Geschichte: Fanfiction / Anime & Manga / Bleach / Eis

Eis

von Serenael
GeschichteRomanze, Angst / P16
Hitsugaya Toushirou Ichimaru Gin
05.05.2018
20.09.2019
43
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4
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Akt 1: "Zufällige Begegnungen"
Ttitelsong: Sen no Yuro wo Koete (Tausend Nächte durchgehen)
Link: https://www.youtube.com/watch?v=Qt8TtqBOmG0

Alle Scheinwerfer waren auf ihn gerichtet. Die gesamte Aufmerksam gehörte ihm allein. Er selbst, hochkonzentriert, durfte sich keine Fehler erlauben. Immerhin ging es um die Olympia-Qualifikation. Es war wichtig. Äußerst wichtig. Jeder noch so kleine Fehltritt, mickrige Ungenauigkeit könnte ihm alles versauen. Die Leute sagen immer, er tanze nicht, er fliege anmutig über das Eis. Mit Eleganz und Perfektion. Hierfür lebte er. Diese Qualifikation war wichtig. Ansonsten konnte er die Zusammenarbeit mit seinem Trainer vergessen. Immerhin hatte er hierfür viel geübt. Ewig lange trainiert. Sich gut aufgewärmt. Musste gewinnen, seines Trainers wegen. Aber er würde es nicht schaffen. Irgendwas. Irgendwas stimmt nicht. Irgendwas war anders. Er hatte dieses miese Gefühl. Eine Ahnung, die er seit dem Betreten des Eises hatte. Er würde verlieren, egal was passiert. Er hatte schon in dem Moment die Qualifikation verloren, als er auf das Eis trat. Nur wieso, wusste er nicht. Es war eben nur ein mickriges Gefühl.

Das eiskalte Braun lag urteilend auf ihm. Er konnte es genau spüren. Wie Dolche, die verräterisch in seinen Rücken stachen. Er durfte ihn nicht enttäuschen. Er musste gewinnen. Ja, sein Trainer war streng. Musste sogar, denn er selbst hätte niemals seinen Hintern auf das Eis bewegt. Aber heute bereute er es. Heute war ein schlechter Tag. Bleib nur noch die Frage warum.

Wieder konzentrierte er sich auf seine Kür. Ein kleiner unbedeutender Sprung. Die Ladung zwar sauber, aber es blieb. Irgendwas stimmte nicht. Eine kleine unbedeutende Drehung, der Punkte wegen, obwohl es nur wenige waren. Daraufhin laufen, Geschwindigkeit aufbauen. Anschließend der dreifache Salchow…

Dann geschah es. Das angekündete Unheil. Er knickte um, fiel. Fiel nieder auf das Eis. All die Scheinwerfer ruhten auf ihm. Er konnte nicht sagen, wer es war. Aber er wusste es genau. Endlich und voller Gewissheit. Sie würden sagen, er sei verrückt. Niemand würde ihm glauben. Er, der große, perfekte und ungeschlagene Ichimaru Gin, wurde sabotiert. Blieb die Frage, wer es war.


„Nein, Ran-…“
„Ach komm schon. Dann stell dich wenigsten an den Rand!“
„Außerhalb der Fläche? Kein Problem!“
„Schön hier geblieben Freundchen!“ fauchte sie und hielt ihn an seinem Pullover fest. Er könnte sich ja mit Kraft ihr entreißen, endlich von dem verdammten Eis stürmen. Aber er wollte erstens, nicht grob zu ihr sein und zweitens, keinen Ärger hier drin mit ihr anfangen. Das bedeutet, er musste solange an den verdammten Rand stehen, den blöden Anfänger zusehen wie sie über das Eis stolperten und warten bis Ran und ihre Freunden sich langweilten. Hierbei gab es zwei Probleme, erstens die Freunde und zweitens, das Eis. Rans Freunde waren nicht so wie er. Er war besser, um einiges besser als sie. Aber sie genossen es. Das Eis. Sie hatten Spaß, lachten über ihre Fehler. Fehler, die eigentlich …

