Geschichte: Fanfiction / Anime & Manga / Bleach / Eis

Eis

von Serenael
GeschichteRomanze, Angst / P16
Hitsugaya Toushirou Ichimaru Gin
05.05.2018
11.07.2019
42
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~Mittwochnachmittag, 31.01~

Er hat die Mittagspause und die Zugfahrt durchgeschlafen. Aus dem nahegelegenen Convini hatte er ein paar Onigiri mit. All seine Notizen sollte er noch einmal abschreiben, am besten heute. Und Rukia wird in ein paar Minuten hier sein. Nein, er saß nicht Onigiri essend über den Notizen und versuchte seine Sauklaue zu lesen. Etwas, das sehr wahrscheinlich war aufgrund seines Hungers und Schlafdefizit. Aber sein Plan sah vor, dass dieses Schlafdefizit vorhanden blieb. Und nein, er brauchte keine Gesundheitsbelehrung. Der Scheißtag hatte zu wenig Stunden!
Es klingelte an der Haustür. Jetzt schon? Er brauchte mehr Haargel!
Noch mit den Händen in den Haaren lief er zur Haustür und benutzte den Fuß um die Klinke hinunter zu drücken. An seinen Händen war Haargel, das ungern im gesamten Haus verteilen wollte. Schon blöd, jetzt hatte er immer noch das Zeug an den Händen und konnte die Türe nicht zu machen. War es unhöflich sie einfach zu zu treten?
„Ohayou Hitsugaya-Kun!“ begrüßte ihn das Mädchen und er grinste. Immerhin sah ihr Lächeln besser als das gekünstelte von letztem Mal.  
„Ohayou…“
„Alles in Ordnung, Hitsugaya-Kun? Du siehst müde aus!“ bemerkte das Mädchen. Er konnte nicht sagen, dass er stolz war auf die Tiefe seiner Augenringe. Aber er war männlich und schminkte sich nicht nur um mit Frauen ab zu hängen. Zudem hatte er ein gehöriges Schlafdefizit, wenn er sich recht erinnerte.
„Das ist jetzt aber ein bisschen ungelegen…“ murmelte er und hatte keine Ahnung was er mit seinen verschmierten Händen tun sollte. Gestikulieren schien ihm übertrieben. Lässig in die Hosentaschen stecken konnte er sie auch nicht. (AN: Können wir einen Moment lang darüber diskutieren, wie Aizens Haar bei der Offenbarung seines Verrats an Ort und Stelle blieb? Er streicht es zurück und es bleibt sitzen? Selbst in den Musicals haben sie das hinbekommen…)(AN zu AN: Ja, das ist relevant!)
„Wieso denn, Hitsugaya-Kun? Du meintest du hättest Zeit…“
„Die hatte ich auch, aber ich hatte letzte Woche eine Bekannte gebeten mir mit einkaufen zu gehen, weil ich kein Auto habe und einen Großeinkauf machen müsste…“ gab er zu und versuchte dabei verlegen zu wirken. Es war gar nicht so einfach. Große Augen machen und unschuldig wirken. Ohne die verdammten Hände zu bewegen.
„Oh, ist es dann in Ordnung, dass ich mit komme?“
„Natürlich. Ich bin sicher Sie werden sich blendend mit ihr verstehen. Es wird sicherlich spaßig!“
Auf seine Kosten.
„Wirklich?“
„Vertrauen Sie mir. Sie müsste sowieso gleich kommen!“

Fast eine Stunde später standen sie in dem Convini. Er machte seine Einkäufe. Besser gesagt, er versuchte. Andauernd kam Matsumoto ums Eck und legte irgendwas in seinen Korb. Etwas, das er nicht brauchte. Wie fünf Packungen rote Beeren oder ein Haargel mit Rassierwasserduft oder Parfüm. Frauenparfüm. Und Matsumoto wusste, dass sie beide nicht daten. Das es nichts mehr, als eine Ausrede war.  
„Ah, Rukia, ich hoffe, du weißt, dass er auf etwas anderes steht!“
„Ja, ich habe auch gar nicht vor…“
„Passt schon. Kennst du seinen Freund? Ich meine Gin…“
„Ja, ein wenig…“
„Ja, ich weiß, der alte Mistkerl wirkt meist unsympathisch und gruselig, aber er kann voll nett sein! Willst du ein paar Bilder von ihnen sehen. Wie sie zusammen abhängen?“
„MATSUMOTO“ fuhr er entschieden dazwischen und drehte sich zu den beiden Frauen, die hinter seinem Rücken über ihn tratschten, um. Das ging zu weit. Und vor allem, woher hatte sie diese Bilder? Hatte Gin heimlich welche gemacht? Hatte Gin eine Kamera in seinem Zimmer positioniert, als sie es zusammen gemacht haben. Immerhin hatte er eine Tube Gleitgel hinein geschmuggelt, da könnte er auch…
„Was belauscht du ein Frauengespräch!“ rief Matsumoto und schlug ihn auf den Hinterkopf. Ja, was sollte das? Er war hier das Opfer! Oder sollte er zulassen, das Kuchiki an empfindliche Bilder kam, die sein Leben beenden konnten? Er rieb sich den Hinterkopf und sah mit verengten Augen die beiden an. Rukia wich erschrocken zurück. In ihren Augen spiegelten sich Überraschung und Mitleid. Matsumoto hingegen hatte trotzig die Hände in die Hüfte gestemmt und verteidigte mit ihrer Körpersprache ihren Angriff. Großartig…
„Was soll das? Du hast doch vor Bilder ohne meine Einwilligung zu verbreiten! Ist das nicht verboten?“
„Rukia, lass dich niemals von seinen großen, unschuldigen Augen hinters Licht führen. Niemals. Von keinem Mann!“
„Wer hat dieses Mal einen Antrag gemacht?“
„Lass uns darüber gehen, Rukia!“
„Oi, ich …“ er verstummte. Besser so, bevor sich noch irgendjemand über seine Anwesenheit aufregte. Außer er selbst. Zurück zum eigentlichen Thema. Er wollte ein Fertigsushi kaufen, aber welches. Es gab so viele und er konnte sich einfach nicht entscheiden. Zwar könnte die Meinung der beiden interessant sein, aber er zweifelte sehr, dass sie hilfreich wäre.
