Wille ist Macht - Verlangen ist alles

von MrsDraug
GeschichteAngst, Horror / P18
Eddie Kaspbrak ES / Pennywise OC Oscar "Butch" Bowers Richard "Richie" Tozier William "Stotter Bill" Denbrough
16.05.2018
17.03.2019
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Ich danke an dieser Stelle Rhpos für ihren bisherigen Support ...
Ich danke Mirii16, für ihre aufmunternden und aufmerksamen Worte in der Zeit, in der ich am stärksten gezweifelt habe,
Ich danke Jokieler nach all der Zeit immer noch für seine Nachricht von damals, die mir wahnsinnig viel Auftrieb gegeben hat,
Ich danke T., einer jungen Leserin, die vielleicht lieber anonym bleiben will, für ihre unglaublich liebe Nachricht, die mich wirklich erreicht hat, sie weiß, wer gemeint ist!
Ich danke quetzal für ihre sau-ehrliche, konstruktive Kritik, die mich wirklich niemals demotiviert hat, ganz im Gegenteil, hörst du?
Und vor allem danke ich Jamie Wesker, der dieses Kapitel gewidmet ist, und das sie zur Hälfte schon kennt ;)
- für einfach alles!
Danke tausendmal für deine Unterstützung, und deine Begeisterung, die Zeit, die du dir trotz allem immer für deine Reviews nimmst, und die wahnsinns-Motivation, die du mir immer da lässt!
Ich hoffe, es hat sich für euch alle gelohnt, hier kommt die ganze Fortsetzung!

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Sie stand auf der Kussbrücke und starrte auf die flüsternden Wassermassen, die unter ihr den Kanal entlang strömten.
Im Drugstore hatte sie sich nicht an diesen seltsamen Traum von letzter Nacht erinnern können, nur an das merkwürdige Gefühl, das er hinterlassen hatte.
Es war eine Mischung aus Erregtheit gewesen, aus Schuldgefühlen und panischer Besorgnis.
Die Sehnsucht nach Roger hatte sie an diesen Ort getrieben, das verzweifelte Verlangen, seine Anwesenheit zu spüren, das verzehrende Bedürfnis, wieder Teil an seiner Welt haben zu dürfen, an seinen Gedanken, seinen Vorstellungen, seinen Interpretationen von allem, was sich ihm erschloss, einschließlich ihrer selbst...
Und als sie das Holz des Brückengeländers unter ihren Händen spürte, die schwache Vibration, die das dahin rauschende Kanalwasser auf das unbelebte Material übertrug, da holten Carolyn die Bilder der letzten Nacht plötzlich wieder ein; mit der Intensität und all den detaillierten Impressionen eines tatsächlich erlebten Szenarios.
Sie war in die Räumlichkeiten der Tozier'schen Zahnarztpraxis getreten, und sie hatte Went gesehen, in einer Situation, die ihr aus zunächst unerfindlichen Gründen haarsträubender erschienen war, als wenn sie ihn stattdessen bei der Durchführung der denkbar barbarischsten Form einer Dentalbehandlung erwischt hätte.  

Went lag ausgestreckt auf dem Behandlungsstuhl.
Seine Füße zuckten schwach in seinen legeren Freizeitschuhen, seine kraftlosen Arme baumelten schlaff zu Seiten seines Körpers hinab.
Über ihn hatte sich eine Frau gebeugt, deren hochgewachsene, gertenschlanke Gestalt ein makellos weißer Arztkittel umhüllte.
Sie schien mit nichts Weiterem beschäftigt zu sein, als Went sanft auf den Mund zu küssen, doch Carolyn assoziierte den Anblick, der sich ihr bot, eher mit Begriffen wie 'Missbrauch', 'Schändung' und 'Vergewaltigung'.
Sie empfand die bloße Situation, diesem an sich so harmlosen Akt unfreiwillig beiwohnen zu müssen als höchst verstörend und beschämend.
Als hätte die Unbekannte ihre Befangenheit gespürt, ließ sie von Went ab, und drehte sich zu ihr herum, so dass sie Carolyn ins Gesicht blicken, und ihr ein überlegenes Lächeln schenken konnte.
Der jungen Pharmazeutin stockte der Atem.
Es war schwer abzuschätzen, wie alt dieses Geschöpf sein mochte, das einfach nicht von dieser Welt sein konnte.
Obgleich ihre ebenmäßige Haut so fein war, wie virtuos geschliffener Marmor, verrieten ihre asketischen Gesichtszüge dennoch, dass dieses grauenerregend schöne Wesen schon länger auf dieser Erde wandeln musste, als man zunächst  versucht war, anzunehmen.
Ihr kurzes, wasserstoffblondes Haar war im garcon-stil geschnitten, und auch die Brauen und Wimpern so hell, dass es aussah, als hätte Gevatter Frost persönlich sie aus seinem eisigen Odem wachsen lassen.
Sie war anbetungswürdig und schrecklich wie die Schneekönigin aus dem Märchenbuch, sie war gleichermaßen bezaubernd und furchteinflößend, wie eine bösartige Feenkönigin, und Carolyn verspürte den überwältigen Impuls, vor ihrer Herrlichkeit auf die Knie zu fallen, doch sie war wie gelähmt.

Das Wesen schien um seine atemberaubende Wirkung auf gewöhnliche Menschenkinder wohl zu wissen.
Unter einem hochmütigen Wimpernschlag ihrer tiefblauen Augen wandte sich die Fremde wieder Went zu und presste ihre schmalen Lippen wieder auf den seinen.
Der Adamsapfel des Zahnarztes schien plötzlich auf das mehrfache seiner ursprünglichen Größe anzuschwellen.
Aber der Eindruck täuschte, vielmehr wurde er von etwas unter ihm Befindlichen hervor gedrückt, von etwas, das zuvor Wents Kehlkopf hinunter gewandert war; etwas, das sich wellenartigen Rhythmen in ihm bewegte.
'Eine Larve', dachte Carolyn. 'Die Larve eines kleinen Ungeheuers'.
Sie presste die Hände gegen ihren Leib, den plötzlich ein beißender Schmerz durchzuckte, als hätte ein Skorpion seinen giftigen Stachel von innen in ihre Eingeweide gestoßen.
"Was hast du ihm da gegeben?", keuchte sie atemlos.
"Nimm es wieder zurück! Du sollst es von ihm fortnehmen!"

