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Kuriositätenkabinett

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann
07.05.2018
06.09.2020
15
39.936
24
Alle Kapitel
94 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
19.04.2020 3.259
 
Hallo ihr da draußen,

geht es euch auch so, dass ihr derzeit ein erhöhtes Fluff-Bedürfnis habt? Eine nicht näher definierbare Sehnsucht in euch tragt? Zumindest bei mir ist das gerade der Fall, und das Ergebnis eben jener Sehnsucht könnt ihr nun hier lesen. An dieser Stelle geht mein großer Dank an meine Ideengeberin, die den Stein zu dieser kleinen Fic erst ins Rollen gebracht hat. Die Selbstisolation geht wohl nicht ganz spurlos an uns vorbei, wie mir scheint.

Achtung: Das Rating für dieses Kapitel bewegt sich irgendwo zwischen P16-Slash und P18-Slash (eher P16-Slash, aber sicher ist sicher), ähnlich dem zweiten Kapitel von 36 Grad. Ihr wisst es vielleicht – schnörkelloses Rumgemache ist nicht so mein Ding; ich mag und schreibe meinen Smut lieber verträumt und implizit. Wem das ebenfalls zusagt, der ist hier genau richtig. Ein runtergedrehtes Maß an Plot, der zudem von der aktuellen Handlung in der Serie komplett losgelöst ist - Easy ist gestresst, Ringo findet eine zugegebenerweise kreative Abhilfe für dieses Problem -, dafür umso mehr Gefühl... here we go!

Ich freue mich auf euer Feedback! Passt auch weiterhin gut auf euch auf,

eure Lene


* * * * * *
Too much is never enough

Mit einer entschlossenen Handbewegung dreht Easy den Wasserhahn zu und begutachtet sein Werk. Vor ihm in der großen Badewanne dümpeln wohlriechende Berge aus feinporigem Schaum umher – Lavendel, soll ja bekanntlich entspannen, und dass der Badezusatz das Wasser lila verfärbt, ist ein hübscher Nebeneffekt –, sein kuscheliger Bademantel hängt zum Vorwärmen über dem Heizkörper, und zur Unterhaltung hat er die neueste Ausgabe seines liebsten Fotografie-Magazins bereitgelegt. Trotz seiner sorgfältigen Vorbereitungen lässt ihn das Gefühl nicht los, etwas vergessen zu haben, aber sein Gehirn fühlt sich nun schon eine ganze Weile wie ein Klumpen Wackelpudding an, von daher würde es ihn nicht verwundern, wenn er seinen eigenen Kopf vergessen hätte. Letztendlich siegt das Bedürfnis nach Entspannung, und mit einem Schulterzucken steigt er aus der chaotischen Pfütze heraus, die seine abgelegte Kleidung auf dem gefliesten Boden bildet. Erst mit dem rechten, dann mit dem linken Fuß steigt Easy in das dampfende Wasser hinein. Heiß.

Er hat sich das hier wirklich redlich verdient, findet er, während er langsam in die Hocke geht. Die hinter ihm liegende Woche war, und das ist freundlich ausgedrückt, die Hölle. Als Folge dessen scheint sein Körper nun ein einziger, verspannter Muskel zu sein, und hinter seiner Stirn pulsiert der Stress der vergangenen Tage rhythmisch vor sich hin. Als er in der Wanne zum Sitzen kommt, seufzt er zufrieden. Er genießt die durchdringende Wärme, die ihn nun umgibt, und betrachtet, wie der Schaum auf seinem Körper kleine Gebirge bildet. Der Anblick lässt ihn vergnügt glucksen. Endlich hat er ein bisschen Zeit für sich.

Dass das – ein bisschen Zeit nur für ihn allein – dringend nötig war, wurde ihm spätestens an dem Punkt bewusst, als ihn ein bisschen verschüttete Tomatensauce auf dem zuvor frisch gewischten Küchenboden an den Rand eines Wutanfalls gebracht und er auf Ringos vielleicht zum unpassendsten Zeitpunkt kommende, aber dennoch freundlich gemeinte Nachfrage mit einem gereizten und obendrein viel zu lauten „Nein, ich bin nicht gestresst!“ reagiert hatte. Dass er danach, ohne eine Antwort von Ringo abzuwarten, aus der Küche gestürmt war und sich für ein paar Minuten in seinem Zimmer eingesperrt hatte wie ein aufgebrachtes Kind, gehört gewiss nicht zu seinen stolzesten Momenten, denn als sein Zorn verraucht war und er sich wieder aus dem Zimmer getraut hatte, waren sowohl der Saucenfleck als auch sein Mann verschwunden. Da ihm absolut nicht danach war, mutterseelenallein zu Abend zu essen, hatte er die Sauce kurzerhand in den Kühlschrank verfrachtet und trotzig beschlossen, sich selbst etwas Gutes zu tun.

