Aus dem Licht ins Feuer - Vanejas Geschichte

von CreaTarik
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
15.05.2018
25.08.2019
197
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18.05.2018 548
 
Er wollte ihr den Arm entreißen, aber das Kind hatte Arme und Beine um diesen gelegt und ließ sich vom Schwung anheben. Dabei gab es ein kurzes vergnügtes Quietschen von sich, dass ihn erstarren ließ. Er blickte zur tief schlafenden Amme, dann zur Tür, aber es rührte sich nichts. Das Bettchen schaukelte leise knirschend vor sich hin.
Er überlegte schnell: Es war seine Aufgabe Kind und Mutter zu beseitigen und ein Zeichen seiner Arbeit zu hinterlassen. Das hieß nicht, dass er es nicht verschonen und bloß verschleppen konnte. Er hatte kein eigenes Kind in die Welt gesetzt - es wäre sein Beitrag zur Erhaltung seiner Familie, wie die Magier es wünschen. Zumal ein Kind mit solchen Augen. Entschlossen, die faszinierenden Augen des Kindes zumindest einmal bei Tageslicht betrachten zu wollen, verstaute er den Dolch am Gürtel und hob das kleine Kind aus seinem Bett. Nun ohne Halt baumelte das Mädchen an seinem Arm und brachte ihn beinahe aus dem Gleichgewicht, sodass er sich beugen musste, um sie auf dem Boden abzusetzen. Ihre Gesichter waren auf etwa gleicher Höhe und das Mädchen blickte ihn wieder stumm an, was ihn davon abbrachte, einfach mit Gewalt die dünnen Arme zu öffnen, die sich um seinen eigenen Arm gewunden hatten. Er seufzte: seine Zeit war längst überschritten, wer weiß, ob er es noch bis zum Morgengrauen wieder Heim schaffte.
Das Mädchen wollte den Blick nicht abwenden und er musterte erneut die weißen Augen. Dieses Mal erkannte er schwarze Pupillen, aber die Augenfarbe war matt, eigentlich weiß, es wirkte als sei sie blind, dafür fixierte sie ihn aber erschreckend genau.
"Ich nehme dich mit, aber beschwer dich nicht", flüsterte er, sich bewusst, dass sie die Worte wohl kaum verstand. Er drehte ihr den Rücken zu, legte sich seinen Arm und damit das Kind über die Schulter. Als er sich aufrichtete, griff das Mädchen erschrocken nach seinem Kragen und hielt sich fest. Er grinste amüsiert und verließ das dunkle Zimmer. Schnell zog er den Dolch und wand seinen Arm unter dem Kind hervor; würde es nur einen Ton machen, musste es sterben.
Er verharrte keinen Moment im elterlichen Schlafzimmer, schenkte auch dem Bett keinerlei Beachtung. Aber der Anblick ihrer toten Mutter schien auch das Mädchen nicht zu beeindrucken, vielleicht sah es nicht oder ihm war es egal. Das zusätzliche Gewicht störte kaum, der Kragen seines Anzuges war gestärkt und bot guten Griff, ohne dass es ihn würgte. Er kam ungehindert zum Turm zurück, stieg hinauf. Auch der zweite Soldat schlief noch tief und fest. Er trat hinaus an die frische Luft. Man konnte hinabblicken auf die gesamte Burg an deren Ende dieser Burgfried stand: Hinter dem Torhaus lag das Städtchen über der das alles thronte. Der Turm selbst stand direkt am Ufer und man konnte hinaus auf das weite Meer sehen. Das Seil, dass er vor wenigen Minuten hier hinauf geschossen hatte, hing noch immer dort. Er überprüfte den Haken und versicherte sich, dass niemand in dem kargen Uferbereich am Fuße des Turmes zu sehen war.
"Halt dich fest. Wenn du fällst, werde ich dich weder fangen, noch dich unten wieder aufnehmen." Das Mädchen reagierte indem es sich noch fester in den Kragen klammerte und die Beine in seine Seite stemmte. Er kletterte über die Brüstung und seilte sich ab.
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