„Wie haben Sie ihn kennengelernt, ich meine Hitsugaya-Kun?“ fragte Rukia. War das Matsumotos Idee von weggehen und außerhalb seiner Hörreichweite zu geraten? Ein verdammtes Regal weitergehen? Man, was stimmte mit der Frau nicht? Sie hing mit ihm und Gin ab. Sie hatte kein Problem mit der sexuellen Orientierung ihrer Freunde. Sie arbeitete bei der Polizei. Sie wies sämtliche Männer ab. Oh, könnte es eventuell sein? Ach nein, oder doch?
„Das ist eine traurige Geschichte…“
„Sie müssen nicht, wenn Sie nicht wollen! Ich wollte…“
„Also die Kurzfassung ist, dass es zu einem Autounfall kam. Unsere beider Eltern wurden dadurch getötet. Wir sind also beide Waisen, aber ich war alt genug auf mich alleine auf zu passen. Aber in seiner Familie gab es niemanden, der ihn aufnehmen wollte. Ich durfte nicht. Seine Großmutter erbarmte sich, bevor man ihn in ein Heim geben wollte…“
„Oh, das tut mir Leid. Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten! Ich…“
„Nein, das passt schon. Es ist eine Weile her. Längst Schnee von gestern! Aber sag mal, Rukia, wieso Siezest du mich eigentlich noch? Sehe ich etwa so alt aus?“
„Nein, nein, Matsumoto-San. Du siehst großartig aus. Ich dachte nur, weil Hitsugaya-Kun…“
„Das hat er von seiner Großmutter. Sie war auch immer so nett. Nur wenn es dann darum geht sich näher zu kommen, da hatte er keine Ahnung, stimmt`s? Aber eigentlich weiß er, dass er mich duzen sollen!“
Oh, Scheiße stimmt ja! Wieso zur Hölle konnte er sich das nicht merken?
„Wie bitte?“
„Tu nicht so! Du hast mich ganz genau gehört!“
„Ja, okay. Mag ja sein, dass ich so meine Probleme habe! Aber immerhin schreie ich nicht den Laden zusammen!“ fauchte er.
„Warte bis er wütend wird, dann ist er unausstehlich süß!“
„MATSUMOTO!“ presste er hervor. Unterdrückt, sodass die Frau nicht noch weitere Quellen für ihren verdrehten Spaß fand. Immerhin wollte er sich hier nicht zu Lachfigur machen! Auch wenn es ihm so schien, dass er dies schon längst war. Vielleicht war das ja keine so gute Idee, wie er es sich zu Beginn gedacht hatte.
Aber immerhin schien Rukia sich hier wohler zu fühlen, als bei ihm Zuhause. Immerhin etwas, oder? Er seufzte und legte beide Varianten in den Korb. Könnte ja sein, dass er noch überraschend Besuch bekäme. Gin traute er dies durchaus zu. Hoffentlich, wenn nicht müsste er ihn eben einladen. Er meinte gestern Abend, dass er raus darf. Seine Mutter hatte ihn da wohl voll im Griff. An seine eigene Mutter erinnerte er sich noch kaum. Und seine Großmutter fragen konnte er auch nicht mehr. All die vielen Geschichten, die sie erzählt hatte, konnte er nicht vergessen. Aber er war sich sicher, dass die alte Dame noch mehr solcher Geschichten auf Lager hatte. Diese er aber nie erfahren würde. Schade. Heute, da hatte er nur noch ein paar Bilder.
Inzwischen schleppte er zwei Einkaufskörbe mit sich herum. Man, er sollte häufiger einkaufen gehen. Oder der blöde Schnee schmolz bald. Er konnte nicht immer von Matsumoto, Gin und … er wagte es sich fast nicht auszusprechen … Yamamoto abhängig sein. Der Alte und Sasakibe waren immer mit seiner Großmutter einkaufen gegangen. Und jede einzelne Person, die sie unterwegs trafen, tat ihm Leid.

Nachdem er alles bezahlt und anschließend in das Auto gepackt hatte. Ohne jegliche Hilfe. Weil Matsumoto regelmäßig mit Rukia zwecks Frauengesprächen verschwand. Gin war durchaus pflegeleichter als eine der beiden. Der brauchte kein Make-Up. Wollte nur ausgehen, wenn er Bock dazu hatte. Und durchfüttern müsste er ihn nicht, weil Gin und seine Mutter entschlossen hatte ihn durchzufüttern. Gegen seinen Willen!
„Wohin fahrst du, Rangiku-San!“ fragte Rukia schüchtern. Sie saß auf der Rückbank und blickte gebannt nach vorne. Er saß auf dem Beifahrersitz und betrachtete die Landschaft. Es schneite. So ein Dreck. Er wollte doch bald wieder unabhängig werden! Blöder Schnee war da gar nicht hilfreich. Das Eis war ihm da viel lieber. Es war heimtückischer, da man es auf der Straße schlecht sah. Nicht, dass er wollte, dass Matsumoto einen Unfall erlitt. Auf dem Eis konnte man richtigen Sport machen. Anstatt so schnell wie möglich den Berg runter kommen und es dann zu einer olympischen Disziplin zu machen. Wo war da die Schwierigkeit? Schnell genug zu sein? Eiskunstlauf war da viel anspruchsvoller!
„In die Hölle!“  murmelte er. Er wusste, was als nächstes geplant war. Der Haken an der ganzen Sache. Mit Matsumoto einkaufen zu gehen, bedeutete auch zu schoppen. Schrecklich. Richtig schrecklich. Dann fand sie immer seine ganze Garderobe hässlich und außerhalb der Saison. Er hatte eigentlich keine Ahnung von Mode. Obwohl es ein Klischee war. Dieses Klischee bestätigte sich bei ihm nur, weil er Matsumoto kannte. Sie sorgte immer dafür, dass, wenn sie gemeinsam ‚einkaufen‘ waren, er auch nach dem aller neusten Trend gekleidet war. Schrecklich!
„Na, wir kommen nun zum spaßigen Teil der Fahrt!“
„Sagte ich ja, in die Hölle!“
„Nein, ins Schoppingzentrum!“
„Wirklich, klingt toll!“
„Wenigsten eine, die mich versteht!“ bemerkte Matsumoto und warf ihm einen strafenden Blick zu. Oh, er hatte ja solche Angst. Was konnte die ihm schon machen? Außer in den Wahnsinn zu treiben. In den nächsten Stunden würde er definitiv wahnsinnig werden. Er sah es schon vor sich, sie schleppte ihn von Laden zu Laden, stellte ihn in eine Umkleidekabine und warf ihm dann Sachen zu. Nun hatte Matsumoto Rukia im Schlepptau. Diese würde sicherlich an dem Überfall teilnehmen. Großartig. Diese Angelegenheit würde wieder eskalieren.
