Ten Days

von AnjaAve
GeschichteRomanze / P18 Slash
Riku Rajamaa Samu Haber
08.05.2018
17.09.2019
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Von allen Seiten prasseln Glückwünsche zum gelungenen Auftritt auf mich ein. Ich setze ein steifes Lächeln auf und nicke jedem Einzelnen freundlich zu.
Als ich endlich wieder allein bin, leere ich die Wasserflasche in einem Zug. Unten fängt nun Andreas an zu singen, doch ich nehme es gar nicht bewusst wahr. Ich kann noch nicht einmal wirklich sagen, welchen Song er performt.
Als er fertig ist, gesellt er sich zu uns nach oben, doch nun bin ich erneut abgelenkt, nämlich von Michael Bublé, der mit einigen der Kandidaten gemeinsam auftritt und seine neue Single performt.
Ich bin begeistert und stehe sogar auf, um mich ans Geländer zu stellen und so besser sehen zu können. Jetzt macht es sich bezahlt, dass ich hier hoch gekraxelt bin, denn jetzt habe ich vollkommen freie Sicht auf das ganze Studio.
Erst jetzt bemerke ich, wie viele Menschen eigentlich hier rein passen. Und dann sind da ja auch noch die ganzen Zuschauer zuhause…
Irgendeine Bewegung erregt meine Aufmerksamkeit. Gleich am rechten Gang hat sich eine Person erhoben, zu mir umgedreht und winkt mir wild zu, während sie auf und ab hüpft. Ich kneife meine Augen zusammen und erkenne eine blonde Mähne.
Jukka.
Ich wusste gar nicht, dass er heute dabei ist. Susan kann nicht und er meinte, dass er auch nicht kommen kann. So ein Lügner! Ich schaue mich um, alle haben nur Augen für die Bühne, was auch verständlich ist, schließlich erlebt man Michael Bublé nicht alle Tage live.
Ich steige jetzt die Treppe langsam und geduckt wieder herab, damit die Kameras mir keine weitere Aufmerksamkeit schenken und schiebe mich zu Jukka durch. Bei ihm angekommen setze ich mich direkt neben ihn auf die Treppe.
„Geile Show!“, schreit er mir entgegen um Michael zu übertönen.
„Was machst du hier?“, ich ignoriere seinen Versuch, Smalltalk zu führen.
„Dich anfeuern natürlich. Du hast es denen allen gezeigt. Wenn du nicht gegen diesen Möchtegern-Superstar gewinnst, versohle ich jedem einzelnen, der nicht für dich gevotet hat den Arsch“ Jukka, wie er leibt und lebt.
„Na dann hoffe ich mal, dass dir diese Arbeit erspart bleibt!“ Ich bin richtig froh, dass er jetzt da ist und mich daran hindert, in depressive Gedanken zu versinken.
Er strahlt eine solche Lebensfreude aus, dass es richtig schwer ist, von ihr nicht mitgerissen zu werden. Langsam wird nun auch meine Laune wieder besser und gemeinsam mit ihm genieße ich die letzten Momente von Michaels Auftritt.

Als der Countdown für das Voting für mich oder Andreas startet, verabschiede ich mich von Jukka und mache mich auf den Rückweg.
Doris führt gerade ein Kurzinterview mit Andreas und ich setze mich auf eines der Sofas. Gerade als ich denke, einem Interview entkommen zu sein, setzt sich Doris neben mich.
„Und wie ist es bei dir? Nervös wegen der Entscheidung?“ Was will sie jetzt von mir hören? Abschätzend schaue ich sie an.
In solchen Momenten wünsche ich mir die alten Zeiten zurück, in denen Samu und ich immer zusammen bei den Interviews waren und er die meiste Zeit geredet hat. Ich bin nun mal kein Mensch vieler Worte.
„Schon, ja. Aber not more als vor einer of our shows“
„Also hast du nah jahrelanger Erfahrung immer noch Lampenfieber?“ „Was ist das?“ „Lampenfieber?“, was für ein bescheuerter Begriff und ich hab echt keine Ahnung, was er bedeuten könnte, „It’s about being nervous right before the beginning of a show, performance or something like that“ Ach so!
Ich nicke und wappne mich innerlich für die nächste Frage. In dem Moment kommt der Signalton, dass keine Anrufe mehr eingehen und nun alles ausgezählt wird. Doris weißt nur kurz darauf hin und macht dann mit dem Interview weiter. Wäre ja auch zu schön gewesen!
„Du warst ja gerade im Publikum. Wer war das, den du da besucht hast?“ Ich wusste, dass diese Frage kommt. Was soll ich darauf antworten? Jeder, der mich durch Sunrise Avenue kennt, kennt auch Jukka.
„Das ist Jukka, our producer. Ich wusste nicht, that er is hier. Nice surprise!“
„Du warst doch auch in der letzten Woche mit ihm im Studio. Ihr habt zusammen deine Single aufgenommen“ Doris schaut mich abwartend an. Was soll ich jetzt sagen? Das war doch noch nicht mal eine Frage! Was würde Samu jetzt sagen?
Er würde einfach drauf los labern, über alles, was ihm in den Sinn kommt. Er bräuchte nur jemanden, der ihm eine Frage stellt, der Rest läuft von allein.
„Ja, that’s right. Der Song ist wuunderschen geword… geworden…?“

