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Kuriositätenkabinett

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann
07.05.2018
06.09.2020
15
39.936
24
Alle Kapitel
94 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
26.07.2020 1.995
 
Diese kleine Schreibübung habe ich zufällig in den Untiefen meines Laptops wiederentdeckt, datiert auf Anfang Februar 2020. Anfangs konnte ich mich partout nicht mehr daran erinnern, das hier jemals geschrieben zu haben. Februar... es fühlt sich an, als ob dieser Monat gleichzeitig zwei Tage und fünf Jahre zurückliegt. Vielleicht geht es euch ja ähnlich und das ist einfach der Fluch dieser völlig absurden Zeit. Falls morgen die Apokalypse an meine Tür klopft, würde ich sie hereinbitten und ihr was zu trinken anbieten.

Da sich die Veröffentlichung meines umfangreicheren Projekts auf unbekannte Zeit hinziehen wird, habe ich mir diese Fic geschnappt und sie ein bisschen runderneuert, um wieder ein bisschen mehr kreativen Flow zu bekommen. Generell kann ich sagen, dass ich das alles beherrschende Adoptionsthema definitiv nicht in meine Geschichten werde einfließen lassen, aber im Universum dieser Fic könnte all das rein theoretisch trotzdem passiert sein – es bleibt eurem persönlichen Geschmack überlassen. Allerdings wohnen die beiden hier noch in der WG, und bis ich mich ausreichend mit dem Layout ihrer neuen Wohnung vertraut gemacht habe, wird es wohl noch eine Weile dauern. ;)

Ansonsten gilt für dieses Kapitel das Motto: Fluff to the max. Kuscheliger P12-Slash. Kein Drama, denn davon gibt es in der realen Welt (und in der Serie) schon mehr als genug – nur zwei softe Idioten, die sich sehr lieben, und eine Autorin, die gern ihre interne Lupe rausholt, um die Beziehung der beiden ganz genau zu betrachten.

Ich freue mich auf euer Feedback!

Liebe Grüße und bleibt gesund,
Lene


* * * * * * * *


Ringo sieht nicht hoch, als Easy durch den Türspalt ins Zimmer hineinschlüpft. Sein Blick bleibt auf den Bildschirm seines Laptops fixiert und seine langen Finger fliegen flink über die Tastatur. Easy zieht die Tür vorsichtig hinter sich zu und reduziert die aus dem Wohnzimmer dringenden Geräusche – mehrstimmiges Gejohle und die unmissverständliche Soundkulisse von Gemüsemassaker – auf ein dumpfes, unaufdringliches Murmeln, alles untermalt vom beständigen Rauschen des Regens, der von der abendlichen Unwetterfront gegen die Fensterscheiben gedrückt wird.

Easy verharrt noch ein bisschen an seinem Platz, um Ringo betrachten zu können, der im Schein der Nachttischlampen an das Kopfteil des Bettes gelehnt sitzt, die langen Beine unter die Decke geschoben. Er sieht gleichzeitig viel jünger und viel älter aus, als er eigentlich ist: Die Haare unfrisiert, sein T-Shirt strahlend weiß und akkurat gebügelt, die schlichte, anthrazitfarbene Lesebrille – Ringo würde lieber permanent gegen Laternenpfähle laufen, als sie außerhalb der privaten Umgebung ihres Schlafzimmers zu tragen – tief auf der Nase geparkt. Neben ihm liegt eine Akte mit dem aufgedruckten Logo von Huber Bau. Auf ihr haften kleine Notizzettel in Neonfarben, allesamt mit Ringos sorgfältiger Handschrift bedeckt. Status: Extrawichtig.