Easy zieht scharf die Luft ein, kneift die Augen zusammen und lässt sich nach unten gleiten, bis er komplett untergetaucht ist. Das Wasser gluckert dumpf über ihm wie ein winziges, violettes Meer, und für diesen einen Moment fühlt er sich schwerelos, wie in einer anderen Welt. Leider kann er nicht ewig den Atem anhalten, und ein bisschen widerwillig taucht er auf. Er prustet und wischt sich Schaum aus dem Gesicht, jetzt merklich entspannter als noch vor wenigen Minuten, und lehnt sich zurück, zwischen seinem Hinterkopf und dem kalten Material der Wanne ein zusammengerolltes Handtuch geklemmt. Er überlegt kurz, ob er den fünfseitigen Bericht über die neuesten Weitwinkelobjektive lesen soll, der ihn schon beim ersten, flüchtigen Durchblättern der Zeitschrift interessiert hatte, aber er entschließt sich dagegen. Seine Augen fallen ihm sowieso direkt zu, so angenehm ist es, dass er zum ersten Mal seit Tagen seine strapazierten Gliedmaßen nicht mehr bei jeder noch so kleinen Bewegung spüren muss. Das Magazin kann definitiv warten.

Es dauert allerdings nicht lange, bis seine Gedanken zurück zu Ringo wandern. Er sollte sich überlegen, wie er sich später für seinen kleinen Ausbruch entschuldigen könnte. Easys Hände kommen links und rechts von ihm auf dem Badewannenrand zum Ruhen, und er genießt es, sich richtig ausstrecken zu können – doch das schlechte Gewissen nagt an ihm. Eine derartige Abfuhr hatte Ringo wirklich nicht verdient. Eventuell könnte er sich mit einem ausgedehnten Samstagsfrühstück im Bett revanchieren? Oder einem Kinobesuch, gefolgt von einem Abstecher zu ihrem Stammitaliener? Easy brummt unentschlossen, mit seinen bisherigen Ideen nicht vollends zufrieden, und will gerade nach weiteren Optionen brainstormen, da spürt er einen unangenehm kalten Luftzug an der Nasenspitze. Ah. Das war es also, was er vergessen hat – die Tür abzuschließen.

„Orrr, Kotzi, raus“, sagt er freundlich, aber bestimmt. Keine Antwort. Er rollt unter seinen geschlossenen Lidern mit den Augen. In diesem Haushalt bringt es nur Tobias fertig, ohne Anklopfen oder Nachfragen einfach so ins Badezimmer zu marschieren und hinterher nicht einmal eine Entschuldigung für angebracht zu halten. Mit Nachdruck in der Stimme fügt er hinzu: „Ich entspanne hier“, woraufhin die Tür tatsächlich leise zurück ins Schloss klickt. Easy lächelt zufrieden – er hätte nicht gedacht, dass Tobias ohne Widerworte den direkten Rückzug antreten würde, aber umso besser. Für einen verbalen Schlagabtausch hätte ihm gerade jegliche Energie gefehlt.

Easy atmet tief durch. Seine Gedanken kehren umgehend zu seinem Plan zurück, sich bei Ringo zu entschuldigen. Auf jeden Fall brauchen sie etwas Zweisamkeit. Wo sie diese Zweisamkeit verbringen, ist letztendlich zweitrangig, denn es ist die Geste, die zählt. Also vielleicht doch ein romantischer Spaziergang an den Rheinterrassen, bestmöglich im Sonnenuntergang? Ja, das gefällt ihm und würde auch den praktisch veranlagten Ringo zufrieden stellen, dem überflüssiges Tamtam oft unangenehm ist. Sie könnten sich ja etwas zu Essen mitnehmen und eine Picknickdecke und –

Zwei warme Lippen pressen sich plötzlich auf die seinen, und obwohl Easy natürlich binnen eines Sekundenbruchteils realisiert, wer da gerade statt Tobias wirklich ins Badezimmer gekommen ist, erschreckt er sich derartig, dass seine Hände vom nassen Wannenrand abrutschen und derart kräftig ins Wasser klatschen, dass sich zwei spritzende Fontänen ergeben, die sich bis auf die angrenzenden Fliesen ergießen.

