Tanz im Feuer

von Ricky VL
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Christian Mann Oliver Sabel
01.05.2018
27.08.2018
30
55.529
 
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05.05.2018 1.799
 
„Was ich meine? Als ob das hier irgendjemanden interessieren würde. Schönen Dank für das leckere Essen, Olli. Ach ja, und viel Spaß bei eurer Party,“ warf Christian sauer das Besteck auf den Tisch, stand auf, wobei noch das Weinglas umkippte, schaute Olli kopfschüttelnd an und verschwand türknallend im Schlafzimmer. „Hab’ ich irgendwas verpasst?“ fragte Benito irritiert, während Olli mit einem Lappen den Rotwein vom Tisch aufsaugte. „Alltag in unserer Ehe, sonst nichts. Ich hab’s wieder geschafft,“ wurde Olli bewusst, dass seine Aktion, Christian schonend beizubringen, dass er auf diese Party wollte, voll nach hinten losging.
  
Vorsichtig öffnete Olli die Tür zum Zimmer und entdeckte Christian, der beleidigt auf dem Bett lag und so tat, als würde er für seine Ausbildung büffeln. „Können wir reden?“ wollte Olli wissen, nachdem er eine Weile an der Tür lehnte und Christian beobachte, der seinen Blick nicht aus dem Buch hob, obwohl er es verkehrt rum vor sich liegen hatte. „Was willst du noch sagen? War doch eben alles deutlich genug. Schnell den verblödeten Mann mit einem Essen abfertigen, damit du dann zu deinem Ropp kannst. Und für das Ganze soll ich bitteschön noch dankbar sein,“ versuchte Christian seine Sicht in einem noch ruhigen Ton wiederzugeben. „Ja, zugegeben. Vielleicht sieht es so aus. Aber warum kommst du nicht einfach mit? Rob hat auch für dich eine Karte besorgt,“ entgegnete Olli, der dabei Rob in ein anderes Licht stellen wollte. Doch bei Christian hatte er damit keine Chance, der sich gereizt vom Bett erhob: „Sag’ mal, geht’s noch? Welche Masche zieht der jetzt ab. Soll ich vielleicht noch dabei zugucken, wie er dich anbaggert? Wie krank ist der Typ? Und du? Du machst da voll mit. Der gute Robert pfeift und Olli kann es kaum erwarten, bis er pfeift.“
 
„Hier kommen wir nicht weiter, Christian. Ich habe keine Lust, mich ständig runterziehen zu lassen, nur weil du ein Problem mit Rob hast,“ stellte Olli klar, der sich ein passendes Shirt für die Party suchte. „Er hat dich geküsst. Soll ich da etwa kein Problem mit ihm haben?“ reagierte Christian genervt, der auf Olli zu ging, ihn an der Schulter packte, um ihn zu sich zu drehen. „Ja, es ist passiert. Ich kann’s nicht rückgängig machen,“ erklärte Olli. „Und trotzdem ziehst du immer wieder mit ihm los. Aber wer weiß, vielleicht ist ja schon viel mehr gelaufen als dieser Kuss? Und komm mir nicht ständig mit diesem Gerede, dass du ihn für das No Limits brauchst. Da gibt es auch andere Wege,“ machte Christian deutlich, der seine Hände in seinen Hosentaschen vergrub, sich umdrehte und sich in eine andere Ecke des Zimmers von Olli entfernte.  
 
Olli nahm seine Klamotten, öffnete die Tür und schaute nochmal zu Christian: „Benito und ich werden zu dieser Party gehen. Du hattest deine Chance. Viel Spaß noch beim Lernen.“ Fassungslos drehte Christian sich zu Olli um und behauptete: „Du machst alles kaputt, Olli. Merkst du das überhaupt noch?“ „Dazu gehören immer zwei. Vielleicht denkst du auch mal da drüber nach,“ erwähnte Olli, worauf Christian eine Antwort parat hatte: „Nein, dazu reicht einer. In diesem Fall ist es Robert.“ „Gut, wenn du das so siehst, dann bin ich ja aus dem Schneider. Also, dann mache mir bitte nie wieder Vorwürfe,“ schoss Olli zurück, der dann durch die Tür verschwand. „Verdammt“ brüllte Christian, nachdem er eine Weile irritiert auf die geschlossene Zimmertür starrte und sich den Baseballschläger griff, der in der Ecke stand, womit er wütend gegen die Wand schlug. Dabei fiel das Bild „Wir Zwei“, dass Olli und Christian als zusammengehörendes Paar zeigte, welches Tobias ihnen damals in ihrer Kennlernphase schenkte, von der Wand, so das der Glasrahmen splitterte. „Oh  man Scheiße, das auch noch,“ wirkte Christian schockiert.
 
