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Nur ein wenig Zeit....

von Shania
Kurzbeschreibung
OneshotTragödie / P12 / Gen
Alexander "Alec" Lightwood Magnus Bane
03.05.2018
03.05.2018
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Nur ein wenig Zeit...

Seit Tagen prasselte unaufhörlich der Regen auf die Straßen New Yorks.
Hinzu fegte durch diese ein heftiger Wind, der zusehends zu einem Sturm heranwuchs.Keine Menschenseele säumte die Gehwege der Straßen. Hier und da sah man vereinzelt Gestalten mit Schirmen vorbei huschen. Diese versuchten schnellstens in Häuser zu kommen oder eines der gelben Taxis zu erhaschen. Ihr Blick war starr nach vorne gerichtet, denn ihre ganze Aufmerksamkeit galt ihrem Schirm und ihrem Vorwärtskommen.
So fiel keinem der junge Mann auf, der mit durchnässten Klamotten und triefenden Haaren durch die Gassen zog. Sein Gang war aber nicht zielstrebig , sondern sehr schleppend fast schon bewegungslos. Sein verlorener Blick schien in die Ferne gerichtet als würde er verzweifelt etwas suchen.
Die Tränen in seinem hübschen Gesicht vermischten sich mit dem Regen, der ohne Gnade auf ihn nieder peitschte. Jeder einzelne Tropfen fühlte sich wie eine Ohrfeige an , die er ohne Gefühlsregung stumm ertrug.
Seit Stunden lief er ziellos umher mit nur einem Gedanken im Kopf. „Schenk'mir ein wenig Zeit mit dir“. Mehr wollte er nicht. Nur ein wenig kostbare Zeit mit ihm. Es sollte ein besonderer Tag werden, doch dessen Bedeutung war er sich nicht bewusst.
Er blieb stehen und schloss seufzend seine Augen.Er sah ihn vor sich, so dicht, dass er meinte, er könnte seinen Atem noch spüren. „ Hast du nach ein paar Augenblicke für mich?“, fragte er mit erwartungsvollen Augen.
Alec schüttelte den Kopf und sagte, mit Bedauern in der Stimme:“ Magnus, du weißt, dass ich mit den anderen Shadowhuntern eine Dämonenhöhle zerstören muss. Jeder Einzelne ist wichtig, denn wir wissen nicht, wie hoch die Anzahl der Dämonen ist. Bitte, können wir das nicht auf morgen verschieben? So wichtig wird es schon nicht sein.“ Er ging auf Magnus zu und sah diesem tief in die Augen. Magnus schaute traurig, aber schüttelte dann tapfer seinen Kopf. „Natürlich geht die Arbeit vor,“bemerkte er und tätschelte Alexander sanft das Gesicht.
Er zog ihn zu sich heran und die beiden versanken in einem innigen Kuss.

