Das Herz ist ein Pendel

von Prompto
OneshotRomanze / P12
Lyserg Diethel Ryunosuke Umemiya
02.05.2018
02.05.2018
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England sagt man oft nach, es sei regnerisch und an jeder Ecke würden Leute stehen die Regenschirme verkaufen. Nun, wer am heutigen Tage nach England fuhr konnte dieses hartnäckige Klischee nicht aus dem Weg räumen, denn ausgerechnet heute regnete es wie aus Eimern. Die Pfützen waren so tief wie schon lang nicht mehr und ein kalter Wind sorgte dafür, dass die dicken Regentropfen in regelmäßigen Abständen unangenehm ins Gesicht peitschten. Ja, Heute würde man kein Kindergelächter auf den Straßen hören und man wurde höchstens von der netten Frau hinter der kuschelig, warmen Brottheke freundlich begrüßt, die einem einen Mitleidigen Blick schenkte, wenn man triefend nass und durchgefroren die Bäckerei betrat. Das frische Brötchen stärkte den schmächtigen Körper des jungen Engländers, der genau an diesem Tage eine wichtge Mission hatte, wenn man es denn so nennen mochte.

Es ging um ein Ereignis, das zum Ersten mal in seinem Leben auftrat und allein der Gedanke daran hatte seinen Herzschlag schon die Tage davor schneller werden lassen. Nicht umsonst war er bei diesem Wetter draußen. Niemand würde freiwillig an so einem Tag raus gehen, wenn es keinen guten Grund gab.
Während der Grünhaarige noch in der Bäckerei stand und dem Regen dabei zusah, wie er die großen Fensterscheiben entlang rinnte, welche eigentlich das schöne Sonnenlicht hinein bringen sollten, fragte er sich ob es Sinn machte, seinen Regenschirm weiter mit sich herum zu schleppen. Bei einfachem Regen wäre es kein Drama, da aber der Wind übel mitspielte brachte er nunmal nicht viel und stellte nur das Bild eines Jungen dar, der ganz vorbildlich einen Regenschirm in die Luft hielt um das Wasser abzuwehren, was offensichtlich nicht klappte. Ausgerechnet heute hatte er seinen Regenmantel nicht angezogen, das war sonst nicht seine Art.

Denn sonst bedachte er immer alles zwei mal, er schaute sich an wie das Wetter werden würde bevor er raus ging und startete den Tag gut organisiert, auch die Umgebung, die immer die Selbe war, begutachtete er mit seinen smaragdgrünen Augen so, als würde er sie zum ersten mal sehen. Nicht Heute... dieses verfluchte Heute! So würde er vielleicht denken, wenn dies ein Tag wie jeder andere wäre. Wenn alles so wäre, wie zuvor. Wenn der Pessimismus, der ihn schon all die Jahre zuvor regiert hatte, heute die nötige Kraft dazu hätte den neu gewonnenen Optimismus weg zu drängen.

Tief atmete der androgyn wirkende Engländer aus und verließ dann Entschlossen die Bäckerei, jedoch nicht ohne sich mit einem höflichen Lächeln zu verabschieden. Die Frau kannte ihn schon Jahre lang, auch wenn es eine Zeit gab in der er nicht mehr so oft kam, über Monate auch schonmal gar nicht mehr, so hatte sie den Jungen wirklich lieb gewonnen. Er war immer höflich und lächelte lieb, auch wenn er nie Jemanden mit brachte und auch nie von Jemandem sprach. Es schien so geheimnisvoll aber auch traurig, dass ein Junge in diesem zarten Alter immer allein zu sein schien. Aber vielleicht kam es ihr auch nur so vor, denn eine Bäckerei wäre sicher nicht der erstgewählte Ort für Jemanden um Zeit mit seinen Freunden zu verbringen.

Trotz der Erkenntnis, dass der Regenschirm nichts brachte, nutzte er ihn weiter in der Hoffnung dadurch schlimmeres zu vermeiden. Die Kleidung war bereits triefend nass, auch seine nassen Socken rieben beim laufen unangenehm an der Haut, besonders in den Hacken. Die sonst so seidigen Haarsträhnen in seinem Gesicht, die gern im Wind tanzten klebten an der porzellan-blassen Haut und leiteten das Wasser ab, richtung Kinn. Ein rosaner Schimmer lag auf seiner Haut, nicht sichtbar für normale Menschen. Sein Schutzgeist Morphin saß auf der halb trockenen Schulter des Jungen und begleitete ihn so stetig mit einem aufmunterndem Lächeln und einem Hauch von Vorfreude. Selbst wenn sie nicht sprechen konnte, seinen Mohngeist konnte er mittlerweile auch ohne Worte verstehen und es war nicht so als hätte er eine andere Wahl.

So war das nunmal im Leben, es gab immer Dinge die man nicht ändern konnte und an die man sich anpassen musste.
Das Herz des jungen Engländers war mit tiefer Finsternis umhüllt, noch immer jagte seine Vergangenheit ihn selbst in seinen nächtlichen Träumen und trotzdem hatte er das Potential dazu gehabt ein Schamane sein zu können.  Sein Leben war auch nicht schon immer von Hass angetrieben worden, erst seitdem ihm seine Familie genommen wurde, sein Heim, sein Freund.. erst nach diesen Ereignissen hatte er sich mehr und mehr geschworen diesen verdammten Hao Asakura zu finden und ihn zu töten um seine Familie zu rächen.

