Noho ola Ohana, Noho ola Aloha

GeschichteAbenteuer, Familie / P16
Chin Ho Kelly Danny "Danno" Williams Kona "Kono" Kalakaua OC (Own Character) Steve McGarrett
12.05.2018
18.04.2020
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Kapitel 1


Alex


„Hey Süße, was geht ab?“ Ich rolle mit den Augen und schiebe mich an Scott vorbei, der mich schmierig angrinst. „Lass mich in Ruhe, Scott.“, sage ich genervt. Ich knalle die Akten auf meinen Schreibtisch und mache mich auf den Weg in die Cafeteria. Scott versucht es noch mit einigen schmierigen Anmachsprüchen, dann gibt er auf.

In der Cafeteria angekommen hole ich mir was zu essen und einen Kaffee und setze mich an meinen Lieblingstisch am Fenster zur Straße. Die Mittagspause ist fast der beste Teil des Tages. Keine nervigen Kollegen, keine dämlichen Straftäter und keine Leichen. Fast alle meine Kollegen sind irgendwie nicht so mein Ding. Die ganzen Kerle sind entweder vergeben, total dämlich, oder schwul. Oder sie sind so wie Scott und belästigen einen den ganzen Tag mit dummen Sprüchen. Seufzend trinke ich meinen Kaffee aus und bringe mein Tablett weg. Dann kehre ich an meinen Schreibtisch zurück und erledige den Papierkram des letzten Mordfalls.

Am späten Nachmittag bringe ich die fertigen Akten meinem Chef und mache mich auf den Heimweg. Vor dem LAPD steige ich in meinen silbernen Camaro und atme tief durch. Ich liebe dieses Auto. Ich starte den Motor und lausche dem Geräusch einen Moment. Dann fahre ich aus der Parklücke und durch Los Angeles zu meiner kleinen Wohnung. Ich steige die vielen Treppen nach oben bis in den 4. Stock und schließe meine Tür auf. Dann lege ich mein Holster mit der Pistole in das oberste Schubfach der Kommode und lasse mich auf mein Sofa fallen. Mein Tag hat einen total geregelten Ablauf. Morgens aufstehen, schnelles Frühstück und zur Arbeit. Abends wieder nach Hause, essen und schlafen. Das ist so trostlos. Das einzig rettende ist mein Job bei der Mordkommission. Natürlich abgesehen von meinen Kollegen. Da kommt mir eine Idee. Ich liebe zwar meinen Job, aber hier kann ich nicht länger bleiben. In diesem Strudel aus Alltag. Ich brauche dringend frischen Wind und Urlaub hilft da nicht. Dann zögere ich einen Moment. Ich setze mich auf und sehe aus dem Fenster. Dann stehe ich auf und gehe ans Fenster. Ich lasse meinen Blick über die Fountain Ave. Gleiten und überlege. Ich meine L.A. ist tatsächlich eine schöne Stadt, aber das hier ist die Stadt für die ganz großen. Für die Schauspieler, Sänger und Stars. Und nicht für mich. Ein Standortwechsel muss her! Nur wohin? Seufzend lasse ich mich wieder aufs Sofa fallen, nur um gleich wieder aufzustehen und ruhelos in der Wohnung umherzutigern. Beim kochen mache ich mir weitere Gedanken. Ist es wirklich das Richtige?

Die halbe Nacht liege ich noch wach, ruhelos und mit permanent kreisenden Gedanken. Doch dadurch sehe ich am nächsten Morgen nur noch schlimmer aus. Augenringe, wie ein Panda und Knitterfalten, wie ein ungebügeltes Hemd zieren am nächsten Morgen mein Gesicht. Ich überschminke das schlimmste sorgfältig und schlüpfe in ein dunkelrotes Hemd und eine Jeans. Ich schlinge mir das Schulterholster um und versenke die Pistole darin. Dann ziehe ich meine Jacke an, schnappe mir Schlüssel, Handy und Portemonnaie und verlasse meine Wohnung.

