Wille ist Macht - Verlangen ist alles

von MrsDraug
GeschichteAngst, Horror / P18
Eddie Kaspbrak ES / Pennywise OC Oscar "Butch" Bowers Richard "Richie" Tozier William "Stotter Bill" Denbrough
16.05.2018
17.03.2019
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"Derry hatte schon so lange mit Pennywise gelebt... und vielleicht hatte die Stadt mit der Zeit - so verrückt sich das auch anhören mochte - sogar Verständnis für ihn aufgebracht. Vielleicht mochte sie ihn, brauchte ihn. Liebte ihn sogar? Ja, vielleicht liebte sie ihn sogar."
Zitat aus Stephen King's Roman 'ES'
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Police Station - Court Street - Derry, Maine
18.10.1957, 17:30


"Name?"
"Carson. Carolyn Carson."
"Geboren am...?"
"Vierten Juni Neunzehnhundertachtundzwanzig."

Der Officer, der ihre Personalien aufnahm, sah kurz auf um der jungen Frau einen kurzen, unmissverständlich anerkennenden Blick zuzuwerfen, den sie jedoch überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen schien.
Regenwasser tropfte in stetigem Rhythmus vom Saum ihres modischen Trenchcoats auf das Parkett.
Der triefnasse Stoff ihrer Baumwollhose klebte an ihren übereinandergeschlagenen Beinen, die so heftig zitterten, dass Chief Borton das Tablett mit den Gläsern und Getränkeflaschen schon nach wenigen Augenblicken entnervt vom Bürotisch auf die Fensterbank verfrachtet hatte.
Das kontinuierliche Klirren hatte gedroht, seinen ohnehin schon ausgedünnten Geduldsfaden überzustrapazieren.
"Wohnhaft in...?"
"Bost- ähm, Derry, Maine. Verzeihung"

Ein nervöses Lächeln spielte um die Mundwinkel der mutmaßlichen Zeugin.
Fast hätte sie 'Boston' gesagt, aber dort hatte sie bloß ihre Kindheit und ihre Jugend verbracht.
Zur Welt gekommen war sie hier, in Derry.
Und vor vier Tagen erst war sie fast genau an den Ort zurückgekehrt, an dem sie ihr Leben begonnen.
Am vergangenen Montag hatte sie ihren neuen Wohnsitz in der Jackson Street bezogen, direkt gegenüber von dem Haus, in dem vor knapp drei Jahrzehnten ihre Mutter mit ihr schwanger gewesen war.
Seit die letzten Möbel aus Boston nachgeliefert worden waren, hatte es geregnet, und sie hatte das schlechte Wetter genutzt, um die Zimmer zu renovieren und sich in ihrem neuen Zuhause einzurichten.
Heute hatte sie zum ersten Mal ihre vier Wände verlassen. Und hatte es bitter bereut.

Der Strom war ausgefallen.
Sie war sehr nervös gewesen, denn sie war an diesem Abend zu einem wichtigen Bewerbungsgespräch geladen worden - den Termin hatte sie letztendlich unter den gegebenen Umständen nicht wahrnehmen können - und so hatte sie sich, ausgerüstet mit Regenschirm und Gummistiefeln auf den Weg gemacht, um sich die hiesigen Kirchen und Kapellen anzusehen.
Sie interessierte sich nur mäßig für die verschiedenen Arten von Glaubensgemeinschaften, konnte sich aber durchaus für die Architektur, die beeindruckende Klangkulisse und den irgendwie sakralen Geruch begeistern, der jedem dieser Gotteshäuse in irgendeiner Art und Weise inne zu wohnen schien.
Aber in Wirklichkeit ging es ihr heute nicht um die Kirchen.
Darum war es ihr noch nie gagangen, und auch sonst war jedes Ziel, welches sie jemals vorgeschützt hatte, um sich in Bewegung zu setzen, nur ein fadenscheiniger Vorwand gewesen, für das, worum es ihr wirklich ging.
Es war das Laufen an sich.
Sie genoss es, sie brauchte es; ganz egal, welche Witterung draußen herrschte, oder wie sie sich fühlte.
Böse Zungen hätten vielleicht behauptet, Ms Carson sei eben eine Frau, die gerne ihren Problemen davonzurennen versuchte, und möglicherweise hätte Carolyn ihnen sogar in diesem Punkt beigepflichtet.
Nach einer endlos langen Wanderung, wenn die Blasen an ihren Fersen zu schmerzen begannen, und ihr der Atem geradezu befriedigend in den Lungen brannte, fühlte sich ihre Seele manchmal wieder frei genug an, um einfach davon fliegen zu können.
Dann war es ihr erlaubt, ruhig, und friedvoll zu schlafen...
Nun fürchtete sie allerdings, in ihrem ganzen Leben nicht mehr genug laufen zu können, um jemals jene furchtbaren, verstörenden Bilder aus dem Kopf zu bekommen, die sich ihr an diesem Nachmittag förmlich in die Netzhaut gebrannt hatten.
Mechanisch leierte sie Antworten auf abstrus klingende Fragen herunter, die der ungeduldige Polizeichef ihr in barschem Tonfall stellte.

