The Light We Cast

GeschichteDrama / P12 Slash
13.05.2018
24.03.2019
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Dieses Kapitel
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Kommentar
An die Treulosen, die dachte, ich schreibe hier nicht weiter: ... ihr hattet vermutlich guten Grund zu dieser Annahme. Ich bin sehr langsam. *hust*

Da das letzte Kapitel wie zu erwarten sehr lang ausgefallen ist, habe ich es noch mal in zwei Kapitel aufgeteilt.
Wie immer danke ich euch für eure UNENDLICHE GEDULD. Im Ernst. <3

... okay, ich gehe dann mal weiter über den neuen "Avengers: Endgame"-Trailer weinen... ;__;



Kapitel VI: And Guides The Way Across The Ages Deep (Part 1)


Laut Rockets Prognose würden sie den Hyperraum erst nach sechs Stunden wieder verlassen.
„Mehr geben die Antriebe nicht her“, hatte er Tony und Steve zuvor erklärt. „Wenn wir es alle unbeschadet bis zum Ziel schaffen, grenzt das schon an ein Wunder. Sobald wir den Hafen erreicht haben, sollten wir die Schiffe darum an den Meistbietenden verhökern und uns was Neues besorgen.“
„Warum sollte sie jemand kaufen, wenn sie von einer so schlechten Qualität sind, wie du sagst?“, hatte Steve stirnrunzelnd zu Bedenken gegeben.
„Ah, gut, dass du fragst.“ Grinsend hatte Rocket mit der Faust gegen die Vibraniumhülle eines der Schiffe geklopft. „Dieses Zeug, das ihr Vibranium nennt, gehört zu den seltensten und wertvollsten Metallen im Universum. Für nur zehn Kilo davon kann man in manchen Randgebieten der Galaxie bereits einen ganzen Planeten kaufen.“
Was?!“ Tony war fast die Kinnlade runtergefallen. „Soll das heißen, Wakanda sitzt auf einer galaktischen Goldmine?“
„Nur, wenn jemand den Leuten hier verrät, wie reich sie tatsächlich sind...“
An diesem Punkt hatte sich Tony zu Steve herumgedreht und ihm mit dem Zeigefinger gegen die Brust getippt. „Okay, Rogers, kein Wort zu niemandem davon, verstanden?“
Steve hatte nur gelacht.
Das war vor vierundzwanzig Stunden gewesen. Seitdem hatte die Atmosphäre im Team viel von ihrer Leichtigkeit verloren und war einer angespannten Stille gewichen.
Komm schon, dachte Steve, während sich Tony und sein anderes Ich auf der Ladefläche des kleinen Flugschiffes niederließen. Sag etwas. Es ist offensichtlich, dass es Dinge gibt, die ihr zu besprechen habt.
Es dauerte jedoch fast eine halbe Stunde, bis Tony endlich das Wort ergriff.
„Hey, Steve“, sagte er.
Sein vergangenes Ich hob den Kopf. „Hmm?“
„Erinnerst du dich noch an den Tag, an dem wir uns zum ersten Mal getroffen haben...?“
Steve war für eine Weile still.
„Du meinst damals auf dem Helicarrier?“, erwiderte er schließlich. „Ich erinnere mich, ja.“
„Es war Verachtung auf den ersten Blick.“ Tonys Stimme war voller Nostalgie.
Steve lächelte schwach. „Ich würde nicht so weit gehen, es so zu nennen, auch wenn es manchmal vielleicht nah dran war...“
Doch Tony ignorierte seinen Einwand.
„Du warst so grauenhaft korrekt und gehorsam und perfekt...“, fuhr er fort.
„Und du warst arrogant und besserwisserisch und hast alles und jeden verspottet, der anderer Meinung war als du“, erwiderte Steve.
Tony seufzte. „Das waren noch Zeiten...“
Steve nicke schweigend.
Wieder war es für eine Weile still. Dann begann Tony abermals zu sprechen.
