Die Geschichte zweier Schwestern II - Die Rote Arena

von Nakago
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Leia Organa OC (Own Character)
16.05.2018
25.07.2018
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Star Wars
Die Geschichte zweier Schwestern
Die Rote Arena

Vorwort


So geht nun "Die Geschichte zweier Schwestern" in die zweite Runde. Auch das hier ist noch ein Teil der Vorgeschichte. Den ersten Band findet man hier:

https://www.fanfiktion.de/s/5ab26c120001b5fcbd50c2c/1/Die-Geschichte-zweier-Schwestern-Prolog

Episode I


Ich habe versagt! Mal wieder. Von den 83 Sklaven sind noch knapp ein Dutzend in der großen ovalen Trainingshalle, in der es nach Schweiß riecht. Einen Tag lang haben die Sponsoren Zeit gehabt, uns aus der verspiegelten Galerie zu beobachten und sich die Rechte an uns zu sichern. Nach und nach waren die Glücklichen nach dem Mittagessen in andere Bereiche, sprich zu ihren gesponserten Häuser, abgeführt worden. Was jetzt noch übrig ist, dass ist der Bodensatz unserer Klasse. Und darunter bin auch ich. Letztendlich ist es keine Überraschung, dass ich keinen Sponsor gefunden habe. Ich bin gerade mal zwölf Jahre alt, nicht gerade das beste Startalter für einen Gladiator. Nur noch wenige Minuten, dann ist die Auktion vorbei. Obwohl es eigentlich sinnlos ist, versuche ich im Kampf gegen einen Trainingsdroiden zu punkten. Nicht das ich nicht versucht hätte, in den letzten Stunden alles zu tun, um auf mich aufmerksam zu machen.

Seit einem Dreivierteljahr bin ich im Training. Tag ein, Tag aus, ohne Unterbrechung. In dieser Zeit bin ich zehn Zentimeter gewachsen und habe fünfzehn Kilo zugelegt. Laut meinen Werten fast ausschließlich Muskel und Knochenmasse. Eine spezielle, für meinem Organismus optimierte Diät macht das möglich. Schließlich wollen die Hutten an mir noch Geld verdienen, bevor ich in der Arena sterbe. Und um eine gute Show abliefern zu können, brauche ich den entsprechenden Körper und das notwendige Können. Die Zuschauer wollen nicht nur blutige Kämpfe sehen, sondern auch spannende. Und was am allerwichtigsten ist, darauf zu wetten, wer gewinnt, wie viele Treffer dafür notwendig sind und noch viele andere Dinge, die teilweise mehr als nur krank zu nennen sind. Aber hier sind wir auf Nar Shaddaa, wo ein Leben einen genauen Wert in Credits hat. Als kleines Kind auf Corellia habe ich meine Mutter mal gefragt, wie viel ich Wert bin. Sie hat wie jede Mutter geantwortet: Mehr als alle Credits der Galaxis zusammen und noch viel mehr. Hätte ich das hier auf Nar Shaddaa gefragt, hätte sie nur die entsprechende Tabelle nachschlagen müssen.

Der Droide greift an, ich weiche seinem Hieb aus, kontere und setze einen präzisen Wirkungstreffer mit meinem Kampfstab. Wieder ein Punkt für mich. Noch gibt es Hoffnung, jemand auf mich Aufmerksam zu machen. Einen Sponsor zu finden, der mein Überleben in der Arena ermöglichen wird. In drei Monaten wird mein erster Debütkampf stattfinden. Gegen irgend eine Kreatur, die ich rein physikalisch gerade noch besiegen kann. Wahrscheinlich ein Massiff, die sind für meine Größe und Gewichtsklasse sehr populär. Aber ohne persönlichen Trainer und guter Ausrüstung wird das ein recht einseitiger Kampf werden und mit fast hundert Prozentiger Sicherheit mit meinem Tod enden. Mit einem Sponsor, der mir das notwendige Know How vermittelt und auf mich abgestimmte Ausrüstung stellt, sieht das dann nicht mehr so einseitig tödlich für mich aus. Mit weiteren Hieben treibe ich den kleinen Droiden vor mich her, setze nach und schlag ihn schließlich um. Das war eine gute Leistung, aber wahrscheinlich schaut eh keiner mehr zu.

