Once bitten twice shy

von dreamxy
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Balthazar Castiel Dean Winchester Jo Harvelle
18.05.2018
10.04.2019
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zehntes Kapitel: The Truth will set you Free




Sobald sie draußen waren, umgab sie die frische Herbstluft. Eine Art Deja-vu ergriff Dean, was das Atmen schwerer machte. Dieses Mal aber war er es, der nach wenigen Schritten stehen blieb und sich zu Cas wandte. „Okay, rede.“

Ein trauriges Lächeln huschte über Cas Gesicht, was Dean zeigte, dass er die Parallelen zu ihrem Gespräch vor ein paar Tagen ebenfalls sah. Nur waren sie jetzt beide verletzt worden.

„Cain ist nur ein Freund.“, platzte es aus Cas heraus.

„Sah aber nicht so aus.“, antwortete Dean, konnte ihm nicht einfach so glauben, auch wenn er Jody vertraute. „Und so angehört hat es sich auch nicht.“

„Ich weiß. Und es tut mir leid, dass ich das getan habe. Aber gestern… Dean, nachdem ich dich mit Jo gesehen hab… ich war einfach so verletzt.“

„Und du hast nicht daran gedacht, einfach zu fragen?“

Seufzend verlagerte Cas das Gewicht von einem Fuß auf den anderen, suchte ganz offensichtlich nach den richtigen Worten. „Das ist eine längere Geschichte mit mehreren Erklärungen. Ich kann verstehen, wenn du jetzt nicht darüber reden kannst.“

Dean nickte, dankbar für Cas‘ Rücksichtnahme. Aber Jody hatte recht, er musste das klären. Jetzt. „Cas, ich hab eine Heidenangst“, er sah wie Cas einen zögernden Schritt auf ihn zumachte und seine Hand zuckte, als würde er sie nach ihm ausstrecken wollen. Er hielt sich aber zurück. „Ich drehe durch vor Sorge um Jo und unser Mädchen. Ich.. ich kann mir nicht auch noch um uns Sorgen machen.“

„Dean, ich versteh das, du musst mir nichts erklären. Wir können später darüber-“

„Nein, Cas. Ich meinte damit, dass, wenn wir das Ganze nicht ausdiskutieren und darüber reden…“ er konnte den Satz nicht beenden, sah aber Verständnis in Cas‘ Augen aufblitzen und wusste, dass er auch so verstanden hatte. Und weil er Jody vertraute, war er auch stark genug um zuzugeben: „Und es würde mir wirklich helfen, dich jetzt an meiner Seite zu haben.“

Jetzt zog ein richtiges Lächeln an Cas‘ Lippen und er griff nach Deans Hand.

Als er auf ihre Hände runter schaute, wurde Dean gleich viel ruhiger. Er brauchte Cas. Er wollte ihn immer noch in seinem Leben, in seiner Familie und Dean wusste, dass sie das hier klären und es überstehen würden.

„Wollen wir uns setzen?“, fragte Cas und nickte zu einer Bank ein paar Meter weiter. Es war nicht so weit weg, dass sie schnell wieder im Wartezimmer sein würden, sollte es Neuigkeiten geben. Also nickte Dean und sie gingen rüber. Für eine Minute saßen sie schweigend nebeneinander, Cas Daumen strich ihm beruhigend über den Handrücken, die Finger immer noch verschränkt.

Ohne große Umschweife fing er an zu erzählen.

„Inias, der Kerl, der uns mit Telefonanrufen terrorisiert hat… wir waren über zwei Jahre zusammen. Ich hab ihn kennen gelernt, kurz nachdem ich nach Chicago gezogen bin, aber zu dem Zeitpunkt kam ich frisch aus der Beziehung mit Bart.“ Kurz hielt er inne, seufzte schwer und strich mit der Hand durch seine Haare. „Das ist eine andere Geschichte, aber um es kurz zu machen, hat er mich mehrmals betrogen, bevor ichs rausgefunden hab.“

Dean gab ein mitfühlendes Geräusch von sich, unterbrach Cas aber nicht weiter.

