Once bitten twice shy

von dreamxy
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Balthazar Castiel Dean Winchester Jo Harvelle
18.05.2018
10.04.2019
12
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siebtes Kapitel: Hell is Truth seen too late





Dean hatte Cas gegen sieben geschrieben, dass er es nicht pünktlich schaffen würde, wegen dem ganzen Papierkram, den sie vom gestrigen Fall noch zu tun hatten. Er entschuldigte sich und sagte, dass Cas nicht auf ihn warten musste und er einfach später dazu stieß. Oder dass er direkt zu ihm kam, wenn es viel zu spät wurde.

Cas hoffte wirklich, dass das nicht der Fall war, weswegen sich sein Lächeln kaum in Grenzen halten konnte, als Dean gegen 22 Uhr die Bar betrat. Zwar hatte der das Quiz verpasst, aber das war wirklich nicht schlimm. Dean war hier und nur das zählte.

Er stand auf, um ihn mit einem tiefen Kuss zu begrüßen.

„Hey“, flüsterte Dean gegen seine Lippen und die Anspannung fiel von ihm ab, als er ihn nochmal küsste.

Die Arbeit war wohl wirklich anstrengend gewesen und Cas zog ihn in eine feste Umarmung, Dean ließ sich bereitwillig gegen ihn sinken. „Geht’s dir gut?“

„Jetzt schon“, flüsterte Dean ihm ins Ohr und zog ihn sogar noch enger. Die Schmetterlinge in Cas Bauch wollten gar nicht mehr zur Ruhe kommen.

Hinter ihnen räusperte sich jemand, aber Cas machte keine Anstalten, Dean loszulassen. Wenn Dean das jetzt brauchte, würde er so lange damit weiter machen, wie Dean wollte. Aber einen Moment später machte Dean sich von ihm los, gab ihm einen letzten Kuss und ein glückliches aber müdes Lächeln, bevor er sich Richtung Tisch bewegte.

Er winkte zur generellen Begrüßung, wurde selbst von allen begrüßt und wollte sich gerade setzen- als er mitten in der Bewegung einfror.

Cas folgte seinem Blick und zog die Augenbrauen zusammen, als er auf Zar landete. Sein Freund erdolchte Dean geradezu mit Blicken.

„Du? Du bist Cas‘ Dean?“

Cas konnte genau sehen, wie Deans Augen immer größer wurden, als er einen Schritt zurück machte und verteidigend die Hände hob „Hör zu, ich kann das erklären.“

Auf einmal lag etwas schwer in Cas Magen. Irgendetwas stimmte hier nicht, er spürte, dass er irgendetwas verpasst hatte.

Zar brodelte geradezu vor Wut und war im nächsten Moment aufgesprungen, umrundete den Tisch, um sich zu Cas zu stellen. „Der Kerl ist ein Betrüger!“

„Nein!“, rief Dean, aber Zar fuhr einfach fort.

„Ich hab ihn gesehen, Cas! Letzte Nacht bei Crowley. Er war da und hat mit einem anderen Kerl rumgemacht.“

Es fühlte sich an, als würde sich Taubheit durch seinen Körper fressen, sein Blut fror in den Adern ein. In seinem Magen zog es sich zusammen, als würde er sich gleich übergeben müssen. „Dean?“, fragte er nahezu schüchtern, riss sich zusammen um nicht gleich an die Decke zu gehen. Wieso passierte das hier? Was passierte hier? „Was meint Zar damit?“ Gott, er hasste es, wie gebrochen sich seine Stimme anhörte und noch mehr hasste er es, Dean diese Frage zu stellen.
Jetzt, wo er sich selbst davon überzeugt hatte, dass Dean anders war. Anders als Bart.

Aber Zar würde ihn in dem Punkt nie anlügen.

Und trotzdem sah Dean so schmerzerfüllt und ernst aus, als er den Blick erwiderte.

„Ich schwöre dir, Cas, es ist nicht so, wie es aussieht.“

Die Taubheit kroch weiter durch seinen Körper. Das war nicht die Antwort, die er sich gewünscht hatte. Dean sollte sagen, dass Zar log. Dass er nicht mit einem anderen Kerl rumgemacht hatte.
Neben sich hörte er, wie Zar ungläubig schnaubte, auch ein paar andere der Anwesenden taten ihren Unglauben kund. Er ignorierte sie alle, ignorierte auch das Scharren der Stühle auf dem Boden, was zeigte, dass zumindest ein paar seiner Freunde und Familie aufgestanden waren, um Dean zu konfrontieren.

