Mendle the broken

KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark
15.05.2018
15.05.2018
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Sie gingen sich aus dem Weg, oder besser gesagt, Tony ging Rogers aus dem Weg. Es war ein Balanceakt den Tony vielleicht in den letzten beiden Jahren etwas vernachlässigt hatte aber immerhin in seiner Jugend fast perfektioniert hatte.
     
Es war geradezu lächerlich einfach Rogers aus dem Weg zu gehen wenn man bedachte, dass die Hälfte der Menschheit mit einem Fingerschnipps ausgelöscht worden war. Der Stützpunkt wirkte leerer als er es jemals getan hatte, selbst als sie sich zerstritten hatten (wie die Beatles). Aber Tony konnte Friday dazu abstellen, ihn zu alarmieren wenn eine bestimmte Persönlichkeit in seine Richtung kam.

Rhodey durfte ihn besuchen, Bruce wollte Tony am liebsten nie wieder gehen lassen und Thor war anders und aus diesem Grund behielt Tony ein Auge auf ihn. Romanoff hatte es geschafft Friday auszutricksen. Barton war sonst wo. Lang war sonst wo. Wilson war … Nicht daran denken!

Sie waren sein Team gewesen, obwohl es so lange her zu sein schien. Sie waren seine Freunde gewesen, bevor Bruce ohne ein Wort verschwunden war (was Tony verstehen konnte, vollkommen, er macht ihm keine Vorwürfe, nicht im geringsten), bevor Rogers sich entschieden hatte (und nicht für Tony, denn wer entschied sich denn für Tony), bevor Romanoff sich entschieden hatte (gegen Tony, denn natürlich entschieden sich am Ende keiner für Tony) und bevor Rhodey vom Himmel gefallen war.

Auch wenn immer behauptet worden war, dass Anthony Stark kein Herz besaß, so fiel es ihm beschämend schwer, mit Dingen abzuschließen. Er wollte ihnen verzeihen, wollte dass alles wieder gut wurde, wollte, dass sie wieder die Avenger sein würden. Aber wer entschied sich schon für Tony?

Also ging er Rogers aus dem Weg, machte spitze Bemerkungen gegenüber Romanoffs neue Haarfarbe und machte Bruce Tee. Und er redete mit Thor, ununterbrochen, redete und redete während er an seiner Rüstung feilte, seine Wunden heilen ließ und allgemein versuchte, nicht vollkommen den Verstand zu verlieren.

Thor war … anders. Es gab etwas, was zwischen ihm, Bruce und dem Universum passiert, worüber er nicht reden mochte. Denn wer redete schon mit Tony? (Loki war tot, sein Bruder war wirklich tot und das machte Thor zu schaffen, denn anscheinend war Loki nie wirklich tot und nun war er wirklich tot.)

Tony baute ihm ein neues Auge, denn was Tony konnte, war Dinge zu erfinden und Dinge wieder zu reparieren. Und das Universum konnte im Moment einige Reparaturmaßnahmen gebrauchen. Und er redete nicht mit Rogers. Denn, wenn sich auch alles in ihm danach sehnte, sich einen Schawarmazu zu bestellen, so spürte er immer noch die Kälte unter seiner Haut.

„Wir müssen reden“, sagte Rogers, mit verschränkten Armen und durchgedrückten Rücken. Tony hob wortlos die Kaffeetasse an die Lippen. Sie waren allein, natürlich waren sie es, denn sie waren nur noch wenige und die Verbleibenden wussten, dass die Spannung zwischen Iron Man und Captain America nichts war, mit dem man im gleichen Raum sein wollte.

„Müssen wir das?“, wollte er fragen. Sie konnte sich im Kampf abstimmen, sie waren ein gutes Team, etwas eingerostet und aus dem Rhythmus, aber sie würden auf dem Schlachtfeld wohl schnell wieder in alte Muster zurückfallen. Sie mussten nicht reden, manche Hunde sollte man schlafen lassen. Manche Probleme sollte man einfach so lange ignorieren, bis sie sich auflösten.

Er wollte bissig sein, wollte sagen: „Jetzt willst du reden? Nicht vor zwei Jahren, aber jetzt?“ Aber Tony war in letzter Zeit müde, zu müde um sich aufzuregen, zu müde um zu streiten, manchmal sogar zu müde um zu leben. (Er konnte nicht aufgeben, Peter war gestorben, für diese verkorkste Welt und Tony würde eher in der Hölle schmoren als nicht alles zu versuchen um dieses Desaster wieder hinzubiegen.)

