taboo breach

GeschichteDrama, Thriller / P18
OC (Own Character) Theodore "T-Bag" Bagwell
13.05.2018
22.02.2019
8
32.262
10
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13.05.2018 3.151
 
***

A/N:
Kapitelupdates werden in unregelmäßigen Zeitabständen kommen. Dennoch wünsche ich viel Spaß beim Lesen ;-)

***

The Corner war eine Kneipe für Gesetzeshüter. Alles, was eine Marke trug und in irgendeiner Form das Gesetz vertrat, konnte hier nach Feierabend ein Bier oder zwei genießen. Die Kneipe war klein, rustikal eingerichtet und roch wie ein Aschenbecher. Bisher hatte ich diesen Ort immer gemieden. Damals, weil ich nicht mit meinen Kollegen ausgehen wollte. Und heute, weil ich nicht mehr auf der „guten“ Seite stand. Zumindest für die meisten. Ich genoss mittlerweile einen eher schlechten Ruf unter meinen Ex-Kollegen. Aber ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert. Und frei nach diesem Motto betrat ich an einem Freitagabend die Kneipe. Ich blickte mich um und stellte schnell fest, dass die männlichen Besucher in der Überzahl waren. Hier und da konnte ich eine Frau entdecken, aber das Corners war wohl eher ein Männerding. Ich konnte es meinem Geschlecht nicht verübeln.
An der Bar hockten viele traurige Gesichter. Müde, erschöpft und deprimiert. Schweigsam starrten sie in ihre Gläser. Der Rest der Kneipe blieb wohl den aktiveren Gästen überlassen. An runden Tischen wurde gelacht, getrunken, Karten gespielt und Geld verzockt. Noch weiter hinten befand sich eine kleine Bühne. Ein älterer Mann mit einem langen Bart saß auf einem Hocker und spielte Gitarre. Und trotzdem lief leise im Hintergrund noch eine Jukebox. Nicht gerade sehr respektvoll dem Musiker gegenüber, dachte ich. Ich ging zunächst zum Tresen und bestellte mir ein Bier. Danach versuchte ich mir einen Überblick zu verschaffen. Normalerweise lockte der Feierabend am Freitag viele Fox River Angestellte ins Corners. Und ich brauchte auch nicht lange zu suchen.
An einem der runden Tische konnte ich deutlich Bellick erkennen. Mein Gesicht verzog sich. Neben ihm saß Geary, ein Kollege der mir unbekannt war und Cooper. Mein Gesicht hellte wieder auf. Cooper war älter geworden, hatte sich sogar einen Hipster-Bart stehen lassen. Und passend dazu trug er ein Holzfällerhemd. Ich schmunzelte ein wenig. Dieses Auftreten ließ ihn gleich viel männlicher und reifer erscheinen. Bellick und Geary schenkte ich wenig Beachtung. Vor allem Brad hatte das auch gar nicht verdient. Auf dem Tresen stand ein Aschenbecher, in welchem eine Zigarette hing. Der Besitzer der Kippe blickte gerade zur anderen Seite, also griff ich zu. Mittlerweile war ich wirklich zur Gelegenheitsraucherin geworden. An Orten wie diesen griff ich immer noch gerne zu den Glimmstängeln. Mit der geklauten Kippe zwischen den Lippen, ging ich auf den Tisch zu. Grinsend präsentierte ich mich den Männern, die scheinbar aus allen Wolken fielen. „Ich wünsche einen wunderschönen Abend, meine Herren.“
„Was wollen Sie hier?“, entfuhr es Bellick prompt. Cooper hingegen stand auf und nahm mich doch tatsächlich in den Arm. Sein Bart kitzelte. Ich erwiderte die Umarmung.