Die elfenhafte Erscheinung ließ die Spitzen ihrer langen, schlanken Finger unbeeindruckt über Wents Gesicht tanzen, als würde sie ihn mit einem Zauber (oder vielleicht auch einem tödlichen Fluch) belegen, dann  richtete sie sich auf, und kam Carolyn strahlend entgegen, so geschmeidig und anmutig, als ob ihre Füße den Boden überhaupt nicht berühren würden.
"Oh... wir werden doch nicht etwa eifersüchtig auf einen so guten Freund werden?", schnurrte die Frau mit einer Stimme, deren überraschend tiefer, voller Klang Carolyn eine nicht völlig unangenehme Gänsehaut auf dem Rücken bescherte.
"Dazu besteht nicht der geringste Anlass, meine Liebe... auch du wurdest bereits von mir beschenkt. Ja, in der Tat! Es geschah in der Nacht, in der ihr diese Stadt hinter euch zu lassen gedachtet, dein törichter Vater, und sein ahnungsloses Töchterchen. Du wirst dich nicht daran erinnern können. Ich habe euch in euren Träumen besucht, in jenen kurzen Spannen, in denen ihr alle gleichermaßen verloren seid. Und Menschen neigen bekanntermaßen dazu, Träume zu vergessen. Besonders die, die von harmloser Natur sind. Wenn ein freundlicher Clown dir ein bunt verpacktes Geschenk überreicht, ist das keine große Sache, die dich nächtelang verfolgt... Aber deinen Vater habe ich etwas anderes sehen lassen... Etwas, was dem näher kommt, das ich euch in dieser denkwürdigen Nacht beschert habe. Wie er sich dagegen gewehrt hat... er hat es nicht so unbekümmert entgegengenommen, wie du... Oh, nein... Er wird so manches Mal an mich zurückgedacht haben, und an den Moment in dem ich sein Schicksal besiegelt habe. Mit Sicherheit hat er das, in jenen Augenblicken, in denen das Morphium nachzulassen begonnen hat..."
Lachend  kam sie näher, und Carolyn wäre am Liebsten davongerannt, konnte aber die Augen nicht von der kühlen, fremdartigen Schönheit ihrer anmutigen Gestalt abwenden.
Sie begann zu zittern.
"Gönne deinem lieben Went die kleine Aufmerksamkeit von mir. Es heißt doch, dass man gerne mit denjenigen zu teilen bereit sein sollte, mit denen man sich verbunden fühlt, Carolyn. Und da es dir offensichtlich auch recht schwer fällt, dich deinen Nächsten emotional zu offenbaren, dachte ich, ich könnte dir die Angelegenheit erleichtern, indem ich dafür sorge, dass sie alle die selben Empfindungen durchleben werden, die dir bevorstehen. Die Angst, den Schmerz, die Hilflosigkeit, die Verzweiflung... Gefühle, die an Intensität alles übertreffen werden, was du bisher erfahren durftest. Keiner von deinen Freunden wird in diesen letzten Momenten bei dir sein können, aber es wird dich trösten, zu wissen, dass du den selben Weg beschreitest, den sie vor dir gegangen sind..."
"Ich will jetzt wissen, was du ihm gegeben hast!", stieß Carolyn mit bebender Stimme hervor, diesmal deutlich energischer. "Und was ich tun muss, um ihn davon zu befreien!"

Das Engelwesen hatte sie inzwischen erreicht und blickte zärtlich lächelnd auf die zierliche, dunkelhaarige junge Frau hinab.
"Kleines Dummerchen...", gluckste es liebevoll.
"Du müsstest eigentlich erkannt haben, was es war. Zumindest hättest du es dir aus den Zusammenhängen erschließen können. Überrascht es dich nun wirklich, zu erfahren, dass es ein Osterei war; von der selben Art, welches dein Vater einst von mir erhalten hat? Es unterscheidet sich kaum von dem, das du selbst tief in deinem Inneren ausbrütest, mein niedliches kleines Vögelchen... Du kannst es nicht so einfach verschwinden lassen. Oh, nein... So leicht wird es euch Menschlein nicht gemacht..."
Sachte berührte das elfenhafte Geschöpf ihren Leib, und dort, wo ihre Fingerspitzen gegen ihren Körper stießen, entfachten sie eine Hölle in ihrem Eingeweiden-
Stöhnend krümmte sich Carolyn zusammen, ihre hilflos tastenden Hände suchten Halt an der strahlend weißen Robe der astralen Erscheinung und krallten sich in den seidigen, dichten Stoff.
"Hmmm... Was für eine herrliche Weise", schnurrte es genüsslich, und Carolyn fühlte sich von Armen umschlungen, wie aus lebendigem Porzellan.
Sie drückten sie sanft, aber mit furchtbarer Kraft an die hochgewachsene, weibliche Gestalt, und der Schmerz in ihrer Mitte steigerte sich zu einem Empfinden, das über das hinausging, was ein Mensch ertragen sollte, ohne dabei zu sterben.
Wie eine Ertrinkende klammerte sie sich an die androgyne Kreatur.
"Und nun sing ein anderes Lied für mich, kleines Vögelchen, dann lasse ich dich vielleicht wieder fliegen...", flüsterte das perfekte  Konstrukt auf mutmaßlicher Kohlenstoffbasis mit seiner schaurig-samtigen Stimme.

Carolyn gab auf.
Ergeben ließ sie sich gegen das übernatürliche Individuum sinken, sich bewusst, dass sie machtlos gegen all das sein würde, was es mit ihr im Sinn haben mochte.
Sie ließ los, gab sich selbst frei ... und plötzlich spürte sie, wie es vorüber ging.
Verwundert registrierte sie, dass der Schmerz nachließ und zu einem elektrisierenden Prickeln in ihrem Inneren verebbte.
Erschöpft schnappte sie nach Luft, und die Fremde zerzauste ihr leise lachend das Haar.
"Fein...", gurrte sie schmeichelnd.
"Braves, kleines Vöglein..."
Etwas Machtvolles durchfuhr Carolyns Körper, versetzte jede einzelne Zelle in unheimliche Schwingung, ohne sie dabei in ihre Milliarden Einzelteile zu sprengen; es war eine Kraft, eine Energie, und sie kam in Wellen über sie, entzündete ein Gewitter zwischen ihren Synapsen, und es war ein Gefühl, als würde sie sterben, und es war so wunderbar...
"Es widerstrebt mir, dich davon schwirren zu lassen", hörte sie das diabolische Geschöpf dicht an ihrer Ohrmuschel murmeln.
"Ich bin der Puppenspieler von Derry, weißt du? Und ihr seid meine geliebten, kunterbunten Spielfiguren. Ich hänge an jedem meiner Püppchen, jedes meiner kleinen Spielzeuge ist etwas ganz Besonderes und spielt seine eigene Rolle in dem kleinen Theaterstück, zu dessen Intendant ihr mich erhoben habt. Dennoch wiegt jeder von euch sich in dem Glauben, sein Schicksal selbst in der Hand zu haben, aber ich allein entscheide, wer von euch kommt, und wer geht. Hörst du, Carrie?"
Sie stöhnte gepeinigt auf.

Obwohl es nicht mehr weh tat, sondern sich sogar eher wie etwas anfühlte, das dabei herausgekommen wäre, wenn man Todesqualen in ihr völliges Gegenteil verkehrt hätte, schien es zu überwältigend intensiv, um von etwas Sterblichem überlebt werden zu können.
"Du musst es nicht ausbrüten, mein Vögelchen", flüsterte die Fremde.
"Ich kann das hässliche, gemeine Ding von dir fortnehmen, das in deinem Osterei herangewachsen ist. Du hast  so viel mehr zu bieten, als die Angst und den Schmerz. Vielleicht zweifelst du daran, aber... Wahrheit ist ein Gefühl, du legst sie fest, wenn du sie als das empfindest, als was sie ist und scheint, und es liegt allein an dir, was ICH für dich bin, was ich für DICH bedeute... Deine Erwartungshaltung wird dir zum Verhängnis, aber wenn du mich lässt - wenn du es dir erlaubst, mich zu lassen - kann ich dich auch etwas anderes spüren lassen, Carolyn..."
Carolyn hob den Kopf, zwang sich, dem Geschöpf ihr Gesicht zuzuwenden.
"Ah, ja? Und was spürst DU?"

