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Das Herz der Alchemie

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Eskel Geralt von Riva Lambert OC (Own Character) Triss Merigold Yennefer von Vengerberg
11.05.2018
11.05.2019
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06.12.2018 3.317
 
Nebel war am Abend vom Pontar her aufgezogen und dämpfte die Geräusche der Schritte der beiden Frauen, die in ihre Mäntel gehüllt und die Gesichter hinter weiten Kapuzen verborgen durch die Gassen von Oxenfurt eilten. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde es  immer noch unangenehm kalt und die klamme Feuchtigkeit des Nebels verstärkte diesen Eindruck noch mehr.
Thalia und Shani waren froh, der Kälte zu entkommen, als sie den warmen, einladenden Gastraum der ‘Alchemie’ betraten. Die beiden blickten sich zunächst um - zu dieser Stunde war das Gasthaus gut besucht, an den zahlreichen Tischen saßen Reisende, Studenten und andere Universitätsangehörige. Thalia erkannte viele der Anwesenden wieder. Sie bedeutete Shani, einen der freien Tische an der Seite des Raums zu wählen. Die vom Nebel feuchten Mäntel hängten sie über die Lehnen der Stühle und orderten ihre Getränke.
“Ganz schön viele bekannte Gesichter heute hier”, raunte Shani Thalia zu.
“Damit war zu rechnen. Eskel hat sich ja leider ein Zimmer in einer der beliebtesten Gaststätten der Stadt ausgesucht. Aber es wird schon niemand Verdacht schöpfen. Du weißt doch: Frauen gehen doch immer zu zweit auf den Abort …“ Sie zwinkerte Shani schelmisch zu.
Als die beiden wenig später den Weg zum hinteren Bereich der Gaststätte einschlugen und in den Korridor traten, bogen sie jedoch nicht zu den separierten Abtritten ab, sondern stiegen die Treppe zu den Nachtquartieren hoch.
Thalia klopfte sacht an die Tür zu Zimmer 7.
Fast augenblicklich öffnete Eskel - anscheinend hatte er sie bereits wieder einmal anhand ihrer Schritte erkannt. Thalia umarmte ihn sofort, als sie das Zimmer betrat. Eskel drückte sie an sich und seufzte zufrieden. Dann fiel sein Blick auf Shani, die die Tür hinter sich schloss und Eskel freundlich zulächelte.
“Äh … du hast eine Freundin mitgebracht?”
Thalia löste sich halb aus seiner Umarmung, den linken Arm jedoch weiterhin um ihn geschlungen.
“Das ist Shani, ich hatte dir schon einmal von ihr erzählt. Sie ist Medizinerin an der Universität. Falls mich wirklich jemand beobachten sollte, war es unauffälliger, nicht allein in eine Gaststätte zu gehen. Außerdem könnte sie uns vielleicht helfen. Eskel …“ Sie blickte ihn nach Worten suchend an. “Lambert ist im Gefängnis. Zusammen mit dieser Zauberin Keira Metz.”
Das Lächeln verschwand sofort von Eskels Gesicht. “Lambert? Er ist hier? Wieso wurde er festgenommen?”
“Er hat versucht, Keira vor den Hexenjägern zu beschützen, als er zusammen mit ihr in Novigrad war.”
“Hexenjäger? Ich dachte, deren Zeit wäre vorbei …”
“Die Regierung hat sie wohl wieder eingesetzt. Zusammen mit dem Orden des Ewigen Feuers. Als wenn sie nur darauf gewartet hätten … Sie haben bereits einen Teil des Gefängnisses übernommen. Als ich heute Nachmittag dort war, habe ich gesehen, dass überall Dimeritium platziert wurde, um Magie zu unterbinden. Sie planen offenbar, weitere Zauberer zu inhaftieren. Aber Keira wurde nicht zufällig aufgegriffen. Ihr wurde gezielt eine Falle gestellt. Weil sie große Fortschritte bei der Erforschung der Catriona-Krankheit gemacht hat, soll sie unsere Forschungsgruppe unterstützen. Die Erreger sind miteinander verwandt und ihre Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die Seuche unter den Anderlingen zu verbreiten.”
“Warum sollte sie euch bei der Entwicklung dieser Waffe helfen?” Eskel runzelte verwirrt die Stirn. “Auf Keira mögen zwar alle negativen Eigenschaften einer Zauberin zutreffen, aber selbst sie hat Prinzipien. Ich bin sicher, sie würde niemals einen Massenmord unterstützen - egal, was sie ihr androhen.”
