Aus dem Licht ins Feuer - Vanejas Geschichte

von CreaTarik
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
15.05.2018
25.08.2019
197
110222
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Prolog


Einatmen. Ausatmen. Er spannte die Arme an und schwang sich über die Brüstung. Kaum stand er auf dem Wehrgang, hatte er seinen Kurzbogen aus der Halterung und gleichzeitig zwei Pfeile aus dem Köcher genommen.
Bevor der arme Soldat, der alleine auf der Spitze dieses Turmes verweilte, seine Fackel gehoben hatte, durchschlug der erste Pfeil bereits seine Brustpanzerung.
Er kümmerte sich nicht um den lautlos Sterbenden, sondern umrundete die Turmspitze, bis er die Tür ins Innere fand. Er vergewisserte sich, dass die Tür nach außen aufging. Ohne jedes Zögern legte er die Hand auf die Klinke und drückte sie herab, um im selben Moment seinen Bogen zu spannen und den Fuß in den entstandenen Spalt zu schieben. Mit eben diesem Fuß riss er die Tür auf, die Spitzen der angelegten Pfeile zielten jeden Winkel in dem dahinter liegenden Raum an und fanden einen weiteren Soldaten. Eine Fackel an der Wand verströmte mattes, flackerndes Licht und zwangen ihn für den Moment in Ungewissheit in der seine Augen sich noch die Nacht abgewöhnten. Doch der Gerüstete hing auf einem Stuhl hinter einem massiven Tisch und atmete tief und gleichmäßig.
Der Mann senkte seinen Bogen und gestattete sich ein kurzes Lächeln. Dann entspannte er die Sehne und griff an seinen Gürtel, wo er einen Beutel nahm, ihn mit den Zähnen öffnete und geschickt ein wenig von dem grünlichen Pulver auf seinen Finger strich.
Mit zwei schnellen Schritten war er bei dem Schlafenden und legte ihn den Finger unter die Nase. Zwei Atemzüge später hatte der Soldat alles eingeatmet. Der Mann nahm wieder den Bogen und spannte ihn, während der Soldat noch verschlafen versuchte die Augen zu öffnen, bevor die Wirkung des Pulvers ihn erneut schlafen legte.
Für ein paar Sekunden horchte der Mann auf andere Bewegungen, dann hob er die Falltür inmitten des Raumes an und legte sie sachte offen. Innerhalb von wenigen Augenblicken hatten sich seine Augen wieder an die dahinter liegende Dunkelheit gewöhnt und er konnte sich die steinerne Spiraltreppe hinabwagen; immer den Bogen in das Rund vor ihm haltend. Jedes Viertel der Treppe hing ein Fackelhalter, aber niemand hatte sie entzündet, sodass er nach wenigen Metern in tieferem Dunkel ging, als es zuvor die Nacht gewesen war.
Er überlegte, ob er nicht sein Schwert ziehen sollte - für einen plötzlichen Nahkampf sicher die weitaus bessere Waffe - aber er verwarf den Gedanken. Selbst wenn eine Wache beschließen sollte ihm entgegen zu kommen, so wird diese kaum Vorsicht walten lassen und sich weit im Voraus bemerkbar machen.
Einige Runden später hatte er die unterste Ebene erreicht. Einzig eine schwere Tür stand noch im Weg hinein in das Allerheiligste dieser Burg. Er schob sie auf, blieb aber im Dunklen des Turmes und schaute nur einige Augenblicke auf den Spalt durch den Licht fiel, bevor er die Tür ganz öffnete und hindurch sah. Der Gang hier war mittig mit milchig weißem Teppich aus feinster Wolle ausgelegt, die Wände in beigem Stein und dekoriert mit Gemälden, die allerlei Persönlichkeiten zeigten. Alle paar Meter hingen Öllampen und erzeugten stetes Licht. Vier weitere Türen gingen hier ab, bevor der Gang quer zu einem Zweiten auslief; eine der Türen davon war geöffnet. Es war die Bereitschaftskammer der Dienerschaft. Dort würde jemand sein, wie erwartet, ansonsten war keine Menschenseele zu sehen.
Beim ersten Schritt auf den edlen Teppich bedauerte er noch dieses edle und sicher aus fernen Ländern herbei geschaffte Stück beschmutzen zu müssen, aber dann konzentrierte er sich auf die offenstehende Tür. Mit dem Bogen bereits darauf zielend, näherte er sich ihr. Er hoffte, dass, wer immer in dem Raum war, vielleicht unaufmerksam war, eventuell ebenfalls schlief, sodass er unbemerkt vorbei kommen würde, aber er wusste, dass er sich nicht erlauben konnte, dass der Bereitschaftsdiener etwas mitkriegte.
Langsam kam erst eine dünne Schrankwand in Sicht, dann die Rückenlehne eines Stuhles. Eine junge Magd saß dort, vornübergebeugt, auf den schweren Holztisch gelegt, die Arme gekreuzt und das Kinn aufgesetzt. Sie hatte die Augen geschlossen und atmete flach. Zu flach.
Diener gibt es zwei verschiedener Arten: Diejenigen, die ihre Arbeit und ihren Arbeitgeber hassen und auf verschiedenste Art und Weisen geknechtet sind und diejenigen, die ihren Herren treu ergeben sind und jeden Auftrag geflissentlich ausfüllen.
Er hatte nicht die Zeit herauszufinden, ob sie - von seinem Erfolg ausgehend - glücklicher werden würde, wenn er sie ins Jenseits entließ oder ob sie die Wachen alarmieren würde, sobald er die Tür passierte. Er spannte die Sehne ein wenig weiter. Das leise Knirschen ließ ihren Kopf hoch rucken und er blickte in entsetzte Augen.
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