Geschichte: Fanfiction / Anime & Manga / Bleach / Eis

Eis

von Serenael
GeschichteRomanze, Angst / P16
Hitsugaya Toushirou Ichimaru Gin
05.05.2018
11.07.2019
42
222063
3
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~Samstagmorgen, 27.01~

~Bei Hitsugaya~

Er seufzte und drehte das Wasser auf. Es war eiskalt und er brauchte einen langen Moment sich daran zu gewöhnen. Aber das brauchte er jetzt. Etwas, das ihn nicht warm einlullte. Etwas, das ihm nicht zu wisperte, dass alles in Ordnung sei.
Was sollte er nur tun? Es konnte nicht ewig so weitergehen. Gin würde hier auftauchen, sobald ihn Ichimaru-San wieder erlaubte das Haus zu verlassen. Warum dies der Fall sein wird, war natürlich seine Schuld. Er saß das Bild schon vor sich. Er machte angepisst die Tür auf und blickte einem atemlosen, sorgenvollen Gin entgegen. Was sollte er dann tun? Was sollte er Gin sagen, wenn er zu Recht fragte, warum er ihm die ganze Woche aus dem Weg ging. Die ganze Woche schon wollte Gin mit ihm reden, aber fand immer einen blöden, nichtigen Vorwand dies zu unterbinden. Mal war er lernen. Ein anderer Mal war er einkaufen. Daraufhin gab er Hanekawa Nachhilfe. Oder er war arbeiten, so wie gestern Abend. Und er mag verdammt sein das plötzlich helfende, herrliche Angebot an zu nehmen. Allein die Vorstellung sich von gewissen Individuen nie wieder so demütigen zu lassen, klang ehrlich gesagt berauschend.
Er ballte die Hand zu einer Faust und schlug gegen die gekachelte Duschwand. So eine Scheiße. Das war doch genau das, was Kuchiki von ihm wollte! Er sollte dieses behinderte Angebot eingehen, damit er nie wieder so eine Scheiße mit machen musste.
Die Schmerzen in seiner Hand spürte er nicht. Womöglich weil das eiskalte Wasser für ein Taubheitsgefühl sorgte. Ehrlich, es war ihm egal. Wieder seufzte er, wie die unzähligen Mal zuvor an diesem Morgen.
Es klingelte an der Haustür. Sein Haupt schrak nach oben. Gin? Verdammte Scheiße, nein! Eilig drehte er das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Schnell zog er sich ein paar Sachen über, warf ein Handtuch über die noch klatschnassen Haare. Auf dem Weg zur Tür, rubbelte er seine Haare so schnell wie möglich trocken. Damit die Tropfen seiner Haare sein Shirt nicht benässten, ließ er das Handtuch auf seinen Schultern liegen, als er die Tür öffnete.
„Ohayou Hitsugaya-San!“ begrüßte ihn eine zarte Stimme mit einem Lächeln auf den Lippen. Verdammte Scheiße. Er würde Kuchiki töten! Und zwar mit seinen eigenen Händen. Langsam und qualvoll.
„Ohayou Kuchiki-San!“ begrüßte er die junge Frau genauso höflich wie sie ihn. Er stieß die Tür weiter auf und ließ sie eintreten. Was sollte er sonst tun? Sie in der Kälte stehen lassen? Er mag zwar emotional unterkühlt sein, aber gesellschaftliche Normen kannte er und wusste, dass er sie fast immer anwenden musste.  
„Ich habe Kaffee mitgebracht!“ erklärte sie unnötigerweise, da die zwei Pappbecher in ihren Händen schon längst daraufhin wiesen. Aber er wollte nicht unhöflich sein und erwiderte nichts. Er nahm ihr die beiden Becher ab, sodass sie ihre Schuhe ausziehen konnte.
„Entschuldigung, aber ich hatte nicht so früh mit Ihnen gerechnet!“ murmelte er, als er ihr den Weg in die Küche zeigte.  
„Ah, passt schon!“
„Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich mich schnell noch umziehen!“ erklärte er schnell. Sie lächelte noch immer freundlich. Das musste sie, oder? Das waren Anweisung, stimmt´s? Immerhin möchte ja Kuchiki, dass er … Ach, dafür hatte er im Moment keinen Kopf.
„Kein Problem!“ antwortete sie und verschwand so schnell er konnte ins Bad. Wenn Gin ihn überrascht hätte, er sich nicht die Mühe gemacht und sich umgezogen, aber bei ihr? Wenn er weiterhin in Boxer herum lief, dann nahm sein Selbstwertgefühl wieder verdächtig schnell ab. Im Bad rubbelte er erneut die Haare trocken und hasste sich dafür. Diese Mähne bekäme er in nächster Zeit nicht mehr gebändigt. So ein Dreck. Er zog sich schnell eine Jeans an, die in irgendeiner Ecke lag und noch gut roch. Das Shirt zog er sich über den Kopf, während er zur Küche lief. Seine Haare so wie sie waren, waren sie ein größeres Chaos als das sie es schon waren, nachdem er heute Morgen aufgestanden war.
„Entschuldigung, dass Sie warten mussten!“ bemerkte er schnell und machte sich an den Schränken zu schaffen. Irgendwo hatte er noch Mochi. Irgendwo. Gegessen hatte er sie nicht, so viel wusste er. Und gut waren sie auch noch, denn er hatte sie erst vorgestern gekauft.
„Kein Stress, mein Bruder hätte mich auch ankündigen können!“ kommentierte sie und lachte. Für einen Moment wollte er ebenfalls mitlachen, aber dann fand er endlich die blöden Mochi. Hoffentlich würden sie ihr schmecken. Viel mehr hatte er nicht. Er ging eher spontan einkaufen und dann auch nur das, was er in den nächsten zwei Tagen brauchte. Das er überhaupt Mochi war ein Wunder.
„Eigentlich hatte ich ja gewusst, dass Sie kommen. Naja so ungefähr…“ kommentierte er, während er sich nach einer Schachtel streckte. Wieso zur Hölle hatte er den Reis vor die Mochi gestellt? Vor allem, wie kam er überhaupt auf die Idee beides in ein Fach zu stellen? Seine Ordnung hatte für gewöhnlich ein System, aber das? Naja, in letzter Zeit, war er nicht ganz bei sich.
