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Das Herz der Alchemie

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Eskel Geralt von Riva Lambert OC (Own Character) Triss Merigold Yennefer von Vengerberg
11.05.2018
11.05.2019
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08.09.2018 3.143
 
Geralt ergriff Eskels Hand, zog ihn ein Stück zu sich heran und umarmte seinen Bruder.
“Mach´s gut, mein Freund. Und denk daran, mein Angebot steht: In Corvo Bianco bist du jederzeit und so lange du möchtest willkommen.”
“Danke, Geralt. Ich denke darüber nach.”
Der weißhaarige Hexer ging hinüber zu Lambert, der mit ihnen gemeinsam im Hof stand und umarmte auch diesen. “Das gilt auch für dich, das weißt du.”
Lambert nickte. “Bei euch ist es im Winter wärmer, sagst du? Vielleicht komme ich mal vorbei. Allein schon, um Yennefer zu ärgern.”
Geralt quittierte diese Bemerkung mit einem amüsierten Schnauben.
Besagte Yennefer verabschiedete sich gerade von Thalia, wenn auch ohne herzliche Umarmung.
“Leb wohl, Frau Professorin. Ich wünsche dir alles Gute - an der Akademie und natürlich auch mit deinem Hexer.”
“Euch auch alles Gute. Und vielen Dank für deinen Rat. Vielleicht wäre sonst alles anders gekommen.”
Yennefer lächelte wissend. “Ich habe noch einen weiteren Rat für dich: Hab Nachsicht und Geduld mit ihm - Hexer sind zwar wunderbare Liebhaber, aber nicht eben einfache Lebenspartner.”
Thalia lächelte. Die Zauberin schien zu wissen, wovon sie sprach.
Yennefer ging hinüber zu Triss, um sich auch von ihr zu verabschieden. Sie umarmte ihre Freundin, die die Geste erwiderte.
“Halte mich bitte auf dem Laufenden, wenn sich die Lage für Unseresgleichen im Norden verändert”, sagte Yennefer, als sie sich von Triss löste. “In Toussaint bekommen wir nicht viele Informationen aus erster Hand.”
“Ich gebe dir Bescheid. Auf bald, Yennefer.”
Thalia, die nun etwas abseits stand, zog ihren Umhang fester um sich und unterdrückte ein Niesen. Die Erkältung plagte sie immer noch. Yennefer drehte sich halb zu ihr um. “Ach, Thalia … ich habe den Badezuber aus unserem Zimmer in deines levitiert. Ein Bad wird dir sicherlich gut tun. Das Wasser im Zuber wird noch bis heute Abend heiß bleiben.”
“Dankeschön!” Thalia war überrascht ob dieser freundlichen Geste von Yennefer. Damit hatte sie nicht gerechnet. Die Zauberin war trotz ihrer oft abweisenden und schroffen Art doch immer für eine Überraschung gut.
Yennefer erschuf ein Portal und schickte das Gepäck mittels Levitationszauber hindurch. “Kommst du, Geralt?”
Der Hexer umarmte kurz Thalia, um sich danach von Triss zu verabschieden. Unter Yennefers scharfem Blick umarmte er auch diese kurz. Dann wandte er sich dem Portal zu - seinem Gesichtsausdruck war zu entnehmen, wie sehr er diese Art des Reisens verabscheute. Kurz vor dem flirrenden magischen Durchgang drehte er sich noch einmal zu Thalia um.
“Grüß bitte unsere gemeinsame Freundin von mir. Ich wünsche ihr alles Gute.”
“Mache ich.”
Yennefer zog missbilligend eine Augenbraue hoch, sagte jedoch nichts. Geralt trat durch das Portal, gefolgt von der Zauberin.
Triss schaute noch ein paar Sekunden lang zu der Stelle, an der sich der Durchgang hinter ihnen geschlossen hatte. Dann seufzte sie und wandte sich an die Verbliebenen. “Dann werde ich wohl auch schon einmal packen. Thalia, ich würde gern morgen früh aufbrechen.”
Thalia nickte. “In Ordnung. Ich werde bereit sein.”
Triss ging zum Hauptgebäude. Lambert verschwand wortlos in Richtung des Stalls.
Thalia trat zu Eskel und umarmte ihn, legte ihren Kopf an seine Brust. Als seine Arme sie umschlossen und sie seine Wange an ihrer Stirn spürte, seufzte sie traurig.
“Nur noch ein Tag … Davon würde ich gern so viel Zeit wie möglich mit dir verbringen.”
“Ich habe Lambert versprochen, mit ihm zusammen die Stallwand abzudichten. Das dauert aber nicht lange. Danach stehe ich ganz zu deiner Verfügung.”
“In Ordnung. Ich werde dann schon einmal das Labor aufräumen und alles für morgen verpacken. Und danach werde ich mein erstes warmes Bad seit Wochen genießen.”

