Schmetterlingskind

von Mira93
GeschichteDrama, Romanze / P16
14.05.2018
19.05.2019
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Kapitel 26




„ Und dir geht es wirklich wieder besser?“, erneut sah Quirin seine Freundin besorgt an und strich ihr zu Kontrolle über die etwas blasse Stirn.

Nach ihren gestrigen Problemen hatten sie doch noch den Abend gemütlich in der Hütte ausklingen gelassen, natürlich musste Vanessa zuvor noch ordentlich Überzeugungsarbeit leisten,  ehe sie zurück ins Hotel der deutschen Mannschaft fuhren.
Quirin hatte seine Freundin bis zum Zimmer begleitet und war erst gegangen, als sich sicher war, dass sie auch heil im Bett angekommen war.

„ Schatz, du fragst mich das heute zum tausendsten Mal“, stöhnte sie auf und zog sich eine Jacke über ihr dünnes Sweatshirt über. „ Ja es geht mir gut und ihr könnt ganz beruhigt zum Trainieren fahren.“, zur Bestätigung gab sie Quirin, der mit verschränkten Armen im Zimmer der beiden Mädels stand einen Kuss auf die Wange.

Mit hochgezogenen Augenbrauen sah er ihr zu, wie sie sich ihre Turnschuhe überstreifte. „ Und du gibst auch heute wirklich Ruhe?“, setzte er wieder an und genervt seufzte Vanessa auf.

„ Das jetzt auch zum tausendsten Mal. Ja!“, sie schüttelte den Kopf und band sich hektisch ihre Schuhbänder.
„ Und du brauchst gar nicht lachen!“, rief das Paar, wie aus einem Munde an Simon gewandt, der lachend auf einem der Sessel ebenfalls im Zimmer saß und sich das Spektakel still angesehen hatte.

„ Wenigstens in diesem Punkt seit ihr euch heute mal einig“, achselzuckend stand er auf und klopfte Quirin auf die Schulter. „ Gibs auf. Gegen Frauen hast du manchmal keine Chance“

„ Verbündet ihr euch das etwa gegen uns?“, mit zusammengekniffenen Augen mischte sich nun auch Franziska in das Gespräch ein und sah ihren Lebensgefährten mahnend an.

Dieser hob nur lachend die Hände und trat auf den Flur hinaus. Quirin, der das ganze mit weniger Humor nahm murmelte nur: „ Ich mach mir einfach Sorgen“.
Vanessa rührte es ja und so küsste sie ihn sanft. „ Ich weiß, aber das brauchst du nicht“, meinte sie schon versöhnlicher. „ Ich mach mir heute mit Lena noch einen gemütlichen Tag, bevor sie am Abend abreist. Frühstücken, Wellness, das volle Programm eben. Die passt schon auf“, beschwichtigte sie ihm und auf Quirins Lippen kehrte langsam ein Lächeln zurück.

Er nahm Vanessa fest in den Arm und atmete ihren Duft ein. „ Es tut mir Leid, ich habe nur seit gestern etwas Angst um dich“
„ Ich weiß!“, sie strich ihm über die Wange und küsste ihn kurz. „ Aber das musst du nicht.“

Die beiden fuhren auseinander, als sie das Stimmengewirr des restlichen Teams hörten und verschafften zwischen sich etwas Abstand.

„ Ach seid ihr wieder da“, Erik kam mit Arnd  lächelnd auf die beiden Schlierseer zu.
„ Seid ihr ne Weile gestanden auf der A 8 oder? Hab gehört, dass gestern ordentlich Stau war“, meinte er an die beiden gewandt.

Unauffällig warf Quirin Vanessa einen Blick zu, doch diese zuckte kaum merklich mit den Schultern. Was meinte der Thüringer bloß?

„ Ich hab Erik gestern erzählt, dass ihr beide spontan nach Hause gefahren seid“, kam ihnen Simon plötzlich zur Hilfe und lächelte die Beiden an. „ Er hat euch gesucht für den Karaokeabend“

„ Achso“, lachend sprang Vanessa darauf an. „ Ja das war eine ganz spontane Idee, deswegen wusstet ihr nichts davon“

„ Dachte ich mir schon“, warf Arnd lächelnd ein. „ Da habt ihr schon Glück, dass ihr nicht weit Heim habt.“

„ Ja schon ziemlich“, bestätigte Quirin nickend. „ Aber gestern hätten wir es uns schon sparen können. Wir haben ewig gebraucht bis wir wieder zurück waren. Tausend Umleitungen“

„ Ja furchtbar diese ewigen Staus“, gab Erik zu verstehen und schüttelte den Kopf.

