Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Burg der Ahnen

GeschichteMystery, Familie / P16 / MaleSlash
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
07.05.2018
07.05.2018
6
72.119
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.05.2018 10.289
 
Als Lucifer und Philip mit Christian und Jasper auf Norderney eintrafen, waren die Anderen schon da und saßen im Esszimmer bei einer Tasse Kaffee für die Frauen, Pharisäer für die Männer und die Kinder hatten eine Tasse Tee bekom-men. Ilse umarmte ihren Adoptivsohn, sehr herzlich. "Setz dich Lucian, ich brin-ge dir gleich einen Pharisäer - extra stark.  Philip was möchtest du?" fragte sie. "Ich nehme auch einen Pharisäer nur nicht so stark wie den von Lucian, bitte." antwortete dieser. Ilse grinste. Selvaggia sah ein wenig genervt aus, als Lucifer sich neben sie setzte und ihr einen zärtlichen Kuss gab. "Was habe ich schon wieder gemacht?" wollte er wissen. "Nichts." knurrte sie. Er verdrehte genervt die Augen, nahm einen Schluck seines Pharisäers, den Ilse ihm gerade gebracht hatte, stöhnte kurz auf und rieb sich die Schläfen. Denn wie auch Sandalephon hatte er von dem langen Ausflugstag wieder mal starke Kopfschmerzen und noch keine Medizin eingenommen. Selvaggia schnaubte laut. "Was?" fauchte der Höl-lenfürst seine Frau an, die schon wieder zu zicken anfing und er hatte im Mo-ment echt keine Nerven für seine zickende Frau. Sandalephon, der auf der an-deren Seite neben ihm saß schob ihm eine Tablette hin.
"Gegen die Kopfschmerzen. In etwa einer halben Stunde tritt Schmerzlinderung ein. Ich hab’ auch schon eine genommen." Abermals schnaubte Selvaggia. "Saufen und dann Tabletten fressen, das hab’ ich gern!" Die anderen sowie auch die bei-den älteren Jungen merkten, wie sich Wut in ihm aufstaute. "Was glaubst du, dass ich mit den Kindern einen Ausflug mache und mich dabei betrinke?" fragte er sehr gereizt und giftig. "Er hat nicht getrunken Selvaggia!" mischte sich Phi-lip ein. "Danke Priesterchen, aber... das bringt nichts." Sandalephon begann: "Selvaggia... die Kopfschmerzen kommen nicht vom Alkohol. Lucifer leidet - wie ich auch - unter starker Migräne, da wir eigentlich nicht für dauerhaften Auf-enthalt auf der Erde gemacht sind und... " Er wurde von der Frau des Höllen-fürsten unterbrochen. "Hört sich nach Blödsinn an. Lucifer trinkt einfach zu viel und..." "Jetzt reicht es aber! Es ist okay, wenn du mir die Schuld gibst, dass du während der Schwangerschaft zunimmst, oder wir uns mal wegen der Kinder streiten oder etwas anderes, aber das geht zu weit! Mir Vorwürfe machen ich wäre ein Säufer. Zugegeben, ich trinke sehr viel, aber ich vertrage es auch und ich trinke eigentlich auch bis auf wenige Ausnahmen nicht so viel, dass ich am nächsten Tag den Kater nicht ertragen kann. Ebenso ist mein Verhalten euch gegenüber auch in einem Alkoholrausch..." Er brach ab und warf seiner Frau noch einen traurigen Blick zu, bevor er sich seine Kaffeetasse mit dem Pharisäer schnappte und den Raum verließ. Er setzte sich auf die Veranda.
"Selvaggia, das ist jetzt sehr unverschämt gewesen. Du bist keine Seraphim! Was meinst du, wieso Vater Kat, oder Lucia, wie ich meine mir von Vater ange-traute Frau lieber nenne, so oft von ihm in den Himmel gerufen wird - und sei es nur für einige Stunden? Weil er ihr die Schmerzen noch ersparen kann und will! Denn anders als Lucifer und ich, und wir sind etwa beide gleich alt - muss sie erst noch lernen mit den Schmerzen umzugehen! Wenn du keine Ahnung hast, junges Ding, solltest du manchmal besser schweigen!" wies Sandalephon Selvaggia zurecht, stand auf - gleichzeitig mit Kat - und wandte sich an Ilse. "Lucia und ich ziehen uns zurück. Ich will keinen Unfrieden ins Haus bringen, liebe Ilse, und denke, ich werde meiner Frau jetzt mal unser gemeinsames Haus in Edinburgh zeigen." Er umarmte die alte Dame und verabschiedete sich mit Kat, dann ver-schwanden beide. "Du bist manchmal echt unmöglich, Selvaggia. Ich denke du solltest dich entschuldigen und in Zukunft etwas nachdenken." sagte Ilse streng und traurig zugleich und verließ ebenfalls den Raum. Sie setzte sich zu ihrem Sohn auf die Terrasse an den Tisch. Sie sah Traurigkeit in seinen Augen, als er kurz aufsah, bevor er wieder einen Zug seiner Zigarette nahm. "Lucian..." "Ich hab’ keine Lust zu reden." Sie seufzte. "Ach Junge. Du kannst nicht immer alles in dich hineinfressen. Selvaggia war wirklich gemein. Und ich wollte dir mitteilen, dass Sandalephon mit Kat in sein Haus nach Edinburgh gegangen ist." Er sah die ältere Dame fragend an. "Er meinte er wolle keinen Unfrieden in dieses Haus bringen." Sein Blick verfinsterte sich. Er nahm noch einen Schluck seines Phari-säers und lief wieder ins Haus. "Seit wann rauchst du denn?" fragte seine Frau.
Er griff wortlos nach der Hand seiner Frau und verschwand mit ihr. Überrascht sah sie sich um und erkannte sein Arbeitszimmer in der Hölle. "Lucifer? Warum bringst du mich hierher?" fauchte sie ärgerlich.
Sie erstarrte unter seinem eiskalten Blick. "Sag du es mir." sagte er erschre-ckend kühl, wie sie es von ihm noch nie gehört hatte ihr gegenüber. "Du bist zu weit gegangen Selvi. Du hast keine Ahnung von uns Seraphim, du maßt dir an über mich zu urteilen und weißt rein gar nichts. Du hast keine Ahnung wie es ist seit hunderten von Jahren unter immer wiederkehrenden höllischen Kopfschmerzen zu leiden. Nur dass ich im 16. Jahrhundert noch öfter in der Hölle war als jetzt und sie dadurch noch besser zu ertragen waren. Und wann ich was und wie viel trinke, rauche oder sonst was mache, selbst wenn ich Drogen nehmen würde... was ich auch schon gemacht hab, wenn wir schon dabei sind - hat keine Auswir-kungen gesundheitlicher Art auf mich und auch nicht auf dich oder unsere Kin-der! Du wusstest wer ich bin als du dich mit mir auf eine Beziehung eingelassen hast. Ich hab’ deine Launen bisher immer ertragen und werde es auch weiter-hin, aber vorhin bist du zu weit gegangen. Du kannst nicht über jemanden urtei-len, wenn du die Hintergründe nicht kennst... Und du solltest bedenken, dass Sandalephon fast so alt ist wie ich und Erfahrung als Pharmazeut hat - und auch die Kopfschmerzen kennt! Du hast keine Ahnung wie verletzt ich war, als ich mich das letzte mal wirklich richtig betrunken habe. Und du bist diesmal eindeu-tig zu weit gegangen. Du vertreibst meinen Bruder und verletzt mich, ... wie du es noch nie geschafft hast. Ich liebe dich Selvi, aber ich dulde es nicht, dass du mich vor den Kindern so behandelst. Du solltest mal... schwanger oder nicht - über dein Verhalten mir und teilweise auch anderen gegenüber nachdenken!"
Er wandte sich ab und rief: "Armaros!" Der gefallene Engel erschien sofort. "Was kann ich für dich tun, Chef?" fragte er den Fürsten der Hölle. "Bring Selvi in den Palazzo nach Venedig und bleib bei ihr. Ob unsichtbar oder... das ent-scheidet sie. Und verriegle das Portal so, dass sie es nicht benutzen kann." Er sah sie enttäuscht und traurig an. "Denk darüber nach was ich dir gerade gesagt hab. Ich muss noch etwas erledigen und mich erst mal beruhigen. Anschießend reden wir." Armaros legte seine Hand auf ihre Schulter und verschwand mit der Frau seines Chefs.
Lucifer zauberte sich zu Sandalephon und Kat nach Edinburgh. "Onkel Lucifer!" rief Kat und umarmte ihn liebevoll, da sie merkte, dass er es brauchte.