„Bitte, bedienen Sie sich!“ bat er und setzte sich endlich ihr gegenüber. Man, das war ja peinlich so lange zu suchen. Unterdessen schob Rukia ihm den anderen Kaffee zu. War es arg dreist diese Mochi sein Frühstück zu nennen? Immerhin war er noch keine halbe Stunde wach. Und wie spät war es? Halb zehn?
„Die sind ja gut! Ich muss mir unbedingt die Marke merken!“ sagte Rukia mit vollem Mund. Erst im Nachhinein hob sie ihre Hand vor den Mund. Verlegen, dass ihr so ein peinlicher Fehler unterlief.
„Die sind von einem Bäcker nahe dem Convini!“ erklärte er und griff ebenfalls zu.
„Echt? Die sind noch handgemacht?“
„Dafür ist er bekannt!“
„Cool!“ merkte Kuchiki an und strahlte. Nun ja, das war einfach. Nur so nebenbei bemerkt, sie war schon ein schönes Mädchen. Vor allem, wenn er ihr in die Augen sah. Diese waren so tief und dunkelblau, dass er glaubte, dass sie einen violetten Farbton hatten. Aber naja, schön war sie und da hörte es mit seinem Interesse auch schon wieder auf.
„Bekäme ich Ihre Handynummer?“ fragte sie nun etwas schüchtern. So, als wäre ihr die Frage etwas peinlich.
„Klar!“ bemerkte er und zückte seines aus der Hosentasche. Sie tat es ihm gleich, obwohl er zweifelte, dass sie ihres in der Hosentasche trug. Er legte es auf den Tisch, sodass sie seine Nummer abschreiben konnte.
„Damit Kuchiki ein Bewegungsprofil von mir hat?“ hinterfragte er murmelnd und stützte den Kopf mit einer Hand.
„Ich hoffe nicht…“
„Aber?“
„Er macht schon den Eindruck als würde er es tun, oder?“
„Nun ja, immerhin hatte er es nicht auf die Reihe gekriegt meine Adresse vor dem Vorstellungsgespräch heraus zu finden…“
„Wirklich?“ fragte sie nun kichernd. Was war denn daran so lustig? Oder war es ein Insider, den nur sie kannte? Sie sah auch nicht so aus, als würde sie es ihm erklären wollen. War ja auch egal. Kuchiki würde ihm auch anderweitig Probleme bereiten. Blöd nur, dass Hanekawa Kuchiki da zuvor kam. Oder er arbeitete auf Kuchikis Befehl hin. Egal, es war egal. Völlig egal. Nun musste er sich erst einmal darum kümmern, dass Kuchiki-San sich wohl fühlt. Nicht, dass er die Absicht hätte sie zu daten, aber ihm schien sie befand sich in einer ähnlichen Lage.
„Man, Sie sind aber ruhig!“ beklagte sich Kuchiki-San, nachdem sie sich endlich beruhigt hatte. Ob sie das Lachen nutzte um ihr Unwohlsein zu verbergen? War sie so etwas gewohnt? Muss ja die Hölle sein mit Kuchiki zu leben…
„Oder wissen Sie nicht wie man mit Frauen redet?“
„Es ist wahr, ich bin keine sonderlich gesprächige Persönlichkeit!“ ließ er sie wissen. Womöglich sagte er es etwas zu scharf, da sie sichtlich erschrak. Er sah schon, mit Frauen kommunizieren konnte er hervorragend. Es gab überhaupt keine Missverständnisse. Er war ein echter Womanizer. So ein Dreck. Er bekam das Maul nicht auf, weil er selbst nicht wusste worüber er reden sollte. Ohne, dass sie das Gefühl hatte er würde sie ausfragen. Aber er kannte sie nun mal kaum. Er hatte sie nur einmal nachts im Pub getroffen und sie schien nicht sonderlich daran interessiert zu sein dem Gespräch zu folgen.
„Oder daran, dass in ihrem Fach kaum Mädchen sind!“ kommentierte sie. Wo sie Recht hatte, hatte sie Recht. Er hatte gehört, dass die Touhou mit Abstand die geringste Schülerinnenquote hatte als alle anderen Universitäten. Und dann in seinem Fach, wo es allgemein kaum Frauen gab, waren nur eine Handvoll Studentinnen. Und keine von ihnen kam aus besagten elitären Verhältnissen.
„Wohl wahr!“
„Haben Sie denn überhaupt weibliche Freunde?“
„Ich wüsste nicht, was Sie das angeht. Aber zu ihrer Frage, ja.“
„Viele?“
„Nein…“
„Wie viele?“
„Zählen Kolleginnen?“
„Nein!“
„Dann zwei!“
„Und wie viele Freunde haben Sie insgesamt?“
„Drei?“
„Nicht Ihr Ernst?“
„Doch, oder sehe ich so aus, als würden die Leute freiwillig gerne mit mir abhängen?“ hinterfragte er sie und fuhr sich mit einer Hand durch das nasse Haar. Vielleicht würde sie ja den Hinweis verstehen. Sie sah ihn immer noch perplex an. Verstand sie den Hinweis nicht? Der war doch gar nicht so schwierig. Das konnte doch jeder versehen, oder?
Zudem konnte er Ukitake und Kyouraku nicht zu seinen Freunden zählen. Nicht weil sie ausgewachsene Männer waren, sondern über einen viel zu großen Beschützerinstinkt ihm gegenüber verfügen. Das war gruselig manchmal. Vor allem, wenn Ukitake ihn schon wieder adoptieren wollte. Oder Kyouraku ihn dazu animieren wollte, etwas oder mehr Alkohol zu trinken. Am besten, wenn er als Gast da war und ihn aufforderte mit zu trinken. Wenn er unterhalten werden wollte, musste er sich schon in die entsprechende Bar begeben!
Und diese wilden Freaks von der elften Einheit, so nett sie auch sein konnten, zählte er auf keinen Fall dazu!
Ansonsten blieben noch Momo, Matsumoto und Gin. Man, er hatte ja einen besonders kleinen Freundschaftskreis… Das war fast schon deprimierend. Und dann sollte er Gin auch noch aufgeben? Das brachte seine Freundschaftskreisbalance durcheinander. So  etwas konnte er sich nicht leisten. Er brauchte eine Freundschaftskreisbalance!
„Und? Wie sieht es mit ihnen aus? Haben sie so viele Freunde?“
„Ahm, naja, das ist Privat!“
„Aber sie dürfen mich ausfragen und sich über mich lustig machen…“
„Entschuldigung, das war nicht nett!“
„Aha!“ bemerkte er und rollte die Augen.