„Wir werden verfolgt!“ sagte plötzlich Matsumoto mit einem Blick in den Rückspiegel. Sicherlich übertrieb sie nur.
„Du bist auf dem Weg zu einem der bekanntesten Zentren der Gegend. Natürlich sind wir nicht alleine!“ entgegnete er.
„Nein, der da versucht mit Abstand uns zu folgen! Er achtet darauf, egal was ich mache!“
„Oh. Das klingt schlecht! Noch ein heimlicher Verehrer?“
„Oh, bitte nicht!“
„Hallo, Nii-Sama!“ rief Rukia urplötzlich und winkte wie verrückt zur Heckscheibe hinaus. Er sah Matsumoto an. Matsumoto warf einen ebenfalls fragenden Blick ihm zu. Kein Verehrer für Matsumoto. Irgendwie beruhigend.
„Rukia-San, kleine Frage. Peilt ihr Bruder ihre Position an?“
„Möglich?“
„Was für ein Idiot!“ murmelten Matsumoto und er ihm Chor. Das war ja naiv von ihr. Sich einfach so dem Kontrollzwängen ihres Bruders zu unterwerfen. Oder tat sie das, nur weil ihre Familie, naja, speziell war. Wer weiß, vielleicht gab es hierfür ja einen triftigen Grund. Vielleicht war Kuchiki ja auch nur sehr, sehr überfürsorglich.

~Bei Ichimaru~

Er saß gemütlich in einer Ecke eines Cafe in dem großen Einkaufszentrum. Noch war sein Tee warm, aber nicht mehr lange. Es war kaum zu glauben, wie lange Byakuya auf sich warten ließ. Wehe, der meinte, er müsse den Verkehr vorschieben und meinen, dass es so viel stau gab. Das hier war nicht Tokio. Er konnte verdammt nochmal pünktlich sein. Obwohl seine Warterei auch seine Schuld war. Immerhin meinte er, er müsse eine gute halbe Stunde zu früh aufkreuzen. Das hatte er nun davon. Byakuya kam zu spät und er saß vor einem fast kalten Tee. Großartig.
„Hey, Gin. Ich bin schoppen, habe ihn im Schlepptau. Beweg dein Arsch hierher!“ las er die passiv aggressive Nachricht von Ran. Zwar wusste er genau wo hier war. Aber er konnte ja schlecht sagen, dass er schon hier war. Zuerst hatte er ein paar Angelegenheiten mit Byakuya zu klären. Eventuell müsste er den Typen einen Kopf kleiner machen! Was fällt dem Bastard auch ein, sich einfach Shiro-Chan ran zu machen! Shiro-Chan wollte sicherlich ein ruhiges Studium ohne von den großen Firmen belästigt zu werden. Und sicherlich wäre es ihm total unangenehm. Soweit er es beurteilen konnte, hasste Shiro-chan es im Mittelpunkt zu stehen. Sonst hätte er ja auch an dem blöden Contest teilnehmen können. Vergangenheit hin oder her.
Ohne ein Wort zu sagen ließ sich Byakuya gegenüber auf den Stuhl nieder. Und er sah alles andere als begeistert aus. Schon wieder eine kleine Spionage schief gegangen? Sollte er ihn fragen? Wollte er es wissen?
„Und? Wie geht´s dir, Byakuya-Kun?“
Byakuya atmete tief ein und wieder aus. Ah, der war ja in guter Stimmung. Dann musste er sich ja nicht die Mühe machen, ihn zur Weißglut zu treiben. Da war er anscheinend schon. Wie praktisch.
„Und? Was ist schief gegangen? Hat das Opfer deine Spionage entdeckt?“
„Ich verstehe deine Anspielungen nicht!“ antwortete der Kerl seufzend. Es war ja nicht so, dass er nicht wusste, wie man dieses Spiel spielte. Im Gegenteil er genoss es sehr. Nur konnte er es mit Shiro-chan nicht spielen. Der würde irgendwann abschalten und ihn ignorieren. Und wenn Shiro-Chan ihn zu ignorieren begann, dann war das grauenvoll. Für ihn jedenfalls. Weil dann Kira mitspielen würde. Und dann waren sie zu zweit, die ihn ignorieren. Und dann. Dann. Dann hatte er keine Lust mehr darauf…
Also tat er das, was er immer tat. Nett grinsen und die Augen schließen. Ein Anblick, bei dem die meisten Leute einen Anfall bekamen. Selbst Shiro-Chan nannte ihn dann den gruseligen Alten. Da bei war er gar nicht so alt… Shiro-Chan war in letzter Zeit so gemein. Vielleicht war er nur frustriert. Vielleicht vermisste er ihn und ihren gemeinsamen Bettsport. Unweigerlich wuchs sein Grinsen bei diesem Gedanken.
„Nun ja, ich habe Rukia auf dem Weg hierher getroffen. Dabei hatte ich ihr ausdrücklich gesagt, nicht hierher zu kommen!“
„Böse kleine Schwester, was? Und? Wie geht es ihr?“ fragte er höflich. Byakuya war so mies gelaunt, eine Plauderei wirkte schon halsbrecherisch. Auch wenn er es versuchte zu verstecken, seine steife Art zeigte es ihm, er war angepisst. Sehr sogar. Jackpot. Und nichts davon hatte er erarbeiten müssen!
„Ihr geht es gut…“
„Und?“
„Sie ist wie erwartend auch gut in der Schule…“
„Und?“
„Sie macht einen glücklichen Eindruck!“ erzählte der Kerl. Er beobachtete, wie Byakuya die Augen schloss und noch einmal tief einatmete. Er sah ihm an, dass er mit der Fassung kämpfte. Wahrscheinlich erinnerte er sich gerade an das nicht so passende Treffen mit ihr. Aber es sorgte dafür, dass sich Byakuyas Laune verschlechterte. Win-Win-Situation.
