N i c h t   p e r f e k t

GeschichteRomanze / P18 Slash
17.05.2018
03.12.2019
7
9384
16
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S i e b e n  



Müde öffne ich meine Augen, schaue auf die Uhr und grummle vor mich hin. Wer zur Hölle klingelt so oft hintereinander - und dann auch noch so früh… ! So ein Arschloch. Die Decke über den Kopf schlagend drehe mich noch einmal, - in der Hoffnung, dass der Quälgeist aufhört die Türklingel zu ficken-, um und drücke mein Kissen gegen meine Ohren.

Einen Moment lang ist es still und ich will schon aufatmet das Kissen freigeben, da klingelt es wieder Sturm. Verdammte Scheiße. Wütend schmeiße ich die Decke zu Boden, die nun wirklich eigentlich nichts für das Arschloch an der Türe kann, und hieve mich aus dem Bett. Ich bin froh, dass ich gestern nicht den Allerwertesten hinhalten musste. Ansonsten wäre die jetzige Aufgabe der reinste Horror.

Ein wenig mich sammelnd gehe ich aus meinem Zimmer, durch den wieder einmal vollgestellten Flur zur Haustüre. Das Schloss ist schnell aufgeschlossen und der Sicherheitsriegel beiseite geschoben. Genauso schnell ist die Haustüre auch auf gemacht.

"Hat man dir das Gehirn vollgeschissen, dass du nicht mehr weißt, wann man die Klingel nicht penetrant bedienen sollte?!", presse ich sofort - ohne auch nur zu wissen wer da eigentlich vor der Türe steht - hervor.

“Wo ist er?!”, knurrt der Mann vor mir und drückt mich beiseite. “Wo ist dieser Wichser!”

Völlig überrumpelt muss ich erst einmal meine Gedanken ordnen. Es ist eindeutig zu früh am Morgen. In der Zeit verschafft sich der Fremde zugang in die Wohnung und geht mit dreckigen Stiefeln durch die Wohnung. “Sie können nicht einfach so in die Wohnung eindringen!” Ich gehe dem Mann nach. “Verschwinden Sie Augenblicklich aus meiner Wohnung!”

“Ich bring dieses Arschloch um!” Der Mann knurrt, reißt jede Türe, die er findet auf und verwüstet die Wohnung - die so oder so schon dringend Mal wieder ein Rendevouz mit den Putzmitteln bräuchte. “Wo ist er?!”

“Hier ist niemand, außer mir.”

“Wo ist dieser Bastard!”

“Digga, komm mal runter. Ich bin allein!” Ich schnaufe. “Aber das muss nicht so bleiben. Ich kann auch die Bullen rufen und dich wegen Hausfriedensbruchs anzeigen.” Das Sie ersetze ich durch ein Du.

Er ignoriert meine Worte, ist blind vor Wut. “Wo ist Rico!”

“Wie oft noch: Ich bin allein!” Mir platzt der Kragen. Wer nicht hören will, der muss eben fühlen. Weshalb ich ihn mir packe und unsanft in den Flur schubse. “Verpiss dich oder du machst Bekanntschaft mit den Handschellen.”
Endlich erreiche ich ihn. “Ist ja gut. Der Wichser ist nicht da. Kapiert.” Er hebt beschwichtigend die Hände und geht einige Schritte zurück, um Abstand zu erhalten.

“Raus!”, zische ich. Ich habe keine Lust mehr auf große Worte.

“Wann ist er wieder da?”, fragt der Mann.

“Raus”, wiederhole ich nur. Das kann er schön mit Rico klären, wenn er wieder da ist. Allerdings muss sich der Typ hinten anstellen, denn zuerst bekommt Rico es mit mir zu tun.

“Ist ja gut”, murmelt der Kerl und versucht doch noch einmal mich auf seine Seite zu ziehen. “Kannst du ihm sagen, dass ich da war und mit ihm-”

Ich unterbreche ihn. “Ich wiederhole mich nicht noch ein drittes Mal!”

Mit einer zuckenden Augenbraue - wahrscheinlich noch von der Wut, die er auf Rico hat - verlässt der Mann Türe knallend die Wohnung, und ich kann meinen Blick durch die Wohnung werfen. So ein Scheiß.

Noch 10 Minuten nachdem dieses Arschloch wieder aus der Wohnung gegangen ist starre ich hoffnungslos das zurückgelassene Chaos an. Was für ein beschissener Morgen. Ich schlurfe irgendwann, aus der Starre gelöst, in die Küche. Erstmal einen Kaffee, dann sieht die Welt bestimmt besser aus. Genau… .

Während der Kaffee in die Tasse läuft, hole ich mein Handy aus dem Schlafzimmer - indem der Typ zum Glück nicht so gewütet hat - und checke die Nachrichten. Allerdings habe ich keine. Missmutig gehe ich wieder in die Küche, schnappe mir die fertige Tasse schwarzen Kaffee, nehme mir aus dem Kühlschrank die Milch und schütte einen Schluck davon schroff in die Tasse, ehe ein Löffel Zucker ertränkt und durchgeschüttelt wird. Der Kaffee hilft allerdings nur bedingt. Der Schock am frühen Morgen sitzt mir auch nach einigen Minuten noch in den Knochen, weshalb ich mein Handy in die Hand nehme und Luan schreibe.