Wo sie beschäftigt wurde? Noch nirgends, sie habe aber eine lokale Anstellung als assistierende Drogistin in Aussicht (zumindest gehabt...).
Ob sie verheiratet war, Kinder hatte? Weder, noch (und auch keine Hoffnung darauf, dass sich das jemals ändern würde, oder hätten Sie da ein Angebot für mich, ha-ha).
Ob sie Drogen oder andere Rauschmittel zu sich genommen habe? Nein ( , aber ich sehe wohl danach aus, Sie Arschloch, oder?)
Zu welcher Konfession sie sich bekannte (Ihre absolute Lieblingsfrage im Katalog der Irrsinnigkeiten, die man von ihr erfahren wollte - und sie konnte sie nicht einmal beantworten, weil sie offiziell keiner bestehenden Glaubensgemeinschaft mehr angehörte...)  Zu keiner.
Was sie zum Tatzeitpunkt am Tatort zu suchen gehabt hätte, bei diesem Wetter, Herrgott nochmal?
Nachdem sie auch dies wahrheitsgetreu beantwortet hatte, stellte man ihr endlich die Frage, die tatsächlich von Belang für alle war.
"Was haben Sie gesehen, Ms Carson?"
Sie schloss die Augen.

"Ich habe es eigentlich zuerst gehört, Chief. Ich kam gerade von der Grace Baptistenkirche und wollte zurück, nach Hause. Es regnete und stürmte furchtbar, aber durch das Tosen des Wassers und des Windes hindurch hörte ich plötzlich diesen... Schrei..."
Ihre Kehle wurde trocken, sie sah sich hektisch nach dem Tablett mit den Getränken um, und Richard Borton erbarmte sich ihrer und reichte ihr ihr Glas.
Sekunden später bereute er es, als das rasch geleerte Gefäß auf dem massiven Mahagonitisch erneut zu klappern und zu klirren begann, angetrieben durch die Vibrationen der zitternden Beine der Zeugin, die sich unter ihm befanden.
Es war schwer zu beurteilen, ob sich ihr Zustand der Kälte zuschreiben ließ (sie war vom Unwetter ganz erbärmlich durchnässt worden, und die Heizung im Revier war ausgefallen) oder von pathologischer Nervosität herrührte.
Carson blickte ihn aus großen, hellblauen Augen an, die hinter dem schweren Vorhang ihrer regenfeuchten, dunklen Haare wie Eissplitter eines arktischen Gletschers funkelten.

"Ich habe noch nie ein Kind so schreien hören, Chief", wisperte sie tonlos, während sie ihn mit diesen stechenden Blicken aufzuspießen schien.
"Ich wusste sofort, dass es sich nicht um ein Spiel handeln konnte. Ich hob den Regenschirm, und sah noch, wie etwa fünfhundert Meter vor mir eine kleine, gelbe Gestalt auf dem Boden herumzappelte, in unmittelbarer Nähe eines Kanalschachtes. Als ob das Kind gerade eine epileptischen Anfall erlitt, und das direkt im Rinnstein. Es sah aus, als sei es im Begriff, zu ertrinken. Ich rannte sofort los, zu ihm, und während ich rannte, breitete sich ein roter Fleck in dem ganzen Gelb aus, und das Kind hörte auf, sich zu bewegen. Es schrie auch nicht noch einmal."
Ein Wassertropfen perlte an der kreidebleichen, sommersprossigen Wange der jungen Frau hinab, vielleicht war es eine Träne, vielleicht auch nur ein verirrter Regentropfen.
Ihre Unterlippe bebte verdächtig.
"Bevor ich ihn erreichte, war der Herr aus dem Schuhladen schon bei ihm. Gardner, oder wie er heißt.. Er hatte sich über das Kind gebeugt, und dann war er es, der schrie. Er hatte ihn herumgedreht, und man konnte erkennen, dass dem Jungen ein Arm fehlte. Und man konnte sehen... dass er schon tot war..."
Sie schnappte nach Luft, und es klang wie ein ersticktes Schluchzen.