„Sag mal, wieso wolltest du dich überhaupt mit mir treffen?“
„Wer sagt denn was von einem Treffen?“
„Wie bitte?“
„Alles was ich zu meinem Vater gesagt hatte war, dass es nett wäre dich wieder zu sehen. Und dass ich wahrscheinlich heute in dem Cafe hier sitze…“ murmelte er und nippte an dem Tee, der inzwischen kalt war. Shiro-chan würde er so gefallen, ganz sicherlich. Unauffällig blickte er hinüber und sah einem erschrockenen Byakuya entgegen. Zwar hatte er nur die Augenbrauen zusammengezogen, aber es war eine Reaktion auf dem steinernen Gesicht. Eine Reaktion, die einfach zu erkennen und lesen war. Punkt für ihn, Byakuya. An der emotionslosen Haltung musste der wohl noch arbeiten.
„Das Genie der Touhou, was? Ich habe mich also durch meine bloße Anwesenheit verraten? Schrecklich. Solch ein Anfängerfehler!“ schimpfte der andere über sein Verhalten. Es war aber auch gar nicht so einfach seinen Vater davon zu ‚überzeugen‘ diese Information weiterzuleiten.
„Vielen Dank!“ meinte Byakuya, als er das Getränk der Kellnerin entgegen nahm. Immerhin hatte er noch Manieren, was? Aber einen Tee zur Beruhigung der Nerven? Waren die Angelegenheiten kürzlich so anstrengend? Oder wollten die Kunden nicht so wie sie es planten? Es gab sicherlich keine großen Probleme. Kleine Personalschwierigkeiten, vielleicht? Aber mehr nicht? Eigentlich lief es doch ganz gut für ihn…
„Und? Wieso bin ich hier?“
„Ich wollte nur etwas ausprobieren?“
„Etwas ausprobieren? Das glaube ich kaum. Auch brauchst du im Moment kein gutes Image an der Touhou. Nein, du hast einen Hintergrundgedanken. Nun würde ich gerne erfahren welchen?“
„Warum denn so gereizt, Byakuya?“
„Das geht dich nichts an!“
„Doch nicht etwa wegen Rukia-San. Vor allem, da es ihr ja nun besser ging. Besonders, nachdem sie Kurosaki kennen gelernt hat…“
„Deine Absichten, jetzt!“
„Es schien doch überaus praktisch gewesen zu sein, dass ich letzte Woche Dienstag schon Vorlesungsende hatte? Und dann die ganze Woche krank war. Deshalb auch nur schwer in Kontakt mit dem begehrten Tensaiji treten konnte, was?“ schlussfolgerte er. Korrekt, wie es schien. Entsetzt starrte ihn Byakuya an. Und dabei war er noch gar nicht fertig. Er war sich sicher, dass Byakuya Shiro-Chan ein Angebot gemacht hatte. Eines, das seinem Shiro-chan gar nicht gefiel. Eines, das dem Kleinen Kopfzerbrechen bereitete. Er wusste, obwohl es nur ein Gefühl war, dass Shiro-chan in der letzten Woche nicht viel schlief. Shiro-Chan lag nicht wach, weil er ihn vermisste. Nein, weil er über dieses Angebot, das Byakuya gemacht hatte, nachdachte. Und nun zu dem verschwörungstheoretischen Teil, irgendwie griff das Angebot auch seine Beziehung zu Shiro-Chan auf. Immerhin wagte Shiro-Chan nicht mit ihm darüber zu reden. Er wusste, Shiro-Chan war äußerst verschlossen und achtete immer darauf nicht negativ aufzufallen. Also hielt der Kleine absichtlich seine Klappe. Er zweifelte, dass Byakuya wusste, dass er Shiro-Chan so eingeschüchtert hatte.
„Das ist doch völlig lächerlich!“
„Das Tensaiji, Hitsugaya Toushirou kennst du doch, oder? Du musst ihn schon mindestens zweimal getroffen haben, stimmt´s?“ fragte er leise. Wenn er glaubte, dass das maximalste was er an Emotionen auf dem Gesicht des Altadligen sah Entsetzten war, hatte er sich getäuscht. Ein Hauch Grauen mischte sich dem erstarrten Blick Byakuyas bei. Ins Schwarze, was?
„Wann sollte ich Hitsugaya Toushirou ein zweites Mal getroffen haben?“
„Wenn nicht eben auf dem Parkplatz ein drittes Mal?“
„Weiche meiner Frage nicht aus!“
„Womöglich bei einem Termin bezüglich eines Vertrags. Ein Angebot für irgendwelche Dienstleistungen. Zu deinem und in guten Glauben auch zu seinem Vorteil. Aber es muss sicherlich einen Punkt gegeben haben, den Hitsugaya nicht mochte, oder?“
„Woher willst du das wissen?“
„Du hast ihn verängstigt!“
„Und? Woher willst du das wissen? Spiel dich nicht so auf! Welche Beziehung hast du schon zu ihm?“
„Oh, ich dachte mein Vater hätte es dir schon erzählt…“ bemerkte er scheinbar beiläufig. Man, er konnte es kaum glauben. Heute hatte er aber einen verdammt guten Lauf. Wohl doch zu viel Stress im Unternehmen. Tja, kann nicht jeder einfach so ein Megakonzern wie Kuchiki Enterprise leiten. Vor allem, wenn die eigene Frau vor einem halben Jahr starb. Oder war es länger her? Es war nicht sonderlich warm an der Beerdigung gewesen, wenn er sich recht erinnerte.
„Wie geht es deiner Mutter?“
„Großartig, aber im Moment sucht sie neue Ideen!“
„Das ist nett zu hören!“
„Zurück zu meinem Alten, hat er wenigsten eine Gehalterhöhung bekommen für seinen Verrat?“
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht. Und findest du nicht, dass Verrat etwas zu dick aufgetragen ist?“
„Nein, ganz im Gegenteil!“
„Was soll das eigentlich?“
„Nichts, ich wollte nur etwas recherchieren!“
„Jetzt bin ich dran. Was soll das eigentlich? Das was du tust, ist doch lächerlich!“
„Ich verstehe nicht ganz…“
„Du sammelst diese Informationen an, aber wofür? Du kannst sie nicht gegen uns verwenden, weil dein Vater unmittelbar darin hängt. Und ich zweifle, dass du losziehst um das Gewissen von Hitsugaya zu erleichtern. Du spielst dich auf, aber wofür?“
„Du hast Recht. Mit diesen Informationen kann ich nicht vor Gericht ziehen…“ bemerkte er nachdenklich. Byakuya hatte es endlich geschafft das Blatt zu wenden, was? Glaubte er immer noch sein Vater und dessen Gehalt, Ruf und Ansehen als Geisel nutzten zu können? Das war ein bisschen spät. Diese Einsicht? Diese Idee ihn anzugreifen. Im Angesicht der Tatsachen hatte er mehr erreicht als er sich erhofft hatte. Aber die Frage blieb trotzdem, was könnte Byakuya nun vom ihm wollen?