"Sandy, machst du mir bitte einen Drink? Egal was." fragte er. Die beiden war-fen sich einen kurzen, betroffenen Blick zu. Der Höllenfürst setzte sich in einen Sessel und Sandalephon reichte ihm ein Glas mit schottischem Whiskey. Er nahm es und kippte den Inhalt mit einem Schluck hinunter, das Glas hielt er seinem Bruder wieder hin. "Aber nur diesen einen noch, dann ist erst mal Schluss!" Der Höllenfürst nickte. "Ich habe Selvi für einen kurzen Moment in die Hölle ge-schafft und ihr dort meine Meinung gesagt." "In die Hölle?" fragte Kat ihren Lieblingsonkel überrascht. "Ist sie immer noch dort?" wollte Sandalephon wissen. "Nein, ich habe sie mit Armaros nach Venedig geschickt. Ich werde nachher mit ihr reden. Ich wollte nur erst mit euch reden. Ich möchte, dass ihr wieder zu-rück nach Norderney kommt. Ihr seid meine Gäste, denn das Haus ist auf dem Papier mein Haus und ich dulde nicht, dass sie meine Patentochter, die für mich wie meine älteste Tochter ist und ihren Partner, der mein Bruder ist aus dem Haus treibt." Sandalephon seufzte. "Ich bin nur gegangen um nicht noch mehr Unfrieden zu stiften. Ich bin Selvaggia nicht böse. Du solltest wirklich mit ihr reden, denn ich glaube du warst wirklich ein wenig hart." antwortete sein himmli-scher Bruder. Lucifer seufzte und rieb sich die Schläfen. "Diese Frau kostet mich echt Nerven. Kommt bitte wieder zurück, wenn einer Unfrieden schafft, dann ist das Selvi nicht du! Ich rede morgen Abend mit ihr und hoffe sie wird wieder zur Vernunft zu bringen." Sandalephon lächelte. "Wir kommen wieder zu-rück, denn wir sollten uns auch noch Gedanken machen wie wir weiter mit den Geistern in meiner Burg verfahren. "Jetzt lächelte auch Lucifer, wenn auch et-was gequält. "Danke." Gemeinsam tauchten sie im Wohnzimmer von Lucifers Haus auf Norderney wieder auf. Lucifer setzte sich in einen Sessel und legte vor Schmerz stöhnend den Kopf in die Hände.
Christina Luciana und Sophia Aurora liefen zu ihm und umarmten ihn. Die beiden Mädchen sorgten sich sofort, da sie beide sehr feinfühlig waren. Auch Christi-an, der seinen Lieblingsonkel nicht leiden sehen konnte sah betroffen zu Boden. "Papa, kommt Mama jetzt wieder nicht zurück?" fragte Luciano seinen Vater et-was erschrocken. "Doch sie kommt übermorgen wieder. Sie muss eine Weile al-lein sein und..." er brach ab. "Mami war gemein zu dir?" fragte Luca und umarmte ihn jetzt ebenfalls. "Aber du hast sie doch trotzdem noch lieb?" Er lächelte seinen jüngsten Sohn schwach an. "Sicher, deshalb rede ich ja auch morgen wie-der mit ihr und kläre das." Die Kinder nickten zufrieden. "Lucifer, hast du die Tablette vorhin genommen, die ich dir gab?" erkundigte sich Sandalephon, als er zum wiederholten Male innerhalb kurzer Zeit sah, dass er starke Kopfschmer-zen hatte und der Ärger von eben diese offensichtlich noch begünstigst hatte. Er schüttelte den Kopf. "Bin irgendwie nicht richtig dazu gekommen."  Er reichte ihm eine, die der Höllenfürst mit einem Schluck Kaffee sofort schluckte. "Und was machen wir jetzt ... wegen deiner Geister?" fragte er. "Das sind nicht mei-ne Geister." antwortete er auch leicht gereizt. "Wir sollten morgen nach dem Frühstück wieder in deine Burg gehen, während unsere Frauen und Kinder hier bleiben und uns dort nochmal gründlich umsehen und beobachten was noch pas-siert und dann zusammentragen was wir haben, um eine Lösung für das Problem zu finden." schlug Philip vor. Die anderen nickten zustimmend.
"Hm... aber ich glaube, ich frage unseren guten Seumas mal aus..." meinte Kat nachdenklich. "Der hat auf Onkel Lucifer und Dad nämlich komisch reagiert..." "Mach das, ich glaube er mag dich und vertraut dir." antwortete Sandalephon und lächelte sie zärtlich an.
Am nächsten Morgen saßen alle gemeinsam am Frühstückstisch im Esszimmer des Hauses. "Wie genau gehen wir jetzt vor im Fall Geister?" wollte Philip wis-sen. "Ich denke ich rede erst mal mit Seumas, während ihr Männer euch erst mal in der Burg aufhaltet und umseht, ob und was noch passiert." schlug Kat vor. "Dann machen wir es wie Kat es vorgeschlagen hat und wenn wir wieder zurück-kommen, dann berichten wir einander was wir herausgefunden haben." antworte-te der himmlische Botschafter, da Lucifer wie jeden Morgen schlecht gelaunt und sehr wenig redend seinen Kaffee trank, wenn man ihn nicht direkt an-sprach.  
In diesem Moment erschien Samyaza. „Moin, allgemein. Ich dachte ihr wäret in Schottland und dann haben mir so zwei ziemlich freche Geistergören gesagt sie hätten euch vertrieben – und leider auch die Kinder mit denen man so schön spielen konnte.“ Er zwinkerte den Kindern zu und wandte sich dann an Astarte: „Asta, hier ist irgendwas von einem orthodoxen Pfarramt auf Rhodos für dich, beziehungsweise für deinen Chef. Geht um Michaels Hochzeit. Der Oberpfaffe fragt an ob das ein Witz sei, dass der Erzengel Michael heiraten wolle und ob wir das lustig fänden.“ Astarte schnaubte. „Kleingeistiger Mensch... dem werde ich Manieren beibringen, gib den Schrieb mal her, dann bekommt der eine ge-harnischte Antwort und ich bitte Camael das Schreiben vorbei zu bringen oder vielleicht macht es auch Gabriel – wenn ich nett frage...“ Samyaza grinste und reichte ihr den offiziell aussehenden Brief.
„Callum und Ealasaid vermissen uns echt?“ fragte Luciano interessiert. „Ja, sie haben zumindest nach euch gefragt. Und ich glaube, das Mädchen ist etwas ei-fersüchtig auf deine Christina-Luciana, Großer. Da sei vorsichtig!“ Der Kleine schnaubte. „Sie hat mir schon gesagt, dass sie mich toll findet – tut sie aber nur so richtig, weil ich sie sehen kann. Wenn ich das nicht könnte, wäre ich auch nicht so angesagt bei ihr. Callum hätte ich fast eine runtergehauen, weil er meinte er müsse Christina ärgern, Onkel Samyaza! Er findet sie nämlich hübsch.“ Samyaza lachte leise. „Na dann... Ich verschwinde wieder. Fredi und ich saßen gerade so nett beim Frühstück als Euangelion ganz erschüttert ankam und nicht wusste, wie er Michael erreichen kann oder besser: Ihm beibringen soll, dass der Archmandrit Michael für einen Spinner hält und den Pfaffen der Kirche auf Rhodos für durchgeknallt.“ „Grüß sie lieb, deine Fredi!“ rief Kat. „Hm... von mir auch!“ murmelte der Höllenfürst. „Komm doch Sonntag zum Kaffee mit ihr vor-bei!“ hörte man Ilse als sie um die Ecke kam. „Wird ausgerichtet und bespro-chen. Ich informier dich wegen Sonntag, Ilse!“ damit war er verschwunden.
Seumas betrat die Küche. „Madams, Sirs, ich habe mir erlaubt ein typisch schottisches Frühstück zuzubereiten und würde dies gern servieren – wenn sie erlauben.“ „Schottisches Frühstück? Was ist an einem deutschen Frühstück mit Brötchen und Marmelade oder Aufschnitt falsch?“ fragte Kat überrascht. „Mylady, das ist... wenig abwechslungsreich, oder? Zu einem traditionellen Früh-stück in Schottland gehören Porridge, Baked Beans, Grilltomaten, gebratene Pil-ze, Rühr- oder Spiegelei, knusprig gebratener Schinken, Grillwürstchen, Black Pudding, eine Scheibe Haggis – wenn es ein gutes, ein sehr gutes Frühstück ist, und gerösteter Toast, zu dem Butter und Marmelade gereicht werden. Ich wollte Ihnen, Mylady, und auch Mylord die Esskultur Ihrer Wahlheimat nahe bringen... Wo Mylord ja doch der Chiefthain des Clans ist und... wir hoffen na-türlich, dass er sich in Schottland wohl fühlt... trotz... ähm... nun ja... Darf ich auftragen?“
„Oh, es gibt Pudding zum Frühstück?“ fragte Luca begeistert. Lucas-Lucian sah irritiert aus als er den Butler fragte: „Ist Black Pudding Schokoladenpudding? Warum sagst du dann nicht einfach Schokopudding?“ Der Butler lächelte. „Nein, Black Pudding ist gebratene Blutwurst, junger Herr.“ „Igitt! Hafergrütze und Blutwurst – da sind Pilze ja noch lecker – oder Rührei... was ist Hackis?“ murmel-te Luciano. „Innereien vom Schwein oder Schaf, gekocht im Magen...“ flüsterte Kat – unhörbar für Seumas ihrem kleinen Cousin zu, während der Butler lächelnd zur Erklärung anhub: „Haggis, junger Herr, ist eine Art herzhafter Pudding, wo-bei Fleisch, Haferflocken, Zwiebeln, Salz und Gewürzen vermengt werden. Ich habe mir erlaubt, einen guten Hagggis bei Macsween of Edinburgh zu ordern und liefern zu lassen.“
Sandalephon lächelte. „Sehr schön, Seumas, dann lassen Sie uns mal testen, was wir in Zukunft vielleicht in unser Frühstück integrieren und was nicht... Ein McNeal Frühstück auf Duncraigh-Castle könnte anders aussehen – modern und traditionell – aber sehr interessant.“ „Sehr wohl, Sir.“ antwortete der Butler und brachte im nächsten Moment die ersten Teller, die er vor dem Höllenfürs-ten, Ilse und Derek abstellte, danach bekamen Kat, Sandalephon, Astarte... bis schließlich jeder – auch die Kinder – einen vollbeladenen Teller und ein Schüssel-chen mit Porridge vor sich hatten.
