When the stars begin to fall

GeschichteAllgemein / P16
Thorin Eichenschild
12.05.2018
28.11.2019
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Es dauerte einige Augenblicke, bis Balin und Bilbo die neugewonnenen Informationen des Gespräches verdaut hatten. Zu der Thematik mit der Kinderzeugung sagte nachher niemand mehr etwas, ein gedämpftes Schweigen hing über uns.
Das Essen mit den anderen Zwergen war schließlich recht heiterer Natur, dennoch hing der Schatten des vergifteten Königs über uns allen. Die ausgelassene Stimmung war nicht rein, war nicht echt. Sie war lediglich ein Mittel zum Zweck, die einzige Lösung, um zumindest vorerst damit umgehen zu können und einige wenige Momente von Losgelöstheit zu spüren. Weitere Versuche, den König auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen und ihn zur Vernunft zu bringen scheiterten. Nie hätte ich gedacht, dass etwas so sehr in der Lage sein könnte meinen geliebten Thorin in einen Teufelsbann zu ziehen. Meine Verzweiflung, meine Sorge wuchsen und damit auch meine Wut. Wut, dass er nichts darauf gab was ich sagte oder was die anderen ihm signalisierten. Er war blind für all die Dinge, welche er einst geschätzt hatte. Damals, bevor der Schatz Smaugs in seine zwergischen Hände fiel und sein Herz vergiftete.
Verstrickt in Gedanken, wie ich weiter vorgehen sollte, bog ich um eine Ecke des Erebor, wobei ich in Bilbo hineinrannte. Perplex von der Situation bemerkte ich erst gar nicht, was der kleine Hobbit in seinen Händen hielt.

„Oh, entschuldige bitte, ich habe nicht…“ Meine Augen blieben an dem großen, kristallenen Ding hängen, welches sich in Bilbos Besitz fand. Ich konnte nicht glauben, was ich da zu sehen vermutete – es war dem Armen sichtlich unangenehm, dass er damit erwischt wurde.
„Bilbo, das ist doch nicht etwa…“ Panik stand ihm ins Gesicht geschrieben als er beschämt nickte, er musste fürchten, dass ich es jemandem verriet. Vor allem dem König, der so verzweifelt und besessen danach suchte.
„Es tut mir leid, dass ich den Arkenstein an mich gerissen habe… Ich wollte ihn Thorin geben, das wollte ich wirklich! Aber dann habe ich gesehen, was der Schatz mit ihm anstellt, seine Besessenheit…“ Bilbo musste nicht zu Ende sprechen, ich konnte genau nachempfinden, was in ihm vorging. Tröstend legte ich meine Hand auf seine Schulter.
„Du hast das Richtige getan. Die Edelsteine und das Gold haben seinen Verstand bereits vergiftet, sie treiben ihn in den Wahnsinn. Glaub mir, der Arkenstein würde dem Ganzen nur die Krone aufsetzen, ihn weiter zerstören. Ich bin froh, dass du ihn hast, so besteht keinerlei Gefahr mehr, dass er hier noch irgendwo im Erebor herumliegt und von Thorin gefunden werden kann.“
Der kleine Bilbo war sichtlich erleichtert über meine Reaktion.
„Achte nur darauf, dass er dich nicht erwischt, er dürfte alles andere als erfreut darüber sein, dass du ihm den Stein vorenthalten hast.“

