen. Aber naja, was nicht ist, kann ja noch werden.
Jetzt fragt ihr euch vermutlich, worüber zum Teufel ich hier die ganze Zeit philosophiere - ihr werdet es verstehen, wenn ich meinen OS lest.

Ich wünsche euch also viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass es euch gefällt! :)

*Leberwurstbrot mit Gewürzgurken und Früchtetee hinstell* (Ich hoffe mit dieser Kombi treffe ich zumindest den Geschmack von ein paar von euch.)


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Die Wohnungstür fällt mit einem leisen Klicken hinter ihm ins Schloss und Kai lehnt sich einen Moment von innen dagegen. Im Flur ist es dunkel, nur durch das Fenster an dessen Ende fällt ein wenig Licht von den Laternen unten an der Straße in die Wohnung. Geräuschvoll lässt er die Luft aus seinen Lungen herausströmen und den Kopf gegen das glatte Holz sinken. Er ist müde. Was bei diesem Tag auch kein Wunder ist.
Zwar darf er ja noch immer nicht wieder arbeiten - was nun wirklich übertrieben ist, immerhin läuft er nicht auf Krücken oder sitzt im Rollstuhl - dennoch hat eine junge Patientin, oder besser gesagt ein Patient, die vergangenen paar Tage seine ganze Aufmerksamkeit beansprucht.
Es klingt vielleicht so, dass es es für ihn etwas Negatives gewesen ist, Tatsache ist jedoch, dass er es gern gemacht hat. Er ist froh, dass Luka mit seinem Vater gesprochen und dieser der Therapie zugestimmt hat.
Ein leichtes Lächeln schleicht sich auf seine Lippen. Er hat sehen können, wie erleichtert Luka gewesen ist, endlich nicht mehr mit seinem Geheimnis allein zu sein. Dass Heilmanns Tochter so gut reagiert und auch ihr Vater letztlich Verständnis gezeigt hat.
Er kann endlich glücklich werden, beginnen, sich in seinem eigenen Körper zu Hause zu fühlen, angekommen, ganz.
Es wird nicht leicht werden für ihn, das weiß Kai. Das Probejahr, welches zwar ein großer Schritt in die richtige Richtug ist, das ganze jedioh dennoch dennoch hinaus zögert.. Die Operationen und natürlich die Reaktionen seines Umfelds.
Es kann der Horror sein, doch er wünscht Luka von ganzem Herzen, dass er unter Mitmenschen wird aufwachsen können, die ihn so akzeptierten, wie er ist.
Träge stößt er sich von der Wohnungstür in seinem Rücken ab, lässt seine Tasche auf den Boden gleiten und hängt seine Jacke an die Garderobe.
Die Schlüssel klirren leise, als er sie auf der Kommode ablegt, seine Schuhe abstreift und weiter ins Schlafzimmer geht.
Die Nachbarn im Haus nebenan haben mal wieder Festtagsbeleuchtung an und scheren sich nicht darum, dass diese praktisch sein ganzes Schlafzimmer erhellt und ihn so am Schlafen hindern wird. Mindestens ein halbes dutzend Mal (zumindest fühlte es sich so an) hat er bereits bei ihnen geklingelt und sie darauf aufmerksam gemacht, dass es so etwas wie Rolläden gibt, doch das junge Pärchen scheint vollkommen resistent gegen jegliche Form von Anmerkungen zu sein - oder vielleicht auch einfach nur extrem vergesslich.
Unter normalen Umständen würde ihn die Helligkeit stören, doch heute ist er einfach froh, kein Licht anmachen zu müssen.
Kai öffnet eines der Fenster einen Spalt breit, atmet die kühle Nachtluft, welche hereinströmt und die leisen Geräusche von Blätterrascheln und entfernten Autos mitbringt, ein. Es beruhigt ihn, auch wenn er gar nicht nervös gewesen ist. Dennoch breitet sich bei den sachten Geräuschen und dem Geruch der kühlen Luft eine angenehme Ruhe in ihm aus.
Gerade als er sich wieder abwenden will, erlischt im Nebenhaus das Licht, taucht ihn für einige Sekunden in beinahe vollkommene Finsternis, ehe seine Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt haben. Es ist Vollmond, oder zumindest fehlt nicht mehr viel, weshalb es dennoch hell genug ist, um etwas zu erkennen.
Langsam streift er sich den Pullover über den Kopf, wobei er den leichten Schmerz in seiner rechten Schulter ignoriert und knöpft sein Hemd auf. Beides wirft er achtlos hinter sich aufs Bett.
Im fahlen Dämmerlicht lässt er seinen Blick über sein Spiegelbild wandern, über seinen Oberkörper. Die beiden Narben etwa auf Brusthöhe, sind etwas heller als die restliche Haut, was sie fast wirken lässt, als würden sie schwach leuchten.
'Sie hatte ganz schön viel Unterstützung von dir. Du hast ihr sehr geholfen.', hallen Katrins Worte in seinem Kopf wieder.
'Ich hätte mir damals jemanden gewünscht, der mir zuhört und Mut macht. Zu spüren, dass man nicht allein ist, ist wichtiger als alles andere.'