Musst du mich so erschrecken?“ Easy japst und sieht Ringo mit einer Mischung aus Tadel und erfreuter Überraschung an. Sein Herz galoppiert aufgeregt in seiner Brust. Sein Mann steht unterdessen mit einem schiefen Grinsen im Gesicht und einigen kleinen Wasserflecken auf dem ansonsten makellos weißen Hemd neben der Wanne, schaut zu ihm hinunter, die Hände in die schmalen Hüften gestützt, und strahlt dabei jene Selbstzufriedenheit aus, die Easy manchmal auch heute noch an den Rand des Wahnsinns treibt.

„Sorry“, sagt Ringo mit heiserer Stimme, „konnte nicht widerstehen. Du hast –“, beginnt er, um dann kurz zu pausieren, „ziemlich... süß ausgesehen.“

Easy schluckt. Wie er bitte süß aussehen soll, wenn er in Wahrheit patschnass und träge ist und ihm das Haar wie ein Helm am Kopf klebt, ist ihm schleierhaft. Er fragt entgeistert: „Biste gar nicht sauer auf mich? Wegen vorhin?“

Ringo schüttelt wie in Zeitlupe mit dem Kopf. Statt einer Antwort gleitet sein Blick über jenen Teil von Easys Torso, der nicht von Wasser oder Schaum bedeckt ist. Unter Easys Haut kribbelt es plötzlich warm. Dann stützt Ringo sich mit beiden Händen auf dem Wannenrand ab und beugt sich erneut zu ihm hinunter, so langsam, dass Easy jederzeit protestieren könnte, aber natürlich protestiert Easy nicht. Wie könnte er auch, wenn Ringo ihm seinen kleinen Fehltritt offensichtlich nicht nur verzeiht, sondern obendrein auch noch so tut, als wäre nichts passiert?

Ihre Lippen sind nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt. Sein Herzklopfen dröhnt mittlerweile dumpf in Easys Ohren, und wie aus weiter Ferne hört er sich selbst murmeln: „Tut mir leid, dass ich –“, doch Ringos sanftes „Shhhh“, mehr ein warmer Hauch auf seinem Mund denn ein wirklicher Laut, lässt ihn verstummen. Er versteht noch nicht recht, womit er diese Zuwendung überhaupt verdient hat, doch dann spürt er, wie Ringos Zungenspitze zuerst über seine Ober-, dann seine Unterlippe gleitet – eine kaum merkliche und zugleich zutiefst aufwühlende Geste – und seinen Mund schließlich zu einem weiteren Kuss verschließt, und seine Augen klappen schlagartig zu.

Dieser Kuss ist ganz anders als der erste. Binnen weniger Momente wird er tief und leidenschaftlich und Easy tastet mit einer schaumbenetzten Hand blind nach dem Wannenrand, um sich zumindest notdürftig etwas Halt geben zu können. Alles Unwichtige in seinem Kopf verpufft im Nichts – der Stress im Büdchen, die beengte Wohnsituation in der WG, die kleinen Alltags-Reibereien zwischen Ringo und ihm; das alles ist plötzlich so weit weg wie schon lange nicht mehr. Easy lässt sich treiben, sowohl rein physisch im warmen Wasser, als auch mental. Er lässt sich küssen, lässt sich überwältigen, lässt zu, dass Ringo ihm diese Art der Fürsorge entgegenbringt, und seine freie Hand wandert wie von selbst in Ringos weiche Haare. Seine feuchten Finger durchkämmen liebevoll die trockenen, glatten Strähnen, um sich dann beschützend über seinen empfindlichen Hinterkopf zu legen. Er küsst nun mit ebensolcher Leidenschaft zurück, wie sie ihm entgegengebracht wird, und der Gedanke, dass die Tür nach wie vor nicht abgeschlossen ist, verschwindet genauso schnell wieder, wie er ihm gekommen ist.