Ein Nicken seinerseits genügte und ich führte meinen Weg fort.
Auch in der folgenden Nacht musste ich den Zwergenkönig halb ins Bett prügeln, ließ dieser sich doch nur äußerst widerwillig dazu überzeugen sich auszuruhen. Es war lang her, seit wir das letzte Mal intim waren. Thorin hatte nur noch ein Verlangen nach Gold, nicht nach körperlicher Nähe und Zuneigung, zumindest nicht so stark wie früher. Ich hingegen war ununterbrochen in Sorge, angespannt und in mich gekehrt, auch ich hätte mich jetzt nicht darauf einlassen können. Meine Gedanken schwangen zu den Worten Bilbos. Ob es nicht vielleicht doch möglich war, mich fortzupflanzen, meine Art zu retten? Ich hatte diese Idee augenblicklich als schwachsinnig abgetan, allerdings nur, weil ich all die Jahre der Überzeugung gewesen war, ich wäre zeugungsunfähig. Was, wenn Thorin und ich doch Kinder haben konnten? Dann wäre das Kind trotz allem nur ein halber Stern, selbst als Mädchen und hätte wahrscheinlich nichts mit den von Varda geschaffenen Leben gemein, von einem Jungen ganz zu schweigen. Doch vielleicht war ja genau das der Weg, einen männlichen Stern hervorzubringen? Musste nicht stets von der Norm abgewichen werden? Mussten nicht immer wieder die Grenzen überschritten werden, um etwas Neues schaffen zu können? Ich hatte das Gefühl gedanklich zu explodieren, es war zu viel, zu komplex und zu ungewiss. Wahrscheinlich waren meine Überlegungen nichts als Fantastereien. Wahrscheinlich, so dachte ich, war es mir nicht einmal möglich schwanger zu werden. So oft, wie wir einander beigeschlafen hatten, wäre dieser Fall wohl schon längst eingetreten… Mir würde nicht mehr viel Zeit bleiben, die Erfüllung meiner Aufgabe rückte nunmehr mit jedem Atemzug näher, das konnte ich deutlich spüren. Meine Lebenszeit würde nicht mehr genügen, um ein Kind auf die Welt zu bringen. Das war Tatsache.
Eine Weile schwebte ich gedanklich noch in der Welt der Familiengründung und als ich mich gerade trotz aller Widersprüche und Unsicherheiten mit dem Gedanken an eigene Kinder auseinandersetzte, holte mich der Schlaf in seine Hallen.

Am nächsten Tag kam es zu einer Konfrontation, welche bereits viel zu lang auf sich hatte warten lassen. Bard, der Mann der Smaug zu Fall gebracht hatte, stand vor dem Tor mit der Forderung, Thorin möge sein Versprechen einlösen den Menschen einen Anteil vom Schatz zu überlassen. Dabei übersah der Bogenschütze jedoch etwas Entscheidendes, was er auch bald würde zu spüren bekommen. An einen König sollte man keine Forderung stellen, schon gar nicht, wenn der König ein Zwerg namens Thorin Eichenschild war, welcher unter dem Fluch des Reichtums stand und dessen Name nun nichts weiter als eine Farce darstellte. In weiterer Entfernung hatten die elbischen Soldaten Thranduils Stellung in der Ruine Thals bezogen, der offensichtlich ebenfalls etwas aus dem Berg begehrte. Thorin und Bard unterhielten sich schließlich allein. Ich hatte ein mulmiges Gefühl - ob Thorin sein Wort halten würde?

