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Die unbändige Wut des Gary Stu

GeschichteTragödie / P18 / MaleSlash
OC (Own Character)
06.05.2018
09.06.2019
12
18.685
2
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06.05.2018 1.209
 
Eine Leiche in einem Badezimmer. Blut, welches den gesamten Raum füllt. Polizei, die nichts tut, außer den leblosen Körper in einen Plastiksack zu stecken und ein Bestattungsunternehmen zu informieren. Ein Begräbnis, zu dem keiner erscheint.
Gary Stu hatte viele Gründe zum Ärger. Die gesamte Welt hatte sich gegen ihn verschworen. Seine Eltern verabscheuten sein Interesse für Kartenspiele für Kinder. Sie schlugen ihn, bis das Jugendamt sich einschaltete und ihm nicht nur die miserablen Bezugspersonen nahm, sondern auch seine ersten richtigen Karten gab. Von Hass erfüllt suchte er viele Organisationen auf, deren Spitzenfiguren ein ähnlicher Hass nachgesagt wurde, doch er wurde von allen abgelehnt, weil er irgendeine vage Bedingung nicht erfüllte. Doch das änderte sich mit Shadow of Darkness.
Robert Franz Maria Wilhelm Friedrich Joseph von und zu Schwarzwald bot Gary mehr als nur eine pseudopolitische Bewegung auf der Basis eines Kartenspiels für Kinder. Er gab ihm eine Kraft, mit der er seine Leidenschaft voller ausleben konnte als er es sich zuvor je erträumte. Und er gab ihm auch die Gelegenheit, diese zu nutzen. Doch nach seinem Ableben verlor Gary beides, er war nie wieder in der Lage, in ein Kostüm zu schlüpfen und er konnte auch die Decks seiner Lieblingsprotagonisten aus dem Anime nie wieder sehen ohne von dem Gedanken an seine Vergangenheit zu erschaudern. Doch noch schlimmer als das traf ihn der Verlust seiner großen Liebe Mary Sue. Unfähig, sie loszulassen, trägt er seit jenem Tag immer ein Bild von ihr mit sich, genauso wie die Waffe, mit der sie sich das Leben nahm. Zwar wurde ihm alle Munition entnommen, doch er schaffte es, sich eine Patrone aufzuheben. Sie war für ihn selbst bestimmt, sodass er sich auf religiös-spirituelle Art wieder mit ihr vereinigen könnte. Doch bevor er dies tat, hat er sich ebenso vorgenommen, Rache für ihren Tod zu nehmen.

Anders als der Rest der Gesellschaft, der in seiner Freundin eine Verrückte sah, die sich grundlos das Leben nahm, wusste Gary genau, was sie dazu bewegte. Alice Siegfried hat sie dazu gezwungen. Natürlich nicht direkt, aber das tut nichts zur Sache.
Als Mary noch zur Schule ging, fiel sie schlimmen Mobbing zum Opfer. Der Grund dafür war natürlich Alice Siegfried. Zwar behauptete sie, nichts damit zu tun gehabt zu haben, doch wenn sie so perfekt war, wie man es ihr nachsagte, hätte sie etwas gegen das Mobbing unternehmen können und weder Mary noch er, der auch das Vergnügen hatte, sie schon damals hassen zu dürfen, hätten je einen Groll gegen sie gehegt. Doch wenn man nur ein wenig darüber nachdachte, war es klarer als ein Glas Wasser. Entweder ignorierte sie das Mobbing bewusst oder sie fand Freude daran, aber auf jeden Fall machte das Fehlen einer Handlung sie zu einer Täterin. Doch sie war perfide, man konnte sie ihrer Tat nicht anklagen ohne von ihren vielen Verehrern des Neids angeklagt zu werden. Und selbst wenn sie ab und an "Gewalt" anwendete, um diese zum Schweigen zu bringen, so war es doch nur Gewalt an der sie selbst sich erfreuten. Nicht im Traum hätte sie an eine effektive Gegenmaßnahme gedacht.
Es begab sich, dass Shadow of Darkness – die Organisation, in der Gary und Mary letztlich endeten – aus Feinden bestand, die sich Alice Siegfried auf diese oder ähnliche Weise im Lauf ihres Lebens machte. Ihr Scheitern ließ für viele den Traum, dass jemals Gerechtigkeit über sie hereinfalle, sterben. Wahrscheinlich war auch das der Grund, wieso sich Mary letztlich das Leben nahm. Dabei hätten die beiden glücklich werden können, heiraten und Kinder kriegen, wenn Alice nicht gewesen wäre.