Sie sah ihm in die Augen, nur für einen Sekundenbruchteil, und für diesen einen Moment sah Carolyn ihr eigenes Spiegelbild in diesen tiefblauen Iriden, in denen ganze Galaxien in sich zusammenfielen, Materien galvanisierten, und die Lichter unzähliger Universen miteinander verschmolzen.
Sie sah sich, die sich sah, die sich sah, die sich sah, die sich...
Es lächelte bezaubernd, Carolyns Knie wurden weich und drohten, unter ihr nachzugeben; aber das Wesen hielt sie fest, es umschlang sie in der Umarmung eines Liebenden, die kühle Haut, die sich wie transparente Seide über Elfenbein spannte, schmiegte sich an die ihre, ihr kurzes, dichtes, feines Haar, das ihr herrliches Antlitz wie eine Krone aus Licht umgab, kitzelte sie an der Nase, so weich, wie Flaumfedern.
Alle Ängste schienen mit einem Male lächerlich im Angesicht dessen, woher sie letzten Endes alle rührten...
Carolyn seufzte, entspannte sich, und hörte auf sich gegen die beängstigende Gewalt zu wehren, die ihren Körper und ihr Bewusstsein, ähnlich einem Krampfanfall, unter Kontrolle zu bekommen drohte; versuchte, sie voneinander zu befreien, sie akzeptierte die Tatsache, dass sie sterben würde, und es fühlte sich überhaupt nicht entsetzlich an, sondern höchst willkommen, ja, regelrecht erlösend...
Die Augen halb geschlossen, bemerkte sie nur am Rande, wie sich das Wesen veränderte, an dessen Schulter sie sich schmiegte.
Aus dem seidenen, weißen Kittel des weiblichen Engels sprossen, gleich abertausenden von winzigen Reißzähnchen, die Dentikel des Dakuwaqa... dann verwandelte sich die silbrige, raue Haifischhaut bereits übergangslos in etwas, das dem schrill gemusterten, feinen Stoff des Designeranzuges nahe kam, den der Yuppie von der Landstraße getragen hatte. Carolyn wandte den Kopf, und auf dem ihr zugewandten, gesichtslosen Haupt eines kahlköpfigen Mediziners verlief ein blutroter Fleck in der Mitte der blanken, fahlen Fläche zu vertrauten Mustern.
Ein horizontal verlaufender, purpurgesäumter Spalt klaffte in der Hälfte des konturlosen Antlitzes auf, und viele spitze, von glitzerndem Speichel benetzte  Zähne blitzten ihr unheilverkündend entgegen... schnell kniff Carolyn ihre Augen wieder zusammen, bevor sich unvermeidlicher weise die wohlbekannte Maskerade des Clowns auf dem entstehenden Konterfei des Grauens bilden konnte.
Aber was spielte es schon für eine Rolle, welche Maske es trug... es blieb das, was es war... sie spürte ein und dasselbe verrückte Verlangen, ohne überhaupt zu wissen, worauf genau es sich bezog... sie erkannte die Reinheit, die absolute Bedingungslosigkeit ihrer eigenen Hingabe.

"Was lässt du mich fühlen, Carolyn?", wisperte es.

Sie wagte ein rasches Blinzeln, und blickte in widernatürliche Seelenspiegel, in Iriden von einer Farbgebung, als würden Welten in ihnen verbrennen, in unirdische Augen, eingefasst von einem bleichen, mit blutroter Farbe akzentuiertem Antlitz eines menschlichen Wesens.
Die Erkenntnis durchfuhr sie wie ein Blitz, eine Eingebung, die sie für einen Moment erleuchtete, sie unter anderem erfassen ließ, welche tief verwurzelte Sehnsucht sich in jeder Form von Religion manifestierte...
Dieser Zustand währte nicht länger als für den Bruchteil einer Sekunde, aber er dauerte lange genug, um Carolyn verstehen zu lassen, dass all das, was sie glaubte, in IHM zu erkennen, letzten Endes immer und allein auf sie selbst zurück zu führen war.
All die Schönheit, all der Schrecken fand seinen Ursprung in ihr selbst, ES war das Resultat ihrer eigenen Projektionen... sie war ES.
Sie alle waren ES, sie machten ES zu dem, als das es ihnen erschien, und dennoch hatte keiner von ihnen Einfluss auf das, was sie unweigerlich hinauf beschworen.
Keinem Wesen wäre es möglich gewesen, ES in seiner ursprünglichen Form wahrzunehmen - denn wenn das Bewusstsein und die Materie sich in seiner Erfahrung auflösten, und das, was man gewesen war, sich in dem ANDEREN verlor, so dass es nichts mehr geben würde, was sie voneinander trennte, ...dann würde damit auch jene bedeutende Verbindung wegbrechen, über die der eigentliche Kampf um ihre Existenz ausgetragen wurde.
Wenn die Kommunikation abriss, war das Duell entschieden; dann gab es kein ICH und kein ES mehr - ein kleiner, bedeutungsloser Funke würde von einem gefräßigen, unersättlichen Licht absorbiert werden, und genau das war es, worauf doch ohnehin alles hinauslaufen musste... auf die bedingungslose Hingabe, auf das große Eins-werden, auf das wertungsfreie Annehmen von allem, was da war, oh ja, genau das war es...
Etwas zerrte an ihrem Verstand, riss ihn mit sich mit, und plötzlich verlor sie jedwede Kontrolle über ihre Empfindungen.
Sie wusste nicht, was da auf sie zu kam, ob es wundervoll oder entsetzlich sein würde, aber es war unmöglich, ihm nicht nachzugeben; es hatte sie erfasst, und für sie stand zweifelsfrei fest, dass sie daran sterben würde.
Die Welt begann sich zu drehen, sie stand Kopf, völlig verkehrt herum, und dann stand sie... still.  
Carolyn öffnete den Mund, und ein gepresstes Keuchen entrang sich ihrer Kehle.
Ein krampfhaftes Zittern schüttelte ihren Leib.
Sie senkte demutsvoll den Kopf, krallte sich in dem knisternden Stoff fest, der das Wesen umhüllte, und wartete, bis dieses überwältigende Gefühl nachließ, das weder den Tod, noch einen lebensbedrohlichen neuralen Anfall nach sich zog, sondern etwas viel Belangloseres zur Folge hatte, etwas, das sie bereits in ausreichender Häufigkeit selbst erfahren hatte, wenn auch nie in dieser Intensität... und vor allem nicht ohne jede bestimmbare Ursache.