Sofort waren die beiden Männer in einen Smalltalk über die Verkehrslage, Staus und die Zunahme der LKWs vertieft. Vanessa wandte sich etwas ab und ging neben Simon die Treppe hinunter.

„ Danke. Du hast echt was gut“, ehrlich erleichtert sah sie ihn an und der Freund ihrer besten Freundin grinste nur. „ Ist doch kein Problem gewesen“


In der Lobby verabschiedete sich die Schlierseerin vom Rest der Gruppe und schlug ihren Weg gen Speisesaal ein. Magdalena wartete schon an einem kleinen Tischen auf sie und winkte ihr zu, als sie die Brünette im Türrahmen entdeckte.

„ Na du alles gut?“, sie nahm sie zur Begrüßung kurz in den Arm und nickend setzte sich Vanessa zu ihr an den Tisch.

Magdalena hatte bereits Kaffee bestellt und goss der Biathletin etwas in die Tasse.
„ Ich freue mich schon richtig auf den gemütlichen Ausklang heute“, lachend lehnte sich die Wallgauerin in ihrem Stuhl zurück.

„ Dann kannst du dich tiefenentspannt wieder Seppis Trotzanfällen stellen“, grinsend zwinkerte Vanessa ihrer Freundin zu. „ Ohjaa“, die Sportexpertin biss in ihr Brötchen.

„ Übrigens liebe Grüße von Vreni“, meinte sie mit vollem Mund. „ Sie hat mich kurz bevor meine Mutter sie in den Kindergarten gebracht hat angerufen und nach  dir gefragt“

„ Echt?“, erstaunt sah Vanessa auf. „ Obwohl ich schon ewig nicht mehr bei dir war, kann sie sich an mich erinnern?“

„ Ja“, Lena schmierte sich etwas Butter auf die zweite Semmelhäfte. „ du hast anscheinend einen bleibenden Eindruck hinterlassen“

„ Ich fühle mich geehrt“, lachend schob sich die Schlierseerin ein Stück Apfel in den Mund.

Nachdem die beiden in aller Ruhe fertig gefrühstückt hatten und den alle Neuigkeiten ausgetauscht waren, zeigte die Uhr bereits halb zwölf an.

Da sie ja noch ein paar entspannende Stunden im Spabereich geplant hatten, standen sie schließlich auf und verließen den Speisesaal.

„ Ich muss noch kurz nach oben und meine Badesachen holen“, Vanessa deutete auf die Treppe und ging nach oben.

Bereits auf der zweiten Stufe wurde ihr erneut schwindelig und vor ihren begann alles zu Flimmern. Das Atmen fiel ihr schwerer und sie fühlte sich, als verließe sie gerade ein Kettenkarussell, das sich mit enorm hoher Geschwindigkeit gedreht hatte. Ihre Beine wurden schwer und sie schaffte es gerade noch bevor ihr schwarz vor Augen wurde, sich auf eine der vielen Stufen setzten.

„ Vanessa, alles in Ordnung?“, besorgt hatte sich Lena neben sie gekniet und musterte die bleiche Athletin, die stöhnend ihren Kopf an der Wand anlehnte. Vanessa konnte nichts sagen, denn schon wieder durchkroch diese furchtbare Übelkeit all ihre Poren.

„ Komm steh mal auf und setzt dich auf die Couch“, ruhig strich Lena ihr über den Arm und griff nach ihrer Hand. Vanessa schaffte es kraftlos aufzustehen und auch ein paar Schritte zu gehen, doch schon nach wenigen Metern sackten ihre Beine erneut zusammen.

„ Okay“, stellte Lena fest, die gerade ihre Freundin noch abstützen konnte. „ Du setzt dich jetzt da hin und ich hole mein Auto. Ich bring dich jetzt ins Krankenhaus. Das ist doch nicht normal, dass dich deine Verausgabung von Samstag gleich so lange lahm legt.“


*   *   *   *   *

Magdalena hatte ihre Freundin sofort nach ihrem erneuten Schwächeanfall ins nächste Krankenhaus gebracht. Gott sei Dank herrschte in der Notaufnahme kaum Betrieb und so wurde die Schlierseerin sofort untersucht. Vielleicht war es auch ihr Name, der ihr einen Vorteil verschafft hatte. Im Chiemgau kannte man die bekannte Biathletin Hinz einfach.