„Komm schon Gin!“ lachte sie, als sie wieder an ihm vorbei fuhr. Mehr konnte sie nicht. Sie alle. Nur im Kreis fahren, da sie sich selbst kaum auf den Beinen halten können. Und dann noch dieser Renji, der nicht schnallt, wie Schlittschuh laufen überhaupt funktioniert. Andauernd liegt er auf dem Eis. Auch stand er wieder auf, aber nur um dann hundert Meter weiter wieder zu fallen. So ein armseliger Amateur. Er war besser, womöglich der beste Eisläufer in der gesamten Halle. Und dann noch Momo. Sie war besser als Ran, konnte sogar rückwärtsfahren. Irgendwie hatte sie noch nicht die Hoffnung verloren, half Renji immer wieder auf. Sie blieb stets in seiner Nähe. Sorgte sich sogar um ihn, wenn er wieder auf den Boden lag. Wann schnallt der Kerl endlich, dass das Eis nichts für ihn ist? Aber auch noch stets an seiner Seite klebte dieser seltsame Izuru. Er glaubte sogar, dass er am besten von der kleinen Gruppe war. Er hielt sich federleicht auf den Füßen. Fuhr sanft über das Eis…

Er konnte es nicht glauben, dass Ran ihn tatsächlich dazu gebracht hatte wieder einen Fuß auf Eis zu setzten. Eigentlich hatte er sich nach dem schrecklichen Unfall während der Qualifikation geschworen nie wieder auch nur in die Nähe einer Eislaufhalle zu gehen. Und heute? Heute stand er da, ganz alleine am Rand und sah den chaotischen Anfängern zu. Das Eis…

Nach der Operation hatte er nicht trainiert. So oder so hätte es keinen Nutzen gehabt. Alleine machte diese ganze Scheiße keinen Sinn. Sein Trainer hatte gekündigt, war schon längst mit einem neuen Top-Favorit unterwegs um ihn zu trainieren. Einfach so. Einfach so kam er in sein Krankenzimmer und meinte, dass er wieder nach neuen Kandidaten suche, dass die gemeinsame Arbeit zu Ende sei. So ein Arsch. Vielleicht hätte er doch wieder auf das Eis sollten, nur um diesem Mistkerl eins aus zu wischen können.

Was war denn das? Womöglich nur ein Spinner. Aber wo ist er nur? Seine Augen öffneten sich ganz langsam einen Spalt weit. Oder bildete er es sich nur ein? Ganz sicher. Womöglich war es nur das Licht einer der Scheinwerfer gewesen. Niemals wäre das eben ein Läufer gewesen. Natürlich nicht. Es gab kein Läufer, der so schnell unterwegs war. Immerhin hätte er ihn doch schon längst wieder gefunden oder er wäre an ihm sicherlich wieder vorbei gefahren.

Und noch ein Problem. Ran winkte. Ran winkte ihm, dass er seinen Arsch gefälligst zu ihr rüber bewege. Ah, Renji lag bäuchlings wieder auf dem Eis. Ob er endlich seine Lektion gelernt hatte? Sein Blick fiel auf seine Füße. Er trug geliehene Schlittschuhe, denn Ran hatte ihm erst im Nachhinein erzählt, dass sie zusammen Eislaufen wollten. Diese Mal würden diese Schuhe nicht brechen, oder? Sie würden ihn nicht alleine auf der Eisfläche zurücklassen, oder? Es war doch ganz einfach, er musste nur loslegen! Nein. Es war verdammt schwierig, des Eises wegen. Gott, er konnte nicht einmal mehr Speiseeis essen, so sehr hasste er dieses gefrorene Zeug. Egal in welcher Form, als Eiswürfel, als Schokoladeneis, als Sorbet oder auch als Eisfläche, sogar als zugefrorenen See. Er hasste den bloßen Anblick.

Also gut, los geht´s. Da war er wieder, dieser weiße Blitz. Und er fand sich auf dem Boden wieder. Was zur Hölle war passiert? Wurde er über den Haufen gefahren? Hatte er sich eben nicht getäuscht? War es wirklich ein Läufer gewesen? Er hasste das Eis. Hatte er das schon einmal erwähnt?