Thalia ergriff seine Hand, drückte sie leicht. “Sie benutzen Lambert, um sie unter Druck zu setzen. Sie haben ihn misshandelt, vor ihren Augen.  Eskel, wir müssen schnell etwas unternehmen! Lambert war klug genug, den Wärtern nicht zu zeigen, dass er mich kennt und ich habe so getan, als ob ich das Spiel mitspiele und habe Keira zu ihren Forschungen befragt. Als die Wächter sich laut miteinander unterhalten haben, habe ich sie wissen lassen, dass ich nicht die Absicht habe, diesen Erreger zu verbreiten. Und dass ich ihnen helfen werde. Dass sie noch etwas durchhalten müssen.” Tränen hatten sich in Thalias Augen gesammelt, von denen eine nun langsam ihre Wange hinunterrollte. Eskel wischte sie sanft mit seinem Daumen weg.
“Wir werden ihnen helfen. Aber das schaffen wir nicht alleine.” Er dachte kurz nach. “Ich reite nach Novigrad. Dort lebt ein alter Freund von Geralt, über den ich ihn kontaktieren kann. Geralt hatte einmal erwähnt, dass er diesem Freund ein Xenogloss überlassen hat, mit dessen Hilfe er im Notfall mit ihm in Corvo Bianco kommunizieren kann. Geralt wird uns unterstützen, mit etwas Glück auch Yennefer. Ich kann in zwei Tagen in Novigrad sein, wenn ich mich beeile. Zusammen sollten wir dann in drei Tagen zurück sein, wenn Geralt per Portal reist. Hoffen wir für Lambert und Keira, dass sie so lange durchhalten …”
Shani war ein wenig näher an die beiden herangetreten. “Ich werde Thalia in der Zwischenzeit hier bei den Vorbereitungen unterstützen. Falls sie wirklich unter Beobachtung stehen sollte, ist es besser, wenn sie nicht allein alle Vorkehrungen trifft. Wir haben uns schon ein paar Gedanken dazu gemacht, wie die Befreiungsaktion gelingen könnte …”



Auch, wenn Eskel die Freie Stadt Novigrad mit ihrer nicht zu ignorierenden Geräusch- und Geruchskulisse schon immer zuwider gewesen war - nach zwei Tagen im Sattel freute er sich beinahe, als er durch das Stadttor hindurch ritt.
Die Abenddämmerung brach bereits herein. Nachdem Eskel Skorpion im nächstgelegenen Sammelstall untergebracht hatte, machte er sich auf den Weg zur Südstadt, in der das Vergnügungsviertel Novigrads angesiedelt war. Geralt hatte ihm vor ein paar Jahren erzählt, dass sein Freund, der Barde Rittersporn, ein Kabarett in Novigrad unterhielt. Eskel hoffte inständig, dass dem auch immer noch so war. Wenn er sich nur an den Namen des Etablissements erinnern könnte …
Als Eskel am Platz des Hierarchen angekommen war, hatte sich sein sensibles Hexergehör bereits ein wenig an den Lärm der Stadt gewöhnt und immer häufiger machte er einzelne Gesprächsfetzen aus, wenn er auf seinem Weg an Menschen vorbeikam. Dass er von einigen kritisch beäugt wurde, war ihm nicht entgangen. Daran war er gewöhnt. Die Stimmung, die ihm entgegengebracht wurde, war jedoch seit seinem letzten Besuch in der “Freien Stadt” deutlich feindseliger geworden. “Widerlicher Hexer” … “ekelhafter Mutant” … “bald wird dieser Abschaum auch brennen” …
Eskel versuchte, die aufgeschnappten Äußerungen zu ignorieren. Als er an der gegenüberliegenden Seite des Platzes Hexenjäger ausmachte, die ihren Blick über den Platz schweifen ließen, fiel es ihm jedoch schwer, seine Gelassenheit zu wahren.
Also war es wirklich so, wie Thalia geschildert hatte. Nicht, dass er an ihren Äußerungen gezweifelt hätte, aber diese Fanatiker mit eigenen Augen wieder wie selbstverständlich durch die Straßen der Stadt patrouillieren zu sehen, war etwas anderes.
