Ten Days

von AnjaAve
GeschichteRomanze / P18 Slash
Riku Rajamaa Samu Haber
08.05.2018
17.10.2020
123
138.169
18
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17.10.2020 966
 
Am nächsten Morgen wache ich auf und bin im ersten Moment leicht irritiert, doch dann fällt mir ein, dass ich ja gestern Abend noch Besuch von Jukka bekommen habe.
Ein kurzer Blick zum anderen Sofa sagt mir, dass er noch immer schläft. Mann oh Mann, der muss aber echt fertig gewesen sein. Ob er überhaupt geplant hat, hier zu übernachten? Vielleicht sollte ich lieber mal bei ihm zuhause anrufen…
Gedacht, getan. Fast sofort nimmt Susan ab und fragt direkt nach Jukka.
Sie hat sich schon richtig Sorgen gemacht, aber ich kann sie beruhigen. Sie meint, er wollte eigentlich nur kurz vorbeischauen und nach dem Rechten sehen.
Ich erzähle ihr, was passiert ist und fange an nebenbei schon Kaffee zu kochen, während sie mir davon erzählt, dass Jukka in den letzten Tagen immer wieder komisch gewesen ist.
„Wenn wir uns wenigstens einmal richtig gestritten hätten, aber nein, er sitzt dann einfach nur stumm in seinem Sessel und scheint gar nichts mehr mitzubekommen“, das macht mir dann doch Sorgen. Ich verspreche ihr, der Sache auf den Grund zu gehen und dann verabschiedet sie sich auch schon wieder von mir, weil sie mit Tapio in die Stadt fahren will. Irgendwas Organisatorisches.
Als ich mein Handy gerade weggesteckt habe, entdecke ich Jukka, der sich verschlafen die Augen reibt und direkt auf die Kaffeemaschine zugeht. Im letzten Moment kann ich ihn zurückhalten.
„Der ist noch nicht fertig. Du musst dich schon noch ein paar Minuten gedulden“, sage ich und muss mich zusammenreißen, um nicht in Lachen auszubrechen.
Ein verschlafener Jukka ist wirklich amüsant, besonders dann, wenn er noch dazu auf Kaffeeentzug ist. Jetzt schaut er mich aus ganz kleinen Augen an. Meine Güte, hat er denn noch immer nicht ausgeschlafen?
„Guten Morgen, erstmal. Als ich gestern wiederkam, hast du schon geschlafen und ich wollte dich nicht wecken“, hole ich die Begrüßung jetzt nach und umarme ihn kurz.
„Danke“, murmelt er und gähnt.
„Sag mal, was ist denn mit dir los? Du hast jetzt zehn Stunden am Stück geschlafen und bist immernoch müde?“, ich halte ihn an beiden Oberarmen fest und suche seinen Blick.
„Überarbeitet“, sagt er leise und schließt erneut die Augen.
„Ja, das merke ich“, ich rüttle ihn wieder wach und manövriere ihn zum Tisch.
Als ich sicher bin, dass er ordentlich sitzt und nicht sofort wieder vom Stuhl kippt, nehme ich zwei Tassen aus dem Schrank und befülle sie mit dem Kaffee, der gerade fertig geworden ist. Zurück am Tisch muss ich Jukka schonwieder aufwecken.
Er fährt erschrocken hoch und hätte mit einer Hand fast die Tasse erwischt, doch ich kann sie zum Glück noch rechtzeitig aus seiner Reichweite ziehen.

Zwei Tassen Kaffee später, ist er endlich halbwegs wach und als ich ihn nun frage, beginnt er mir zu erzählen.
„Ich brauchte einfach mal ein Bisschen Luft zwischendurch. Susan und Tapio zerren mich von einem Termin zum nächsten. Die Entscheidungen nehmen kein Ende und dann ist da ja auch noch das Baby…“, er sieht richtig fertig aus, wie er jetzt so vor mir sitzt und den Kopf hängen lässt.
„Schön hast du’s hier! Ich bin vorher dreimal falsch abgebogen!“, sagt er lächelnd nach einem Moment, doch seine Stimme klingt belegt, als würde er mit den Tränen kämpfen.
Tröstend umarme ich ihn und manövriere ihn zum Sofa. Er schnieft und lächelt mich an, als wir nebeneinander auf meinem Nachtlager sitzen. Ich streiche sanft über seinen Rücken, während er sich an meine Schulter lehnt und weiter vor sich hin schnieft.
So bleiben wir noch eine Weile sitzen, bis er sich wieder soweit beruhigt hat.
„Ich hab vorhin Susan angerufen. Sie macht sich Sorgen“, sage ich leise.
„Ja, ich sollte wohl langsam mal zurück“, sagt er und steht auf.
„Ach Quatsch, die paar Stunden machen jetzt auch nix mehr. Sie weiß, dass es dir gut geht und dein Bruder will mit ihr eh irgendwas in der Stadt besorgen“, ich stehe ebenfalls auf.
„Komm, ich schmeiß die Sauna an, du entspannst dich nochmal richtig und dann kannst du wieder in die Schlacht ziehen. Morgen fahre ich auch wieder zurück und dann kannst du mich auch noch mit einspannen“, er stimmt meinem Vorschlag zu und kurz darauf sitzen wir vorm Kamin und warten darauf, dass die Sauna heiß wird.

„Und was ist nun dein Masterplan?“, frage ich ihn irgendwann, nachdem wie eine gefühlte Stunde nur in die Flammen geschaut haben.
„Hm?“, fragend schaut er mich an.
„Naja, du meintest doch, du wolltest mir nicht übers Telefon sagen…“
„Achso das, ja…“, unterbricht er mich.
„Ich gehe mit Susan nach Deutschland“, spricht er es aus, als wolle er es schnell hinter sich bringen und schaut auf seine Finger, die er immer wieder ineinander verschränkt und voneinander löst.
Das hatte ich mir schon gedacht, doch trotzdem bin ich ziemlich niedergeschlagen. Deutschland ist natürlich nicht aus der Welt, aber trotzdem. Es hat mich immer etwas beruhigt, zu wissen, dass ich jeder Zeit einfach zu ihm kommen kann.
„Wir haben schon eine Wohnung in Berlin gekauft, nicht weit von dem Studio, in dem wir zusammen waren. Das Studio werde ich dann auch weitgehend übernehmen. Der Eigentümer will es eigentlich eh aufgeben“, klärt er mich weiter auf.
Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Ich versuche mir einzureden, dass es viel zu egoistisch ist, sich nicht für ihn zu freuen, aber es hilft nicht.
Dann bin ich halt egoistisch. Ist das nicht jeder mal?
„Es tut mir leid“, murmelt er neben mir und legt eine Hand auf meine.
„Das… muss es nicht“, bringe ich hervor und drücke seine Hand.
„Ehrlich“, ich schaue ihn an und lächle.
„Ich werde trotzdem immer für dich da sein. Und du kannst mich jederzeit besuchen kommen“, das ist nicht das Gleiche! Ich zwinge mich dazu, das nicht laut auszusprechen.
„Ich weiß“, sage ich stattdessen und umarme ihn, um meine Aussage zu unterstreichen.
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