Für Peter also, für Pepper, für T’Challa, für all die Menschen, die jetzt tot waren, weil Tony nicht schnell genug war. Für Strange. Für Quill. Für Drax. Für Mantis.

Seine Hände waren schwitzig und er schallt sich einen Narren. Es gab keinen Grund Angst zu haben, sie waren Verbündete. Es gab keinen Grund um anzunehmen, dass es wieder in einem Bunker enden würde.

Er rannte nicht in seine Werkstatt und drehte die Musik so laut auf, dass sein Trommelfell zu platzen drohte. Er ging nicht wortlos in die andere Richtung. Er verkroch sich nicht bei Bruce, bei Rhodey oder bei Thor.

Er war Iron Man, er würde wohl ein Gespräch mit Captain America überleben.

Rogers nahm sein Schweigen als Zustimmung, jedenfalls verlagerte er sein Gewicht auf die Ballen. Sie redeten so wie sie kämpften, sie stritten mit der selben Explosion, mit der Tony seine Gegner ins Jenseits befördern konnte und mit derselben Wucht die Rogers mit seinem Schild freisetzen konnte.

Sie schwiegen sich an mit der Kälte eines Sibirischen Winters an.

„Wir müssen zusammenarbeiten“, beginnt Rogers und Tony möchte ihn anschreien, denn wann waren sie jemals ein „zusammen“ gewesen?

„Natürlich“, sagt er stattdessen und nickt diplomatisch, so wie er es mit Investoren tat.

Rogers verzog den Mund, als hätte er in eine Zitrone gebissen. Tony wollte die Augen verdrehen, denn er war doch zugänglich oder? Was wollte er denn noch?

„Tony“, begann der Blonde und Tony nahm einen tiefen Schluck aus der Tasse um sein Gegenüber nicht in die Augen sehen zu müssen. „Ich hatte gewollt, dass du anrufst.“

„Ich war ein wenig beschäftigt“, entgegnete Tony, nicht im geringsten schnippisch sondern einfach nur um Fakten klarzustellen. Er sagte Rogers nicht, dass er das Handy in der Hand gehabt hatte, mehr als einmal und dass er angerufen hätte und dass er Rogers Stimme gehört hätte und alles hinter sich gelassen hätte, nur damit sie wieder zusammen sein konnten. Starks waren aus Eisen, und auch wenn Tony eher das Gefühl hatte, in einem Schmelzofen zu sein, Rogers konnte nicht unter diesen Stahlmantel, durfte es nie wieder.

„Natürlich“, sagte Rogers und starrte Tony an, als würde er ihn sezieren wollen. „Das was du geleistet hast, dass war wirklich unglaublich Tony, du hast uns Zeit verschafft, Zeit die viele Leben gerettet hat!“ Aber es ist nicht genug gewesen wollte Tony schreien. Es war nie genug.

„Das Gleiche gilt für euch“, sagte er stattdessen, um nett zu sein und weil er es so meinte. Wakanda hatte einen Preis für eine Welt gezahlt, die bis vor ein paar Monaten nicht zu schätzen gewusst hatte, was für ein Land da im Herzen von Afrika versteckt war. Rogers hatte auch viel verloren, Tony hatte Barnes seit seiner Ankunft nicht gesehen, oder Wanda. Aber vielleicht hatte Rogers sie einfach auch nur im Keller versteckt, um sicher zu gehen, dass Tony nicht wieder das gleiche wie in Sibirien abziehen würde.

„Willst du darüber reden? Was da oben vorgefallen ist?“ Rogers würde gleich anfangen seine Finger nervös zu kneten.

„Das habe ich bereits“, fing Tony gezwungen beherrscht an. Er wollte nicht an das denken. Er hatte gesagt, was gesagt werden musste, hatte von Strange erzählt, von Peter, von den Guardians und hatte dabei den Waschbär angestarrt, der redete und eine Waffe trug.

„Aber dir geht es nicht gut! Und ich denke, dass wir besser funktionieren, wenn …“, Rogers brach ab.

„Was bist du, mein Psychiater?“ zischte Tony zurück bevor er sich zusammenreißen konnte. Für Peter, für Pepper, sogar auch für Wanda.