Eine Spirale aus der er keinen Ausweg fand, nicht von allein. Dieser Weg den er eingeschlagen hatte war falsch. Und das wusste er nun auch. Aber gerade dieser falsche Weg hatte ihn in die richtige Richtung gebracht. Wäre er durch seine Reise nicht auf die Truppe des Yoh Asakura, ironischerweise Hao's Zwilling getroffen, hätte er vielleicht nie eine andere Sicht der Dinge kennengelernt. Und Freunde. Und... Liebe.

Als Lyserg unauffällig auf schaute, da das rosane leuchten sich verändert hatte, schaute er in die traurige Miene seiner kleinen Fee, die alles war, was ihm seit damals noch geblieben war. Mit einem Lächeln schüttelte er leicht den Kopf und schaute wieder nach vorn, gern würde er ihr sagen, es sei alles in Ordnung, doch trotz des Wetter's waren noch genug Passanten unterwegs die ihn für einen Irren halten könnten, würde er plötzlich mit der Luft vor sich reden, auch wenn die Chancen bei dem Wetter geringer waren, dass er dabei bemerkt wurde. Manche's Glück sollte man vielleicht einfach nicht herausfordern.
Es war.. wirklich alles in Ordnung. Vielleicht nicht ganz. Aber es war gut. Es war neu. Jeder Schritt den er tat, war ein Schritt in die Richtung die er gehen wollte, in eine Zukunft mit Höhen und Tiefen, so wie sie jeder andere Mensch hatte.

Auf seinem Weg ließ der starke Regen auch mal nach, tauchte wieder auf und wechselte immer mal die Richtung. Nach Lust und Laune klatschte er gegen seine Seiten oder in sein Gesicht, doch auch wenn der junge Engländer so aussah, als könnte ihn der Wind jeden Moment von den Beinen fegen hielt er dem Wetter stand und setzte seine eigene, kleine Mission weiter fort. Um sein Ziel pünktlich erreichen zu können, hatte er sich ein Taxi genommen. Endlich. Endlich war er da, an seinem Ziel. Zumindest am Zielort.. doch sein eigentliches Ziel musste er noch finden.
Ohne seinen Regenschirm nocheinmal auf zu klappen lief er unter das Dach des Flughafens, nachdem er den Fahrer bezahlt hatte und hatte nun endlich Schutz vor diesem grausigen Wetter gefunden, auch wenn es sowieso schon zu spät war. Aber das war.. egal. Komischerweise war es ihm egal. Er ärgerte sich nicht bis er blau wurde, er nahm es einfach hin. Dies selbst zu erkennen war schon merkwürdig. Und es gruselte ihn. Aber es freute ihn auch.

Der Engländer lief in den Flughafen durch die Menschenmassen und suchte eine Anzeigetafel auf. Der Flug war also bereits gelandet. Ein Glück, dass das Unwetter nicht so stark war, dass es die Flüge groß beeinflussen konnte. Lyserg wich den anderen Menschen aus um so schnell wie möglich in die gewollte Richtung zu kommen, bis er dann endlich an einem Ort ankam der übersichtlicher war. Er musste nicht lange suchen, auch ohne die Hilfe seines Pendels hatte er es diesmal zu dieser Person geschafft. Er hatte sich konzentriert, auf das, was er in diesem Moment am meisten wollte. Nicht etwa ein kuscheliges Bett, warmes Essen oder trockene Kleidung.

Die erste Stelle in seinem Kopf war seit einigen Tagen gefüllt mit nur einem Namen. 'Seit Tagen' war eine Lüge. Es waren Wochen. Monate. Ryunosuke Umemiya. . .Dieser verrückte Japaner, der ihn einfach nie aufgeben wollte. Der ihm jedes mal, wenn er ihn angesehen hatte aufmunternde Worte zugesprochen und ihm dabei zu gezwinkert hatte. Als er diese Person endlich erblickt hatte, schien es so als würden die Menschen um ihn herum langsamer laufen. Die Zeit blieb für einen kurzen Moment stehen, so wie auch er, während er den Typen ansah, der sein ganzes Leben durcheinander gebracht hatte. Sein Herz war sein Pendel und hatte ihn nun hier hin gebracht.

So groß, offensichtlich gut trainierter Körper, Mittellange Haare die an den Seiten hinunter hingen und eine enzelne Ponyfranse, die keine Lust hatte sich zu den anderen Haaren zu gesellen und so auf seiner Stirn blieb.  Nicht 'Top-gestylet' wie immer mit seiner Tolle, vermutlich nur wegen ihm, weil er ihm einmal gesagt hatte, dass ihm diese Frisur stehen würde. Und das tat sie auch. Immernoch. Dem jungen Engländer war nicht länger kalt. Mit bereits leicht geröteten Wangen ging er die letzten paar Schritte auf Ryu zu, der wie immer eine gesunde, leicht gebräunte Hautfarbe aufwies.
Die Spitze des Regenschirms traf den Boden, als die eleganten Hände des Engländers sich auf diesen stützten und so ein klacken hervorrufte. Ein Geräusch, dass sich von den anderen hier am Flughafen unterscheidete, kaum zu hören war und doch die Aufmerksamkeit der langersehnten Person auf sich zog.

"Ich habe dich gefunden.", sagte er nun mit einem verspielten Lächeln, zittierte dabei den ersten Satz, mit dem er ihn angesprochen hatte, als sie sich das erste mal begegnet waren. Ganz gleich wie er nun aussah und was er heut erlebt hatte, alles war egal, denn die Person, die er liebte war nun bei ihm.