Nach Abschluss der Untersuchungen musste sie noch auf die Ergebnisse warten und Lena hatte sich zur in das Untersuchungszimmer gesellt. Der kleine Raum mit den kahlen Wänden hatte ein kleines Fenster, das in den Hof führte. Außer einer Uhr und einem Bild neben der Tür, auf dem das Gehirn abgebildete war, fand man nichts was das Zimmer in irgendeiner Weise verschönerte.

„ Geht’s dir besser?“, besorgt sah sie die Jüngere an, die nickte. „ Ja, irgendwie war gerade wieder der Dampf draußen“

Nickend sah die Wallgauerin ihr ins Gesicht, das Gott sei Dank nicht mehr ganz so bleich war, wie vorhin. „ Ich habe Quirin informiert“, klärte  die zweifache Mutter sie auf.

„ Woher weißt du?“, stotterte die Schlierseerin. „ Und was denken die anderen?“ So vielen Fragen brannten in ihrem Hirn, doch das Nachdenken bescherte ihr nur wieder Kopfschmerzen.

„ Ich bin deine Freundin. Schon seit langen. Ich hab doch gemerkt, dass da zwischen euch was ist“, lächelnd strich die Blondine ihr über den Arm. „ Und mach dir keine Sorgen. Das Training war schon vorbei und er saß alleine im Auto“, versicherte sie ihr.

„ Danke“, flüsternd sah Vanessa sie an. Mehr konnte sie nicht sagen. Sie fühlte sich einfach nur so unfassbar müde.

„ Nicht für das“, Lena lächelte sie erneut aufmunternd an. Vanessa wusste, dass sie ihr zu hundert Prozent vertrauen konnte.

Sie saßen noch eine Weile da, ehe sich die Tür öffnete und der Arzt des Klinikums eintrat. Magdalena stand auf und drückte nochmals Vanessas Hand. „ Ich warte solange draußen auf dich“

Sie schloss die Tür hinter sich und lehnte sich an die Wand. Insgeheim hatte die Wallgauerin schon eine Vermutung, was der Brünetten fehlen würde, doch sie wagte es nicht auszusprechen. Wenn sich ihre Vermutung bestätigen würde, würde das Vanessas aktuelle Probleme keineswegs einfacher machen.


Lange konnte die ehemalige Biathletin nicht mehr darüber nachdenken, denn völlig abgehetzt kam schließlich Quirin an. Die Sorge stand ihm regelrecht ins Gesicht geschrieben, denn auf seiner Stirn hatte sich eine dicke Sorgenfalte gebildete.
„ Wo ist sie?“, aufgebracht sah er Lena an. „ Drinnen“, Lena deutete auf die Tür, die zum Behandlungsraum führte. „ der Arzt ist gerade bei ihr“

„ Weiß man schon was?“. Lena schüttelte den Kopf und Quirin stöhnte auf.
Als die Tür geöffnet wurde, trat er ohne den Arzt zu beachten ein und erschrak bei Vanessas Anblick.

Zusammengekrümmt lag sie auf der Liege und sah mit Tränen in den Augen in die Leere des Raumes. Sie schien irgendeinen imaginären Punkt an der Wand zu fixieren.

„ Schatz was ist den los?“, besorgt und mit zwei Schritten stand Quirin neben seiner Freundin und ergriff ihre zitternde Hand.

„ Quirin … „, ihre Stimme zitterte, genau so stark, wie ihre Hand, als sie ihn mit krächziger Stimme ansah. „ Ich bin schwanger“


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Hey ihr Lieben,

kurze Frage, weil es mich interessiert. Habt ihr es schon geahnt?
Durch all die Anzeichen der letzten Kapitel, den Titel oder eventuell auch den Prolog?
Würde mich echt interessieren, ob und seit welchem Zeitpunkt!
… und wie denkt ihr denn wird Quirins Rektion ausfallen, so langsam kennt man ihn ja ganz gut!
Freue mich über eure Antworten!


Bis bald eure Mira
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