Das Wasser umschloss Thalia, als sie etwas tiefer in den Zuber eintauchte. In den letzten Tagen war ein unangenehmes Frösteln ihr ständiger Begleiter gewesen, das nun jedoch von einer angenehmen Wärme vertrieben wurde, die sich langsam in ihrem Körper ausbreitete.
Auch nach mehreren Stunden, die seit heute Morgen vergangen waren, hielt das Wasser immer noch eine angenehme Temperatur - Folge des Zaubers, den Yennefer angewandt hatte. Thalia war der unnahbaren Zauberin dankbar für dieses Abschiedsgeschenk. Mit einem wohligen Seufzer lehnte sie sich gegen das Holz und schloss die Augen.
Ein Klopfen an der Tür ließ sie auffahren. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass sie beinahe eingeschlafen wäre.
Da nun nur noch drei andere Personen die Festung bewohnten, hatte Thalia eine Vermutung, wer ihr Besucher sein könnte. Ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
“Bist du es? Dann komm herein.”
Eskel betrat ihre Kammer und schloss die Tür hinter sich.
“Hast du etwa mit Lambert gerechnet?”, fragte der Hexer scherzhaft.
Thalia drehte sich im Zuber zu ihm um, legte die gefalteten Arme auf den Rand und stützte das Kinn darauf. “Wer weiß…” Sie zwinkerte ihm schelmisch zu. “Aber du darfst auch zu mir ins Wasser kommen.”
Eskel lächelte, hob leicht skeptisch eine Braue. “Meinst du nicht, dass der Zuber ein wenig zu klein für uns Zwei ist?”
“Lass es uns doch einfach ausprobieren …”
Eskel entledigte sich zügig seiner Kleidung, wobei Thalia ihn nur zu gern beobachtete. Auch wenn sie seit einer Woche recht häufig in den Genuss dieses Anblicks gekommen war, so liebte sie es immer noch, das Spiel seiner Muskeln unter der von unzähligen Narben gezeichneten Haut zu bewundern. Er kletterte zu ihr in den Zuber, wobei eine nicht geringe Menge des Badewassers über den Rand lief.
“Lass noch etwas Wasser übrig!” Thalia rückte näher zu ihm, lehnte sich mit ihrem Rücken gegen seine Brust. Er umschloss sie mit seinen Armen, zog sie noch näher zu sich heran. Thalia wandte ihren Kopf über ihre Schulter und küsste ihn langsam und genießerisch. Als er sich von ihr löste, wanderten seine Lippen an der Seite ihres Halses entlang. Ein wohliges Stöhnen entrang sich ihrer Kehle. Auch wenn sie erst seit kurzer Zeit ein Paar waren, so wusste Eskel bereits recht gut, an welchen Stellen sie besonders empfindsam reagierte. Sie drehte sich im Wasser zu ihm um, legte ihre Arme um seinen Hals und schmiegte ihren Körper an den seinen.
“Wollen wir ausprobieren, wie viel Bewegungsfreiheit wir hier drin haben?”
Auf dieses Experiment ließ Eskel sich nur zu gern ein.