„Jedenfalls war ich noch nicht bereit für was Neues. Inias kam regelmäßig in die Bäckerei, in der ich gearbeitet habe, genau wie du. Er redete mit mir, flirtete, wir haben gelacht und generell gut verstanden. Wir sind über die Zeit Freunde geworden und ich hab sogar seinen Bruder kennen gelernt -Chester, der Kerl, den du rausgeschmissen hast- und ein paar Freunde. Nach ein paar Monaten Freundschaft ist mehr daraus geworden.

Es folgte eine weitere Pause und Dean war sich sicher, dass Cas gerade nicht bei ihm anwesend war, sondern in der Vergangenheit. Vorsichtig drückte er seine Hand, um ihn in die Gegenwart zurück zu holen. Er sollte die schlimmen Erinnerungen nicht durchleben müssen. Mit einem schmalen Lächeln erwiderte Cas den Druck und fuhr fort.

„Ich schätze, ich hab die Zeichen einfach ignoriert. Es war anders als bei Bart, aber… irgendwie auch nicht. Ich weiß nicht. Naja, jedenfalls, zwei Jahre später hab ich Besorgungen in einem anderen Stadtteil gemacht. Es war viel los auf der Straße und als ich zu meinem Auto zurück bin hab ich… ihn gesehen.“

Schwer schluckend versuchte Cas offensichtlich die Tränen zurück zu halten und bevor Dean auch nur darüber nachdenken konnte, ihn in den Arm zu nehmen, redete Cas weiter.

„Er war mit einer Frau und drei Kindern unterwegs. Zuerst hab ich mir nichts dabei gedacht -es hätte ja nur irgendjemand sein können, richtig? Aber dann hab ich gesehen, wie sie Händchen halten und eines der Kinder hat sich umgedreht und ihn ‚Dad‘ genannt.“

Dean schloss einen Moment lang die Augen, weil es ihm selbst weh tat. Ungefähr so mussten Jo, Will und er auf ihn gewirkt haben.

„Ich hab mich ihnen in den Weg gestellt und… er hat nicht mal gezuckt, kannst du das glauben? Ich meine, ja, für eine Sekunde oder so sah er geschockt aus, aber nicht so wie man denken würde. Und als ich ihn gefragt habe, was das soll, hat die Frau gefragt, wer ich sei. Er sagte, er habe keine Ahnung, dass er mich nicht kenne. Ich konnte es nicht glauben. Zwei Jahre und der Kerl verleugnete mich einfach. Ich war vollkommen überfordert, wusste nicht, was ich sagen sollte. Vielleicht hätte ich das nicht vor den Kindern tun sollen, aber ich hab zu seiner Frau gesehen und ihr gesagt, dass ich seit zwei Jahren sein Freund sei.“

Mittlerweile liefen doch einzelne Tränen über seine Wangen, Dean unterbrach ihn aber nicht. Die Worte kamen ungehalten, was es teilweise schwer machte, jedes aufzunehmen. Aber Dean verstand genug und als Cas Stimme brach, veränderte er den Winkel, um ihn an sich zu ziehen. Dazu löste er ihre ineinander verschlungenen Hände, nur um Cas Hand mit der anderen sofort wieder zu ergreifen, damit er den freien Arm um ihn legen konnte. Als er sich gegen seinen Körper schmiegte, wurde Dean innerlich warm.

„Er hat nur gelacht.“, fuhr Cas fort, seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, aber laut genug, dass er ihn hörte. „Er hat gelacht und gesagt ‚Schatz, er ist verrückt‘. Dann hat er so getan als würde er mich doch wiedererkennen – ‚bist du nicht der Kerl aus der Bäckerei? Der, der mir immer ein Extrastück mitgibt?‘ Er hat mich als verrückten Typen mit einem Schwarm für den wohlhabenden Geschäftsmann hingestellt. Und seine Frau hat es ihm abgekauft. Hat mir gesagt, ich soll ihren Mann in Ruhe lassen oder sie würde die Polizei rufen. Sein Ältester hat mir gegen das Schienbein getreten, als sie weiter gegangen sind.“

Seine Stimme brach wieder und drehte sich weiter zu Dean in die Umarmung rein. Dean verstärkte den Griff um ihn, wünschte sich, er hätte bei Cas den anderen Weg genommen, es ihm von Anfang an erzählt. Aber dafür war es jetzt zu spät.

