Als der Staub sich legte

KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark
05.05.2018
05.05.2018
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Nachdem Thanos gewonnen hatte, nachdem Peter in seinen Armen gestorben war und Tony nichts anderes tun konnte als seine Hand um das bisschen zu ballen was von diesem außergewöhnlichen Jungen übrig war, wartete Anthony Edward Stark auf seinen Tod. Es würde nur eine Frage der Zeit sein bis auch er sich auflösen würde, denn das Universum hatte einen verkorksten Humor und es klang sehr nach ihm wenn jeder um den er sich gesorgt hatte vor seinen Augen starb bevor er selbst von dieser beschissenen Welt scheiden konnte.

Das Problem war nur, dass er es nicht tat.

Es hätte nicht so enden sollen, war das einzige, was Tony Stark sagen wollte während er auf seine Hand starrte und versuchte seinen Körper daran zu erinnern, wie es war zu atmen. Er hatte einen Plan gehabt, 6 Jahre Zeit gehabt und er war Iron Man. Er hätte es ändern müssen, irgendwie das Universum austricksen sollen, so wie damals, als man ihn in einer Höhle in Afghanistan dem sicheren Tod überlassen hatte.

So wie damals, als er die Nuklearbombe durch ein klaffendes Loch im Himmel geflogen hatte. So wie als Thanos ihm ein Stück Stein? Metall? in die Seite gerammt hatte.

Er starrte auf seine Hand, auf das, was einmal Peter Parker gewesen war und wie war es überhaupt möglich so viel Leben und Energie auf so einen kleinen Haufen Asche zu reduzieren? Wen hatte er noch verloren?

Nein, nein das war ein Gedankengang den er nicht angehen sollte, denn wer war noch am Leben? Er hatte Strange in die Augen gesehen, in seine gottverdammten Augen die alles gesehen hatten und trotzdem nichts gewusst hatten! Wofür hatte man einen Zauberer, der Zeit als etwas abstraktes sah und der wortwörtlich Enden voraussehen konnte, wenn sie am Ende trotzdem scheiterten?

Er hatte Quill gesehen, Drax, Mantis. Er hatte Peter gesehen. Er konnte Rogers sehen, wenn er die Augen schloss. Rogers und Romanoff und sogar Wilson, wie sie alle ihn ansahen und wie ihre Gesichter grau und bröselig wurden.

Thanos hatte gewonnen und es gab nichts, was dies hier ungeschehen machen konnte. Wofür lügt man seine Teamkameraden an und versucht die Welt mithilfe von einem dubiosen Stein zu retten und zerstört am Ende all das, was man so lange versucht hat aufzubauen wenn letzten Endes doch alles nichts bringt?

Tony Stark hatte versagt, saß auf einer toten Welt fest mit der Asche eines Kindes an den Händen. Vielleicht war das seine Strafe für seine vergangenen Sünden. Obwohl das Universum, wenn es um ihn ging, schon immer eine recht verkorkste Art zutage gelegt hatte. Wieso war er nicht tot? Wieso hatte es ihn verschont?

Man sagt, dass niemand einen im Weltall schreien hörte. Was natürlich völliger Schwachsinn war, denn Tony war Wissenschaftler und es war sehr wohl möglich, dass man im Weltall schrie. Es wurden zwar keine Schallwellen generiert, aber man konnte schreien und andere konnten einen hören, sollte man einen Helm aufhaben oder einen Anzug tragen.

Der Punkt ist, man konnte im Weltall schreien und gehört werden.

Sie schrie. Es war kein lauter Schrei. Es war mehr ein langezogenes Stöhnen, dass immer mehr anschwoll bis es sich wie das Bremsen eines Zuges anhörte. Laut, schrill, zerstörerisch.

Er kannte sie nicht. Er wusste nicht genau wo er war und mit wem er auf diesem Planet festsaß. Er wusste nicht einmal ob es ihn wirklich interessierte.

Es war vielleicht sogar ein recht passendes Ende. Man starb, so sagte man, genau so wie man lebte. Er starb allein, mit dem Blut Unschuldiger an seinen Händen und dem Zerstörerischen Cocktail aus „deine Schuld“ und „du hättest uns retten können“ in seinem Kopf.