„Wirklich enge Freunde? Davon habe ich wahrscheinlich nicht viel mehr als Sie!“ murmelte sie vor sich hin. Ach, ihn ausfragen und sich über ihn lustig machen, war okay. Aber mit ihr durfte er das nicht machen, was? Kuchiki würde ihn ja ansonsten umbringen. Etwas, das er durch die Blumen angedeutet hatte. So ein Arsch, drückte ihm einfach seine Adoptivschwester auf!
Gedankenversunken nippte er an dem Kaffee. Etwas, das er eigentlich kaum leiden konnte. Aber das Mädchen hätte es nicht wissen können. Außer Kuchiki spionierte ihm hinterher. Eine Vorstellung, die ihn erschaudern ließ. Noch mehr Verrückte. Reichten Matsumoto, Gin, Ukitake, Kyouraku und Tanokata nicht aus? Konnte er überhaupt noch mehr Verrückte aushalten oder gar mit ihnen umgehen. Was soll die Scheiße überhaupt! Konnte die ihn nicht einfach in Ruhe lassen?
„Entschuldigung, ich frage mich das schon länger. Es mag auch unhöflich sein… Aber wie haben Sie sich die Haare gefärbt?“
Ein Grund. Ein einziger Grund. Nur ein einziger verdammter Grund, warum er das Mädchen nicht vor die Türe setzen sollte. Und Kuchiki zählte dieses Mal nicht!
Was kam als nächstes? Wieso er so klein war? Was konnte er dafür, verdammt nochmal! Es war ja nicht so, dass er es sich ausgesucht hätte!
Er griff nach der widerspenstigen Strähne, die ihm stets vor den Augen hing, egal was er tat. Er bekam sie einfach nicht wegfrisiert. Sie fiel ihm immer wieder ins Gesicht. Er sonderte aus dem kleinen Büschel ein einzelnes Haar heraus. Kurzdarauf riss er es sich heraus und übergab es dem Mädchen, das ihn verstört anstarrte.
„Hier, schauen Sie selbst!“ kommentierte er noch weniger höflich als zuvor. Er war so kurz davor sie zu duzen. Nicht, dass er sie nicht respektieren würde, aber bei ihrem Verhalten war ein Sie nicht wirklich angebracht. Urteilte er jedenfalls. Vielleicht verstellte sie sich ja auch. Zu welchem Zweck, es war so klar wie er Tag, dass sie sich unwohl fühlte. Also, wofür dieses Schmierentheater?
Er beobachtete sie, wie sie mit zusammengezogenen Augenbrauen sich auf das Haar konzentrierte. Bitte, lass sie wenigsten den Sinn hinter seiner Geste verstehen! Es kam ihm vor, als würde er mit einem kleinen Mädchen reden. Und so viel jünger war Rukia gar nicht.
„Sie wollen mir doch nicht etwa sagen, dass Weiß ihre natürliche Haarfarbe ist?“
Nein, ich wollte ihnen nur zeigen wie makellos mein gottverdammtes Haar war!
Sein Handy klingelte und ersparten ihn für einen Moment eine weniger bissige Antwort zu liefern. Gin. Großartig. Der hatte ihm gerade noch gefehlt. Noch mal abwimmeln. Demnächst stand er wirklich unter seiner Haustür! Spätestens am Montag würde er ihn sowieso sehen. So eine verdammte Scheiße! Was sollte er nur tun?
„Hey, ich kann im Moment nicht. Ich habe Besuch. Würdest du später noch einmal zurückrufen?“ sagte er und legte ohne eine Antwort ab zu warten auf. Zu spät, Rukia war misstrauisch. Toll, er wollte ja das Gesprächsthema wechseln. Aber er wollte einen Wechsel zum Besseren. Musste er nun wirklich darüber quatschen? Konnte er nichts geheim halten? Am Schluss ekelte sich Rukia und möchte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er sah die Szene schon vor sich. Er, wird wieder von irgendwelchen Mitarbeitern in ein Auto geschoben, erhielt wie letztes Mal die Informationen, was überhaupt los sei und müsste dann sein Fehlverhalten Kuchiki erklären. Kuchiki würde aber den Vertrag nicht platzen lassen und eine neue ‚Freundin‘ suchen. Immerhin war Kuchiki ehrgeizig und ließ sich seine Pläne nicht so schnell kaputt machen. Sehr zu seinem Leidwesen!
„Gin, stimmt´s?“ hinterfragte sie. In ihren Augen spiegelte sich nichts als Abscheu. Konnte es sein, dass sie Gin kannte. Und, dass Gin mal wieder einer seiner prominenten Eindrücke hinterlassen hatten? Kalt, unausstehlich, intelligent, hinterlistig und nicht wirklich einfühlsam? Man, wenn er ihn so beschrieb, schien es ihm, er wäre mit einem kaltblütigen Verbrecher zusammen. Ja, Verbrecher, denn Mörder würde den Straftatenumfang, den Gin begehen würde, nicht gerecht werden.
„Ja…“ antwortete er lässig, stützte weiterhin sein Haupt mit der Hand am Tisch ab. Er konnte beobachten, wie sie angewidert ihr Gesicht von ihm abwand. Ah, toll. Sein Privatleben ekelte sie tatsächlich an. Eine unglaubliche Wendung in ihrem belanglosen Gespräch. Es war fast so, als würde er vor Spannung zittert. Oh, wie gruselig!
„So unverständlich es für Sie sein mag, dass Gin auch seine netten Seiten hat, ergeht es auch mir. Kuchiki ist eine … anstrengende Persönlichkeit und ich wüsste nicht, wie ich es mit ihm unter einem Dach aushalten könnte!“ erklärte er plötzlich. Sie starrte ihn wütend an. Hatte er etwas Falsches gesagt? Oder in einer falschen, unangebrachten Art und Weise? Kurzdarauf wurde ihr Blick sanfter.
„Ich mag zwar vorschnell urteilen, aber, dennoch sollte ich mich nicht davon blenden lassen. Ich bin dankbar dafür, dass mich meine Großmutter oft genug in diesem Sinne zu Recht gewiesen hat. Es ist sogar der Grund, wieso ich überhaupt mit Ihnen rede…“ gab er zu und hielt das Mädchen noch immer in seinem Blick fest. Ja, die Maske, die sie der Öffentlichkeit zeigen, stimmte nur selten mit dem wahren Gesicht überein. Eine Tatsache, die erst verstanden werden musste, bevor man all die Vorurteile ablehnen konnte.