„Gin?!“ rief Ran und schlitterte zu ihm, bot sogar eine helfe Hand an. Diese ergriff er nur zu gern. Dennoch hoffte er sehr, dass seine Freundin stabil stand. Nicht, dass sie beide gleich wieder hier herum lagen.
„Man. Wer war das denn?“ fluchte er leise. Ahnungslos schüttelte sie den Kopf. Womöglich nur ein Angeber. Ein Arsch, wie sein Trainer, der sich für keinen außer sich selbst interessiert. Dieser Kerl, obwohl er ihn nicht kannte, hatte bereits eine Abreibung verdient. Er richtete sich vollkommen auf, ergriff Rans Hand und führte sie sicher rüber zu ihren Freunden. Vielleicht war er selbst etwas schnell unterwegs. Vielleicht etwas zu schnell. Denn Ran stürzte fast. Bisher war er immer alleine gefahren. Hatte auch nur an Einzelwettkämpfe teilgenommen. Zudem war er schon zu alt für den Scheiß. Er sollte es so allmählich hinter sich bringen.
„Man, der war aber schnell!“ bemerkte Izuru, als die beiden Freunde die kleine Gruppe erreichten. Ein kleines zustimmendes Raunen ging durch die versammelten Freunde.
„Wie dem auch sei. Gin, würdest du bitte, bitte Renji vom Eis helfen? Wir wollen eine kleine Pause machen, aber bekommen ihn vom Eis runter!“ bettelte Rangiku ihren Freund an mit großen, unschuldigen Welpen-Augen.
„Endlich bemerkt, dass es nichts wird? Am Rand stehen ist keine Schande, nur Einsicht! Hey, Ran, hebt ihn doch einfach über die kleine Bande“ schlug er vor, während er mit den Schultern zuckte.
„Hey, was soll das? Als ob du es besser könntest! Stehst die ganze Zeit in deiner Ecke rum“ rief Renji empört. Natürlich wollte er solch dummes Gerede nicht auf sich sitzen lassen, aber da er dem Eislaufen schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt hatte, hatte er keine Lust, sich auf dem Eis länger auf zu halten, als nötig und mit so wenig Bewegung wie möglich. Obwohl er zugeben musste, dass er deshalb mächtig fror.
„Du, Renji. Der Kerl ist Ichimaru Gin. Er hatte sogar für eine Olympia-Qualifikation gekämpft!“ flüstert Momo ihrem unwissenden Freund zu. Gin bekam dies nicht mit, denn war längst mit Izuru und Ran voran gegangen, hatte die Eisfläche verlassen.

~etwas später an dem Abend~

„Die Eishalle Hyoushou (氷晶 = Eiskristall) schließt in Kürze, bitte verlassen Sie die Eisfläche. Danke!“ ertönte die Durchsage, die Gin aufatmen ließ. Endlich könnte er diesem verdammten Ort den Rücken kehren. Und nie wieder würde er einen Fuß wieder hierein setzten. Nie wieder. Er fror. Hasste das Eis. Wurde beleidigt. Wurde sogar über den Haufen gefahren. Und endlich konnte er diese Teufelsdinger von seinen Füßen nehmen. Die Erleichterung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Nie wieder müsste er dieses Eis wieder sehen…

„Hey, du da! Runter vom Eis. JETZT!“ schrie ein Mitarbeiter, der sofort die Aufmerksamkeit von Gin einfing. Er rief laut vom der Bande aus auf die Eisfläche. In der Mitte, vorher verborgen hinter all den Anfänger, die nur ihre langweiligen Kreise fuhren, offenbarte sich ein kleiner Junge. Gin sah hoch, weg von dem verhassten Eis. Tatsächlich. Dieses schneeweiße Haar musste er vorhin gesehen haben. Klar, so klein wie der Junge war, konnte man ihn schnell mit irgendwas verwechseln.

„Du schon wieder! Komm jetzt da runter!“ rief der Angestellte erneut. Gin hatte irgendwie Mitleid mit dem Typen. Keine Teufelsdinger, die den Mann sicher über das Eis brächten. Aber er konnte sich selbst kaum bewegen. Denn was der Mann nicht verstand, war, dass dieses Kind kein lausiger Anfänger war. Im Gegenteil. Er konnte nicht. Er konnte nicht wegsehen. Das Kind war wahrscheinlich endlich frei. Konnte nun endlich so tanzen wie es wollte, ohne diese nervenden Anfänger, die ihm immer wieder in Quere kamen. Er lebte in diesem Moment. Für diesen Moment. So winzig er auch war. Er würde noch zwei Runden drehen, dann wäre er fertig.

Solch ein Gefühl hatte er schon ewig nicht mehr gespürt. Er war völlig im Bann der anmutigen Bewegungen, die der Kleine machte. Irgendwie, welche Kraft auch immer es war, verbat ihm weg zu sehen, zu vergessen, wo er war, was eigentlich um ihn geschah. Solch eine Eleganz hatte er noch nie gesehen. Auch wagte er nicht zu glauben, dass einst auch zu so etwas fähig war. Solch eine Anmut, solch eine Freiheit. Gab es so etwas überhaupt? Hatte es so etwas schon einmal gesehen?
Er glaubte er müsse die Luft anhalten. Der Junge setzte zum Springen an. Ein perfekter dreifacher Salchow.

Wer zur Hölle war dieser Knirps?