„Du willst noch immer Lehrer werden, warum?“
Oh, schon wieder das alte Thema. Er konnte es keinem Recht machen, oder? Seinem Vater nicht. Und jetzt wollte sich auch noch Byakuya einmischen. Wie schrecklich, er bekam es ja gleich mit der Angst zu tun.
„Vielleicht weil mir die Machenschaften deines Unternehmens nicht ganz gefallen!“
„Aber durch dein Schweigen unterstützt du uns ganz gut, das weißt du, oder?“
„Natürlich, aber die Dinge haben sich geändert!“
„Ich glaube, ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass es Hitsugaya war?“
„Womöglich?“
„Sicherlich kümmert ihn es kaum, was du von ihm hältst. Es scheint ihm egal zu sein, was du tust. Immerhin ruft er dich kaum an. Trifft sich selten mit dir. Er erzählt dir nicht alles über sich…“
„Woher willst du das denn wissen? Alles was du weißt, weißt du von mir, da ich es meinem Alten erzählt habe!“
„Er hatte dir nichts von dem Angebot erzählt, oder?“
„Ja, aber, nur weil du ihn verängstigt hast verdammt nochmal!“
„Sei nicht lächerlich. Hitsugaya ist kein kleines Kind mehr, obwohl er glaubt zu Recht zu kommen!“
„Ich weiß das. Blöd nur, dass er keine Hilfe annimmt, was?“
„Ich kann ja verstehen, dass er nicht umziehen möchte, da er so nahe an der Touhou wohnt, aber…“
„Die Grabstätte seine Familie liegt ganz in der Nähe!“ fauchte er. Was glaubte eigentlich dieser Byakuya wer er sei? Könnte einfach so über Shiro-Chan herziehen ohne ihn zu kennen? Mit Halbwissen kam niemand bisher weiter. Und genauso sah es hier aus! Byakuya mag zwar wissen, dass er im Moment alleine lebt, aber warum nicht. Auch schien er nicht nachgesehen zu haben, wer Shiro-Chans Eltern seien. Was wäre der nächste Fakt, mit dem er glaubte mehr zu wissen? Was wollte er Shiro-Chan noch vorwerfen? Hatte der überhaupt eine Ahnung wie es Shiro-Chan ging? Was für eine Zeit er neben der Beziehung durchmachen musste? Shiro-Chan brauchte diesen Scheiß nicht! Alles was brauchte war seine Ruhe, um sich etwas auf sich zu konzentrieren. Zur Hölle, er war sich nicht einmal sicher, ob Shiro-Chan seine Sexualität vollkommen begrüßte. Er würde es wissen, wenn er mehr Zeit für Shiro-Chan hätte. Verdammt nochmal, Byakuya kam ungelegen.
„Dann weißt du ja auch von der Sache Kobayashi!“
„Natürlich, er hatte es versucht zu verstecken, aber ein fliederfarbenes Hemd und eine Perücke fallen nun mal auf!“
Das war gelogen. Hoffentlich hatte Kuchiki nicht gelogen. Er war sich bei dieser Kobayashi Sache immer noch nicht sicher. Klar, Shiro-Chan sah Kobayashi ähnlich. Aber Shiro-Chan hatte ihm nie gestanden, dass er es war. So ein Dreck.
„Nein, hast du nicht!“
„Doch habe ich, oder hast du einen Beweis!“
Bitte nicht. Er sollte keinen Beweis haben.
„Ich kann nur beweisen, dass er Kobayashi ist. Und das weiß Hitsugaya auch. Aber, nein ich habe keinen Beweis dafür, dass du es wissen könntest!“
Also, er war sicher. Aber Kuchiki hatte eigene Beweise. Welche? Bessere als seine Lügen?
„Ich bin von der Leitung der Hyoushou beauftragt wurden zwei Aufnahmen zu vergleichen. Positives Ergebnis. Es unterstützte meine Nachforschungen ebenfalls. Ich hatte Bilder von seinen Bewegungen während er arbeitete und während des Programms!“
Stimmt, Shiro-Chan stellte die Füße häufig hinter einander, so als würde er sich drehen. Eine blöde Angewohnheit, die ihm das Genick brach, was?
„Du spionierst ihm nach?“
„Er könnte es durchaus weit in unseren Konzern bringen…“
„Halt dich fern von ihm!“
„Das kann ich nicht versprechen!“
„Wieso das denn?“
„Er ist ganz schön vielversprechend! Sei doch froh, dass ich ihn unter die Fittiche nehme und kein anderes Unternehmen. Wer weiß an was für Leute er geraten könnte?“
„Wahrscheinlich an aufrichtigerer als dich!“
„Warum so emotional? Ich kenne dich so doch gar nicht?“
Er? Emotional? Wie kam der denn darauf? Was sollte denn sonst tun? Däumchen drehen? Sein O.K. geben? Alle Welt schien hinter Shiro-Chan her zu sein ohne zu wissen wie schlecht es ihm dadurch erging? Er war nicht emotional. Nein, er war verdammt noch mal wütend! Er musste wohl das Tensaiji einsperren und vor aller Welt verstecken, damit er auch mal Zeit für ihn hatte, was? Aber das würde Shiro-Chan natürlich nicht gefallen. Genauso wenig Ran. Genauso wenig Kaa-San. Und genauso wenig Byakuya. Weil sie alle glauben, sie tun das Richtige? Hat einer von denen jemals Shiro-Chan gefragt? Hat sich jemals einer von ihnen, irgendeiner, darum gekümmert wie es ihm ging?
Nein, sie waren alle nur hinter seinem Talent her. Die Person war ihnen doch egal. Sie alle hatte doch keine Ahnung, dass Shiro-Chan ein Mensch genau wie sie war. Dass er auch über Bedürfnisse verfügte. Immerhin hatte Shiro-Chan auch das Recht zu träumen und Wünsche zu verfolgen. Aber wie sollte er das tun, wenn er immer alles und jedem gerecht werden musste. So konnte das nicht weiter gehen!
Wie bekam er Byakuya dazu seine Interesse an Shiro-Chan zu verlieren.