Easy lächelt. Ringo wirkt so angestrengt fleißig und pflichtbewusst – zwischen den Augenbrauen eine Denkfalte, die Lippen konzentriert zusammengepresst – , dass es irgendwie drollig ist. Aus dem Wohnraum zieht kühle Luft unter der Tür hindurch und lässt ihn frösteln, und da er barfuß ist, bekleidet nur mit einem schwarzen Shirt und längsgestreiften Pyjamahosen, seine Haare noch feucht vor der gerade zurückliegenden Dusche, überquert er die Distanz bis zum Bett mit wenigen Schritten. Er schlüpft unter die karierte Decke, ohne Ringo dabei aus den Augen zu lassen – er wird nach wie vor gekonnt ignoriert.

Herausforderung angenommen, denkt Easy und grinst in sich hinein.

Das, was sich da gerade zwischen ihnen entfaltet, kennt er bereits in- und auswendig; ein kleines, namenloses Spiel, das sie ab und an spielen, wenn sie ungestört sind. Easy kann sich nicht daran erinnern, wann und aus welcher Laune heraus es sich zum ersten Mal ergeben hat, aber viel wichtiger ist, dass es ihnen nie langweilig wird, auch wenn es ein stets gleichbleibender Wechsel aus Beachte mich und Ich sehe dich nicht ist; ein gegenseitiges, zärtliches Necken, an dessen Ende nur eine Sache zählt – dass sie beide gewinnen.

Easy zieht sich seine Hälfte der Decke bis zum Kinn hoch und robbt in Richtung Mitte der Matratze. Die Mappe samt Inhalt raschelt protestierend, als er Ringos Bizeps eine sanfte Kopfnuss versetzt, wie eine Katze, die zugleich ihre Zuneigung ausdrücken möchte und nach ungeteilter Aufmerksamkeit verlangt.

Keine Reaktion. Easy reibt seine durch den Dreitagebart kratzige Wange über Ringos nackten Unterarm. Dass eine Gänsehaut einmal quer über die empfindliche Haut marschiert, nimmt er erfreut zur Kenntnis.

„Easy.“ Ringo schnieft missbilligend. „Ich kann. So. Nicht. Arbeiten.“

Easys Grinsen verbreitert sich. Er stupst einen Fuß gegen Ringos Schienbein.

„Kalt“, murrt Ringo und schüttelt besagten Fuß ab, während er unbeirrt Zahlenkolonnen in eine stetig wachsende Tabelle eintippt.

Easy stellt zufrieden fest, dass alles nach Plan verläuft. Er stemmt sich kurz auf die Handfläche, drückt den Arm durch und streicht mit der Nasenspitze einmal quer über Ringos Nacken. Da seine Nasenspitze rein temperaturmäßig ähnlich gelagert ist wie sein Fuß, sagt Ringo erneut, dieses Mal von einem vorwurfsvollen Stirnrunzeln begleitet:

Kalt.“

Besser, aber immer noch nicht gut. Easy greift nach der Akte, die bis dahin zwischen Ringo und ihm gelegen hatte. Langsam, ganz langsam und sehr provokativ hebt er sie über Ringo hinweg und streckt sich, um sie schließlich mit einem betont unschuldigen „Ups!“ neben dem Bett auf den Fußboden klatschen zu lassen.

Das beständige Klack-klack-klack der Tastatur verstummt. Ringo seufzt das theatralische Seufzen eines Mannes, der es wirklich schwer hat. Er sieht Easy tadelnd über den Rand seiner Brille hinweg an. „Da sind extrem wichtige Sachen drin und ich will das unbedingt so schnell wie möglich erledigen“, erklärt er dann mit so viel bürokratischer Ernsthaftigkeit, dass Easy ihm seine Empörung fast abgenommen hätte – fast, denn das Blitzen in seinen Augen drückt etwas ganz anderes aus.

Easy schenkt ihm seinen schönsten, unschuldigsten Augenaufschlag. „Ich bin die einzig wichtige Sache, die du brauchst“, verkündet er leise und mit einer Extraportion dunklem Schmelz in der Stimme.

