When the stars begin to fall

GeschichteAllgemein / P16
Thorin Eichenschild
12.05.2018
28.11.2019
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Viele Stunden lief ich, bis ich das Auenland erreichte. Als ich an der markierten Tür klingelte, öffnete mir ein sichtlich genervter und zerstreuter Hobbit die Tür. Ich stellte mich vor und trat ein, doch meinen Anwesenheit schien den Kleinen nur noch mehr zu verwirren. Zwei Zwerge waren bereits anwesend, Balin und Dwalin, welche mir lediglich zunickten, wenn auch leicht irritiert.
Als endlich Gandalf eintraf war ich fast ein wenig erleichtert, denn er und der Hobbit waren die Einzigen in diesem bunten Haufen; die mich mittlerweile nicht mehr völlig verwirrt beäugten, da Zwerge, vor allem die Männlichen, nicht viel von Damen hielten, welche sich in Abenteuern behaupten wollten.
Dennoch war die Stimmung sehr heiter, bis es plötzlich ein letztes Mal an der Tür läutete.
„Er ist hier.“
Alle machten sich auf den Weg, ein seltsamer Haufen tummelte sich nun im Eingangsbereich, als der Zwerg namens Thorin zur Tür hereinkam. Ich spürte die Achtung und den Respekt gegenüber dieses Mannes und mich erfasste ein Gefühl, als würde ich von diesem einen Zwerg angezogen.
„Sagtet Ihr nicht dieser Ort wäre leicht zu finden? Ich habe mich zweimal verlaufen. Ohne das Zeichen an der Tür hätte ich es gar nicht gefunden.“  
„Zeichen? Da ist kein Zeichen, sie wurde letzte Woche frisch gestrichen!“ Gandalf stellte die beiden einander vor, nachdem er den armen Bilbo von oben bis unten gemustert und ihn auch ein wenig zum Gespött der anwesenden Zwerge gemacht hatte, fiel sein Blick auf mich.
Langsam kam er näher und betrachtete mich eingehend, fast so als wolle er sichergehen, dass mir nichts fehlte, seit unserer letzten Begegnung. Seine Wut darüber, dass ich mit von der Partie war, schien verflogen, stattdessen begab er sich, die Augen noch eine Weile an mir haftend, in die Küche. Ich hörte, wie Gandalf erleichtert ausatmete.
Während Thorin speiste kamen Gespräche über die bevorstehende Reise auf und interessiert spitzte ich die Ohren um möglichst viel über die Gegebenheiten zu erfahren.
Nach einer Weile schließlich beobachtete ich, wie Thorin Gandalf etwas zuflüsterte, ich lauschte.
„Ich werde weder für seine Sicherheit, noch für sein Schicksal verantwortlich sein.“
„Einverstanden.“  Thorin wollte sich gerade abwenden als Gandalf noch etwas erwiderte.
„Und was ist mit ihr?“ Aus dem Augenwinkel heraus erkannte ich, wie der Zwerg den Kopf senkte was dem Zauberer Antwort genug zu sein schien, zeigte er etwa Schwäche? Das musste ich mir nur eingebildet haben, ganz sicher.
So, wie Thorins fesselnder Blick plötzlich an mir hängen blieb, erinnerte ich mich an jenen Tag unserer ersten Begegnung, er war es tatsächlich. Damals in Bree, wie hatte ich das nur verdrängen können? Keine 2 Jahre war es her und obwohl ich mich nun wieder an jeden einzelnen dieser Momente erinnern konnte wurde mir bewusst, dass der Zwergenprinz mit keinem Funken an diesem Teil seiner Vergangenheit hängen würde. Die Bedeutsamkeit dessen für mich war lediglich ein schwaches Glitzern in seinem eigenen Universum.


Es war bereits Nacht als ich die angenehmen Stimmen der Zwerge vernahm, die gemeinsam ein Lied anstimmten, doch hielt ich es nun keine Minute länger mehr in der Hobbit Höhle aus.
Der Schmerz, den sie preisgaben, ging auf mich über. Alle Gedanken an mein Leben stürzten wie eine Flut in meinen Kopf hinein. Ich spürte, wie ich immer stärker dagegen ankämpfen musste Haltung zu bewahren, die Fassade nicht einstürzen zu lassen. Sachte zog ich mich zurück und ging hinaus.
Ich schuf mir Platz im Gras, ein wenig abseits von Bilbos Behausung, und versuchte meine Gedanken zu ordnen, doch lang blieb ich nicht allein.
Das leise Knarzen der Tür riss mich aus meiner Lethargie, jemand verspürte wohl den Drang nach frischer Luft und Kühle. Die Gestalt blieb vor der Tür stehen und sah sich kurz um, als sie jedoch in meine Richtung schaute, bewegte sie sich langsam auf mich zu. Ich tat so, als hätte ich von alldem nichts bemerkt und wäre völlig in mich gekehrt; ich hoffte so die Einsamkeit zurück gewinnen zu können, die mir gerade eben noch zu Teil geworden war. Mir war nicht nach Gesellschaft, nicht, wenn ich mich selbst wieder einmal hinterfragte.
"Was treibt Euch in die Nacht?" Thorins tiefe, ruhige Stimme gab mir ein wenig Hoffnung, er würde nicht lang bei mir sein, denn wie ich in Bree bemerkt hatte interessierte ich ihn nicht sonderlich. Nicht mehr zumindest. Ich schaute auf, sollte ich ihm die Wahrheit sagen?
"Es war mir zu stickig." Prüfend fixierte er meine Augen - ich war keine schlechte Lügnerin, jedoch nützte dies nichts, wenn ich seinem Blick noch länger standhalten würde - er würde es in meinen Augen lesen, die Lüge, die Härte. Ich kam nicht umhin wegzusehen, auch dies würde ihn womöglich an der Echtheit meiner Aussage zweifeln lassen, doch gab es noch Hoffnung, dass er es nicht bemerken würde. Wortlos ließ er sich neben mir nieder - verdammt. Das war ganz und gar nicht gut... Mein Herz kollabierte, meine Finger begannen zu zittern, warum auch musste ausgerechnet er sich zu mir begeben? Hätte er nicht Gandalf sein können? Oder Bilbo? Stattdessen saß neben mir der Mann, der mir seit unserer ersten Begegnung den Verstand raubte. Klar denken Válan, Ruhe bewahren.
Nachdenklich sah er mich an, ich konnte mich nicht überwinden ihm in die Augen zu sehen, ich war mir sicher er wusste längst, dass ich mich um Kopf und Kragen redete. Zu allem Überfluss stimmte nun auch der Rest meines Körpers in das Herumzittern meiner Finger mit ein - was war nur los mit mir? Thorin sagte noch immer nichts, was ich mehr als nur seltsam fand. Es dauerte nicht lang bis er das Zittern wahrnahm, völlig überraschend spürte ich seine Hände auf den meinen. Sie waren warm, groß und rau, doch allein durch das Fühlen all dessen vernahm ich den Drang mich ihm hinzugeben. Diese Wärme auf meiner Haut, das war ein Versprechen, ich wollte ihn, so wie damals. Vorsichtig nahm er meine zarten kalten Hände in die seinen und umschloss sie, das Zittern ließ nach, dafür erhöhte sich meine Atmung, mein Herz hämmerte gegen meinen Brustkorb, fast so als wollte es sagen 'lass mich hieraus!'
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