Das Wasser in der Wanne gluckert dumpf, und Easy registriert abwesend, dass sein Körper auf Ringos Aufmerksamkeiten reagiert und er sich windet, sich ihm entgegen drückt, ihm näher sein will, als es in ihrer unbequemen Position gerade möglich ist, und ihm entweicht ein kleiner, frustrierter Laut – manchmal ist nah eben nicht nah genug. Ringo jedoch ist das Geräusch anscheinend nicht entgangen, denn nachdem er ihren Kuss noch einmal regelrecht demonstrativ intensiviert, zieht er sich zurück, wenn auch nur ein winziges Stück.

Easy fühlt sich wie nach einem sehr angenehmen Dauerlauf, voller Adrenalin und dennoch leicht benommen. Ringos hübsches Gesicht ist direkt über ihm. Ihre Nasenspitzen stupsen aneinander. Sie sehen sich an; Ringos Pupillen sind geweitet, und er leckt sich mit der Zunge über die Lippen. Trotz der Hitze im Raum bekommt Easy eine Gänsehaut. „Sollten wir nicht besser –“, setzt er an, doch Ringo kommt ihm erneut zuvor: „Ich hab' 'Shhhh' gesagt“, flüstert er, und ein schelmisches Funkeln blitzt in seinen Augen auf. Anschließend, wie um ein Ausrufungszeichen zu setzen, platziert er einen Kuss auf Easys stoppeligem Kinn. Dann einen weiteren direkt unterhalb seines Kieferknochens. Easy reckt instinktiv den Kopf nach oben, will ihm leichteren Zugang gewähren,und als ein weiterer Kuss auf sein Schlüsselbein gedrückt wird, durchzuckt ihn eine Vorahnung dessen, was Ringo da gerade im Schilde führt.

„Oh“, entfährt es ihm, lauter als beabsichtigt, und seine Stimme hallt seltsam zwischen den von Kondenströpfchen überzogenen Fliesen. Ringos Lippen wandern unbeirrt über seine Brust, immer weiter, und Easys Finger kratzen über dessen Kopfhaut. Vielleicht ist es die allgegenwärtige Wärme, die seine Haut auf gewisse Weise noch empfindlicher macht als sonst, oder der betörend duftende Badezusatz, oder die Gefahr, erwischt zu werden – Easy weiß es nicht, und er hat einen Punkt erreicht, an dem es ihn auch nicht mehr interessiert. Vielmehr bereut er die Tatsache, dass er die Wanne relativ großzügig gefüllt hat, denn nun muss er seine Füße kraftvoll gegen die genoppte Badematte drücken, um wenigstens ein bisschen Grip zu haben und seinen Körper ein Stück weit über Wasser halten zu können. Ringo jedoch scheint es nichts auszumachen, dass sein Gesicht und auch sein Hemdkragen zunehmend nasser werden, denn er setzt seinen Weg zu Easys südlichen Körpergefilden unbeirrt fort; er küsst und leckt und zwickt nach Belieben und Easy muss seine Hand vom Wannenrand lösen, um sie über seinen Mund zu stülpen, zu sehr befürchtet er, sich durch seine Geräusche und deren Echo zu verraten.

Nur mit Mühe kann er seine Augen offen halten, zu verführerisch ist der Anblick von Ringos Gesicht: Auf seiner Haut schimmert eine Mischung aus Wassertropfen und feinem Schweiß und die vornehme Wölbung seiner Wangenknochen rötet sich dezent, ganz zu schweigen von den kräftig durchbluteten, pinken Lippen, die immer wieder Easys blassen Körperstreifen. Als er auf Höhe von Easys Bauchnabel angekommen ist, treffen sich ihre Blicke erneut, und dieses Mal fühlt es sich an wie ein Donnerknall. Ringos Augen sind grau und durchdringend und in ihnen schimmert eine intensive Lust, die es Easy fast unmöglich macht, gleichmäßig zu atmen. Sein Puls nimmt noch einmal an Geschwindigkeit auf, als er erkennt – Ringo fragt wortlos um Erlaubnis. Dass Easy will, ist unübersehbar. Sekunden verstreichen wie eine kleine Ewigkeit; Ringo wartet geduldig. Schließlich nickt er wie im Trance, die Hand nach wie vor fest über seinen eigenen Mund gepresst, fast ungläubig darüber, was gleich geschehen wird.