„Hättest du damals je gedacht, dass wir eines Tages an diesem Punkt landen würden?“
„Ganz ehrlich?“ Steve lachte leise. „Nicht in meinen wildesten Träumen.“
Tony zögerte. Etwas schien ihm auf dem Herzen zu liegen.
Er brauchte mehrere Anläufe, bis er sich überwinden konnte, seine Frage auszusprechen.
„Und... fragst du dich auch manchmal, was gewesen wäre, wenn manche Dinge anders gelaufen wären?“
Der lange, nachdenkliche Blick den Steve ihm daraufhin zuwarf, war schwer zu deuten.
„Jeden Tag“, entgegnete er schließlich.
Tony schluckte.
„Aber für Fragen wie diese ist es mittlerweile zu spät“, fuhr Steve mit sanfter Stimme fort. „Jetzt können wir nur noch lernen, mit den Konsequenzen unserer Entscheidungen zu leben.“
Tony schwieg für einen Moment. Dann stand er auf und ging zu Steve hinüber, um sich neben ihn zu setzen.
„Tony...?“
„Ich war schon immer schlecht darin, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind“, murmelte er und lehnte den Kopf an Steves Schulter. „Und wenn wir eh alle sterben sollten, dann will ich wenigstens meine letzten Stunden nicht damit zubringen, mich zu fragen, was hätte sein können.“
Steve gab für lange Zeit keine Antwort. Doch dann hob er seinen Arm und legte ihn um Tony.
„... okay“, sagte er. Er schmiege die Wange an Tonys dunklen Haarschopf und schloss die Augen. „Okay.“
Nach einer Weile fielen auch Tony die Augen zu, und Seite an Seite dösten sie vor sich hin, während die Sterne an ihnen vorbeirasten.

Wenige Stunden später wurden sie unsanft wieder geweckt, als ein heftiger Ruck durch ihr kleines Schiff ging, der sie quer über die Ladefläche rutschen ließ.
„Alles okay?“, rief Steve, doch Tony war bereits wieder auf den Beinen.
„Mach dir um mich keine Sorgen“, entgegnete er und sah beunruhigt aus einem der kleinen Fenster. „Was war das?“
„Wir haben unser Ziel erreicht!“, ertönte Nebulas Stimme aus dem vorderen Teil des Raumschiffes. „Oder vielmehr das, was davon übriggeblieben ist...“
Tony und Steve tauschten einen besorgten Blick, bevor sie sich zu Nebula in das Cockpit zwängten.
„Oh mein Gott“, murmelte Steve, als er sah, wovon sie gesprochen hatte.
Sie befanden sich mehrere hundert Kilometer über der Oberfläche eines gigantischen Gasplaneten.
Vor ihnen breitete sich ein weites Meer der Zerstörung aus, in dem zwischen scharfkantigen Metallträgern, Kabeln und Glassplittern die Überreste zahlloser Raumschiffe schwebten. Der einzige, noch intakte Teil des ehemaligen Weltraumhafens war ein Komplex am Rande des Trümmerfeldes, der kaum größer als die Grand Central Station sein konnte.
„Was um alles in der Welt ist hier passiert?“, fragte Tony.
„Thanos“, sagte Nebula nur, ohne ihn anzusehen.
Zwei aufeinanderfolgende Lichtblitze lenkten die Aufmerksamkeit der drei von dem Anblick der Zerstörung fort zu dem leeren Raum zu ihrer Linken.
Steve stieß ein erleichtertes Seufzen aus, als sich die beiden anderen Schiffe aus der Dunkelheit des Weltalls schälten.
„Alle da?“, meldete sich Rocket wenig später über Funk.
„Wir sind hier“, ertönte knisternd die Stimme von Bruce.
„Wir auch“, gab Steve zurück.
„Fantastisch.“ Das war Rhodey. „Kann mir jemand erklären, was hier passiert ist?“
„Meine Vermutung? Sie haben sich nach Thanos‘ Fingerschnippen alle gegenseitig zerfleischt“, meinte Rocket.
