Wie man eine besonders katastrophale Geschichte schreibt...

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12
01.05.2018
06.12.2018
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Der gut gerüstete Pick-up pflügte sich durch Nebelschwaden, floh vor heulenden Wölfen und konnte doch nicht der Angst entkommen, die tief in den Köpfen der vier Insassen eingehämmert wurde. Sie waren auf der Flucht. Ihre letzte Zuflucht wurde von Zombies zerstört. Die Untoten griffen in der Nacht an, kletterten über die Zäune, Gewehrkugel schossen durch die Luft, dann ging alles ganz schnell. Das Brüllen der Notfallsirene ließ sie aus ihren Betten fahren. Schnell sahen sie sich um. Es war keine Übung, das wussten sie. Mit nur einer Handbewegung zogen sie ihre Notfallrücksäcke unter den Betten hervor und rannten so schnell es ging zu den Autos. Die verzweifelten Hilferufe, das mampfende Geräusch, die Schüsse... all das versuchten sie auszublenden und all das, war jetzt so weit entfernt. Der Fahrwind der lauen Nacht wehte ihnen um die Haare.

Ben, der stärkste von den vieren, saß am Steuer. Seine Augen waren auf die Straße gerichtet, die hier und dort einige Löcher aufwies, über die der Pick-up ohne Probleme hinüber bretterte. Seine Angst trieb ihn vorwärts, doch vorwärts wohin. Er wusste es nicht, das einzige, was er wusste, war dieser Straße ins Nirgendwo zu folgen. Sie hatten keine andere Zuflucht mehr. "Green III", so nannten sie ihr zu Hause, in dem sie seit vier Jahren sicher gewohnt hatten, war zerstört worden, genauso wie "Green II" und "Green I", die letzten Verteidigungstürme der Menschheit waren gefallen. Es würde nicht mehr lange dauern, dann waren auch sie an der Reihe. Ben wusste das, aber nicht nur er wusste das, sondern auch Melanie, Lynn und Tobias.
"Gibt es ein Green IV?", fragte Melanie geistesabwesend. Sie wusste die Antwort bereits, aber in ihr keimte immer noch Hoffnung.
"Nein, es wird kein Green mehr geben.", antwortete Tobias, "Wir werden alle sterben."
Lynn sagte nichts, sondern starrte gedankenverloren hinaus auf die zerstörte Welt, die hinter dem offenen Fenster auf sie wartete. Weite, verdorrte Ebenen zeichneten sich links und rechts von ihnen auf, dahinter war hier und dort eine hellerleuchtete Fabrik zu erkennen, die schon längst in sich zerfallen und von Zombies besetzt war.
"Wir werden alle Zombies werden.", murmelte Melanie traurig und ängstlich zu gleich. Sie strich sich durch ihre langen, schwarzen Haare auf die sie so stolz war, "Wir sind vier gegen eine ganze Zombie-Armee. Die Zombies sterben nicht, wenn wir auf sie schießen, sie machen einfach mit einem halben Hirn weiter. Wenn sie uns beißen, dann werden wir automatisch zu Zombies und leben ewig auf dieser Welt und werden ewig nach Menschen jagen. Wir können uns also gleich ergeben, dann müssen wir nicht auch noch fünftausend weitere Staffeln lang vor einem Gegner fliehen, der am Ende sowieso alle kriegt."
"Mel!", Lynn sah ihre Freundin erbost an. "So lange wir am Leben sind, besteht Hoffnung." Melanie verschränkte die Arme und starrte hinaus auf die Dunkelheit der weiten Ebene.
"Wir haben ein Problem, Leute.", Ben ließ den Pick-up langsamer fahren und schaltete das Licht aus. Nur das Mondlicht erhellte jetzt ihren Weg.
"Was ist das Problem?" Lynn sah nach vorne und sofort erkannte sie es. Sie fuhren im Schritttempo auf einen Tunnel zu. Melanie zitterte vor Angst und auch Tobias war starr vor Schreck. Tunnel verhießen nichts gutes. Tausende von Zombies konnten sich dort verstecken und sie innerhalb von wenigen Sekunden angreifen.
"Wir müssen still sein.", flüsterte Ben und ließ den Pick-up über die Straße gleiten. Schritt für Schritt kamen sie weiter. Ihre Augen scannten die Gegend nach Zombies. An den Wänden des Tunnels waren Berge von alten Kartons, aufgeschlitzte Sofas standen davor, zerrissene Matratzen deuteten an, dass hier jemand genächtigt an. Die Herzen der vier Insassen klopften ihnen bis an den Hals, es war kaum möglich etwas anderes zu hören, als ihren eigenen Herzschlag. Plötzlich schlepperte es vor ihnen.
"Verdammt.", zischte Ben aufgeregt. Der Pick-up war gegen einen zerbeulten Einkaufswagen gefangen. Für einen Moment blieb das Auto stehen und sie lauschten in die Dunkelheit. Dann hörten sie es. Zähne fletschen. Schlurfende Schritte. Rasselndes Atmen. Fünf Zombies standen vor ihnen. Von der anderen Seite kamen sieben weitere Zombies dazu. Sie hatten das Essen gerochen, dass ihnen in die Höhle gefahren war. Jetzt musste nur noch angerichtet werden!
"Wir werden sterben.", murmelte Melanie pessimistisch.
"Nein, das werden wir nicht." Ben schaltete das Licht des Pick-ups an, drückte mit aller Kraft, die ihm blieb auf das Gaspedal und bretterte wie ein Verrückter durch den Tunnel. Die Zombies rannten ihnen hinterher, doch gegen einen 200 PS starken Pick-Up kamen sie nicht an. Einige der Untoten, die sich in den Weg stellten, wurden überfahren und schon wenige Minuten später erreichten sie das andere Ende des Tunnels.