Lediglich Gesprächsfetzen drangen an mein Ohr, mehr noch als das war es jedoch Bards Reaktion, die mir wortlos verriet, was das Ergebnis der Unterredung war. Mein Verlobter würde nicht eine einzige Münze herausgeben, nein, eher riskierte er das Leben seiner ergebenen Anhänger, seiner Freunde und das meinige. Nichts war in diesem Moment mehr übrig von dem großzügigen König, welcher sein Leben für das seiner Familie gegeben hätte und ohne zu zögern anderen geholfen hätte. Dieser Thorin war nun hinter starken Mauern weggesperrt worden. Allein würde er nie einen Weg daraus finden, vorher stürzte er uns alle noch ins Unglück. Kaum konnte ich meine Wut, meine Enttäuschung und Verletzung verstecken - wie konnte er es nur wagen?
Mir wollte einfach nicht in den Kopf gehen, wie sich ein Wesen so sehr verändern, wie es so sehr davon wegdriften konnte, was es einst gewesen war. Es ging hierbei nicht um unsere eigene Fehde, welche Thorin natürlich nicht sah geblendet von dem Gold. Es ging nicht um sein Verhalten mir gegenüber in so viel mehr Momenten als ich erwähnte. Es ging darum, dass er die Menschen, die seinetwegen alles verloren hatten, nicht mit offenen Armen empfing und ihnen keinerlei Unterstützung anbot, damit die Verlorenen ihre Leben abermals wiedererbauen konnten. Das Zentrum seiner Welt war er selbst, sein einziger Zweck nunmehr der wahnhafte Schutz des Zwergenerbes. Seine Emotionen wie fortgespült, die Stärke seines Charakters im Winde verweht.
Ein paar Tage später hatte sich die Gesamtsituation noch weiter verschärft. Thorin und ich sahen uns kaum und wenn doch, so schwiegen wir einander an. Lediglich mit den anderen Zwergen kam ich ab und an ein wenig ins Gespräch, doch die Stimmung im Berg war alles andere als entspannt. Als nun schließlich ein ganzes Heer bestehend aus Elben und Menschen vor den zertrümmerten Toren des Erebor Stellung bezogen hatte, ahnte noch keiner wie real der Alptraum eines Krieges bald schon werden würde. Die Zwerge versammelten sich rund um Thorin auf der Mauer, stumm, darauf wartend, was denn geschehen würde. Der Elbenkönig begann von einer Art Handel zu sprechen. Ein Handel, für welchen der Arkenstein als Mittel eingesetzt worden war als Bezahlung dessen, was der stolze Zwergenkönig ihnen schuldig war. Dieser glaubte seinen habgierigen Feinden, wie er sie wohl sah, keinen Augenblick – auch nicht, als Bard das glänzende Juwel emporhielt. Erst, als Bilbo hervortrat und sich selbst als jenen outete, welcher der Gegenseite den Arkenstein übermittelt hatte, stoppte der König damit Thranduil und Bard als Erschaffer von Lügen hinzustellen. Wie bereits zu erwarten war, reagierte dieser nicht besonders glücklich über diese Tatsache, gab es ihm doch Bestätigung darin an der Loyalität der anderen gezweifelt zu haben.
Bilbo versuchte ihm, ebenso wie ich nur viel direkter, die Augen zu öffnen, dass er nicht mehr der Zwerg war, den er noch in Beutelsend verkörpert hatte. Auch das nahm der verfluchte Thorin nicht gut auf.
„Werft ihn von der Mauer!“ schrie er voller Wut und als keiner der anderen auch nur Anstalten machte seinem Befehl Folge zu leisten, schnappte der König höchst selbst nach dem kleinen Bilbo und hielt ihn über die Brüstung. Ich hatte dem Treiben bisher nur zugesehen, es hatte nichts gegeben, was ich hatte tun können – doch das änderte sich in diesem Augenblick. Eilig trat ich hervor, legte meine zarte Hand auf seine starken Schultern in der Hoffnung, durch Berührung besser zu ihm durchdringen zu können.
„Thorin, tu das nicht. Ich weiß, du bist wütend und du hast auch alles Recht der Welt dazu, doch bitte, tu Bilbo nichts. Willst du wirklich zu einem Mann werden, der seinen Freund getötet hat?“
„Freund? Er hat den Arkenstein vor mir verborgen, ihn meinen Feinden übergeben, er ist…“
„Ein Freund Thorin. Vergiss in deiner rasenden Wut nicht, dass du ohne Bilbo nie rechtzeitig den Erebor erreicht hättest. Er wollte ihn dir geben, doch ich habe ihm gesagt, er soll ihn von dir fernhalten. Lass ihn einfach gehen.“

Mit glasigem Blick starrte er mich an, seine Augen vermochte ich nicht mehr zu lesen, wir hatten verloren, was uns einst so nah gebracht hatte. Er wirkte wütend und gleichzeitig verängstigt. Ignorant, selbstsüchtig und im selben Moment sorgenvoll. Schockiert und entrüstet, doch verständnisvoll. Sein Zustand verunsicherte mich, weil ich nicht verstand, was in ihm vorging. Er brauchte Hilfe. Wenn er mich doch nur wieder näher an sich heranließ… Wenn er doch nur endlich sah, was für uns alle völlig offensichtlich war…
„Bitte…“
In diesem Moment trat nun auch noch Gandalf aus der Menge hervor, schwieg jedoch, als würde er warten, ob ich den König besänftigen, ob ich zu ihm durchdringen konnte. Tatsächlich ließ er von Bilbo ab, nur um sich mir zuzuwenden.
„Du wusstest davon? Dass Bilbo den Arkenstein in seinem Besitz hat war dir klar?“
„Ja. Hätte er ihn dir gegeben, so hätte er dich komplett zerstört, der Schatz zieht dich bereits vollkommen in die Tiefe und ich konnte unmöglich zulassen, dass es dich noch weiter hinabzieht.“
Es war die Wahrheit, auch, wenn ich ausließ, dass Bilbo Thorin den Stein bereits von sich aus vorenthalten hatte, sodass ich seine größte Wut abfing. Ich konnte nicht zulassen, dass er den Hobbit niedermachte gefangen in seinem Fluch, was er später zutiefst bereuen würde. Der König war nicht ganz bei Verstand, somit war es nicht an ihm vernünftige Entscheidungen zu treffen. Diese Aufgabe war die meinige. Ich trat an Thorins Stelle, um ihn vor folgenschweren Entscheidungen zu schützen und alles so gut im Lot zu halten, wie es mir nur möglich war.
„Wie kannst du es wagen? Du verrätst mich Válan. Du stehst nicht hinter mir, deinem König.“