„Oder vielleicht war es auch ein Unfall“, entgegnete Steve. „Ein Teil des Hafens scheint immerhin noch funktionstüchtig zu sein. Wir sollten dort nachforschen, was vorgefallen ist.“
„Er hat Recht“, sagte Bruce. „Lasst uns sehen, wo wir andocken können.“
Der Rest stimmte ihm zu, und ihre Schiffe setzten sich wieder in Bewegung. Sobald sie sich dem Überrest des Hafens auf wenige Kilometer genähert hatten, öffnete sich auf der Frontseite der Station eine enorme Schleuse, die Platz für alle drei Schiffe bot.
„Mir gefällt das nicht“, murmelte Rocket. „Weder antworten sie mir, noch reagieren sie auf meine Versuche, eine Videoverbindung herzustellen.“
„Ich kann nachsehen, was los ist“, bot sich Thor an.
„Wir haben keine Schleuse“, entgegnete Clint nüchtern. „Wenn du die Klappe öffnest, verlieren wir nur wertvollen Sauerstoff. Und im Gegensatz zu dir sind wir keine Götter.“
„Und wenn ich sie nur für eine Sekunde öffne...?“
„Ich glaube nicht, dass Zeit hier eine Rolle spielt, Thor“, sagte Natasha.
Sie diskutierten für eine Weile, was sie tun sollten.
„Tony, Nebula und ich werden uns näher umsehen“, beschloss Steve schließlich. „Ihr wartet solange hier draußen und haltet euch bereit für den Fall, dass wir diesen Ort schnell  wieder verlassen müssen.“
Niemand war besonders glücklich mit dem Plan, aber sie hatten keine andere Wahl. Wenn sie bessere Schiffe finden wollten, dann mussten sie die Raumstation überprüfen. Mehr als einen weiteren Sprung würden sie nach Rockets Einschätzung nicht schaffen, und sie hatten noch einen weiten Weg vor sich.
„Nur der Interesse halber: haben diese Schiffe Waffensysteme?“, fragte Tony.
„Selbstverständlich“, entgegnete Okoye, während Rocket nur ein lautes Lachen von sich gab.
„Entschuldige bitte“, meinte er, „aber das sind keine Waffensysteme.“
„Oh, sie erfüllen durchaus ihren Zweck“, erwiderte Okoye und etwas in ihrer Stimme sagte Steve, dass sie dabei lächelte, und das nicht auf die nette Art und Weise.
„Vielleicht, wenn man seine Gegner zu Tode langweilen will“, spottete Rocket.
„Wakandas Waffen sollten niemals unterschätzt werden!“, gab Okoye zurück, doch bevor Rocket antworten konnte, mischte Steve sich ein.
„Wir sind hier, um eine Aufgabe zu erledigen“, ermahnte er sie. „Reißt euch zusammen.“
Dann warf er Tony und Nebula einen Blick zu. „Auf geht’s.“
Nebula nickte kurz, bevor sie das Schiff auf die Schleuse zusteuerte.

„Ich habe ein wirklich schlechtes Gefühl bei dieser Sache“, sagte Tony leise, während die Station vor ihnen immer weiter in die Höhe wuchs. „Das alles schreit nach Hinterhalt.“
„Ich weiß“, entgegnete Steve ebenso leise. „Darum sollten wir auf der Hut sein.“
Nebula manövrierte das Schiff in die Schleuse hinein, die sich hinter ihnen sofort wieder schloss. Für einen Moment war es völlig dunkel und ein lautes Zischen erklang, als der Druck ausgeglichen wurde und sich die Schleuse mit atembarer Luft füllte, dann öffnete sich vor ihnen ein weiteres Tor, das den Blick auf die Landefläche der Haupthalle freigab.
Steve seufzte erleichtert auf, als er die Schiffe sah, die dort parkten. Es konnten nicht mehr als ein Dutzend sein, doch sie sahen weitaus weltraumtauglicher aus, als ihre eigenen.