Schnellen Schrittes ging er weiter in Richtung Südstadt. Sein Blick fiel auf ein buntes Plakat, das an einer Hauswand befestigt war und für ein kurzweiliges Bühnenstück warb: “Der gehörnte Baron” - eine Komödie in drei Akten, musikalisch untermalt von der faboulösen Priscilla. Die Aufführung fand allabendlich im “Chamäleon” in der Glorienstraße statt - den Angaben auf dem Plakat nach zu urteilen das berühmteste Kabarett Redaniens, geführt vom weltbekannten Poeten Rittersporn persönlich.
Kurz war Eskel verwirrt, dass sich die Suche nach dem Barden als so leicht herausstellen sollte - doch auch ein Hexer hatte eben von Zeit zu Zeit einmal Glück. In der Straße angekommen, war das mehrstöckige Etablissement nicht zu übersehen. Bunte Banner zierten die Fassade, ein lautes Stimmengewirr und Gelächter drang aus dem geöffneten Eingangsportal.
Eskel betrat das Kabarett, in dem die Aufführung bereits im Gange war. Auf der Bühne, die die gesamte rechte Seite des Gastraumes einnahm, gaben vier Schauspieler ihr Können zum Besten. Gerade versuchte ein gut gekleideter, älterer Mann - offenbar der Baron in dem gleichnamigen Stück - eine junge, leicht bekleidete Dame für sich zu gewinnen. Seine linkischen Versuche, das Wohlwollen der Schönheit zu erlangen, wurden vom Publikum mit lautem Gelächter quittiert.
Eskel ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Alle Tische waren belegt, selbst an den Seiten des Raums standen Gäste, um der Aufführung beizuwohnen. Er selbst war Rittersporn nie begegnet, kannte den Barden lediglich aus den Schilderungen Geralts. Soweit er sich erinnern konnte, pflegte der Poet einen recht auffälligen Kleidungsstil und Eskel hoffte, ihn trotz des voll besetzten Saals daran erkennen zu können.
Der Akt war offenbar zu Ende, das Publikum spendete euphorisch Applaus. Eine junge, überaus ansehnliche Frau betrat die Bühne. Ihr langes, blondes Haar wurde von einer roten Kappe gekrönt, geschmückt mit einer langen Feder. Grazil nahm sie auf dem bereitgestellten Hocker Platz, stimmte auf ihrer Laute eine heitere Melodie an und begann dazu mit engelsgleicher Stimme zu singen.
Eskel machte sich für gewöhnlich nicht viel aus Musik, doch der Gesang der jungen Frau vermochte auch ihn zu fesseln. Jedoch nur bis zu dem Moment, als sein Blick auf den Mann fiel, der am Rand der Bühne stand und der Dame genüsslich lauschte.
Ganz in blau und violett gekleidet, ein federgeschmücktes Barett auf dem wohl frisierten Scheitel, stach der Mann deutlich aus der Masse der Anwesenden hervor. Eskel bahnte sich einen Weg durch das Publikum und hielt auf den Gecken zu. Als ihn nur noch wenige Meter von dem Mann trennten, blickte dieser zu ihm hin. Der Barde erschrak sichtlich und wich einen Schritt zurück. Dann fiel sein Blick auf Eskels Wolfsamulett und er entspannte sich sichtlich.
Eskel blieb wenige Schritte vor dem Mann stehen. “Seid Ihr Rittersporn?”
“Der bin ich, höchstpersönlich. Und Ihr müsst … Meister Eskel sein, wenn ich mich nicht täusche?”
Eskel senkte zustimmend den Kopf. Bevor er dem Barden sein Anliegen vortragen konnte, sprach dieser schon weiter. “Welch Freude, einmal einen von Geralts Freunden persönlich kennenzulernen. Er hat mir viel von Euch erzählt … nun ja, Ihr kennt ihn ja. Nicht wirklich viel. Aber er sprach stets von Euch wie von einem Bruder. Sagt, was führt Euch her? Sucht Ihr nach Aufträgen? Dann muss ich Euch leider sagen, dass Novigrad kein gutes Pflaster für Euch sein wird. Ihr habt sie vielleicht schon gesehen: Die Hexenjäger streifen wieder durch unsere Straßen. Sie machen Stimmung gegen alles, was ihnen fremd ist - Anderlinge, Zauberer … und auch Hexer. Seht Euch besser vor und geht ihnen aus dem Weg. An eurer Stelle würde ich Novigrad so bald wie möglich verlassen. Ich hoffe, auch euer Bruder Lombard macht einen großen Bogen um die Stadt.”