Carolyn wartete, bis es vorüber war, während ihre Wangen schon vor lauter Schuld- und Schamgefühlen zu brennen begonnen hatten... weitere, ihr bestens vertraute Gefühlsregungen, die dafür sorgten, dass sich ihr wild schlagendes Herz nicht in ihrer Brust beruhigen wollte.
Aufgebracht riss sie sich von dem Geschöpf los, das sogleich seine behandschuhten Hände in Unschuld hob.
Carolyn ballte die Fäuste.
"Du altes Scheusal...", murmelte sie angewidert.
ES lächelte nachsichtig.
"Genierst du dich etwa vor mir, Carrie?", neckte es sie provokant.
"Dazu gibt es keinen Anlass. Besitzt man einen Körper, wird man unweigerlich zum Gefangenen seiner Grenzen unterworfen... und zum Sklaven seiner Schwächen. Aber..."
Es legte den Kopf schief und blinzelte bezaubernd.
"...so ein Körper... hat natürlich auch seine Vorzüge. Selbstredend, mit der Zeit kommt er in die Jahre, und er ist so verwundbar, dass er selbst durch den Einfluss winzigster Widersacher irreparable Schäden davontragen kann. ... Ja, ja... Und nicht selten trägt er bereits in dem Augenblick seiner Entstehung die Veranlagung in sich, sich früher oder später selbst zu zerstören..."
Carolyn biss die Zähne zusammen, bis sie es knirschen hören konnte.
"Vor allem...", fuhr der Clown vergnügt fort, "... verurteilt euch euer Körper zur Vergänglichkeit. Aber für eine gewisse Zeit vermag er euch immerhin an diese Welt, an dieses Leben zu binden, und das erhebt ihn zu etwas Erstaunlichem! Er ist die Schnur, die euren Seelenballon erdet. So lange, bis sie zerrissen wird. Und ihr woanders hin fliegt, wohin auch immer euch der Wind wehen mag. Und... über eines wirst du mit mir gewiss nicht streiten wollen, Carolyn - so ein Körper kann doch fürwahr ein erfreuliches, kleines Spielzeug abgeben, nicht wahr?"
Prompt schoss der jungen Frau das Blut in die Wangen, und Pennywise kicherte albern, doch dann kehrte plötzlich tödlicher Ernst auf sein verrückt bemaltes Gesicht zurück, so unvermittelt und schlagartig, dass Carolyn sich die feinen Härchen über ihren Schläfen aufstellten.
"Körper sind so viel mehr, als nur Hüllen oder Gefäße, die eure Einzigartigkeit nach außen hin versinnbildlichen", murmelte ES düster.
"Sie trennen das voneinander, was einst Eins in seiner Einsamkeit gewesen ist, und seitdem immerfort danach strebt, wieder ineinander zu fließen. Das Bewusstsein eurer gesamten Welt spaltet sich in ihnen auf, entfremdet sich von sich selbst, um sich immer weiter voneinander zu differenzieren, sich zu ...verwirklichen... aber zum Schluss --- kehrt es doch stets und unweigerlich wieder zu seinen Anfängen zurück, zu seiner Ursprünglichkeit, Carolyn! Und... in der Zeit dazwischen..."
Der Clown streckte seine langgliedrigen Hände nach dem Gesicht der Pharmazeutin aus, worauf sie intuitiv einen Schritt zurückwich.
"... in der Zeit dazwischen treibt die primitivste aller Sehnsüchte es bereits danach, sich wieder mit seinen Myriaden von Bruchstücken zu vernetzen. Dann geschieht etwas, Carrie, etwas Faszinierendes findet statt, von dem ich bisher ausgeschlossen worden war, bis sich die Dinge geändert haben... "

ES berührte ihr Kinn mit seinen Fingerspitzen hob es an, und zwang sie sanft, aber bestimmt, den Blickkontakt mit ihm aufrecht zu erhalten.
Und sie konnte ihn spüren... diesen Strom von unerfassbaren Instanzen, der in einem wechselseitigen Senden und Empfangen zwischen ihnen vermittelte, ohne dass sie es hätte unterbinden können.
"Du wolltest mich nicht als einen Teil von dir akzeptieren, Carrie", zischte Pennywise, Der Tanzende Clown, lauernd, "...du wolltest deinen eigenen Kopf durchsetzen - du hast mich gewaltsam aus dir hinausgedrängt, mich von dir fortgestoßen, und nun... stehe ich vor dir, als der ANDERE, dem du in die Augen sehen musst, anstatt mit seinen Augen zu sehen."
Die Kreatur taxierte sie mit durchdringendem Blick.
"Was also siehst du jetzt, Carolyn?", raunte es ihr gierig grinsend zu, und irritiert stellte sie fest, dass sich seine Stimmlage veränderte, während es weitersprach.
"Wer oder was bin ich? Gib mir einen Namen, gib mir eine Bedeutung! Gib mir einen Sinn! Was auch immer du aus mir machen möchtest, werde ich für dich sein. Zu wem lässt du mich werden, meine liebe Carolyn?"
"Oh, nein", hauchte sie in ohnmächtiger Wut und schüttelte dabei abwehrend den Kopf.
"Komm' mir bloß nicht auf diese Tour..."

Es war Rogers Stimme, mit der ES zu ihr gesprochen hatte, und als ihr das nun bewusst wurde, erkannte sie mit Entsetzen, dass sich auf dem blutrot geschminkten Mund der dämonischen Entität das unverkennbare, spitzbübische Lächeln ausgebreitet hatte, welches Rogers Lippen so manches Mal geziert hatte.
"Es liegt mir fern, zu beeinflussen, als was du mich wahrnimmst, liebste Carrie...", schnarrte ES süffisant, und strich ihr zärtlich über ihre glühende Wange.  
"Dies liegt allein in deiner Entscheidung..."
"Lass das!", fuhr die junge Frau ihm aufgebracht über den Mund, und stieß die liebkosende Hand unwirsch beiseite .
"Hör sofort damit auf, mir vorzugaukeln, du seist ER!"
In gespielter Verwunderung riss ES seine Augen auf, und Carolyns Herz wollte bluten, weil sie nun jene hellgrüne Maserung aufwiesen, die sie so gern noch einmal genauestens in den Seelenspiegeln einer gewissen wahrhaftigen Person betrachtet hätte.
"Warum diese Dramatik?", säuselte der Clown scheinbar ohne jedwedes Verständnis für Carolyns Empörung.
"Verkörperst denn nicht auch DU eine wandelbare Figur, die sich den Erwartungen dieser Welt entsprechend verbiegt und verzerrt? Bist du nicht auch bloß der abstrahierte Entwurf, bloß eine mögliche Version jener Carolyn Carson, von der man sich erst ein zurechtgestutztes Bild machen muss, bevor man sie als passendes Teil in das multidimensionale Mosaik eurer Realität zwängen kann?"
Er lachte überlegen, als sie ihn bloß perplex anstarrte.
"Ihr Menschen spielt euch doch ständig etwas vor, Carolyn. Ihr könnt gar nicht anders. Ihr projiziert eure Sehnsüchte, eure Ängste, ja eure höchsteigene Persönlichkeit in euer Gegenüber und verfremdet es damit bis zur Unkenntlichkeit, um die Illusion von ...Gemeinsamkeit zu erschaffen. Im Gegenzug dazu unterwerft ihr sogar euch selbst nur zu bereitwillig den irrsinnigen Konzepten, die ihr für euch konstruiert, um den Ansprüchen gerecht zu werden, von denen ihr glaubt, dass diese Welt sie an euch stellt. Um euch an sie anzupassen..."
Spöttisch stieß er die Luft zwischen seinen schief stehenden Zähnen aus, und strich sich  eine mausbraune Haarsträhne aus der hohen Stirn.
Verbittert funkelte Carolyn das Geschöpf an, das man wirklich für Roger Byrat halten konnte, wenn man es nicht besser wusste.
"Oh, ich verurteile diese Form des Miteinanders nicht, Carolyn", räumte das Roger-Wesen versöhnlich ein.
Verträumt blickte es an Carolyn vorbei, wobei sie das untrügliche Gefühl hatte, als würde es sie, einem Chamäleon gleich, mit einem seiner Augen kontinuierlich weiterhin fixieren, obwohl sein unfokussierter Blick offensichtlich über die Inneneinrichtung von Wents Praxis zu schweifen schien.
"Die Wesen auf dieser Welt sind nun einmal nicht dazu geschaffen, allein für sich zu sein. Sie haben gar keine andere Möglichkeit, als sich einander zu offenbaren, und sich auf die Andersartigkeiten der anderen einlassen. Man lernt, unbekannte Sprachen zu sprechen, ohne es zu wollen. Man übernimmt wie von selbst Sitten, Werte und Gebräuche, pflegt Traditionen, ohne sie zu hinterfragen... Man wird gezwungen, sich zu beherrschen, sich zurückzuhalten, Opfer zu bringen... und irgendwann merkt man, dass einem aus dem fremden Wesen, dem man sich genähert hat, sein eigenes Spiegelbild entgegen lächelt. Komm her. Sieh hin..."