Später lagen sie gemeinsam auf Thalias Bett. Ihren Kopf auf seiner Schulter gebettet, schmiegte sie sich zufrieden an ihn. Die leichte Vibration der Magie, die von ihm ausstrahlte, sandte ein angenehmes Kribbeln über ihre Haut.
Im Zuber war nunmehr lediglich die Hälfte des zuvor enthaltenen Badewassers übrig geblieben. Die Bodendielen in ihrer Kammer waren mehr oder minder überflutet worden. Doch durch eine leichte Neigung des Fußbodens war der Großteil des Wassers bereits durch einen Spalt unter der Tür hinausgeflossen. Vermutlich war die Treppe nun nass, aber Thalia verschwendete keinen weiteren Gedanken daran.
Sie wünschte, dieser Moment würde ewig andauern.
Im Kamin prasselte ein Feuer und verbreitete eine wohlige Wärme im Zimmer.
Thalia fuhr mit dem Finger über eine der zahlreichen Narben auf Eskels breiter Brust. So viele Narben … Sein gesamter Körper war übersät damit, war Zeugnis seines gefahrvollen Handwerks. Auch wenn sie natürlich wusste, dass sein Beruf zu ihm gehörte, so machte sie sich doch Sorgen, sobald sie daran dachte, dass er sich im Frühling wieder auf den “Pfad” begeben würde. Auch, wenn ihn dieser Pfad hoffentlich schnell wieder zu ihr nach Oxenfurt brächte.
Sie hob den Blick und betrachtete ihn, wie er mit geschlossenen Augen entspannt neben ihr lag. Manchmal konnte sie immer noch nicht recht glauben, dass er nun der ihre war. Dass dieser andersartige und doch so anziehende Mann sich tatsächlich zu ihr ebenso hingezogen fühlte, wie sie sich zu ihm.
Es war anders mit ihm als damals mit Gregor. Eskel war zwar ebenso zärtlich, jedoch auch leidenschaftlicher als ihr Verlobter es gewesen war.
Als hätte er ihren Blick gespürt öffnete er die Augen und lächelte ihr ein wenig schläfrig zu. Im Schein des Kaminfeuers wirkten seine Iriden mit den geschlitzten Pupillen bernsteinfarben. Thalia erinnerte sich daran, wie sie diesen ihr inzwischen so vertrauten Anblick anfänglich als raubtierhaft und bedrohlich empfunden hatte.
“Alles in Ordnung?”, fragte Eskel leise.
“Oh, ja. Ich glaube, ich war noch nie so zufrieden, wie jetzt gerade in diesem Moment.” Eskel küsste sie auf die Stirn ob dieser Worte.
Thalia schloss die Augen und genoss die Zärtlichkeit seiner Geste. “Ich bin nur traurig, wenn ich daran denke, dass wir uns morgen schon voneinander verabschieden müssen.”
Eskel drückte sie an sich. “Es ist ja nur für ein paar Wochen. Ich breche auf, sobald die Gebirgsstraßen passierbar sind und bin schon wieder bei dir, bevor der Frühling beginnt.”
“Wirst du auf dem Weg nach Oxenfurt Aufträge annehmen?”
“Ich weiß nicht. Je nach dem, was sich ergibt. Nichts, was viel Zeit in Anspruch nehmen würde.”
“Sei bitte vorsichtig. Nimm nichts Gefährliches an.”
Eskel lachte. “Thalia. Ich bin Hexer. Wir werden nicht angeheuert, um Kaninchen zu fangen.”
“Das ist mir klar. Mach dich nicht über mich lustig, du dummer Kerl. Ich mache mir doch bloß Sorgen. Ich meine nur … jag nicht wieder Krabbspinnen oder so etwas.”
“Ich glaube nicht, dass mich so schnell wieder eine schöne Frau damit beauftragen wird.”
“Übrigens ´schöne Frau´ … Dein Bruder Geralt scheint es mit der Treue nicht so genau zu nehmen, oder? Als er mit meiner Freundin Shani … also, du weißt schon … da war er auch schon mit Yennefer zusammen, soweit ich weiß.”
“Hm. Kann schon sein.”
“So sind aber nicht alle Hexer, oder?”
Eskel rückte ein Stück von ihr ab, betrachtete sie forschend und amüsiert zugleich. “Willst du mich gerade fragen, ob ich dir treu sein werde?”
“Äh … nein, natürlich nicht! Also … “
Eskel wurde ernster. “Thalia. Seit mehreren Jahrzehnten war ich nicht mehr länger als eine Nacht mit einer Frau zusammen. Und auch davor nie mit einer Frau wie dir. Bitte glaube mir, dass ich das was wir haben, für nichts und niemanden aufs Spiel setzen würde.”
Thalia lächelte. “Entschuldige bitte. Ich wollte nicht an dir zweifeln … Es ist nur … Ich kann manchmal immer noch nicht glauben, dass du dich für mich entschieden hast - und nicht für eine makellose, wunderschöne Zauberin. Die übrigens gerade vermutlich im Zimmer über uns schläft.”
Eskel lächelte. “Ich will aber keine makellose, wunderschöne Zauberin. Ich will dich. An dir ist alles echt. Du täuschst nichts vor, spielst keine Spielchen und bist ehrlich und unverstellt. Bei Zauberinnen weiß man nie, was echt ist und was nicht. Allein schon äußerlich, der magischen Schönheitskur sei Dank: Alles Zauber, Schminke und Glamarye.”
“Oh, ja, an mir ist alles echt. Sogar der Speck an meinen Hüften”, lachte Thalia.
Eskel strich sanft mit seiner Hand über die besagte Körperstelle. “Ich liebe deine Rundungen. Das hast du inzwischen doch bestimmt schon bemerkt.”
“Ich habe so etwas vermutet, ja. Aber bist du dir nicht ein klein wenig zu sicher, was meine hehrenAbsichten angeht? Wirke ich so berechenbar auf dich?”
Eskel hob eine Braue. “Hast du denn auch dunkle Seiten, die ich kennen sollte?”
“Oh, wenn du wüsstest. Ich kann ganz schön gefährlich sein - zumindest in meinen Gedanken. Gefährlicher als so manches Ungeheuer.”
“Da habe ich ja Glück. Ungeheuer sind nämlich mein Fachgebiet.”
“Aber du kennst dich nur mit ganz gewöhnlichen Ungeheuern aus. Wasserweibern, Harpyen und Bruxae. Vielleicht auch Sukkuben …” Sie zwinkerte ihm neckend zu. “Aber dieses Ungeheuer weiß genau, was es tun muss, damit der Hexer sich nicht mehr wehren kann…”
Sie beugte sich über ihn, küsste seinen Hals, seine Brust, ließ ihre Lippen sanft über seinen Körper wandern. Ihr Atem strich über seine Haut. Sie küsste seine Bauchmuskeln. Wanderte tiefer mit ihren Lippen. Eskel sog scharf die Luft ein.  “Thalia …”
“Und wenn der Hexer willenlos ist …” Sie schob sich auf ihm langsam nach oben. “… dann kann das Ungeheuer ihn leicht besiegen.”

