Folge 5: Fruchtbarer Boden für Mord

GeschichteKrimi, Mystery / P16
Javier Esposito Kate Beckett Kevin Ryan Richard Castle
20.05.2018
20.05.2018
6
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Fruchtbarer Boden für Mord

Geschrieben von Colie MacKenzie

Übersetzt von kbymyside

Gegengelesen von Copop83

Der nachfolgende Text ist eine fiktive Geschichte von Autoren ohne jegliche Beziehung zur ABC-Sendung “Castle”. Erkennbare Charaktere sind Eigentum von Andrew Marlowe und ABC. Namen, Orte und Geschehnisse sind Produkt der Kreativität des Autors oder werden fiktiv genutzt. Jegliche Ähnlichkeit zu tatsächlichen Personen, lebend oder tot, Unternehmen, Firmen, Ereignissen oder Örtlichkeiten ist rein zufällig.

Warnung vor dem Inhalt: Diese Folge handelt vom Tod einer schwangeren Frau und ihrem ungeborenen Baby.

***

Kapitel 1

Rick schreckte durch das Schrillen seines Weckers neben seinem Kopf aus dem Dunst eines verwirrenden Traumes. Er öffnete die Augen, tastete nach seinem iPhone auf dem Nachttisch, um das störende Geräusch abzustellen.

Sechs Uhr morgens. Der späte Oktobertag lag noch in Dunkelheit getränkt, nur die Straßenlaterne badete die Welt in gedämpfte Orangetöne; das Rauschen des frühmorgendlichen Verkehrs als die Stadt erwachte wurde gedämpft durch die dicken schalldichten Fensterscheiben des Lofts. Er streckte seine Waden unter der Daunendecke, seine Zehen, und rieb sich den Schlaf aus den Augen.

Seine Frau lag auf ihre Seite gerollt neben ihm, Knie angezogen, Gesäß an seine Hüfte geschmiegt. Wärme ging von ihrem Körper aus, küsste seine Haut durch den Stoff seiner Boxershorts. Sie schlief weiter, ihre Atmung tief und ruhig, ungestört vom Lärm des Weckers zuvor. Er hatte gezählt, dass sie mindestens drei Mal in der Nacht wach war, um auf die Toilette zu gehen, vielleicht vier Mal, aber wenn sie schlief, schlief sie fest, sank in eine tiefe, beinahe bewegungslose Erholung. Er hatte einige dieser Ersttrimester-Schwangerschaftserscheinungen vergessen bis sie eingetreten waren: die ständige Müdigkeit, die auf Kate lastete, die häufigen Badezimmerbesuche. Jedoch machte seine Frau mit ihrer üblichen unfehlbaren Stärke unermüdlich weiter. Sie überraschte ihn - jeden Tag - brachte sein Herz zum Rasen, und wäre er nicht schon so in sie verliebt, würde er ihr erneut verfallen.

Castle rollte auf seine Seite, klammerte seinen Körper an die Kurve des ihren und legte seinen Arm um ihre Taille. Seine Hand kam über der Rundung ihres Bauches, wo ihr Baby lag und täglich wuchs, zur Ruhe. Es hatte nun die Größe einer Limette, sagte die Schwangerschafts-App, entwickelte Reflexe und Ohrläppchen; der kleine Mund machte Saugbewegungen, das Herz schlug in seinem schnellen Rhythmus. Er konnte es gar nicht erwarten, das Geräusch wiederzuhören, dieses rasche, lebensbejahende Wusch-Wusch auf dem Ultraschall, wartete ungeduldig darauf, die Zeichen des heranwachsenden Lebens selber zu spüren, die Tritte kleiner Gliedmaßen gegen die Wände von Kates Bauch.

Er schnüffelte seine Nase entlang ihres Halses, atmete ihren schläfrig-warmen Geruch ein, wisperte seinen Mund über ihre Haut, murmelte Worte um sie zu wecken. Kate schniefte ins Kissen, murmelte etwas Unverständliches, während er spürte, wie sie langsam erwachte. Zuletzt drehte sie sich auf den Rücken, öffnete ihre Augen und glitt mit ihrer Hand über ihren Bauch, bis sie auf seine stieß. Ihre Finger verschlangen ineinander. Er lehnte sich über sie um sie zu küssen, um die seidige Sanftheit ihrer Lippen zu spüren.

"Hallo, Liebling."

"Hallo", brummte sie, ihre Stimme etwas rau vom Nichtbenutzen, und dann gähnte sie, ihr Körper gestreckt, wölbend in den Bettlaken. Sie war niedlich und erregend zugleich, die Wärme in ihrem Lächeln, wenn sie ihn anschaute, ihr schläfriger Duft und die rosige Tönung ihrer Wangen, die einfachen Freuden des Alltags, die er versuchte nie als selbstverständlich anzusehen. Nicht nach alledem, was passiert ist, nicht, nachdem sie so kurz davor gewesen waren, alles zu verlieren; er war sich der Zerbrechlichkeit des Lebens so erschreckend bewusst.

"Habe ich wieder den Wecker überhört?", fragte sie und er nickte.

"Ach. Ich könnte wahrscheinlich weitere zwölf Stunden schlafen und würde mich danach immer noch müde fühlen."

Er schmiegte seine Hand entlang der Kurve ihres Bauches. "Nun etwa zwölf Wochen. Das Buch sagt, das wird sich bald ausgleichen."

"Ich kann es kaum erwarten", lächelte sie, und ihre Augen fielen bei dem Rhythmus seiner Liebkosungen zu, ein langer Atemzug entwich ihrer Lunge. Ihre Bauchgegend war so empfänglich für Berührungen, dass es nicht mal ein Ding der Erregung, sondern eine Sensibilisierung auf jede zärtliche Berührung war.