„Papa, Onkel Sam... muss ich das essen?“ fragte Luciano leise. „Probier es we-nigstens...“ murmelte der Höllenfürst irritiert und selbst leicht angewidert auf seinen Teller sehend. „Vielleicht schmeckt es dir ja besser als du denkst, Gro-ßer.“ antwortete Sandalephon, wandte sich an seinen Butler und sagte: „Holen Sie sich auch einen Teller und setzen sich zu uns. Hier auf Norderney geht es familiär zu und so lernen Sie alle kennen, Seumas.“ Der Mann gehorchte – ziem-lich irritiert. Sichtlich angewidert stocherten die Kinder in der Blutwurst und dem Haggis herum. „Die Würstchen sind lecker!“ meinte Luca. „Und die Tomate und die Pilze und das Rührei schmecken auch.“ „Diese Bohnen in Sauce sind auch lecker!“ meinte Christina Luciana kauend. „Aber dieses Hadingens und dieser komische Blutpudding sind eklig!“ „Hm... ja – auf die zwei Dinge könnte ich auch verzichten – aber wissen Sie was, Seumas? An den Bohnen und an Tomate und Pilzen kann man einiges verbessern!“ tat Ilse ihre Meinung kund, tätschelte dem Butler die Schulter und fügte hinzu: „Morgen machen wir die Sachen mal zu-sammen – nur dies Haggis nicht und diese Blutwurst... Wobei... da gibt es ein Ostdeutsches Rezept... das habe ich mal zu DDR-Zeiten bei Verwandten in der Ostzone gegessen... das war gar nicht so schlecht... Ich glaub, ich hab’ das sogar aufgeschrieben...“ Lucian sah seine Mutti kurz an. "Solange es sich dabei nicht um Blutwurst, Innereien oder irgendwelches komische Fischzeug handelt. Machst du mir bitte noch einen Kaffee? Ob mit oder ohne Schuß ist mir egal." murmelte er. Man merkte ihm an, dass ihm leicht schlecht zu sein schien.
„Also mal ehrlich: Nicht jedes Gericht schmeckt gleich. Magst du keine Leber mit Zwiebeln? Ist auch Innerei!“ der Höllenfürst verdrehte die Augen. „Ich glaub mir wird übel... Leber! Schlimmer als Fisch, Mutti!“ Ilse schnaubte: „Und eine Blutwurst als Aufschnitt hast du auch schon gegessen! Was den Kaffee betrifft: Natürlich mach ich dir noch einen Kaffee, mein Junge.“ antwortete sie und warf einen flüchtigen Blick zu Sandalephon, der ihr beruhigend zuzwinkerte. Der Höllenfürst seufzte und sagte leicht ironisch: „Und danke, Sandy, dass du Mutti die Erlaubnis gibst, Rum dran zu tun...“ Der Verlobte von Kat grinste. „Aber immer doch, Lucian.“ Ilse erhob sich – und Seumas ebenso. „Bitte bleiben Sie doch sitzen, Lady Ilse. Ich kann doch den Kaffee für Master Rayne ma-chen.“ Die alte Dame lachte. „Den Kaffee ja, aber nicht den Pharisäer.“ Klärte sie ihn auf und verschwand – gefolgt vom Butler – in die Küche.
Als sie kurz darauf wieder das Esszimmer betraten, trug Seumas den Pharisäer sehr elegant auf einem Tablett, Ilse hielt ein Buch – offensichtlich eine Re-zeptsammlung – in der Hand. „Das wäre doch auch mal eine Alternative: Jäger-schnitzel a la DDR... Da könnten wir diesen Black Pudding gut mit ersetzen, Seu-mas!“ meinte Ilse begeistert. Der Butler servierte dem Höllenfürsten sein Ge-tränk und sah dann irritiert ins Buch. „Ich kann leider kein... ähm... wieso kann ich plötzlich Deutsch lesen? Und weiß, was Jagdwurst ist?“ fragte er und sah leicht panisch in die Runde. Sandalephon seufzte. „Seumas: Ihnen dürfte aufge-gangen sein, dass Asta, Philip, Lucian, Merlin, Cassandra, Sandro-Ariel und auch Catherine genauso „speziell“ sind wie Lucia und ich.“ Der Butler nickte zögernd. „Gut. Wie viel wissen Sie über Engel?“ „Engel, Mylord?“ Sandalephon nickte. „Nun – es sind himmlische Wesen, nicht wahr... mit Flügeln und...“ „Hm... ja...“ meinte Cassandra lächelnd. Ihr Mann, der himmlische Botschafter erhob sich: „Viel-leicht können Sie ja mit unseren Namen, unseren richtigen Namen etwas anfan-gen: Mein Name ist Metatron, Sandro Ariel heißt in Wirklichkeit Sariel, Ihr „Chef“ Sam Sandalephon, die liebreizende Asta heißt richtig Astarte – wenn sie sich nicht entscheidet Astaroth zu sein, meine formidable Bürokraft und unser lieber Lucian hier... nun, vielleicht können Sie sich denken, wer er ist.“ Seumas schwankte und fiel in Ohnmacht. Lucifer seufzte genervt und trank einen Schluck seines Pharisäers, seinen Teller schob er etwas von sich.
Sandalephon seufzte ebenfalls. "Wenn er wieder aufwacht, cor meum, rede du mit ihm. Und vielleicht musst du ja gar nicht seine Erinnerung löschen. Das wäre mir persönlich an sich ganz lieb, weil wir dann nicht dauernd seine Gedanken hier kontrollieren müssen, wenn wir hier unsere richtigen Namen benutzen." Kat lä-chelte. "Ich krieg das schon hin, Liebling."
Sie fröstelten, als sie die Burg betraten. "Irgendwie wird es hier auch immer kälter." murmelte der höllische Botschafter. Sandalephon atmete einmal tief ein. "Wie wäre es mit einem Kaffee oder Whiskey, allerdings müssen wir uns un-sere Getränke selbst machen." sagte er. "Oder zaubern." kam von Philip. "Kaf-fee und Whiskey und ich mache Kaffee. Selbstgemacht schmeckt besser als gezaubert. Sandy bringst du mir eine Flasche Whiskey, während ich Kaffee ma-che?" fragte er höflich und verschwand in der Küche. Kurz darauf saßen sie bei Kaffee und Irish Coffee im Salon vor dem Kamin, da es in der Burg mittlerweile so kalt war. "Lucifer hast du die Kaffeemaschine angelassen?" fragte Der Burg-herr seinen höllischen Bruder, als gegen Mittag Geräusche aus der Küche ka-men. "Nein! Ich hab’ alles ausgeschaltet."
Die drei Seraphen standen auf und liefen in die Küche. Als sie diese betraten waren sämtliche Haushaltsgeräte angeschaltet. "Ich hab’ nur die Kaffeemaschi-ne benutzt und diese wieder ausgeschaltet. In diesem Moment gingen die Gerä-te aus und sämtliche Türen der Schränke knallten auf und zu. Das Licht im gan-zen Gebäude ging an und wieder aus und aus dem Salon hörten sie weiteren Krach. Als Metatron, Sandalephon und Lucifer wieder zurückgingen platzte jede Glühbirne und erlosch. Im Salon angekommen sahen sie gerade noch, wie die Fenster von selbst zerbrachen. Die Einrichtung flog durch die Luft und zer-brach. "Verdammt, meine schöne Burg! Wenn das so weitergeht liegt sie bald in Schutt und Asche." fluchte der Burgherr.