Das hätte er sagen sollen. Und ein Teil von ihm wollte das auch tatsächlich. Er mag Katrin. Dennoch hat er nichts dergleichen gesagt. Kai kennt sie nicht genug, um ihr dieses Geheimnis anzuvertrauen. Zu schlecht sind seine Erfahrungen mit Menschen, die einfach nicht verstehen können, dass es nicht krank und abartig ist, sich im falschen Körper gefangen zu fühlen.
Vielleicht wird er es irgendwann. Katrin soweit vertrauen, dass er es ihr erzählt. Vielleicht auch nicht. Das wird nur die Zeit zeigen. Aber das ist okay.
Es ist einfacher geworden. Das Warten. Das Schweigen. Seit er endlich der sein kann, der er ist, fühlt sich nicht mehr alles wie ein ständiges Versteckspiel an.
Er wählt die Menschen, denen er sein Geheimnis anvertraut, mit Bedacht aus und muss doch niemanden anlügen. Sein Umfeld weiß, wer er ist, wer er früher hat sein müssen, ist nicht wichtig. Zumindest nicht für sie. Das ist ein Teil von ihm, den er nur den allerwenigsten Menschen preis gibt und es macht ihm nichts aus, dass nur wenige es wissen.
Das Leben mit einer Lüge ist der Horror gewesen, doch das Leben mit der nicht ganzen Wahrheit, ist vollkommen okay.
Er ist glücklich, endlich er selbst sein zu können und schätzt es, dass er die Leute, die von seiner Vergangenheit erfahren, selbst auswählen kann.
Während er sich die restlichen Klamotten abstreift, und ein frisches T-Shirt und eine Boxershorts anzieht, schweifen seine Gedanken erneut ab.
Er muss an die Zeit denken, als er in Lukas Situation gewesen ist. Es hat lange gedauert, bis er sich endlich getraut hat, es seinen Eltern zu sagen.
Nach anfänglichem Schock und Unverständnis haben sie ihn zwar unterstützt und auch mit der Reaktion seines Freundeskreises, hat er großes Glück gehabt, doch als er schließlich zur Bundeswehr gegangen war..
Die Hormontherapie hat er zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich gehabt, weshalb zuerst alles gut gewesen war. Doch dann war da die Sache mit den Gemeinschaftsduschen. Und als wären die Narben an seinem Oberkörper nicht schon verräterisch genug gewesen, hat er die zweite Operation nie durchführen lassen - bis heute nicht.
Er hat es nie gewollt, ist so mit seinem Körper zufrieden, wie er ist. Doch die Reaktionen der anderen..
Viele sagten nichts, oder beließen es bei ein paar blöden Sprüchen, zwei oder drei meinten sogar mal, dass sie absolut kein Problem damit hätten, dass es okay sei und er sich nicht um die anderen scheren solle. Doch für eine handvoll seiner Kameraden war er seit dem die Zielscheibe Nummer eins gewesen. Es war der Horror gewesen. Er wusste, dass es nichts brachte, zu seinen Vorgesetzten zu gehen, zum Einen, weil er sich nicht sicher war, wie Diese zu dem Thema standen und zum Anderen, weil er wusste, dass eine Bestrafung seine Peiniger nur noch mehr anstacheln würde.
Rückblickend weiß er nicht mehr, wie er die Zeit dort überstanden hat. Die tägliche Schikane. Doch das hat er - irgendwie.
Eigentlich glaubt Kai nicht an Schicksal, doch die Sache mit Luka.. Als er den Flyer in seinem Rucksack gefunden hat.. Er hat seinen Augen nicht getraut.
Ausgerechnet er hat genau diesen Jungen vor einer Kollision mit der Straßenbahn bewahrt und auf diese Weise die Chance bekommen, ihm zu helfen. Kann das wirklich Zufall sein..?
Er erinnert sich an die Angst, dass es jemand erfährt, die sich nur zu deutlich in Lukas Augen gespiegelt hat. Er hat gewusst, dass er ihm helfen muss. Mehr noch, er hat sich selbst in ihm gesehen.
Und er ist froh, dass er und sein Vater jetzt auf einem so guten Weg sind.
Er lächelt leicht, fährt sich mit einer Hand durch die Haare. Er sollte ins Bett gehen. Es ist spät und morgen muss er früh raus.
Das heißt, streng genommen muss er nicht, schließlich ist er immer noch krank geschrieben, doch er will nach Luka sehen und außerdem ist er ohnehin ein Frühaufsteher.
Einen Moment lässt er seinen Blick noch aus dem Fenster, hinaus in die Nacht schweifen, ehe er schließlich schlafen geht.


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So, ich hoffe es hat euch gefallen! Über Feedback würde ich mich riesig freuen. :)

Ein wunderschöner Song, der mich zu dem Titel 'Colourful' inspiriert hat und auch thematisch ziemlich gut zu dem Ganzen passt ist übrigens 'The Village' von Wrabel. Für diejenigen die vielleicht Lust haben, ihn sich anzuhören, hier ein Link: https://www.youtube.com/watch?v=tilsrO-3gcQ
Es lohnt sich wirklich!

Wie dem auch sei, noch mal danke fürs Lesen, vielleicht liest/schreibt man sich ja mal! :D

Liebe Grüße

Fire moon
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