Borton wartete, bis sie ihre Fassung wieder gefunden hatte.
"Sie haben also nicht mitbekommen, wie genau sich dieser tragische Vorfall ereignet hatte?"
Sie blitze ihn wieder an, mit diesen durchdringenden, frostigen Augen.
"Nein, Chief, ich habe nicht gesehen, auf welche Weise dem Jungen der Arm abgetrennt worden ist...", murmelte sie dann intonationslos.
Borton gab ihr einige weitere Sekunden Zeit.
"Irgendwelche weiteren Anmerkungen zu diesem Fall?", setzte er dann nach. Als sie schwieg, räusperte er sich umständlich.
"Der Deputy, der sie vor Ort befragt hat, hat dem Bericht beigefügt, sie hätten noch eine... Beobachtung gemacht? Schreiben Sie noch mit, Bowers?"
Der Officer brummte desinteressiert. Er kannte die Story schon.
Carolyn starrte Borton finster entgegen.
Ihr war der verächtliche Spott in seinem Blick nicht entgangen.

"Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich erbrechen", entschloss sie sich dann, weiter zu erzählen. "Ich wandte mich von dem toten Jungen ab, dem Rinnstein zu, und da sah ich... etwas... im Kanalschacht."
Sie bemerkte, wie die beiden Männer einen Blick austauschten, und presste die Zähne aufeinander.
"Was sahen Sie?", tönte Borton, so entnervt und herablassend, dass ihr das Blut in ihren Adern zu kochen beginnen wollte.
"Den Arm des Jungen...", platzte es heiser aus ihr heraus.
"Bullshit!", unterbrach sie der Chief prompt, als hätte er nur darauf gewartet, dass sie endlich diese gewisse Sache ansprach.
"Das ist eine Sache der Unmöglichkeit, Lady, die Wassermassen hätten ihn sofort mit sich fortgespült, und selbst, wenn er dort unten kurzzeitig stecken geblieben wäre, hätten sie ihn von ihrem Standpunkt aus überhaupt nicht sehen können, das haben wir bereits nachgeprüft! Die Perspektive erlaubt keinen Blick auf den Grund des Schachtes."
"Ich habe doch auch nicht behauptet, dass der Arm irgendwo in der Kanalisation stecken geblieben ist; da war jemand dort unten, Chief, jemand, der ihn in den Händen gehalten hat!", rief Carolyn verzweifelt.
"Papperlapapp! Selbst wenn jemand so verrückt gewesen wäre, bei dieser Witterung in die Schächte zu steigen - der Typ müsste an die vier Meter groß gewesen sein, oder er hätte fliegen müssen, damit Sie ihn von dort oben aus hätten sehen können - also : absoluter Blödsinn!"
"Deputy Martin berichtete, Sie hätten am Tatort immer wieder die selben Sätze von sich gegeben, Ms Carson.' Er hat ihn gefressen, der Clown hat seinen Arm gefressen'", mischte Officer Bowers sich nun ein und betrachtete sie mit unverhohlener Neugier.
"... Ist das korrekt, Ms Carson?"
Carolyn schaute ihn nicht an und blieb ihm die Antwort schuldig.
Ihre Fingerknöchel traten weiß hervor, als sie sich ihre Hände in ihrem Schoß zu einem in sich verkrampften Knäuel zusammenballten.
Chief Borton beugte sich zu ihr vor.
"Martin sagte, Sie hätten einen desorientierten und hysterischen Eindruck auf ihn gemacht. Hören Sie, ich halte Sie nicht für eine Aufschneiderin, die sich wichtig machen will, und ich halte Sie auch nicht für geisteskrank. Ich denke eher, Ms Carson, dass der Anblick der Leiche Sie zutiefst erschüttert hat. Darüber, dass Sie in diesem Abflussschacht irgendetwas anderes gesehen haben wollen, als Unmengen von Schmutzwasser, brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber ist Ihnen vielleicht doch tatsächlich irgendetwas oder irgendjemand Verdächtiges aufgefallen, bevor den Jungen dieses Unglück ereilte?"
Sie sah ihm nun geradewegs in die Augen.