Doch zunächst brauchte Gary ein Deck. Ein Deck, welches nicht im Anime gespielt wurde. Ein Deck, welches auch nicht aus random zusammengewürfelten Karten, die mit dem Glauben an ein Herz in ihnen zusammengehalten wurden, bestand. Und vor allem ein Deck, mit dem er den besten Duellanten gegenüberstehen und aus dem Duell siegreich hervorgehen könnte.
Leider fehlte es ihm dafür an Geld, genau wie allen anderen, die sich zur Zeit für dieses Hobby entschieden. Nur wenige Pro-Duellanten, die sich vor langer Zeit großen Reichtum anschafften, hatten Zugang zu den Karten, die er benötigte. Trotz allem, was ihm bisher wiederfuhr, hatte Gary diesbezüglich jedoch Glück. Ein reicher Japaner hatte anscheinend Gefallen an ihm gefunden und er konnte für ihn arbeiten. Nicht nur das, er wurde auch in Karten entlohnt und die waren wertvoller als Goldbarren. Da machte es ihm nichts aus, dass er mehr als drei Jahre brauchen würde, um seine Rache irgendwann endgültig vollziehen zu können.
Nun ja, nicht ganz…
Schuld an der misslichen Wirtschaft Japans hatte ja auch Alice Siegfried. Zwar entschloss sie sich irgendwann einmal, eine Allianz oder ähnliches einzugehen, die dem Land tatsächlich ein wenig half, doch nachdem diese durch ihre Vertretung zurückgezogen wurde, ging es dem Land schlechter zuvor. Und er konnte in der Hinsicht noch froh sein, dass er in Japan war. Deutschland hatte schon einen Personenkult um sie aufgebaut und andere Länder Europas waren in verschiedener Art von Deutschland abhängig. Die politischen Unruhen, die ihr Fehlen verursachte, breiteten sich aus wie ein Lauffeuer. Schlimme Zeiten standen bevor, so viel war sicher.

Der Kartenspielkanal zeigte gerade ein Duell in Frankreich. Es war von der Besetzung und den Karten her eigentlich ganz okay – Sherry duellierte sich mit Viviane – aber die Dialoge, mit der es gestreckt wurde, konnte Gary nicht ertragen. Es war viel zu politisch. Er wollte ein Kartenspiel sehen, keinen Debattierclub. Verärgert drehte er den Fernseher ab und versuchte, frische Luft zu holen, doch auch das wollte ihm nicht gelingen. Die Stadt entdeckte gerade Verbrennungsmotoren vom Neuen und somit war Luftbeschmutzung zu einem Alltag geworden.
"Das hat bestimmt etwas mit Alice Siegfried zu tun", sagte Gary zu sich selbst. Selbst wenn es das nicht hätte, wäre es ihre Schuld gewesen, anders ließ es sich nicht erklären, dass sein Leben im Sturzflug bergab ging, nachdem ihm Mary Sue so tragisch entrissen wurde. Ein Geschehen, welches nur Alice Siegfried verursacht haben hätte können.
Gary packte ein Notizbuch aus, in welchem er seine Theorie noch einmal graphisch darstellte. Alice war natürlich der zentrale Knoten, über verschiedene Kanten mit verschiedenen Unglücken in Verbindung gebracht. Die meisten Pfade waren direkt und nur äußerst wenige hatten eine Länge größer als drei. Auch in dieser Situation war die Distanz zwischen ihr und Umweltverschmutzung höchstens zwei, sie war praktisch die Ursache. Doch als er sich den Graphen genauer ansah, bemerkte Gary etwas, das ihm früher auffallen hätte sollen. Es gab einen Pfad zwischen Alice und Viviane (sie waren direkt befreundet), und einen weiteren Pfad zwischen Alice und Sherry. Darüber hinaus gab es eine Kante zwischen Viviane und Sherry. Somit war sie auch an der Politik im Kartenspielkanal schuld. Selbst in ihrer Abwesenheit fand sie immer wieder perfide Wege, um ihm sein Leben zu erschweren, dabei hatte er sich noch nicht einmal sein Deck angesammelt.
Gary hatte gerade mal eine Karte, eine Secret Rare Variante der Karte "Aschenblüte und Freudiger Frühling". Normalerweise hätte diese einen Wert von rund 10000 Yen, doch aufgrund der Wirschaftslage waren das auf einmal 700000000 Yen. Mit diesen könnte man zwar eine Menge an Nudelsuppen finanzieren, doch das wollte er nicht. Lieber würde er hungern als sein Deck nicht fertigstellen zu können. Und Aschenblüte war eine gute Karte, er konnte kaum abwarten, sie einzusetzen.
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