Er hielt seinen Blick fest auf den Mann gerichtet, in den er sich verliebt hatte. „Ich weiß nicht, was ich gerade denken soll, also erklär es mir.“

„Ich hab dich nicht betrogen-“ ein Schnauben neben Cas lenkte Deans Blick kurz ab. Cas schätzte, dass es Zar war „Hab ich nicht!

„Ja, klar. Also ist dir dieser Kerl in den Raum gefolgt wegen was? Die Bibel zu lesen?“, fauchte Zar und Cas schloss die Augen. Wieso passierte ihm das nur?

Schon wieder?

Bei Deans nächsten Worten schossen seine Augenlider wieder auf, den Blick sofort auf seinen Gegenüber geheftet. „Das war mein Job!“

„Oh, ach wirklich?“, feuerte Zar zurück. „Bist du Callboy?“

„Nein! Ich bin Privatermittler und das gehörte zu einem verdammten Fall!“ Dean ignorierte Zar danach und wandte sich wieder an Cas. „Cas, du weißt, dass ich gestern an einem Fall gearbeitet hab.“

„Weiß ich das?“

„Ich hab dir geschrieben.“

„Und?“

Dean zuckte zurück, als hätte man ihm ins Gesicht geschlagen. Seine Gesichtszüge waren schmerzverzehrt, aber Cas konntenichts tun, innerlich war er immer noch taub. Bei Bart war es auch immer „Arbeit“ gewesen. Bis Cas die Wahrheit rausgefunden hatte. Dass all diese Überstunden in dem Bett eines anderen verbracht wurden.

Er war einfach taub, aber als Dean die Hand nach ihm ausstreckte, zuckte Cas zurück, sah aber die reine Qual in seinen Augen. Und irgendwie ließ genau das seine Taubheit verschwinden. Als Dean also mit gebrochener und leiser Stimme fragte „Cas… bitte… können wir das draußen besprechen?“, nickte Cas nur.


*~*~*



Die frische Abendluft half Dean, seine Gedanken zu sortieren. Er konnte nicht glauben, dass das gerade passierte.

Dumm, dumm dumm.

Er hätte Cas von Anfang an die Wahrheit erzählen sollen und jetzt flog ihm alles um die Ohren. Ausgerechnet heute, wo er ihm alles in Ruhe hatte erklären wollen. Wieso hatte er sich nicht schon früher am Tag mit ihm getroffen? Dieser blöde Fall und dann hatte Jo sich nicht so gut gefühlt, ihr Fieber war zurück gekommen… Er war erst gegangen, als Jo Charlie angerufen hatte, um sie zu besuchen und sie ihn dann rausgeworfen hatte, schließlich wusste sie, wie sehr er Cas treffen wollte.

Und jetzt das.

Gott, hoffentlich würed Cas ihm zuhören.

Hier in der Nähe gab es keine ruhige Ecke oder Seitenstraße also musste Dean sich damit begnügen einen Schritt zur Seite zu gehen und zu hoffen, dass das Gespräch nicht zu laut werden würde und andere etwas mitbekamen. Er durfte nicht über seine Fälle reden, alleine um Cas das alles zu erklären bewegte er sich auf sehr dünnem Eis. Die anderen Anwesenden, die zum Rauchen oder frische Luft holen rausgekommen waren, mussten das nicht auch mitbekommen.

„Okay, rede.“, sagte Cas und blieb stehen, als er fand, sie waren genügend vom Eingang weg.

Dean drehte sich um und sah Cas einfach an. Gott, er war ihm jetzt schon so unter die Haut gegangen. Er durfte das hier nicht vermasseln.

„Okay, erinnerst du dich daran, als ich dir erzählt habe, dass mein Job in der Firma hauptsächlich aus Papierkram und stinklangweiligen Observationen im Auto besteht? Das war nicht gelogen.“

Cas antwortete nicht, aber er kreuzte die Arme vor der Brust. Dean konnte nicht einordnen, ob er das wegen der Kälte tat oder um die Distanz zu wahren. Beides war möglich und Dean schluckte schwer, während er nach den nächsten Worten suchte. Alles was er wollte, war Cas in seinen Armen zu halten. „Ich war seit einer ganzen Weile nicht mehr draußen. Aber dieser Fall… Cas, der Kerl von letzter Nacht hat nicht einfach nur seinen Mann betrogen, er wollte das Land verlassen und die Kinder mit sich nehmen. Sein Mann stünde vor dem Nichts.“

„Und dass du dich an ihn ranschmeißt, war eure einzige Möglichkeit, den Fall zu lösen?“, antwortete Cas verbittert. Wozu er jedes Recht hatte.