Thalia schreckte aus dem Schlaf, von einem Schrei geweckt. Sofort schloss sie geblendet wieder die Augen. Die ersten Sonnenstrahlen fielen bereits in das Zimmer und sie musste sich zunächst an die Helligkeit gewöhnen. Auf den Schrei folgte eine wahre Schimpftirade, lautstarke Verwünschungen und Flüche. Eskel war bereits aus dem Bett gestiegen und zog sich eilig seine Hosen an.
“Ist das Lambert?”, fragte Thalia.
“Unzweifelhaft, ja.” Eskel öffnete die Tür. Thalia zog sich ihr Unterkleid über und folgte dem Hexer auf den Treppenabsatz.
Beinahe verlor sie den Halt, hielt sich an Eskel fest, um nicht zu stürzen. Auf dem Absatz hatte sich eine dünne Eisschicht gebildet. Lambert, der auf dem Treppenabsatz ein halbes Stockwerk tiefer hockte, hatte anscheinend keinen Halt mehr gefunden und war die Treppe hinuntergestürzt. Er richtete sich gerade wieder auf und stieß weiterhin Flüche aus.
“Bist du verletzt?”, fragte Eskel und unterbrach den Fluss deftiger Schimpfworte.
“Diese verfluchte Ruine! Nein, ich bin nicht verletzt! Aber den Arsch hab ich mir geprellt! Hier ist alles vereist!”
Eskel blickte zum Dach des Wohnturmes hinauf.
“Muss wohl durch das Loch im Dach geregnet haben heute Nacht. Das Loch, das wir übrigens schon vor Wochen reparieren wollten.”
“Wenn du nicht hundert Aufgaben auf diese verdammte Liste geschrieben hättest, wären wir dazu vielleicht auch gekommen. Elende Bruchbude! Hab kaum geschlafen heute Nacht. Zuerst musste ich euch beim Vögeln zuhören und dann pfiff dieser Scheißwind durch die Mauerritzen in mein Zimmer. Ich geh jetzt erst einmal in die Halle und fache den Kamin an. Wenigstens dort wird es einigermaßen warm.”
Lambert stapfte missmutig die Treppe hinunter.
Thalia zog ihr Unterkleid fester um sich und ging zurück ins Zimmer. Es war fürchterlich kalt im Treppenaufgang.
“Eskel, ich glaube, das mit dem Eis ist unsere Schuld. Das Wasser aus dem Zuber …”
“Ich weiß.”
“Aber du hast Lambert gegenüber behauptet, dass es am morschen Dach läge.”
“Es schadet nicht, ihm einen zusätzlichen Anreiz zum Arbeiten zu geben.”
“Eskel …” Thalia sah ihn scherzhaft-vorwurfsvoll an.
“Ich helfe ihm ja bei den Reparaturen, keine Sorge.”
“Dann fallt nur nicht beide vom Dach. Wenn er will, kann er auch in dieses Zimmer hier umziehen, hier zieht es zumindest nicht. Ich brauche es ja jetzt nicht mehr …” Beim letzten Satz war ihre Stimme leise geworden. Eskel trat zu ihr, legte seine Arme um sie und drückte sie fest an sich.  