"Kannst sie doch wieder aufbauen, mit Magie." sagte Metatron trocken. "Das wäre nicht dasselbe." murmelte der Burgherr und rief dann befehlend: "Aufhö-ren! Sofort!" in den Raum, bevor eine Geisterstimme erklang. "Verschwindet! Das ist meine Burg! Verschwinde mit deiner Engelsbrut und DU - TEUFEL! Ein Messer flog durch die Luft und ehe jemand reagieren konnte traf es den Höl-lenfürsten in den Unterleib. Kurz darauf erschien die geisterhafte Erscheinung eines alten Mannes und hinter ihm weitere Geister, unter ihnen zwei Kinder. "Teufel! Verschwinde hier! Das ist mein Haus, verschwindet alle!" Der Höllen-fürst taumelte zurück stand an der Wand und stöhnte vor Schmerz. Er zog mit einem leisen Schmerzensschrei das Messer heraus ließ es fallen und sank selbst zu Boden. Sariel eilte zu ihm. "Lucifer..." "Danke... Sariel. Ich..." Der Fürst der Hölle legte eine Hand auf die blutende, schmerzende Wunde und schloss die Au-gen. Die anderen merkten, dass er seine Selbstheilungskräfte einsetzte. Er wurde aber bei seiner Selbstheilung unterbrochen, als plötzlich Kugelblitze durch die Luft zuckten. "Derek! Hast du nicht auch mal sowas erlebt? Bei einem alten Schulfreund von dir, als der Sohn Rache übte? Da hat der Geist doch auch körperliche Angriffe gestartet?" Derek nickte und eilte zu seinem brüderlichen Freund, der immer noch verletzt am Boden lag. "Wir müssen hier weg. Lucifer kann sich unter diesen Umständen nicht heilen, wenn wir immer wieder von die-sen Blitzen attackiert werden." rief Metaron. Gemeinsam tauchten sie wieder auf Norderney auf. "Oh mein Gott, Lucian. Was ist passiert?" fragte Ilse ent-setzt und besorgt, die ja noch nicht miterlebt hatte, wie einer der Engel ver-letzt wurde und sich noch nicht ganz im Klaren war, dass diese, beziehungsweise die Seraphim sich selbst heilen konnten. "Ist schon ... gut Mutti ... ich setze meine Kräfte ein und alles ist wieder gut." Sie beobachtete, wie ihr Sohn sich selbst heilte und nahm ihn dann in den Arm als er fertig war.
"Oh Lucian - ich war richtig erschrocken." Er lächelte und erwiderte ihre Um-armung. Metatron berichtete kurz was vorgefallen war. "Und was hast du her-ausgefunden Kat?" beendete er seinen Bericht mit der Frage an seine Paten-tochter. "Na ja, nachdem ich Seumas erstmal beruhigt habe, hat er mir erzählt was es mit dem Spuk der Überlieferung nach auf sich hat; Der Vorfahre des Burgherrn von dem Sandalephon die Burg erwarb, hat sie nach der Schlacht von Culloden zugesprochen bekommen, da der Chiefthain des Clans auf dem Schlachtfeld von Culloden gefallen war. Er ist wohl auch sofort hin und fand die Kinder, die Frau und den alten Großvater vor. Da er selbst schon vier Kinder hatte, konnte er die wirklichen Clanführer ja nicht brauchen - und der kleine Callum wäre der nächste Chiefthain geworden - vermutlich. Also hat der Erobe-rer - sozusagen - alle aus der Chief-Familie hinrichten lassen - inklusive Ealsaid und Callum. Und weil es eine Prophezeiung gibt, die aber verschollen ist und nur mündlich und sehr ungenau widergegeben wurde, hatte er Angst vor Dad und dir, Onkel Lucifer. In dieser Prophezeiung geht es nämlich darum, dass - wenn ein neuer, nicht britischer "Chiefthain" ins Haus kommt mit ihm auch der Teufel käme und die Geister - der damalige Burgherr, der Vater von Ealsaid und Callum, ist als Geist wohl ebenfalls an die Seite seiner Familie geeilt - alles versuchen würden um den neuen Chiefthain vor dem Bösen zu schützen, damit dieser seine Schwingen schützend über dem Clan ausbreiten könne." "Und wo ist Seumas jetzt?" fragte Metatron.
Kat grinste. "Nachdem ich ihm alles erklärt habe - sozusagen von "Mensch zu Mensch" fand er das alles ziemlich cool. Dass sein Chiefthain ein Engel und noch dazu ein Seraph ist, und auch noch einer beider Seiten, dass er Onkel Lucifer kennen lernen durfte und alle anderen... Und Ilse findet er total nett. Er hat sich jetzt hingelegt um sich "von dem kurzen, heftigen "Erkenntnisschock" zu erholen, hofft jedoch zum Abendessen wieder Ilse zur Hand gehen zu können." Sandalephon grinste. "Toughe Jungs, von meinem Clan..." meinte er.
"Für mich klingt das eher nach Rache. Gehen wir mal davon aus, es handelt sich um Rachegeister, weil sie von diesem ehemaligen Burgherrn umgebracht wurden. Ich habe mich durch einen Fall mal mit diesem Thema näher befasst. Bei Rache-geistern werden die Seelen Verstorbener beschrieben, die einen besonders langsamen und qualvollen, oft durch Mord oder Krankheit herbeigeführten Tod starben. Das Gefühl der Ungerechtigkeit und der daraus resultierende Drang nach Rache ist im Augenblick des Todes so stark, dass der Geist in dieser Spi-rale des Zorns und der Ruhelosigkeit gefangen ist und nicht ins Jenseits über-gehen kann oder will. Sie... wollen Rache für die Ungerechtigkeit und die Qualen, die sie erlitten haben. Und da nehmen sie eben Rache, an denen die da sind, denn der wahre Schuldige ist ja schon tot." berichtet Derek von seinen Erfah-rungen aus einem früheren Fall des Legats. "Möglich, dann müssen wir so zu sa-gen einen Weg finden, der es den Geistern ermöglicht ihren Frieden zu finden. Es ist vielleicht wie bei... Menschen... sie müssen sich mitteilen können und viel-leicht wurden sie ja auch vor ihrer Hinrichtung gequält." überlegte Cassandra. "Das heißt also, dass jemand von mit den Geistern reden soll, um heraus zu fin-den was genau geschehen ist und was sie wollen um endlich ihren Frieden finden zu können?" Die anderen nickten. "Also ich hätte da ja eine Idee, aber... die wird dir nicht gefallen Lucifer, genauso wenig wie Cassie und mir, wenn ich ehr-lich bin aber... also Kinder sind im Spiel oft mitteilsamer als Erwachsene und... ich denke die beiden Geisterkinder werden Luciano und Jan nichts tun." sagte Metatron nachdenklich. "Nein! Ich setzte keines der Kinder einer Gefahr aus und..." "Lucifer ... ich weiß, dass dir das nicht gefällt, aber ich denke das könnte uns vielleicht ein Stück weiterbringen. Unsere beiden Jungs schaffen das und ich würde sie natürlich auch nicht allein in die Burg schicken. Wir Seraphim ge-hen selbstverständlich mit."
Der Höllenfürst seufzte und rieb sich die Schläfen. "Ich finde die Idee gar nicht schlecht. Kinder sind wirklich offener und unbefangener. Wenn wir vier mitgehen um aufzupassen? Euren Kinder wird kein Haar gekrümmt, Lucifer." sag-te Sandalephon sehr ernst. Der Höllenfürst schwieg kurz. Er trank einen weite-ren Schluck seines Pharisäers. "Ich überlege es mir. Lasst mir bis morgen früh Zeit, dann reden wir nochmal. Ich verabschiede mich erstmal, denn ich habe in Venedig noch etwas zu klären. Lasst es euch gut gehen und fühlt euch wie zu Hause." Mit diesen Worten verabschiedete sich der Höllenfürst und ver-schwand.
In diesem Moment erschien Samyaza. "Oh, der Chef ist weg? Mist, ich müsste ihn wegen einiger Strafverschärfungen für diverse... Seelen um Erlaubnis bitten. Und er muss noch den "Dienstplan" für Sandalephon und Kat abnicken..." "Hm... Sandy soll doch in die Bestrafungsabteilung... und er und ich sind eine Kragenwei-te und beide Seraphim wie Lucifer... Wohin soll Kat?" fragte Astaroth. "Gleiche Abteilung. Um sie "abzuhärten", wie Lucifer meinte - und mit Sandy würde sie das ertragen." "Eigentlich könnten wir ja jetzt schon aufschlagen - und wenn wir in die Bestrafungsabteilung sollen - gibt es da Regelbücher oder ähnliches wo für jedes Vergehen Fegefeuer oder bestimmte Folter verhängt wird? Strafe nach Katalog, sozusagen." meinte Sandalephon nachdenklich. Samyaza schüttelte den Kopf. "Eigentlich läuft das nach eigenem Ermessen..." murmelte Samyaza. "Dann würde ich vorschlagen, dass die beiden es mal versuchen..." schlug Asta-roth vor. "Und ich klär das mit Lucifer ab."
Kat tastete vorsichtig nach den Gedanken ihres Lieblingsonkels. Er war sofort präsent und hörte sich an, was sie ihm mitteilte. "Den Plan für euch zwei für übernächste Woche habe ich schon abgehakt - liegt bei Euangelion - und hm... wenn Samyaza und Astaroth euch das zutrauen, zeigt ruhig was ihr könnt. Aber: Keine Gnade! Kein Erbarmen!" lautete die Antwort, die - das spürte Kat - auch Astaroth und Sandalephon vermittelt bekamen. "Tja, dann... ist genehmigt, Samyaza. Sandy und Kat sollen zeigen wie sie sich machen." teilte Astaroth dem stellvertretenden Höllenleiter mit. "Na gut, dann kommt mal mit." Sandalephon legte sanft einen Arm um Kat und erschien mit ihr in der Hölle.
