Keep your mind.

von lusie
GeschichteRomanze / P12
Chris Evans
03.05.2018
27.08.2019
35
55654
28
Alle Kapitel
65 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
Wieder nimmt Chris sein Handy zur Hand und tippt - ziemlich nervös werdend - eine weitere Nachricht.
"Thea, ich mache mir langsam Sorgen. Melde dich bitte."
Vor nun fast zwei Stunden hat sie ihm geschrieben, dass sie sich auf den Weg zu ihm machen würde. Eine Stunde später hat er noch daran gedacht, dass sie sich wahrscheinlich verquatscht hätte und sie versucht anzurufen, doch leider beantwortete niemand diesen Anruf. Auch den danach nicht... und auch nicht den vor einer halben Stunde.
Er schmettert sein Handy zurück auf den Tisch und geht in die Küche, um ein Glas kaltes Wasser zu trinken. Sie würde niemals ohne Bescheid zu sagen einfach nicht auftauchen.
Sowie sein Handy plötzlich klingelt, sprintet er über das Parkett und ist erleichtert, ihr Bild auf dem Display zu erkennen.
"Mathea!?"
"Hey Chris, sorry. Hier ist Amy."
Er fühlt sich, als hätte sein Herz einen Moment ausgesetzt. Es muss etwas passiert sein. "A... Amy? Was ist-"
"Durchatmen, Chris. Wir sind im Krankenhaus. Sie wollte gerade zu dir und ist über die Straße gegangen und irgendein kranker Vollidiot ist angerast und hat nicht rechtzeitig gebremst."
Chris starrt an die Gegenüberliegende Wand. "Oh mein Gott."
"Aber es ist soweit alles okay, sie ist nur gerade noch im MRT. Ich hab deine Nachrichten und Anrufe auf ihrem Handy gesehen und dachte, ich sage dir Bescheid."
"Ja... danke...", stammelt er abwesend, fühlt sich unbeholfen und zerschlagen, bevor er wieder zu seiner Sprache findet.
"Ist... Ist es ...schlimm?" Er hört die Kollegin seiner Freundin am anderen Ende der Leitung seufzen. "Wie gesagt, soweit ist jetzt alles okay. Sie hat super viel Glück gehabt, das hätte sehr böse enden können. Ihr Kopf hat was abgekriegt und der Arm und eins, zwei Rippen sind gebrochen. Mehr sagen mir die hier ja leider nicht, weil ich keine Familienangehörige bin."
Der Schauspieler lacht verbittert auf. "Thea hat keine Familienangehörigen in Amerika." - "Das hab' ich ihnen auch gesagt, aber du kennst ja die Gesetze."
Chris fährt sich murrend durch die Haare und schließt einen Moment die Augen.
"Meinst du, ich darf zu ihr?"
"Warte, ich frag' mal nach."
Er hört, wie Amy eine Tür schließt und schließlich an eine weitere klopft. Sie sagt, sie habe den Freund von Miss Ellis am Telefon, der fragt, ob er sie heute noch besuchen könne. Was Amys Gegenüber antwortet, versteht er allerdings zu seinem Bedauern nicht.
"Chris?" Er schreckt auf. "Ja?"
"Schwing' dich in den Sattel."
"Schick mir bitte die Adresse, ich mache mich auf den Weg."

Durch den Verkehr und die Tatsache, dass er einmal quer durch L.A. musste, ist er viel später als gewollt an seinem Ziel angekommen. Nachdem er sein Auto auf dem Parkplatz abgestellt hat und auf das Krankenhaus zuläuft, erkennt er schon eine wartende Amy am Haupteingang. Sie hebt kurz die Hand und lächelt leicht, aber geknickt.
"So hast du dir euren Abend nicht vorgestellt, oder?", ruft sie ihm leise zu.
Er muss kurz auflachen und schüttelt den Kopf. "Tatsächlich nicht, nein. Darf ich?"
Ohne Amys Antwort abzuwarten tritt er noch einen Schritt an sie heran und nimmt sie kurz und herzlich in den Arm.