„Ich bin dein Freund“, schoss Rogers zurück. „Ich will dir helfen!“

„Wir sind keine Freunde“, brüllte Tony. „Wir sind keine Freunde und waren es auch nie! Also bitte, entschuldige mich, ich muss mich darauf vorbereiten einem Wahnsinnigen sein Lieblingsspielzeug zu stehlen.“

Rogers erstarrte und für einen kurzen Moment wollte Tony nichts lieber tun als 6 Jahre in die Vergangenheit zu reisen und einfach noch einmal von Vorne anzufangen. Bevor er Ultron gebaut hatte, bevor Vision erschaffen wurde, bevor das Loch sich über New York geöffnet hatte. Bevor er Steve Rogers kennengelernt hatte.

„Ich bin nicht dein Freund“, wiederholte sich Tony ruhiger. Niemand entscheidet sich für ihn, nicht wenn man einen besten Freund vor 80 Jahren wiedertrifft. „Ich dachte ich bin es, aber ich war es nie und werde es nie sein. Wir werden einen Weg finden alle wieder zurückzubringen und dann kannst du mit Barnes in den Sonnenuntergang reiten oder was auch immer man im zweiten Weltkrieg gemacht hat.“

„Tony“, knirschte Rogers und Tony wusste, dass Rogers gerade stark daran arbeitete, sich zusammenzureißen. Nicht dass es ihn wirklich interessierte. Er hatte gedacht, dass das hier einfacher werden würde, dass er stärker war oder einfach auch dazu gelernt hatte, aber er hatte falsch gelegen und jetzt war es an der Zeit den strategischen Rückzug anzutreten.

„Was?“ entgegnete und reckte das Kinn.

„Das ist nicht das, was ich gewollt habe!“

Tony starrte den Mann an, der immer einen Schatten über ihn geworfen hatte, der immer da gewesen war, der immer wichtiger gewesen war. Es war ihm an manchen Tagen ein Rätsel, was sein Vater in Steve Rogers gesehen hatte.

„Es tut mir leid, dass Barnes nicht mehr da ist, dass du dich jetzt mit mir herumschlagen musst! Es tut mir leid, dass Barnes zu Staub zerfallen ist, dass ich überlebt habe und er nicht. Glaub mir, mir wäre es auch lieber, wenn wir uns nie wieder gesehen hätten! Es wäre mir lieber, wenn mein Leben jetzt vorbei wäre als das Leben von so vielen anderen! Mir wäre es lieber wenn Barnes hier wäre und ich nicht!“

Barnes hatte etwas gehabt, was Tony nie haben würde und deshalb hatte Rogers sich entschieden. Und Tony akzeptierte diese Entscheidung, er würde sich aus dem Staub machen sobald das hier vorbei sein würde und vielleicht den Namen wechseln und nie wieder auch nur einen Fuß nach Wakanda setzten. Er würde Bruce mitnehmen, Thor und den Waschbär und würde in eine Blockhütte ziehen und sie vor der Welt verstecken und vielleicht eine Selbsthilfegruppe gründen.

„Glaubst du, ich bin glücklich mit der Situation?“ brüllte Rogers zurück und damit konnte Tony umgehen. Sie hatten keine tiefgründigen Gespräche, sie stritten und schrien und schlugen sich die Zähne ein.

„Du hast ihn gewählt!“ Du hast ihn gewählt, du hast mich belogen, du hast die Avengers zerstört und das schlimmste von allem ist, dass ich dir verzeihen werde, sagte Tony nicht. Seine Kopf pochte und der Kaffee war vergessen auf der Kücheninsel abgestellt worden. Sie konnten vielleicht zusammen kämpfen, aber sie funktionierten nicht mehr zusammen. Vielleicht hatten sie das nie, vielleicht hatten sie sich einfach alle so lange belogen, bis die Wahrheit sich nicht mehr leugnen ließ.

„Ich habe niemanden gewählt“, wisperte Rogers und Tony lachte, laut und bitter, so sehr, dass seine Seite sich protestierend zusammenzog.

„Dann ist es für dich also keine Wahl, dass du einen Gesetzesbeschluss ignorierst, quer durch Europa rennst und mir am Ende dein verdammtest Schild in die Brust rammst?“  Denn es fühlte sich an, als würde Rogers eine bestimmte Person eindeutig bevorzugen.

„Du hättest ihn umgebracht“, hielt Rogers dagegen, defensiv.

„Wahrscheinlich“, stimmte Tony ihm zu, denn er hatte noch nie die beste Meinung von sich selbst gehabt und natürlich hatte Rogers mit allem recht, so wie immer. „Er hat meine Mutter umgebracht. Du hast es gewusst und nichts gesagt.“

Immerhin hatte Rogers den Anstand, beschämt auszusehen.

