Wanda

GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P12
06.05.2018
06.05.2018
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Wanda senkt den Kopf, mit einem unmerklichen traurigen Lächeln bemerkt sie die plötzliche Leichtigkeit ihrer Finger, sie umklammern nicht mehr krampfhaft Visions leblose Hand, sie greifen durch sie hindurch, als gäbe es keine Materie und somit keinen Widerstand mehr – also trifft es nun auch Wanda selbst. Sie ist dankbar für diese Erlösung, sie hat mit ansehen müssen, wie Steve und Natasha und Bruce und Thor zurück geblieben sind, als sich Bucky auflöste, und T'Challa und Falcon und so viele andere treue Seelen ... Wanda möchte nicht wieder zurück bleiben, sie wird es nicht ertragen können erneut verloren zu haben und damit leben und kämpfen zu müssen. Sie hat nie ganz begreifen können, wie etwa Steve mit den Verlusten seines Lebens zurecht kommen konnte, und dabei immer wieder nicht nur für sich, sondern für das Wohl aller kämpfte, stets das große Ganze im Blick behielt, auch wenn es im Kleinen ihn wieder und wieder zu Boden riss. Dieser rechtschaffene Mann, der vor wenigen Augenblicken erneut jenen Freund verlor, den er doch so lange verloren glaubte. Doch dieses Mal wird es endgültig sein. Dieses Mal ist so vieles endgültig. Und wenn es in all dem Leid der Zurückgebliebenen einen Trost gibt, so ist es aus Wandas Sicht jener, dass Steve mit zurück geblieben ist ... es ist richtig so, für sie alle.
Doch sie selbst, sie kann nicht mehr kämpfen, sie hat genug gekämpft, um alles, und sie hat alles verloren. Sie hat von Beginn an nur verlieren können, Vision hat ihr das immer wieder versucht klar zu machen, es gab keine Zukunft für sie - zumindest nicht mit ihm. Nicht, solange der Gedankenstein wichtiger war als sie beide, wichtiger als alles andere. Doch es ist ein Unterschied ob man die Zukunft selbst opfert oder ob sie einem genommen wird ...

Am Ende ist Wanda für dieses Opfer bereit gewesen, für sich und für Vision: Er hat sie darum gebeten, auf seine ruhige und bestimmte Art, als es keinen Ausweg mehr für sie beide gab und es nur noch ein Wettlauf gegen die Zeit war, den sie nicht gewinnen konnten. Wanda hat es getan, auch wenn ihr Herz nicht so schnell begriffen hat was ihr Kopf imstande war zu entscheiden – und für einen kurzen Moment war sie im Einklang mit dem Schmerz des Verlustes und dem Wissen um dessen Notwendigkeit und der Gewissheit, dass Vision nicht leiden musste, weil sie  es war die seine Existenz beendete – er fühlte sie, nur sie, da war kein Schmerz, ... Wanda hingegen fühlte diesen Schmerz umso mehr, er hat sie alle Kraft gekostet. Sie wollte nie Richter und Henker zugleich sein, und doch war es unvermeidlich, ihre Gabe war ihr Schicksal – doch auch darin wurde sie betrogen ... Denn Thanos riss alles hinfort, kehrte Vergangenes um und zerstörte erneut. Alle Kraft, all die Tränen, alle Überwindungen umsonst. Das letzte Mal, dass Wanda so aufschrie, war, als ihr der Bruder genommen wurde ... Und so wie damals benötigte sie, ausgerechnet sie,  die doch eine Meisterin der Manipulation und Täuschung zu sein vermochte, unendlich lange Sekunden um zu begreifen, was vor ihren Augen in der Wirklichkeit geschah. Ein letztes Mal, ein allerletztes Mal sammelte sie kaum noch vorhandene Kräfte, versuchte sie zu kämpfen.

... ein letztes Mal ist sie gegen den unvermeidbaren Verlust angerannt, gegen die Ungläubigkeit ihre Liebe gleich zweimal sterben zu sehen, gegen das eigene Versagen, nicht nur sich selbst, sondern auch allen anderen die Hoffnung geraubt zu haben ... doch Thanos hat Wanda beiseite gefegt als bedeute sie nichts, und tatsächlich wird er ihr kaum mehr Bedeutung beigemessen haben, als dass sie lediglich kurzzeitig zwischen ihm und seinen Ziel stand. Unbedeutend  kurz ... so kurz und vergänglich wie ein Fingerschnippen.

Und Wanda musste zusehen, musste zuhören, musste mitfühlen, ... sie erlitt all das was Vision erlitt, als Thanos ihm den Gedankenstein entriss und Visions Augen leer und grau wurden. Als wären die Fäden einer Marionette zerschnitten worden, fiel nicht nur Vision leblos zu Boden. Auch Wanda fiel, und sie würde nicht wieder aufstehen ...



... und als sie das Fingerschnippen hört, was alles um sie herum erstarren lässt, als wäre die Zeit stehen geblieben, so ist sie die Einzige, die nicht nur das Unheil darin sieht, jene Katastrophe die sie vereint nicht abwenden konnten. Nein, für Wanda bedeuten dieser Laut und die darauffolgende Stille mehr, sie sind wie ein Versprechen, dass Endgültigkeit auch heilsam sein kann ... zumindest für sie. Vielleicht ist es tröstlich, dass diese Endgültigkeit nur durch das reine Zusammenspiel der Steine möglich geworden ist, dass der Gedankenstein ein Teil von jenem großen Ganzen ist, was nun Wanda und so viele viele andere Seelen mit sich zieht ...

Es ist nur ein Windhauch der sie mit sich nimmt, als gäbe es keine Schwerkraft mehr, als verliere damit auch das Sein jegliche Wirkung ... das Auflösen schmerzt nicht, die eigene Existenz verweht wie ein Blatt im Wind – es gibt schlimmere Arten sich von dem irdischen Dasein zu verabschieden. Wanda blickt hinauf den Himmel, schließt die Augen und ihr letzter Gedanke gilt Vision und dass das, was mit ihr passiert, richtig so ist ...
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