Ringo seufzt erneut, und dieses Mal klingt es, als ob er in Betracht zieht, die Nacht freiwillig auf dem Sofa zu verbringen. Wie in Zeitlupe klappt er seinen Laptop zusammen und schiebt ihn in die dazugehörige Schutzhülle. Dann, noch viel langsamer, greift er – begleitet von einem Seitenblick auf Easy – nach einem schwarzen Etui auf dem Nachttisch und pflückt sich mit spitzen Fingern die Brille von der Nase. Er klappt das Etui auf und die Bügel zusammen, legt die Brille hinein und lässt es laut zuschnappen. Die Silikonplättchen der Brille haben auf seinem Nasenrücken zwei kleine, rote Druckstellen hinterlassen, was Easy in diesem Moment aus ihm unerfindlichen Gründen geradezu unverschämt sexy findet.

Nachdem Ringo Laptop und Brille auf dem Nachttisch abgelegt hat, dreht er sich zurück zu Easy um. Er rutscht unter die Decke, drückt und knautscht sich das Kissen betont sorgfältig in Form – er nimmt sich alle Zeit der Welt, bis er endlich liegt. In Easy kribbelt es vor lauter Ungeduld, aber er genießt jede Sekunde davon, und er weiß, dass es Ringo ganz genauso geht. Auch das ist Teil ihres Spiels.

„So so.“ Ringos rechte Braue zuckt kurz nach oben. Er mustert Easy intensiv. Schließlich vergewissert er sich: „Bist du das?“

Natürlich registriert Easy das kleine Lächeln, das kurz über Ringos Mundwinkel hinweg huscht. Er nickt bekräftigend und stellt dabei sicher, dass er seinen Mann auch weiterhin durch seinen dichten, schwarzen Wimpernkranz hindurch ansieht.

„Überzeug' mich.“ Ringo spiegelt Easys Schlafzimmerblick gekonnt, die Lider halb gesenkt. Die Luft zwischen ihnen knistert auf eine vertraute Art und Weise. „Wenn ich heute fertig werden will, würde das bestimmt bis…“ Ringo zögert und geht in Gedanken sämtliche Aufgaben durch, ehe er sagt: “… bis zwei Uhr dauern. Vielleicht sogar länger.“

Sie liegen in einem Kokon aus gedämpftem Licht, Vorderseite an Vorderseite, eng beieinander, aber ohne sich dabei zu berühren. Die Welt um sie herum scheint stillzustehen, weshalb es egal ist, dass Easy sich mehr als genug Zeit lässt, bis er antwortet. „Bin nich' überall kalt“, gibt er dann zu bedenken. Er räkelt sich ausgiebig unter der Decke und macht dabei ein Geräusch, das signalisieren soll: Ich bin weich und kuschelig und du willst mir gar nicht widerstehen.

„Ach?“ Ringos Pupillen weiten sich begehrlich. „Das sollte ich wohl besser kontrollieren.“ Er schlängelt demonstrativ einen langen Arm unter die Decke. „Nicht, dass du hier einfach etwas behauptest und das dann gar nicht stimmt.“

Seine Hand legt sich mit sanftem Druck auf Easys Brust und gleitet dann langsam, so langsam nach unten. Ihre Gesichter nähern sich dabei immer weiter an. Ringos Hand erreicht Easys Bauch, und er setzt zu einem Kuss an, doch anstatt sich dem hinzugeben, entzieht Easy sich ihm im allerletzten Moment, um dumpf gegen Ringos Mund zu murmeln: „Denkst echt, du kannst hier einfach 'nen Kuss abgreifen?“ Er zieht sich wieder ein Stückchen zurück und blinzelt Ringo herausfordernd an. „Hätteste wohl gern.“

Ringo leckt sich über die Lippen und gibt dabei einen zustimmenden Laut von sich, denn ja, das hätte er wohl wirklich gern. Seine Fingerspitzen haben sich inzwischen unter den Saum von Easys T-Shirt geschlichen – nicht aufdringlich oder fordernd, vielmehr sanft und spielerisch. Er betastet zärtlich die weiche Haut, die er dort vorfindet.

