Ten Days

von AnjaAve
GeschichteRomanze / P18 Slash
08.05.2018
15.01.2019
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Samus POV

Riku steht mit dem Rücken zu mir und dem Rest des Studios neben Andreas auf der Bühne. Die Entscheidung ist gefallen und jetzt hält das Publikum den Atem an. Thore greift nach den Händen der beiden und Riku zieht seine weg.
Vor meinem inneren Auge taucht das Bild von vor unserem Studio in Helsinki auf, als sich unsere Hände berührt haben und er seine weggezogen hat. Ich schüttle über mich selbst den Kopf und sehe jetzt das Foto von Vivi und Janne vor mir. Das ist nun aber wirklich nicht besser! Ich muss mich irgendwie ablenken, doch wie?
Kurzerhand drehe ich mich zum Publikum um und suche nach einem, mir nur zu bekanntem Gesicht. Laut Doris war Riku vorhin bei Jukka. Er muss hier also irgendwo sein… Da!
Er winkt mir zu und grinst sein typisches Jukka-Grinsen. Sofort lasse ich mich von diesem anstecken und jetzt kommt spontan großer Jubel auf. Spontan? Wohl eher nicht.
Die Ergebnisse werden angezeigt und die anderen Coaches sind schon aufgestanden und scharren sich jetzt um Riku, während Andreas im Hintergrund die Bühne verlässt.
Riku hat es also tatsächlich geschafft Andreas, den Spitzenkandidaten, aus dem Rennen zu kicken. Respekt. Das heißt aber auch, dass mein Plan gescheitert ist.
Dabei hab ich doch echt alles getan, hab mich extra bescheuert verhalten, hab mich förmlich über den von Jukka dazwischengeschobenen Promotermin gefreut, auch wenn er länger gedauert hat als nötig, und bei der Aufnahme seines Songs hab ich mich überhaupt nicht beteiligt. Trotzdem hat er mit seinem Auftritt alle überzeugt. Wie sollte er auch nicht, mit diesem Song?
Aber jetzt muss auf die Bühne und mich mit ihm über den Einzug ins Finale freuen. Na dann, auf in die Schlacht.
Ich sehe ihn, wie er gerade von Nena umarmt wird und dabei ausgelassen lacht. Wann hab ich ihn das letzte Mal so gesehen?
Ich hab echt keine Ahnung. Aber er hat sich in den letzten Monaten auch wirklich stark verändert. Ich erkenne kaum den Riku wieder, mit dem ich noch mit der Big Band Theory auf der Bühne stand. Er wirkt viel ernster. Wenn er lächelt, so erreicht es nichtmehr seine Augen. Ich sehe ihn entweder in Gedanken versunken oder hochkonzentriert.
Ich hätte nie gedacht, dass er das Ganze Theater um die Show so gut meistern würde. Runde für Runde steht er da, mit seiner Gitarre und hat einen perfekt einstudierten Song parat. Mein Coaching braucht er eigentlich garnicht. Wozu auch?
Wir spielen in einer Band, da tauscht man sich auch so schon automatisch über alles Mögliche aus. Auch über die individuellen Bühnenerlebnisse und Empfindungen dabei. Wenn er sich von mir Tipps holen wollte, könnte er dies zu jeder beliebigen Zeit und an jedem beliebigen Ort tun. Unsere Treffen fanden also nur statt, da es die Show so verlangt.
Auch Brix hat das irgendwann verstanden und sie nicht künstlich in die Länge gezogen. Bei ihm müsste es nicht Team Samu heißen, sondern Team Riku. Ich habe am wenigsten dazu beigetragen, dass er jetzt dort oben steht und auch nächste Woche nochmal dort stehen wird. Ich hätte ihn auch nie dazu bringen wollen, seine eigene Musik zu produzieren, schließlich ist er als Gitarrist ein festes Mitglied in der Band und kaum, das heißt eigentlich überhaupt nicht, zu entbehren.
Das letzte, was ich für Sunrise Avenue brauche, ist seine Solokarriere. Diese scheint sich aber nicht mehr abwenden zu lassen… Und ich habe keinen besonders geringen Beitrag dazu geleistet, dass er überhaupt an der Show teilnimmt. Er hat mir ja selbst gesagt, dass ich damals sein einziger Grund war.
Jetzt setze ich ein hoffentlich natürlich wirkendes Lächeln auf und umarme ihn. Ich hebe ihn hoch und drehe mich um meine eigene Achse. Riku breitet seine Arme aus, verhindert somit, dass ich zu den Seiten umkippe, und legt seinen Kopf in den Nacken, wodurch er mich nebenbei auch am nach hinten umfallen hindert.
Langsam wird er aber echt schwer und so lege ich, um ihn nicht abstürzen zu lassen, meinen Kopf auf seine Brust. Mein rechtes Ohr ist direkt über seinem Herz und ich höre es unregelmäßig, schnell und laut schlagen. Sofort beschleunigt sich auch mein Herzschlag und ich muss tief einatmen, während ich ihn nun wieder absetze und wieder in meine Arme ziehe. Es fühlt sich so unendlich gut an, dass ich ihn am liebsten nie mehr loslassen möchte.
„Warst du schon immer so schwer?“, frage ich ihn, um die Stimmung etwas aufzulockern und meiner Atmung eine Chance zu geben, sich wieder zu normalisieren.
„Du bist einfach nur aus der Übung“, kommt schlagfertig zurück und mir läuft dabei ein Schauer über den Rücken.
Als ich mich von ihm löse, streifen seine Lippen für einen minimalen Augenblick meine Wange. Sofort kehren die Bilder wieder zurück und ich muss mich anstrengen, um sie wieder loszuwerden.
Thore kommt zu uns und macht Riku klar, dass er jetzt seinen Song verformen muss. Ich weiß noch nicht mal, wie er heißt. Shame on me.
Riku ist darauf überhaupt nicht vorbereitet, hat ihn garnicht mit der Band einstudiert. Er schaut hilfesuchend zu mir, doch was kann ich schon tun? Ich habe den Song ja noch nicht einmal gehört. Plötzlich scheint er einen Geistesblitz er haben, denn er rennt von der Bühne und die Treppe im Publikum nach oben. Schließlich bleibt er stehen und sucht den Raum anscheinend nach jemandem ab. Aber nach wem? Doch nicht etwa…?
Doch, in dem Moment steht Jukka neben ihm, will ihm allem Anschein nach erstmal ordentlich gratulieren, doch Riku zerrt ihn schnurstracks auf die Bühne. Der Arme weiß nicht, wie ihm geschieht und fordert von Riku eine Erklärung. Er will mit Jukka auftreten, da nur er die Begleitung spielen kann. Jukka stimmt nach kurzem Überlegen zu und so kann ich endlich die Bühne verlassen.
Riku spricht kurz mit dem Lichttechniker, Robert, glaub ich und Jukka hilft beim Aufbau des Flügels.
Nachdem auch langsam wieder Ruhe ins Publikum eingekehrt ist und Riku auch seine Gitarre wieder in seinen Händen hält, kann es dann auch losgehen und auf der Studiowand wird riesengroß das Cover zu seiner Single eingeblendet.
Es muss also mehr oder weniger eine Ballade sein, alles andere würde nicht dazu passen. Meine Ohren vernehmen zwei Probeakkorde, bevor Riku ans Mikrofon tritt, seine Augen schließt, tief einatmet und anfängt zu singen. Parallel spielt auch Jukka die ersten Noten.
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