„Er ist seltsam. Er hat immer die Augen geschlossen…“
„Sie sind unglaublich schön. Ein stechendes Blau, so wie der Sommerhimmel!“
„Du liebst ihn?“
„Verurteile ich Sie und Kurosaki-San?“
„Aber Sie dürfen nicht mit ihm zusammen sein!“
„Sie auch nicht, oder?“ und damit gab sie Ruhe. Die Wangen gerötet, sah sie verlegen zur Seite. Er hatte sie ertappt. Die Leute urteilten zu schnell, für seinen Geschmack. Er gab zu, dass er dies auch tat, aber er war stets bemüht sich daran zu erinnern dies nicht zu tun. Sie waren alle Teile der Gesellschaft. Zwar wollten sie nicht herausstechen, wollte sich einfügen und auch Teil der Gemeinschaft sein, aber manchmal war es schwieriger als es aussah. Er fiel ja schon mit seiner Mähe und Größe auf wie ein Farbklecks in grauer Landschaft…
„Sie haben ja Recht, aber …“
„Kein Aber. Ist ja auch egal… Sagen Sie, woher kennen Sie Gin überhaupt?“
„Ich habe ihn zum ersten Mal kennen gelernt bei einem Training mit Nii-Sama vor vier Jahren…“
Nii-Sama? Wie zur Hölle konnte sie jemanden wie Kuchiki Nii-Sama nennen? Und wieso tat er genau das, was er nicht wollte?
„War nur neugierig, ´tschuldigung!“
„Nein, kein Problem. Nii-Sama war auch überrascht Gin wieder zu sehen. Er hatte gedacht, nachdem was mit ihm passiert war, würde er sich nie wieder in die Nähe des Eises wagen!“
„Ja, war eine durchaus lustige Geschichte wie es dazu kam…“ bemerkte er und kratzte sich am Hinterkopf. Endlich wieder ein weniger anstrengendes Gesprächsthema. Er hatte schon gedacht, er müsse seinen gesamten Lebenslauf  niederlegen. Das wäre hässlich geworden. Und unangenehm. Und nervig. Er glaubte, sie hätte die Hälfte nicht verstanden und hätte nachgefragt. Sehr viel hinterfragt. Besser er vergisst, dass es jemals so weit kommen könnte.
„Bitte, erzählen Sie sie!“
„Naja, eine gemeinsame Freundin hatte ihn jahrelang versucht zu überreden endlich seinen ‚faulen Hintern‘ wieder auf das Eis zu bewegen. Sie hatte es geschafft. Mitte November waren sie mit ein paar Freunden zusammen in der Eishalle. Er stand durchweggehend nur am Rand und sah alles und jeden missbilligend an. Und dann, als er die Eisfläche verlassen wollte, habe ich ihn über den Haufen gerannt!“ sagte er und lächelte. Er musste zugeben, es gab zwar Ärger anschließend, aber es war die Sache definitiv wert. So was von. Zwar musste er ins Krankenhaus. Und fast notoperiert werden, aber es hat sich definitiv gelohnt. Dieses Teil sollte er vor ihr geheim halten. Nicht, dass sie dachte er habe seltsame Vorlieben. Nicht, weil er es schon bei Kuchiki vermasselt hatte.
„Und dann?“
„Gin hat versucht sich mit mir in Kontakt zu setzen ohne zu bemerken, dass wir beide an die gleiche Universität gehen. So ein Depp. Damals, an dem gleichen Abend, so sagte er, habe er noch gesehen, wie gut ich war, als die Eisfläche leer wurde. Eigentlich wollte er sich nur zu einem gemeinsamen Training treffen… Das Ende kennen Sie ja schon…“
„Wow! Mein Bruder meinte wirklich, dass er nie zurückkehren würde!“
„Aus eigener Kraft nicht, nein! Aber am Anfang, da war er ziemlich am Boden zerstört. Ich meine, all die Entschlossenheit über die Jahre hinweg, nicht das zu tun, was man unbedingt wollte, und dann rempelt einen so ein hässlichen Balg an und puff, weg war die Entschlossenheit!“
„Klingt fast schon romantisch…“
Und er hatte gedacht, wie haben das Thema Romantik hinter sich gebracht.
„Aha, wie dem auch sei…“
„Sie müssen ja auch ein ziemlich guter Skater sein…“
„Wie kommen Sie darauf?“
„Nii-Sama hat erzählt, dass Sie es waren, der den Contest letzte Woche gewonnen hatte…“
„Ja, war ein Versehen…“
„Ein Versehen? Sie waren großartig! Selbst Nii-Sama war mit einer Niederlage gegen Sie zufrieden. Obwohl die Hanagoori fast schon ein verbotenes Programm ist, da jeder, so wie Nii-Sama sagt, daran scheitert ihrer ursprünglichen Glanz und Eleganz, die Nagayama hatte, gerecht zu werden! Ich fand, Sie waren großartig! Fast schon reif für einen internationalen Wettbewerb!“
„Aha…“
„Es war ein wirklich toller Abend. Ich vermisse die Atmosphäre, die Spannung und die Talente…“
„Demnächst sind die olympischen Winterspiele!“
„Stimmt, die wollte ich eigentlich mit Ichi-… ich meine Kurosaki-San sch-…“
„Sie können ihn nennen wie Sie wollen, immerhin ist er doch ihr Freund, nicht wahr?“
„Naja, im Moment schon, aber-…“
„Nichts da. Sie scheinen ja ganz nett zu sein, aber Sie wissen, dass ich bevorzugt an einem anderen Ufer fische. Deshalb macht es mir nichts aus, wie Sie ihn nennen, okay?“
„Danke, Hitsugaya-“
„-Kun!“ ergänzte er ihren Satz mit einem Lächeln. Er hatte das Mädchen lange genug geärgert, nicht wahr? Naja, immerhin befanden sie sich in einer ähnlichen Situation. Kuchiki war mit der Wahl ihrer Beziehungen nicht zufrieden. Und da mag ihm schon der Himmel auf den Kopf fallen, wenn er begann sich für Kuchiki zu verbiegen.
Auf Rukias Lippen erblühte ein ehrliches Lächeln. Es war auf jedenfalls schöner als die anderen zuvor. Sie schien zum ersten Mal wirklich erfreut, nachdem sie sein Haus betrat. Oder er war einfach nur ein schrecklicher Gastgeber. Ja, womöglich war letzteres der Fall.