So weit, so gut. Unsere vier Helden haben es geschafft. Ob sie ein weiteres "Green" finden, wissen wir nicht, hat aber auch nichts mit einem der größten Fehler zu tun, den Autoren hin und wieder verwenden um Spannung zu erzeugen. Sie setzten die Logik außer Kraft. Sehen wir uns die Szene oben mal genauer an. Die Zombies verstecken sich in einem Tunnel. Unsere Helden müssen durch diesen Tunnel. Und was machen sie? Sie schleichen ohne Licht durch den verflixten Tunnel. Das ist nur bedingt logisch. Die vier sitzen in einem gut gesicherten Pick-Up. Wenn die mit Licht und 200 Sachen durch die Betonschlange rasen würden, wäre das zwar sehr auffällig, aber die Zombies hätten keine Chance sie einzuholen. Hingegen, wenn sie langsam und ohne Licht herumschleichen ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass die vier Helden von den nicht ganz hellen und schnellen Zombies erwischt werden. Apropro Zombies... seit "The Walking Death" gibt es diese Art von Bösewichten sehr häufig. Das Problem (Melanie hat es im Text auch schon angesprochen) ist, dass Zombies Untote sind. Im Klartext: Die Gegner sind schon tot, töter geht es nicht mehr, als Zombies. Das witzige ist auch, dass Zombies nichts zu essen und zu trinken brauchen (warum sollten sie denn essen und trinken, wenn sie schon tot sind?!) und sie schlafen auch nicht. Warum sie Hirne fressen wollen (vielleicht um ihre Intelligenz zu steigern?!) habe ich bis heute nicht verstanden. Sie könnten ja auch vegetarisch leben und Kartoffel anbauen. Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen. Die Untoten brauchen ja einen guten Grund die Menschen anzugreifen. Apropro, es hat sich auch noch ein dritter Logik-Fehler eingeschlichen. Dieser Logik-Fehler ist in diesem Fall logisch nachvollziehbar und gut ausgeführt worden. Stellen wir uns vor, die Geschichte wäre ein Hollywood-Blockbuster. Was passiert mit den Hauptcharakteren in einem Hollywood-Blockbuster? Ja, sie müssen sich immer für andere "opfern", oder noch mindestens hunderttausend Mal auf einen Gegner einschießen, nur um in letzter Sekunde noch wegzurennen. Hier ist das nicht so (ist ja auch kein Blockbuster), hier rennen die vier Jugendlichen weg, um ihre eigene Haut zu retten. Logisch betrachtet, würde jeder von uns so handeln. Nicht wahr?!
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