Vitani - Die Geschichte der Schattenlöwin

GeschichteAbenteuer, Drama / P12
Vitani
09.05.2018
05.10.2019
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Die Löwin keuchte. Ihre Flanken bebten, ihre Schwanzspitze zuckte erregt. Ihren Ohren entging nichts. Noch einmal keuchte sie. Dann ließ sie sich erschöpft auf die Seite fallen.

Der Boden der Höhle war hart und kalt. Die Löwin zitterte, sie spürte, wie sich die Kälte auf ihren ermatteten Körper übertrug. Sie wusste, sie würde nicht überleben, konnte nicht überleben...nein... Kraftlos schloss sie ihre Augen. Ein Zittern durchlief ihren Körper. Sie nahm all ihre letzte Kraft zusammen und wartete auf das, was geschehen würde. Das Letzte, was sie spürte, war, dass sich ein kleiner, flauschiger Körper Schutz suchend an sie presste und klägliche Laute ausstieß. Dann verlor sie das Bewusstsein. Eisige Kälte und Dunkelheit umhüllte sie, Angst überkam die Löwin wie ein Schatten. Sie musste sich um ihr Junges kümmern, ihm zu trinken geben, sonst würde auch es nicht überleben!

Langsam spürte sie, wie ihre Kräfte zurückkehrten. Ein Glück!, dache sie erleichtert. Sie hatte schon mit de Schlimmsten gerechnet. Vorsichtig blinzelte die Löwin und erblickte drei leuchtende Augenpaare. Reflexartig fuhr sie die Krallen aus - bereit, zu kämpfen!

Doch sie spürte Erleichterung, als sie in die Augen von zwei sandfarbenen Löwinnen blickte. Zwischen ihren Beinen tauchte ein Löwenmädchen auf, das mit großen Augen auf das kleine Fellknäuel schaute. „Hallo Tama!", begrüßte die ältere Löwin sie sanft. „Hallo Sarabi!" Tama lächelte. Sie war unendlich froh, dass ihre Freundinnen den Weg zu ihr gefunden hatten. „Sarafina, schön, dass du Nala mitgebracht hast", wandte sie sich nun an die Jüngere und warf einen Blick auf das immer noch staunende Löwenmädchen.

Dann lenkte allerdings das winzige Junge alle Aufmerksamkeit auf sich, indem es herzzerreißend maunzte.

„Das Kleine ist wunderschön!", schwärmte Sarabi. „Wer ist denn der stolze Vater?"

Tama senkte traurig den Kopf. Nie könnte sie verraten, wer der Vater des kleinen, unschuldigen Jungen war...

„Ist es ein Mädchen?" Aufgeregt hüpfte Nala auf und ab.

„Ja." Tama lächelte. „Ihr Name ist Vitani."

Jetzt traten die beiden Löwinnen vor. „Sie sieht aus wie du!", schnurrte Sarafina.

Jetzt versuchte Vitani, die verklebten Augen zu öffnen. Sie waren blau, blau und wunderschön. Tama war es, als hätte sie noch nie etwas Hübscheres gesehen.

Vorsichtig näherte sich Nala dem winzigen Wollknäuel und berührte es sanft mit ihrer Pfote. Glucksend drehte Vitani sich auf den Rücken und öffnete ihr winziges Mäulchen.

Aber Tama spürte, dass das Junge noch sehr schwach war. Es musste trinken...Sie stupste das Löwenbaby mit der Schnauze in Richtung Milchquelle. Instinktiv begann die Kleine zu saugen und genussvoll zu schmatzen.

„Ja, trink, trink, meine kleine Vitani, damit du groß und stark wirst", flüsterte Tama und leckte ihr zärtlich über das Fell. Noch nie hatte sie sich glücklicher gefühlt als jetzt. Sie war Mutter! In ihren Pfoten lag das Schicksal dieser kleinen Löwin, und das fühlte sich großartig an. Großartig- aber auch beängstigend.

Ein Brüllen durchbrach die Stille der Savanne.

Die Löwinnen zuckten zusammen. Ängstlich drückte sich Vitani an ihre Mutter. Eine unheimliche Stille erfüllte die Höhle und keiner wagte es, auch nur eine Pfote zu bewegen.

Erneut ertönte das mächtige Gebrüll. Ein Schatten verdunkelte den Mond, der sein schwaches Licht in die Höhle sandte.

Und dann stand eine Löwin in der Höhle, mit gebleckten Zähnen, die Krallen ausgefahren.

„Gib mir dein Junges, Tama!"
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