„Und, was plant Kurosaki? Hat er vor sich international einen Namen zu machen?“
„Wieso fragen Sie-… du?“
„Gin und Aizen, falls ihnen der Name etwas sagt, hatte sich kurz über ihn unterhalten. Sie glauben, er könne es weit bringen…“
„Aizen hat das gesagt? Wow, das ist ein überaus großes Kompliment!“ bemerkte das Mädchen. Wenn die eine Ahnung hätte, wie welche Beziehung er zu Aizen hatte, wurde es sicherlich hässlich. Aber so richtig hässlich. Wieso glaubten alle, dass Aizen so ein guter Mensch sei? Lassen sich wirklich so viele von einem freundlichen Grinsen hinters Licht führen? Wenn das wirklich funktionierte, dann musste er unbedingt etwas an seiner Einstellung ändern!
„Du kennst Aizen?“
„Flüchtig!“
Und verdammt stolz darauf, dass es nicht mehr war.
„Also, zurück zu Ichigo, er ist sich noch nicht sicher, ob er zuerst die Schule fertig machen oder nebenbei an seiner Karriere arbeiten will…“
„Naja, diese Entscheidung muss er selbst treffen. Aber, bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn er beides kombinieren möchte, sollte er dies während einem Studium tun…“
„So wie du?“
„Ich laufe nicht professionell. Es ist nur ein Hobby…“
„Aber es sah viel zu gut als würdest du nur privat laufen…“
„Liegt in der Familie?“ murmelte er.
Sie wusste es nicht, oder? Kuchiki, Perfektionist, sand seine kleine Schwester mit nur Halbwissen aus. Oder er hatte noch nicht tief genug gegraben…
„Echt, das muss ja cool sei-…“
„Ich lebe alleine…“
„Oh, stimmt. Entschuldigung, ich habe es vergessen…“
„Passt schon…“
„Noch eine kleine, unangenehme Frage, Hitsugaya-Kun…“ begann Kuchiki, nachdem es zu einem mehr oder weniger peinlichen Schweigen kam. Er selbst hatte keine Ahnung gehabt, wie er es brechen sollte. Somit war es für ihn vollkommen in Ordnung, wenn sie begann. Außer sie stellte blöde Fragen über ihn. Er hat es ja auch nicht. Besser gesagt, gesellschaftliche Konventionen hielten ihn davon ab. Zudem fühlten sie beide schon unwohl genug, da hatte er kein Recht dieses Unglück zu steigern.
„Schießen Sie los!“ antwortete er und behielt sich wie die ganze Zeit über auch wieder im Auge. Das Mädchen war im Gegensatz zu Kuchiki einfacher zu lesen, da sie viel emotionaler war. Kuchiki war ja bekannt für seine Fresse aus Stein. Wenn jemand da rein schlug, brachen die Knochen der Faust und die des Gesichts.
„Wie stehst du zu dem Angebot?“
Ah, eine Frage, die sie stellen musste. Kuchiki war natürlich sehr an seiner Meinung interessiert.
„Verstehen Sie mich nicht falsch, Sie sind ja ganz nett, aber unter den gegebenen Umständen würde ich nicht zustimmen!“
„Ah, okay!“ bemerkte sie leise und völlig niedergeschlagen. Er war nicht abhängig von ihrem Verständnis für seine Lage und seine Gefühle. Zugegeben, er erwartete es nicht einmal von ihr. Obwohl er sie in ihrer Position vollkommen verstehen kann. Beide Parteien standen einander im Schach. Jeder Zug könnte fatal für den anderen sein. Jeder Zug könnte das Ende eines Leidens und der Beginn eines anderen sein. Seine einzige Spielfigur war der König. Andere hatte er nicht in der Nähe, standen allesamt fernab des Geschehens. Zur Hölle, er wusste nicht einmal, ob eine Dame hilfreich sei, wenn er denn eine hätte. Ihm blieb nichts anderes übrig, als weiterhin von Feld zu Feld zu springen und zu hoffen, er würde bei dem nächsten Sprung noch genügend Spielfeld vor sich sehen.
„Nii-Sama oder ich werden in naher Zukunft noch auf dich zu kommen. Frühestens Anfang nächste Woche… “
Er konnte also das gesamte Wochenende arbeiten gehen? Richtig cool!
„Also dann. Ich muss dann mal los! Nii-Sama meinte, es gäbe noch was zu besprechen!“ bemerkte sie immer noch betrübt. Was hatte sie sich erhofft? Dass er zustimmen würde, ohne sie zu beanspruchen? Nein. Erstens wollte er keine arrangierte Ehe. Zweitens war das Angebot kaum zu seinem Vorteil. Drittens wollte er nicht um ihr Verständnis betteln. Sie würde es bemerken, sicherlich und irgendwann. Womöglich nicht jetzt und auch nicht im heutigen Tagesverlauf. Morgen sowieso nicht. Wann dieses vielleicht endlich wahr wird, konnte er nicht sagen. Wollte dies auch gar nicht.
Er erhob sich nach ihr, führte sie wieder ordnungsgemäß zur Tür. Wie nach Vorschrift wartete er, bis sie ihre Schuhe wieder angezogen hatte und sich wieder vor ihm aufbaute. Sie wirkte genauso ruhig wie zuvor. Vielleicht konzentrierte sie sich? Vollbekleidet um der eisigen Winterkälte entgegen zu treten stand sie da und atmete einen Moment lang durch. Er wartete. Wieso sollte er sie jetzt raus werfen? Er konnte warten. Auf einen Moment früher oder später kam es nicht mehr an. Das Höllengespräch mit ihr war vorbei. Keiner musste sich nun noch Sätze und Antworten, Fragen zu Recht legen. Es spielte wohl kaum noch eine Rolle, was in den folgenden Sekunden geschah.
Dann breitete sie urplötzlich ihre Arme aus. Wie bei einem letzten, verzweifelten Versuch. Sie drückte ihn. Dieses Mal war er nicht überrascht und wusste zu reagieren. Sicher, er wäre nicht nett. Aber es war die Sache wert. Keiner würde sein Gesicht bei der Sache verlieren.
„Nicht!“ wisperte er. Lauter musste er nicht sein. Lauter wollte er nicht sein.