„Wir kommen so nicht weiter…“ brummte er, nachdem er seinen Tee leerte. Selbst Tee half ihm nicht seine Gedanken zu sortieren. Etwas, das er dringend musste. Zudem musste er sich beruhigen, bevor er Byakuya den Kopf abriss.
„Ich stimme dir zu. Du bist ein recht hartnäckiger Verhandlungspartner!“ meinte der andere und nippte an seinem Getränk. Der Typ war manchmal so scheiße arrogant, dass er sich bei seinen bloßen Anblick übergeben könnte.
„Besser wir trennen uns für einen Moment?“
„Ich stimme zu!“ bemerkte Byakuya und kramte aus seiner Jackentasche eine Visitenkarten und einen Kulli hervor. Schnell notierte er etwas. Währenddessen konnte er spüren, wie sein blödes Grinsen wuchs.
„Meine Nummer, falls du vor mir mit eine treffende Idee hättest!“
„Oh, also ist das der Grund, weshalb du willst, dass ich mich trenne. Du hättest es ruhig sagen können!“ säuselte er, als er die Karte entgegen nahm. Komm schon. Der Spruch musste sein. Anhand des fast unterdrückten Augenrollens seines Gesprächspartners konnte er sehen, dass er ins Schwarze getroffen hatte. Perfekt. Kleines Highlight des Tages. Aber das Highlight der Woche würde der Abend mit Shiro-Chan sein. Da war er sich ganz sicher.
„Also, auf Wiedersehen Byakuya-Kun!“ scherzte er und erhob sich. Nun musste er nur noch schnell verschwinden, bevor Shiro-Chan oder Ran-Chan ihn fanden. Toushirou wäre wenig begeistert. Im Gegensatz zu Ran, sie würde ihn mit schleppen und genauso quälen wie Shiro-Chan. Beides waren Optionen, die ihm nicht gefielen.

~Bei Hitsugaya~

„Nein, Rukia, ganz viele kalte Farben! Es unterstreicht seine Augen, sein Haar und seine unterkühlte Persönlichkeit!“
„Jawohl!“
Alles was er nur noch wollte war tot umfallen. Auf der Stelle. Und zwar sofort. Er hielt das nicht mehr länger aus. Inzwischen hatte er vergessen wie viele Hosen Matsumoto ihm an den Kopf geworfen hatte. Oder wie viele Hemde, Shirts und Vesten. Sogar Cardigan. Die Dinger kannte er davor nicht einmal. Aber er musste zugeben, dass sie bequem waren, bis Matsumoto es kommentierte. Er, mal wieder gezwungen ein Outfit anzuprobieren, das aus einem weißem Hemd, beigen Cardigan, der, da war er sich ebenfalls ganz sicher, nicht zufällig ein paar Nummern zu groß war, und einer lässigen Jeans. Zwar hatte er keine Ahnung, woher Rukia-San plötzlich eine schwarz geränderte Brille hatte, aber er hasste sie dafür.
„Er sieht voll niedlich aus! Wie ein verschlafenes Idol!“ quiekte Rukia-San hocherfreut.
„Ich sehe nichts!“ kommentierte er und schloss die Augen. Durch diese Brille zu sehen war unglaublich schwer und er bekam sofort Augen- und Kopfschmerzen davon. Er mochte das Ding nicht. Schluss. Aus. Basta. Das Ding würde hierbleiben.
„Wohl eher ein übermüdetes Idol!“ verbesserte Matsumoto.
Er hatte er bereits erwähnt, dass er nur noch tot umfallen wollte?
Kurzdarauf verschwanden sie wieder. Er hoffte, dass Matsumoto den Cardigan nun in der richtigen Größe holte. Rukia-San meinte, er solle das Hemd noch nicht ausziehen. Allmählich bezweifelte er, dass es eine gute Idee war Rukia-San mit zum Einkaufen zu nehmen. Naja, sie hatte Spaß. Und er hatte gewusst, dass es auf seine Kosten sein würde. Aber nun war er wirklich müde und wollte sich nur noch etwas ausruhen.
„Fang!“ rief Matsumoto zu, als wieder in der Kabine stand. Zudem machte sich keine der beiden Frauen die Umstände ihn zu warnen, bevor sie eintraten. Und er glaubte, dass Matsumoto es darauf anlegte. Warum? Da war er sich noch nicht so ganz sicher. Ob sie nur gaffen wollte? Oder nachschauen, ob er nicht irgendwie verletzt war…
Er wendete den Cardigan mehrmals in seinen Händen bis er das Schild fand. Jap, es war ausnahmsweise seine Größe. Er würde ihr später dafür danken.
„Da bin ich wieder!“ kündigte sich Rukia-San an, als sie den Kopf schon zur Kabine hineingesteckt hatte. Warnungen sprach man davor aus. Davor. Sonst wäre es ja witzlos. Es sollte ja warnen.
„Bitte, keine Brille!“ murmelte er so leise er konnte und hoffte nicht gehört zu werden.
„Sei nicht so miesepetrig!“ knurrte Matsumoto mit einem strengen Blick. Er nickte.
„Hier!“ bemerkte Rukia-San und streckte ihm ein Jackett und eine Krawatte entgegen. Eine Krawatte. Wie zur Hölle band man eine Krawatte? Seine Großmutter wusste das. Er war sich sicher, dass Matsumoto das auch wusste. Aber es würde darin enden, dass er stranguliert werden würde.
Er seufzte müde und warf sich das Zeug über. Die Krawatte war vorgebunden, sodass er sie nur noch enger machen musste.
„Er muss nur noch die Haare zurück machen, dann sieht er wie ein Geschäftsmann aus, was?“ schwärmte Matsumoto.
„Wonach sieht das hier denn aus? Ich versuche es. Jeden Morgen!“ erklärte er und fuhr sich durch die Haare. Großer Fehler.
„Sexy!“ murmelte Rukia-San. Sein Mund fiel auf. Was? Verdammt. Vielleicht sollte er sich weniger bewegen, wenn er schon in solche Sache gesteckt wurde.
„Stimmt!“ stimmte Matsumoto zu. Bitte, nein! Er sah etwas Böses aus sich zu kommen! Etwas ganz, ganz böses!
