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Die Schwachen Momente in uns

von Tikl
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character)
13.05.2018
13.05.2018
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Fast zu Tode erschrocken schreckte er aus dem Schlaf und sah sich um. Die Zelle lag im Halbdunkel und war, bis auf eine weitere Ausnahme, leer. In der Ecke neben der Seinen hob sich ein kleiner, dunkler Schatten von den Mondlicht beschienenen Wänden ab und bewegte sich in gleichmäßigem Rhythmus auf und ab. Es war eine Zellengenossin, die er heute erst kennen gelernt hatte. Nun ja, kennen gelernt ist vielleicht nicht ganz richtig. Im Grunde hatten sie sich ehr ignoriert. Er, weil er absolut kein Interesse daran hatte, mit nackten Affen in Kontakt zu treten, und sie, weil sie sich etwas besseres vorstellen konnte, als sich einem gewalttätigen Beastman anzunähern.

Es donnerte.

Viral setzte sich gerade hin und wandte sich erschrocken um. Direkt hinter ihm befand sich auf halber Höhe das kleine Fenster der Zelle, was in eben diesem Moment durch einen Blitz hell erleuchtet wurde. Viral sprang auf und presste sich Sekunden später gegen die Gitterstäbe der Zelle.

Sein Blick, starr nach draußen gerichtet, wurde leicht panisch. Der Donner grollte über dem Gefängnis laut und gewaltig, während der Regen von den heftigen Sturmböen umher gepeitscht wurde. Es blitzte erneut.
Verflucht! Warum musste es ausgerechnet jetzt gewittern? Warum Gewitter? Es hatte Monate lang nicht mehr gewittert, warum jetzt? Virals Hände klammerten sich um die Gitterstäbe.

Das war so gar nicht typisch für ihn. Sonst war er derjenige, der jeder Gefahr und jeder Herausforderung lachend entgegenblickte und sie mit offenen Armen willkommen hieß.

Aber Gewitter ängstigen ihn. Das einzige überhaupt was ihm Angst machen konnte war ein Gewitter, und in dieser Nacht schien ein besonderes Gewaltiges sich genau über dem Gefängnis zu entladen. Erneut donnerte es und fast zeitgleich zuckte ein Blitz am Fenster vorbei. Viral zuckte so heftig zusammen dass deine Knie nachgaben und er zu Boden sank. Verflucht, was sollte er tun? Wenn er doch nur nicht hier festsitzen würde! Wäre er in Freiheit würde er sich mit seinem Gunman Enki eine Höhle suchen, sich ganz hinten hinsetzten und sich in seinem Gunman verkriechen. In Enki hatte er noch jedes Gewitter überlebt. Aber nun saß er hier fest, nichts als den endlosen Himmel vor dem Fenster und Enki irgendwo entweder eingeschmolzen oder versteckt. Der Gedanke an seinen treuen Freund schmerzte ihn sehr, doch ehe er weiter über ihn nachdenken konnte donnerte und blitzte es erneut. Erschrocken zuckte er zusammen und ein leises Wimmern entwich ihm.

“Stell dich nicht so an!”,

ermahnte er sich selbst. Schwächen zu zeigen war ein absolutes No Go für ihn. Verstohlen blickte er zu seiner Zellengenossin. Wenn sie doch nur wach wäre...

Nein! Nein bloß nicht! Sie durfte ihn so auf keinen Fall sehen! Niemand durfte das! Aber wenn sie wach wäre könnte sie ihn ablenken...

Nein! Auslachen würde sie ihn! Verspotten und wahrscheinlich noch mehr ängstigen. Und spätestens morgen würde das ganze Gefängnis wissen, dass er bei so einfachen Dingen wie Gewittern die Nerven verlor. Das durfte er nicht zulassen! Das Gewitter konnte ja nicht ewig so weitergehen. Oder?

Er sah zum Fenster. Weder Regen noch Wind hatten nachgelassen und ein erneuter Donner ließ den Mann mehr und mehr die Beherrschung verlieren.

Es donnerte und blitzte wieder und wieder und Viral wurde immer panischer.

Das Mädchen in der Ecke schien noch immer fest zu schlafen. Er versuchte sich auf ihre Atemzüge zu konzentrieren und probierte sie nachzumachen, doch jeder Donner und jeder Blitz brachten ihn erneut an den Rand der Verzweiflung.

Irgendwann, nach über einer Stunde entscheid er, dass er sich wenigstens in ihre Nähe setzen konnte. Er würde sie ja nicht wecken, aber Nähe konnte sicher nicht schaden. Also kroch er langsam auf allen Vieren zu ihr herüber und setzte sich einige Zentimeter neben sie.

“Was zur Hölle machst du da?”,

hörte er plötzlich von ihr und sie setzte sich auf. Ihr Haar fiel ihr ins Gesicht und sie streckte sich etwas. Ihr Blick war feindselig und ihre Körperhaltung angespannt.

“Das geht dich gar ni...”,

doch mitten in seiner Antwort ertönte ein Donner und ließ ihn erschrocken zusammenzucken. Der Blitz schaffte es sogar ihm ein erneutes Wimmern zu entlocken.

Das Mädchen setzte sich auf.