„Danke!“ schluchzte eine zittrige Stimme und er erwiderte die Umarmung. Das Lächeln, das sie immer tragen musste, es schien schwer zu sein. Aber war er selbstlos genug seine Hilfe an zu bieten? Konnte er diesem fremden Mädchen sagen, dass es nur auf ihn zu kommen musste. Konnte er ihr sagen, dass er sie verstand, aber nichts im Gegenzug erwartete. Konnte er ihr sagen, dass er ihre Dämonen sah und erkannte? Nicht alles, aber ein Teil, oder? Er musste nicht die helfende Hand oder die Schulter zum Ausheulen sein. Wenn auch nur für einen kleinen Augenblick konnte er  ein winziger, flackernder Lichtblick sein. Für einen unbedeutenden Moment.
„Sie sind stark, Rukia-San!“ nuschelte er und löste sich zuerst. Sie lehnte sich zurück, behielt ihn noch immer in ihre Hände umschlungen, ließ nicht ab. Dann sah er wieder etwas unglaublich Schönes an dem Mädchen. Die ehrliche Freude und Dankbarkeit in ihren Augen. Dem wohl einzigen Merkmal, das er an ihr mochte.
„Und du bist gar kein schrecklich Freak mit seltsamen Verhalten!“ grinste sie ihn frech an und ließ endlich ab. Wenigsten etwas, oder?
„Auf Wiedersehen, Hitsugaya-Kun!“ rief sie ihm noch hinter und winkte. Sobald sie von seinem Hof war, schlug er die Tür mit einem lauten Knall zu. Er brauchte jetzt unbedingt sein Handy, um seinem Chef zu sagen, dass er die beiden Abendschichten übernehmen konnte. Und dann brauchte er unbedingt Ruhe. Einfach nur Ruhe. Zuvor musste er noch Gin warnen. So eine verdammte Scheiße.
Seltsam, auf seiner Schulter war es nass, obwohl sein Haar trocken war…

Aber erst zu Plan B. Matsumoto. Man, er hasste sich für diesen Plan. Blöd nur, dass er genauso hirnrissig wie funktional war.
„Matsumoto-San, ich hätte da eine kleine Bitte!“ bemerkte er und versuchte so sü- niedlich zu wirken wie er konnte. Es war die Geheimwaffe. Niedliche Kinder und Shoppen, dann setzte der normale Menschenverstand von Matsumoto aus. Schrecklich aber wahr. Man, wieso tat er das überhaupt? Das war doch Folter. Und er tat es freiwillig. Völlig selbstlos. So viel christliche Nächstenliebe traute er sich gar nicht zu. Das war schrecklich.
„Was gibt´s?“ flötete die junge Frau gut gelaunt. Wenigsten einer von ihnen war erfreut. Das bedeutete, dass er sein Handy etwas weiter weg halten sollte von seinem Ohr. Nur so als Vorsichtsmaßnahme. Ordentliche Portion Selbsthass in drei, zwei, eins …
„Gin ist krank. Ich brauche jemanden, der mit mir einkaufen geht!“
„Ah, ist das wahr, Hitsugaya-Kun? Sag das doch gleich! Das war natürlich die richtig Wahl! Bei so etwas immer und sofort mir anrufen. Der alte Gin hat bei sowas keine Ahnung. Aber heute wird das nichts mehr! Ich muss später noch arbeiten…“
„Das ist kein Problem. Ich habe frühsten Anfang nächste Woche damit gerechnet. Zudem sieht man sich heute Abend…“
„Oh, noch etwas Geld ranschaffen, was?“
„Joar…“
„Okay, Hitsugaya-Kun, bis später!“
„Ja, alles klar. Bis dann!“ verabschiedete er sich und kurzdarauf war die Leitung tot. Das war ja einfacher als gedacht. Erleichtert atmete er durch. Manchmal, aber nur manchmal, da war er froh, dass er Matsumoto kannte. Spätestens in ein paar Tagen würde er dies bereuen. Eigentlich war sie die absolut letzte Person, die er kontaktieren würde, nach Yamamoto, wenn es um einkaufen ging. Er wusste, dass sie plante in ein Shopping Center zu fahren. Klar, würden sie anfangs in einen Convini fahren, aber danach. Danach war er am Arsch. Dann sah er nichts als Klamotten für ein paar Stunden.
Aber es war eine kleine Abwechslung. Ja, Matsumoto konnte durchaus anstrengend sein, aber manchmal, da musste er aus dem blöden, sorgenbereitenden Alltagstrott entfliehen. Und die Frau wusste, wie sie alles und jeden mit ihrer generellen, gute Laune anstecken konnte. Vielleicht war eine kleine Auszeit je genau das, was er brauchte.
Jetzt war da nur noch Gin. Ob er diese Sache noch eine Weile vor sich hinschieben konnte? Sagen konnte er es ihm nicht. Nicht, bevor er wusste, wie Kuchiki sich seine Informationen beschaffte. Immerhin meinte dieser Kimura, dass sie einen Informanten hätten. Es viel ihm keiner ein, der Informationen über ihn hatte und diese preisgeben könnte. Momo? Nein, Kuchiki kannte sich auf der Touhou aus und nicht an der Oberschule. Matsumoto auch nicht. Sie war wie eine fürsorgliche Torwächterin. Treu und unerbittlich. Seltsam, dass es ihm bei diesem Gedanken erschauderte. Oh, er sah sie sich schon vor ihm. Ihre Aura glich der einer Furie. Eine Hand zur Faust geballt und erhoben. Ihr Gesicht war zornig und ihre Augen hatten einen Blick, der töten könnte. Wieso er das sich so gut vorstellen konnte, hatte er einem betrunkenen zu verdanken. Natürlich wurde sie sofort wütend und zu einer Furie, als ein Betrunkener ihn auf seinem Heimweg an gegafft hatte. Aber sein Todesurteil hatte er selbst unterschrieben, als er sie mit einer alten Hexe verglich. Ukitake hatte aufgegeben gegen sie zu protestieren und fing an ein Einsatzprotokoll zu verfassen.
Tolle Geschichte. Munterte ihn immer wieder auf. Und fuhr ihm einen gehörigen Schrecken zu, wenn er daran dachte. Niemals wollte er der sein, der Matsumoto verärgerte.

Zurück zu Gin. Er hatte eine Ausrede gefunden. Eine ziemlich gute sogar. Und er musste nicht einmal dafür gerade stehen. Man, das lief ja wie am Schnürchen.