„Yo, mach mal die Krawatte locker und ein paar Knöpfe auf!“
„Was? Nein!“
„Komm schon!“
„Nötige mich nicht!“
„Man, werd´ mal locker!“
„Ich glaube, ich habe vorhin noch was Gutes gesehen!“ quatschte Rukia-San dazwischen. Sofort fing sie Matsumotos Aufmerksamkeit ein und die Miene der Frau erhellte sich. Sie versicherte ihr, dass sie gleich nachkommen würde, sie wollte nur noch schnell ihm aus den Sachen helfen. Als ob er Hilfe brauchte? Er bekam dieses Krawatten-Ding schon irgendwie ab ohne der vorgefertigten Knoten zu lösen. Irgendwie ohne sich ausversehen dabei zu strangulieren. Tod durch Krawatte, klang gar nicht so abwegig.
„Alles in Ordnung zwischen dir und Gin?“
„Ja, warum fragst du? … Oh, wegen Rukia-San? Gin und ihr Bruder meinten, wir sollten uns kennen lernen…“
„Warum sie? Ich meine, Kuchiki ist alter Hochadel, wie kommst du nur an solche Leute?“
„Campus. Sie … ich … ich habe dafür keine gute Erklärung…“
„Ach, was? Ist etwas passiert?“
„Schlecht zu erklären… “
„Ich werde Gin fragen!“
„Kein Problem…“
Und damit verschwand sie. Irgendwie fiel die plötzliche Spannung ab. Ihr strenger Blick, der ihn nach dem noch so kleinen Detail absuchte. Details, die verraten könnte, dass er log. Aber lockerer oder gar erleichtert fühlte er sich nicht. Nein, im Gegenteil. Obwohl Matsumoto schon längst verschwunden war, spürte er noch immer ihre Blicke auf seiner Haut. Jeder winzigen Bewegung folgten sie. Alles, was verdächtig sein konnte, wurde gemeldet. Es war mehr als nur gruselig. Irgendwie grauenvoll. So als wäre er ungewollt in den Fokus einer Ermittlung geraten. Einer Ermittlung deren Zweck, Ursache und Details er nicht kannte. Nur, dass er darin eingeschlossen war. Er wusste nicht, was er sagen sollte, da er nicht wusste, was Matsumoto wusste. Wenn er etwas Falsches sagte, würde er sich verraten. Etwas Richtiges sagen konnte er nicht, weil er nichts von Matsumotos Ermittlungen wusste. Es war ein schreckliches Gefühl. Er wollte nur noch nach Hause.
Er musste sofort raus hier, solange er noch bei Verstand war!
„Wir sind zurück!“
Oh verdammte Scheiße, nein!
Natürlich warf ihm Matsumoto die Sachen wieder entgegen. Wieder auf Höhe seines Gesichts. Vielleicht weil er so ungewöhnlich klein. Aber das bedeutete nicht, dass sich Matsumoto daraus einen Spaß machen konnte. Großartig. Wirklich. Mal nachsehen, was er da im Gesicht hatte. Etwas Grünes. Etwas Weiches. Nur ein weiteres Shirt? Damit konnte er leben, solange nichts Peinliches darauf zu sehen war.
„Fertig!“ knurrte er. Sofort wurde der Vorhang zur Seite geworfen und zwei Köpfe starrten hinein.
„Es passt!“ bemerkte Rukia-San und schien ziemlich zufrieden zu sein. Sicherlich war es ihre Wahl. Er mochte es. Es war nicht so hervorstechend wie die anderen Sachen.
„Es ist okay! Ich werde es behalten!“
„Gut, weiter geht´s!“ erklärte Matsumoto und verschwand wieder. Großartig. Einfach … großartig…

~Am Abend, bei Hitsugaya~

Er fiel auf das Bett. Mit dem Gesicht zuerst ins Kissen. Und seufzte. Er war müde. Sicherlich würde er gleich einschlafen. Sein ganzer Körper tat weh. Seine Füße schmerzten als hätte er eine … keine Ahnung … zwölf-Stunden Schicht gehabt? Oder noch mehr Stunden.
Sein Handy vibrierte. Sicherlich war es Gin. Natürlich war es Gin. Wer sonst? Er war alleine. Hatte nicht viele Leute. Vielleicht sollte er endlich rangehen?
„Hey Shiro-Chan! Wie geht´s dir?“
„Gin, ich bin müde. Ich schlafe gleich ein! Mach schnell!“
„Dann lass mich rein!“
„Warte! Du stehst vor meiner Tür?“ fragte er und schrak auf.
„Ja…“ antwortete Gin. Er sprang auf. Woher er plötzlich die Energie dafür hatte, wusste er nicht. Gin war da. Obwohl er sich nicht sicher war, ob er mit Gin über die Sache mit Kuchiki reden sollte. Hoffentlich würde er nicht danach fragen.
„Hey!“ raunte Gin verführerisch, als er die Tür öffnete. Am liebsten wäre er ihm um den Hals gefallen. Aber, naja, er wollte warten bis Gin im Warmen war und die Nachbar sie nicht mehr beobachten konnten. Er trat zur Seite, machte den Weg für Gin frei. Plötzlich, da fühlte er sich nicht mehr so einsam. Es tat gut. Ja, verdammt, es tat gut. Und vielleicht war es endlich mal wieder Zeit, dass sie sich trafen. Endlich wieder aufatmen und durchatmen. Wirklich, selbst, wenn es nur für ein paar Stunden war, er brauchte es. Eine Pause, wie die anderen es nannten.
„Ich habe gehört, du hast jemanden mit gebracht zum Shoppen…“ wisperte Gin. Urplötzlich war er so nahe. Er konnte seinen Atem in seinem Nacken spüren. Irgendwie mochte er dieses Gefühl. Er drehte sich um, um Gin endlich zu sehen. Etwas, das er unglaublich vermisste. Obwohl er es lange nicht glauben konnte. Jemanden vermissen, der noch lebte und er jeden Tag Kontakt hatte. Auch wenn es nur über das Handy war. Gin küsste ihn auf die Lippen, bevor er die Chance, gar die Idee hatte es ebenfalls zu tun. Und diese sanften Lippen, die sich plötzlich zart die seine berührten, war all die Müdigkeit vergessen. Er umschlang Gins Hals mit seinen Armen, wollte ihn in nächster Zeit nicht mehr loslassen. Die sanfte Berührung wurde langsam zu einem gierigen Pressen beider Lippenpaare auf einander. Inzwischen hatte Gin ihn angehoben, er schlang seine Beine so fest er konnte um Gins Hüfte. Er wollte nicht loslassen. Auf keinen Fall. Nicht jetzt. Und er öffnete den Mund, gewährte Gin endlich den verlangten Einlass. Und er das gierige Pressen wurden zu einem stürmischen Zungenkuss. Genau das hatte er vermisst. Er ließ nicht locker. Versuchte gegen den übermächtigen Gin anzutreten. Obwohl es ihm alles andere als gelang, war er immer noch zufrieden. Nein, er gab sich völlig hin. Gin spielte mit ihm. Es war völlig in Ordnung. Immer wieder stupste Gin seine Zunge an, fuhr über sie oder erkundete seine Mundhöhle. Zwar hatte er den Kampf gegen den Eindringling aufgegeben, aber er musste sich konzentrieren. Eine andere Front tat sich auf. Vielleicht wäre es ja unglaublich peinlich, wenn er gleich eine Latte hätte. Obwohl Gin seine Arbeit verdammt gut machte.