Die einzige andere Möglichkeit auf Rettung ist mein Vater, der mich sicher schon lange sucht. Ich hoffe, er weiß, wo ich bin und tüftelt mit seinen Kameraden schon an einen Plan, mich aus dieser Hölle zu befreien. Bis jetzt hat er sich ja ziemlich viel Zeit gelassen, aber in meinem innersten weiß ich, dass er mich retten wird. Immerhin ist er mein Papa und Väter gibt es, damit sie ihre Töchter aus einer gefährlichen Situation retten können. Schließlich handelt fast jeder zweiter Holoactionfilm davon. Aber manchmal, in der tiefe des Nachtzyklus, starre ich in die Dunkelheit und ein starker Zweifel bohrt sich in mir. Der Zweifel, dass mein Vater vielleicht schon längst aufgegeben hat. Aber das darf einfach nicht sein. Vielleicht ist auch schon lange mit der Rettung von Eloy beschäftigt, sie ist jünger und dadurch ungleich gefährdeter als ich. Ich hoffe jedenfalls, dass Eloy inzwischen von unserem Papa in Sicherheit gebracht wurde.

"Subjekt LA11-HC-M1, bitte folgen sie mir!", reißt mich eine künstliche Stimme aus meinem Selbstmitleid. Neben mir schwebt eine kleine Kugelförmige Droideneinheit. Wir Sklaven nennen sie Beobachter, weil sie im Zentrum ein großes Kameraauge haben, dass mich gerade surrend fixiert. Im ersten Moment kann ich es gar nicht glauben, dass mich wirklich noch jemand erwählt hat. Da ich wohl zu lange zögere, bekomme ich einen kleinen elektrischen Stromstoß von meinem Sklavenhalsband. Das erinnert mich daran, dass ich meinen zukünftigen Herren am besten nicht länger warten lasse. Angeblich können die Stromstöße dieser Halsbänder sogar tödlich für einen Menschen sein. Ich habe das zwar noch nie mit eigenen Augen gesehen, aber ich schätze, dieses Ding um meinen Hals kann mich töten, wenn ein Aufseher das so will.

Nun komme ich dir Aufforderung nach, steige aus dem Ring, stelle meinen Kampfstab in eine dafür vorgesehene Halterung zurück und folge dem Droiden in einer Mischung aus Bangen und Hoffen durch die fast menschenleere Halle. Ich spüre die Blicke der anderen übriggebliebenen neiderfüllt auf mir ruhen. Was jetzt noch übrig ist, dass sind die zu alten, die schwachen, die langsamen und zu jungen. Für sie wird es wohl keine Rettung mehr geben. Wobei ich mich frage, wer mich erworben hat. Und aus welchem Grund. Als Sklavin habe ich recht wenige Rechte. Und ich bin inzwischen alt genug um zu wissen, was gewissenlose Männer mit wehrlosen Frauen machen, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Da mache ich mir keine Illusionen. Ich bin zwar noch nicht fraulich gerundet, aber manche sollen darauf nicht besonders viel Wert legen. Diese Gedanken machen mir durchaus Angst und versuche zur Seite zu schieben, was mir aber nicht wirklich zu gelingen vermag.

Ich fahre mir über die Haarstoppeln, da mir das Haar jede Woche geschoren wird. Was habe ich geweint, als mir ein Droide den Kopf zum ersten mal geschoren hat und meine Zöpfe von mir abfielen, auf die ich immer so stolz war. Der erste Tag in der Roten Arena kam mir vor wie ein einziger Alptraum. Da ich eine registrierte Einwohnerin von Nar Shaddaa getötet und obendrein noch illegal hier gelebt habe, gab es nur eine Strafe für mich: Tod in der Arena. Dem Richter hat es nicht interessiert, dass ich in Notwehr gehandelt habe. Wer tötet, wird getötet, außer er hat genug Geld, um eine horrende Geldstrafe zu bezahlen. Oder ist Hutte, für die gelten sowieso andere Gesetze. Und da die Hutten aus allem ein Geschäft machen, werden Mörder nicht einfach hingerichtet, sondern in Arenen verkauft, um dort Publikumswirksam zu sterben. Eine Grundausbildung ist Pflicht, schließlich soll dem Zuschauer auch etwas geboten werden. Dann kommt das Bieten, Sponsoren dürfen Anteile der Gladiatoren erwerben. Dabei bleibt ein Anteil immer bei der Arena, die anderen 99 Anteile können auf dem freien Markt erworben werden. Allerdings erwachsen daraus auch Verpflichtungen, wie den Gladiator zu trainieren, ihn zu ernähren, auszurüsten und zu kleiden.