Auf dem Polizeirevier angekommen, habe ich noch nicht einmal meine Jacke ausgezogen, da hält mir schon jemand eine Fallakte unter die Nase. „Guten Morgen, meine Schöne. Wir haben wieder einen gemeinsamen Fall abgestaubt.“, sagt jemand und ich seufze. „Ja, Scott. Ich freu mich wahnsinnig.“, sage ich ironisch und Scott grinst breit. „Na dann, auf zum Tatort.“, sage ich resigniert und füge hinzu: „Ich fahre!“

Am Tatort angekommen führt uns ein Officer unter dem Sperrband durch zur Leiche. Ich bleibe einen Moment vor der Leiche stehen. Mit gesenktem Kopf verharre ich einen Moment in vollkommener Stille in Gedenken an den Toten. „Bist du bald fertig?“, fragt Scott etwas pikiert und ich rolle genervt mit den Augen. „Wen haben wir hier?“

Als wir vom Tatort zurückkehren schmeiße ich meine Jacke auf den Stuhl und gehe geradewegs ins Büro von unserem Captain. „Alexandra, was gibt’s?“, fragt Jimmie Heast neugierig. Glücklicherweise ist er verheiratet und rückt mir somit nicht auf die Pelle. „Ich will versetzt werden.“, sage ich ohne Umschweife. Überrascht sieht er mich an. „Wie war das?“, fragt er. „Ich will eine Versetzung. So schnell es geht, bitte.“, füge ich hinzu. Etwas verdattert richtet er die Unterlagen auf seinem Tisch und sieht dann wieder zu mir. „Ich… du weißt, dass ich so eine gute Polizistin nicht einfach gehen lassen kann.“, erklärt er. „Ja, ich weiß. Aber ich kann hier nicht länger bleiben.“ Prüfend sieht er mich an. „Ist alles okay? Muss ich mir Sorgen machen? Hast du was verdächtiges beobachtet?“ Die Fragen sprudeln nur so aus ihm heraus. „Nein, um Gottes Willen. Das meine ich nicht.“, sage ich beruhigend. „Nein, ich meine, ich brauche einen Tapetenwechsel. Eine andere Stadt.“, füge ich hinzu. Jimmie seufzt erleichtert auf und ich lächele. „Bist du dir sicher?“, fragt Jimmie und legt kurz eine hand auf meine Schulter. Er ist einer der wenigen, der schwer in Ordnung ist. Ich zögere einen Moment. Ja, bin ich mir den sicher? Noch ehe ich die Frage zu ende gedacht habe, nickt mein Kopf. „Na gut. Du schließt den Fall aber noch ab, oder?“, fragt er und ich nicke lachend. „In Ordnung. Ich werde mich mal erkundigen, wo noch eine großartige Polizistin gebraucht wird.“, erklärt er augenzwinkernd.

„Okay, Scott. Hast du was für mich?“, frage ich und lasse mich auf meinen Stuhl fallen. „Außer diesem umwerfenden Körper gerade nicht so viel.“, erklärt er und stellt sich genau vor mich. „Scott, du gehst mir allmählich echt auf die Nerven.“, zische ich. „Alexandra, Liebes. Ich hab hier den Bericht aus der Pathologie für dich.“, ruft Julius quer durch den Raum. Julius ist noch mein bester Freund beim LAPD und zudem stockschwul. Also mein schwuler bester Freund. Er ist zuckersüß und versteht es meinen Tag aufzubessern. Ihn werde ich noch am meisten vermissen. „Julius, mein Lieber. Vielen Dank.“, sage ich erleichtert und schiebe Scott beiseite. „So macht man das.“, raune ich ihm zu. „Jules, warum sehen wir uns das nicht bei einem Kaffee an.“, schlage ich dem Polizisten vor und er nickt begeistert. Julius nennt sich selbst manchmal gern Jules, weil er findet, dass das britischer klingt als Julius. Ich hake mich also bei Jules ein und schleife ihn mit in die Cafeteria. „Jules, ich muss dir was sagen.“, gestehe ich, als wir mit unseren Kaffees am Fenster sitzen. „Was ist denn, Liebes. Macht dir etwas Sorgen? Oder, sag bloß du hast jemanden kennengelernt.“, fragt er verschwörerisch. Ich grinse winke aber ab. „Weder noch. Wobei letzteres auch mal sehr angenehm wäre. Ich war ewig nicht mehr aus.“, überlege ich laut. „Also ich kenn da ein paar Leute, die wären sicher angetan von dir.“, erwidert er mit einem Augenzwinkern. „Danke, lieb von dir, aber kehren wir zum Thema zurück. Jules, ich lasse mich versetzen.“ Mit großen Augen sieht mich der schwarzhaarige an. „Du gehst weg? Sag bloß, es liegt an dem alten Jules, das würde mir das Herz brechen.“, sagt er theatralisch. „Nein, um Gottes Willen!“, versichere ich ihm und er nickt erleichtert. „Dann liegt bestimmt an diesem Scott. Dieser widerliche Schleimbeutel.“, vermutet Jules. „So ähnlich. Ich brauche etwas frischen Wind. Etwas Veränderung in meinem trostlosen Alltag.“, erkläre ich. „Du bist mir doch nicht böse, oder?“, frage ich unsicher. „Um Gottes Willen, Nein. Liebes das ist großartig. Und wir beide können doch telefonieren. Und ich komme dich auch mal besuchen. Egal wo.“, erklärt er mit einem breiten Lächeln. Ich atme erleichtert aus und muss ebenfalls lächeln. „Liebes, wozu gibt es schließlich Telefone?“, fragt Jules lachend. „Ich schick dir dann eine Postkarte.“, verspreche ich lachend und dann gehen wir gemeinsam den Bericht der Pathologie durch.