Wenige Stunden später waren Arenarias Satteltaschen prall gefüllt. Eskel lud die Taschen auf, nachdem Thalia die Stute aufgezäumt hatte.
Als er bemerkte, dass Triss in den Hof trat, ging er zu ihr.
“Triss? Wenn Thalia durch das Portal geht, möchte ich sie begleiten, um sicherzugehen, dass sie gut ankommt. Anschließend komme ich dann wieder zurück nach Kaer Morhen.”
Triss blickte ihn erstaunt an. “Eskel, was soll das? Vertraust du mir so wenig?”
“Darum geht es nicht. Ich möchte mich nur nicht in den nächsten Wochen fragen müssen, ob ihr nicht doch etwas passiert ist. Du weißt, dass ich nicht ganz so skeptisch wie Geralt bin, was Portale angeht, aber ich bin dennoch kein Freund davon.”
Triss seufzte und ließ sich ihre Ablehnung deutlich anmerken. “Thalia will ja schon ihr Pferd mitnehmen, samt Gepäck. Hast du eine Ahnung davon, wie anstrengend es ist, ein so großes Portal zu schaffen und dann auch noch eine Zeitlang aufrecht zu erhalten?”
“Triss, bitte. Ich muss sicher sein, dass sie gut angekommen ist.”
Triss´ Gesichtsausdruck wechselte von empört zu nachdenklich. Dann seufzte sie. “Also gut, Eskel. Wenn es dir so wichtig ist… Ich kann das Portal ein paar Minuten lang geöffnet halten. Lass dir nicht zu lange Zeit.”
Eskel lächelte sie an. “Danke, Triss.”
Triss schüttelte leicht den Kopf. “So besorgt kenne ich dich gar nicht … Thalia kann sich glücklich schätzen.”
Eskel blickte verlegen lächelnd zu Boden und trat dann zu der Alchemistin, die gerade den Sitz der Satteltaschen prüfte.
“Alles bereit?”
Thalia wandte sich zu ihm um, ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen. “Ich habe alles gepackt, meine Aufzeichnungen sind sicher verstaut, von Lambert und Triss habe ich mich schon verabschiedet. Also alles bereit. Nur ich bin es nicht …”
Er legte seine Hände an ihre Wangen und küsste sie.
“Ich bin bald wieder bei dir”, sagte er leise, als er sich von ihr löste. “Ich habe ja meine Bezahlung noch immer nicht erhalten. Die Akademie schuldet mir noch 300 Kronen für die Krabbspinnen.”
Thalia lächelte. “Die Harpyen nicht zu vergessen. Die muss ich dir auch noch bezahlen.”
“Harpyen kosten 50 Kronen das Stück.”
“Eure Dienste sind nicht gerade preiswert, Meister Hexer. Wenn man bedenkt, dass Ihr schon das Herz einer Alchemistin bekommen habt …”
Eskel legte seine Stirn an die ihre, mit geschlossenen Augen verharrten beide in dem Moment. Thalia löste sich als erstes.
“Triss wartet. Ich muss los.”
“Ja. Ich begleite dich noch durch das Portal. Dann bin ich sicher, dass du gut angekommen bist.”
Thalia lächelte. “Das ist lieb von dir.”
Eskel nickte Triss zu, die ein flirrendes Portal erschuf. “Ihr werdet außerhalb der Stadtmauern am Pontarufer ankommen. Dort habe ich einmal einen Anker positioniert.”
Eskel beruhigte Arenaria, indem er das Zeichen Axii wirkte. Die Stute ließ sich nun widerstandslos von ihm zum Portal führen.
Er reichte Thalia seine Hand, die sie dankbar ergriff. Gemeinsam schritten sie durch das magische Tor.