Der Droide führt mich zu einem Turbolift und es geht nach oben. Der Lift hält, wir steigen aus in einen Gang. Hier oben war noch nie. Das Ambiente sieht nicht gerade Nobel aus. Da es hier nur Huttische Schriftzeichen gibt, kann ich nicht lesen, was hier steht. Aber ich denke, in diesem Level sind die kleinen Häuser untergebracht. Das war zu erwarten gewesen, da mich wahrscheinlich keine der großen Häuser nehmen würde. Zu jung, zu klein, zu schwach. Eigentlich spricht alles gegen mich. Schließlich öffnet sich eine Tür aus massivem Durastahl vor uns und wir betreten zuerst eine kleine Schleuse, bevor wir in die dahinter liegende Halle kommen. Es gibt verschiedene Trainingseinrichtungen und einen Kampfplatz. Alles wirkt neu und ich kann frische Farbe riechen.

Durch eine weitere Tür betreten wir einen Gang, von dem weitere Türen links und rechts abgehen. Auch hier wirkt alles unbenutzt und frisch renoviert. Gut möglich, dass dies ein ganz neues Haus ist, dass nun auf dem Markt drängt. Der Droide führt mich in eine weitere Sicherheitsschleuse, in der ein Sicherheitsdroide mit einem Blastergewehr mit aufgepflanzten Vibrobajonett in Vorhalte Wache hält. Nachdem sich die eine Tür geschlossen hat, öffnet sich erst die andere. Was wir nun betreten wirkt wie das Quartier des Besitzers. Die Wände sind weiß lackiert, weicher Teppich auf dem Boden und an den Wänden hängen hübsche Landschaftsbilder. Alles wirkt äußerst gediegen. Nobel, aber nicht protzig.

Schließlich werde ich in ein Büro geführt, dessen hintere Wand aus einer durchsichtigen Front aus Transpariglas besteht. Der Teppich ist noch flauschiger, die Einrichtung luxuriös und doch geschmackvoll. Mein Blick bleibt zuerst auf die Aussicht fokussiert, sehe ich doch seit einem dreiviertel Jahr zum ersten mal die Stadt mit ihren grellen Reklametafeln. Wenn man sich immer nur in geschlossenen Räumen aufhält, ist ein kurzer Moment einer freien Aussicht ein unschätzbarer Luxus. Ich stelle mich in der typischen Sklavenhaltung in die Mitte des Raumes. Beine leicht gespreizt, die Arme so auf dem Rücken verschränkt, dass ich jeweils mit der Hand den anderen Ellenbogen umgreifen kann. Mein Haupt wie auch Blick sind leicht gesenkt. Einen der fünf Peitschennarben verdanke ich den Umstand, dass ich mich Anfangs gegen diese Haltung gesträubt habe. Aber so ein Hieb mit einer Neuralpeitsche tut so unglaublich weh, dass es bei diesem einen Versuch geblieben ist.