Widerstrebend wagte Carolyn einen Blick in Rogers strahlende Augen.
Erschüttert registrierte sie, dass etwas in ihr das Bewusstsein darüber ausblenden wollte, dass sie keinem schmerzlich vermissten Menschen gegenüberstand, sondern einer Kreatur, die ihn in vollendeter Perfektion zu imitieren wusste.
Es kam ihr vor, als befände sie sich in einem Roman, den sie als Teenager einmal gelesen hatte, in welchem ein passionierter Schauspieler sich so sehr mit seiner Rolle identifiziert hatte, dass er wahrhaft zu der Figur GEWORDEN IST, die er mimen sollte.
Ja, dies WAR Roger, es war die Idee von Roger, realer, als die Realität, und Carolyn hatte schreckliche Angst, als sie sah, was sich in seinen Augen spiegelte...
Dann war sie aufgewacht.
Schweißüberströmt, und mit klopfendem Herzen.


Nun stand sie auf ihren staksigen Beinen auf der Kussbrücke, sackte über dem Geländer zusammen, vergrub ermattet ihr Gesicht in den Armbeugen, und wusste nicht, woher sie die Kraft nehmen sollte, um weiter zu machen...
"Roger", flüsterte sie hilflos.
"Ich brauche dich. Wo bist du? Oh, bitte, bitte... komm zurück..."
"Na, Süße?"
Carolyn schreckte hoch und ihre Hände klammerten sich fester um die Sicherheitsplanken der Brücke, als sie erkannte, wessen Aufmerksamkeit sich auf sie gerichtet hatte.
"So ganz alleine trifft man dich hier? Ohne deinen neuen Lover?"
Sie presste angespannt die Lippen zusammen, und verkniff sich die patzige Antwort, die ihr auf der Zunge lag.
Butch Bowers hatte die Arme vor der breiten Brust verschränkt, einen Fuß auf die Kussbrücke gesetzt, wie ein Großwildjäger, der für ein Foto über seinem erlegten Tier posiert, und musterte sie mit schief gelegtem Kopf abschätzig von oben bis unten.
Carolyn, die keine Lust darauf hatte, sich an Oscar vorbeidrängen zu müssen,  langte nach ihrem Rucksack, und machte sich drauf und dran, über das entgegen liegende Ende der Brücke zu verschwinden, auch wenn dies einen Umweg durch den verlassenen Bassey-Park zur Konsequenz gehabt hätte, aber Butch kam ihr zuvor.
Mit einem Satz war er bei ihr, und hatte sie grob beim Arm gepackt.
Mit brennendem Blick funkelte sie zu ihm hinauf, aber er lachte unbeeindruckt.
"Hey, willst du etwa schon wieder fort?", höhnte er auf sie hinab.
"Liegt es an mir, ja? Macht sich da etwa jemand gleich ins Höschen, vor dem großen, bösen Herrn Officer?"
Sie zog sardonisch einen Mundwinkel in die Höhe.
"Mit Sicherheit nicht, Butch, aber ich habe Besseres zu---"
Carolyn schnappte überrumpelt nach Luft.
Sie hatte sich mit einem lässigen Zucken ihrer Schulter aus seinem Griff befreien wollen, aber die Hand des Polizisten hatte sich mit schraubstockartiger Kraft um ihren Oberarm geschlossen, und drehte ihn ihr nun mit brachialer Gewalt auf den Rücken, während er sie zeitgleich mit seinem eigenen Körper an das Gelände der Kussbrücke drängte, so dass ihr Becken schmerzhaft gegen eine der gusseisernen Streben stieß.
"Ah, wahrscheinlich trägst du gar nichts weiter unter deiner Jeans, damit es schneller vonstattengeht, wenn du deinen Stecher auf einen schnellen Fick im Grünen triffst?"

Der Cop zwang die hilflose junge Frau erbarmungslos mit seinem Gewicht nach vorn, so dass Carolyns Oberkörper gefährlich weit über das marode Brückengelände gebeugt wurde.
Sie zappelte, wie ein eingequetschtes Käferlein, und versuchte verzweifelt, sich aus dem eisernen Griff des Beamten zu befreien.
Der Gedanke schoss ihr durch den Kopf, dass es  für einen zufällig aufkreuzenden Passanten so aussehen musste, als fände hier die spektakuläre Verhaftung einer Drogendealerin statt, insofern man nicht gleich etwas anderes bei dem Anblick ihrer beiden dicht aneinander gepressten Leiber denken mochte.
Tatsächlich konnte Carolyn die unmissverständliche Beule seines erigierten Glieds durch die beiden Lagen derben Jeansstoffes an ihrem Hintern spüren.
"Butch, hör auf, was soll das werden?", keuchte sie nervös.
"Lass das, wir fallen noch alle beide in diesen gottverdammten Kanal!"
Die Muskulatur ihres rechten Arms fühlte sich an, wie aus reinem Stacheldraht.
"Ich denke, man sollte ein kleines Luder wie dich besser in Gewahrsam nehmen", knurrte Bowers dumpf.
"Ist dir nicht klar, dass jede Durchführung sexueller Handlungen auf öffentlichem Gelände ein ordnungswidriges Delikt darstellt, das strafrechtlich verfolgt werden sollte?"
Entgeistert starrte Carolyn Oscar über ihre Schulter hinweg an.
"Was willst du mir da unterstellen, Butch? Ich habe mir nie auch nur annähernd etwas zu Schulden kommen lassen, dass dem nahe käme, was du mir gerade vorgeworfen hast..."
"Lüg nicht!!", brüllte Butch ungehalten, und riss sie gewaltsam zu sich herum, so dass sie ihm geradewegs ins wutverzerrte Gesicht sehen musste.