“Scheiße, das ist doch nicht dein Ernst?!”,

fragte sie vollkommen ernst und sah ihn mit großen Augen an. Dann sah sie sich um und ihr Blick viel durch das Fenster in den Sturm. Grinsend stand sie auf und stellte sich ans Fenster.

„Es ist wunderschön!"

Sie drehte sich begeistert zu ihm um, doch der Blick, der er ihr entgegnete, war voller Panik. Sie grinste.

„Also doch!"

Gerade wollte er zu einer nicht sonderlich freundlichen Antwort ansetzen, als es erneut blitzte und er erschrocken zusammenzuckte. Das Mädchen, vielleicht gerade einmal 19 Jahre alt, setze sich wieder an ihren Platz und lachte.

„Der große Viral, macht sich nass nur weil es draußen ein Bisschen donnert!"

„Sei leise!",

kam es von ihm und er zuckte vor dem neuen Donner zurück.

„Dann ist ja alles gut",

sie drehte sich um und legte sich wieder in ihre Ecke zurück. Viral sah ihr zu.

„Ja",

er nickte und versuchte sich zusammenzureißen, doch der nächste Blitz machte seinen Anstrengungen gleich wieder zunichte. Das Mädchen aber, kümmerte ich nicht mehr um sein leises Wimmern und versuchte wieder einzuschlafen.

„Sei wenigstens leise wenn du dir schon nicht helfen lassen willst!",

murmelte sie und ignorierte den panischen Beastman nun wieder vollkommen.

Was? War das wirklich ihr Ernst gewesen? Sie hätte ihm geholfen? Nein! As konnte nicht wahr sein! Warum auch? Warum sollte sie etwas anderes tun als ihn zu verspotten? Sie hatte keinen Grund dazu ihm zu helfen. Und er hatte keinen Grund ihr zu trauen. Obwohl… er hatte auch keinen Grund ihr nicht zu trauen. Sollte es am Ende doch ehrenwerte Menschen geben? Menschen, die nicht nur auf ihren eigenen Profit aus sind und dafür über Leichen gehen? Menschen, denen das Wohl andere wirklich wichtig war und die es nicht nur für die Medien vorspielten?

Ein lauter Knall ertönte und lies die Grundmauern des Gefängnisses erzittern. Erschrocken schrie Viral auf und mit einem katzenartigen Spring landete er an der Seite des Mädchens.

„Hilf mir! Bitte!",

flehte er. Die Entscheidung war also gefallen. Langsam drehte sie sich um und grinste wissend.
„Du benimmst dich wie mein kleiner Bruder!"

Und so rückte sie von der Wand ab.

„Komm halt her."

Viral sah auf die kleine Lücke zwischen ihr und der Wand. Das war doch nicht ihr Ernst! Erst wollte er sich natürlich weigern, doch erneut donnerte es laut und bedrohlich. Schnell kroch er also in die Lücke.

„Ich bin übrigens Rosa."

„Viral."

„Ich weiß"

Er hörte, wie sie grinste. Rosa hatte nicht sonderlich viel Platz gelassen, und so war es unmöglich für ihn, das Mädchen nicht zu berühren. Und dann legte sie sogar noch einen drauf!
„Möchtest du in meinem Arm schlafen? Meinem Bruder hat das immer geholfen."

Erschrocken sah er sie an.

„Was?!"

„Dann nicht. Aber beschwer dich nicht. Ich will jetzt endlich wieder schlafen und nicht alle zwei Minuten geweckt werden."

Wieder donnerte es und erschrocken packte er ihren Arm. Ihr überlegener Blick glitt langsam auf seine Hand an ihrem Arm. Sie grinste breit und Viral sah beschämt zur Seite. Er fühlte sich alles andere als Wohl in dieser Situation. Sonst war er es immer, der überlegen war, doch nun…

„Also?",

wurde er von Rosa aus seinen Grübeleien gerissen. Er nickte geschlagen.

„Bitte",

nuschelte er und ehe er sich versehen konnte hatte sie ihn schon in ihre Arme gezogen. Sein Kopf lang auf ihrer Brust und so konnte er ihren beruhigenden Herzschlag hören. Er lauschte, atmete immer ruhiger und seine Arme legten sich wie selbstverständlich um ihren Körper.

„Na siehst du."

Sie lächelte und er nickte. Was sollte er jetzt auch noch abstreiten wie sehr ihm das half? Es donnerte, doch mehr als ein leichtes erschrockenes Zucken kam nicht von ihm.

„Dann schlaf jetzt",

nuschelte Rosa und schloss die Augen. Augenblicke später glitten ihre Finger sanft durch Virals Haar und, ob er wollte oder nicht, der Beastman schnurrte leise. Rosa lächelte, sagte jedoch nichts dazu. Sie wahr froh, dass Viral endlich Ruhe gab.

Es donnerte und blitzte erneut, doch Viral zuckte nur noch ganz leicht zusammen. Seine Augen waren geschlossen und seine Finger fummelten wie von selbst am Saum von Rosas Oberteil herum. Eine Viertelstunde später waren beide wieder tief und fest eingeschlafen.



Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr lasst mir einen kleinen Kommentar da. Ich würde mich wirklich freuen!
Liebste Grüße
 
 
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