Dean schüttelte den Kopf. „Erstens: es ist nichts passiert, ich schwöre es!“ Cas schnaubte ungläubig, aber unterbrach ihn nicht, weswegen er weiterredete. „“Und nein, anfangs nicht. Wir dachten, wir hätten noch genug Zeit, wir wussten nicht, dass er das Land verlassen wollte. Aber wir haben gestern Beweise dafür gefunden und mussten schnell handeln.“ Dean merkte, wie er schneller wurde, wollte Cas verstehen machen. Er zwang sich selbst, das Tempo zu drosseln, damit er nicht noch zusammengewürfeltes Gebrabbel von sich gab. Das Ganze gestaltete sich noch schwieriger, als seine Zähne zu klappern anfingen, aber vermutlich eher wegen der Nervosität statt der Kälte. „Er hatte Flugtickets gekauft, um am Montag zu gehen. Sam war schon dabei, einen Beschluss zu bekommen, dass das nicht passiert. Aber ohne Beweise wäre das wohl nicht möglich.“

„Dean, das macht keinen Sinn.“, unterbrach Cas in schließlich. „Wenn du nicht mit dem Kerl im Bett gelandet bist, wird kein Richter der Welt das als Betrug ansehen. Auch wenn es das ist.“, fügte er noch mit einem bitteren Unterton hinzu.

Und Dean wünschte so sehr, dass er ihm jedes Detail erklären konnte. Aber das ging nicht. Zumindest nicht hier.

„Ich weiß, Cas glaub mir, ich weiß. Ich hab mich die ganze Zeit schrecklich gefühlt.“ Er konnte nicht verhindern, dass er wieder die Hand nach ihm ausstreckte. Aber er hätte es besser wissen sollen, Cas machte wieder einen Satz zurück. Es fühlte sich an, als würde jemand sein Herz erdolchen. Dean schluckte schwer, um die Tränen zurückzuhalten. Cas hatte jedes recht, so zu reagieren, Dean verdiente es, sich so schlecht zu fühlen.

„Wenn du mir das nicht glaubst, dann glaub mir bitte, dass ich nicht mit ihm geschlafen hab. Das ist ein komplizierter Fall, an dem wir schon seit Wochen sitzen. Sogar Monaten. Wir hatten hier und da was und Sam hat uns bestätigt, dass er nur ein paar bedeutungsschwere Fotos und Tonaufnahmen braucht. Nur einen Beweis, dass er wen anderes küsste und anfasst.“

Cas schien nicht sonderlich glücklich mit der Info zu sein, was er verstehen konnte. Seufzend fuhr Dean sich durch die Haare, während sein Herz drohte, in tausend Stücke zu zerbrechen. Wieso war er nur so dumm gewesen?

„Hör zu, ich weiß, wie das aussehen muss. Aber… ich würde dich niemals betrügen. Ich meine, komm schon Cas, ich verdiene mein Geld damit, die Leute zu schnappen, die das tun. Und ich bin so verdammt gut darin, weil ich es hasse, was sie ihren Partnern damit antun. Ich hasse es aus tiefstem Herzen. Und- und ich wünschte, ich hätte dir früher gesagt, dass mein Job manchmal verlangt-“

„Wieso hast du’s nicht?“, unterbrach Cas sein Gerede, seine Stimme rau aber doch flehend.

Dean sah ihn an, suchte jeden Zentimeter seines Gesichts nach einem Zeichen ab, dass er ihm vergeben könnte. Nur ein kleines. Er hatte nur eine Chance, wenn er komplett ehrlich zu ihm war. Er musste sich ihm komplett öffnen. „Weil du nicht der erste Kerl wärst, der weglaufen würde, weil er damit nicht klarkommt.“ Cas gab ein sarkastisches Lachen von sich, aber Dean fuhr fort. „Ich wurde deswegen schon mal verlassen. Damals, als ich noch für meinen Onkel gearbeitet hab und das regelmäßig tun musste. Aber so ist das nicht mehr, Cas, ich schwöre es. Ich hab das seit Jahren nicht mehr gemacht. Also… also dachte ich, ich hätte mehr Zeit. Und ich wollte dir die Zeit geben, mich kennen zu lernen. Um zu wissen, das sich nicht so bin.“
Geschlagen schüttelte Dean den Kopf. Sogar er erkannte die Ironie der gesamten Situation. „Und es ist komplett nach hinten losgegangen.“, presste er hervor, mehr zu sich selbst. Leicht wandte er sich ab und fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht, versuchte diese eine Träne loszuwerden, die sich gelöst hatte. Weinen würde ihm jetzt auch nicht helfen.