Und dann passiert es: Nach einem letzten, tiefen Blick schließen sich obszön weiche Lippen mit einer zuckersüßen Mischung aus Vorsicht und Nachdruck um ihn. Easy kann unmöglich weiter hinsehen; andernfalls wäre das alles viel zu schnell vorbei, wo er sich doch insgeheim wünscht, dass sie ewig so verharren könnten. Sein Kopf fällt zurück, und später wird er froh über das strategisch klug platzierte Handtuch am Wannenrand sein, denn andernfalls hätte er einen prachtvollen Bluterguss davongetragen.

In diesem Moment jedoch schmilzt der letzte klare Gedanke in Easys Kopf dahin wie ein Eiswürfel in der warmen Sommersonne. Es gibt nichts mehr außer Ringos Mund und dem donnernden Puls in seinen Ohren. Ihm ist nicht mehr nur äußerlich warm, nun ist er auch von innen angefüllt mit einer Hitze, wie er sie schon lange nicht mehr gespürt hat. Gegenwehr ist völlig zwecklos; er gibt sich Ringos Aufmerksamkeit nun ungehemmt hin, einem unangenehmen Ziehen in seinen Waden zum Trotz. Das Wasser, das seinen Körper umgibt, gluckert aufgewühlt und droht ein paar Mal überzuschwappen. Seine Finger vollführen ganz ohne sein Zutun kleine Kreise auf Ringos Kopfhaut; ab und an verfangen sie sich in seinen Haaren, aber das scheint Ringo nicht nur nicht zu stören, sondern ihn noch anzufeuern – der anfangs noch sanfte, beinahe verhaltene Rhythmus intensiviert sich zunehmend, wird mal schneller, dann abrupt langsamer, kommt schließlich beinahe zum Stillstand, was gleichzeitig unendlich frustrierend und absolut perfekt ist.

Ringo nimmt sich Zeit. Das tut er eigentlich immer, doch das hier ist besonders, für sie beide. Easys Brustkorb scheint sich mehr und mehr zusammenzuziehen und dabei sämtliche Sauerstoffreste aus seinen Lungen hinauszupressen, und oh Gott, da ist Ringos raue Zunge, genau da, und seine Finger schließen sich um Ringos Haare, ziehen, um sich direkt wieder zu lösen und kraftlos ins Wasser zu fallen, nur um sich dann umgehend in Ringos Hemd zu verkrallen, und dann bleibt die Zeit stehen. Wilde, bunte Sternenmuster flackern auf Easys Lidern und er ist komplett eingehüllt in diese unglaubliche Wärme, die gleichzeitig viel zu viel und nicht einmal ansatzweise genug ist, die ihn komplett überwältigt und von der er trotzdem niemals genug bekommen kann, und er macht einen verzweifelten Laut, der ihm in jeder anderen Situation peinlich gewesen wäre, aber das, was hier gerade passiert, ist in seiner Intensität und Intimität fernab jeglichen Vorstellungsvermögens. Easy drückt ein gepresstes „Ringo“ zwischen seinen Fingern hervor und er stemmt sich so weit aus dem Badewasser, wie er nur kann, und dann zerfällt alles um ihn herum.

Nur mit Mühe kann er seine Augen wieder öffnen. Easy ist bis in seine Fingerspitzen hinein angefüllt mit einer bleiernen, schläfrigen Schwere. Er kichert,und es hört sich leicht wahnsinnig an. Ringo hockt neben der Wanne, einen Arm über den Rand geschwungen, seine Fingerspitzen ins Wasser getaucht. Er atmet schwer und sieht Easy mit halb geschlossenen Lidern an; seine Wangen sind nun großflächig rot verfärbt und in seiner rechten Braue kleben winzige Schaumblasen. An der Stelle, an der Easys nasse Hand rastlos nach Halt gesucht hatte, ist sein Hemd nicht mehr weiß, sondern transparent. Er sieht absolut hinreißend aus.