“Lambert.” Eskel nutzte die Atempause des Barden, um ihn zu korrigieren. Der Redefluss Rittersporns hatte ihn kurz irritiert. Aber was sollte man auch von einem Mann der Worte anderes erwarten …?
“Und seinetwegen bin ich hier. Ich muss dringend Kontakt zu Geralt aufnehmen. Er sagte mir einmal, dass er Euch ein Xenogloss überlassen hat, mit dem Ihr ihn erreichen könnt?”
“Oh, ja, das hat er. Es ist dringend, sagt Ihr? Nun, dann lasst uns keine Zeit verschwenden. Folgt mir, bitte.” Der Barde gab der Sängerin auf der Bühne, deren Blick während ihrer Darbietung immer wieder zu Eskel gewandert war, ein knappes Handzeichen, um ihr zu versichern, dass alles in Ordnung sei. Dann ging er voraus zur Treppe, die in die oberen Stockwerke führte.
Sobald sie den Gastraum hinter sich gelassen hatten, ergriff Rittersporn wieder das Wort. “Geralt wird sich sicherlich freuen, von Euch zu hören. So zufrieden er in Toussaint auch zu sein scheint, aber manchmal glaube ich, er vermisst sein altes Hexerleben. Er sagte mir einmal, dass er hin und wieder noch Aufträge annimmt, aber die meisten beschränken sich offenbar auf irgendwelche verseuchten Weinkeller. Nichts Aufregendes - eher “Kammerjägerarbeit”, wie er meinte. Hier entlang, das Xenogloss befindet sich in meinen Privaträumen. Ich habe es bisher erst ein paar Male benutzt.”
“Ich dachte, es wäre hauptsächlich für Notfälle gedacht.”
“Nun ja, natürlich. Aber manchmal möchte man doch einfach nur kurz reden.” Eskel konnte sich kaum vorstellen, dass der Barde zu einer nur kurzen Konversation in der Lage war… Ohne Unterbrechung fuhr dieser auch schon fort: “Oder man möchte sich nach alten Bekannten erkundigen. Geralt hat hin und wieder Kontakt zur Regentin von Toussaint, Herzogin Anna Henrietta. Wusstet Ihr das? Und zufälligerweise ist die Dame auch eine gute Freundin meiner Wenigkeit. In Toussaint weiß man die schönen Künste noch zu schätzen. Poesie, Theater, Musik … dort wird uns Künstlern mit dem gebührenden Respekt begegnet. Nicht so wie hier …” Der Barde verzog wie angewidert den Mund. “Manchmal frage ich mich, ob ich mich nicht auch besser dort niedergelassen hätte. Aber jetzt ist es nun einmal so. Und ich will mich nicht beklagen: Das “Chamäleon” floriert, Priscilla - die entzückende Dame, die Ihr vorhin auf der Bühne bewundern konntet - und ich ergänzen uns aufs Trefflichste und unsere Kunst zieht Besucher aus ganz Redanien an.”
Rittersporn führte Eskel den Hauptkorridor entlang und öffnete eine Tür am Ende des Flurs. Der Raum diente offenbar sowohl als Schlafzimmer als auch als Lagerraum für Kostüme. Eskels Blick fiel auf prächtige Roben, bunte Stoffe, Flitter, Glitzer, Federn und Kopfbedeckungen aller Art, die an zahlreichen Ständern und auf den Kommoden platziert waren. Dominiert wurde der Raum jedoch von einem auffallend großen Bett, das mit feinster Bettwäsche und einer auf einem der Kopfkissen drapierten Rose zu mehr als nur zum Schlafen einlud.
“Eine Dame wie Priscilla will umworben werden”, erläuterte der Barde, der Eskels verwunderten Blick bemerkt hatte. “Manche Frau mag ja dem eher rustikalen Charme eines Hexers erliegen - die meisten Damen bevorzugen es jedoch, auf kultivierte Art den Hof gemacht zu bekommen.”
Eskel sparte sich eine Bemerkung.
Rittersporn ging zielstrebig zu einer der Kommoden und beförderte aus einer der Schubladen ein eher unscheinbares, hölzernes Kästchen zu Tage, das er Eskel entgegenhielt.
