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GeschichteDrama, Romanze / P18
02.05.2018
06.12.2018
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Je näher die Schritte und Schreie der Terroristen kamen, desto schneller und lauter schlug Elyas' Herz. Irgendwann war es so laut, dass er kaum noch die Geräusche von außen ausmachen konnte. Er atmete tief durch und versuchte sich selbst zu beruhigen, während er sich in Gedanken sagte: „Die Polizei ist bestimmt gleich hier. Dann ist der ganze Spuk vorbei. Nur noch ein bisschen durchhalten!“ Doch dann wurde er mit einem ohrenbetäubenden Knall aus seinen Gedanken gerissen und er sah, wie das elektronische Türschloss durch eine Kugel in Stücke gerissen wurde. Sein Herz machte einen Sprung und schon wurde die Tür aufgetreten. Und dann passierte genau das, womit Elyas gerechnet hatte: Emilia fing durch den Knall wie am Spieß an zu schreien und der maskierte Mann drehte sich in die Richtung des Geräuschs, doch bevor er auf den Schrank zielen konnte, schlich sich Elyas von hinten an und legte ohne zu zögern das Messer an den Hals des Mannes und zog es mit einer schnellen Bewegung entlang seiner Kehle. Der Terrorist versuchte sich noch umzudrehen, doch Elyas nutzte seinen Vorteil und schubste ihn zu Boden, wo er nur noch gurgelnde Laute machte und nach ein paar Zuckungen starb. Elyas stand eine Sekunde wie angewurzelt vor dem toten Mann, lief dann aber zur Tür und verschloss diese wieder, damit die anderen Terroristen nicht sehen konnten, was gerade in der Suite passiert war. Er drehte sich verwirrt um, griff nach dem Automatikgewehr und überlegte kurz, ob die Teile wirklich so einfach abzufeuern sind, wie es in Filmen immer aussieht. Er nickte und stellte sich wieder neben die Tür.

Hannah saß noch immer im Schrank und versuchte panisch, Emilia zu beruhigen und hielt ihr immer wieder die Hand vor den Mund, damit sie endlich still ist. Doch je mehr sich Hannah bemühte, die Kleine zu beruhigen, desto mehr schrie sie. Hannah wimmerte: „Bitte, sei leise! Süße, ist OK!“ Doch in Wirklichkeit war nichts OK. Sie hatte nur gehört, dass die Tür aufgeschossen wurde und danach war es still. Sie war sich sicher, dass gleich jemand auf den Schrank schießen würde, doch nichts passierte und es war schon fast unheimlich, so still war es im Zimmer. Auf dem Gang waren zwar immer noch Schüsse zu hören, aber sie entfernten sich immer weiter. Sie schluckte und ihre Gedanken kreisten: „Aber was ist mit Elyas?“ Tränen liefen ihre Gesicht herunter und am liebsten hätte sie in ihrer Panik die Schranktür zerbrochen um nach Elyas zu sehen.

Elyas wusste nicht, wie viele Minuten inzwischen seit dem Beginn des Anschlags vergangen waren, aber plötzlich hörte er Sirenen und ein Stein fiel vom Herzen, dass endlich die Polizei einschritt. Er entspannte sich, aber stand immer noch neben der Tür und hielt die Waffe eng umschlungen. Die Schritte der Terroristen, die sich erst entfernt hatten, schienen jetzt wieder näher zu kommen. Er atmete tief durch und dachte sich: „Die hauen wohl jetzt endlich ab.“ Aber kurz vor seiner Hoteltür hörte er, wie jemand immer wieder einen arabischen Namen rief: „Hussein, aina anta? Hussein! Hussein? Yalla!“ Wie in Panik starrte Elyas auf den toten Mann vor ihm und dachte sich: „Scheiße, das ist Hussein!“ Und flüsternd sprach er zu sich selbst, aber eigentlich an den Mann vor seiner Tür gerichtet: „Bitte, komm hier nicht rein! Hau einfach ab!“ Doch sein Wunsch erfüllte sich nicht und abermals wurde die Tür aufgestossen und der Terrorist stürmte sofort fluchend auf den toten Hussein zu und rüttelte ein paar mal an ihm um zu sehen, ob er nicht doch noch lebte. Er kniete noch immer, als er seinen Kopf drehte um zu sehen, wer seinen Freund erstochen hatte und guckte plötzlich in die Mündung von Elyas' Gewehr. Elyas sagte ganz ruhig: „Stay and don't move.“ Er wollte nicht abdrücken und einen weiteren Menschen töten. Er wollte ihn nur so lange in Schach halten, bis die Polizei hier oben war. Der Terrorist kniff die Augen leicht zusammen, bewegte seine Hand ganz langsam zu seinem Gesicht und zog den Schal ab, der Mund und Nase verdeckt hatte. Erst guckte er leicht nach unten, aber dann guckte er Elyas direkt in die Augen und grinste ihn an. Elyas' Hände zitterten und er wusste nicht, was er tun sollte und verstand nicht, warum dieser Mann das gerade tat. Es machte keinen Sinn. Seine Gedanken sprangen durch seinen Kopf: „Was soll das? Warum zeigt er mir sein Gesicht? Was hat er vo...?“ Doch noch bevor er den Satz in seinen Gedanken geformt hatte, sah er, wie der Terrorist mit flinken Fingern unter seine schusssichere Weste griff, „Allah akbar!“ schrie und etwas aus einem runden metallischem Gebilde zog. „Fuck!“ schrie Elyas laut, lies die Waffe fallen und sprang so schnell er konnte hinter das Bett und sich wie ein Embryo zusammenkauerte. Die vier Sekunden, die es dauerte, bis die Granate explodierte, erschienen unendlich lang, doch dann ertönte der atemberaubende Knall. Elyas zuckte unter dem Druck zusammen und in seinem Kopf schien etwas zu explodieren, bevor alles schwarz wurde.