Er wusste nicht, wie lange sie geschwiegen hatte, bis Cas die Stille schließlich brach. „Schwörst du, dass da nicht mehr gelaufen ist?“

„Ja!“, antwortete Dean ohne Zögern und drehte sich schnell wieder zu ihm. Er wollte einen Schritt auf ihn zu machen, hielt sich aber selbst rechtzeitig auf. Sollte Cas ihn nochmal abweisen, würde es ihn wirklich umbringen. „Cas, keiner meiner Agenten geht je diesen letzten Schritt und ich auch nicht. Manchmal gehen sie soweit, dass sie sich ausziehen, damit die Bilder besser sind, aber das musste ich nicht. Und ich hätte es auch nicht, selbst wenn es nötig gewesen wäre. Nicht mehr!“

„Wieso nicht?“

„Weil ich mich gefühlt habe, als würde ich dich betrügen und damit konnte ich nicht leben.“

Ein kleines Lächeln zog an Cas Mundwinkeln und gab Dean Hoffnung.

Aber Cas hatte noch mehr Fragen. „Wieso musstest du es überhaupt sein?“

„Weil wir wussten, dass ich sein Typ bin. Und es musste schnell gehen, wir konnten nichts riskieren.“

„Sein Ehemann… wird er die Scheidung durchkriegen und das Sorgerecht bekommen?“

Dean nickte. „Wenn Sam seinen Job richtig macht, dann ja. Und Sammy ist ein verdammt guter Anwalt, das kann ich versprechen.“

Cas sah ihn immer noch nicht an, schien aber auch in Gedanken versunken sein. Dean gab ihm die Zeit, die er brauchte und wurde schließlich dafür belohnt, als Cas endlich nickte und die Arme langsam senkte.

„Ich schätze, ich habe nicht wirklich das Recht, sauer auf dich zu sein, oder? Wir haben immerhin nie darüber geredet, was das hier eigentlich zwischen uns ist.“

Das kam unerwartet, aber Dean antwortete schnell. „Nein, haben wir nicht. Aber du hast trotzdem jedes recht, sauer zu sein.“ Jetzt oder nie, dachte Dean und beschloss, zu springen. „Und wenn ich es nicht schon gewusst hätte, dann spätestens seit gestern Abend, als ich mich gefühlt habe, als würde ich dich betrügen- Cas ich weiß genau, was ich will, was das hier ist.“ CAs sah ihn endlich wieder an, dann fuhr er fort. „Ich hab deine Nachricht gestern gelesen und sie hat mich wirklich glücklich gemacht.“

„Hat es?“, fragte Cas.

„Ja.“, sagte Dean mit einem Lächeln. „Hat es.“

Deans Handy vibrierte in seiner Hosentasche, aber er ignorierte es. Stattdessen machte er zögernd einen Schritt in Deans Richtung. „Und… ich will wirklich, dass das hier funktioniert. Ich will eine Beziehung.“

Cas starrte ihn mit offenem Mund an, Dean sah das als gutes Zeichen. Er schluckte, machte noch einen Schritt und redete weiter.

„Und ich will ganz ehrlich zu dir sein. Wir fangen gerade erst an, einander kennen zu lernen und es gibt noch so viel, was du nicht von mir weißt. Aber ich will es. Ich will dir alles erzählen. Und ich will alles über dich wissen.“

Cas starrte ihn immer noch an, seine Augen huschten schnell über Deans Gesicht. Dean schluckte nochmal schwer und streckte langsam die Hand nach Cas aus. Und dieses Mal machte Cas keinen Rückzug, erlaubte ihm sogar, ihn näher an sich zu ziehen. Dean zog ihn in eine Umarmung und klammerte sich an ihm fest, vergrub das Gesicht an seiner Schulter.

„Es tut mir leid. So, so leid.“

Sein Handy vibrierte wieder, lenkte ihn einen kurzen Moment ab. Aber als Cas Arme sich um ihn legten, ignorierte er es wieder und hob den Kopf, um in diese blauen Augen zu sehen. In ihnen konnte er immer noch den Widerstand flimmern sehen und fühlen. Aber er konnte es auch verstehen.