„Schön dich zu sehen. Wie geht es dir?“
„Alles gut, Coop.“ Ich legte die Zigarette im Aschenbecher auf dem Tisch ab.
„Was wollen Sie hier?!“, wiederholte Brad energischer. Ich rollte mit den Augen.
„Halt deine Klappe.“ Ich war nicht mehr seine Untergebene. Ich musste mir das von ihm nicht mehr bieten lassen. „Ich bin ganz bestimmt nicht wegen dir hier!“ Geary nickte mir stumm zu, was ich kurz erwiderte. Aber Cooper war mein Ziel. „Hast du Zeit für mich?“
„Ähm. Ja? Was ist denn?“
„Nicht hier.“ Ich hakte mich bei ihm ein und führte ihn weg von dem Tisch. Bellick behielt uns im Auge, ich konnte es spüren.
„Du hast dich verändert.“, bemerkte Coop, als wir in der Nähe der Toiletten stehen blieben. Er musterte mich und ich sah an mir herab. Ja, ich hatte mich verändert. An meinem linken Arm konnte man Tattoos entdecken, die Haare waren dunkel gefärbt und die Jeans zerrissen. Aber sonst war ich doch dieselbe?
„Ich brauchte einen Tapetenwechsel.“, lachte ich.
„Also, was ist los?“
„Kannst du Bagwell etwas von mir geben?“
„Was?“
Ich kramte einen verschlossenen Brief aus meiner Hosentasche. Jedoch so, dass es niemand außer Cooper sehen konnte. Vor allem nicht Bellick. „Ich möchte, dass du ihm diesen Brief gibst.“
„Warum schickst du den nicht per Post?“
„Weil ich genau weiß, dass Bellick seine Nase tief darin vergraben würde.“
„Ja, weil es Vorschrift ist.“
„Ich will, dass nur er diesen Brief liest.“  
Cooper verschränkte die Arme vor der Brust. Und auch ich stellte fest, dass er sich doch noch mehr verändert hatte. Nicht nur der Bart und das Outfit waren neu. Er war deutlich breiter geworden, muskulöser. Kein niedlicher Junge mehr, ein Mann. Oder ein Hipster wie aus dem Bilderbuch… „Was steht drin?“
„Das ist privat.“ Ich schmunzelte leicht und schenkte ihm dann einen Hundeblick. Er musste es einfach tun. „Komm schon, Coop.“
„Ruby.“ Er seufzte auf. Sah mich an und runzelte die Stirn. „Werde ich dadurch Probleme kriegen?“
Ich schüttelte meinen Kopf. „Es ist nur ein Brief, keine Bombe.“
„Versprichst du mir, dass ich nicht gerade in irgendwas Illegales reingezogen werde?“
Ich lächelte. „Wenn ich jemandem ans Bein pissen möchte, dann hätte ich Bellick darum gebeten. Es ist wirklich nur ein Brief. Ein privater Brief.“
Seufzend wich er meinem Blick aus. Er rang mit sich. Schließlich stöhnte er genervt auf und nahm mir den Brief aus der Hand. Er steckte ihn in seine Hosentasche. „Zufrieden?“
Ich sprang ihm in den Arm. „Ja!“, stieß ich dankbar aus und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Danke.“
„Bitte.“, kam es etwas überfordert von ihm und ich ließ ihn wieder los. „Willst du noch was trinken?“
Ich sah mich um und lachte. „Ich glaube, ich passe nicht mehr in den Laden hier. Ein anderes Mal gerne.“ Ich wandte mich zum Gehen, blieb jedoch noch einmal stehen. „Deine Nummer ist doch noch die alte?“
„Ja.“ Zufrieden nickte ich und ging. Vorbei an Bellick, der noch irgendetwas rief. Aber dafür erntete er nur einen Mittelfinger von mir.