Du glaubst nicht, was mir eben passiert ist. 06:42



Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob er schon wach ist. Rico informiere ich nicht über den Vorfall. Das bekommt er schon persönlich von mir zu hören. Dieser Spast hätte mich schließlich vorwarnen können. Wäre nur gerecht gewesen. Oder er hätte gleich die Angelegenheit ausbügeln können. Zu meinem erstaunen bekomme ich fast eine Viertelstunde später schon eine Nachricht von Luis.


Was ist denn passiert? 6:56

Heut Morgen klingelte so ein Arschloch einfach an der Tür.
Der hat voll den Aufstand gemacht. 6:57

Ach du… . So früh? 6:57

Ja. 6:57
Er hat sämtliche Türen geöffnet und die Zimmer verwüstet. 6:58



Was für ein Arschloch. 6:58

Kannst du laut sagen. 6:58


Ist es sehr schlimm? 6:59


Die Bude war schon chaotisch, aber jetzt…,
...als wär ne Bombe hier durchgebrettert. 7:00


Soll ich vorbeikommen? 7:00



Ich muss schmunzeln. Hätte ich gewusst, dass es so einfach ist ihn zu mir zu locken hätte ich das sicherlich schon vorher getan.


Kaffee ist da, wenn du einen willst. 7:01


Ich bring’ Brötchen mit. 7:02
Bis gleich. 7:02


Keine 15 Minuten später klingelt es zum zweiten Mal an diesem Morgen an der Haustür. Dieses Mal aber freue ich mich aber auf den Besuch.

“Morgen.” Lächelnd drückt Luis mir Brötchentüte in die Hand. “Ich hab mal drauf getippt, dass du ein Roggenbrötchen magst und ein Croissant.”

Ich bin etwas perplex, dass er richtig getippt hat, weswegen ich nur nicke. “Komm rein, aber pass auf, dass du nicht über irgendwas fliegst.”

“Vielleicht provoziere ich es und du fängst mich auf”, stichelt er ein wenig, ehe er durch das Chaos in die Wohnung geht und sich einen Weg bis ins Wohnzimmer bahnt. “Man, das übertrifft das, was ich mir vorgestellt habe.”

“Ich hab dich vorgewarnt.”

“Ja, hast du, aber heilige Scheiße.”


Gegen Mittag ist die Wohnung wieder soweit aufgeräumt, dass man sich auch wirklich bewegen kann, ohne, dass man auf etwas tritt oder befürchten muss auszurutschen. Ich strecke mich und schaue zu Luis. “Danke, für deine Hilfe.”

Er nickt. “Sag mal, warum wohnst du eigentlich in einer Wohnung mit noch einem Mitbewohner, Lian?”

“Ich brauchte ne neue Wohnung, konnte sie mir aber nicht alleine leisten und Rico kannte ich durch meine Ex-Freundin. So haben wir beschlossen eine Männerwohnung aufzumachen für uns beide und die Wohnung ist dafür perfekt. Außerdem wollte ich meine Eltern nicht an betteln um Geld. Auch wenn ich es bekommen hätte. Denke ich.”

“Nachvollziehbar.”

“Wohnst du denn allein?”, frage ich ihn.

“Ja. Aber in na kleineren Wohnung. Mit Küche, Diele Bad und Schlaf/Wohnzimmer sind es glaube ich 40 oder 45 Quadratmeter.”

“Kannst du dir das alles durch die Kurse finanzieren?”

“Jein. Ich hab ein Stipendium.”

“Echt?”

“Sieht man mir wohl nicht an, oder?”

“Doch… . Nein… .”

Er muss lachen. “War gar nicht so leicht ein Stipendium zu bekommen. Aber es sorgt dafür, dass ich alles zahlen kann.”

“Und was studierst du?”

“Rate doch mal.”

“Ich bin im Raten aber ziemlich schlecht.”

“Du hast 3 Versuche.” Er zwinkert mir zu und dreht sich zu Kaffeekanne, um diese zu nehmen, sich Kaffee einzuschütten und danach Milch und Zucker in seine Tasse miteinander zu verrühren.
Ich begutachte ihn und das erste, was mir einfällt sage ich. “Sportstudium?”

“Naheliegend, aber nein.”

“Medizin?”

“Oh Gott, nein.”

“Wieso ‘Oh Gott, nein’?”

“Ich könnte so ein Studium nicht durchziehen. So viel Grips habe ich nun wirklich nicht, als das ich mir die ganzen Begriffe jemals in mein Gehirn pfeifen könnte.” Er lacht wieder. Etwas verträumt lausche ich ihm. “Außerdem kann ich nicht wirklich Blut sehen.”

“Ich auch nicht.”

“Du hast noch einen Versuch. Wähle Weise.”

“Puh, keine Ahnung.”

“Erhöhen wir den Einsatz, vielleicht kommst Du mit einem Anreiz schneller drauf.”

“Und der Anreiz wäre?”

“Ein Kuss.”

Ich zucke mit den Schultern. “Na gut, aber dann bekomme ich aber nicht nur noch einen Versuch, sondern zwei.”

“Okay, klingt fair.” Er lächelt. “Dann lass mal hören.”
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