Sie lächeln sich an, und es ist ein verliebtes Haben-wir-das-gerade-wirklich-gemacht-Lächeln, das nicht schöner oder ehrlicher sein könnte. Ringo wischt sich mit dem Handrücken über das Gesicht, verteilt den Schaum dabei allerdings nur noch mehr. Easys Lächeln geht nahtlos in ein glückliches Grinsen über. „Womit hab' ich das verdient?“, fragt er mit belegter Stimme.

Ringo überlegt kurz. Seine Finger streicheln unter der Wasseroberfläche über Easys Hüfte. „Naja“, sagt er, seine Stimme noch weitaus heiserer als die von Easy und kaum mehr als ein Flüstern, „du hast mir vorhin zu verstehen gegeben, dass du im Moment sehr gestresst bist, und ich habe mir überlegt, wie ich das am schnellsten ändern kann.“ Er spiegelt Easys euphorisches Grinsen, ganz offensichtlich äußerst zufrieden mit sich selbst.

„Du bist'n Genie“, murmelt Easy voller Anerkennung. Manchmal hat es halt doch seine Vorteile, mit einem Mann verheiratet zu sein, der Probleme stets praktisch angeht. Gerade will er Anstalten machen, sich mehr oder weniger elegant aus der Wanne zu erheben–wobei er feststellen muss, dass die Wasserspritzer seine Zeitschrift in ein gewelltes und wahrscheinlich unlesbares Etwas verwandelt haben –, da nähern sich Schritte, und im nächsten Moment klopft es vehement an der Tür. Easy platscht umgehend zurück ins Wasser.

„Easy“, poltert Tobias ungehalten von draußen, „keine Ahnung, was du so lange da drin anstellst, aber ich hab im Kühlschrank den Topf mit Tomatensauce gesehen und wollte fragen, ob ich das Zeug verdrücken darf. Ich hab' mächtig Kohldampf!“

Easy muss sich auf die Unterlippe beißen, um nicht direkt loszulachen. „Darf ich nichtmal in Ruhe'n Bad nehmen?“, ruft er mit gespielter Empörung zurück.

„Ja is' mir egal, was du machst“, kommt es direkt zurück, „ich will nur wissen, ob ich den Kram essen kann!“

Ringo rollt mit den Augen und zwinkert Easy dann verschwörerisch zu, der wiederum ruft: „Und mir ist egal, ob du das Zeug isst oder nicht, aber lass mich in Ruhe baden!“

„Ist ja gut, herrje!“ Tobias klingt merklich überrascht von Easys Bestimmtheit. „Ich nehm's mir mit in mein Zimmer, dann störe ich eure Hoheit auch nicht länger beim Plantschen!“ Die Schritte entfernen sich demonstrativ stampfend, ohne dass Tobias eine weitere Antwort abgewartet hätte.

Easy gluckst zufrieden. „Geht doch“, sagt er leise, beflügelt vom Adrenalin, das nach wie vor durch seine Adern kreist. Ringos Blick ruht weiterhin auf ihm und ein sanftes Lächeln umspielt seine Lippen. „Du bist ganz schön sexy, wenn du Widerworte gibst“, meint er schließlich nicht ohne Bewunderung in der Stimme, und wenn er nicht bereits hochrot angelaufen wäre, dann würde Easy es spätestens an dieser Stelle tun. Er lehnt sich ein Stück vor und streicht liebevoll mit einem nassen Finger über Ringos heiße Wange, wobei er eine im Licht glitzernde Spur hinterlässt.

Dann legt er den Kopf schief.

„Weißte, ich hab' vorhin nachgedacht, wie ich mich bei dir entschuldigen kann.“

Easys tropfende Hand gleitet in unmissverständlicher Absicht unter Ringos Hemdkragen, streichelt über seine Schulter, benetzt die verschwitzte Haut, fühlt dabei Ringos rasant polternden Herzschlag. Seine Geste verfehlt ihre Wirkung nicht, denn seinem Mann entfährt ein kaum hörbares Seufzen, das Easy dennoch durch Mark und Bein geht.

Sein Grinsen wächst noch ein Stückchen weiter in die Breite.

„Jetzt haste mich auf 'ne Idee gebracht.“

~ fin ~


Author's notes:

*Den Titel für diese Fic habe ich aus dem gleichnamigen Song von Florence + The Machine gemopst.
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