When the stars begin to fall

GeschichteAllgemein / P16
Thorin Eichenschild
12.05.2018
28.11.2019
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Der Regen prasselte auf die Erde nieder und verwandelte jegliche Pfade in ein Meer aus Schlamm. Glücklicherweise bot mir mein Umhang ausreichend Schutz vor der Nässe, trotzdem fühlte sich mein Gesicht klitschnass an, mein Körper völlig durchnässt.
„Hey, pass doch auf!“ Grimmig sah mich der Alte an, den ich wohl versehentlichen angerempelt hatte. Ich entschuldigte mich und setzte meinen Weg fort, durch die Menschentrauben hindurch. Wunderlich, trotz des schlechten Wetters und des Umstandes, dass es bereits dunkel war, tummelten sich die Menschen nur so auf den Straßen und gingen ihren Geschäften nach, anstatt sich Schutz vor dem Wetter zu suchen – diese Menschen.  
Das Schild, dass das Gasthaus „Zum tänzelnden Pony“ bereits ankündigte, stach mir nun ins Auge – hoffentlich hatte Gandalf einen vernünftigen Grund, dass er mich hierherschleppte, noch dazu zu dieser Zeit. Ich konnte es noch nicht ganz fassen, dass ich hierher zurückkehrte, hatte ich mich doch schon so lang von den Städten der Menschen ferngehalten. Allein war ich besser dran, es gefiel mir, dass niemand mich so richtig wahrnahm, ich wäre nichts als vergeudete Zeit.
Als ich das Gasthaus betrat bot sich mir ein Anblick, den ich bereits erwartete hatte. Unzählige Gäste, Menschen, die umher irrten, um die gierigen Mäuler und Bäuche zu stopfen und einige Männer an der Theke, welche sich freudig ihre Köpfe nach mir verrenkten. Alles Dinge, die ich noch immer zu gut kannte und mit denen ich umzugehen wusste. Kurz nur schaute ich mich um, dann entdeckte ich auch schon die große graue Gestalt, nach der ich gezielt gesucht hatte.

Ich steuerte geradewegs auf jenen Tisch zu, an dem ich Gandalf bereits sitzen sah, da dieser jedoch in ein Gespräch mit einer anderen Person verwickelt war, verringerte ich mein Tempo. Langsam näherte ich mich und blieb neben den beiden stehen, nun schauten sie zu mir auf.
„Ah, schön, dass Ihr den Weg hierher gefunden habt, meine Liebe.“ Ich entledigte mich meiner Kapuze und nickte leicht, schließlich deutete Gandalf auf sein Gegenüber.
„Válan, darf ich euch Thorin Eichenschild vorstellen?“  Mein Blick richtete sich auf ihn. Dieses Gesicht.... Diese blauen Augen... Ich hätte schwören können... In mir kam Schwäche auf, etwas in mir explodierte, fast so, als hätte ich etwas gefunden, was meinem Leben eine andere Bedeutung verlieh.
Ein kurzes Nicken seinerseits genügte um meine Aufmerksamkeit wieder auf die Tatsachen zu lenken, dennoch sah ich aus dem Augenwinkel heraus, wie Gandalf leicht zu schmunzeln begann. Ich nahm mir einen Stuhl und gesellte mich zu ihnen, gespannt auf das, was ich nun zu hören bekommen sollte.
„Warum habt Ihr mich nun nach Bree gerufen?“ Angespannt schielte Gandalf zu Thorin hinüber, scheinbar befürchtete er, der Zwerg könnte bereits etwas gegen das einzuwenden haben, was der Zauberer mir mitzuteilen beabsichtigte.
„Nun, ich möchte Euch bitten Euch einer Reise anzuschließen, einem Abenteuer, wenn man es so will.“  
„WAS?!“ Erschrocken zuckte Gandalf zurück, er wusste nicht recht, zu wem von uns beiden er zuerst schauen sollte. Der Zwerg schien diese Bitte des Zauberers für einen sehr schlechten Witz zu halten, während ich einfach nur nicht glauben konnte, was ich da eben mit meinen eigenen Öhrchen vernommen hatte. Thorin jedoch äußerte bereits seine Meinung bezüglich Gandalfs Vorschlag und ließ diesem keine Chance weitere Erklärungen zu liefern.
„Unmöglich, sie kann nicht mitkommen!“
„Ach, warum nicht?“
Eine lange Diskussion folgte, Thorin brachte allerlei Argumente wie 'du bist eine Frau und kannst sowieso nicht kämpfen' oder 'es ist zu gefährlich', welche ich allesamt widerlegte. Er war partout dagegen Hilfe von einer Frau anzunehmen, die noch dazu kein Zwerg war. Kopfschüttelnd beobachtete Gandalf das Geschehen bis ich entschied den Schlussstrich unter diese Diskussion zu setzen. Bevor Thorin weiter Einwände äußern konnte wandte ich mich entschlossen Gandalf zu.
„Ich werde die Gruppe begleiten.“ Siegessicher starrten wir nun Thorin an, der jedoch schenkte mir nur einen leicht grimmigen Blick, es passte ihm gar nicht, dass wir seine Meinung als unwichtig deklarierten. Ein schiefes Grinsen huschte mir übers Gesicht, 1 zu 0 für mich.