„Gin. Kommst du?“ Ran zupfte an seinem Ärmel, holte ihn zurück in die Realität, runter von Wolke sieben. Wie auch immer er da hoch kam. Er wusste nicht wie ihm geschah, holte tief Luft. Hatte er sie bis eben etwa angehalten? Wer zur Hölle war dieser Knirps? Gin sah noch einmal auf, wieder zu der Stelle an der eben noch die zierliche, aber elegante Figur des Kindes im Scheinwerferlicht badete. Er war weg. Das Licht aus. Hatte er sich dies nur eingebildet?
„Ja, klar“ murmelte er benommen, ergriff Rans Hand, fuhr mit ihr zusammen vom Eis. Würde er diesen verdammten Knirps wiedersehen? Nein, denn er würde sicherlich nicht wieder hierher kommen!

„Habt ihr das mitbekommen? Eben, der Junge?“ fragte Izuru verwirrt, während er sich die Schuhe anzog.
„Ich glaube der nimmt sicherlich irgendwo Stunden! So ein Angeber!“ fluchte Renji und rieb sich den Rücken. Momo sprang sofort auf, bot ihrem verwundeten Freund eine helfende Hand zum Aufstehen an. Diese nahm der Größere dankend an. Ichimaru hatte irgendwo in den Zwanziger den Überblick verloren. Mitzählen wie oft der Kerl auf die Nase flog, war anstrengender als er sich vorgestellt hatte. Aber er musste zugeben, er war schwer von seiner Ausdauer beeindruckt. Er hätte nach dem zehnten Mal wahrscheinlich aufgegeben.
„Man, so ein Dreck!“ meckerte Rangiku, verschränkte trotzig ihre Arme vor der Brust.
„Was gibt´s denn?“ fragte er nach, als er zu den anderen stieß. Niemals würde er zugeben, dass eben noch das Feld um die Eisfläche absuchte. Dem besorgten Personal vorgab seine Handschuhe zu suchen. Aber er war ja nicht einmal ehrlich zu sich selbst. Wollte nicht zugeben, dass er das Kind suchte. Wollte auch nicht unbedingt wissen wie er hieß. Wollte nicht sich eingestehen, dass er den kleinen Tanz ergreifend fand. Obwohl er nichts abstoßender fand, als das Eis und das Schlittschuh fahren.
„Ich wollte dich unbedingt Eislaufen sehen!“ jammerte Ran. Das war doch nicht etwa ihr Ernst?! Wie oft musste er ihn denn noch sagen, wie sehr er es hasste. Obwohl… Eben …
„Du weißt doch, dass ich damit aufgehört habe!“ knurrte er.
„Hey, Momo. Auf ein Wort!“ winkte ein Angestellter das Mädchen aus der Runde. Sie hüpfte freudig aus der Umkleide, folgte dem scheinbar Bekannten. Ihr blieb völlig unbemerkt, dass alle Augen auf sie fixiert waren. Das sie unbewusst in diesem Moment, der Mittelpunkt des Geschehens war.
„Ah, stimmt ja, ihren Eltern gehört die Eishalle!“ fiel es Ran wieder siedend heiß ein, klärte die unwissenden Freunden auf. Renji nickte zustimmend.
„Das macht Sinn“ bemerkt er leise. Überrascht boxte Ran ihm gegen die Schulter, trug einen fragenden Blick im Gesicht. Sie verlangte Antworten, er gab sie ihr gerne. Immerhin wusste er ganz genau worauf er achten musste. Wenn er nur mehr aufmerksamer gewesen wäre, hätte er herausfinden können welche Schuhe der Bengel trug. Denn es waren die kleinen Dinge, die ihm aus diesem Business noch vertraut waren. Die kleinen Dinge, an denen sich sein Trainer immer aufregte. Die kleinen Dinge, wie die richtige Marke, die er immer hasste.
„Diese Schlittschuhe, da, sind verdammt teuer! An die kommt man nicht einfach so ran“ erklärte er und deutete mit dem Kopf in die Richtung ihrer Tasche.
„Und?“ hinterfragte Ran neugierig, als das Mädchen wieder zu ihnen kam.
„Wegen Toushirou. Der Junge von eben. Ich soll ihm sagen, aufmerksamer zu sein, Maki hatte sich eben die Stimme aus dem Leib schreien müssen!“ informierte das Mädchen ihre Freunde. Toushirou. Das war also sein Name. Sollte er es wagen, das Mädchen weiter ausfragen, herausfinden wer dieses Balg wirklich war? Was erhoffte er sich?
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