"Haben Sie jemanden gesehen, vielleicht Stunden oder gar Tage vor dem Ereignis; eine auffällig gekleidete, geschminkte oder gar kostümierte Person, die sich einem Kind in besorgniserregender Weise genähert hat, oder es bloß versuchte? Ms Carson, können Sie uns irgendeinen sachdienlichen Hinweis liefern, der mit dem Geschehenen direkt oder indirekt in Verbindung gebracht werden könnte---"
"Er hat es getan, verdammte Scheiße, ich weiß es doch!"
Carolyn war aufgesprungen; der Stuhl, auf dem sie gekauert hatte, kippte um, und fiel polternd auf die Holzdielen.
Eine zarte, bläulich schimmernde Ader trat an der dünnen Haut ihrer hohen, blassen Stirn pulsierend hervor.
"Ich habe ihn gesehen, Chief!", fauchte sie außer sich. "Als ich mich hinab beugte, um mir die Seele aus dem Leib zu kotzen, da habe ich diesen Clown gesehen! Er war im Schacht, und er hatte den Arm des Jungen in den Händen, und er nagte am blutigen Ende wie Bugs Bunny an seiner verfickten Karotte, verstehen Sie? Und er grinste dabei, als wolle er sich lustig machen, über mich, über den Jungen, über uns alle!"
Sie stieß einen gequälten Seufzer aus und hob die zitternden Hände an die pochenden Schläfen.
Die beiden Cops sahen sich über ihren Kopf hinweg vielsagend an.
"Ms Carson, wenn Sie zur Aufklärung dieses Vorfalls nichts Konstruktives beizutragen wissen", begann Borton schwerfällig, und offensichtlich um Beherrschung bemüht, "muss ich Sie bitten, einfach den Mund zu halten, und mich mit Ihren Hirngespinsten zu verschonen. Die sind ein Fall für den Seelenklemptner, und nicht für das Revier. Und tun Sie sich und der Gemeinde einen Gefallen, und tragen Sie dieses Schauermärchen nicht an die Öffentlichkeit, insofern Sie nur einen Hauch Empathie und Pietätsempfinden für die Familie dieses armen Jungen aufbringen können."

Die junge Frau biss sich stumm auf die farblosen Lippen.
Bowers seufzte in amüsierter Resignation.
"Okay, Ms Carson. Können wir uns darauf einigen, dass Sie während eines Spaziergangs, durch die Schreie des Kindes aufmerksam geworden, zum Ort des Geschehens  gelangten? An welchem Sie auf das bereits leblose Opfer stießen, welches Sekunden zuvor geborgen worden war, von Dave Gardener? Ebenwelcher sich als erster von zahlreichen weiteren Zeugen an besagter Stelle eingefunden hatte? Kann ich das so festhalten?"
Sie nickte.
"...Und dass Ihnen keine weiteren Details bekannt sind, die zur Auflösung dieses Vorfalles hinzugezogen werden könnten...?", hakte Bowers gedehnt nach.
Carolyn zögerte. Dann nickte sie wieder.
"Gut, das nehme ich dann so in die Akte auf", murmelte der Officer, und Borton grunzte bestätigend.
"In Ordnung, Butch. Dann versuchen wir es gleich noch mal mit Gardener. Er ist ebenfalls ein wenig von der Rolle, aber das ist auch völlig nachvollziehbar. Er hat einen Sohn im selben Alter, der oft mit dem kleinen Denbrough gespielt hat. Furchtbare Sache..."
"Hat... hat Mr Gardener ihn auch gesehen?", wagte sich Carolyn zaghaft zu fragen. "Diesen Clown?"
Sie erntete einen vernichtenden Blick vom Chief.
"Nein, Ms Carson, selbstverständlich nicht! Und jetzt hören Sie endlich auf damit! Niemand will ihre abstrusen Horrormärchen hören, und denken Sie nicht einmal daran, Gardener oder sonst jemanden mit diesem Unsinn zu behelligen! Butch,  bevor du jetzt abhaust, zeig ihr, wo es raus geht und lass nachhören, ob Dave vernehmungsfähig ist."
Bowers reichte ihr den Arm, den sie erst ignorieren wollte, aber widerstrebend ergriff, als sie merkte, wie weich ihre Knie waren.
"Kommen Sie, Ma'am", raunte er nachsichtig.