„Es tut mir so leid, Cas.“

„Als ich dich mit Jo und deinem Sohn gesehen hab-“

„Schon ok. Ich versteh’s. Ich versteh’s.“, versicherte Dean ihm immer wieder, presste einen Kuss auf Cas Scheitel.

Sie schwiegen eine ganze Weile, Cas mit dem Kopf an seiner Schulter lehnend. Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als Cas wieder sprach.

„Ich war am Boden zerstört, aber auch so, so durch damit, dass man immer mit mir spielt. Ich wusste, es war dämlich, auf Zar und Gabe zu hören, aber.. in dem Moment klang es nach der perfekten Idee. Dir den Geschmack von deiner eigenen Medizin zu verpassen. Tut mir leid. Scheiße, es tut mir so leid und ich fühle mich schrecklich.“

Dean würde nicht sagen, dass es okay war -das war es nämlich nicht und das, was Cas an dem Abend gesagt hatte, schmerzte noch zu sehr- aber er ließ ihn auch nicht los.

„Und alles, was du mir gesagt hast?“

„Alles gelogen. Dean, ich will nichts mehr, als mit dir zusammen zu sein. Ich liebe dich und nach Inias gab es nur noch dich.“

Sein kleines Grinsen in Cas Haar versteckend, schloss Dean für einen Moment die Augen, bevor er flüsterte: „Ich liebe dich auch.“


*~*~*



Erst als die Worte über Deans Lippen kamen, wurde Cas bewusst, dass er sie gerade mitten in einer kleinen Rede ausgesprochen hatte. Leicht grinsend drehte er den Kopf und sah Dean in seine wunderschönen grünen Augen. Er wollte nie wieder diesen Schmerz darin sehen und schwor sich, dass er niemals wieder der Grund dafür sein würde. Dean sah zu ihm zurück und als er sich zögernd nach vorne beugte, kam Cas ihm willentlich entgegen, um den Abstand zu überbrücken.

Der Kuss dauerte nicht allzu lange, es gab noch ein paar Dinge zu klären. Um also zu verhindern, dass sie unterbrochen wurden, stellte Cas die wichtigste Frage. „Es waren Jo und deine Kinder, oder? Dein anderes Geheimnis?“

Als Dean nickte, zog Cas sich so weit zurück, dass er ihn ansehen konnte, aber immer noch in seinen Armen war.

„Ich hab nicht übertrieben, als ich gesagt hab, dass ich deswegen fünf Beziehungen in den Sand gesetzt hab. Nachdem Will auf die Welt gekommen ist, hab ich den ersten beiden ziemlich früh davon erzählt. Also nicht nach dem Motto ‚Hi, ich bin Dean Winchester, Sternzeichen Wassermann und ich habe einen Sohn, mit der Mutter wohne ich in einem Haus.“

Sie beide lachten leise, aber Dean wurde schnell wieder ernst. Cas war überrascht, wie viel älter der Mann aufeinmal aussah.

„Ich hab es ihnen erst nach ein paar Dates gesagt -mehr Dates als wir beide.“, fügte er hinzu und küsste ihn auf die Stirn. „Einer von ihnen hat mir direkt gesagt, das er nicht an einem Mann mit Kind interessiert sei, der andere hat auf meine Nachrichten und Anrufe nicht mehr reagiert. Eines Tages hat er mir dann geschrieben, dass er dafür noch nicht bereit war. Ich meine, ich verstehe das, irgendwie. Damals war ich fünfundzwanzig, beide waren jünger als ich. In dem Alter willst du nicht von einem Kind zurückgehalten werden, was nicht mal dein eigenes ist.“ Dean hatte einen neutralen Gesichtsausdruck, aber wie er so in die Ferne starrte, passte nicht zu dem Ganzen. Man konnte sehen, wie sehr ihn die Vergangenheit noch schmerzte. „Als ich also wieder mit Dating anfing, hab ich kein Wort über Jo und Will verloren. Mike und ich sind mehrmals ausgegangen und haben schnell entschieden, dass das was Ernstes ist. Es hat zwei Monate gedauert, bis ich den Mut gefunden hab, es ihm zu sagen… er war so angepisst. Ich hab versucht, ihm zu erklären, wieso ich es ihm nicht früher gesagt habe, aber das war ihm egal. Hat gesagt, dass er kein Problem damit hat, dass ich ein Kind habe, aber dass Vertrauen sei weg. Wir haben es noch für ungefähr eine Woche versucht, aber ich hab gespürt, wie er sich zurück gezogen hat. Also hab ich das Ganze beendet, bevor wir uns noch mehr verletzen konnten. Mike hat nicht mal um uns gekämpft und ich halte es ihm nicht vor.“