„Gut Herr Marenbach, am morgigen Abend ein Tisch für zwei Personen. Das sollten wir hinbekommen,“ nahm Charlie im Schneiders die Reservierung auf. „Sie sind ein Schatz, Frau Schneider, wenn ich das mal so sagen darf,“ lächelte Robert der Bistrobesitzerin entgegen, die sich geschmeichelt fühlte: „Das dürfen sie. Aber der Schatz ist von Natur aus neugierig. Verraten sie mir, wer in den Genuss kommt, ihnen am Tisch gegenüber sitzen zu dürfen?“ „Sorry, aber es muss noch ein Geheimnis bleiben, der Glückliche weiß noch nichts davon,“ erklärte Robert, was Charlie scherzend kommentierte: „Nirgendwo ist ein Geheimnis so gut aufgehoben, wie unter dem Herzen einer Frau.“ „Ich weiß, aber es gibt da immer noch die schönen Lippen, über die ein Wort schnell entschwinden kann,“ stellte Robert mit einem Augenzwinkern klar. „War ich so leicht zu durchschauen?“ wollte Charlie wissen, die ihre Reservierungsliste zuklappte. „Das verrate ich ihnen beim nächsten Mal. Jetzt geht’s nach Köln zur Venus Deluxe,“ gab Robert bekannt, der schon mit dem Autoschlüssel in seiner Hand spielte. „Venus Deluxe. 20 Jahre jünger und ich würde hier alles stehen und liegen lassen,“ malte Charlie sich aus. 
 
„Solange das Feuer glüht, sollte man jeden Tanz genießen. Aber ein kleiner Trost. Sie werden dort sehr standesgemäß vertreten. Ihr Neffe und seine Begleitung werden sich mit mir ins Partygetümmel werfen,“ verkündete Robert, worauf Charlie ihm mit auf dem Weg gab: „Na, dann grüßen sie Olli und Christian lieb von mir.“ „Christian wird leider nicht dabei sein,“ sagte Robert, der sich lässig gegen den Tresen lehnte und weiter erklärte: „Ich habe ihm zwar unter schwersten Bedingungen eine Karte mit organisiert, aber der Junge ist ein bisschen undankbar. Meiner Meinung nach lässt er Olli ganz schön hängen. Das kann einer Beziehung auf Dauer nicht gut bekommen.“ „Komisch, so kenne ich Christian gar nicht. Naja, sie werden sicherlich ein Auge auf meinem Neffen haben,“ konnte sich Charlie vorstellen. „Da seien sie mal ganz beruhigt. Olli wird es mit mir gut gehen. Jetzt muss ich aber echt los. Olli und dieser Benito werden sicher schon auf dem Weg sein,“ schnappte Robert sich noch einen Keks aus dem Glas, das auf dem Tresen stand. „Benito? Na, das hätte ich mir auch denken können,“ wirkte Charlie brüskiert. „Gibt’s da ein Problem?“ hakte Robert nach, der Charlies Gesichtszüge deutete. „Da muss ich dringend mal mit Olli drüber reden,“ fasste sich Charlie kurz, die dann auf Lächeln umschaltete und ihren nächsten Gast begrüßte: „Frederic, wie schön, dass sie das Schneiders mal wieder beehren.“ Robert schaute sich zu den großen Mann, mit den dunkelbraunen leicht gewelltem Haar, der in einem maßgeschneiderten Anzug steckte, um und hielt kurz Kontakt zu den warmen braunen Augen von Frederic, biss von seinem Keks ab und räumte das Feld.  
 