Nach kurzer Zeit war alles geklärt, zumindest fürs Erste, sodass ich beschloss, Bree noch am selben Tag zu verlassen. Ich verabschiedete mich von Gandalf, Thorin aber schloss sich mir an. Ein kleiner Schauer lief mir über den Rücken, was, wenn er sich jetzt gerade an mich erinnerte, wenn es da überhaupt etwas zum Erinnern gab.
An ein Mädchen, jung und unerfahren und an eine Zeit ganz ohne Struktur, welche ein jeder von uns hinter sich gelassen hatte. Angestrengt versuchte ich mir meine Angespanntheit nicht anmerken zu lassen, während ich vor dem Zwergenkönig herlief, welcher mir bohrende Blicke in den Rücken warf.
Ich öffnete die Tür und sofort fiel mir auf, dass der Regen nachgelassen hatte, was die Menschen dazu veranlasste sich noch stärker auf den Straßen zu bewegen. Wie erwartet packte mich Thorin unsanft an der Schulter und zog mich in eine danebenliegende Gasse, wo er mich augenblicklich gegen die Wand presste. Sein Gesicht war dem meinen so nah, dass ich auch nur die Lippen hätte bewegen müssen und schon wäre es zu einem Kuss gekommen. Wärme breitete sich in mir aus, verstrickte sich in einen Kampf mit der Angespanntheit in mir, während ich versuchte all die Erinnerungen in ihrem Käfig zu halten.
„Ich habe keine Ahnung, was Euer teuflischer Plan ist oder weshalb ihr so töricht seid Euch einer so gefährlichen Reise zu verpflichten, doch seid Euch im Klaren darüber, dass ich nicht für Euer Schicksal bluten werde. Ihr allein seid für jene Dinge verantwortlich, die Euch widerfahren mögen.“
Die Wut in seinem Inneren über meine Teilhabe an der Unternehmung schien ihn rasend zu machen, doch aus irgendeinem Grund wagte er es ebenso wenig sich über den weisen Zauberer hinwegzusetzen. Ich hingegen lachte ihm nur entgegen, was mir einen verwirrten Blick meines Gegenübers einbrachte.
„Macht Euch keine Gedanken um meine Absichten oder gar mein Schicksal werter Thorin, sonst treibt es Euch noch in den Wahnsinn. Ihr werdet stärker für mein Schicksal bluten als Ihr es Euch in Euren schlimmsten Alpträumen ausmalen mögt.“
Ich hatte keinen Schimmer, aus welcher Tiefe meiner Seele mein letzter Satz hervorgekrochen war, noch, was er bedeuten mochte, doch bereute ich meine Worte keine Sekunde. Thorin hatte scheinbar ebenso wenig damit gerechnet, möglicherweise ängstigte er sich soeben ein wenig vor mir, doch hatte ich mir fürs Erste wohl Respekt geschaffen. Schnell hatte sich mein Gegenüber gefangen, nickte mir lediglich zu und verschwand anschließend unter den Menschen.
Was zum Teufel hatte dieser Satz nur zu bedeuten?
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