Bei dem Anblick der dicken, pulsierenden Ader an seiner Schläfe beschlich Carolyn die vage Vermutung, dass Butch ihr womöglich doch keine x-beliebige Straftat in die Schuhe schieben wollte, bloß, um sie in Schwierigkeiten zu bringen, sondern dass es tatsächlich daran glaubte, dass sie und Roger an diesem unangemessenen Schauplatz schamlos Intimitäten miteinander  ausgetauscht hatten.
"Ich habe euch beobachtet, Carrie", spie Butch angewidert aus, und feine Speicheltröpfchen benetzten ihr glühendes Gesicht.
"Ich habe gehört wie ihr gelacht habt, über MICH gelacht habt - und WAGE es nicht, das abzustreiten! Ich habe gesehen, wie ihr miteinander rumgemacht habt, und wie du seinen Schwanz in den Mund genommen hast, als  hättest du den ganzen Tag nichts anderes im Sinn gehabt! So wird es wohl gewesen sein; dieser Typ hat so breit gegrinst wie ein verficktes Honigkuchenpferd, als du an ihm gelutscht hast, wie an einer Zuckerstange!"
Carolyn war es, als stünden ihre Ohrmuscheln in Flammen.
"Hast du was genommen, Butch?", stieß sie fassungslos hervor.
"Ich würde ganz bestimmt niemals---"
Seine flache Hand traf sie unvermittelt im Gesicht und hinterließ ein weitaus intensiveres Brennen auf ihrer Wange zurück, als die schamhafte Verlegenheit es bisher vermocht hatte.
Butch hatte nicht stärker zugeschlagen, als wenn er einen ungezogenen Welpen damit gemaßregelt hätte, aber es war fest genug gewesen, um Carolyn spüren zu lassen, wie viel mehr Kraft in seinen Armen steckte, als in den ihren.
"Ach nein, würdest du nicht?", raunte er und zog die Lippen von den Zähnen zurück.
"Willst du mir jetzt etwa erzählen, dass ihr beiden euch bloß zum Plaudern hier verabredet, weil ihr euch doch so blendend miteinander versteht? Glaubst du denn etwa selbst daran, dass sich auch nur ein einziger Kerl auf dieser Welt mit dir treffen wollen würde, weil er ernsthaftes Interesse an deiner Person und an einer Unterhaltung mit dir hätte?"
Er grinste schäbig auf sie hinab.
"Dann müsste dieser Typ zweifelsfrei einen noch größeren Schaden im Oberstübchen zu verzeichnen haben, als du. Und das wiederum wäre für mich Grund genug, diesem Spinner einmal genauer auf den Zahn zu fühlen. Solche Chaoten brauchen wir nicht in unserer Stadt..."
"Er ist kein Spinner", begehrte Carolyn eingeschüchtert auf.
Butch nickte herablassend.
"Dann erzähle mir doch mal, worüber ihr zwei so redet", forderte er sie auf. "Lass mich raten. Aliens? Geister? Geheime Experimente?"
"Das geht dich überhaupt nichts an, Butch, aber wir befassen uns mit weitaus tiefsinnigeren Themen", schnappte Carolyn scharfzüngig zurück.
"Ich weiß, nicht gerade dein Spezialgebiet..."
Eine zweite Schelle, deutlich härter als die erste, brachte ihr rechtes Ohr zum Pfeifen, wie ein auf der Herdplatte vergessenes Teekesselchen.
Sie blickte schockiert in sein grinsendes Gesicht, in Butchs Gesicht, aber da lag noch etwas anderes in seinen Zügen, zuckte hinter ihnen, wie eine abnorme Form von bösartiger Energie, die sein gewohntes Antlitz in einer Visage des Schreckens grimassieren ließ.

Dieser beängstigende Eindruck währte nur für einen kurzen Moment bevor er wieder verblasste, aber er verschwand nicht völlig - es war so, als hätte etwas einen Abdruck hinterlassen, etwas, das sich sogar in der Stimme von des Cops  niedergeschlagen hatte, und nun in ihr nachklang, wie ein verzerrtes Echo seiner selbst.
Irgendwie versetzte diese Impression von Bowers Carolyn in größeren Schrecken, als die höchstpersönliche Erscheinung der Entität es vermocht hätte.
Es hatte tief in der Seele dieses Mannes geschürft, sehr tief, und es hatte das Scheußlichste zu Tage befördert, das Butch dort begraben hatte... und diesen verdorbenen, gefährlichen Teil hatte es nun auf Carolyn losgelassen.
"Du meinst wohl wirklich, du könntest es dir leisten, es dir mit allen Leuten zu verscherzen...", knurrte er abfällig.
"Aber wo ist er denn, wenn du ihn nötig hättest, dein hässliches, langes Elend? Hat da etwa jemand ein bisschen zu viel in sein albernes, breites Grinsen hineininterpretiert, ja? Hat er dir schon sein wahres Gesicht gezeigt, und du willst es dir bloß noch nicht eingestehen, dass du dich in ihm getäuscht hast?"
Lauernd beugte er sich tiefer zu ihr hinab.
"Oder ist dir schon mal in den Sinn gekommen, dass es vielleicht doch an dir selbst liegen könnte, dass jeder früher oder später das Weite sucht, der so dämlich ist, sich auf dich und deine Irrsinnigkeiten einzulassen?"

Trotz ihrer Furcht schoss Carolyns Kopf vor, wie der eines Raubvogels; archaischer Zorn überwältigte sie von einer Sekunde auf die andere mit der Intensität eines Hurrikans, und okkupierte den verbliebenen Teil ihres Hirns, das noch zu rationalem Denken fähig war.
"Woher weißt du, dass er fort ist, Butch?", schrie sie dem weitaus größeren Polizisten entgegen.
"Was weißt du überhaupt von ihm? Hast du etwa irgendetwas mit seinem Verschwinden zu tun? Los, rück' raus mit der Sprache, du Scheißkerl, wo ist er, was hast du mit ihm gemacht?!"
Noch während ihres ungezügelten, emotionalen Ausbruchs ermahnte sie der letzte Funken Vernunft in ihr, sich nicht provozieren zu lassen, aber Carolyn  war nicht mehr in der Lage, sich zu beherrschen.
Butch hatte einen wunden, einen sehr, sehr wunden Punkt getroffen, und sie damit aus der Reserve gelockt.
Und nichts anderes hatte er offensichtlich erreichen wollen - boshafte Genugtuung glomm in seinen Augen auf, was ihre Antipathie gegen ihn nur noch weiter anheizte - und ihm wiederum erlaubte, entsprechend auf ihre furiosen Anwandlungen einzugehen.
Seine Hand schnellte ein drittes Mal hinauf, aber nicht, um sie zu ohrfeigen.
Carolyn spürte, wie sich alle fünf Nägel seiner Finger in die Haut ihres Halses gruben, als er sie dort zu fassen bekam, und ihr mit seinem unerbittlichen Griff fast die Luft abdrückte.

"Mäßige deinen Ton mir gegenüber, kleines Biest", zischte er gefährlich leise, und drängte sich dabei so dicht an sie, so dass er sie mit schraubstockartiger Gewalt zwischen seinem eigenen Körper und dem Brückengelände einklemmte, und sie das Gefühl hatte, tatsächlich nicht mehr weiteratmen zu können.
"Uh-oh... Na, da hat doch wohl nicht etwa jemand seine guten Manieren vergessen, Carrie?", murmelte Butch keuchend, und drückte noch fester zu.
"Mir scheint, ich muss dich daran erinnern, mit wem du es zu tun hast."
Erst jetzt begann Carolyn den Ernst ihrer Lage zu realisieren.
Butch war völlig unzurechnungsfähig.
Die wohlbekannte Präsenz, die sich zwischen den leeren Stellen seines Selbst hindurch geschlängelt hatte, hatte irgendwo in seinem Oberstübchen einen verbotenen Schalter umgelegt, und damit einen essenziell wichtigen Mechanismus abgestellt, der Butch für gewöhnlich daran hinderte, Dinge zu tun, die sich ein gesunder Verstand nur in seinen Träumen auszuführen zugestehen würde.
Eine düstere Intuition ließ Carolyn erahnen, dass ihre Panik, insofern sie ihr freie Bahn gewähren würde, seine eigene Impulsivität anheizen würde, wie einen Brennofen - sie würden sich voneinander nähren, ihre Verzweiflung und seine Grausamkeit würden sich in einem brutalen Spiel des Wahnsinns hochschaukeln, und dann würde er ihr weit Schlimmere Dinge antun, als sie bloß grob anzufassen; vielleicht sogar etwas Schlimmeres, als sie zu vergewaltigen.
Ihm würde es an jeder Hemmung fehlen, ihr Schmerzen von einer Art zuzufügen, die sie sich nicht einmal vorstellen konnte, und dennoch würde es ihm nicht genug sein, er würde ihr Martyrium fortsetzen, bis es keine Grenzen mehr gab, die er überschreiten konnte, weil er es bis zum Ende durchziehen musste, um zu begreifen, zu verstehen... und erst dann würde seine innere Sicherung wieder einrasten - wenn es zu spät war...