***

Cooper war immer noch nicht so ganz wohl dabei. Dennoch spazierte er mit dem Brief in seiner Hosentasche durch den Zellenblock. Und ja, er hatte ihn nicht geöffnet. Obwohl die Versuchung wirklich groß gewesen war. Er wollte wissen, was sie ihm schrieb. Oder warum sie ihm schrieb. Er mochte Ruby wirklich, aber in diesem Punkt konnte er die hübsche Frau nicht verstehen. Vielleicht auch, weil er immer gehofft hatte, sie würde einmal mit ihm ausgehen. Und wer war ihm dabei in die Quere gekommen? Ausgerechnet Bagwell. Das Leben war hart unfair. Und trotzdem spielte er hier gerade den Postboten, als wäre er plötzlich wieder an der High School.
Er konnte ihr diesen Gefallen einfach nicht abschlagen, was das Gefühl aber nicht besser werden ließ. Was, wenn der Brief doch Ärger bedeutete? Sollte er ihn vielleicht doch lesen? Sichergehen? Aber sie würde Cooper doch sicher nichts Böses wollen oder? Dann hätte sie sich Bellick ausgesucht und nicht ihn. Sie kamen immer gut klar. Seufzend fuhr er mit seiner Hand in die Hosentasche und spürte das Papier unter seinen Fingern. Der Umschlag, in dem der Brief steckte, war in der Mitte gefaltet. Er könnte den Umschlag entfernen und so tun, als hätte sie ihm das Blatt Papier so überreicht.
Aber wollte er wirklich wissen, was drin stand? Es war etwas anderes, wenn man die Absender nicht kannte. Doch so würde er nicht nur in Bagwells Privatsphäre kramen, sondern auch in ihrer. Er entschied sich dagegen und blieb vor T-Bags Zelle stehen. Der Südstaatler lag auf seinem Bett, die Augen geschlossen. Sein Zellenpartner hockte auf dem Boden und las laut ein Buch.
Las er ihm das Buch etwa vor? Cooper rollte mit den Augen. Der ließ sich echt immer was Neues einfallen, wenn es um seine Anhängsel ging. Oder konnte der Rassist etwa gar nicht lesen? Doch, der konnte lesen. Er hatte ihn schon lesen gesehen.
Cooper stieß einen Pfiff aus, der Bagwell zusammen zucken ließ. Er öffnete ein Auge und schielte zu ihm herüber. Der junge Mitinsasse hatte das Buch vor Schreck beinahe fallen gelassen und versuchte nun die Seite wieder zu finden. Ob es sonst Ärger geben würde? „Was is‘?“, brummte T-Bag.
„Sorry, das ich bei deiner kleinen Lesestunde störe. Aber ich habe da etwas für dich.“
Jetzt öffneten sich doch beide Augen. Der Blick wurde wacher. „Und was mag das sein?“ Langsam richtete er sich auf. Der Andere wich zur Seite.
„Post.“ Er zog den Umschlag hervor und hielt ihn mit zwei Fingern zwischen die Gitterstäbe hindurch.
Stirnrunzelnd nahm T-Bag den Brief entgegen. „Ich weiß nicht, ob ich mich schon wieder auf eine Beziehung zu einem Wärter einlassen sollte, Hübscher.“, raunte er und leckte sich die Lippen.
„Er ist nicht von mir.“, stöhnte Cooper. „Keine Ahnung, was sie an dir findet.“ Und damit wandte er sich ab und ging zurück zum Kontrollraum.