Es war wie damals in Sibirien, als er dachte dass es vielleicht endlich vorbei sein könnte, dass dieses mal vielleicht der Arc Reaktor endgültig genug davon haben könnte von Menschen denen Tony vertraute kaputt gemacht zu werden (denn Tony hatte genug, er hatte so verdammt noch mal die Nase voll davon immer alles zu verlieren und es war immer seine Schuld oder?).

Er starrte seine Fingerspitzen an und wartete darauf zu Staub zu zerfallen. Er wartete auf die Rückkehr von Thanos, darauf das er es sich anders überlegen sollte und vielleicht das Universum von ein paar mehr Leuten als nur der Hälfte erleichtern würde.

Es dauerte eine ganze Weile bis Tony verstand, dass er nicht sterben würde, jedenfalls nicht auf die erwartete Art und Weise. Seine Seite pochte immer noch um in immer wieder daran zu erinnern dass sein Körper unter dem Anzug immer noch sehr weich und zerbrechlich war (wenn man den Anzug wegnimmt, was sind Sie dann?) aber er würde nicht sterben.

Stattdessen war er am Rande des Universums gestrandet mit einem blauen Cyborge.

Besagter Cyborge, nachdem sie ihrer Wut, ihrer Trauer oder vielleicht auch nur ihrer Hilflosigkeit Luft gemacht hatte, war still geworden.

Tony starrte auf seine Fingerspitzen, benetzt mit der Asche von Peter Parker und dachte darüber nach, welch verdrehten Humor das Universum doch hatte. Von allen Lebewesen in allen Galaxien hatte der Infinity Handschuh ausgerechnet einen Stark überleben lassen. Vielleicht sollte er sich beschweren, sollte versuchen Revision einzulegen. Er hätte sterben sollen. Niemand sonst.

Aber er tat es nicht, so sehr er auch wollte.

Der Cyborg, sie hatte sich als Nebula vorgestellt oder? bevor alles den Bach hinunter gegangen war, bewegte seinen Arm sehr komisch.

Tony kam nicht herum sie anzustarren, wie sie auf einem Stein saß, vielleicht sogar auf einem der Überreste des Mondes mit dem Thanos versucht hatte ihn zu erschlagen, und grimmig an ihrem Gelenk zerrte.

„Lass mich“, sagte er bevor er sich erinnern konnte dass das hier nicht die Erde war, dass das nicht jemand war dem er helfen konnte und vor allem bevor er sich daran erinnern konnte, dass an seine Händen immer noch Peters Blut klebte.

Nebula sah ihn an. Ihr Gesicht war völlig ausdruckslos aber sie erinnerte ihn ein wenig an Vision (oh Gott, Vision war tot, Vision war tot, Thanos hatte den Seelen Stein).

„Der Kampf hat ein paar Schrauben gelockert“, antwortete sie, als müsste sie sich dafür rechtfertigen nach all dem hier angeschlagen zu sein.

Seine Seite schmerzte als er sich aufsetzte und vorsichtig versuchte wieder auf die Beine zu kommen. Er brauchte Medizinische Versorgung wenn er das hier überleben wollte. Wollte er das?

„Ich bräuchte meine Werkstatt um dich wieder ganz herzurichten aber für jetzt sollte das hier reichen“, Tony Stark konnte viele Dinge nicht, aber er konnte Dinge reparieren die aus Metall waren und Drähte unter der Haut versteckten.

Nebula lies seine Finger nicht eine Sekunde aus den Augen während er sich an ihrem Arm zu schaffen machte. Tony war sich nicht sicher wie er sich dabei fühlte, so sehr hatte niemand mehr auf seine Arbeit geachtet seit er im MIT einmal eine Flammenwerfer gebaut hatte und damit vielleicht den Arbeitstisch ein wenig in Brand gesetzt hatte.

„Ich habe meine Schwester verloren. Ich werde nicht zulassen das Thanos damit davonkommt!“ Sie erinnerte ihn an Rogers, an Natasha, an sich selbst vielleicht ein wenig.