Bei diesem Gedanken schluchzte Alec laut auf. Sein Herz fing an zu rasen und noch mehr Tränen zogen ihre Bahnen durch sein Gesicht.
Der Wind war mittlerweile zum Sturm geworden und es regnete immer heftiger. Doch das interessierte Alec überhaupt nicht.
Er schweifte in seinen Gedanken wieder zu dem besonderen Tag, der für allezeit sein Leben ändern sollte, doch nicht so, wie es sein sollte.
Die Dämonenhohle war rasch ausfindig gemacht. Alle Shadowhunter und die Vampire und die Verwölfe aus New York arbeiteten Hand in Hand, sodass ein Dämon nach dem anderen getötet wurde. Magnus war eigentlich andauernd an Alecs Seite bis auf einen kleinen Moment. Dieser Moment reichte aus und Magnus wurde von einem Dämon angegriffen. Der Angriff erfolgte so rasend schnell, dass Magnus keine Zeit hatte, sich mit seiner Magie zu verteidigen. Er fiel fast wortlos in sich zusammen, doch Alec konnte ihn gerade noch in seine Arme ziehen. Alec sah gleich, dass hier etwas nicht stimmte und rief Magnus Namen immer und immer wieder. Langsam hörte man in seiner Stimme die ansteigende Panik mit eingehender Hilflosigkeit, die einem das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„ Magnus, öffne deine Augen, bitte...öffne deine Augen...bitt..e...bit...te...MAGNUS!!!!“ flehte Alec seinen Freund an, doch von diesem kam kein Lebenszeichen. Alec schüttelte ihn wieder und wieder,doch auch dann zeigte er keine Regung. Er zog ihn in seine Arme und stammelte mit weinender Stimme: „ Nein, nein... das darf nicht sein. Lass' mich nicht allein.“ Seine Atmung wurde zusehends heftiger während die Tränen ungehindert auf Magnus herab fielen. Er verstand die Welt nicht mehr. Das Liebste auf dieser Welt wurde ihm genommen und nur , weil er einen Augenblick nicht aufgepasst hatte.
Fast wäre er mit einem Mundie zusammengestoßen, weil er so tief in Gedanken versunken war. „ Passen sie doch auf, wo sie hingehen, sie Tölpel,“ schimpfte dieser, zog seinen Regenschirm wieder tief ins Gesicht und stapfte wütend davon.
Alec war stehengeblieben und krallte seine Fingernägel tief ins Gesicht, sodass er vor Schmerzen fast aufschrie, aber nur so merkte er noch, dass er noch am leben war.Er allein war Schuld und keiner konnte ihm diese Schuld von seinen Schultern nehmen. Er wünschte sich, er wäre gestorben statt Magnus oder mit ihm.
Mit Magnus Tod zerbrach sein Herz in Millionen kleinster Scherben.
In seinen Erinnerungen ging er zu dem gestrigen Tag. Er summte leise vor sich hin und wiegte dabei Magnus in seinen Armen hin und her. Es war, als lag ein riesiger Felsbrocken auf seinem Herzen und versuchte, ihn zu erdrücken.Alles, was so schön begonnen hatte, war abrupt zuende. Er fing gerade an, die Liebe zu verstehen und sich dieser hinzugeben.
Er war sich sicher, dass Magnus die eine, reine große Liebe in seinem Leben ist. Alec liebte ihn mit seinem ganzen Herzen, so wie es ein Nephillim in seinem Leben nur einmal macht.
Als Alec Magnus hin und her wiegte, fiel bei Magnus etwas aus seiner Hosentasche. Alec bemerkte es in seinem Schmerz nicht, doch Izzy sah es und hob es auf. Es war ein schwarzes Samtkästchen. Sie schluckte mit Tränen in den Augen, stupste aber Alec an und hielt es ihm hin.
Dieser hielt inne und schaute in Izzys Richtung. Dann sah er das Kästchen und seine Augen wurden größer und größer. „ Woher...hast du ..das?“; fragte er mit atemloser Stimme. „ Das ist aus Magnus Tasche gefallen,“ flüsterte sie leise. Sie reichte Alec das Kästchen und dieser nahm es ohne Magnus loszulassen.
Er besah es für unendliche Minuten und öffnete das Kästchen . Was er sah, ließ ihn in heftigste Schluchzer ausbrechen. Darin lag ein Ring und daneben ein gesticktes Seidentuch mit der Frage. „ Willst du mich heiraten?“
Magnus wollte die Zeit, um ihm einen Heiratsantrag zu machen. „ Schenk'mir ein wenig Zeit.“ Er wollte nur ein wenig Zeit mit ihm und was schenkte er ihm: den Tod!
Alec war mit den Nerven am Ende, ließ Magnus aus seinen Armen gleiten und lief kopflos aus dem Institut.
Seitdem waren Stunden vergangen und Alec irrte wie eine verlorene Seele durch New York. Aufeinmal vernahm er neben sich Stimmen und haufenweise Umarmungen. Izzy, Jace und Clary hatten ihn mit der Auffindbarkeitsrune aufgespürt. „ Alec, du bist völlig durchnässt. Ist dir nicht kalt? Geht es dir gut? Wo warst du so lange?“ fragte Izzy mit besorgter Stimme. Alec antwortete nicht, dafür war der Tränenstrom noch immer nicht versiegt.
Izzy nahm ihn in den Arm und streichelte sanft durch sein Haar. „Komm' mit nach Hause ins Institut. Magnus liegt dort aufgebahrt. Dort kannst du ihm die letzte Ehre erweisen.Ich weiß, ich verlange viel von dir, aber nur so wirst du nicht ganz zerbrechen und vielleicht fängt mit verronnener Zeit auch deine Heilung an,“ flüsterte sie ihm zu.
Alec nickte,doch er wusste, ohne Magnus würde es keine Zeit der Heilung geben.Niemals!!!!
 
 
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