„Shiro-Chan?“
„Tut mir Leid, Gin, dass ich nicht so viel Zeit hatte für dich…“ begann er sich erst einmal zu entschuldigen. Er wusste nicht wieso, aber er fühlte sich schlecht dafür, dass er die ganze Woche einen Bogen um ihn gemacht hatte. Irgendwie fühlte es sich wie ein Verrat an, den er nicht begehen wollte. Wieso eigentlich einen Verrat? Wegen Kuchiki? Dieses ganze Beziehungsdings war so anstrengend. Man, er wusste echt nicht, wo ihm der Kopf stand. Hoffentlich würde heute Abend alles gut gehen auf der Arbeit. So unruhig wie er jetzt war, würde er nur die Gläser kaputt machen und die Flaschen fallen lassen.
„Kein Problem, Shiro-Chan. Ich habe ganz viel geschlafen und dann von dir geträumt!“
„Ach wirklich?“ hinterfragte er und zwang sich zu einem Grinsen, während seine Beine schlapp machten und er wie ein nasser Sack zu Boden fiel. Das Grinsen erstarb, ohne sich jemals entfaltet zu haben.
„Ja, natürlich. Ich vermisse dich!“
„Ich dich auch. Bin so schrecklich alleine hier!“ kommentierte er und ließ den Kopf gegen die Wand fallen. Der dumpfe Schmerz störte ihn nicht. Nur hoffte er, dass Gin es nicht mitbekommen hatte. Nicht, dass Gin sich noch mehr unnötige Sorgen machte.
„Was soll ich dazu sagen? Meine Eltern halten einen strikten Abstand zu mir ein. Als wäre ich giftig!“
„Du bist krank und sie wollen arbeiten!“
„Ja, aber…“
„Nichts da. Mach, dass du endlich gesund wirst! Hanekawa geht mir auf den Geist. Der Typ kommt immer wieder, egal wie oft ich ihn wegschicke!“
„Glaubst du, er will was von dir?“ knurrt Gin böse. Er lachte auf. So kannte er Gin, nicht wahr? Etwas possessiv und überfürsorglich, aber vollkommen treu und ehrlich. Im Gegensatz zu ihm. All diese Qualitäten hatte er nicht. Nein, er war viel zu klein und zu schwach. Allein sein Intellekt machte ihn aus. Nur wegen seiner Fähigkeiten wurde seine Existenz akzeptiert. Er zog seine Beine zu sich ran. Umarmte diese mit dem freien Arm. Er machte sich ganz klein, sodass niemand ihn bemerken würde. Wie eine Made, die sich zu verstecken versuchte.
„Nein, glaube ich nicht!“
„Wieso? Wenn nicht frag Kira, der kennt sich gut mir reichen Bälgern aus!“
„Habe ich schon! Er hat Hanekawa ‚Weiberheld‘ attestiert!“ erzählte er. Dies war wahr, sollte Gin das Bedürfnis haben und bei Kira nach zu fragen. Immerhin lachte Gin. Und es klang großartig. Er hätte gar nicht geglaubt, dass er es jemals vermissen würde. Hatte er aber. Eine einzelne Träne rannte über seine Wange. Was sollte er nur tun?
„Sag mal, Shiro-Chan, du arbeitest doch heimlich voraus, oder?“
„Oh Mist, da ist der Tensaiji-Schwindel wohl endlich aufgefallen!“ kommentierte er übertrieben und kicherte. So gut er konnte. Nun hoffte er erneut, dass Gin es nicht bemerken würde. Es, seinen allgemeinen Zustand. Der war beschissen. Und ganz ehrlich. Gin. Wenn er Gin nicht hätte, dann würde er sich nicht einmal dafür schämen.
„Vorausarbeiten ist die eine Sache. Setzt aber voraus, das man den Stoff verstand!“
„Da hast du Recht!“
„Also, du bist trotz allem ein Tensaiji! Ob es dir gefällt, oder nicht!“ verkündete Gin stolz. Er verstand nicht, wie Gin auf solch einen bescheuerten Titel stolz sein konnte. Dieser Titel erfüllte ihn inzwischen mit nichts als Abscheu. Immerhin war dieser beschissene Titel daran schuld, dass Kuchiki auf ihn aufmerksam wurde. Schuld, dass er sich nun regelmäßig fragen musste, ob er so weiter machen konnte. Fragen, was mit ihm nicht stimmte, dass er Gin mehr mochte als jedes andere Mädchen. Sich hinterfragen, ob er tatsächlich in Gin verliebt war oder nur einen großen Bruder in ihm sah. Und immer hatte er Angst. Angst verlassen zu werden von Gin. Das er Gin nicht mehr gerecht wurde. Das die Gesellschaft sich endlich dazu entschied, dass solch genetischer Müll wie er keine Daseinsberechtigung hatte.
„Shiro-Chan? Alles in Ordnung?“
„Ja, ich … weiß nicht … “
„Kaa-San lässt mich schon aufstehen. Ich habe bis Mittwoch keine Vorlesungen. Am Dienstag könnte ich eventuell raus!“
„Oh, bevor ich es vergesse. Du musst für mein Wohlsein beten am Montag oder Dienstag!“
„Wieso? Hast du eine Klausur? Musst du arbeiten?“
„Nein, ich bin da wahrscheinlich mit Matsumoto einkaufen…“ gestand er und lachte.
„Verdammte Scheiße, Shiro-Chan. In was hast du dich da geritten?“
„Klein bisschen Beistand wäre angebracht?“
„Natürlich. Mal sehen, ob ich überhaupt raus darf. Kaa-San ist da immer so besonders streng! Ihr liegt Gesundheit viel zu arg am Herzen…“
„So war Großmutter auch immer! Nur, dass sie mich immer mit Süßigkeiten vollgestopft hatte, wenn ich krank war!“
„Klingt ja fürchterlich!“
„Ja, was glaubst du denn!“ merkte er an und Gin lachte. Er traute sich ganz leise mit zu lachen. Sein Lachen klang schrecklich. Aber, wann auch immer Gin lachte, da zerriss es ihm das Herz. Konnte er das aufgeben? Die Kraft dazu hatte er nicht, was? Was sollte er nur tun? Warten? Sollte er seinen König Kuchiki überlassen? Oder sollte er weiterhin über das Spielfeld irren und hoffen, er habe noch genügend Platz? Was konnte er noch tun?