„Gin?“ hauchte er, als sie sich zum lästigen Luftholen trennten. Er war noch immer müde. Und noch viel erschöpfter. Vorsichtig lehnte er seinen Kopf gegen Gins Stirn.
„Was ist, Shiro-Chan?“ fragte Gin und lächelte. Es war ansteckend. Er begann ebenfalls müde zu lächeln. So gut er konnte, denn er kämpfte mit aller Kraft gegen die Müdigkeit an. Und diese Müdigkeit war verdammt stark. Und hartnäckig.
„Bringe niemals noch eine weitere Frau zu einem Einkaufstrip mit Matsumoto mit!“ warnte er ihn und nippte an der Lippe seines Gegenübers. Glauben konnte er es nicht, dass er den Geschmack des anderen vergessen konnte. Und der Gedanke alleine schmerzte.
„Ran meinte, du wärst dagegen gewesen ein paar Fotos zu machen!“ raunte Gin plötzlich in sein Ohr. Ein angenehmer Schauer lief ihn den Rücken hinab. Dieses neue Gefühl, er mochte es. Und er wollte unbedingt mehr davon. Aber morgen vielleicht. Heute nicht mehr. Es war schon schwierig die Beine um Gins Hüfte zu halten. Irgendwie hatte er die Kraft dazu kaum noch…
Er bemerkte kaum, wie Gin ihn immer fester umschlang und langsam das Schlafzimmer ansteuerte. Sein Blick war allein auf die Augen seines Gegenübers gerichtet. Sie waren noch schöner als er sie in Erinnerung hatte. Himmelblau. Etwas kühl, aber voller Emotion. Er wollte dieses Augenpaar küssen, aber er glaubte, dass Gin sie noch brauchte. Schade eigentlich…
„Gin?“ erschrak er, als er sich plötzlich in seinem Bett wieder fand. Sollte er ihm sagen, dass er Augenblicke von erholsamem Schlaf entfernt war? Eigentlich war das Bett so ziemlich gefährlich. Naja, wie lange konnte er dem verlockenden Schlaf noch standhalten?  
Unterdessen machte sich an seinem Shirt zu schaffen. Mühelos schob er es nach oben. Seine Hände waren so unglaublich sanft. Jede einzelne Berührung prickelte. Er atmete durch. Mal sehen, wie lange er den Schlaf aufhalten konnte…

Er verteilte Küsse von dem Brustbein hinab zu dem kleinen Bauchnabel des Kleinen. An besagten Punkt stoppte er. Shiro-Chan war seltsam. Er reagierte kaum. Eigentlich müsste er, oder? Neckend nippte er an den Bauchnabel des anderen. Hoffte, dass es reichte um eine Reaktion zu bekommen. Irgendeine. Misstrauisch sah er auf und begann zu kichern. Er hätte es ihm auch sagen können.
„Oyasumi Nasai (jap. Gute Nacht), Shiro-Chan!“ raunte er und richtete das Shirt von Shiro-Chan wieder her. Anschließend erhob er sich und machte einen kleinen Rundgang. Überall wo Licht brannte, löschte er es. Auch schloss er alle Türen. Morgen würde er Shiro-Chan früh wecken, sodass sie rechtzeitig zum Frühstück bei ihm wären. Immerhin brauchte er neue Kleidung. So wie er jetzt aussah konnte er sich schlecht in der Uni blicken lassen. Das Geläster wäre wieder groß. Und Shiro-Chan wollte er so etwas nicht antun.
Nachdem er sich die Jeans abgestreift hatte und sich zu Shiro-Chan unter die Bettdecke gesellte, konnte er nicht anders, als ihn anzustarren. Immerhin hatte er noch ein paar Stunden. Es war ja erst halb neun. So früh hatte Shiro-Chan wahrscheinlich noch nie geschlafen. Aber es tat ihm gut. Wenn er ihn so ansah, dann er hatte er den Beweis für seine Idee. Die Idee, dass Shiro-Chan aufgrund Byakuyas blöden Angebots sich den Kopf jede Nacht deshalb zerbrochen hatte. Etwas, das er nicht verdient hatte. Wenn er die tiefen, dunkeln Augenringe des Kleinen sah, dann schmerzte es in seiner Brust. Sein Herz zog sich qualvoll zusammen. Sollte er ihm sagen, was er wusste?
Zwar glaubte er nicht, dass Shiro-Chan etwas zu Abend gegessen hatte. Womöglich auch in den letzten Tagen nicht. Er wusste ja, dass Shiro-Chan keine Absicht hatte, so mager zu bleiben. Im Gegenteil er begann zu verstehen, warum es ihm oftmals so schwer fiel. Aber dies war kein Zustand, den Shiro-Chan weiterhin folgen sollte. Seiner Gesundheit wegen.
Er begann das Haar des anderen zu streicheln. Es war nicht mehr so seidig sanft wie er es gewohnt war. Dennoch schimmerte es hell in dem fahlen Licht des Mondes, das sich im Schnee vor dem Zimmer reflektierte. Zum Glück. Sonst könnte er die zarten Gesichtszüge Shiro-Chans nicht studieren. Für sein Alter sah er noch ziemlich jung aus. Vor allem diese runden Wangen erinnerten an das Gesicht eines Babys. Sanft stahl er ihm einen Kuss, bevor wieder begann den Kleinen über den Kopf zu streicheln.


Hallo, der Autor hier, Sie winkt kurz und hofft, dass allen Lesern das Kapitel gefallen hat. Zudem wünscht der Autor noch eine angenehme Woche. Bis zum nächsten Kapitel!
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