Seine Worte waren wie Gift. Mit allem hatte ich umgehen können, mit seiner Ignoranz und seiner Besessenheit, doch dass er mir nun vorwarf, ich würde ihn nicht unterstützen, nicht für ihn da sein verletzte mich zutiefst. Dass er nun scheinbar an meine Illoyalität glaubte. Mich erschütterte, dass er mich in diesem Augenblick lediglich als seine Untertanin sah. Ich spürte seinen Zwiespalt, seine innere Zerrissenheit. Seinem Stolz nach hatte er mich fortschicken müssen, so wie er es mit Bilbo getan hatte, der bereits zu Gandalf hinabgestiegen war. Allerdings war er nicht in der Lage dazu. Er konnte mich nicht verbannen, ganz egal, wie sehr er es auch wollte. Seine Gefühle für mich waren zu stark, sein Gewissen, dass er mich trotz allem brauchte, wenn er im Moment auch nicht bei Verstand war dies zu verstehen, kämpfte sich in den Vordergrund zurück. Ich wollte gehen, das wollte ich wirklich, weil er mich in aller Öffentlichkeit beleidigt hatte. Weil er nicht von seinem Wahn abließ und nicht mehr er selbst war, er scherte sich nicht um seine Familie. Doch ich konnte es einfach nicht. Ich würde bei ihm bleiben, egal in welche Richtung sich das alles entwickeln würde, denn ich liebte ihn und ich würde zu ihm stehen. Einzig und allein der König könnte mich zum Gehen bewegen, doch der war selbst nicht imstande dazu. Ich wich einige Schritte zurück und ließ zu, dass meine Emotionen Besitz von mir ergriffen. Es fiel mir schwer nicht an Ort und Stelle einen Streit vom Zaun zu brechen, sodass ich mich stolz in den Erebor zurückzog von wo aus ich das Spektakel mit den Ohren weiterverfolgte.
Sofort wurde Thorin nun wieder von Thranduil und Bard auf das Einlösen seines Versprechens angesprochen, welcher ihnen jedoch schnell und eindeutig klar machte, dass sie sich nicht weiter der Hoffnung und dem Wunsch hingeben sollten, sie würden etwas von seinem Schatz zu sehen bekommen. Ich ahnte bereits worauf die Sache hinauslaufen würde.
„Was ist, wollt Ihr Frieden oder Krieg?“

Thorin schien in der Falle zu sitzen, einem Heer dieser Stärke würden wir nie standhalten können. Der König wirkte nachdenklich, als würde er etwas erwarten. Unscheinbar kam ein Rabe dahergeflogen und landete direkt neben seiner Majestät, was eine endgültige Entscheidung hervorbrachte.
„Ich will Krieg“ hieß es plötzlich aus seinem Mund. Er hatte seinen Vetter Dáin zu Hilfe gerufen. Thorin hatte mit einer Schlacht gerechnet. Seit er den Berg betreten hatte, hatte er keinen Augenblick lang vorgehabt zu seinem Wort zu stehen und den Menschen und Elben zu geben, was sie vor einigen Tagen verlangt hatten. Was für ein Mann war nur aus ihm geworden?





Hallöchen, endlich geht es weiter mit Válan und Thori. Dieser fällt immer weiter in den tiefen Abgrund, verursacht durch den Schatz. Wie wird es nun weitergehen? Wird Válan ihrem Liebsten endlich die Augen öffnen können, sich ihm entgegenstellen?
Ich weiß, ich bin wieder etwas spät dran diesen Monat, aber besser spät als nie nicht wahr :D
Ihr seid hoffentlich alle wohlauf, ich selbst bin ein bisschen im Prüfungsstress, aber was soll's.
Bis bald!
Eure Enelya
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