"Danke, dass du an mich gedacht und angerufen hast." - "Ach, das ist doch klar. Aber ihre Eltern rufst du an." Der Schauspieler verzieht leidig das Gesicht. "Ich frage sie lieber erstmal, ob sie ihnen das nicht selbst sagen will." - "Gut. Ich zeig dir noch schnell den Weg zum Zimmer und gehe dann heim. Ich muss ihre Aufträge noch umplanen..."
Gemeinsam gehen die beiden in das große, nach Desinfektionsmittel riechende Gebäude. "Wo hast du heute deine Mütze?", fragt Amy schelmisch, während sie im Aufzug stehen. "Daran hab' ich gerade nicht gedacht. Dann hab' ich jetzt halt nichts, um mich zu verstecken."
Amy und Chris sehen sich an und müssen lachen. Ihr fällt jedoch auf, dass er furchtbar nervös ist und von Meter zu Meter aufgeregter wird. Amy verabschiedet sich.
Ein Klopfen an die Zimmertür und er hört eine vertraute, aber brüchige Stimme.
"Ja?"
"Hey...", flüstert er und geht langsam auf sie zu. Ein lauterer Ton hätte ihm auch nicht entgleiten können. Sie sieht vollkommen fertig aus, doch ihre Mundwinkel zucken kurz nach oben.
"Sorry...", sagt sie und setzt sich ein Stück auf. "Ach Mathea...", seufzt Chris. Er beugt sich zu ihr herunter und setzt ihr einen sanften und gefühlvollen Kuss auf den Teil der Stirn, der nicht in Watte und Pflaster gepackt ist, bevor er sich einen Stuhl heran zieht. "Wie geht es dir?"
"Ich hab das Gefühl, dass mein Kopf jeden Moment zerspringt... und wenn ich mich zu schnell bewege, seh' ich Sternchen."
Er sieht sie mitleidend an, einen Moment sagen sie beide nichts, bis Chris seufzt. "Ich bin so froh, dass dir nicht noch mehr passiert ist." Leicht lächelt sie. "Ich auch. Das ging alles so schnell. Aber gut. Hoffen wir, dass das hier" - Sie hält ihren frisch eingegipsten linken Arm nach oben - "schnell wieder besser wird und mir auch der Kopf fix nicht mehr so brummt."
Er greift nach ihrer freien Hand und streicht ihr sacht über den Arm.
"Ich hab 'nen halben Herzinfarkt gekriegt, als Amy angerufen hat."
"Ja, hat sie mir erzählt. Deine Nachrichten hab' ich auch gerade gelesen."
"Wie lang musst du hier bleiben?", fragt Chris. Er hat wieder nur ein paar Tage in L.A. und stellt sich schon darauf ein, diese dann wohl im Krankenhaus zu verbringen. "Drei Tage auf jeden Fall wegen meinem Kopf. Alles danach kann ich verhandeln."
Sie lacht auf und verzieht schmerzerfüllt das Gesicht. "Okay, Lachen ist wohl die nächsten zwei Wochen nicht." Chris grinst. "Tu' mir das nicht an. Ich liebe dein Lachen." Er mustert sie ganz genau. Auch völlig demoliert ist diese Frau noch wunderschön. "Du bist süß. Ich würde mir gern 'ne Wohlfühlumarmung abholen, aber es tut alles weh."
"Ich hab da eine Idee!", sagt Chris plötzlich und springt auf. "Rutsch' ein Stück." Irritiert tut Mathea wie ihr geheißen und beobachtet daraufhin schmunzelnd, wie der Schauspieler die Turnschuhe von den Füßen kickt und sich vorsichtig zu ihr ins Krankenbett legt.
"Jetzt kannst du sie dir im Liegen abholen." Mathea lächelt den gutaussehenden Mann an und dreht sich auf die Seite, um mit halbem Körper auf ihm zu liegen. Er drückt ihr einen Kuss aufs Haar, sie atmet ganz tief durch.
"Weißt du, was richtig doof ist?", nuschelt Thea mit geschlossenen Augen. "Hm?"