Hinter dem Schreibtisch sitzt eine grünhäutige Frau. Im ersten Moment halte ich sich für eine Sakiyan, da diese die gleiche Hautfarbe und ihre dunkle Haarpracht in ähnlicher Art tragen. Aber die Beschaffenheit der Haut ist etwas anders, eher Schuppenartiger. Ich bin nicht sicher, aber ich denke, ich habe eine Falleen vor mir. Falleen ist eine Welt im Mittleren Rand an der Corellianischen Schnellstraße gelegen. Im Klonkrieg standen sie auf der Seite der KUS und sind seitdem unter Imperialer Besatzung. Mit Hilfe ihrer Pheromone können sie andere humanoide Lebewesen manipulieren. Die Welt ist in viele kleine Königreiche zerfallen, aus deren Reihe wiederum ein zentraler Rat gewählt wird, der überregionale Belange regelt und die Welt nach außen hin vertritt. Aber das war der Stand vor den Klonkriegen und ich weiß nicht, ob das im heutigen Imperium auch noch so ist. Das ist alles, an was ich mich diesbezüglich über Falleen erinnern kann. Es war eine meiner Aufgaben, jeden Tag etwas über eine fremde Welt zu lernen und es gibt da von ja schier unzählige. Mama hat mich dann jeden Abend über meine Lektionen des Tages abgefragt und was davon hängen geblieben ist. Falleen war eine vergleichsweise interessante Welt, deswegen konnte ich mir einige Details merken.

Die Frau trägt ein weißes, prächtig mit Goldfäden besticktes Kleid, dass sehr teuer aussieht. An ihrem Gürtel kann ich zwei Blasterpistolen hängen sehen. An den Fingern hat sie mehrere Ringe, von denen einer ein Siegelstein trägt. Um den Hals hat sie ein glitzerndes Halsband und ihre Ohringe sind ziemlich groß aus einem silbernen Metall. Die Falleen macht einen beschäftigten Eindruck, da sie emsig auf einem Datapad herumtippt. Neben ihr steht ein glänzender Protokolldroide in Jadegrün der 3PO Baureihe von Cybot Galactica.

"Subjekt  LA11-HC-M1 ist abgeliefert. Bitte Empfang bestätigen und letzte Zahlungsrate überweisen!", verlangt der "Beobachter".

"Bestätige Empfang von Subjekt  LA11-HC-M1. Zahlungsrate wird überwiesen", erwidert die 3PO Einheit. Optisch sichtbar passiert nichts.

"Komplette Bezahlung von  LA11-HC-M1 ist bestätigt. Vorgang ist abgeschlossen."

"Vorgang ist abgeschlossen", bestätigt die 3PO Einheit und der kugelförmige Droide verlässt daraufhin surrend den Raum. Damit habe ich wohl einen Hauptsponsor, der immer noch damit beschäftigt ist, auf seinem Datapad herum zu tippen. Meine Mutter hat mich immer ermahnt, doch wenigstens beim essen mal das verdammte Datapad in Ruhe zu lassen. Offenbar ist diese Frau nicht so erzogen worden wie ich. Aber ich bin ja auch nur eine Sklavin, nicht mehr als ein lebender Einrichtungsgegenstand. In meinem Falle, sogar einer, mit einer sehr begrenzten Haltbarkeit. Schließlich legt die Falleen ihr Datapad zur Seite und fixiert mich mit ihren gelben Augen, die geschlitzte Pupillen haben.






Nakagos wirre Gedanken

Über das huttische Rechtssystem habe ich recht wenig gefunden. Alles was Lyra hier erzählt ist mehr oder weniger auf meinem Mist gewachsen. Aber ich fand es schlüssig, dass die Hutten ihre Justiz auch gewinnorientiert aufbauen. So was wie Gefängnisse oder Resozialisierung bringe ich für mich selbst nicht mit den mir bekannten Fakten über die Hutten in Einklang. Ich denke, alles ist nur eine Frage des Geldes und wer keines hat, der wird in die Sklaverei verkauft. Da Sklavenaufstände immer ein Thema sind und Mörder nicht unbedingt die Art von Wesen sind, die sich kampflos unterordnen, kam es mir schlüssig vor, dass die Hutten diese dann öffentlich in der Arena bei kämpfen mit hohem Unterhaltungswert hinrichten. Und um den Unterhaltungswert zu steigern und dabei durch Wetten noch mehr zu verdienen, erschien es mir nachvollziehbar, dass die Gladiatoren zuerst auf ein gewisses Level gebracht werden, damit den zahlenden Zuschauern auch was geboten wird.

Wie immer freue ich mich über Kommentare, Lob, Kritik, Anmerkungen und Empfehlungen. Vielen Dank fürs lesen.
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