“Das ist es. Wisst Ihr, wie man ein Xenogloss bedient?”
“Bisher nicht.”
“Es ist ganz einfach, wartet, ich zeige es Euch. Man öffnet den Deckel …” Was der Barde auch sogleich schon tat. “Und dann dreht man an diesem Juwel, das dann das Gegenstück aktiviert. Normalerweise sollte das Xenogloss in Corvo Bianco nun alles hier Gesprochene wiedergeben. Hoffentlich ist Geralt zu Hause. Sollten wir Yennefer durch unseren Anruf wecken, können wir uns auf eine wortreiche Zurechtweisung gefasst machen …”
Das Juwel, das in der Mitte des Kästchens befestigt war, strahlte nun ein pulsierendes Leuchten aus. Rittersporn führte das Xenogloss dichter an seinen Mund und sprach mit lauter Stimme hinein. “Geralt? Geralt, bist du da? Dieses Mal ist es wirklich wichtig. Dein Bruder Eskel ist hier bei mir und will mit dir sprechen. Geralt? Kannst du mich hören?”
Aus dem Xenogloss drang - leicht metallisch verzerrt, aber unverkennbar - Geralts Stimme.
“Ja, Rittersporn, ich kann dich hören. So laut wie du schreist, könnte ich dich wahrscheinlich auch ohne Xenogloss bis Corvo Bianco hören.” Er klang leicht atemlos. “Eskel ist bei dir, sagst du? Reiche ihm das Kästchen bitte weiter, ich möchte direkt mit ihm sprechen.”
“Dir auch einen guten Abend, Geralt!” Rittersporn schien leicht verschnupft wegen der etwas rüden Begrüßung. Trotzdem legte er das Xenogloss sofort in Eskels ausgestreckte Hand.
“Geralt? Gut, dass ich dich so schnell erreichen konnte. Lambert steckt in Schwierigkeiten.”
“Lambert? Seid ihr beide etwa schon wieder auf dem Pfad? Es ist doch noch nicht einmal richtig Frühling geworden …”
“Wir hatten es in diesem Jahr etwas eilig, Kaer Morhen zu verlassen. Er sitzt in Oxenfurt im Gefängnis. Zusammen mit Keira Metz. Und so wie es aussieht, haben es der Orden vom Ewigen Feuer und die Hexenjäger auf die beiden abgesehen.”
Eskel erklärte Geralt kurz, was er von Thalia über die Vorgänge in Novigrad und Oxenfurt erfahren hatte.
“Thalia ist sich nicht sicher, wie lange die beiden noch durchhalten werden”, schloss er. “Wir sollten schnell handeln, Geralt.”
Am anderen Ende blieb es still.
“Geralt? Hörst du mich noch?”
“Ich habe mich gerade mit Yen abgestimmt. Sie hat unser Gespräch mitgehört. Wir kommen unverzüglich per Portal zu dir nach Novigrad und nehmen dich mit nach Oxenfurt, dann sparst du dir die Reise. Die Lage scheint ernst zu sein und wir sollten keine Zeit verlieren.”



Der durchdringende Geruch von Alkohol und Formalin war nur teilweise im Stande, den Geruch des Todes zu überdecken, der von den Körpern ausging, die entblößt auf den Tischen in der Leichenhalle lagen. Marik Yonka legte den Lungenflügel, den er gerade einer der Leichen entnommen hatte, in den vorbereiteten Behälter. Das Organ würde von seinen Kollegen in der Universität untersucht werden. Sorgfältig schloss er den Leichensack um den toten Körper.
Er kennzeichnete das Gefäß und gab einem der Assistenten ein Zeichen, die Leiche zu entsorgen. Dieser schob einen Wagen an den Tisch heran, rollte die Leiche im Sack darauf und schob den Wagen zur Tür hinaus.
Yonka atmete erleichtert auf. Auch dieses Mal war alles gut gegangen.
Momentan lebte nur noch einer der Infizierten. Die Leichen der anderen waren obduziert worden, die entnommenen Organe wurden auf Veränderungen untersucht und etwaige Erregerproben entnommen. Gerade mit Hilfe der Proben der Lungen erhofften sich die Wissenschaftler, eine Möglichkeit zu finden, den Erreger über die Atemluft zu verbreiten. Zumindest ein Teil der Wissenschaftler …
Yonka hatte in den letzten Tagen, als er damit betraut war, die Organe zu entnehmen, sein Teil dazu beigetragen, dass dies nahezu unmöglich sein würde.
