Stockholm-Syndrom

GeschichteDrama, Thriller / P18
Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II
05.05.2018
23.01.2020
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"Hör zu Usagi, versuche noch ein wenig zu schlafen. Wir haben schon nach 22 Uhr und du brauchst morgen Energie!"

"Michiru hat Recht Kleine. Das läuft morgen so ab, du stehst um 06.00 Uhr auf, Frühstück gibt es um 06.30 Uhr. Um 07.00 Uhr fahren wir zur nächsten Bank, um 07.45 Uhr treffen wir uns mit dem Kontaktmann von Mamoru, der uns deine Pässe und Tickets übergibt und von dir bezahlt wird. Danach geht es hier zum Flughafen. Um 10 Uhr geht dein Flug nach Tokyo Haneda, dort kommst du um 12.00 Uhr an und steigst direkt um in die Maschine nach Deutschland, die um 13 Uhr startet. Dein Flug dauert 11 Stunden. Schau das du währenddessen schläfst. Nach unserer Zeitrechnung landest du also um 23.00 Uhr. Du hast aber eine Zeitverschiebung von minus 8 Stunden. Das heißt, dort wird es erst 15 Uhr sein! Setsuna holt dich direkt an deinem Gate ab. Sie wird dich erkennen und Ansprechen."

Mit offenem Mund und großen Augen, sah Usagi Haruka an. Das war doch alles nicht ihr Ernst!

"Schau nicht so, das packst du schon. Aber entspanne dich jetzt ein bisschen und schlafe!"

Die Blondine nickte nur leicht, sie wollte jetzt ihre Ruhe. Sie musste nachdenken.

"Gut. Bis morgen"

Die beiden Frauen nickten ihr zu und verließen das kleine Zimmer. Genau in diesem Moment stürzte sie sich nochmals auf Mamorus Tasche. Sie hatte vorhin doch etwas darin entdeckt.....
Schnell zog sie einfach alles raus, bis ihr ein schwarzes, schlichtes T-Shirt von ihm in die Hände fiel. Es war zusammengefaltet worden und als sie es in die Hände nahm, fiel ihr ein kleines Klappmesser entgegen. War das Absicht gewesen? Oder hatte er die Sachen versehentlich vergessen?

Das Shirt wurde von ihm getragen und augenblicklich stieg ihr sein Duft in die Nase, der alles wieder nur noch schlimmer machte. Sie schmiegte ihren Kopf an den weichen Stoff und atmete tief durch. Normal war das nicht. Sie hatte tatsächlich Gefühle für ihn entwickelt und ihr wurde schon fast unwohl dabei, wie tief diese bereits waren. Das alles war doch völlig verrückt. Anfangs hatte er sie noch grob behandelt. Sie erinnerte sich an die Waffe in ihrem Mund, wie er sie geschubst und an den Haaren gezogen hatte und ihr als Strafe nichts zu essen gab. Doch das alles hatte sie ihm schon verziehen, vor allem seit sie seine Vergangenheit kannte, hatte sie einfach zuviel Mitleid mit ihm. All den Kummer, der er ihr bereitet hatte, war jedoch nichts gegen das hier. Sie zog sich sein Shirt über die Schultern und spürte die stummen Tränen, die ihre Augen verließen. Er wurde dazu geformt, schlimme Dinge zu tun. Sein Herz war voller Traurigkeit und Hass und Selbstzweifeln, obwohl es mal so unbeschwert und rein war. Er musste eine 2 Chance im Leben bekommen, sie wollte seine 2 Chance sein. Also hatte sie keine Wahl. Sie musste nach Okinawa zu diesem Treffpunkt und schauen, was sie dort tun konnte. Eine Waffe mit der sich wenigstens etwas verteidigen konnte, hatte sie ja jetzt. Der Rest folgte morgen. Sie musste sich erkundigen, wann der nächste Flug nach Okinawa ging. Sie brauchte ein Telefon. Ob Haruka und Michiru eins in ihrer Wohnung hatten? Sie würde noch etwas warten und sich dann rausschleichen, wenn die beiden schliefen. Bis dahin sollte sie sich etwas ausruhen, was aber fast unmöglich war, weil ihre Gedanken einzig und alleine um den Schwarzhaarigen und sein Wohlergehen kreisten. Ob er gerade auch an sie dachte?

Gute zwei Stunden später war es schon nach Mitternacht und Usagi schlich sich heimlich in das Wohnzimmer, wo sie tatsächlich ein Handy fand, dessen Bildschirm nicht gesperrt war. Es war Michirus, sie hatte Haruka als Hintergrundbild, was Usagi unheimlich süß fand. Schnell schlich sie sich in ihr Zimmer zurück, wählte die Nummer der Auskunft und ließ sich mit dem kleinen Flughafen in Kumamoto verbinden. Es waren 3 Flüge nach Okinawa geplant. Einer in 4 Stunden, den sie am liebsten gewählt hätte, jedoch brauchte sie erstmal ihre gefälschten Pässe und das Geld, einer um 10.20 Uhr und einer um 16.45 Uhr. Sie hatte wirklich Glück. Die Mitarbeiterin versicherte ihr, dass es für den Flug um 10.20 Uhr noch reichlich Plätze gab und sie auch noch vor Ort ein Ticket buchen konnte. Das war schon mal gut. Schnell brachte sie das Handy dorthin zurück, wo sie es her hatte und löschte die von ihr gewählten Nummern. Wieder zurück in ihrem Zimmer, verkroch sie sich in ihrem Bett. Sie hatte keine Ahnung, wie das morgen alles klappen sollte. Sie musste auf ihre Intuition und ihr Schicksal hoffen und vorallem musste sie nun etwas schlafen.