Er geleitete sie wie ein Kavalier der alten Schule den schmalen Flur entlang, die Treppen hinunter.
Sie wankte wie eine Schlafwandlerin an seiner Seite, und das verwirrte, kleine Ding tat ihm ehrlich leid.
Neu in der Stadt, offensichtlich allein, hilfsbedürftig... und süß wie kanadischer Ahornsirup.
Butch Bowers mochte ein Mistkerl vor dem Herren sein, aber traf er das (bitte zumindest halbwegs attraktive) schwache Geschlecht höchster Not an, beförderte dies ab und an den verborgenen Gentleman in ihm ans Tageslicht.
Er rief seinem Kollegen Mitch noch zu, er möge nach Gardener sehen, und ließ sich von ihm noch einen angenehmen Feierabend wünschen.
Sie hatten den Ausgang beinahe erreicht, und er ergriff die Chance.
"Wenn wir noch irgendwelche Fragen haben, dürfen wir uns sicher an Sie wenden, Ms Carson?"
Sie warf ihm einen kühlen Blick zu, und er bewunderte die helle, klare Farbe ihrer Augen. Sie hatte noch keinen Telefonanschluss in ihrer neu bezogenen Wohnung, sollte der Polizei aber umgehend  ihre Nummer nachreichen, sobald sie eine hatte.
Er hoffte, sie früher oder später zu bekommen.
Erst die Nummer und dann die Frau...
"Als ob Sie noch irgendetwas von mir wissen wollen würden", schnarrte sie jetzt jedoch so ganz und gar nicht zugänglich.
Er verzieh ihr den spröden Tonfall.
"Es war ein harter Tag für uns alle, Miss."
"Was Sie nicht sagen..."

Sie waren am Ausgang des Reviers angekommen.
Ritterlich hielt er der jungen Frau die Tür auf.
"Scheißwetter", bemerkte er mit einem finsteren Blick nach draußen. "Meine Schicht ist um, Lady, wenn Sie möchten, bringe ich Sie mit dem Dienstwagen nach Hause."
"Nein, danke, ich möchte keine Umstände machen", wehrte Carolyn sofort ab, aber Bowers ließ sich nicht so leicht abwimmeln.
"Liegt auf dem Weg", entgegnete er, obwohl das nicht ganz den Tatsachen entsprach. Die Straßen waren weiträumig gesperrt, und um zur Jackson Street zu kommen, würde er einen weiten Umweg fahren müssen, aber das nahm er gerne in Kauf. "Und was wär die Polizei für ein Freund und Helfer, wenn ein Officer in seinem warmen, trockenen  Wagen heimführe, und eine Dame schutzlos durch dieses Unwetter laufen ließe?"
Er lächelte gewinnend.
"Nun, was sagen Sie?"
Carolyn presste die Lippen aufeinander.
Sie dachte an ihren roten Regenschirm, den sie irgendwo auf der Witcham Street liegen gelassen hatte. Falls er noch dort lag, und nicht fortgeschwemmt worden war...
Sie dachte an die menschenleere Straße, die vor ihr lag, an den Stromausfall, der sie ihrer spärlichen Beleuchtung beraubt hatte.
Sie dachte an das Blut, das in den Rinnstein geflossen war, und sie dachte an das Ding, das ihr aus dem Gully empor gegrinst hatte.
"Gern, Officer", murmelte sie schließlich matt. "Danke für Ihre Freundlichkeit."
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