"Mein Arbeits-iPad ist aus meiner Tasche geflogen und jetzt ein einziger Schrotthaufen. Und da hatte ich noch echt viele ungesicherte Dinge drauf, ich Volldepp." - "Wirklich? Du wirst von nem Auto überfahren und du machst dir Gedanken um dein iPad?" Chris beäugt Thea amüsiert und streicht ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ja man", murrt die Fotografin, "das ist quasi mein wichtigstes Arbeitsutensil... neben meinen Kameras." - "Den Chip kann dir doch aber bestimmt jemand retten?" - "Ich hoffe doch. Amy hat's direkt mitgenommen, um es morgen unseren IT-Leuten unter die Nase zu legen. Solang ich kein Neues hab, nehm' ich halt mein Privates. Apropos..."
Sie streicht ihm sanft über die Seite.
"Würdest du mir einen Gefallen tun?"
"Alles, was du willst", antwortet Chris ohne zu zögern. Thea öffnet ein Auge, sieht Chris einen Moment an, wie er ebenfalls die Augen geschlossen hat und schmunzelt. "Könntest du mir, wenn es dein Terminplan zulässt, ein paar Sachen von zuhause bringen?" Als Antwort darauf zieht Chris mit der Hand, mit welcher er Thea nicht liebevoll den Rücken krault, sein Handy aus der Hosentasche und öffnet die Notizen. "Bin ganz Ohr."
Thea muss grinsen. Gut, dass der Mann langsam Mittel findet, um sein siebartiges Gedächtnis auszutricksen.
"Wo wir gerade bei iPad waren. Das liegt auf meinem Klavier und ein Paar Kopfhörer müssten da auch zu finden sein. Und könntest du mir eventuell auch was zum Anziehen einpacken?" Stumm nickt er mit hochgezogenen Augenbrauen und tippt in seinem Handy. "Selbstverständlich."
"Okay... durchwühl' einfach meinen Schrank. Was man eben so brauch. Rechts die unterste Schublade sind Jogginghosen und sowas." - "Reeeechts un-ten Jog-ging-ho-se", brabbelt er mit, was er schreibt, "Okay."
"Und Zahnbürste."
"Zahnbürste."
"Vielleicht könntest du mir auch die Speicherkarte aus der Sony mitbringen, dann kann ich-" Chris straft Thea mit einem vielsagenden Blick. "Süße, du sollst dich ausruhen und nicht arbeiten!"
Thea schmollt.
"Aber ich hätte eigentlich so viel zu tun... und das Marvelshooting diese Woche muss jetzt auch verschoben werden."
Chris packt sein Handy wieder in die Hosentasche und legt seinen Kopf an ihrem ab. "Shooting mit wem?" - "Das weiß ich nicht. Also entweder es wird geschoben, oder es macht wer anders. Das find' ich doof." Der Schauspieler schmunzelt. "Das krieg ich morgen raus, wer vor deiner Linse hätte stehen sollen. Hab gegen Mittag einen Interviewtermin. Deine Sachen bring' ich dir morgen früh schnell rum." Mathea winkt ab. "Mach' dir keinen Stress." Er schmunzelt sie an und kommt ihrem Gesicht mit Seinem ein Stück näher, bevor er sanft, aber bestimmt seine Lippen auf ihre legt.
Zu schön ist der Moment, bis es plötzlich klopft und auch direkt die Tür aufspringt.
"Miss Ellis, wir bräuchten Sie doch noch für ein EEG." Die Blonde seufzt und lässt sich von Chris aufhelfen. "Wollten Sie das nicht morgen früh machen?" - "Ich weiß", sagt die Pflegerin entschuldigend, "aber es wäre besser, jetzt noch einmal ihr Hirn zu checken, bevor eventuell im Schlaf was passiert."
Chris reißt die Augen auf und starrt panisch zwischen Krankenschwester und Freundin hin und her. Letztere zuckt mit den Schultern. "Ja dann... los geht's."
Sie verabschiedet sich von Chris mit einem Kuss und gibt ihm dankbar ihren Haustürschlüssel mit. Humpelnd und recht eingerostet begleitet sie ihn noch auf den Flur und folgt der Schwester anschließend ins Untersuchungszimmer.

Wieder im Auto sitzend fährt sich Chris erleichtert durch die Haare und atmet einmal tief durch. Das hätte ordentlich in die Hose gehen können.
Review schreiben