Er könnte es Gin erzählen. Nein, konnte er nicht. Gin war viel zu impulsiv. Sicherlich würde er die ganze Sache verschlimmern. Vor allem, nachdem er erfuhr, was alles in dem verdammten Büro geschah. Oder musste er alles erfahren? Vielleicht nur kleine Details. Er könnte das Schlimmste auslassen.
Eine andere Träne fand ihren Weg an seiner Wange hinab.
„Du bist so ruhig, Shiro-Chan. Ist was passiert?“
„Nein, es ist alles in Ordnung. Du weißt doch, so gesprächig bin ich nicht…“
„Ich weiß, aber das bedeutet nicht, dass du alles in dich rein fressen sollst!“
Weiß er es? Hatte Kuchiki sich auch mit ihm in Verbindung gesetzt und ihn gebeten von ihm fern zu bleiben? War das alles von Vorne bis Hinten durch geplant?
„Tu ich doch gar nicht!“ bemerkte er trotzig und wusch sich schnell die Tränen weg. Es war lächerlich. Er heulte wie ein blödes Mädchen. Er war lächerlich.
„Wie viele Leute hast du diese Wochen getroffen?“
„Ich war und gehe noch arbeiten. Ich habe mein Pensum für das nächste Jahr vollkommen erfüllt!“ scherzte er. Es war so unglaublich schwierig. Die Worte wollten ihm einfach nicht einfallen. Sein Verstand war leer, bis auf eine unerklärliche Trauer. Wieso wusste er nicht. Auch wusste er nicht, wie es wieder loswerden konnte.
„Du hörst dich müde an, Shiro-Chan…“
„Natürlich. Meine Nacht war kurz und Yamamoto hatte eine Art an sich, die es schwierig machte nicht außer Fassung zu geraten!“
„Ohje, klingt nach einem anstrengenden Morgen…“
„Das kannst du laut sagen!“
Anstrengend war Rukia durchaus. Aber aus unterschiedlichen Gründen. Zudem war er sich in einer Tatsache bestätigt. Er war definitiv schwul. Naja, wenn er einen Frauenkörper sich versuchte vorzustellen, funktionierte das nicht. Und dann noch während dem Sex? Er wäre überfordert. Gin reichte. Gin war völlig in Ordnung. Es könnte an seiner Unerfahrenheit liegen, aber da war er sich nicht sicher. Vielleicht könnte er Gin ja mal fragen, wenn es wieder etwas besser zwischen ihnen stand. Jedenfalls, wenn er nicht mehr das Gefühl hatte er müsste sich verstecken. Sich und seine Gefühle.
„Oh, übrigens, falls dich die Grippe nicht nimmt, kannst du ja ein paar Sachen bei mir lagern, für den Fall der Fälle…“ bemerkte er und stocherte mit den Zehen unruhig auf dem Boden herum. Wenn alles gut ging. Wobei gut noch nicht definiert war. Ja, gut wäre, wenn beide Optionen möglich wären. Wie er dies erreichen würde, war ihm ein Rätsel. Aber wollte er sich überhaupt einen Plan zu Recht legen für solche eine vergebene Mühe? Was würde am Ende bleiben?
„Toushirou?“
„Ja?“
„Wirklich alles in Ordnung?“
„Ja, aber ich vermisse dich … aber nur ein wenig!“
„Du bist gemein!“ meckerte Gin übertrieben, bevor er zu kichern begann. Er war sich sicher, dass solch ein Lachen Wunder bewirken konnte. Vielleicht auch nur ganz kleine Wunder. Und vielleicht wäre ja eines Tages eines für ihn dabei. Diese Mal floss keine Träne, sondern eine zaghaftes Lächeln erblühte.
„Aber, um auf dein Angebot zurück zu kommen, ich nehme es gerne an!“ ergänzte Gin.
Danke.
„Oka-“
„Aber du musst dafür kein Schrank oder so leer räumen!“
„Ich glaube, nachdem ich mit Matsumoto unterwegs war, habe ich keinen Platz mehr!“ gab er an und Gin lachte mit ihm. Seltsamerweise tat es unglaublich gut. Es tat gut zu wissen, dass er nicht einsam war. Obwohl er verdammt viele Ding alleine regeln musste und verdammt viele, aber vor allem wichtige Entscheidungen alleine treffen sollte. Es war in Ordnung. Gin war in greifbarer Nähe. Naja, fast. Aber das wesentliche zählte.
„Danke Gin!“
„Wofür denn? Ich liege seit Tagen unfähig im Be-…“
„Für das Gespräch! Ich habe es irgendwie gebraucht!“
„Geht mir genauso!“
„Also dann, bis irgendwann mal!“
„Jap. Ich freu mich schon drauf, dich endlich wieder zu sehen!“
„Dann mach, dass du gesund wirst!“ rief ins Handy, bevor er ablegte.
Von so vielen sozialen Interaktionen wurde er ganz müde und hungrig. Vor allem seine Nerven waren am Ende von dem ganzen Gefühlschaos. Man, er hielt das nicht mehr aus. Essen oder Schlafen? Gin würde essen sagen. Er ging schlafen, dann könnte er sich ausruhen und müsste nur einmal was Essen, bevor er arbeiten ging.
Aber das brachte ihn nicht weiter! Er musste sich entscheiden, ob er wollte oder nicht! Blöder Kuchiki. Blöder Gin. Blödes Geld. Blöde Gesellschaft. Blödes System. Blödes Leben! Konnte er nicht einfach weitermachen? Es war doch gut, so wie es war. Gut war völlig in Ordnung. Er wollte nichts Perfektes! Er erwartete sowas doch gar nicht. Er träumte ja nicht einmal davon, was sollte das dann!
Hoffentlich konnte er heute Abend arbeiten gehen, dann konnte er für einen kleinen Moment all diese Scheiße vergessen!
Immer noch, blöder Kuchiki!

Nein, ich lag nicht schon im Bett und dachte, ich könne ausschlafen morgen früh...
Egal, ich hoffe euch gefällt das Kapitel. Nächste Wochen hat Gin wieder einen größeren Auftritt, versprochen! Für die, die sich sorgen machen...
Bei Beschwerden, wisst ihr, wie ihr euch melden müsst! Bis nächste Woche!

PS: Falls Rechtschreibe- oder Satzbaufehler gefunden werden, einfach liegen lassen. Ich brauch sie nicht und ihr wahrscheinlich au nicht. Ignoriert sie, vielleicht verschwinden sie ja dann von selbst, wer weiß...
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