Ohne was zu sagen, strich Cas wieder mit dem Daumen über seinen Handrücken, während Dean seine Gedanken sortierte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass es nach Mike nur schlimmer wurde.

„Als nächstes kam Brady und ich hab wirklich gedacht, es passt perfekt. Er war ein Stück jünger als ich, hat aber während unseren ersten Dates so toll über seine Neffen und Nichten geredet und erzählt, wie sehr er Kinder mag. Also dachte ich mir, jetzt oder nie, und ha ihm von Will erzählt. Er schien kein Problem damit zu haben. Rückblickend glaube ich, dass er einfach den Sex mochte.“

„Naja, um fair zu sein, der Sex mit dir ist wirklich gut.“, warf Cas ein und war mehr als erleichtert, als er Dean ein kleines Lachen entlocken konnte. Er schmiegte sich wieder an ihn und ließ ihn fortfahren.

„Ein paar Wochen später hab ich ihn Will und Jo vorgestellt, auch wenn er sich erst dagegen gewehrt hat, ich dachte, er war einfach nur nervös. Wie sich rausgestellt hat, war er doch nicht an einem jungen Vater interessiert. Er hat am gleichen Abend noch unsere Beziehung beendet. Natürlich erst, nachdem ich mit ihm geschlafen hab.“, fügte er verbittert hinzu. Der Schmerz stand ihm ins Gesicht geschrieben, aber auch Wut, und Cas konnte das sehr gut verstehen. Es war sicher ein großer Schritt, seinem Kind den neuen Partner vorzustellen. Und dann so behandelt zu werden…

Es dauerte einen Moment, bis Dean mit dem nächsten Fehlgriff fortfuhr: „Aaron war mein letzter Versuch, bevor ich dich kennen gelernt hab. Für die ersten paar Wochen schien alles gut zu sein, alles war perfekt. Er war ein paar Jahre älter, hatte kein Problem mit Kindern, hat Will sofort gemocht und das beste war, dass Will ihn auch mochte. Ich weiß immer noch nicht den Grund dafür, aber nach vier Monaten -zwei davon kannte er meinen Sohn- hat er unsere Beziehung aus dem Nichts beendet. Er hat mir nicht mal wirklich eine Erklärung gegeben, nur fadenscheinige Ausreden, dass wir nicht zusammenpassen würden. Aber was mir wirklich das Herz gebrochen hat damals, war…“ Deans Stimme brach einen Moment ab, dass er schlucken musste „… war, dass Will schon an ihm gehangen hat. Ich meine, er war erst vier damals und glücklicherweise hat er ihn auch schnell wieder vergessen, aber die ersten Tage hat er immer wieder gefragt, wann Aaron wieder mit ihm spielt. Als ich ihm versucht habe, das Ganze zu erklären, hat er mich gefragt – er hat mich gefragt, was ER falsch gemacht hat und ob es SEINE Schuld sei, dass Aaron weg war.“

Cas biss sich auf die Lippe, wusste nicht, was er sagen sollte. Ein geflüstertes „Tut mir leid“ und seine Anwesenheit schienen aber schon zu reichen, denn Dean nickte.

„Als ich dich kennen gelernt hatte, hab ich nicht vorgehabt, mich wieder zu verlieben. Das mit uns… es…“

„Es ist einfach passiert?“, schlug Cas vor und Dean grinste.