Endlich sind die Ergebnisse da und ich werde von meiner Qual erlöst. Zusammen mit Andreas gehe ich nach unten zu Thore auf die Bühne und nun dürfen wir mal wieder die Wand anstarren. Eine Minute vergeht, noch eine. Ich spüre Samus Blick in meinem Nacken und widerstehe dem Drang, mich zu ihm umzudrehen.
Jetzt setzen sich die Scheinwerfer in Bewegung, was bedeutet, dass es gleich soweit ist. Thore steht nun zwischen uns und greift nach unseren Händen. Geschockt ziehe ich meine weg und starre ihn an.
Er starrt zurück und mir wird klar, dass das zur Show gehört. Er reißt den Arm des Siegers in die Höhe, sobald das Ergebnis gezeigt wird. Widerwillig reiche ich ihm meine Hand und ein Raunen geht durchs Publikum.
In diesem Moment leuchten die zwei Säulen auf und steigen. Quälend langsam steigen beide an, bis eine vor der anderen stehenbleibt.
44 und 56%. Nur die Namen fehlen noch. Die lassen aber nicht mehr lange auf sich warten und schon reißt Thore meinen Arm nach oben. Ich habe tatsächlich gewonnen.
Thore dreht sich mit mir zum Publikum um und das Kreischen hört gar nicht mehr auf. Ich kann Jukka erkennen, der auf der Treppe einen Freudentanz aufführt und muss lachen. Es tut richtig gut und ich habe Mühe, mich wieder zu beruhigen.
Alle Coaches kommen zu mir und beglückwünschen mich. Samu scheint mit sich selbst zu streiten. Er ist der Letzte, der auf die Bühne tritt und wirkt abwesend.
Im nächsten Moment strahlt er, rennt auf mich zu, hebt mich hoch und dreht sich sogar dabei. Wieder muss ich lachen, während mein ganzer Körper kribbelt. Ich breite meine Arme aus und lege den Kopf nach hinten.
Samu legt seinen an meine Brust und ich bin mir sicher, dass er meinen rasenden Herzschlag genau hört. Neben mir höre ich das Lachen der Coaches und des Publikums. Samu setzt mich wieder ab und zieht mich in eine feste Umarmung.
„Warst du schon immer so schwer?“, fragt er amüsiert nahe an meinem Ohr und jagt damit eine Gänsehaut über meinen Körper.
„Du bist einfach nur aus der Übung“ Als ich meinen Kopf zurückziehe, gebe ich ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Kurz werden seine Augen schmal und er scheint in weite Ferne zu schauen, doch dann grinst er wieder, als ob nichts geschehen wäre.

„Ich will euch ja nur ungern stören, aber du musst jetzt deinen Song präsentieren“, meint Thore.
„Was? das haben wir aber garnicht geprobt“
„Na dann musst du halt ohne Band auftreten“
„Das geht aber nicht“ Hilfesuchend schaue ich Samu an, doch der ist genauso ratlos. Wie soll das gehen? Ich brauche doch wenigstens jemanden, der die Klavierbegleitung spielt. Und die kann keiner aus der Band. Die kann nur ich, oder wahrscheinlich nur Jukka. JUKKA!!!
Entschlossen renne ich die Treppe hoch und halte nach ihm Ausschau. Als ich ganz oben bin, habe ich ihn nicht gesehen. Ich drehe mich um und schaue hektisch hin und her. Ich sehe seinen Platz, doch der ist leer. Wo ist dieser Elch?
Jemand tippt mir auf die Schulter. Ich drehe mich um und sehe sein grinsendes Gesicht.
„Du hast es geschafft, Mann“ Ich weiche seiner Umarmung aus und ziehe ihn einfach am Arm hinter mir die Treppe herunter. Unten angekommen schauen uns Samu und Thore geschockt an.
„Das ist nicht dein Ernst“, sagt Samu.
„Doch. Er hat die Begleitung mitgeschrieben. Er ist der Einzige, der sie kann“
„Moment mal! Was ist hier eigentlich los? Warum zerrst du mich durch das halbe Studio?“ So schnell ich kann erkläre ich Jukka das Problem und er stimmt sofort zu.
Thore hat es anscheinend auch endlich kapiert, denn er scheucht alle von der Bühne und lässt einen Flügel aufbauen. Jukka hilft dabei und ich unterhalte mich kurz mit Robert. Danach hole ich meine Gitarre und bekomme auch noch mein Mikro.
Es kann losgehen.
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