Als Michiru um Punkt 6 Uhr in ihrem Zimmer stand um sie zu wecken, bekam sie fast die Augen nicht auf. Sie hatte vielleicht 3 oder 4 Stunden unruhig geschlafen. Sie vermisste schon regelrecht Mamorus Nähe und seine Wärme.

Nach einer kurzen Dusche, zog sie sich frische Unterwäsche, eine dunkelblaue Jeans und ein weißes T-Shirt an. Darüber eine leichte, beige Strickjacke, weil es morgens noch etwas frisch war. Die Sachen gehörten natürlich alle Michiru. Sie schlüpfte in ihre Ballerinas und betrat nochmal das Badezimmer. Dort fand sie etwas Make up, ein paar Haarbürsten, Spangen und Haargummis. Sie musste ihr Aussehen ein wenig verändern. Vielleicht konnte sie sich ja auch noch eine Sonnenbrille leihen.

Zuerst band sie sich ihre langen Haare zu einem strengen Dutt. Normalerweise trug sie ihre Haare so nicht, weil es ihr nicht gefiel. Außer mal zum Duschen oder Baden und das war dann auch nicht so perfekt wie jetzt. Danach legte sie sich Make up auf. Etwas mehr als sonst. Dunklen Lidschatten und roten Lippenstift. Auch etwas, was sie selten tat. Nun war sie soweit. Um genau 06.30 Uhr stand sie in der Küche, in der die beiden Gastgeberinnen schon auf sie warteten.

"Wow! Wen haben wir denn da? Das steht die gut Kleine!"

Haruka pfiff durch die Zähne und ließ ihren Blick einmal ungeniert über Usagi wandern.

"Habt ihr noch eine Sonnenbrille für mich?"

Stellte diese nur beiläufig ihre Frage, da sie total von dem Frühstücksbuffet geplättet war, das sie erwartete. Neben Brötchen gab es auch frisches Obst und Joghurt und Cornflakes.

"Ich dachte, du ziehst so etwas dem japanischen Frühstück vor!"

Lächelte Michiru sie an und die Blondine nickte freudig.

"Auf jeden Fall. Ich Danke euch! Ihr tut so viel für mich, obwohl wir uns gar nicht kennen."

Es tat ihr schon fast etwas leid für die beiden, dass sie ihre Pläne durchkreuzen würde. Aber Deutschland ohne ihn war keine Option.

"Erstens brauchst du Hilfe und zweitens Schulden wir Chiba danach keinen Gefallen mehr. Also ist das schon ok so. Eine Sonnenbrille habe ich noch im Auto. Die kannst du haben. Aber jetzt hau mal rein, wir müssen gleich los!"

Perfekt im Zeitplan, saß Usagi wenig später mit Haruka in dem schwarzen Van, den sie ja bereits kannte. Sie hatte ihre Handtasche und Mamorus Reisetasche gepackt, in der sich sein Shirt, das kleine Messer und noch ein paar von Michirus Sachen befanden. Zudem bekam sie noch ein paar Snacks mit, da sie ja eine lange Reise vor sich hatte. Sie hoffte, sie würde gut durch die Kontrolle kommen. Diese Messer waren nicht unbedingt verboten, so lange sie nicht im Handgepäck transportiert wurden. Aber man wusste ja nie.

"Die Sonnenbrille steht dir gut! Sie ist schon fast etwas zu groß, aber das trägt man ja heute so. Wir fahren jetzt zur Bank!"

Ja Usagi fühlte sich gut mit den schwarzen Gläsern, die schön viel von ihrem Gesicht verdeckten. Wenig später dann hatte sie am Automaten das Geld abgehoben und direkt danach fuhren weiter an einen großen, öffentlichen Platz. Dort nahmen sie auf einer Parkbank vor einem Brunnen Platz, so wie einige andere Leute auch und warteten schweigend ein paar Minuten.

"Er wird gleich da sein!"

Kaum hatte Haruka diesen Satz ausgesprochen, kam ihr auch schon ein junger, blonder Mann auf einem Fahrrad entgegen. Es war offensichtlich ein Kurier, zumindest mal war er als solcher getarnt. Er fuhr langsam auf sie zu und winkte dann kurz.

"Hey Haruka, wie toll, dass wir uns hier treffen, dann muss ich nicht zu dir nach Hause. Ich habe ein Päckchen via Nachname für dich!"

Er hielt ihr einen braunen Umschlag entgegen und sie nickte nur.