„Cas, es tut mir leid. Und… es tut mir noch mehr leid, dass es noch so viel zum Erzählen gibt. Aber wenn du mich lässt, dann gehen wir irgendwo hin und wir reden darüber.“

„Du willst mir also sagen, dass du noch mehr Geheimnisse hast?“

„Du etwa nicht?“, fragte Dean sofort, zuckte aber sofort zusammen. „Tut mir leid. Das war nicht...“

Aber Cas schüttelte schon den Kopf. „Nein. Nein, du hast recht. Ich… ich hab zwei schlimme Beziehungen hinter mir und … sagen wir mal, sie haben mich vorsichtig werden lassen. Also ja, du hast recht.“

„Zwei? Wow, nicht dass ich daraus einen Wettbewerb machen will, aber angesehen von den zweien, die wegen meinem Job gegangen sind, haben mich wegen dem anderen Geheimnis noch fünf weitere verlassen.“

Als er sah, wie Cas blass wurde, lachte er nervös. „Es ist nicht… so schlimm, wirklich. Ich.. ich hab nur nie die richtige Taktik gefunden, das Thema anzugehen. Ich war von Anfang an offen, sie sind gegangen. Ich hab es ihnen später erzählt, das gleiche ist passiert. Ich… ich schätze, ich muss einfach darauf vertrauen, dass…“

Sein Handy klingelte wieder und ließ ihn genervt stöhnen. „Oh, jetzt komm schon.“

„Was ist los?“, fragte Cas verwirrt, als Dean eine Hand von ihm löste und in seine Hosentasche griff.

Er wollte gerade antworten, als er den Namen des Anrufers sah.

Es war Charlie.

„Mist. Scheiße, nein!“

„Dean?“

Aber Dean hörte ihm schon gar nicht mehr zu, als er sich aus der Umarmung löste und den Anruf annahm.

„Charlie?“

„Dean, endlich! Okay, flipp bitte nicht aus-“

„Was ist passiert?“

„Ich hab gesagt, du sollst nicht ausflippen.“

„Charlie!“

„Ich hab Jo ins Krankenhaus-“

„WAS?“

„Schon ok, Dean. Das Fieber wollte einfach nicht weg gehen und sie hat sich schwach gefühlt. Jo geht’s gut, sie hat noch mit mir geredet und all das. Die Ärzte checken sie gerade durch und-“

„Ich bin unterwegs.“

„Dean-“

Den Rest hörte er gar nicht, sondern legte einfach auf.

Mist!

Er hätte einfach zuhause bleiben sollen. Nichts von alldem hier wäre passiert, wenn er einfach bei ihr geblieben wäre.

„Dean?“

Als er sich umdrehte, begegnete er Cas besorgtem Blick. Verdammt nochmal, wieso hatte er nur so lange gewartet? Er wünschte, er könnte Cas mitnehmen. Aber das war jetzt der falsche Zeitpunkt.

„Ist alles in Ordnung? Dean, du machst mir Angst.“

„Nein. Nein, es ist… eine gute Freundin von mir. Sie hat Schwierigkeiten mit ihrer Schwangerschaft und ist gerade im Krankenhaus.“ Oh und ganz nebenbei, sie trägt unser zweites Kind aus.

„Oh mein Gott, Dean!“

„Ich…“ Dean kam sich vor, als wäre er an Ort und Stelle festgewachsen, während alles in ihm danach schrie, zurück zur Bäckerei zu rennen, wo er sein Auto geparkt hatte, um zu Jo zu kommen. Aber er konnte nicht von Cas weg. „Es tut mir leid, Cas. Das ist mit Abstand der schlimmste Zeitpunkt überhaupt-“

„Dean, ich bin nicht aus Stein, okay? Geh. Sei bei deiner Freundin. Wir sprechen morgen.“

Wahrscheinlich verdiente er den Kerl überhaupt nicht, bei den ganzen Geheimnissen. Wieso war Cas nur so gut zu ihm?

„Versprich mir, dass wir das hinkriegen?“, flehte er. „Dass wir über alles reden? Ich… ich will dich nicht verlieren. Bitte?“

Er sah, wie das letzte bisschen Widerstand in Cas zerbrach und einen Herzschlag später, beugte Cas sich vor und küsste ihn sanft.

„Versprochen“, flüsterte Cas, als er sich zurück zog. „Jetzt geh!“

Und genau das tat Dean, rannte so schnell zu seinem Auto, wie er konnte.