Am Abend ruft Jimmie mich in sein Büro und fragt nach dem Stand der Ermittlungen. „Bisher noch nicht viel. Unser Opfer wurde erschossen mit einer Browning. Die einzigen Verdächtigen sind seine Frau und sein Geschäftspartner, beide hätten ein Motiv, aber auch ein Alibi, aber ich glaube sie hatte eine Affäre mit dem Geschäftspartner ihres Mannes. Ich werde den beiden morgen nochmal auf den Zahn fühlen.“, erzähle ich und Jimmie nickt. „Hör zu, ich hab mich mal umgehört. Es gibt tatsächlich eine freie Stelle für eine ranghohe Beamtin wie dich.“ Geschmeichelt lächele ich und er fährt fort. „Es gibt da eine Task-Force für organisiertes Verbrechen. Die hätten noch einen Platz frei. Sie wird angeführt von einem ehemaligen Navy SEAL. Dabei sind noch zwei Officer der dortigen Polizei und einer aus New Jersey.“, erzählt er weiter. Das klingt tatsächlich nicht schlecht. „Und wo läuft das Ganze?“, frage ich neugierig. „Das wirst du mir nicht glauben.“, grinst Jimmie und ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Auf Hawaii.“

Überrascht sehe ich ihn an. „Hawaii? Das Paradies? Das Hawaii?“, frage ich mit großen Augen und Jimmie nickt stolz. „Ich hab dem dortigen Gouverneur deine Akte geschickt und hab vorhin eine Rückmeldung erhalten.“, erklärt er. „Und?“, frage ich ungeduldig. Er ordnet einige Papiere auf seinem Tisch und sieht mich ernst an. „Er meinte du hättest außerordentliche Qualitäten und wärst die optimale Besetzung.“ „Aber…?“, frage ich noch ungeduldiger. Es hält mich kaum noch auf einem Fleck und ich mache einen Schritt auf Jimmie zu. „Aber…“ Er zögert kurz. „Wir müssen den Flug und dein Hotel bezahlen. Du hast den Job!“ Er grinst breit und ich kippe fast aus meinen Stiefeln. „Ich glaubs nicht.“, murmele ich. „Ich darf nach Hawaii ziehen! Wie cool ist das denn?!“ „Herzlichen Glückwunsch. Du hast es dir wirklich verdient.“, sagt Jimmie und lächelt. „Danke, dass du dich für mich eingesetzt hast.“, sage ich und umarme ihn. „Hey, du bist der beste Detective, den sich jedes Team nur wünschen kann. Ich muss mich eher bei dir bedanken, dass du es solange in diesem Team ausgehalten hast. Manche hier sind ja nicht gerade pfleglich mit dir umgegangen.“, meint er und ich lache. „Ich sag nur Scott.“, fügt er hinzu und lacht ebenfalls. „Aber sowas von.“, erwidere ich lachend. „Also, wann geht es los?“, frage ich. „Übermorgen. Du hast also noch genug Zeit, um zu packen. Und such dir am besten jemanden, der sich um die Wohnung kümmert und dir deine Sachen hinterherschickt.“, empfiehlt er mir und mir kommt sofort jemand in den Sinn. „Mach ich. Danke Jimmie.“ „Es war mir eine Ehre mit dir arbeiten zu dürfen.“, sagt Jimmie und nimmt seinen imaginären Hut ab. „Mir ebenfalls.