In einem Büro tauchten sie auf. Zwei nebeneinanderstehende Schreibtische mit Computern darauf warteten auf sie. "In den Computern sind die Termine und so gespeichert. Ihr braucht an sich nur einschalten und den Kalender aufrufen. Um die Seelen herzuholen reicht es die Namen oder die Registriernummer aufzuru-fen. Ihr könnt schon anfangen, ich kümmere mich darum, dass im Vorzimmer zu-mindest einer der euch zugedachten Sekretär-Seelen sitzt." sagte Samyaza und verschwand. Sandalephon stellte die Computer an, öffnete die Kalender und nickte Kat zu: "Der zu meiner Rechten ist deiner, cor meum." Sie lächelte ihren Gefährten an und setzte sich. "Ich hole uns schnell etwas Kuchen von Ilse, ani-ma mea, das hat vorhin sehr gut gerochen." sagte er und war ebenfalls ver-schwunden.
Die Tür ging auf, Kat sah hoch und erblickte einen verdreckten, angesengten Juliel. "Hast du einen Termin?" fragte sie kalt. Der verstoßene Engel, ihr einsti-ger Freund, der sie betrogen hatte, schnaubte verächtlich. "Bei dir? Sicher nicht! Und auch nicht bei deinem Bestaller. Ich wollte nur sehen, wie es dem "Wanderpokal" des großen Chefs da oben so geht. Wie es heißt, hat der momen-tane Preisträger dich ja schon flach gelegt... Ist nur die Frage wann er nicht mehr der Liebling ist und du an den nächsten Favoriten weitergereicht wirst." meinte Juliel. "Ganz ehrlich, Katherine, wobei... Katherine, die Reine, das passt ja nicht mehr, oder?" er lachte gehässig. "Ich bin froh, dass der Kelch an mir vorübergegangen ist und ich nicht weiterhin an dich gekettet bin wie ein win-selnder Hund, jemand hinter dessen Rücken gelacht wird, weil er zu spät ge-schnallt hat, dass du einfach nur ein Preis bist, der nach Belieben verteilt wird. Liebe? Ein Schnippen mit dem Finger von dem Big Boss da oben und du hast dich in den nächsten verknallt. Camael steht genauso in den Startlöchern wie ein Dutzend anderer." Kat schnaubte. "Hör mit dem Mist auf! Du hast mich betro-gen und belogen! Sandalephon tut das nicht!" fauchte sie.
Juliel lachte gehässig. "Tja... momentan hat er ja auch dich und die Auswahl an weiblichen Engeln zum Flachlegen ist nicht groß... Und du hast ihn im Himmel nicht jammern hören, wie ungerecht es doch wäre, dass du mit mir jemanden an deiner Seite hättest, der dir nicht über wäre, weil du noch Benehmen lernen müsstest... Aber er kann hier mit Seelen rummachen, er kann dich auf Geheiß von dem da Oben abtreten müssen! Denk an meine Worte, Wanderpokal! Ich tip-pe mal auf Camael als deinen nächsten Lover..." Juliel wandte sich mit einem ge-hässigen Lachen ab und in dem Moment in dem sich die Tür hinter ihm schloss erschien Sandalephon und stellte einen Teller mit Gebäck vor Kat hin - mit ei-nem Tee. Sie blickte erstarrt auf die Tür. "Was ist mit dir? Wer ist da gerade gegangen?" erkundigte er sich besorgt. Kat wandte sich zu Sandalephon um. "Sag mal... hast du... hast du irgendwann beim himmlischen Vater um mich gebeten?" fragte sie leise. "Ja, irgendwie schon. Ich wollte auf dich aufpassen dürfen. Ich habe dir gesagt, Lucia, dass ich mich in dich verliebt habe als ich dich das erste Mal sah. Und als Vater Julien verstoßen musste, weil dieser wissentlich sterbli-che Frauen gefährdet hat... ja, da habe ich darum gebeten dir nahe sein zu dür-fen. Wieso fragst du?" Kat lachte bitter. "Und wahrscheinlich hattest du alles gemacht was dir aufgetragen worden ist und alles übererfüllt, nicht wahr?" "Ich habe meine Pflicht getan - gewissenhaft und genau wie gewohnt. Was ist mit dir los, cor meum?" Kat fröstelte. Dann stimmte es also. "Es ist also wahr... und ich war so dumm... ich... ich habe geglaubt ich hätte mich wirklich aus freiem Willen in dich verliebt, dabei bin ich nur die... die Auszeichnung." flüsterte sie und ver-schwand. Am Strand der Antarktis erschien sie wieder und blickte über die un-endliche weiße Weite. Die Tränen auf ihren Wangen gefroren.
In der Hölle rief Sandalephon fast panisch nach Samyaza. Der erschien er-staunt. "Was ist denn?" "Kann ich feststellen wer hier im Raum war? fragte der Seraphim. Samyaza nickte. "Nur Eingeweihte wissen, dass es eine Art Scanner-system an den Türen gibt." antwortete er und zeigte Sandalephon wie dieses abgerufen wurde. "Oh, Stinker war hier... Wobei... wo ist Kat?" "Auf der Erde das spüre ich... aber Juliel muss irgendwas gesagt haben, was sie dermaßen auf-gebracht hat, dass sie meine Liebe zu ihr anzuzweifeln scheint." Samyazas Blick verfinsterte sich. "Juliel! Sofort hierher!" brüllte er und Juliel erschien. Er verbeugte sich ehrfürchtig. "Die Herren Engel - womit kann ich dienen?" fragte er demütig. "Was hast du meiner Frau gesagt?" verlangte Sandalephon zu wis-sen. "Die Wahrheit über das, was sie geworden ist." Um Juliels Mundwinkel zuckte es fast schon beleidigend selbstgefällig. Sandalephons Hand schloss sich um die Kehle des kleinen Engels. "Wenn du die Wahrheit gesagt hättest, du mie-ser kleiner Intrigant, wäre meine Seelengefährtin an meiner Seite. Also frage ich noch einmal höflich: Was hast du ihr vorgelogen?" Juliel schwieg mit einem fiesen Lächeln auf den Lippen. Eiskalt wandte sich Sandalephon an Samyaza. "Geh bitte raus, das wird sonst gefährlich für dich, wenn ich in meine Seraphimge-stalt wechsle... aber ich denke, dann wird dieser kleine intrigante Mistkerl re-den, wenn er bis auf die Knochen verbrannt mehr tot als lebendig ist und sich unter unendlichen Qualen automatisch selbst heilt." Samyaza nickte grimmig und verließ das Büro in dem er im nächsten Moment einen Schmerzensschrei und schließlich Winseln hörte. Zehn Minuten später öffnete sich die Tür und Sandal-ephon schleifte eine schwarze, verkohlte, zuckende Gestalt aus dem Büro. "Geh wieder an deine Arbeit, die ab heute noch unangenehmer sein wird als zuvor, Juliel! Und hör auf zu Winseln! Das was du erhalten hast ist nicht mal annähernd eine gerechte Strafe für deine Verlogenheit!"
Wimmernd schleppte sich das körperliche Wrack aus dem Vorzimmer. "Was war denn?" fragte Samaza. Als er erfuhr, was Juliel getan und gesagt hatte, ver-zerrte sich sein Gesicht vor Wut. "Das wird er büßen! Wobei... weißt du wo Kat genau ist?" Sandalephon nicke. Über sein Gesicht huschte ein trauriger Schat-ten. "Aber ich werde mich von ihr fernhalten. Ich komme nicht damit zurecht, dass sie glaubt sie wäre nur eine Trophäe und ich derjenige, der ihr "Benehmen beibringen will". Ich fasse es nicht, dass sie sowas von mir glaubt." "Sie ist sehr jung, Sandalephon. Sie weiß so vieles noch nicht und du solltest Geduld mit ihr haben." sagte Samyaza sanft. "Wenn ich versuche es ihr zu erklären, jetzt, dann wird sie mich auch noch für überheblich halten. Sie muss selbst zu der Erkennt-nis gelangen, dass ich sie wirklich und wahrhaftig liebe und wie wenig das mit Va-ters Eingreifen zu tun hat, dass sie dies erwidert."
Lucifer tauchte in seiner Küche in Venedig auf, wo er auf Armaros traf, den er zum Schutze auf seine Frau angesetzt hatte. Der Höllenfürst lief ohne ein Wort zu sagen zur Kaffeemaschine um sich einen Kaffee zu machen. Während sich die Kaffeemaschine aufheizte, griff er nach einer Flasche Rum und goss die Tasse bis zur Hälfte damit voll, bevor er sie auf die Kaffeemaschine stellte und Kaffee ein ließ. Armaros beobachete seinen Chef. Dieser setzte sich ihm ge-genüber an den Tisch, nahm einen großen Schluck seines Kaffees und sah Arma-ros an. "Selvaggia ist die ganze Zeit oben geblieben. Sie war nur kurz da, um sich etwas zu Trinken und Essen zu holen." Sein Chef nickte und verließ die Küche um nach oben zu gehen. Selvaggia lag auf dem Bett und schaute einen ihrer Lieb-lingsfilme an.