„Vielleicht ist es keine Falle“, mutmaßte Tony. „Vielleicht sind sie einfach alle abgehauen und dieser Teil der Station läuft auf Autopilot...“
„Negativ“, warf Nebula in diesem Moment ein. „Meine Anzeigen registrieren mehrere Individuen, die sich im Kontrollzentrum der Station verbarrikadiert haben.“
Sie deutete auf die Wand ihnen gegenüber und eine Reihe von Fenstern, die dort direkt unter dem Dach der Halle eingelassen waren.
Steve und Tony wechselten einen Blick.
„Nebula, lande das Schiff kurz hinter der Schleuse“, sagte Steve dann. „Wir werden den Rest des Weges zu Fuß fortsetzen, um nicht als Bedrohung wahrgenommen zu werden.“
Nebula stieß ein Schnauben aus.
„Einen Teufel werde ich tun“, murmelte sie, bevor sie Gas gab und das Schiff direkt neben den anderen Raumschiffen parkte.
„Nebula!“, rief Steve, doch sie fuhr nur zu ihm herum, einen halb ungeduldigen, halb verächtlichen Ausdruck auf dem Gesicht. Ihre schwarzen Augen blitzten ihn wütend an.
„Wir mögen ein gemeinsames Ziel haben, aber ihr vergesst, dass ich nicht für euch arbeite“, entgegnete sie. „Und dass uns nicht viel Zeit bleibt!“
Sie schlug mit der Faust auf einen großen, schwarzen Knopf im Armaturenbrett, der die Ladefläche öffnete, bevor sie aufstand und sich zwischen den beiden Männern hindurchdrängte, um auszusteigen.
„So viel zum diplomatischen Vorgehen“, kommentierte Tony und seufzte.
Zügig folgten sie Nebula nach draußen.
Was zum...! Steve sah mit an, wie sich Tonys Arme und Oberkörper mit einer rot-gold-glänzenden Rüstung überzogen und sich eine Maske über sein Gesicht legte. Eine solche Technologie hatten sie in Tonys Werkstatt nicht vorgefunden. Ist seine Rüstung etwa Teil seines Körpers?
„Hey!“, rief Nebula in diesem Moment zu den Fenstern empor. „Wir nehmen drei von euren Schiffen! Ihr könnt sie uns freiwillig geben oder uns darum kämpfen lassen, die Wahl liegt ganz bei euch!“
Eine plötzliche Salve von Schüssen versengte den Boden vor ihren Füßen.
„Na endlich“, murmelte Nebula, und Steve sah, dass sie dabei lächelte. „Eine Antwort.“
Vor ihnen in der Wand der Halle öffnete sich eine Tür und drei schwer bewaffnete humanoide Außerirdische traten hindurch.
„Wagt es nicht, unsere Schiffe zu berühren“, sagte die vorderste der Gestalten. Äußerlich ähnelte sie einer jungen Frau, doch ihre Augen leuchteten weiß und ihre Haut war bläulich-transparent, so dass man durch sie hindurchsehen konnte.
„Ihr könnt unsere dafür haben“, entgegnete Nebula. „Wir brauchen sie nicht länger. Was wir hingegen brauchen sind Schiffe, die für längere, galaktische Reisen geeignet sind.“
„Dann müsst ihr sie woanders suchen“, meinte der Außerirdische, der zur Rechten der jungen Frau stand. Sein gesamter Körper war mit schwarzen, reptilienartigen Schuppen bedeckt.
Steve, der durch Tonys Augen sah, bemerkte plötzlich, wie sich das Anzeigensystem der Iron-Man-Software änderte und Tony den Blick hob. Einen Moment später erkannte er auch, was es war, was der andere Mann suchte.
Verborgen hinter den Fenstern des Kontrollzentrums der Station erblickte er mehrere rote Punkte – Wärmesignaturen, die zu klein für eine ausgewachsene Person waren.
„Ihr habt Kinder bei euch“, stellte Tony leise fest.