"Sieht man es schon?" Ihre Augen flatterten auf und ihre Pupillen waren dunkle, unendliche Weiten im spärlichen Licht des frühen Morgens. Ihre Worte klangen sehnsüchtig, und er fragte sich, wie so oft, wie sich für Kate wohl die vielen Emotionen und Veränderungen, deren Ungewohntheit und Verwunderung nur schwer mit Worten zu beschreiben waren, anfühlten. Die Surrealität eines heranwachsenden Babys in ihr, diese ersten Wochen voll ständiger Wachsamkeit, über-alarmiert über jede Veränderung, das Fühlen der Anzeichen und das tägliche Leben mit dessen Zerbrechlichkeit. Die hartnäckige Sorge, ob auch alles noch in Ordnung war. Ein Baby, von dem du weißt, dass es existiert, in diesem rauchigen Bewusstsein, wo man es noch nicht fühlen konnte, obwohl es in deinem eigenen Körper eingenistet war. Es war real und doch manchmal erschreckend abstrakt, dieser Prozess ein neues Leben entstehen zu lassen. Er war ein Autor, versiert darin, sich die meisten Erlebnisse des menschlichen Befindens vorzustellen oder sich in sie hineinzuversetzen, doch dieses war eines, das er kaum begreifen konnte.

"Ich kann es sehen." Mit seiner Fingerspitze zog Castle eine Linie um die kaum vorhandene Rundung. "Ich kenne deinen Körper; ich sehe die Veränderungen." Wie beispielsweise die veränderte Wölbung ihres Bauches, die dunkleren Brustwarzen und die Verdickung ihrer Taille, der gesunde pinke Schimmer ihrer Wangen.

"Niemand anderes wird es jedoch erkennen können", versicherte er ihr.

Das war neuerdings eine häufige Frage, die in der Regel vor dem Badezimmerspiegel gefragt wurde, in welchem Kate ihr Aussehen aus jedem Winkel genau prüfte und freudig die ersten Anzeichen des heranwachsenden Lebens erwartete, doch gleichzeitig misstrauisch gegenüber einer herausstehenden Wölbung war, die sie noch nicht zu erklären wünschten. Mit ihrer von Trauma gekennzeichneten Vergangenheit hatten sie beschlossen zu warten bis Kate über die zwölfte Woche hinaus war, um die Neuigkeiten zu verkünden, zu sehr waren sie sich der erschreckenden Statistik von Erstschwangerschaften bewusst.

"Darüber müssen wir uns bald keine Gedanken mehr machen." Kate strich ihren Daumen in einem fast hypnotisierenden Rhythmus über seinen Handrücken, der ihn wünschen ließ, er könne seine Augen schließen und mit ihr den ganzen Tag eingekuschelt im Bett verbringen. "Aber erst müssen wir die heutige Nacht überstehen. Hat alles so geklappt, wie du es dir vorgestellt hast?"

"Mh-mh", beteuerte er ihr, seine Gedanken noch träge vom Schlafen. "Alles bereit." Er drückte sie noch etwas fester an sich, fühlte, wie sie sich bewegte um ihr Handy zu überprüfen, bevor sie es zurück auf den Nachttisch plumpsen ließ. Kate drehte sich innerhalb der Klammer seiner Umarmung, drückte ihr Gesicht in seine Halsbeuge.

"Noch keine Anrufe", murmelte sie gegen seine Haut. "Haben noch ein paar Minuten."

Er festigte seine Arme um sie, während sie ihren Körper entlang des seinen streckte, ihre Kurven weich und warm, ihr Oberschenkel über seine Hüfte gehakt. Er hielt sie, während sie regelmäßig gegen ihn atmete, ein und aus. Seine Gedanken gingen zu Visionen von zehn winzigen Zehen und flaumigem Babyhaar und Pauschbäckchen, die sich an Kates von Milch gerundeter Brust drückten, über.

***

Sie wurden von Ryan und Espo angesprochen, sobald sie aus dem Aufzug des Zwölften stiegen.

"Wir wollten dich gerade anrufen, Boss", sagte Espo als er vor ihnen anhielt auf ihrem Weg zum Aufzug. "Wir haben einen neuen Fall. Du möchtest vielleicht dabei sein. Die Presse wird sich drüber hermachen."

"Warum?"

"Das Opfer ist Victoria van Houten", sagte Ryan.

"Von den Park Avenue van Houtens?“, rief Castle. Die van Houten Familie war eine der reichsten und wohlbekanntesten Familien in New York; altes Geld und eine Abstammungslinie, die, laut der Legende, zurückverfolgte werden konnte bis zu der Zeit als New York noch als Neu-Amsterdam besiedelt wurde.

"Genau die", bestätigte Espo.

"Scheiße." Das würde nicht gut enden. Kate rieb sich die Stirn und versuchte, die pochenden Kopfschmerzen loszuwerden, die sich hinter ihren Schläfen bemerkbar machten. An einigen Tagen schien es ihr, als hätte sich ihr Körper immer noch nicht an den Koffeinmangel gewöhnt. Ihr morgendlicher Vanilla Latte war die einzige Einnahme von Koffein, die sie sich jeden Tag erlaubte, und diese half kaum gegen die auslaugende Müdigkeit, die auf ihren Knochen lastete und sie lethargisch und unaufmerksam machte.

"Okay, Leute, lasst uns gehen." Ohne einen Fuß in ihr Büro gesetzt zu haben, drehten sie und Castle um und folgten Ryan und Espo in den Aufzug.
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