***

Fragend sah T-Bag dem Wärter nach, ehe er sich den Umschlag ansah. Kein Absender. Gar nichts. Einfach nur ein weißer, verschlossener Briefumschlag. Bagwell ließ sich auf seinem Bett nieder, während sein Kleiner auf das obere kroch. „Glaub ja nicht, du wärst jetzt aus dem Schneider.“, raunte er dem jungen Insassen zu, ehe er den Umschlag aufriss.
Darin befand sich ein gefaltetes Stück Papier. Ein Brief. Er zog ihn hervor, faltete ihn auseinander und ging die Zeilen durch. Jetzt wusste er auch, von wem dieses Schriftstück war. Ganz unten stand in einer schnörkeligen Handschrift ‚deine Hübsche‘. Ein Schmunzeln huschte über seine Züge. Und das nicht nur, weil er von Ruby kam. Nein, es war der Inhalt, der beinahe seinen Schwanz vor Freude zucken ließ. Sie wollte ihr Versprechen wirklich einhalten.
Seit ihrem Besuch waren drei Monate vergangen. Drei Monate, in denen er die Hoffnung aufgegeben hatte. Er hatte sich damit abgefunden, dass es nur leere Worte gewesen waren. Doch scheinbar meinte das Schicksal es gut mit ihm. Sehr gut sogar.
Ein leises Lachen entfuhr ihm, ehe er den Brief ein zweites Mal las, um auch nichts zu vergessen. Er wollte sich alles einprägen, ehe er ihrer Bitte nachging. In den letzten Zeilen bat sie ihn darum, den Brief in der Toilette verschwinden zu lassen. Den Beweis dieser Nachricht zu vernichten.
Er hielt sich das Papier unter die Nase. Roch daran. Und ja, er konnte sie riechen. Ihren lieblichen Duft. Genießend schloss T-Bag seine Augen und rief sich ihr Bild vor Augen. Sie musste ihr Versprechen einhalten! Er wollte sie. Jetzt noch mehr, als in der Vergangenheit. Sorgfältig zerriss er das Papier in viele, kleine Einzelteile, ehe er die Schnipsel in die Toilettenschüssel warf. Er betätigte die Spülung und wandte sich herum. „Und du wirst diesen Abend jetzt noch perfekter machen, Kleiner.“, wandte er sich lockend an seinen Zellengenossen.

***

Ich saß gemeinsam mit Joey an einem Tisch in einem kleinen Café. Joey hieß eigentlich Josefine, bevorzugte jedoch die Abkürzung. Joey passte auch viel besser zu ihr. Zu ihrer offenen, manchmal sprunghaften Art. Ihrer toughen Haltung, wenn es um das Leben ging. Sie hatte viel erlebt und das sah man ihr an. Aber das Frauengefängnis hatte uns zusammen geschweißt. Joe war meine Zellenpartnerin gewesen. Wir hatten zusammen gelebt, auf engstem Raum. Und so war eine Freundschaft entstanden, die sogar weiterlebte, als sie zwei Jahre vor mir in die Freiheit entlassen wurde. Sie hatte mir geschrieben, mich besucht, angerufen. Und jetzt saßen wir hier. „Glaubst du wirklich, dass es klappt?“
„Wieso sollte es nicht klappen?“ Joey zuckte mit den Schultern und nippte an ihrer Latte, während ich sie zweifelnd ansah.