Die Außerirdischen waren für einen Moment wie erstarrt. Dann gingen sie in Angriffsposition.
„Ihr werdet sie nicht anfassen!“, zischte die junge Frau, deren Augen mit einem Mal aufgeflammt waren, und richtete den Lauf ihres Blasters auf Tony. „Sie haben bereits genug durchgemacht.“
„Ich weiß“, sagte Steve plötzlich zur Überraschung aller mit mitfühlender Stimme. „Das haben wir alle.“
Er trat an Nebula und Tony vorbei und hielt die leeren Handflächen hoch.
„Steve, verdammt noch mal, was tust du da...?“, murmelte Tony irritiert.
Doch der andere Mann ignorierte ihn.
„Wir alle haben unsere Liebsten vor unseren Augen zu Staub zerfallen sehen“, fuhr er leise fort. „Unzählige Leben im gesamten Universum wurden mit einem Mal ausgelöscht, weil ein Wahnsinniger dachte, er würde den Überlebenden damit einen Gefallen tun. Aber er lag falsch.“
„Wer?“, rief die junge Frau mit bebender Stimme. „Wer ist für das große Sterben verantwortlich?“
„Sein Name ist Thanos.“ Steves Tonfall war ruhig. „Ihm ist eine Macht in die Hände gefallen, mit der er die Realität selbst beeinflussen kann, und er hat sie missbraucht, um das Universum nach seinen Vorstellungen zu verändern.“
Die Außerirdischen warfen einander verunsicherte Blicke zu.
„Wir haben von Thanos gehört“, sagte der Mann mit den dunklen Schuppen. „Er führte gegen viele Welten Krieg. Doch dass er eine solche Waffe besitzt, davon höre ich zum ersten Mal.“
„Er hat uns alle überrascht“, mischte Tony sich in die Unterhaltung ein. „Er hat es geschafft, die sechs Infinity-Steine zusammenzusammeln, um sich damit seinen Herzenswunsch zu erfüllen. Leider kamen wir zu spät, um ihn aufzuhalten.“
Zögernd ließ die durchscheinende, junge Frau ihren Blaster sinken. „Ich hielt die Infinity-Steine immer für eine Legende...“
„Oh, glaub mir, ich wünschte, das wären sie“, erwiderte Tony.
„Wie konnte ihm eine solche Macht in die Hände fallen?“, verlangte die Außerirdische zu wissen. „Und wie habt ihr–?“
„... okay, es reicht“, fiel Nebula ihr in diesem Moment ins Wort und trat vor, um mit ihrem Blaster einen Schuss an die Decke abzugeben.
Erschrocken wich das Trio zurück, und auch Tony und Steve starrten sie überrascht an.
„Wir haben keine Zeit für sinnlosen Smalltalk!“, rief sie und warf einen ungeduldigen Blick in die Runde. „Mit jeder Sekunde, die verstreicht, erholt sich Thanos mehr vom letzten Kampf! Wenn wir ihn kriegen wollen, solange er noch angreifbar ist, und das Geschehene rückgängig machen, dann müssen wir jetzt handeln!“
Sie wandte sich an die junge Frau. „Gebt uns endlich die verdammten Schiffe, dann seid ihr uns los!“
Der dritte Außerirdische im Bunde, der bislang geschwiegen hatte, ergriff plötzlich das Wort.
„Du sagtest ‚rückgängig machen‘.“ Obwohl er von den dreien am menschlichsten wirkte, klang seine Stimme seltsam metallisch. „Denkt ihr tatsächlich, dass ihr all das... all diesen Tod und die Zerstörung rückgängig machen könnt?“
Steve wechselte einen Blick mit Tony und Nebula.
„Ja“, sagte er dann. „Ja, das denken wir.“
Der Außerirdische musterte sie für einen Moment durchdringend.
Dann nickte er. „In Ordnung. Drei Schiffe, nicht mehr und nicht weniger.“
„Hast du den Verstand verloren?“, fuhr der Reptilienmann seinen Gefährten an. „Wir haben keine Ahnung, ob sie die Wahrheit sagen!“
Der andere Mann schien jedoch unbesorgt.