Sekunden später standen sie am Ufer des Pontar, die Stadtmauern von Oxenfurt in Blickweite. Der Himmel war bedeckt, doch es war bei weitem nicht so kalt, wie in den Blauen Bergen. Arenaria schnaubte und schüttelte wie benommen den Kopf. Dann entschied sich das noch immer unter dem Einfluss des Zeichens stehende Tier dazu, am Ufer zu grasen.
Thalia schloss kurz die Augen und kämpfte offenbar wieder mit einem Anflug von Übelkeit.
“Geht es?”, fragte Eskel. Thalia nickte und öffnete die Augen wieder. “Ja. Dieses Mal ist es nicht so schlimm wie beim Portal von diesem Istredd.” Sie atmete tief durch und wandte sich dann Eskel zu.
“Also dann … sicher angekommen!” Sie lächelte verlegen.
Eskel seufzte und schloss sie in die Arme. Tränen schimmerten in Thalias Augen.
“Komm sicher zu mir zurück, hörst du? Dass du bloß keine Drachen jagst auf dem Weg hierhin.”
“Hexer jagen keine Drachen. Ich passe auf mich auf, versprochen.”
Sie küssten sich ein letztes Mal leidenschaftlich. Als sich ihre Lippen trennten, wischte sich Thalia eine Träne aus dem Auge.
“Geh jetzt. Bitte.”
Eskel atmete tief durch. Dass auch ihm der Abschied schwer fiel, war unübersehbar.
Er berührte noch einmal ihre Wange. “Bis bald, mein Herz.”
Dann drehte er sich um und schritt durch das Portal, das sich nur Augenblicke danach hinter ihm schloss.
Thalia stand allein am Ufer, die grasende Stute neben sich.
“Bis bald, Eskel. Ich liebe dich.”

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Hallo werte Leser,

viel gemeinsame Zeit war Eskel und Thalia ja leider (bisher) nicht vergönnt. Wer mit der ganzen Romantik der letzten drei Kapitel nicht so viel anfangen konnte, wird ab Kapitel 20 wieder mehr auf seine Kosten kommen. Thalia muss schon bald erfahren, dass in Oxenfurt nicht alles so ist, wie es zu sein schien. Und Eskel … ach, lest es am besten selbst.
Mit dem nächsten Kapitel wird es übrigens eine kleine Überraschung geben - ich hoffe, sie gefällt euch.

Wie immer würde ich mich sehr, sehr freuen, wenn ihr mir Feedback geben und mir ein Review zukommen lassen würdet, damit ich weiß, was euch gefällt und was vielleicht nicht so sehr. Also lasst mir doch bitte einfach mal ein paar Zeilen da.

Viele liebe Grüße
die Lady
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