„Ja, so kann man das sagen. Außer, du zählst Filme schauen auf deiner Couch und mich mit Kuchen verführen als Date, dann hatten wir noch kein echtes Date.“

Cas grinste und hatte das Gefühl, dass es Dean ganz gut tat, wenn sie das Gespräch so locker weiter führten. „Ich verführe dich gerne mit Kuchen.“

„Ich beschwere mich auch nicht“, antwortete Dean, ein echtes Lächeln zog an seinen Mundwinkeln, das Erste, seitdem Cas ihn heute gesehen hatte. Es fehlte zwar noch ein Stück, aber es war ein guter Anfang.

Dieses halbe Grinsen blieb in Deans Gesicht hängen, als er auf ihre Hände runter sah. „Es ist nicht so, als hätte ich mich dazu entschlossen, dir nichts von Will zu erzählen. Oder dem Baby. Ich hab nur… irgendwie den richtigen Zeitpunkt verpasst als wir noch nur Freunde waren und dann war es auf einmal zu spät. Und ich hab versucht, mir einzureden, dass ich dich nur als Freund will, weil… ich…“

Cas konnte sehen, dass es Dean schwer viel, seine Gedanken in ordentliche Bahnen zu lenken und die richtigen Worte zu finden, aber er drängte ihn nicht, er gab ihm die Zeit, die er brauchte. Als Dean wieder sprach, fing er mit einem ganz anderen Thema an.

„Da ist noch eine letzte Sache, die du über mich wissen solltest. Es… es ist eigentlich kein Problem, denke ich.“, er stoppte wieder und atmete tief durch, bevor er hervorpresste: „Als ich jünger war, hatte ich ein kleines Alkoholproblem.“

Cas hob bei den Worten den Kopf. Bei all der Sorge um Jo hatte er ihre letzten Worte komplett verdrängt.

Wegen dir hat er wieder zu trinken angefangen.

Sein Blick hing immer noch an ihren Händen fest, als er weitersprach. „Also, als ich jünger war, war es das normale Trinken auf Partys. Dann kamen hier und da ein paar betrunkene Nächte hinzu, wenn ich emotional nicht gut drauf war oder auf der Arbeit alles zu viel wurde. Nach Mike hat es einfach gekracht. Und das meine ich wörtlich. Es war nicht die erste fiese Trennung für mich, aber verdammt, die Dinge, die er mir an den Kopf geworfen hat.“

Mit einem schweren Schlucken versuchte Cas, nicht an die Dinge zu denken, die er selbst gestern noch zu Dean gesagt hatte. Er hatte ich dazu gebracht, wieder zu trinken und er wünschte sich so sehr, dass er die Zeit zurückdrehen konnte. Aber da er das nicht konnte, versuchte er, seinen Atem ruhig zu halten und Dean ausreden zu lassen.

„Ich hab mich betrunken und mein Auto gegen einen Baum gefahren.“

Sein Griff um Deans Hand wurde fester, seine zweite nahm er noch dazu, als könnte er Dean dadurch davon abhalten, sich noch mehr zu verletzen.

„Ich bin im Krankenhaus aufgewacht mit einer gleichzeitig verrückt vor Sorge und unendlich wütenden Jo an meiner Seite. Als die Ärzte gesagt haben, dass es mir gut geht, hat sie mich einfach nur gefragt, ob ich meinen eineinhalb Jahre alten Sohn ohne Vater aufwachsen lassen möchte. Das hat gesessen und seitdem hab ich harten Alkohol nicht mehr angefasst.“

„Bis gestern Abend.“, flüsterte Cas als er die folgende Stille einfach nicht mehr aushielt.