„Keine Ahnung.“
„Hör zu.“ Sie lehnte sich vor. „Er hat ´n Anrecht darauf. Sie ist ´ne nahe Verwandte. Klar, könnte sein Gesuch abgelehnt werden. Aber wer will ´ner Zurückgebliebenen das Recht verwehren ´n letztes Mal ihren Sohn zu sehen? Egal, was er für’n Arsch war. Sorry, ist aber so.“ Sie machte sich weitaus weniger Sorgen, als ich. „Hat bei Sam damals auch funktioniert. Und die ist auch kein Unschuldslamm.“
Sams Vater hatte im Sterben gelegen. Sie hatte ein Gesuch nach dem anderen gestellt, am Ende mit der Presse gedroht, ihren Anwalt eingeschaltet, auf Menschenrechte plädiert, an das Mitgefühl der Richter für ihren Vater, der nichts für seine missratene Tochter konnte. Der Weg war lang gewesen, aber am Ende hatte sie es geschafft. Jedoch war Sam ein anderes Kaliber als T-Bag. Auf ihr Konto war lediglich der Mord an ihrem gewalttätigen Ehemann gegangen. Keine sechs Morde an unschuldigen Studenten. „Und wenn sie es ablehnen?“
„Dann kann er immer noch ein Gesuch für die Beerdigung stellen.“ Erneutes Schulterzucken ihrerseits. „Und spätestens dann müssen sie ihn lassen.“
Ich nahm einen Schluck von meinem Tee. Ein Kellner schlich am Tisch vorbei und fragte, ob wir noch etwas wünschten. Da wir beide verneinten, ging er lächelnd weiter. „Super…“ Ich seufzte auf. Eher durch Zufall hatte ich vom Zustand seiner Mutter gehört. Es stand nicht gut um sie. Die Ärzte konnten nicht sagen, wie lange sie noch hatte. Diesen Punkt hatte ich in meinem Brief verschwiegen. Lediglich Versprechungen gemacht, einen Plan aufgezeigt, wie es nach dem Knast weitergeht. Mehr nicht. Für alles andere wollte ich ihn besuchen. Es war einfach kein Thema, das man mal eben so ansprach. Schon gar nicht bei ihm.
„Wie wird er’s aufnehmen?“
Dieses Mal zuckte ich mit den Schultern. „Ich habe keine Ahnung, Joey. Entweder dreht er durch, bricht zusammen oder zeigt gar keine Regung.“
„Keine Ahnung, was dich an dem so fasziniert. Ehrlich nicht.“
„Liegt daran, dass du ihn nicht kennst.“ Ich lächelte leicht, aber es verschwand schnell. „Er hat Kopf und Kragen für mich riskiert. Seine sichere Freiheit aufgegeben. Ich bin ihm das einfach schuldig.“ Zumal er bisher noch nicht über ihren Zustand informiert wurde. Was dachte sich das Gefängnis dabei? Sie war seine Mutter, seine Taten hin oder her. Er hatte ein Recht zu erfahren, wie es ihr ging und wie schlecht es wirklich aussah.
„Schuld ist etwas, das wir uns selbst auferlegen.“
„Wo hast du denn den klugen Spruch her?“
Sie lachte auf. „Von dem Knastpsychologen. Hab ihn dann auch gefragt, was dann mit den ganzen Leuten im Knast ist. Die haben sich die Schuld ja nicht selbst gegeben.“ Die meisten zumindest.
„Und seine Antwort?“
„Hab keine bekommen.“ Sie grinste.