Sie machten alle Fehler, sie waren alle Menschen, aber Rogers war immer so viel mehr gewesen als ein Mensch und vielleicht tat es deshalb so viel mehr weh.

Tony atmete einmal langsam durch die Nase aus, genauso wie der Psychotherapeut gesagt hatte nachdem Tony mit gebrochenen Rippen im Krankenhaus gelegen hatte. Das entspannte und nahm den Druck von der Brust. Und seine Brust fühlte sich gerade so an, als hätte Thanos einen Mond auf ihn geworfen, mal wieder.

„Wir müssen eine Strategie entwickeln, wenn wir das hier überstehen wollen.“ Wir müssen nicht reden, wir müssen uns nicht verstehen. Wir können das tun, ohne miteinander zureden. Wir machen einfach das, was wir am besten können, schlagen, zerstören und niederbrennen. Tony wusste, dass er und Steve niemals Bucky und Steve sein würden.

„Tony“, setzte der Blonde an. „Du bist nicht wie Bucky aber das bedeutet nicht, dass du nicht mein Freund sein kannst. Zwischen uns ist nicht alles so gelaufen, wie es hätte laufen sollen, aber wir können das schaffen!“ Er sagte nicht zusammen, Tony war sich ziemlich sicher, dass Rogers nie etwas mit ihm „zusammen“ machen würde.

„Ich bin froh, dass du noch hier bist“, sagte Captain America leise, so leise dass Tony sich sehr anstrengend musste um ihn zu verstehen.

Sie hatten miteinander und gegeneinander gekämpft, hatten sich den Rücken gedeckt und die Zähne eingeschlagen. Aber Tony war es leid sich mit Rogers zu streiten. Die Luft in seinen Lungen fühlte sich zu wenig an um noch einmal 2 Jahre damit zu verbringen, Captain America die kalte Schulter zu zeigen.

„Ich bin es nicht“, erwiderte er ohne zögern.

„Ich weiß“, lächelte Steve, ganz vorsichtig und sehr zerbrechlich. Tony mochte Steves Lächeln, er mochte es, denn es bedeutet normalerweise, dass alles in Ordnung war, dass eine weiter Schlacht gewonnen war. Es erinnerte ihn an damals, als er dachte, dass vielleicht die Avengers das Potential hatte, eine der besten Dinge zu werden, die ihm jemals passiert waren.

Tony hatte sehr viel Zeit damit verbracht, über die Verträge nachzudenken, über Zemo und den Bunker. Er hatte fast zwei Jahre damit verbracht, alternative Szenarien durchzuspielen, das Handy anzustarren und seinen Kopf gegen die Wand zu knallen. Er hatte Steve wahrscheinlich schon verziehen bevor der riesige Aliendonut im Himmel aufgetaucht war. Vielleicht war es an der Zeit einen Schritt nach vorne zu gehen anstatt sich die ganze Zeit im Kreis zu drehen und zu versuchen, die Vergangenheit ungeschehen zu machen.

„Du bist ein guter Mensch“, zögernd kam Steve näher und Tony wartete darauf, dass sein Körper durchdrehte. Dass er auf Steve so reagieren würde, wie in seinen Träumen, wie er wusste, dass er reagieren würde.

Er verfiel nicht in Schockstarre als Steve ihn umarmte, aber er vergrub sein Gesicht in der Schulter des anderen und fing an zu weinen.

„Der Bart ist echt gewöhnungsbedürftig“, wimmerte er sehr erbärmlich, aber er hatte Steve vermisst, hatte all diese Menschen vermisst, die jetzt hier waren und auch nicht. Er konnte nichts wieder gut machen, aber vielleicht könnte er versuchen Schaden zu begrenzen. Vielleicht konnten sie Thanos den Handschuh abnehmen, irgendwie.

„Wir schaffen das, zusammen.“ Steve hatte ein zu gutes Herz, Tony war kein guter Mensch und wichtige Menschen waren gestorben. Tony lag weinend in Captain Americas Armen. Die Welt war ein sehr, sehr seltsamer Ort.

Und dann erzählte Tony Steve von Thanos und Strange und von dieser Vermutung die in seinem Magen rumorte.

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Dinge die ich in Infinity War vermisst habe: Aussprache! Emotionen, Drama, alle Chancen vertan. (Die Umarmung ist vielleicht ein wenig sehr hoffnungsvoll aber in der Animationsserie passiert das und ich will doch einfach nur, dass sich alle wieder lieb haben!)
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LG Anemonenfisch
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