"Meine Freundin legt die Kosten für mich aus, ich habe leider kein Geld dabei!"

Usagi zog aus ihrer Handtasche ein kleines Bündel Geld, das Haruka ihr vorher schon abgezählt hatte und drückte es ihm recht unauffällig in die Hand. Er warf einen kurzen Blick darauf und ging einmal mit seinem Zeigefinder durch die Scheine, bevor er nickte, es einsteckte und kurz die Hand hob.

"Danke. Bis dann"

Und schon war er wieder auf seinem Rad und fuhr davon.

"Los geht's!"

Die beiden Frauen standen auf und liefen zu ihrem Wagen zurück.

"Na Kleine? Schon gespannt, wie du ab jetzt heißen wirst?"

Usagis Herzschlag beschleunigte sich. Richtig, sie musste mit diesem Ausweis nach Okinawa fliegen, nicht mit ihrem richtigen. Zitternd stieg sie in das Auto und öffnete dabei den Umschlag. Sie schüttelte ihn etwas und ihr vielen 2 Ausweise sowie 2 Flugtickets entgegen. Ein deutscher Personalausweis und ein roter, deutscher Reisepass. Sie konnte überhaupt nichts außer die Namen lesen.

Serena Shields....* flüsterte sie leise und war überrascht, ihr aktuelles Foto von ihrem japanischen Pass darauf zu sehen.

"Das ist aber kein deutscher Name oder?"

Fragend sah sie Haruka an, die das Auto startete.

"Das ist egal. Dann hattest du halt eine deutsche Mutter und englischen Vater. Lass dir was einfallen. Du kannst dir deine eigene Persönlichkeit erschaffen. Ist doch toll! So wir fahren jetzt zum Flughafen und checken dich ein. Dann hast du es geschafft Serena!"

Usagi seufzte und nickte nur. Jetzt musste sie sich schnell etwas einfallen lassen, Haruka durfte nicht mitkommen, wenn sie eincheckte. Schließlich brauchte sie ganz andere Tickets.

Wieder waren sie an dem kleinen Flughafen angenommen, an dem sie gestern noch mit Mamoru stand. Sie betete, dass es ihm gut ging und war froh, so abgelenkt zu sein um sich nicht so viele Sorgen machen zu müssen. Doch jetzt brauchte sie gleich einen Plan!"

"Haruka, du brauchst keinen Parkplatz suchen. Lass mich einfach raus, ich komme schon klar!"

"Was? Nein, nein. Ich leistete dir noch etwas Gesellschaft. Das macht mir nichts aus!"

Und so parkte sie und nahm Usagis Sachen, der langsam etwas schlecht wurde. Was sollte sie machen? Nervös sah sie sich um und tatsächlich zog in diesem Moment eine größere Menschenmenge Harukas Aufmerksamkeit auf sich.

"Gibts ja nicht, dass ist doch Katsutomo Kaneishi da vorne! Oh Wahnsinn, ich wollte ihn schon immer malen treffen. Er war Rennfahrer und....."

Wer? Usagi verstand nur Bahnhof, aber das war ja gerade auch total egal, denn das war ihre Chance. Schnell schnappte sie ihre Sachen aus Harukas Händen und lächelte sie breit an.

"Na dann geh hin, er gibt wohl gerade ein Interview. Vielleicht kannst du ja danach mit ihm sprechen! Lass dir das bloß nicht entgehen!"

Die Sandblonde zögerte etwas, nickte aber dann.

"Wenn es dir nichts ausmacht Kleine. Das ist wirklich ein Idol! Du musst dich beeilen, du kannst sicherlich gleich einchecken. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft!"

Usagis Herz hüpfte vor Glück. Sie unterdrückte sich ihr Grinsen und dankte Haruka nochmals für alles, bevor sie sich verabschiedete und regelrecht in das Gebäude rannte, direkt an den nächsten Ticketschalter.

"Hallo, wie kann ich Ihnen helfen?"

"Hallo, ich brauche ein Ticket für den Flug um 10.20 Uhr nach Okinawa. Mein Namen Us...- ich meine Serena Shields."

Sie reichte der Mitarbeiterin ihren Reisepass, die etwas überrascht die Stirn runzelte.

"Wahnsinn, auf diesem Bild haben Sie totale Ähnlichkeit mit Usagi Black, dieser vermissten Frau. Sachen gibt es! Geben Sie die Reisetasche mit auf?"

Usagis Hände zitterten. Sie musste sich echt zusammenreißen und doch hielt sie wenige Mintuten später das begehrte Ticket in ihrer Hand. Jetzt hatte sie 2 Stunde Zeit sich zu überlegen, wie sie weiter vorgehen wollte. Ein Internetfähiges Handy wäre gut und wo war nochmal dieser Treffpunkt, von dem Mamoru sprach?



Usagis Name in der englischen/amerikanischen Fassung der 90er Serie und der alten Auflage des Mangas war Serena Tsukino. Mamorus Name war Darien Shields. Ich habe die Namen also kombiniert, für alle die das nicht wussten ;-) Fand ich übrigens immer sehr gewöhnungsbedürftig