Am Ende

OneshotDrama, Freundschaft / P18
Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
02.05.2018
02.05.2018
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!!! SPOILER FÜR INFINITY WAR !!!








Am Ende


[…] Langsam geh dem Feinde ich entgegen,
Eng und enger schnürt mich ein die Not.
Das erschrockne Herz mit harten Schlägen
Wartet, wartet, wartet auf den Tod.
- Aus 'Am Ende', Hermann Hesse

Der Geruch von Blut und staubiger Erde erfüllt die Luft. An die staubige Erde hat er sich gewöhnt, aber das Blut wird niemals akzeptabel für ihn sein. Zu oft schon hat er es gerochen, immer gefolgt von dem Anblick entsteller Leichen, die der Krieg erschaffen hat.
Die Maschinerie dreht sich wieder, erzeugt Lärm und Leid. Leid, das besonders den Menschen hier in Wakanda zeigen wird, wie gut es gewesen wäre, sich weiter zu verstecken. T'Challa würde das auch noch verstehen.
So, wie er hat verstehen müssen, damals im Einsatz. Der heldenhafte Einsatz, für den er sich freiwillig gemeldet hat. Aus der Retrospektive kommt ihm diese Idee ziemlich töricht vor, aber es gibt heute kaum noch etwas, das er wirklich gut kann.
Man hat ihm ein Gewehr in die Hand gedrückt und ihm gesagt, dass die Welt ihn braucht. Aber braucht die Welt wirklich jemanden wie ihn? Einen gefallenen Helden und Mörder, der sich eine traurige Berühmtheit in der Weltgeschichte erarbeitet hat?
Fragen über Fragen.
Bucky drückt ab, ohne über seine Entscheidung nachzudenken. Es fällt ihm viel leichter, da seine Gegner keine Menschen, sondern blutrünstige Bestien mit scharfen Zähnen sind, die ihm nach dem kläglichen Rest Leben in seinen alten Knochen trachten.
Es war vielleicht nur ein Scherz gewesen, aber er weiß, dass die Beschreibung als 'rüstiger Einhundertjähriger' viel zu nah an der Wahrheit ist. So nah, dass er sich in seiner Uniform lächerlich vorkommt, während Menschen wie Sam Wilson eine deutlich bessere Figur abgeben. Menschen wie er sind die Zukunft.
Mutige Menschen.
Er ist wirklich kriegsmüde. Zu viele Schauplätze ewiger Gewalt hat er schon gesehen, um noch an das Gute im Menschen glauben zu können. Um an das Gute in jedem Wesen zu glauben. Diese Angreifer hier sind keine Menschen.
Aber sie sehen ihnen ähnlich, haben eine ähnliche Statur, beherrschen sogar menschliche Sprachen und kämpfen mit menschlichen Taktiken. Er hätte nicht gedacht, dass er jemals gegen Wesen aus einer anderen Welt kämpfen würde.
Nein, das hat er wahrlich nicht für möglich gehalten. Doch Steve hat ihn um Hilfe gebeten und es gibt nichts, das er nicht für Steve tun würde. Denn Steve ist ein rechtschaffener Mann, vermutlich der einzige, der noch übrig ist.
Steve.
Er sieht sich nach ihm um, doch kann er ihn nicht sehen. Bucky weiß, dass er losgelaufen ist, um Vision zu beschützen. Über diesen Vision weiß er nicht viel, nur dass er einen synthetischen Körper besitzt und etwas, das ziemlich gefährlich werden könnte.
Vor ihm hat Bucky damals am meisten Angst gehabt, weil er etwas Erhabenes an sich gehabt hat, als sie in Leipzig vor ihm zu fliehen versucht haben. Er hat fest damit gerechnet, dass ihn dieses Geschöpf in Staub verwandeln kann.
Damit soll er nicht einmal falsch gelegen haben, doch hat sich Vision gegen eine weitere Auseinandersetzung entschieden und sich den Prinzipien Steve Rogers gebeugt, um mit der Frau zusammen sein zu können, die er liebt.
Edle Motive, wie Bucky findet.
Wenigstens ein Wesen, dem so etwas wie Liebe vergönnt ist. Das macht Vision wiederum menschlicher als Bucky sich fühlt.
Etwas Seltsames passiert, während er das denkt. Es fühlt sich an, als würde die Zeit anhalten. Er steht wieder vor Thanos, doch bevor der ihn wie eine Puppe von sich schleudern kann. Ein grüner Schimmer liegt in der Luft und noch bevor er etwas tun oder sagen kann, hört er ein metallisches Knirschen.
Was ist passiert?
Ihm wird schlecht, er kann sich nicht konzentrieren, fühlt sich orientierungslos. Was, wenn Steve es abbekommen hat? Er ist es schließlich, der gerade keuchend vor Thanos steht, den Rücken zu Bucky gedreht.
„Nein!“ schreit Steve und Bucky lässt die Waffe sinken. Sein Blickfeld verschwimmt und er fühlt sich unsicher auf den Beinen, während er beinahe blind auf Steve zu läuft und ihn ansehen möchte, um herauszufinden, ob es ihm gut geht.
Was hat Thanos getan, dass sich die Welt plötzlich dreht? Es ist, als würde er auf einem Karussell mit überhöhter Geschwindigkeit gegen die Fahrtrichtung anzukommen versuchen. Als würde er an der Stirn gepackt und zurückgedrückt.
Steves Atem beschleunigt sich derweil, wobei Thanos in einer Wolke aus schwarzem und blauem Licht verschwindet und nicht mehr auftaucht.
...Steve?“ bekommt er mit brüchiger Stimme hervor und versucht sich irgendwo festzuhalten, doch da ist nichts. Steve ist zu weit weg. Ein ekelhafter Kopfschmerz frisst sich zwischen seinen Schläfen hindurch und er will auf die Knie fallen, da wird er vollständig blind und taub. Bis er schließlich gar nichts mehr fühlt.
Und wortwörtlich zu Staub zerfällt.
Der letzte Gedanke, den er fassen kann, gilt Steve. Ob es ihm wohl gut geht?

Anmerkung: Wow. Einfach wow. Ich habe den Film am Montagabend im Kino gesehen und mir war klar, dass viele, viele Figuren draufgehen würden. Aber die Art und Weise, wie Bucky nach Steve gefragt hat, hat mir das Herz gebrochen. Ich glaube zwar, dass die meisten der Gestorbenen im nächsten Film wiederkehren (sonst wäre es ja nicht Marvel), aber es ist eben der Ton, der die Musik macht. Und in diesem Falle war sie unheimlich deprimierend. Was meint ihr dazu?
LG, Erzaehlerstimme
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