*~*~*



Charlie hatte recht behalten. Es gab keinen Grund zur Sorge, außer, dass die Schwangerschaft nicht gerade die leichteste war. Also hatten die Ärzte beschlossen, Jo sicherheitshalber über Nacht da zu behalten und da Dean sicher gestellt hatte, dass sie ein Einzelzimmer bekam, durften er und Will sogar bleiben. Die Kontrolluntersuchungen am nächsten Tag dauerten eine gefühlte Ewigkeit, aber solange es Jo und dem Baby half, war Dean der letzte, der was dagegen sagte.

Am späten Nachmittag waren sie endlich zuhause. Sie hatten am Montagmorgen sowieso einen Termin bei Jo’s Hausärztin, Missouri Moseley, weswegen das Krankenhauspersonal sie ohne Bedenken nach Hause entließ, mit der strengen Verordnung, sich zu schonen.

Nachdem er Jo auf das Sofa verfrachtet und einen Familienfilm eingelegt hatte, den sie zu dritt schauen konnten, griff Dean wieder nach seinem Handy. Er hatte ein paar ungelesene Nachrichten, er antwortete Sam und Charlie zuerst, um sie auf den neusten Stand zu bringen, damit sie den anderen Bescheid geben konnten.

Dann öffnete er Cas Nachricht.


[Cas, 1:02 p.m.] Wie geht’s deiner Freundin?


Eine Faust schloss sich um sein Herz. Er wollte zu Cas fahren und ihm alles erklären. Aber Jo brauchte ihn jetzt, also musste das warten.


[Ich, 3:47 p.m] Ihr geht’s besser. Die Schwangerschaft nimmt sie schwer mit und sie muss es langsam angehen.


Er erwartete nicht sofort eine Antwort, aber Cas war schnell.


[Cas, 3:48 p.m] Armes Ding. Aber schön zu hören, dass es ihr besser geht.


[Ich, 3:51 p.m] Wärst du sehr sauer, wenn ich heute nicht vorbei komme? Ich glaube, ich sollte bei ihr bleiben, falls sie was braucht. Oder falls es wieder schlimmer wird.


[Cas, 3:51 p.m] Natürlich nicht! Tu, was für sie gerade am besten ist.


[Ich, 3:52 p.m] Danke. Du bist der beste, weist du das?
[Ich, 3:52 p.m] Und es tut mir immer noch leid, dass ich dich so zurück lassen musste nach unseren Gespräch.


[Cas, 3:55 p.m] Dean, wir reden ein anderes Mal darüber. Und über all das andere Zeug, was wir zu bereden haben. Mach dir keine Sorgen wegen uns. Bleib bei deiner Freundin und schreib mir, wenn du Zeit hast, okay?


[Me, 3:56 p.m] Okay. Danke.
[Me, 3:58 p.m] <3


[Cas 5:59 p.m] :D
[Cas, 5:59 p.m] <3


Mit einem Lächeln legte Dean sein Handy weg und zog Jo an sich. Es schien, als hätte Cas ihm verziehen und Dean dankte allem im Universum dafür. Und wenn sie dieses Missverständnis schaffen konnten, dann war Dean sich sicher, dass sie dieses „Ach ja, ich habe einen Sohn und ein zweites Kind ist unterwegs und oh, mit der Mutter meiner Kinder lebe ich unter einem Dach aber hey, wir sind nicht zusammen“-Gespräch auch hinkriegen würden.

Er wünschte sich nur, dass dieses nagende Gefühl, das ihm sagte, dass irgendetwas schrecklich schief gehen würde, endlich verschwand.


++++


Ja, ich weiß es ist mitten in der Nacht... meine Uhr sagt 1:50 am morgen, ups. Aber durch die Spätschicht ist mein ganzer Tagesrhythmus verschoben, also bin ich noch hellwach! Gut, hellwach ist vielleicht übertrieben, aber ich bin noch fit.
Was auch erklärt, warum ich dieses Kapitel gerade während eines Filmes geschrieben habe. Wirklich, hat nur zwei Stunden gedauert, ich bin wirklich beeindruckt von mir. Aber genug davon :)

Wie fandet ihr das Kapitel? Meint ihr, Cas und Dean kriegen das hin?
Ich weiß, ihr alle habt eine Theorie zu Dean und Jo, ich bin gespannt, wie die sich entwickelt haben, lasst es mich wissen!

Bis zum nächsten Kapitel, meine Lieben :)
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