Dean nickte, fragte ich nicht einmal, woher er das wusste. „Immerhin bin ich dieses Mal vorher nach Hause gefahren. Hat es aber nicht wirklich besser gemacht, als Jo und Jody mich heute morgen gefunden haben.“

„Es tut mir leid, Dean. Es tut mir so, so leid.“

„Ich hab dir das nicht früher erzählt, weil ich genau das verhindern wollte.“ Als Cas zusammenzuckte, redete Dean schnell weiter. „Nein, Cas, ich sag das jetzt nicht, um dich verletzen oder zu sagen, dass das deine Schuld sei. Ich hab nach der Trennung von Aaron fast wieder getrunken, aber hab es nicht. Aber bei dir… ich wusste, ich hab mich schneller und stärker verliebt als jemals zuvor. Und ich wusste, dass... wenn es nicht funktioniert, würde es mich brechen. Und mit Will und Jos Schwangerschaft… mir war das Risiko einfach zu hoch. Deswegen wollte ich mich davon überzeugen, dass ich nur die Freundschaft mit dir brauche.“

„Und jetzt ist doch alles eingebrochen, dank mir.“, murmelte Cas und ein paar Tränen rollten ihm über die Wange. „Dean, es ut tmir leid. Ich kann nicht mal die Worte finden, wie sehr.“

Ohne zu zögern zog Dean ihn noch näher an sich. „Ich vergebe dir, Cas. Und ich kann nur hoffen, dass du mir auch vergibst.“

„Tue ich.“, versicherte Cas ihm sofort und als er Deans zweifelnden Blick sah, wusste er noch, dass es eine Weile dauern würde, bis er ihn davon überzeugt hatte. „Dean, ich vergebe dir.“

Er wollte noch mehr sagen. Verdammt, er wollte mehr von Dean hören, weil es immer noch ein paar offene Fragen gab. Aber scheinbar gab es in ihrer Beziehung die ungeschriebene Regel, dass sie unterbrochen wurden, bevor sie ein Gespräch richtig beendet hatten. Dieses Mal durch Sam, der durch die Tür nach draußen kam. Sofort fand sie sein Blick. Er musste nicht einmal nach ihnen rufen, weil die beiden sofort Richtung Tür blickten und aufsprangen, als sie Deans Bruder erkannten.


*~*~*



Wieder drinnen angekommen, war es im Wartezimmer um einiges voller geworden. Fast alle Hunters waren anwesend, genau wie der Rest von Deans Familie. Und auch, wenn Dean froh für ihre Unterstützung war, hatte er nur Augen für den Arzt, der an der Tür stand.

„Wie geht es Jo? Geht es unserem Baby gut?“, fragte er ohne Umschweife, lenkte die Aufmerksamkeit des Arztes von seinen Akten ab.

Immerhin sah der Mann recht entspannt aus, was Dean als gutes Zeichen wertete. „Miss Harvelle geht es gut, genau wie dem Baby.“ Die Erleichterung war aus jeder Ecke spürbar und Dean merkte, wie er sich weiter entspannte. Die Hand in seinem Rücken ließ Wärme durch seinen Körper strahlen, was er willkommen annahm.

„Also, haben Sie irgendwas gefunden?“

„Eigentlich haben wir einiges gefunden“ Deans Augen wurden größer und sofort war die Panik wieder zurück, aber der Arzt hob sofort die Hand „aber nichts tragisches oder worüber man sich Sorgen machen müsste. Möchten Sie…“ Sein. Blick wanderte über die ganzen Anwesenden, dann sah er Dean wieder direkt an „Möchten Sie das privat bereden?“

„Nein. Das hier ist Jo’s Familie und wir tun alles, um ihr zu helfen.“ Er konnte sehen, wie ein paar nickten, sah den Doktor aber weiter an.

„Na dann“, sagte er und warf einen kurzen Blick auf seine Akten. „Wie gesagt, es ist nicht nur ein Problem, was Miss Harvelle in ihrer Schwangerschaft hat. Alles alleine genommen stellt kein Problem dar, aber alles zusammen zerrt sehr an ihren Kräften. Angefangen bei dem Schrecken aus dem ersten Trimester, über die Erkältung mit leichtem Fieber in den letzten Tagen -es kommt alles zusammen.“

„Was bekommt sie dagegen?“, sprang Balthazar ein, klang ganz professionell und schaffte es dadurch, Deans Nerven zu beruhigen.

