Ten Days

von AnjaAve
GeschichteRomanze / P18 Slash
Riku Rajamaa Samu Haber
08.05.2018
15.08.2019
72
76029
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Rikus POV

Nun sitze ich hier neben Osmo und muss mir von ihm anhören, wie man seinen Song am besten performen sollte.
Nicht, dass er ihn schon oft mit Sunrise Avenue gespielt hat und ich da gezwungenermaßen auch auf der Bühne stand und auch noch ein Solo gespielt habe, nein. Ich versuche die ganze Zeit, ihm das mitzuteilen, doch er redet wie ein Wasserfall.
„…und hier ist so ein fieser, schneller Akkordwechsel. Da musst du echt aufpassen, dass du nicht an die falsche Saite kommst. Sonst klingt die ganze Phrase dissonant…“ Ihr versteht, was ich meine?
„…aber vielleicht sollte ich dir das alles nicht einfach nur so vortragen und wir sollten einfach mal losspielen. Dann können wir ja immernoch…“
Bevor er seinen Satz zuende gesprochen hat, drücke ich im schon eine Gitarre in die Hand und sage: „Na dann mal los“
Osmo guckt ganz verwirrt, hängt sich dann aber doch den Gitarrengurt um und nach einem kurzen „Ich die erste, du die zweite und zum Schluss immer abwechselnd“ fängt er endlich an zu spielen und zu singen.
Wie schon beim ersten Mal, als ich diesen Song gehört habe, versinke ich vollkommen in ihm und verpasse beinahe meinen Einsatz. Ein kurzer böser Blick von Osmo, dann konzentriert er sich wieder auf seine Gitarre, während ich meine Hände letztendlich in meine Hosentaschen stecke, weil sie einfach nix zu tun haben.
Als wir nach einigen kurzen Stockern schließlich durch sind, schweigen wir beide. Ich schaue auf das Klavier, das hinter Osmo steht und sage dann: „Du solltest vielleicht hinterm Klavier bleiben, ich hinter meiner Gitarre und dann bräuchten wir noch die Liveband“
Er stimmt mir komplett zu und so machen wir für morgen einen  Termin mit der Liveband vor Ort aus. Ich freue mich schon auf das Wiedersehen mit Tom.

Dadurch, dass Osmo und ich nicht ganz so lange gebraucht haben, wie geplant, habe ich noch ein paar Minuten Puffer, bis ich zu meinem zweiten Tagestermin muss, Samu.
Irgendwie haben Chris und ich es geschafft, beide ins Finale zu kommen. Ich war der Erste und bei der letzten Entscheidung kam auch noch er weiter.
Somit muss jeder von uns am Freitag mit Samu einen Song performen, einen mit einem „echten Superstar“ zusammen und dann natürlich noch unsere Single.
Chris hat ebenfalls eine Ballade am Start. ‚The Singer‘ heißt sie und geht mir direkt unter die Haut. Während ich mit Osmo auftreten werde, irgendwie hat Samu oder Brix oder wer auch immer es anscheinend geschafft, dass er mir zugeteilt wird, oder er hat es sich einfach gewünscht, darf Chris mit James Blunt auf der Bühne stehen. Das ist natürlich phänomenal, doch ich bin zufrieden so, wie es ist. Und ich kann mich auch so noch Backstage mit James unterhalten.
Debbie ist auch im Finale, für das Team der Cowboys. Und die letzte Finalistin ist Judith, die anfangs noch in Samus Team war, nach den Battles aber von Nena ins Boot geholt wurde.
Jetzt habe ich noch zehn Minuten, bis ich durch diese Tür treten und meinem Schicksal entgegentreten muss.

Nachdem ich endlich von der Bühne durfte, war ich am Donnerstag gleich zurück zur Pension gegangen und habe dort darauf gewartet, dass auch Jukka wiederkommt.
Ich habe mich ordentlich bei ihm ausgeheult und bin danach mit ihm an die Bar gegangen. Dieses Mal haben wir die Rollen getauscht und er musste auf mich „aufpassen“.
Am nächsten Morgen hatte ich einen schlimmen Kater, was im Nachhinein vollkommen verständlich ist, und so habe ich die ersten Kontaktversuche von Samu gar nicht bemerkt. Der hatte dadurch anscheinend den Eindruck, ich würde ihn ignorieren und hat mir einzig noch eine SMS mit den Terminen am Montag geschickt. Ich ließ ihn in seinem Glauben und zog mich in den letzten Tagen komplett zurück.
Jukka erzählte ich, ich hätte mir den Magen verdorben und wolle den Tag lieber im Bett verbringen. Ich sah ihm an, dass er seine so gewonnene Zeit praktisch nutzte und sich noch öfter mit Susan traf. Er hat danach immer so ein komisches Lächeln auf den Lippen, was mir auch in den letzten Tagen oft aufgefallen ist.
Ich versuchte mich derweil seelisch auf das Bevorstehende vorzubereiten.
Auch wenn meine Termine bei Samu bis jetzt immer nur von kurzer Dauer waren, ganz einfach weil wir nichts zu besprechen hatten, so wird die nächste Woche anders laufen.
Diesen Freitag müssen wir gemeinsam auf die Bühne und einen Song unserer Wahl performen. Und das geht nunmal nicht ohne Besprechungen, Diskussionen und zu guter Letzt auch noch Proben ohne Ende.
Allein die Einigung auf einen Song dürfte ein mittelschweres Problem darstellen und ich weiß noch immer nicht, wie ich überhaupt mit ihm umgehen soll. Schließlich baute mein Plan des Darüber-hinweg-Kommens auf meinem Ausscheiden aus der Show auf.
Am Montag stand ich dann pünktlich im Probenraum und dann stand da plötzlich Osmo vor mir. Seine Erklärungen kamen sehr verspätet bei mir an, so überwältigt war ich. Die Zusammenarbeit mit jemand völlig Fremden hätte mich endgültig zusammenbrechen lassen.

Ich schaue auf meine Uhr und bereue es sofort. Trotzdem muss ich jetzt in den Raum vor mir und gerade, als ich zur Klinke greifen will, wird die Tür geöffnet und Chris steht mir gegenüber.
Etwas erschrocken stehen wir kurz voreinander, bevor wir uns gleichzeitig zur Begrüßung und Verabschiedung umarmen. Nachdem er im Flur verschwunden ist, schließe ich die Tür hinter mir und stelle meine Gitarre ab.
Erst jetzt schaue ich mich im Raum um und bemerke, dass Samu mich beobachtet. Nervös schaue ich kurz auf meine Füße, bevor ich auf Brix zu gehe, um ihn zu begrüßen. Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich, dass Samu jeden meiner Schritte verfolgt.
Ich beginne damit, meine Hände zu kneten um die Nervosität zu unterdrücken, höre aber sofort wieder damit auf um nicht von Samu durchschaut zu werden. Er kennt mich zu gut, als das er eine solche Geste nicht als Zeichen für Nervosität meinerseits werten würde.
Die Umarmung von Brix ist viel zu schnell wieder vorbei und so suche ich krampfhaft nach der besten Möglichkeit Samu zu begrüßen. Ich mache unsicher zwei Schritte auf ihn zu. Danach bleiben meine Füße wie festgewachsen stehen, doch nun kommt Samu auf mich zu.
Kurz vor mir breitet er seine Arme aus und zieht mich in eine steife Umarmung, welche eher peinlich als angenehm ist. Das einzig angenehme ist sein Geruch, der mir nun tief in die Nase steigt.
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