Stressbacken

OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
04.05.2018
04.05.2018
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Offensichtlich Spoiler für Maske der Wunder und TW für die Erwähnung von Major Character Death.
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Sie versuchte, sich über die Kuchen zu freuen. Sie versuchte es wirklich. Aber Angela Ledore wusste genau, was Henrys gelegentliche Backen bedeutete.

Bereits damals war es eins seiner Hobbies. Wenn Randall seine Freunde mal wieder auf eines seiner Abenteuer zerrte, bestritten sie dies so gut wie nie ohne frischgebackene Muffins, Kuchen oder Kekse. Er fing mit einfachem Topfkuchen mit der Hilfe von Mrs. Ascot an und mit der Zeit, während jeder von ihnen älter wurde, wurde Henrys Backen ein fester Bestandteil ihrer Trips, auf den sie sich jedes Mal besonders freuten.
Für das eine Picknick zu Randalls Geburtstag hatte Henry ein regelrechtes Buffet aus Backwaren vorbereitet – Schokoladenbrownies mit Walnüssen und Kirschen, Himbeerkuchen mit weißer Schokolade überzogen, Zimtschnecken. Wie zu erwarten, hatte Dalston den Großteil davon gegessen, oder, um genauer zu sein, verschlungen, trotz alledem stand es außer Frage, wie viel Henrys Bemühungen zum generellen Gefühl von Ausgelassenheit und Zufriedenheit beigetragen hatten.
Es waren kleine Dinge wie diese, die besonderes Licht auf Henrys fürsorgliche Charakterzüge warfen und die Erinnerung daran brachte Angela zum Lächeln.
Aber es hielt nicht lange.

Letztendlich änderte sich alles. Nach dem letzten Abenteuer folgten keine weiteren.
An jenem Morgen hatte Angela Henry dabei erwischt, wie er eine Dose Schokokekse zwischen Randalls Sachen in seinem Rucksack versteckte. Die Schokoladenstückchen sorgten dafür, dass die Kekse nicht so schnell trocken werden würden, weshalb er sie als gute Wahl für den Trip ansah, wie Henry ihr erklärt hatte. Obwohl er offensichtlich versuchte, die Keksdose und auch die Müdigkeit in seinen Augen, die wohl vom extra frühen Aufstehen zum Backen kam, wie Angela vermutete, zu verstecken, fiel es ihr doch auf. Es fiel ihr auf und obwohl sie die Angst um Randall an diesem Morgen zu verschlingen drohte, hob der Geruch von Keksen ihre Stimmung und sie lächelte. Weil es nicht nur die Kekse oder das Backen waren. Es war Henry, wie er sich um seine Freunde sorgte, wie er nach einem Weg suchte, sie aufzumuntern und wie er seinen Schlaf für das Lächeln eines Anderen opferte. Es war Henry, wie er einfach Henry war und ein Funken Hoffnung keimte in Angela auf.
Aber ein weiteres Mal hielt es nicht lange.

Nach Randalls Tod schienen das Gefühl von Zufriedenheit und die Idee eines Lächelns für Angela so weit entfernt. Randall war weg und würde nicht zurückkommen, genau wie all die Erinnerungen daran, wie sie ihre Zeit glücklich, aber allem voraus zusammen, in Stansbury verbrachten. Von all diesen Orten umgeben zu sein und sie täglich auf jedem Weg nach Hause zu passieren brachten sie nicht wirklich weiter dabei, mit der neuen Realität zurechtzukommen, dabei, dieser Realität, die immer noch nicht und wohl niemals ganz real scheinen würde, verzweifelt zu entfliehen. Die alles verschlingende Dunkelheit in ihr sorgte dafür, dass alles einen bitteren Nachgeschmack hinterließ. Oder vielleicht war Henrys Backen in der Episode der Trauer wirklich grauenhaft gewesen. Schließlich teilten beide das Gefühl von Verlust, Schuld und Verzweiflung, was vielleicht einer der Gründe war, weswegen letztendlich sie vorgegeben hatten, zu heiraten. Es blieb unausgesprochen, trotzdem fühlten beide wie der andere auf die exakt selbe Art und Weise litt, jeden Tag, für eine lange Zeit. Zumindest hatte es sich angefühlt, als dauerte es ewig an.

Mit der Zeit wurde das Gefühl von Schmerz tauber, es rückte in die Ecken ihres Bewusstseins, anders als vorher, als das allgegenwärtige Gefühl ihre gesamten Gedanken eingenommen hatte, die gesamte Zeit. Langsam lernten sie, damit zu leben; Sie mussten.
Obwohl sie zu Beginn nicht in der Lage war, sich eine Meinung zu der Hochzeit zu bilden, bemerkte Angela mehr und mehr, wie erleichtert sie war, Henry an ihrer Seite zu haben. Es bedeutete, die überwältigende Anzahl an unterschiedlichen Gefühlen nicht alleine durchstehen zu müssen; Jemanden zu haben, der wusste, was in ihrem Kopf vorging, wenn sie eine Ewigkeit lang nur ihren Teller anstarrte, anstatt zu essen; Jemanden, der keine Zeit für Worte verschwendete, sondern sie fest in die Arme schloss, so dass die Dunkelheit langsam, aber sicher verebbte; Jemanden, der dieselben Tränen vergoss, wenn er mitten in der Nacht aus einem Albtraum aufwachte.
Und darüber hinaus, jemanden mit ähnlich eigenen Methoden, um die Dunkelheit in sich zu bekämpfen.

Anhand dem signifikanten Zittern seine Hände konnte sie den Grund hinter seinem Backen erkennen.
Henry weckte sie versehentlich um drei Uhr morgens auf, wenn ihm die Backform auf den Küchenboden fiel und er überraschte sie mit zittriger Stimme mit einem Mohnkuchen, wenn sie nach Hause kam. Er blockierte abends stundenlang die Küche, so dass keiner der beiden die Möglichkeit hatte, sich um Abendessen zu kümmern und er stürzte spontan mit nur halb-gebundenen Schuhen aus der Haustür um Zutaten einzukaufen.
Es war nicht so, als wäre sein Backen sonderlich schlecht, wenn er es aus Verzweiflung tat, überhaupt nicht, aber Angela schmeckte, dass es das Resultat von überwältigendem Stress, Trauer und der Suche nach einem Ausweg, um all das hinter sich zu lassen, war.

Sie wäre zu gerne nicht in der Lage, die glücklichen Kuchen von den traurigen Kuchen zu unterscheiden und sie wäre zu gerne in der Lage, sich über beide freuen zu können, wenn sie nicht ganz genau verstehen könnte, was diese Kuchen bedeuteten, weil die dasselbe fühlte.
Der Schmerz verschwand nie komplett.

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Hey hey! Das ist das erste Mal seit Jahren, dass ich wieder Fanfiction schreibe, dafür bin ich ziemlich zufrieden mit mir selbst, ich freue mich, selbst mal wieder was in der Kategorie beizutragen.
Henry und Angelas Beziehung zueinander ist zu interessant und powerful, um nichts darüber zu schreiben. Ich hoffe, es hat euch gefallen! Kritik udn Rückmeldungen werden sehr geschätzt!!
Vielen Dank fürs Lesen!
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