“, erwidere ich und verlasse das Büro. „Hey Süße, ich hab da was, was du dir ansehen solltest.“, ruft Scott und drückt mir ein Foto in die Hand. „Das ist die Überwachungskamera aus dem Parkhaus der Firma unseres Opfers.“, erklärt er mir und ich mustere das Bild. Darauf sind eindeutig die Frau des Opfers und sein Geschäftspartner zu sehen, wie sie sich küssen. Auf weiteren Fotos ähnliche Szenarien. „Ich wusste es.“, murmele ich. „Und ich hab die Handydaten von beiden ausgewertet. Beide waren etwa zur Todeszeit am Tatort.“ Na das ist doch was. „Was ist mit den Alibis der beiden?“, frage ich zur Sicherheit. „Sie war tatsächlich auf der Party ihrer Freundin, ist aber vorzeitig abgedampft. Und er hat im Büro früher Schluss gemacht, laut seiner Sekretärin.“, erklärt er. „Also sind beide Alibis hinfällig.“, schlussfolgere ich. „Worauf warten wir dann noch?“, frage ich und schnappe mir meine Jacke. „Ich fahre!“, rufe ich noch und Scott folgt mir.

Wir fahren zuerst in die Firma des Opfers und werden von der Sekretärin des Geschäftspartners empfangen. „Eigentlich war der Plan nicht schlecht. Sie kassiert die Lebensversicherung ihres Mannes, er seine Anteile an der Firma. Er hätte sich dann ganz fürsorglich um die Frau seines besten Freundes gekümmert und beide hätten sich eine goldene Nase verdient.“, überlege ich. „Naja, ganz ausgereift war das aber auch nicht.“, fügt Scott hinzu. Die Sekretärin weigert sich uns durchzulassen, weil ihr Chef angeblich einen Termin hätte. Ich ignoriere sie und dränge mich an ihr vorbei. Durch die gläserne Bürotür kann ich erkennen, dass die Frau in dem Büro sitzt und ihr Liebhaber nebenan im Konferenzraum mit nem Haufen Anzugtypen spricht. „Du die Frau, ich den Mann.“, lege ich fest und marschiere in den Konferenzraum. „LAPD. Richard Marshall, ich nehme sie fest, wegen Mordes an Tyler Brown. Sie das Recht zu schweigen, alles was sie sagen kann und wird vor Gericht gegen sie verwendet werden. Sie haben das Recht auf einen Anwalt. Wenn sie sich keinen Anwalt leisten können wird ihnen vom Staat einer zur Verfügung gestellt.“ Verblüfft und schockiert verfolgen die Anzugtypen das Geschehen, während Richard Marshall sich widerstandslos und mit gesenktem Kopf abführen lässt.

Zurück auf dem Polizeirevier bringen wir die beiden in getrennte Zellen und ich gebe meinen vorläufigen Bericht bei Jimmie ab. Überrascht sieht er auf und mustert mich. „Wow. Das ging schnell.“, sagt er und ich nicke. „Wir sehen uns dann morgen.“, verabschiede ich mich. „Jules.“ Ich winke den schlaksigen jungen Mann heran und sage: „Ich lad dich heute auf ein Abendessen bei mir ein.“ „Oh super.“, kommt es begeistert zurück. „Wann fahren wir?“ „Jetzt.“ Ich schlüpfe in meine Jacke und wir verlassen das Polizeirevier.