„Wenn wir die Erde nicht retten können werden wir sie rächen“, zitierte er und ein bittrer Zug legt sich um seine Mund und auf seine Zunge. Damals, zusammen. Es wäre so viel einfacher wenn sie es gemeinsam tun könnten.

Er zerrte und zog und brachte den Arm notdürftig wieder in eine Position, die ihr erlauben würde, Thanos das Genick zu brechen, sollte sie es vorhaben. Tony war müde, sehr, sehr müde.

„Gibt es auf der Erde Leute die so denken?“, fragte ihn Nebula während er sich darauf konzentrierte wie ihre Haut in der Sonne von Titan glänzte.

Wer weiß das schon, wollte er sagen. Wer weiß schon wer auf der einen Seite und wer auf der anderen Seite ist. Wer weiß schon wie viele noch übrig waren.

Der Cyborge, war sie überhaupt ein Cyborge?, sah ihn irritiert an. Anscheinend hatte sie mehr von dem Mann erwartet der gegen Thanos gekämpft hatte, aber der Mann hatte nicht zusehen müssen wie seine Freund zu Staub zerfielen, hatte nicht zusehen müssen wie ein Mann um sein Leben gebettelt hatte. Um Tony Starks Leben gebettelt! Das war wohl das witzigste an allem, dass er gerettete worden war, gerettet von Strange und seinem Opfer aber am Ende trotzdem alle gestorben waren. Er, im Austausch für die Hälfte des Universums. Kein Leben war so viel wert, besonders nicht seins.

Es war schwer sich auf eine Sache zu konzentrieren, es war schwer sich darauf zu konzentrieren nicht die Hände abzuwischen weil das konnte er nicht machen!

„Ich habe mich nicht vorgestellt“, begann er, wieso eigentlich? was wollte er erreichen? „ich bin Iron Man, du kannst mich Tony nennen!“ Er lallte den letzten Teil, seine Wunde einfach nur zu verschließen war eine schlechte Idee gewesen.

Als seine Wahrnehmung anfing zu kippen, war das einzige woran er denken konnte, dass er noch nicht sterben wollte. Nicht wirklich.

Ihre Hände waren kalt gegen seine Haut als sie ihn hochhob.

„Schiff“, murmelte er und versuchte das verschwommene Bild der Welt wieder in Ordnung zu bekommen. Irgendwie schien es nicht viel zu helfen nur zu blinzeln.

Nebula hatte weniger Ahnung von Menschen als er von Maschinen hatte, aber es reichte um ihr zu erklären, dass die Naht fest sein musste und dass Tony Schlimmeres überstanden hatte. Sie saßen nebeneinander im Cockpit des Schiffes, dass nicht ihnen gehörte und Tony dachte darüber nach, dass er diese Crew nie wirklich hatte kennenlernen können und dass sie jetzt ihr Schiff nie wieder zurück bekommen würden.

Sie waren im Weltall und Tony konnte spüren wie seine Brust eng wurde.

„Wir müssen zur Erde“, sagte er und Nebula nickte. Sie mussten zur Erde und herausfinden wer noch am Leben war. Sie mussten zur Erde und wieder von vorne Anfangen. Sie mussten zur Erde und Tony wünschte sich wirklich, dass er das Klapptelefon nicht verloren hätte.

Sie mussten zur Erde um einen Plan zu formen wie sie Thanos schlagen sollten und wie sie das hier alles ungeschehen machen würden.

Gegen seinen Willen begann er schon jetzt damit, begann Szenarien durchzuspielen und versuchte sich zu überlegen, was er Rogers sagen würde. Peter sah ihn an als er die Sterne durch das Glas betrachtete. Seine Mutter versteckte sich in der Spiegelung einer Sonne auf Nebulas Schulter. Sein Vater wisperte in sein Ohr was er doch für ein Versager war und wie viel besser Captain America das hinbekommen hätte.

Er schloss die Augen, um nicht die Sterne ansehen zu müssen.
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Ich habe immer noch sehr, sehr viele Gefühle was diesen Film betrifft. Es folgen (vielleicht, wenn ich Zeit habe): Thanos und das Schicksal, Captain America und Iron Man versuchen sich wieder zusammenzuraufen, Rocket und Tony reden über Technik. So. Viele. Emotionen!
LG Anemonenfisch
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