„Hm“, flüstert Ringo dann anerkennend, „warm.“ In seiner Stimme schwingt ein Hauch Überraschung mit, der allerdings nur gespielt ist, schließlich ist es kein Geheimnis, dass Easy schnell friert und besonders seine Nase und Füße häufig so kalt sind, dass es quasi unmöglich ist, sie wenigstens auf Zimmertemperatur zu bringen. Anscheinend benötigt sein Körper sämtliche Reserven, um eben jene Stelle warm zu halten, die Ringo da gerade so vorsichtig berührt, als bestünde Easy aus zerbrechlichem Porzellan.

Und dennoch: Sein überzeugendstes Argument, warum Ringo definitiv ihm seine volle Aufmerksamkeit schenken sollte und nicht irgendwelchen Dokumenten von Huber Bau, die obendrein ganz bestimmt nicht an einem Freitagabend abgearbeitet werden müssen, hat Easy noch nicht mal aufgefahren. Natürlich ist nicht ihm nicht entgangen, dass Ringos Blick mehrfach hoch zu seinen Haaren gezuckt ist, die auf seinem Kopf zu weichen Locken trocknen – ihr Spiel hat seine finale Runde erreicht.

Wahrscheinlich gibt es einfach Dinge an Menschen, die man unwiderstehlich findet, denkt sich Easy und rutscht etwas in Richtung Fußende, damit er seinen Arm um Ringos schmale Taille schlingen und seinen Kopf bequem in dessen Halsbeuge schmiegen kann. Ringo scheint auf dieses kleine Signal nur gewartet zu haben, denn er nach einer etwas umständlichen Neupositionierung seines Armes vergräbt er seine Hand in Easys Locken, als hätte er schon den ganzen Abend auf diese Gelegenheit gewartet.

Easy gibt ein sehr zufriedenes Geräusch von sich, das an ein Schnurren erinnert – zu angenehm fühlen sich die Finger an, die nun vorsichtig durch seine Haare kämmen. Es ist eine Win-win-Situation, so viel steht für ihn fest, denn ebenso sehr, wie Easy es liebt, sich in Ringos ungeteilter Aufmerksamkeit zu aalen, so sehr liebt Ringo seine Locken, für die er früher häufig aufgezogen wurde und die er seitdem beinahe jeden Tag mit Gel und Haarspray in eine glattere, ordentlichere Form zwingt.

„Ich habe die Angelegenheit übrigens noch einmal überdacht“, brummt es dumpf unter Easys Ohr. Er gluckst belustigt, denn Ringos Brustkorb sendet beim Sprechen kleine, kitzelnde Vibrationen durch seinen Kopf. „Angesichts der geänderten Sachlage kann ich die Bearbeitung der Dokumente auf morgen Nachmittag verschieben.“

Easy sieht kurz auf, das Kinn auf Ringos Brust gestützt, seine Lippen gegen Ringos Kinn gepresst. Ringo unterbricht sein Streicheln und schielt fragend über die eigene Nasenspitze zu Easy hinunter. Der schmunzelt noch ein bisschen mehr als zuvor und murmelt dann schlicht in Ringos glatte Haut hinein: „Wusste ich“, um sich direkt wieder in seine vorherige Position zurück zu begeben.

Ringo gibt ein belustigtes Schnauben von sich, amüsiert über den Schalk in Easys Nacken. Das Streicheln beginnt von vorn, während draußen, auf der anderen Seite der Tür, lautes Triumphgeheul und ebensolcher Protest ertönt – den unterschiedlichen Frequenzen nach zu urteilen hat Vivien gewonnen und Tobias sich eine weitere Woche Spüldienst eingehandelt –, doch Easy hat nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Ganz im Gegenteil, haben sie doch ihr eigenes Spiel, von dessen Existenz nur sie beide wissen, und mit Regeln, die niemand außer ihnen verstehen würde.

Easy schließt die Augen und schmiegt sich selig noch etwas enger an Ringo. Geteilte Siege, davon ist er überzeugt, fühlen sich einfach doppelt gut an.

~fin~
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