Und über dem Scherbenhaufen ihrer beider Leben würde Etwas hocken, das sich sattgefressen hatte, an all dem Hass, der Wut, der Verzweiflung und den vielen Tränen, die das disharmonisierende Paar auf der Kussbrücke ihm auf sein Geheiß hin vorgesetzt hatte.
"Nein, du brauchst mich nicht daran zu erinnern, wer du bist", stieß Carolyn mit dem letzten ihr verbliebenem Atem hervor. "Ich weiß, wer du bist, Butch Bowers!"
Sie schloss die Augen.
Philanthropischer Idealismus hin oder her, Oscar war ein ausgemachter Mistkerl, da brauchte man sich nichts vorzumachen.
Aber auch er war mal ein Kind gewesen, ein unverdorbener Neuling auf dieser Welt.
Sein Pech war nur, dass er als Sohn Derrys geboren wurde, und sich von dem Geist dieser Stadt formen lassen musste, zu Derrys Butch Bowers...
Es stellte sich bloß immer die Frage, wo Butch aufhörte... und wo Derry begann.
Carolyn lächelte bitter.
Denn Derry war mehr, als ES.
So viel mehr...
'Wir alle sind Derry', richtete Carolyn ihre Gedanken an das Unbekannte, das immer mit lauschte.
'Aber du kannst nichts anderes in ihm erkennen, als dich allein, und irgendwann wird dir das zum Verhängnis werden, denn wir sind mehr; wir sind nicht allein...'
Sie spürte, wie der Druck innerhalb ihrer Adern sich bis ins Unerträgliche steigerte; spürte, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb.
Rasch, bevor ihr eigener Körper ihr einen Strich durch die Rechnung machen konnte, überbrückte sie mir letzter Kraft die wenigen Zentimeter an Distanz, die ihre erhitzten Gesichter voneinander trennte, und küsste Butch mit entwaffnender Zärtlichkeit.

Es steckte keine Leidenschaft hinter diesem Kuss, ebenso wenig hatte er irgendetwas mit romantischen Gefühlen zu tun, mit denen sich Carolyn schon immer ein wenig schwer getan hatte... er war vielmehr Ausdruck der tiefen Verbundenheit, die sie für diesen Mann sowie für jeden einzelnen Bewohner dieser verfluchten Stadt empfand; ein Bekenntnis der vorbehaltsfreien Akzeptanz jedes einzelnen Individuums, ob Held, ob Schurke...
'Er gehört nicht DIR', dachte sie grimmig, als sie sich von den Lippen des Officers löste, dessen Hände ihren schonungslosen Griff um ihren Hals und ihren Oberarm gelockert hatten.
'Jedenfalls nicht dir allein. Er gehört UNS'
Sie sah Butch geradewegs in die Augen, doch er wandte verwirrt den Blick von ihr ab - ein Mann, der im erst im Schatten seines infernalen Affektes realisierte, welche Tragödie sich beinahe ereignet hätte, jedoch nicht die Courage besitzt, sich einzugestehen, wozu ihn sein Kontrollverlust beinahe getrieben hätte.
Er entließ die zierliche junge Frau aus seiner Umklammerung, trat einen Schritt von ihr zurück, und tätschelte ihr grob über die Wange, auf der sich noch der Abdruck seiner  fünf Finger abzeichnete.

"Na, Kleines, willst du wieder ein liebes Mädchen sein, ja?", schnarrte er überheblich, während Carolyn schwer atmend aus großen Augen zu ihm empor starrte.
"Du brauchst wohl eine strenge Hand, hm?"
Er grinste süffisant und verschränkte die Arme vor der breiten Brust.
"Hat dich das eben angetörnt? Oder hattest du doch ein bisschen Muffensausen davor, dass ich mich völlig vergesse?"
Die kleine Pharmazeutin schürzte bissig die Lippen.
"Weder das eine, noch das andere", gab sie schnippisch zurück, und Butch winkte höhnisch ab, und war schon im Begriff, ihr den Rücken zu kehren, aber Carolyn war noch nicht fertig mit ihm.
"Es ist schließlich weithin bekannt, dass Officer Butch Bowers es zu jeder Zeit und zu jeder Gelegenheit versteht, Herr seiner Selbst zu bleiben. Nichts und niemand könnte ihn aus der Fassung bringen... kein eigenwilliges Frauenzimmer, kein pubertierender Sohn, nicht einmal die lieben Nachbarn von der Farm hinter dem nächsten Feld..."
Bowers drehte sich langsam auf seinem Absatz um, und blinzelte Carolyn eisig aus den Augenwinkeln an.
Man konnte die Zahnräder in seinem Kopf förmlich rotieren hören.
"Mir ist zwar schleierhaft, was genau du mir jetzt damit sagen möchtest, Zuckerschnute, überlege dir besser gut, ob es sich lohnt, irgendeine andere Menschenseele mit diesem wirren Gequassel zu belästigen", warnte er sie dann drohend. "Vergiss nicht... ich bin das Gesetz. Und du bist ein kleiner Freak aus Boston, dem niemand Glauben schenken wird, wenn er neue, haarsträubende Stories zum Besten gibt. Derry wird dich fressen, Carrie."
'An dir frisst es doch schon längst, Butch, aber das spürst du nicht einmal', erwiderten ihre kühlen Augen, doch sie schwieg, und schenkte ihm nur ein dünnes Lächeln.
Butch spuckte auf den Boden, und wandte ihr den Rücken zu.
"Und was deinen Stecher angeht...", rief er ihr über seine Schulter hinweg zu, "...gewöhn' dich lieber nicht zu sehr an ihn. Ich werde ihn im Auge behalten, Kleines. Der Derry Killer befindet sich noch auf freiem Fuß, und es sind schon wieder ein paar Kids verschwunden. Wer weiß, vielleicht hängen ihre Leichen ausgeweidet und präpariert als Trophäen in dem Hobbykeller von deinem zu groß geratenen Dummkopf... kannst ja mal nachschau'n... aber sieh dich vor - nicht, dass ich dich demnächst an eben diesem Ort als neuesten Teil der Sammlung auffinde..."
"Oh, mach dir bloß keine Sorgen, das wird nicht passieren", schrie Carolyn dem Cop mit krächzender Stimme hinterher. "Wenn  jemand meine Überreste ausfindig macht, wird es wohl eher ein Officer sein, der seinem Job mit ein wenig mehr Ambitionen nachgeht, als du es tust... so einer, wie Aloysius Nell, zum Beispiel!"
Butch hob kurz den linken Arm mit einem ausgestreckten Mittelfinger zu einer eindeutigen Geste, und ließ Carolyn allein im Bassey Park zurück.
Trotz ihrer Schmerzen und der Tränen, die ihr in den Augen brannten, schlich sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen.
Ein Eichelhäher keckerte trotzig in den Zweigen einer Pinie.
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Kapitel 1-23 (Zusammenfassung)