Er legte die benutzten Instrumente in das Waschbecken, streifte sich die Handschuhe ab und löste das Tuch, das er als Atemschutz verwendet hatte. Als er sich gerade des Kittels entledigte, öffnete Alric Efferen die Tür und trat in den Raum.
“Marik, gut dass ich Euch noch antreffe. Ich hatte schon befürchtet, zu spät zu kommen. Professor Basilius hatte die Idee, dass wir zusätzlich die Milz  der Infizierten untersuchen sollten, um auch darin nach Erregern zu suchen. Ich mache mich gleich an die Arbeit. Zum Glück war die Leiche noch nicht auf dem Weg zum Ofen.”
Der Assistent, der kurz zuvor die Leiche abtransportiert hatte, schob den Wagen nun wieder in den Saal.
“Das könnt Ihr mir überlassen. Ich ziehe mir nur eben die Schutzkleidung wieder an”, beeilte sich Yonka zu sagen. Doch Efferen zog sich bereits die Handschuhe über die Finger.
“Lasst nur, ein bisschen Übung wird mir gut tun. Ihr habt ja fast alle Obduktionen allein durchgeführt und uns anderen kaum etwas übrig gelassen. Wo bleibt denn da der Spaß für uns, hm…?” Alric Efferen zwinkerte Yonka scherzhaft zu.
Diesem schlug das Herz bis zum Hals. Er musste Efferen von seinem Vorhaben abbringen - irgendwie.
Yonka erwiderte das Lächeln, verzog dann schmerzhaft das Gesicht und fasste sich an den Brustkorb. Er begann zu husten. “Ich … Alric … ich bekomme kaum noch Luft …” Er ging in die Knie, stütze sich an einem der Tische ab. Alric Efferen war sofort auf ihn zugeeilt, um ihn zu stützen. “Marik, was habt Ihr denn? Könnte es … habt Ihr etwas eingeatmet?” Efferen zog sich sofort das Tuch, das er als Mundschutz vorbereitet hatte, vor sein Gesicht. Leichte Panik breitete sich in seinem Blick aus. “Kommt, wir sollten schnell diesen Raum verlassen …”
Mit Yonka am Arm, den er beim Gehen stützte, ging er zum Ausgang. Yonkas Körper wurde immer wieder von Hustenanfällen geschüttelt.
Beinahe hatten sie die Tür erreicht.
Da fiel Efferens Blick auf die nun wieder entblößte Leiche, die der Assistent bereits aus dem Leichensack befreit hatte. Der Körper wies keinerlei Anzeichen der Krankheit auf - kein Ausschlag, keine Pusteln.
Efferen runzelte die Stirn, ließ Yonka los - dem die Verzweiflung im Gesicht stand - und trat auf den Tisch zu. Ohne Zweifel - der tote Elf hatte nie an der Krankheit gelitten. Der Körper wies Anzeichen von Misshandlungen auf, an denen der Anderling vermutlich gestorben war - aber keine Spuren der Seuche.
Efferen drehte sich zu Yonka um, zuerst einen ungläubigen, dann einen wütenden Ausdruck im Gesicht.
“Marik? Könnt Ihr mir dies irgendwie erklären? Denn wenn nicht, dann muss ich davon ausgehen, dass Ihr gegen uns arbeitet …”


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5.700 Zugriffe - Ihr seid der Wahnsinn! Manchmal kann ich es immer noch kaum glauben, dass das, was ich schreibe, tatsächlich gelesen wird. :-)

Vielen Dank an alle, die an meiner Geschichte dran bleiben und mir hier, auf Facebook, Instagram oder Tumblr Feedback geben oder die Geschichte empfehlen.  Ohne Euch hätte ich längst aufgegeben ...
Ihr motiviert mich, die Geschichte zu Ende zu erzählen. Es werden wohl insgesamt 30 Kapitel werden - ein paar folgen also noch.

Auf meinem Instagram-Account (melissa_martin_autorin) könnt Ihr ein Bild von Gwynbleidd.Whitewolf sehen, dass sie von Eskel und Thalia erstellt hat.

Wenn Ihr mögt, lasst mir doch zur Motivation nochmal ein paar Zeilen zukommen (über die Review-Funktion hier, persönliche Nachricht oder auf Instagram).
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