"Wir müssen reden!" sagte er kühl. Selvaggia, die ihren Mann nicht bemerkt hatte erschrak. Ihr Blick viel zur Tür. Er stand mit seiner Tasse an den Tür-rahmen gelehnt. In seinem Gesicht erkannte sie eine Traurigkeit und Enttäu-schung die sie zuvor noch nie so gesehen hatte. Ihr war durch das Nachdenken und jetzt auch an seinem Blick klar geworden, dass sie ihn sehr verletzt hatte mit ihren Äußerungen. Traurig sah sie ihn an. Sie wusste nicht was sie sagen soll-te. Sie schloss die Augen und begann zu schluchzen. "Lucifer... ich... weiß nicht warum ich immer so garstig zu dir bin, wenn... ich mit einem Mädchen schwanger bin. Es..." in einem Sekundenbruchteil stand er vor ihr und unterbrach sie, indem er ihr einen Finger auf den Mund legte. "Ach Selvi... ich bin die Entschuldigungen satt." flüsterte er mit Traurigkeit in der Stimme. "Schwanger oder nicht, du solltest manchmal wirklich vorher überlegen was du sagst. Ich gebe ja zu, dass ich viel trinke, aber erstens schadet es mir nicht, in keinster Weise und zwei-tens benehme ich mich nicht daneben in Gesellschaft von Menschen. Du hast keine Ahnung ... was es für uns bedeutet uns so lange auf der Erde aufzuhalten. Das geht uns Engeln allen so, ob gefallen oder nicht. Sandalephon, Metatron, Ha-giel, Astaroth... Michael hält sich regelmäßig im Himmel auf, da er seiner Pflicht täglich nachgeht... er hält sich täglich mehrere Stunden im Himmel auf, deshalb ist es für ihn leichter zu ertragen. Sandy hat, da er sich auf die Pharmazie spe-zialisiert hat diese Schmerztabletten entwickelt, die unseren Schmerz lindern. Und es verletzt mich ungemein, zu wissen, dass du mir nicht vertraust." Er nahm ihren Kopf in beide Hände und sah ihr tief in die Augen. Sie merkte, wie er ihre Gedanken manipulierte und eine Erinnerung an die Zeit als sie sich kennen ge-lernt hatten sehen ließ:
"Nun denn, Signora Bragi. Ist dies der Beginn deines Unterrichtes." Er schnipp-te mit den Fingern und ein Buch, so wie eine Schreibfeder und ein kleines Fäss-chen Tinte erschien. Er öffnete es und begann etwas hinein zu schreiben. Sie beobachtete ihn dabei und trank immer wieder von ihrem Kaffee. Sie zählte vier Kaffee, während sie einen trank. "Habt Ihr Kopfschmerzen?" fragte Sel-vaggia, als sie merkte, dass er gegen den Schmerz ankämpfte. Er schloss die Augen und nickte.
"Siehst du, selbst damals hatte ich die Kopfschmerzen schon, wenn ich mich zu lange auf der Erde aufhielt. Ich hoffe, dass du mir mittlerweile glaubst, auch wenn du mich mit deinem Misstrauen sehr verletzt hast... ich liebe dich Selvi, wie ich noch nie zuvor geliebt habe und ich werde dich immer lieben und mache viel für dich, was mir eigentlich zuwider ist und das weißt du auch. Aus Liebe zu dir, und so dankst du es mir?" Er atmete einmal aus. "Okay wie auch immer... ich erwarte zukünftig von dir, dass du dich in Gesellschaft anderer zusammenreißt, denn ich werde es nicht zulassen, dass du Familie oder Freunde aus dem Haus treibst. Und... es tut mir zwar leid, dass ich dich im ersten Moment in die Hölle geschafft habe, ich würde dir niemals etwas antun, oder dich wieder in die Hölle zurückschicken, dazu liebe ich dich zu sehr, aber verletze mich bitte nie wieder so." Sie legte ihren Kopf an seine Brust und schlang ihre Arme um ihn. "Lucifer, ich liebe dich und ich weiß ehrlich gesagt auch nicht warum ich das gesagt hab, ich bin manchmal einfach... ach ich weiß auch nicht. Es tut mir leid. Ich liebe dich." Er seufzte kurz. "Ja, ich weiß! Wo willst du hin?" antwortete er flüsternd. "Nach Norderney. Mich bei Sandalephon entschuldigen und ich möchte bei mei-nen Kindern sein."
Er nickte und zauberte sie auf die Veranda des Hauses auf Norderney. "Mach heute Abend das was du gerade gesagt hast und spiel mit den Kindern. Sie ha-ben dich vermisst, mio cicclone minore. Sandalephon ist gerade in der Höllischen Strafabteilung - sich schon mal auf seinen Dienst vorbereiten und ich muss noch in die Hölle, ich habe dort noch einiges an Papierkram zu erledigen." Er gab ihr einen zärtlichen Kuss auf den Mund und verschwand. In seinem Arbeitszimmer in der Hölle tauchte er an seinem Schreibtisch wieder auf, mit einer Handbewe-gung tauchte auf dem Schreibtisch ein Glas Wein auf. Er trank einen Schluck und widmete sich dann dem Stapel Papierkram, den Samyaza ihm zur Durchsicht und seiner Unterschrift hingelegt hatte.  "Wo sind Sandalephon und Kat?" frag-te er seinen Stellvertretenden Höllenleiter. "Er ist im Büro und Kat... nun ja... also er meinte sie sei auf der Erde... Stinker hat dafür gesorgt... Was vorgefal-len ist lass dir lieber von Sandalephon oder dieser Kakerlake selbst erzählen... wobei Stinker musst du wohl foltern... aber das hat Sandalephon schon effektiv gemacht... ist eben mal zum Seraphim geworden... da war Stinker nachher... knusprig..."
"Sandalephon!" rief der Höllenfürst laut und der neuberufene Seraphim beider Seiten erschien. "Lucifer, ich hoffe, es ist wieder alles in Ordnung mit Selvag-gia." "Ja, ich denke schon - was ist mit Juliel vorgefallen und mit Kat?" Sandal-ephon sah zu Boden. "Das muss ich mit ihr klären, Lucifer." murmelnd. "Ich will wissen was Juliel gesagt hat, dass meine Patentochter nicht an deiner Seite ist, Bruder!" Seufzend berichtete Sandalephon was Juliel unter der Folter preisge-geben hatte. "Jetzt reicht es! Soll Vater ihn wieder zu einem Menschen ma-chen, dann beendet er in Paris sein Theologiestudium und dann sorge ich über Rodrigo dafür, dass er in den letzten Winkel Afrikas oder irgendeiner ehemali-gen französischen Kolonie in der hintersten Walachei abgeschoben und da ver-recken wird! Ich kläre das!" brüllte der Höllenfürst hörbar wütend. Er wandte sich an Samyaza: "Du hast ab heute von mir Zeichnungsbefugnis für das was auf dem Schreibtisch liegt. Ich muss mit Vater und dann mit Kat reden!" Damit ver-schwand er.
Im Himmel wurde er schon erwartet. "Was ist in der Hölle vorgefallen, dass Kat am Strand der Antarktis weinend und verzweifelt allein ist?" fragte Camael. "Das haben wir Juliel zu verdanken!" schnaubte der Höllenfürst und wandte sich mit seiner Forderung an den HERRN. Der Allmächtige nickte bedächtig. "Ja, ich glaube, das ist für Juliel - oder dann wieder Julien - eine gerechte Strafe. Un-ter der Bedingung, dass er dir seine verkommene Seele überschreibt, mit einem Pakt." Der Höllenfürst nickte. "Einverstanden. Eine Seele kann ich wegsperren. Sie kann sich ohne meinen Willen nicht innerhalb der Hölle bewegen, einen Engel, sei er noch so gering, nicht ohne weiteres. Die Frage ist aber: Wie verfahre ich mit Kat? Sandalephon liebt sie und sie liebt ihn auch... hoffentlich ohne dein Zu-tun!" Ein Lächeln war die Antwort. "Lucifer, du weißt doch genau, dass die Ge-fühle von Menschen leicht manipulierbar sind, auch die Gefühle der Engel des 3. Himmels, nicht jedoch die der Engel des 1. Himmels, sprich der Seraphim, Che-rubim und Ophanim! Sandalephon hat sich in Katherine verliebt und ihr Herz ge-wonnen, innerhalb kürzester Zeit." sagte Camael fast tadelnd. "Tja, wäre nur schön, wenn man das Kat gesagt hätte!" fauchte der Höllenfürst. "Wobei sie dir wahrscheinlich nicht glauben wird, Schlauby Schlumpf!" Mit einem Schnipsen von ihm war Camael blau, trug eine weiße Strumpfhose, Schlumpfmütze und eine di-cke Brille.
"Sehr lustig, Lucifer!" knurrte Camael und machte es rückgängig. "Steht dir aber ausgezeichnet." spottete der Höllenfürst. "Ich kläre das, Lucifer! Geh du zu deiner Familie zurück. Selvaggia will sich bei Sandalephon entschuldigen und sie soll dazu die Gelegenheit haben. Ich rede mit Katherine!" beschied ihm der HERR. "Ich werde mit Kat reden und..." begann der höllische Botschafter. "Nein, das wirst du nicht!" wurde ihm widersprochen. "Ich bitte dich mir zu ge-horchen, Lucifer!" Mit einem Seufzen nickte er. "Na gut, aber wenn... Kat nicht einsichtig ist... dann werde ich eingreifen!" Ein zustimmendes Nicken und ein: "Ich werde dich rufen, mein Sohn!" war die Antwort.