Der Arzt sah seinen Kollegen an, als er antwortete „Wir versorgen sie mit Flüssigkeiten und haben ihr leichte Medikamente gegen die Schmerzen gegeben. Wir haben sie auch weiter sediert, damit sich ihr Körper erholen kann. Und sie bekommt Kalium.“ Als Balthazar durch die Antwort zufrieden wirkte, wandte der Doktor sich wieder an Dean. „Wie Sie sich vorstellen können, haben wir einige Tests durchführen müssen und bei einigen warten wir immer noch auf das Ergebnis. Gegen einige Dinge muss sie die nächsten Wochen über noch behandelt werden. Zum einen müssen wir gegen ihren niedrigen Kaliumgehalt vorgehen, weswegen sie vermutlich in letzter Zeit so schwach war. Sie zeigt auch Anzeichen einer Diabetes, aber da warten wir noch auf Ergebnisse.“

In Deans Kopf drehte sich alles, weswegen er hilfesuchend zu Zar sah. Cas Freund sprang nur gerne ein. „Das ist alles einfach zu behandeln, Dean. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Wie mein kollege schon gesagt hat: Jo hat eine schwere Zeit, weil das alles gerade gleichzeitig zuschlägt.“

„Genau.“, versicherte der andere. „Vertrauen Sie uns, Mr. Winchester.“

„Aber wieso wurde das nicht schon früher bemerkt? Jo war erst vor zwei Tagen hier.“

„Nicht jeder Bluttest wird gleich geprüft. Was ich aus ihrer Akte herauslesen kann ist, dass alle üblichen Tests gemacht wurden und nichts Ungewöhnliches festgestellt wurde. Jetzt, da Jo wieder hier ist und mit Doktor Rochés Beobachtungen konnten wir die Tests erweitern. Deswegen hat es etwas länger gedauert. Wir werden weitersuchen, dass auch nichts übersehen wurde und werden Miss Harvelle entsprechend behandeln.“

Als Dean nicht sofort antwortete, sprach Cas das erste Mal. „Danke, Doktor Bacic. Ist sie mittlerweile auf ihrem Zimmer?“

„Ja. Zimmer 207. Aber wie gesagt, sie ist sediert.“

„Darf Dean trotzdem zu ihr? Nur ein paar Minuten?“

Doktor Bacic seufzte schwer, nickte aber. „Bleiben Sie aber nicht über Nacht. Miss Harvelle braucht Ruhe und Sie helfen ihr viel mehr, wenn Sie nach Hause gehen, sich ausruhen und morgen wiederkommen. Ich würde sie gerne für ein paar Tage hierbehalten, bis wir alle Werte geprüft haben und sich wieder normalisieren.“

Dean gefiel der Gedanke nicht, Jo alleine zu lassen, aber er verstand, wieso. Aber Jo würde ein paar Dinge brauchen, wenn sie hierbleiben musste, also würde er ihr morgen früh alles vorbeibringen, wenn er ausgeruht war.

Als er sich seiner Familie zuwandte, nickte er, wodurch er ihnen im Stillen dafür dankte, hier zu sein. Charlie war es, die sagte: „Geh schon. Wir warten hier, bis du wieder da bist. Sag ihr hallo von uns.“

„Okay. Bin gleich zurück.“

Er warf einen letzten Blick zu Cas, bevor er das Wartezimmer verließ und sich in den zweiten Stock zu Jos Zimmer aufmachte.



++++



Ich bin zwar mit dem Fachgerede nicht hundertpro zufrieden, ich kann Ärzte nicht sooo super gut schreiben (und das hier ist nur ne Übersetzung haha).

Gerade sitz im Zug nach Köln, wo ich das alles brav getippt habe (was bei dem ganzen Wackeln teilweise echt nicht einfach ist), noch 3 Stunden Fahrt liegen vor mir.. oh man. Ich glaub, ich schau mir jetzt "Der Hobbit - eine unerwartete Reise" an.

Wisst ihr waaaaas?
... das hier war das vorletzte Kapitel!! :o ich weiß, ich bin auch geschockt! Das hab ich total aus den Augen verloren, eben ist es mir wieder aufgefallen und ich bin.. es ist einfach.. wow!!

Aber ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen und auch in eurem Kopf hat sich einiges geklärt!!
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