„Ihre Geschichte mag fantastisch sein, ja, aber sie ergibt auf erschreckende Weise Sinn“, gab er zurück. „Sollen sie es doch versuchen. Sollen sie sich mit Thanos anlegen. Wenn sie Erfolg haben, sehen wir alle unsere Familien wieder... wie kann das etwas Schlechtes sein?“
Der Mann mit den Schuppen stieß einen unverständlichen Fluch aus, doch dann ließ auch er seinen Blaster sinken. „Na schön!“
Schnaubend wandte er sich ab und stapfte davon.
Steve schenkte den restlichen zwei Außerirdischen ein Lächeln.
„Ich danke euch.“

„Drei Klapperkisten gegen drei Raumschiffe, von denen nur eines mit Waffensystemen ausgestattet ist“, kommentierte Rocket, als sie den Hafen an Bord ihrer neuen Schiffe eine knappe Stunde später wieder verließen. „Das ist der mit Abstand mieseste Deal, den ich jemals gemacht habe.“
„Das Wichtigste ist, dass sie uns an unser Ziel bringen“, entgegnete Steve gelassen. „Das ist alles, was zählt.“
Er saß neben Nebula im Cockpit eines der Schiffe und gab die Koordinaten für den Austrittspunkt ihres nächsten Raumsprungs ein.
Im Sitz hinter ihm saß Tony, der den Kopf gegen die Scheibe gelehnt hatte und in die endlose Dunkelheit des Weltraums hinaussah.
Ich wünschte, ich wüsste, was dir gerade durch den Kopf geht, dachte Steve. Ich wünschte, ich wüsste, ob du zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch Hoffnung hattest, oder ob du nur weitergemacht hast, weil dir keine andere Wahl blieb.
„Wie viele Sprünge haben wir noch vor uns?“, fragte Bruce.
„Vier.“ Rocket klang wenig begeistert.
„Vorausgesetzt, wir navigieren um das Caylaros-Feld herum“, warf Nebula ein.
„Okay... vielleicht ist das eine dumme Frage, aber was ist das Caylaros-Feld?“, wollte Clint wissen.
Rocket lachte hingegen auf. „Bist du wahnsinnig? Einen Sprung durch ein Asteroidenfeld von diesem Ausmaß zu machen ist Selbstmord!“
„Wir würden einen Tag sparen“, erwiderte Nebula ungerührt. „Und solange unsere Berechnungen präzise sind, sollten wir den Sprung hindurch schaffen.“
„Die Betonung liegt auf ‚sollten‘“, brummte Rocket. „Selbst bei genauesten Prognosen besteht immer noch eine Chance von zwanzig Prozent, dass wir mit einem Asteroiden kollidieren. Die Dinger sind unberechenbar.“
„Nebula hat Recht“, meldete sich plötzlich Thor zu Wort. „Jeder zusätzliche Tag gibt Thanos die Gelegenheit, sich auf einen Gegenangriff vorzubereiten.“
„Steve?“, fragte Natasha. „Was denkst du?“
Steve schwieg für eine Weile und dachte über ihre Optionen nach.
„Nein“, sagte er dann. „Ich riskiere nicht unnötig Leben, erst recht nicht die meiner Freunde. Wir haben keine Ahnung, was uns am Ende erwartet, und wenn der Widerstand größer wird, als angenommen, dann brauche ich jeden einzelnen von euch.“
Er wandte sich an Nebula.
„Wir nehmen die längere Route. Nimm die benötigten Berechnungen vor.“
Sie presste die Lippen aufeinander und es war ihr anzusehen, dass sie mit der Entscheidung nicht zufrieden war, doch sie nickte kurz und bestätigte die Koordinaten für den ersten Sprung.
„Also dann“, sagte Steve. „Es geht weiter. Wir sehen uns auf der anderen Seite.“
„Bis dann, Cap“, entgegnete Clint.