Als wir zuhause bei einem Glas Sekt sitzen lasse ich die Bombe platzen. „Ich hab den Job. Und jetzt rate mal wo.“ Begeistert sieht Jules mich an. „Oh Liebes, das ist ja fantastisch. Okay ich rate dann mal. Gib mir einen Tipp.“, verlangt er. „Es ist das Paradies auf Erden.“, grinse ich und er sieht mich mit großen Augen an. „Las Vegas?“ Lachend schüttele ich den Kopf. Dann werden seine Augen noch größer. „Hawaii?“, fragt er verschwörerisch und ich jubele. „Jaa, 100 Punkte für den Kandidaten.“, grinse ich. „Echt jetzt? Du arbeitest auf Hawaii als Detective? Das ist ja perfekt.“, schwärmt Jules und ich nicke. „Ich werde bei einer Task-Force arbeiten. Mit einem Navy SEAL und drei Cops. Zwei von dort, einer aus New Jersey.“, erkläre ich. „Das klingt fantastisch. Aber sag bloß, das sind alles Kerle.“, fragt er verschwörerisch. Ich grinse und überlege dann. „Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht genau. Ich hab keine weiteren Infos bekommen.“, erkläre ich. „Aber noch was anderes. Ich werde ja dann dahinziehen und brauche jemanden der mir die Sachen hinterherschickt. Würdest du das für mich tun?“, frage ich. „Aber selbstverständlich, Liebes.“ Dann überlege ich einen Moment. Jules fand meine Wohnung schon immer super und im Vergleich zu seiner überteuerten Bruchbude ist das hier ein Schnäppchen. „Jules, was hältst du davon, wenn du hier einziehst?“, frage ich. „Ich übergebe die Wohnung an dich, Ich kläre das mit dem Vermieter. Die Miete ist vergleichsweise günstig und du wolltest die Wohnung sowieso immer haben.“, rede ich weiter. „Das würdest du für mich tun?“, fragt Jules mit großen Augen. „Selbstverständlich. Jules, du bist mein bester Freund.“, erwidere ich und ihm treten die Tränen in die Augen. „Das ist ja so unglaublich lieb von dir. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll.“, sagt er. „Gar nichts. Sieh es als Abschiedsgeschenk.“, erwidere ich. „Dafür musst du mir aber auch beim packen helfen.“, setze ich voraus.

Den ganzen Abend packen wir Sachen in Kisten und stellen sie schon in den Flur. Am nächsten Morgen fahre ich wie jeden Morgen zum LAPD und schreibe meinen Bericht fertig. Dann gebe ich ihn bei Jimmie ab. „Alex, warte mal kurz.“, bittet er mich und ich setze mich wieder. Er holt einen Umschlag aus einer Schublade und betrachtet ihn einen Moment. „Weißt du mir fällt es echt schwer dich gehen zu lassen.“, murmelt er und sieht mich an. „Mir fällt es ja irgendwo auch schwer. Aber ich glaube es ist das richtige.“, erwidere ich zuversichtlich. „Ja, bestimmt. Also hier sind deine Flugtickets und Referenzen von mir und meinem Chef. Ich hab für sich ein Zimmer im Hilton gebucht, bis du eine Wohnung gefunden hast.“, erklärt er und reicht mir feierlich den Umschlag. „Danke.“ Ich verlasse das Büro und setze mich an meinen Schreibtisch. „So wie ich dich kenne hast du deinen Bericht schon abgegeben, richtig?“, fragt Scott und stützt sich auf meinem Tisch ab. „Und so wie ich dich kenne wurdest du schon wieder von Susie abserviert, richtig?“, lautet die Gegenfrage. Frustriert schlägt mit der Faust auf den Tisch und wendet sich wieder ab. Regelmäßig versucht er mit Susie, der Empfangsdame zu flirten die vor unserem Großraumbüro sitzt. Und regelmäßig scheitert er. Ich hole eine zusammengefaltete Pappkiste aus dem untersten Schubfach und stelle sie auf. Ich packe alle Sachen von meinem Schreibtisch hinein und verschließe sie. „Ich bring sie rasch ins Auto, dann kannst du einen eleganteren Abgang machen.“, sagt Jules hinter mir und ich lächele. „Danke, das ist lieb von dir.“, erwidere ich und gebe ihm die Kiste.