Lucifer und Sandalephon trafen zur gleichen Zeit am Strand vor der Veranda ein. Beide sahen einander traurig an. "Konntest du alles klären bei Vater?" frag-te Sandalephon seinen höllischen Bruder. Dieser seufzte. "Komm, lass uns ein Stück gehen." antwortete der Fürst der Hölle. Sie unterhielten sich, während sie am Strand entlang gingen. Sandalephon lehnte ab, als sein Bruder ihm eine Zigarette anbot und sich kurz darauf selbst eine anzündete. "Vater hat darauf bestanden selbst mit Kat zu reden. Er hat mit streng verboten mit ihr zu re-den. Er wird mich aber gegebenenfalls hinzurufen. Und ich hoffe für ihn, dass er dafür sorgt, dass ihr beide wieder zusammenkommt!" erzählte er mit Wut in der Stimme. Sandalephon nickte. "Und zwischen dir und Selvaggia ist wirklich wieder alles in Ordnung?" erkundigte er sich besorgt. "Lucifer!" hakte er nach, als die-ser seinen Kopf gesenkt hatte und schwieg. "Ja... soweit ja. Ich hab’ ihr meine Sicht der Dinge erklärt. Sie hat sich entschuldigt... ich hab’ ihre Entschuldigung akzeptiert. Was aber bleibt... diese Enttäuschung darüber, dass sie mir nicht vertraut. Das hat mich richtig verletzt..." Sandalephon nickte. "Verständlich. Aber du solltest ihr irgendwann vergeben, Lucifer, du liebst Selvaggia und sie erwartet gerade dein fünftes Kind. Du weißt, dass sie dann noch reizbarer und zickiger ist." Der Höllenfürst seufzte. Aber dennoch... kann sie vorher überle-gen was sie sagt. Na egal, das wichtigste ist jetzt, dass Kat wieder vernünftig wird und zu dir zurückkehrt. Komm Brüderchen, lass uns wieder zurückgehen. Ilse und Seumas sind bestimmt bald mit ihrem Essen soweit." Sandalephon grins-te. "Ja, die zwei verstehen sich gut."
Als sie eintrafen wurden sie auf der Veranda von Ilse in Empfang genommen. "Hallo ihr beiden, wollt ihr vor dem Essen noch einen Pharisäer trinken?" Sie nickten und kurz darauf kam sie mit zwei großen Tassen zurück. Essen dauert noch ein wenig, Selvi ist vor dem Haus und spielt mit den Kindern." sagte sie zu ihrem Sohn. "Danke Mutti." antwortete Lucifer.
Während er nach vorne trat, die Haustür öffnete und sich dort an den Türrah-men lehnte um im Vorgarten seine Frau und seine Kinder zu beobachten, gesellte sich Sandalephon zu den anderen. Er erzählte aber erst von dem Vorfall mit Kat, als Derek ihn auf das Fehlen seiner Tochter ansprach.
"Papaaaaa." rief die kleine Sophia. "Spielst du mit, bitte... wir spielen grad mit Mami." Sie zog ihn mit sich und setzen ihn neben seine Frau. "Du musst neben Mami sitzen."
Nach etwa einer halben Stunde gingen sie ins Haus. Selvaggia schlich fast, auf Sandalephon zu. "San... Sandalephon kann ich dich... bitte kurz ... sprechen?" fragte die leise mit zitternder Stimme, sie wusste, dass sie von ihrem Mann beobachtet wurde und auch, dass er sie durch seine Fähigkeiten hören konnte, auch wenn sie leise sprachen. "Natürlich Selvaggia." Sie räusperte sich. "Ich wollte... möchte... ich bin nicht gut darin ...Ich möchte mich entschuldigen, dass ich dich und Kat aus dem Haus getrieben habe. Ich habe mich auch bei Lucifer schon entschuldigt und..." Er lächelte. "Entschuldigung angenommen. Da nehmt ihr euch nicht viel du und Lucifer, er ist ebenso schlecht darin sich zu entschuldi-gen und wenn er es macht dann beißt sich mein großer Bruder dabei fast die Zunge ab." sagte er grinsend und sah auch kurz in Richtung des Höllenfürsten, der ebenfalls grinste. "Wie gesagt, vergessen und vergeben, Selvaggia." Sie lä-chelte dankbar. "Danke Sandalephon, das bedeutet mir sehr viel und ich bin froh, dass du auch der Pate von Allegra wirst, du und Kat. Du kannst sehr gut mit Kindern umgehen." Er lächelte und gab sich alle Mühe seinen Kummer wegen Kat zu verstecken. Außer Lucifer und Derek wusste niemand was geschehen war. den anderen hatte er erzählt, Kat wollte mal gerne eine Weile allein sein, was ja auch nicht so ganz gelogen war.  
Camael erschien in der Antarktis und beobachtete Kat eine Weile. Genervt drehte sie sich irgendwann um. "Und, hast du genug gesehen oder bis du jetzt der himmlische Favorit und ich werde an dich verteilt?" fauchte sie ihn an, in ihren Augen glomm ein gefährliches Feuer. Langsam, gelassen kam Camael auf sie zu und sah auf die fast unendliche Weiße hinaus. "Du bist jetzt seit gut zwei Monaten mit Sandalephon zusammen, Katherine. Ich gebe zu, davor wäre ich nicht abgeneigt gewesen, doch du bist mit Sandalephon verheiratet - durch das Wort unseres Vaters, du bist eine Seraphim, ihr habt das schwarzmagische Ri-tual vollzogen um dich an ihn zu binden... Aber ich bin nicht hier um dir das zu erklären, ich soll dich nur in den Himmel holen. Vater will mit dir reden, Trotz-kopf." Ein wütender Blick traf ihn. "Trotzkopf? Du arroganter scheinheiliger Mistkerl!" schnauzte Kat ihn an. Camael grinste: "Hitzkopf?" fragte er belustigt und fuhr dann erst fort: "Du weißt, Vater bittet nicht!" Mit einem wütenden Aufstampfen erschien Kat im Himmel. Die Arme vor der Brust verschränkt fun-kelte sie den Höchsten an. "Bitte setz dich!" wies er sie an. "Mit wem soll ich als nächstes rummachen? Wo ich ja anscheinend die Champion-Matratze bin...!" schrie Kat wütend. "Wie das? Lucifer ist ziemlich mächtig, genauso Astaroth und auch Sandalephon. Wenn die drei ihren Willen gegen mich richten, ihre Kräfte vereinen, Katherine, dann ist das für mich sehr gefährlich." lautete die ruhige Antwort. Mit einer Geste wurde Kat erneut gebeten sich zu setzen. Sie spürte, wie sie innerlich ruhiger wurde.
"Katherine, als ich eingriff um Julien-Noel Dubois in dich verliebt zu machen und umgekehrt - weil es notwendig war - seid ihr beide Menschen gewesen und als ihr beide Engel wurdet warst du immer mächtiger und stärker als er - selbst als er auch kurze Zeit ein Seraph war. Du hattest von Lucifer schwarze Magie ge-lernt. Über dich wachen Metatron, Michael, Hagiel und Kerubiel von himmlischer Seite. Aber seitdem du Seraphim bist, meine Tochter, kann ich deine Gefühle nicht mehr beeinflussen! Überleg selbst wie schnell du Julien-Noel ad acta legen konntest nachdem du von seinem Betrug erfahren hast, nachdem du gesehen hast, wie er die Seelen in der Hölle und auch sterbliche Frauen behandelt hat. Denk darüber nach, wie grausam du mit ihm in HongKong sein konntest - ohne mit der Wimper zu zucken." "Er hat mich betrogen!" rief Kat, "Und mich fast verge-waltigt!" "Ja... und darum habe ich dir den unter meinen Engeln geschickt, der dich perfekt ergänzt, dessen Seele mit deiner Eins ist, dessen Herz - seit lan-gem unterdrückt - für dich schlug, denn Sandalephon hat dich nicht erst in der Botschaft gesehen, Katherine, er war bei deiner Zeugung dabei und hat deinem Vater - und du weißt, dass ich nicht von Derek Rayne rede - und deiner Mutter eine Tochter, dich, beschert. Er hat entschieden, Katherine und irgendwas hat ihn über die Jahre an dein Kinderbett gezogen. Wer meinst du, hat die "Mons-ter unter dem Bett" vertrieben? Dein Vater war zu beschäftigt und Sandal-ephon hat seine Gestalt angenommen und dich beruhigt. Sein Herz gehört dir, Katherine und ohne ihm jeglichen freien Willen zu nehmen - und dir dazu - wird seine Liebe zu dir auch nicht enden. Genauso wenig wie ich dich - ohne dich je-des Willens zu berauben - dazu bringen könnte, dich in einen anderen zu verlie-ben. Und ich werde keinen von euch beiden zu einer Art willenlosen Zombie ma-chen!"