„Hals- und Beinbruch“, wünschte ihnen Bruce.
Dann wurde es still in der Leitung und Steve richtete seinen Blick wieder nach vorn.
„Auf geht’s“, sagte er leise.
Der Hyperraumantrieb begann zu summen, und im nächsten Moment waren die drei Schiffe verschwunden.

„Cranberrys?“
Steve sah mit überraschtem Blick auf, als Tony ihm die Tüte hinhielt.
Es war ihr dritter und bisher längster Sprung seit Verlassen des Raumhafens. Nebula hatte sich schlafen gelegt und Tony hatte die Gelegenheit genutzt, sich neben Steve ins Cockpit zu setzen, während um sie herum der Weltraum in wahnwitziger Geschwindigkeit vorbeiraste.
„Cranberrys sind gesund, habe ich gehört“, fügte Tony hilfreich hinzu.
Steve lächelte, dann streckte er die Hand aus und griff in die Tüte.
„Wir sind am Ende der Welt und du achtest immer noch auf deine Ernährung“, sagte er. „Das ist bewundernswert.“
Tony zuckte mit den Schultern.
„Es ist nie zu spät, um gesund zu leben“, erwiderte er.
Für eine Weile kauten sie schweigend vor sich hin und starrten aus dem Fenster.
Plötzlich senkte Tony den Blick.
„Es tut mir leid“, sagte er.
Steve sah ihn aufmerksam an.
„Die Art und Weise, wie wir damals auseinandergegangen sind“, fuhr Tony leise fort. „Du warst mein Freund und ich hätte dir zuhören sollen. Wenigstens das wäre ich dir schuldig gewesen. Doch ich war zu verblendet und dachte, ich würde die ganze Wahrheit bereits kennen.“
„Tony.“ Steves Stimme war sanft. „Ich mache dir schon lange keine Vorwürfe mehr. Du warst enttäuscht und verletzt; wir beide waren es. Wir hätten nicht mal dann vernünftig miteinander reden können, wenn wir es gewollt hätten.“
„Dennoch“, meinte Tony. Er hob den Kopf und sah Steve an. „Was ich getan habe... es hat das Team auseinandergerissen und mich fast die Freundschaft zu dir gekostet. All diese Monate, in denen ich mich unnötig abgekapselt habe...“
„Wir haben beide Fehler gemacht, Tony.“ Steve umfasste Tonys Hände mit seinen eigenen. „Was zählt, ist, dass wir wieder zueinandergefunden haben. Und wie die letzten Tage gezeigt haben, waren unsere Differenzen nie so unüberbrückbar, dass wir verlernt haben, miteinander zu reden.“
„Seltsam, oder.“ Tony lachte leise auf. Doch dann wurde er wieder ernst. „Wird es jemals etwas geben, das du mir nicht verzeihen wirst...?“
Steve schüttelte den Kopf.
„Nicht, solange ich lebe“, entgegnete er mit einem kleinen Lächeln und einer Sicherheit, als hätten für ihn nie Zweifel an dieser Tatsache bestanden.
„Ist das so.“ Tony erwiderte das Lächeln humorlos. „Das trifft sich gut, denn in zwei Tagen werden wir vermutlich eh alle sterben. Oder mit sehr, sehr viel Glück das Geschehene rückgängig machen und uns an nichts mehr von dem erinnern, was wir gerade besprochen haben.“
Steve schloss die Augen und lehnte sich in seinem Sitz zurück.
„Dann soll es so sein“, sagte er. „Doch selbst wenn wir überleben und ich mich noch an unsere Gespräche erinnern kann – ich bereue kein einziges Wort.“
Tony seufzte. „Warum musst du nur immer so ehrlich sein, Rogers.“
Steve gab keine Antwort, sondern lächelte nur.
Wieder trat Stille ein, doch dieses Mal war es eine entspannte Stille, und während Tony erneut aus dem Fenster sah, war Steve bald eingeschlafen.




Ende folgt...

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