Ich lasse den Blick durch das Büro schweifen und mein Blick bleibt an Jimmie hängen, der mich beobachtet. Er stellt mir mit einem Nicken eine stumme Frage die ich mit einem Nicken meinerseits beantworte. Er verlässt sein Büro und durchquert den großem Raum. Da kommt Scott auf mich zu, mit einer Fallakte wedelnd. „Hey Süße, wir beide haben einen neuen Fall.“, ruft er und grinst mich an. Er legt einen Arm um mich, den ich sofort wieder wegschiebe. „Du hast einen neuen Fall, mein Süßer.“, erwidere ich, letzteres eher ironisch und halte ihm meine Marke hin. Es ist nicht nur meine, sondern die des Teamchefs. Diesen Posten gebe ich jetzt an Scott weiter, weil er in der Rangfolge der nächste ist. „Was?“, fragt er perplex. „Du hast mich schon verstanden. Viel Spaß.“ Ich nehme meine Jacke und werfe einen letzten Blick auf meinen jahrelangen Schreibtisch. Alle anderen stellen sich bereits in dem Gang zum Fahrstuhl auf. Ich trete auf den besagten Gang und mein Blick wandert an meinen Kollegen entlang. Am Fahrstuhl stehen Jules, Jimmie und jetzt auch Scott und warten auf mich. Die anderen beginnen zu klatschen und ich muss Lächeln. Mit einem breiten Grinsen gehe ich durch den Gang den meine Kollegen gebildet haben. „Heute verabschieden wir uns von einer Kollegin die nicht nur eine jahrelange Freundin, sondern auch ein äußerst guten Detective ist. Und wir bedanken uns für die Arbeit die sie geleistet hat, um Los Angeles von Kriminalität zu befreien. Ich verleihe ihr die goldene Marke für hohe Einsatzbereitschaft und jahrelange Arbeit im Dienst des Staates Kalifornien.“, sagt Jimmie feierlich und überreicht mir einen kleinen Glaskasten in dem sich, eingebettet in rotem Samt, eine goldene Marke des Morddezernats befindet. Ich muss ein paar Tränen der Rührung zurückdrängen und nehme den Kasten entgegen. „Vielen Dank. Ihr seid echt tolle Kollegen. Ich muss mich für die Zusammenarbeit bedanken. Ohne euch hätte das nicht funktioniert. Danke.“, sage ich an alle gewandt. Dann umarme ich nacheinander Jimmie, Scott und Jules, der auch ein bisschen weint. Dann steige ich in den Fahrstuhl und meine ehemaligen Kollegen klatschen solange, bis sich die Türen schließen. Als ich unten in der großen Eingangshalle stehe pausieren auch hier alle, um mir zu applaudieren. Jimmie, Scott und Jules sind mir mit dem anderen Fahrstuhl gefolgt und begleiten mich noch bis zur Tür. Dann erklingt eine Durchsage die auf allen Stockwerken zu hören ist:

„Hiermit wird Detective Alexandra Storm aus dem polizeilichen Dienst von Kalifornien verabschiedet!“

Erneut klatschen alle bis ich zur Tür hinaus bin und Jimmie, Scott und Jules winken mir, bis ich im Auto davon fahre. Ich parke ein letztes Mal vor meiner Wohnung. Morgen früh kommt Jules, um mir die Wohnung abzunehmen, mit dem Vermieter ist schon alles geklärt. Ich konnte sogar die Überführung meines Camaros organisieren. Den lasse ich nämlich nicht hier. Die Koffer mit den wichtigsten Sachen sind auch schon gepackt und für morgen habe ich mir meine dunkelblaue Lieblingsbluse und eine weiße Jeans rausgelegt. Schließlich will ich einen guten Eindruck machen.

Am Abend stehe ich an meinem obligatorischen Fenster, trinke ein Glas Wein und starre auf sie Fountain Ave. Mein letzter Tag in L.A. neigt sich dem Ende zu. Für einen Moment überlege ich mich nochmal schick zu machen und in einen Club zu gehen, verwerfe diese Idee aber wieder. Stattdessen setze ich mich auf mein Sofa und zappe noch ein wenig durch das Fernsehprogramm. Bevor ich ins Bett gehe, spaziere ich nochmal durch meine Wohnung. Das kleine Bad mit Fenster zum Innenhof des Gebäudekomplexes, die Küche mit dem kleinen Tresen, mein Wohnzimmer mit dem großen Fenster und dem weinroten Sofa und die knarrenden Holzdielen überall. Mein Schlafzimmer ist auch nicht sehr groß aber gemütlich. Ein Einzelbett aus massivem Holz mit meiner karierten Lieblingsbettwäsche und mein weißer Kleiderschrank mit Spiegeltür. Dieser ist bereits leer und mein Outfit für morgen hängt an der Tür. Aus diesem Raum wird nur ein Objekt mit nach Hawaii wandern: mein oranger Nachttisch. Er ist mit Stoff bezogen und sieht aus wie ein gepolsterter Würfel. Schließlich kuschele ich mich unter die Bettdecke und lausche dem Treiben auf der Straße, bis ich einschlafe.