Kat sah auf ihre Hände. "Aber... es klang alles so... so..." "Plausibel?" half der Allmächtige ihr aus. Kat nickte. "Meine Tochter, denk nach: Juliel weiß, dass ich kein Mitleid mit ihm habe. Ich hätte ihm als Dynameis noch jemand anderen "ans Herz legen" können. Was meinst du, wieso ich das unterließ? Als Seraphim hätte er erkennen müssen, dass du nicht zu ihm gehörst. Als er dann aufgrund seiner Verfehlung degradiert wurde und in HongKong mit ansah, wie vertraut und innig du mit Sandalephon umgehst - nach kürzester Zeit! - was meinst du, sind da für Gefühle in ihm hochgekommen? Freude für dich? Verständnis?" Kat schüttelte den Kopf und schluckte. "Wohl eher das Gegenteil..." murmelte sie. "Und dann wird er in die Hölle geschickt; er, der Patensohn eines integren Erzbischofs, eines Kardinals, sein Ziehsohn sogar..." fuhr der Himmlische Vater fort. "Ein Junge, der sich für unfehlbar hält, für unantastbar... Und einem solchen Jungen nimmt man sein Spielzeug weg, Katherine. Glaubst du unter dem Einfluss der Seele seines richtigen Vaters in der Hölle wird er das hinnehmen? Er kann keine weiblichen Sünderseelen mehr missbrauchen und legt dir das zur Last. Also ver-sucht er dich zu treffen indem er vorgibt etwas zu wissen. Also sag mir Kathe-rine: Juliel hat dir die Worte in den Mund gelegt, er wusste genau wie du San-dalephon fragen würdest und er konnte seine Antwort erahnen, erahnen, dass er zugeben würde, mich gebeten zu haben... worum? Das war ja an sich egal. Und ich sage dir: Ja, Sandalephon hat darum gebeten ein Auge auf dich haben zu dürfen - neben deinen Paten. Ich habe ihn mit Medikamenten dafür sorgen las-sen - wobei er wohl dachte, ich wisse nicht was er macht..." ein leises Lachen erklang, dann fuhr der Himmlische Vater fort: "dass Julien dir in sexueller Hin-sicht nicht zu nahe kommt, entweder indem er Lustkiller bekommen hat oder merkte, dass er zwar wollte, aber nicht können würde... womit er sich vor dir blamiert hätte, der Juliel..."
Kat sah zaghaft hoch. "Aber... er hat gesagt, er habe mich zum ersten Mal in der Botschaft..." begann sie. Ein freundliches Lächeln "Ja und nein, Katherine. Er hat dich dort das erste Mal als Frau wahrgenommen, als weibliche Seraphim. Seine Liebe gehörte dir auf die eine oder andere Weise schon seit vor deiner Geburt. Also hat er nicht gelogen Katherine, während Juliel das andauernd ge-tan hat. Lerngruppe mit seinen Kommilitonen? Nein, Rumtreiben und Frauen be-lästigen! Sandalephon hat zu der Zeit verhindert, dass er dich betrügen konnte - zumindest körperlich - da er dachte, du liebst Julien wirklich. Sein Dienst in der Hölle? Er hat - wie Lucifer und Samyaza mir berichtet haben - genauso wie Astaroth auch erzählte - mit allem verfügbaren weiblichen seine Spiele getrie-ben. Hast du mit Camael auch nur geflirtet?" Kat schüttelte den Kopf. "Hast du mit einem der anderen geflirtet, Zärtlichkeiten ausgetauscht?" Erneutes Kopf-schütteln. "Dann frage dich selbst, Katherine-Lucia-Merina-Maya-Micaela-Samira-Anais-Sigrune-Dieudonnée, jüngste meiner Seraphim: Traust du mir zu, dass ich dich so weit herabwürdige, dass ich dich nach Belieben "verteile" wie eine Auszeichnung für denjenigen, der seine Pflicht erfüllt hat und weiterrei-chen lasse, wenn die Zeit vorüber ist?" Kat sah verlegen zu Boden und schüttel-te den Kopf - doch die Augen an ihren Flügeln sahen den tadelnden Blick sehr wohl. Sie zuckte zusammen. "Ich würde gern von dir wissen, ob du ahnen kannst, wie Sandalephon sich gerade fühlt..." Kat schloss fast beschämt die Augen. "Ja..., ich denke schon... ich..." Sie schlug die Hände vor ihr Gesicht und schluchzte leise.
Mit einer Handbewegung des HERRN stand ein überraschter Sandalephon hin-ter Kat. "Dann solltest du ihn um Verzeihung bitten, mein Kind." "Das braucht sie nicht, Vater! Ich liebe sie unendlich und ich verstehe durch Juliels Geständ-nis was vorgefallen ist." sagte Sandalephon ruhig und kniete vor dem Stuhl nie-der auf dem Kat saß und schloss sie in seine Arme. Sie warf sich in die Umar-mung. "Es tut mir so leid... ich..." "Psst, cor meum, anima mea! Ich weiß was dieser kleine Abschaum gesagt hat. Und du weißt vieles nicht und hast nicht an unsere in der Hölle besiegelte Verbindung gedacht. Ich bin so froh, dass ich dich wie-der ans Herz drücken darf, mein Sonnenschein." flüsterte er zärtlich, erhob sich mit ihr auf dem Arm und mit einem Nicken in Richtung des HERRN ver-schwand er um in ihrem Palazzo in Rom wieder zu erscheinen. Über den Pfad der Seraphim informierte er Lucifer und Astaroth über den glücklichen Ausgang, bevor er Kat zu Bett brachte und sich, sie zärtlich an sich ziehend, neben sie legte. "Du bist ja völlig durchgefroren, meine Eiskönigin" neckte er sie. Kat musste leise lachen und schmiegte sich an ihn. "Übrigens danke, dass du in mei-ner Kindheit die Monster vertrieben hast... auch wenn du dafür vorgeben muss-test mein Vater zu sein." murmelnd. Sie war auf einmal sehr müde. "Das hat er dir also erzählt...  hm... gern geschehen... Vielleicht sollte ich erklären..." Kat küsste ihn zärtlich. "Nicht jetzt, später, irgendwann einmal. Wir haben die Ewig-keit..." flüsterte sie und schlief ein.
Lucifer und Astaroth lächelten einander zufrieden an, als sie die Gedankennach-richt von Sandalephon erhalten hatten. Sie saßen gerade in Norderney beim Abendessen. Ilse und Seumas hatten eine deutsch/schottische Brotzeit zube-reitet. "Setzen Sie sich bitte zu uns, Seumas. Sie sind hier Gast und nicht mein Angestellter." sagte der Hausherr freundlich. Seumas nickte scheu, trat an den Schrank, holte sich ein Gedeck und setzte sich auf den freien Platz neben Ilse.
Nachdem Selvaggia und Lucifer die Kinder ins Bett gebracht hatten und wieder herunter kamen, saßen bereits alle im großzügigen, aber sehr gemütlichen Wohn-zimmer, bei einer Flasche Wein zusammen. "Hast du dir Gedanken gemacht Luci-fer, wegen der Kinder und dem Fall?" fragte Metatron. Selvaggia schaute ihren Mann fragend an. Er nahm ihren Kopf zärtlich in seine Hände und übertrug ihr das Gespräch, bei dem sie nicht anwesend gewesen war.
Selvaggia sah zu Cassandra. "Wie siehst du das? Denn es geht ja um Luciano und Jan." wollte sie von ihrer Schwägerin wissen. Diese nahm einen Schluck ihres weinähnlichen Traubensaftes, bevor sie antwortete. "Ich bin nicht begeistert, aber... wenn Metatron, Lucifer, Astaroth und vielleicht Sandy mitgehen. Lucifer ist der mächtigste aller Engel und die anderen sind ihm fast ebenbürtig... da denke ich sind unsere Jungs gut beschützt und..." sie wurde von Christina Lucia-na unterbrochen. "Luciano und Jan sind weg." sagte das kleine Mädchen im Tür-rahmen stehen, im Schlafanzug, mit verschlafenen Augen und ihrer Lieblingspup-pe, die sie zu ihrem letzten Geburtstag von ihrem höllischen Lieblingspatenonkel geschenkt bekommen hatte. "Die beiden sind bestimmt nur schnell auf Toilette gegangen." sagte ihre Mutter beruhigend. Das kleine Mädchen schüttelte mit dem Kopf. "Ich habe nachgesehen. Sie sind weg." Der Höllenfürst schloss kurz die Augen. "Kann Jan sich an andere Orte zaubern?" fragte er die Eltern des Jungen. Beide nickten. "Ich glaube unsere Überlegung, ob wir es machen hat sich gerade erübrigt. Metatron, Astaroth, Sariel, kommt bitte mit in Sandys Burg. Ich denke unsere Jungs sind dort." Gemeinsam tauchten sie in der großen Eingangshalle der Burg auf. Es war dunkel und total still, sowie eiskalt. "Wir soll-ten Sandy heute Nacht außen vor lassen und ihm und Kat morgen Bericht er-statten, die beiden brauchen die Nacht für sich selbst, nachdem der Vorfall in der Hölle glücklich geklärt ist." sagte der Fürst der Hölle.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast