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Oder Schwierig

von RedChilli
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Angst / P18 / MaleSlash
10.05.2018
10.05.2018
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in the shadows
Ich zieh Lines vorm TV, Lines von 'nem Spiegel
Mann, du weißt ganz genau, dass ich zu viel will
Locker easy oder schwierig. Alles ziemlich friedlich

Oder schwierig. Lieb mich nicht, dann lieb ich dich, Liebling. Oh, du hast Termine? Sowas zieht sich. Schwierig, denn Türen
Sind verriegelt, nicht so easy sie zu öffnen, lass mal lieber bisschen fliegen!

Oder Schwierig
07x08 | Schattenpolitik
Jakob Hellinger x Carlo Brantner
Drogenkonsum & Entzugserscheinungen, Unhealthy Relationship, (Emotionale) Manipulation, Dubious Consent (aufgrund von Drogenkonsum & Manipulation), Gaslighting(?)



Du bist sein Chiropraktiker, und alle seine Bekannten denken, dass ist eine Beschönigung für Callboy. Die Wahrheit ist, es ist eine Beschönigung für Dealer.
Du siehst ihm dabei zu, wie er Lines vor dem TV zieht, lässt zu, dass er dich auf seinen Schoß zieht, und dich küsst, als seist du die Droge, die ihn high macht.
In gewisser Weise, denkst du, doch dann schleichen sich seine sündigen Finger am Bund deiner Hose vorbei und du denkst gar nicht mehr.

+

(Du siehst ihm dabei zu, wie er Lines von dem Spiegel zieht, den du ihm beim ersten Mal geschenkt hast. Dem Spiegel, der nach Gebrauch jedes Mal wieder zurück an seinen Platz im Flur gehängt wird, wo ihn jeder sehen kann. Wo du ihn sehen kannst, jedes Mal wenn du kommst und gehst, und daran erinnert wirst, dass du den besten Sex deines Lebens hattest, als du von einem Junkie gegen ebendiesen Spiegel gepresst und in den Hintern gefickt wurdest. Du würdest dich dafür schämen, könntest du dir nicht jeden Tag aufs Neue einreden, dass deine abhängige Kundschaft weniger wert ist als ein Dealer wie du, damit du dich wieder ein bisschen besser fühlen kannst.)

*

„Wie viel?“, fragt er, mit fahrigen Händen ein Bündel Fünfziger mehr durchblätternd als abzählend.
„Du weißt genau, dass ich dir zu viel dafür abziehe“, murmelst du, aber auf der anderen Seite bist du irgendwo auch seine Hure, und du wärst schlecht in deinem Geschäft, würdest du deinen Körper umsonst verkaufen.

*

Das zwischen euch, das ist easy, das ist eine lockere Geschäftsbeziehung, du bringst das Kokain, er bringt das Geld und irgendwie fickt ihr nebenbei auch noch ein bisschen, aber das war es dann auch schon.

+

(Das zwischen euch, das ist so gottverdammt kompliziert, weil du ihn ruinierst, du bist schuld an allem, was in seinem suboptimalen Leben falsch läuft, denn immer, wenn er kurz davor ist, einen kalten Entzug zu machen oder sich einweisen zu lassen, bist du wieder da, vor seiner Tür, mit einem Beutel weißen Pulvers in der Hand und einem unwiderstehlichen Lächeln auf den Lippen, und du weißt, er ist verloren.)

+

Das zwischen euch, das ist so lange einfach, wie ihr nicht darüber nachdenkt, dass kein Chiropraktiker und auch kein Dealer je mit seinen Kunden schläft, das ist kein Teil der Abmachung, das ist… Aber Liebe ist es auch nicht. Oder?

+

Das zwischen euch, das ist eigentlich ganz schön friedlich.
Sex auf Kokain ist weich, ein klein wenig samtig, wenn’s gut läuft, und alles andere als zielsicher, und ein bisschen erratisch, unberechenbar, und ein bisschen unangenehm, wenn’s schlecht läuft, aber-
(„Komm schon, Carlo, worauf wartest du? I-Ich zahl dir das doppelte, wenn du es jetzt rüberwachsen lässt, Carlo…“
Es sollte dich nicht anturnen, wenn er bettelt, weil ihm der kalte Schweiß des kalten Entzugs auf der Stirn steht, wenn er sich selbst nicht mehr daran erinnern kann, wann er seine letzte Dosis hatte, er sollte nicht so verdammt heiß aussehen, auf seinen Knien, zitternd, als wäre es tiefster Winter in den Straßen und nicht Sommer in den vier Wänden seiner Wohnung.
„Beruhig dich, ich weiß doch, wie sehr du es brauchst“, murmelst du.
„Aber du weißt auch, was ich sehr brauche, oder?“
Seine einzige Antwort ist ein verzweifelter Laut irgendwo in seiner Kehle, und seine Hände greifen fahrig nach deinem Reißverschluss, und du weißt, was jetzt kommt, wird nicht unbedingt angenehm, es wird verzweifelt sein, du wirst seine Zähne zu spüren bekommen und ihn an seinen Haaren zurückziehen müssen, bevor er in seinem Eifer an deinem Schwanz erstickt, aber es ist auch nicht das Versprechen eines Blowjobs, weswegen du in deinen viel zu engen Jeans jetzt schon steinhart bist, sondern das Gefühl von Macht, das dich durchströmt, die einzig wahre Droge, der Grund, warum du einer der wenigen Dealer auf diesem Planeten bist, die selbst kein Drogenproblem haben.)

*

Manchmal hast du das Gefühl, dass er dich trotz allem – oder vielleicht gerade wegen allem? – doch auch ein bisschen liebt.
Manchmal, wenn du mit einem gehauchten „Ich bin schließlich dein Chiropraktiker“ deine Hände auf seine verspannten Schultern legst, und er allein von der keusch-sanften Berührung den Kopf zurückwirft und aufstöhnt, und ihr an diesem Abend, dieser Nacht, nicht weiter geht als langsame, nahezu tiefgründige Küsse.

*

Manchmal ist er stärker als seine Sucht, stark genug, deinen unangefochtenen Verführungskünsten zu widerstehen, ruft dich kurzerhand an, und sagt eins eurer Treffen ab, weil ein wichtiger Termin dazwischen gekommen ist.
„Wie könnte etwas wichtiger sein als ich?“, sagst du, und er lacht trocken, und legt auf – „Bis später, Carlo, man sieht sich“ – weil er denkt, du würdest scherzen, dabei willst du die Antwort wirklich wissen, denn vielleicht würdest du dann auch das schmerzende Ziehen in deiner Brust verstehen, dass sich in deinem gesamten Körper ausbreitet wie der Phantomschmerz des kalten Entzugs.

*

Das zwischen euch, das ist schwierig, wenn ihr beide ehrlich mit euch seid, vor allem dann, wenn du vor seiner verschlossenen Tür stehst und dagegen hämmerst, weil du ihn auf der anderen Seite wimmern und jammern und weinen hörst, und du selbst nicht mehr weißt wie lange seine letzte Dosis her ist, und du ihn anschreist und anflehst, die Tür zu öffnen, aber er stärker ist als das, als du, und er nur immer irgendetwas faselt von wegen, dass er dieses Mal den Entzug durchzieht, durchsteht, und du, du stehst da und zitterst am ganzen Leib weil du gottverdammt nochmal eine Scheißangst hast, er könnte dieses Mal dabei draufgehen (und es wäre alles deine Schuld).

*

„Hey, Hey“, sagst du, als er endlich wieder aus dem Krankenhaus raus ist, und du küsst ihn, ganz federleicht nur, auf den Mund, und du kannst sein zittriges Lächeln schmecken.
„Was du durchgemacht haben musst, das war sicher alles ganz schrecklich“, wisperst du in sein Haar, und er nickt, und ihr wisst beide, dass die Krankenschwestern genau dasselbe über all das gesagt haben, was du ihm angetan hast; und sie haben recht.
„Wie wäre es mit ein bisschen Fliegen, um das alles ganz schnell wieder zu vergessen, hm?“
Und er nickt, weil ihr beide ganz tief in eurem Inneren wisst, dass er nie wirklich nein zu dir sagen kann.
(Weil er dich liebt, und du ihn, und weil mindestens einer von euch daran zugrunde gehen wird.)

*

Und die Tragödie beginnt von vorn.
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