Am nächsten Morgen klingelt mein Wecker um 9 Uhr, etwas später als sonst, und ich schleppe mich müde ins Bad. Auf Hawaii würde ich noch zwei Tage Urlaub haben, bis ich meine neue Stelle antreten soll. Endlich mal ausschlafen. Mir fällt auch gar nicht mehr ein, wann ich das letzte Mal woanders, als in L.A. Urlaub gemacht habe. Auf dem Rückweg aus dem Bad packe ich die letzten Sachen in den Koffer und schlüpfe in meine Klamotten. Natürlich habe ich meine wärmeren Klamotten noch in Kisten gelassen, schließlich ist es auf Hawaii ja nicht mal im Winter sonderlich kalt. Hier zwar auch nicht, aber für Notfälle hab ich immer ein paar lange Pullover, dicke Jacken und ein paar Winterstiefel. Irgendwann klingelt es an der Tür und Jules umarmt mich, als ich ihm öffne. „Guten Morgen, Liebes. Hast du schon fertig gepackt?“, fragt er neugierig und ich nicke. „Wunderbar, wann musst du los? Hast du noch Zeit für einen Kaffee?“, fragt er und ich nicke abermals. „Wunderbar.“ Wir setzen uns in die Küche und ich mache uns Kaffee. „Und bist du schon aufgeregt?“, fragt Jules grinsend. „Jaa, furchtbar.“, erwidere ich halb gequält, halb lachend. „Das glaub ich dir aufs Wort.“, erwidert Jules lachend. „Aber sag mal, Liebes: du nimmst diese zauberhafte Kaffeemaschine doch nicht etwa mit, oder?“, fragt er und ich muss lachen. „Dieses Meisterstück wandert auf jeden Fall mit auf die Insel.“, lache ich. „Also gut, dann brauche ich eben doch eine neue.“, gibt Jules zerknirscht zu.

Eine Stunde später ist es Zeit sich zu verabschieden. „Liebes, ich wünsch dir ganz viel Spaß auf der Insel. Du packst das. Du bist die beste Polizistin in ganz L.A., wenn die dich nicht wollen, ja dann weiß ich auch nicht weiter.“, erklärt Jules und wir lachen. „Auf Wiedersehen, Jules. Ich hab dich lieb.“, sage ich und umarme ihn. „Ich dich auch, Liebes. Ich dich auch.“, schnieft er und wischt sich eine Träne von der Wange. „Ich schick dir ne Postkarte. Versprochen!“, rufe ich durchs Treppenhaus. Mühsam quetsche ich die Koffer in den Kofferraum des Camaro und werfe meine Handtasche auf den Rücksitz. Ich winke Jules ein letztes Mal, der oben an meinem Fenster steht und steige ein.