Es beginnt, Carolyns ureigene Auffassung von Realität ins Wanken zu bringen, und sich in dieser einzunisten, und die Grenzen ihres Bewusstseins zu übertreten, um zu ihr, in ihre Wirklichkeit zu gelangen.
Zunächst begnügt es sich damit, ihr seinen Willen aufzudrängen, und sie zu manipulieren, indem es versucht, ihr eine andere (bösartig-verzerrte) Perspektiven auf die Welt aufzuzwingen.
Es beeinflusst ihre Wahrnehmungen, auch ihre Empfindungen, so dass Carolyn den Glauben an sich selbst, an ihr eigenes Real-sein und der Realität als solcher zu verlieren droht.
Dann beginnt ein Prozess der Distanzierung, in dem Carolyn ES als fremde Instanz zu betrachten beginnt.
Es droht ihr damit, sie zu verändern, ihr Selbst mit sich auszufüllen, und als Carolyn ES als ihre Geisteskrankheit auslegt, lässt sich ES darauf ein, dies zu dementieren, denn es kränkt seinen Stolz, für einen Teil eines (einzelnen) Menschen gehalten zu werden.
Es will von Carolyn für mehr als möglich gehalten werden, und seine Realität für sie bestätigen wobei es nicht bereit ist, sich von seinem Platz in ihrer bewussten Wahrnehmung für ihn herausdrängen zu lassen, wobei er sich sicher ist, sie würde den Verstand verlieren, wenn sie ihn endgültig als wirklich erkennt.
In Beisein von anderen 'Gläubigen' will er Carolyn beim Rockkonzert endgültig von seiner allgemein gültigen Wahrheit überzeugen.
Carolyn verspürt scheinbar den Wunsch, dass ES real sei, und sie nicht dazu verdammt sei, ihre wahrgenommene Realität ganz alleine zu erleben (die ihr dadurch anzweifelbarer erscheint)
ES' Realität würde bedeuten, das mit ihrer geistigen Verfassung alles in Ordnung sei, und nur die Welt verrückt sei,  in der es einen Platz für ES gäbe.
Die auf ES reagierenden Kinder bestätigen die Existenz von ES, aber Carolyn selbst fühlt sich dadurch noch nicht als existent, sie fühlt sich selbst wie ein Geist - ein Zustand, von dem sie durch Roger erlöst wird, auf den ES sie treffen lässt.
ES/Roger lässt Carolyn die Wahl, Roger zu interpretieren, (ES liefert eine mögliche Grundlage für einen psychopathischen Killer) aber Carolyn überrascht ES anschließend doch noch in Bezug ihre Erwartungen/Sehnsüchte/Reflexion /Projektion/Wahrnehmung in Roger (Sie sieht in ihm den lang ersehnten Seelenverwandten).
Durch Roger, der Carolyn zu erkennen scheint, ihr ihre eigenen Gefühle vor Augen hält, der ihr das Gefühl gibt, selbst wirklich zu sein, kann sie ES endgültig als das fremde, andere Wesen akzeptieren.
So von sich distanziert, ist es ihr möglich, ES für sich zu reflektieren, sich ein Bild von ihm zu machen - und sich auch wieder ihrer selbst bewusst zu werden / sich zu erkennen, ihre Wirklichkeit von seiner abzugrenzen.
Durch Rogers offensive Beeinflussung gewinnt ES über Carolyn nachhaltig an Realität: Sie wird gezwungen, sich mit dem Wesen auseinanderzusetzen, hervorgelockte Emotionen kochen in ihr hoch, und werden sie noch länger beschäftigen; Roger impliziert ihr Absichten und Wünsche, was Ängste und Widerstand in ihr hervorruft, aber natürlich auch eine Vorstellungen von dem, was Roger ihr unterstellt, in ihr weckt (den selbstzerstörerischen Wunsch, sich in einem anderen, bereitwillig akzeptierten und willkommenen Bewusstsein und dessen fremder Realität zu verlieren, um ihrer innerlichen Einsamkeit und Haltlosigkeit, ihrem ICH zu entkommen) - Roger suggeriert ihr, ES in ihrer Welt zu wollen, so sehr, dass sie nicht dafür zurückschrecken würde, ihm dafür ihre eigene Realität in dieser Welt opfern zu wollen (Liebe).
ES erkennt währenddessen interessiert Carolyns Angst, sich die entstehenden bedingungslosen Gefühle für Roger bewusst werden zu lassen, sowie ihre Bereitschaft, ihre Auffassung von Realität zugunsten einer gemeinsamen Realität aufzugeben, in welcher ES existiert.
ES als solches betrachtet sich zufrieden in Carolyns Wahrnehmung und erfährt sein selbst bestätigt durch die Auffassung, in der Derry ES üblicherweise wahrzunehmen pflegt (als etwas Fressendes, Schlechtes, Vernichtendes).
Roger gibt vor, Carolyn bei dem Prozess unterstützen zu wollen, ihr Verlangen zu erkennen, welches sie mit dem Wesen teile.
Er lässt sie wissen, dass sie bestimme, als was ES ihr erscheint: Es könnte ihr Freund sein, und sie könnten in ihrer gemeinsam erschlossenen Realität 'vereint' sein, oder aber, ES könnte der Feind sein, der sie in den Wahnsinn treibt - aber im Endeffekt läuft alles auf die Vernichtung ihrer Seele hinaus - das Ziel, was sie angeblich erstrebt...
Roger macht weiterhin deutlich, dass er wisse, dass es ihr egal sein, wer Roger sei, sie würde ihn wollen (und deshalb, wie typisch für Derry, nur sehen , was sie sehen wolle, und alles ignorieren, was über ihre Wahrnehmung hinaus ginge/sie nicht verstehen könnte/ was sie abstoßen, verletzen oder ängstigen würde)
Außerdem bestärkt er sie in dem Glauben, isoliert von allen anderen zu sein, mit ihrem Empfinden der Realität, was unvereinbar sei mit dem gängigen Bild der Wirklichkeit, was den Wunsch in ihr nährt, ihre Realität mit ihm teilen zu können, und sich auf ihn einzulassen.
ES will Carolyn offenbar für sich allein, sie soll nicht mit anderen über ES kommunizieren, ES will keine fremden Reflexionen von sich in ihrem Bildnis von ES wiederfinden, nur die ihren.
Carolyns Sehnsucht nach Roger intensiviert sich, und ihre Fantasie holt ES zu ihr (Kellerszene)
Sie beginnt, ES aus einer anderen Perspektive zu sehen, und kann etwas clowneskes/lustiges/liebenswertes in dem Wesen erkennen.
Sie erkennt, dass es ebenso viel bedeutet, wenn sie sich selbst mit anderen Augen betrachtet (nicht als Opfer, sondern...)
Sie macht sich Gedanken über die wahre Natur von ES, empathische Empfindungen, die ihre Vorstellung von und ihr Verhältnis zu ES verändern.
ES beginnt währenddessen, sich mit Carolyn zu identifizieren, als es neugierig und überrascht versucht, ihre Emotionen zu erfassen.
Nahe gebracht in einem gemeinsamen genussvollen Moment, als ES ihr hysterisches Gelächter 'frisst', beginnt es sich für das Gefühl zu interessieren, das sie Roger entgegenbringt, und das sie zu fürchten scheint. (Anhalter-Szene)
Es verlangt, diese Liebe von Carolyn entgegengebracht zu bekommen - und von ganz Derry.
Es will bestimmte Gefühle von Carolyn, die sie (aus Angst vor ihnen?) nicht geben kann/will, und würde ansonsten auf die altbewährten Leckereien (Angst, Schmerz, bis zum Tod oder Verlust des Verstands...) zurückgreifen
Maturin gibt Carolyn die Information, dass ES zu keinen Emotionen fähig sei, worauf sie später ES mit dieser Aussage konfrontiert, und die Frage aufwirft, woran ES glaubt / was es fühlt - eine weitere Schlüsselszene...
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