***

Ich war wirklich mehr als nervös, als ich im Besucherraum saß. Meine Finger trommelten auf der Tischplatte umher, wofür ich einige genervte Seitenblicke erntete. Aber das war mir egal. Ich musste diese Anspannung einfach irgendwie loswerden. Schreiend im Kreis laufen war hier keine Option…
Mein Blick erhob sich, als ich das metallische Klacken der Tür hörte. Ein Geräusch, das ich nachts in meinen Träumen hörte. Die Zeit im Knast verfolgte mich und ich konnte den Wunsch nach Freiheit mittlerweile so verdammt gut verstehen.  
Ein Wärter führte T-Bag in den Besucherraum. In Handschellen kam er auf meinen Tisch zu und setzte sich. „Ich habe mich sehr über deinen Brief gefreut.“, raunte er leise und grinste schief. Ich erwiderte sein Grinsen kurz, ehe mein Gesicht ernst wurde. Wie sagte man jemandem, dass die Mutter im Sterben lag? Gab es dafür eine Anleitung? Er bemerkte meinen Sinneswandel und runzelte die Stirn. Musterte meine Züge. „Warum so nervös?“
„Weil ich dir etwas verschwiegen habe.“
Er lehnte sich etwas vor, platzierte die Hände vor sich auf dem Tisch und sah mich direkt an. „Was?“
„Es ist… schwierig. Ich habe keine Ahnung, wie ich es dir sagen soll.“ Frustriert seufzte ich auf. Meine Finger trommelten nicht mehr. Aber ein kalter Schauer überkam mich, gleichzeitig war mir heiß. Ich hatte Angst vor seiner Reaktion.
„Jetzt spuck es schon aus.“, zischte er.
„Es geht um deine Mutter.“ Sein Gesicht wurde leer. Jede noch so kleine Regung erstarb auf seinem Gesicht. Er sah mich einfach nur an. Stumm. „Ihr geht es nicht gut.“ Besorgnis trat in seinen Blick.
„Was ist mit ihr?“
„Ich weiß es nicht genau.“ Mein Blick wandte sich ab, weil ich seinen nicht ertragen konnte. „Die Ärzte sagen,… sie sind sich sicher, dass sie sterben wird.“ Mein Herz sank mir bis in die Kniekehlen. Aber ich hatte es geschafft. Irgendwie. Vorsichtig sah ich ihn an. Sein Mund ging auf, aber er sagte nichts. Mit meinen Händen umschloss ich seine, doch er wich zurück. Zog seine Hände ruckartig zurück, wobei die Handschellen ein schabendes Geräusch auf der Tischplatte machten.
„Du lügst.“, kam es bedrohlich über seine Lippen. Ich schüttelte meinen Kopf.
„Leider nicht, Theodore.“
„Was soll das?!“
„Ich lüge nicht.“ Ich sah ihn mitleidig an, was seine Stimmung aber nur zu verschlechtern schien. T-Bag erhob sich von seinem Stuhl. „Bitte. Ich werde dir helfen, sie zu sehen.“, kam es bittend über meine Lippen.
„Du lügst.“, wiederholte er immer noch fassungslos.
„Nein!“, sagte ich.
„Bagwell! Hinsetzen oder es geht zurück!“, rief ein Wärter aus. T-Bag rang mit sich. War schon auf dem halben Weg zurück, ehe er innehielt. Mit schnellen Schritten näherte er sich mir, packte dabei den Stuhl und stellte ihn näher an mich heran. „Nah genug!“, bellte der Wärter. T-Bag schnaubte wütend und setzte sich.
„Warum erzählst du mir das?“
„Weil ich dir helfen will. Du sollst sie sehen. Und… es ist ein Ausweg.“
„Wie geht es ihr?“
„Ich habe sie einmal besucht. Sie war nicht ansprechbar. Ihre Organe… die Ärzte sagen, ihre Organe schalten sich nach und nach ab.“, berichtete ich. Es tat mir weh ihn so zu sehen. Er wusste nicht, wie er reagieren sollte. „Du wirst ein Gesuch stellen.“
„Was sie ablehnen werden.“
„Versuch es!“
„Die werden mich sie erst sehen lassen“, begann er beinahe flüsternd, „wenn sie in einem verdammten Sarg liegt!“ Seine Stimme erhob sich über die der anderen. Alles wurde still um uns herum. Der Wärter trat aufmerksam an uns heran. Die Hand am Schlagstock.
„Bagwell!“
„Klappe!“ Ein zweiter Wärter trat heran.
„Deine Besuchszeit ist um.“ Der erste Wärter legte ihm mahnend eine Hand auf die Schulter. Und das war wohl der Punkt, der das Fass zum Überlaufen brachte.
„Was?!“ T-Bag fuhr hoch, wollte sich zu dem Wärter umdrehen, doch da packten sie ihn schon. Er donnerte mit der Brust nach vorne auf den Tisch, direkt vor mir und sah mich an. „Sag ihr, dass es mir Leid tut…“, kam es viel zu ruhig über seine Lippen, ehe er sich gegen die beiden Männer wehren wollte. Doch sie waren stärker und zerrten ihn weg.

***

Ich befand mich schon auf dem Weg zum Ausgang, da lief mir Cooper in die Arme. „Das ist ja super gelaufen!“, empfing er mich und ich runzelte meine Stirn. War er im Besucherraum gewesen? Ich hatte Coop gar nicht gesehen.
„Ehekrise.“, winkte ich ab und wollte schnell aus dem Gebäude verschwinden. Ich ertrug den Geruch nicht mehr und vor allem nicht die Blicke meiner alten Kollegen. Es fehlte nur noch, dass Bellick hier grinsend vor mir stand.
„Was?“
„Ach komm schon. Was willst du hören?“
„Was war da drin los?“
Ich seufzte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich habe ihm schlechte Nachrichten überbringen müssen, okay?“ Ich wollte mich jetzt nicht mit ihm rumschlagen. Meine Gedanken waren bei Theodore und auch bei seiner armen Mutter.
„Was für Nachrichten?“
„Seine Mutter wird sterben.“ Und damit ließ ich Cooper stehen. Sollte er mit der Info doch anfangen, was er wollte. Ich war hier raus.
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