Da ich gegen den Berufsverkehr fahre, dauert es nicht allzu lange bis zum Flughafen. Dort gebe ich die Autoschlüssel am Schalter für Überführungen ab und gebe mein Gepäck auf. Schon bald krame ich meine Kopfhörer aus der Tasche und hänge sie um meinen Hals. Ich hole mir noch einen Kaffee und einen Wrap, bevor ich mich in eine Ecke zurückziehe und meine Kopfhörer aufsetze. Noch mit meinem Kaffee in der Hand mache ich mich dann auf den Weg zum Boarding und lasse mich nach der, wegen meiner Marke sehr kurz ausfallenden Sicherheitskontrolle, in dem abgeriegelten Bereich nieder. Als ich endlich im Flugzeug sitze werde ich doch aufgeregt. Etwas hibbelig trommele ich mit den Fingern auf meinem Knie herum, bis mich jemand anspricht. Rasch nehme ich die Kopfhörer ab und sehe den Mann an, der mich angesprochen hat. Er ist schon etwas älter und hat schütteres graues Haar. „Entschuldigung, was haben sie gesagt?“, frage ich nach und Belustigung blitzt in den grauen Augen des Mannes auf. „Ich hab gefragt, ob es einen Grund für ihre scheinbar unermessliche Aufregung gibt.“, wiederholt er freundlich. „Achso. Ja sozusagen. Ich trete einen neuen Job an.“, erkläre ich lächelnd. „Das freut mich für sie.“, erwidert der Mann und lächelt ebenfalls. „Als was arbeiten sie, wenn ich fragen darf?“, fragt er und deutet auf mein leeres Schulterholster. Die Pistole ruht sicher und ohne Magazin in einem verschlossenen Koffer beim Handgepäck. „Ich bin Detective.“, erkläre ich und er nickt anerkennend. „Dann muss ich mir auf diesem Flug ja keine Sorgen machen, wenn ich neben einem so bezaubernden Detective sitze.“, sagt er lächelnd.

Der Flug dauert nicht so lange, wie ich dachte, dafür aber umso länger mein Gepäck zu finden. Den Schalter für die Autoüberführungen finde ich auch schnell und die Frau führt mich durch den Flughafen zurück aufs Flugfeld. Mein Auto ist scheinbar das einzige das überführt wurde. „Bitte prüfen Sie nach, ob ihr Auto auch keine Schäden davon getragen hat. Für diese kommen wir natürlich selbstverständlich auf.“, erklärt die Frau. Ich gehe einmal um den Camaro herum und prüfe alles sorgfältig. Tatsächlich ist es heil geblieben. „Wegen der Sicherheitsvorkehrungen musste der Tank entleert werden, aber ein Tankfahrzeug wird gleich hier sein. Wir tanken einmal voll, das ist für sie kostenlos.“, erklärt die Frau weiter. „Hier sind ihre Schlüssel und die Kopie der Versicherung. Sollten innerhalb von 24 Stunden noch nachfolgende Schäden auftreten, kontaktieren Sie uns bitten.“ Ich nicke und nehme beides an mich. Als der Wagen vollgetankt ist, folge ich einem Sicherheitswagen, der mich vom Flugfeld und zur Straße bringt. Dann hole ich mein Gepäck ab, was für mich aufbewahrt wurde und am Ausgang begrüßt mich ein Mitarbeiter mit „Aloha“ und hängt mir eine der Blumenketten um. Ich verstaue mein Gepäck im Kofferraum und setze mich auf den Fahrersitz. Als erstes öffne ich den Koffer meiner Waffe und schiebe das Magazin wieder rein. Dann seufze ich und suche in meinem Handy nach der Adresse der Zentrale dieser Task-Force. Ihr Name ist Hawaii Five-0. Klingt ziemlich cool. Ich gebe die Adresse in das Autonavi ein und fahre los. Die Insel ist wirklich schön. Wie ich herausgefunden habe sind wir gar nicht auf der Insel Hawaii, sondern auf Oahu. Hawaii wird auch Big Island genannt, weil sie die größte Insel ist. Beim Fahren sehe ich immer wieder aus dem Fenster und beobachte die Stadt und die Menschen. Da springt die Ampel von rot auf grün und ich fahre los. Als ich mitten auf der Kreuzung bin rammt mich jemand. Erschrocken schreie ich auf und werde zur Seite geschleudert. Reflexartig greife ich nach meiner Waffe, die allerdings irgendwo in meiner Tasche steckt. Da knallt ein Schuss durch die Luft und ich ducke mich, doch die Kugel streift mich am Oberarm. Ich beiße die Zähne zusammen und suche nach meiner Waffe. „Deswegen hasse ich Handtaschen.“, fluche ich. Endlich finde ich sie und schnalle mich ab. Ich richte die Pistole aus dem zerborstenen Fenster und schieße auf den schwarzen Pick-Up der mich gerammt hat. Ich höre einen unterdrückten Schrei und nutze die Feuerpause, um aus der Beifahrertür des Autos zu krabbeln und mich dahinter zu verschanzen.