„Oh je, was ist hier denn passiert?“ schaute Lydia überrascht, die mit David die WG betrat, während Christian versuchte die letzten Glassplitter vom Rahmen zu entfernen, um das Bild unbeschadet zu retten. „Das sieht man doch. Das Bild ist von der Wand gefallen,“ erklärte Christian die Lage. „Einfach so?“ hakte David nach, der sich mit seiner Schwester vor dem Esstisch aufbaute, von wo aus man einen optimalen Blick auf den Schaden hatte. „Was? Ja, natürlich nicht einfach so. Man, als ob ich nicht genug Probleme an der Backe hätte,“ suchte Christian indirekt nach Hilfe. „Vielleicht ist ja noch was zu retten? Ich kenn’ da einen Baumarkt, der müsste noch auf haben. Ich hoffe allerdings, dass der auch Bilderrahmen hat. Ich besorg' mal einen Zollstock für die Maße,“ ergriff David die Initiative. „Ausgerechnet ein Bild von Ollis Bruder. Olli wird da bestimmt abgehen, Tobias war ihm sehr wichtig,“ befürchtete Lydia, dass Olli auf dieses Missgeschick sauer reagieren könnte. Doch vorher war Christian dran: „Ja genau, Tobi, Ropp, Frederic, Benito, Andi, alle sind ihm wichtig. Aber was ist mit mir? Olli bemerkt mich doch gar nicht mehr. Wir treffen uns hier nur noch zum Streiten.“ Lydia erkannte, dass sie der Sache auf dem Grund gehen musste: „David, suche den schönsten Rahmen, den du auftreiben kannst und komm’ bloß nicht ohne an.“ „Wieviel Zeit habe ich?“ erkundigte sich David, der sich an der Tür startklar machte. Christian konnte ihm auf diese Frage eine genaue Auskunft geben: „Im Normalfall bis zum Morgengrauen. Bis dahin muss das Bild hängen.“  
 
„Olli, du bist die ganze Zeit schon so ruhig. Ist irgendwas passiert? Oder machst du dir etwa Sorgen, dass deine Mädels deinen Laden an die Wand fahren könnten? Hey, den verlorenen Umsatz holen wir spielend wieder rein,“ wollte Robert in Erfahrung bringen, ob er mit seiner Vermutung richtig lag, ob sich das Karussell der Ehekrise zwischen Olli und Christian in eine weitere Runde drehte. „Die Cocktails sind hier echt lecker,“ versuchte Olli auszuweichen, während er genüsslich am Strohhalm zog. „Und nicht nur die Cocktails,“ stellte Benito strahlend fest, der bei einigen weiblichen Gästen den Flirtfaktor abrief. Robert entdeckte inzwischen in der Menge ein bekanntes Gesicht, dem er mit seinen Augen klarmachte, dass der südländische Typ an seinem Stehtisch die Zielperson war. „So Olli, nun aber genug genascht. Der DJ kennt genau unseren Geschmack,“ dirigierte Robert die Show, der dann Olli auf die Tanzfläche schob, um anderen Aktionen nicht weiter im Wege zu stehen.
  
„Du brauchst gar nicht erst versuchen, unentwegt mit mir zu flirten,“ gab Olli Robert zu verstehen, während sie zwischen vielen tanzenden Menschen im Sound der Musik verschluckt wurden. „Wetten, dass ich dich wieder zum Strahlen bekomme?!“ war sich Robert sicher, der sich wegen der Lautstärke der Musik zu Olli rüberbeugen musste und so Ollis Gesicht sehr nahe kam. „Wenn das ohne Einsatz deiner Hände, Lippen und sonstigen Körperzonen passiert, spricht nichts dagegen,“ stellte Olli die Bedingungen. „Woher weißt du, was ich vorhabe?“ erreichten Robs Lippen fast wieder Ollis linkes Ohr. „Ich habe dich studiert und weiß mittlerweile, wie du tickst,“ antwortete Olli mit einem Lächeln in seinem Gesicht. „Bist du dir da so sicher?“ forderte Robert die Situation weiter heraus. „Noch nicht ganz, aber ich bleib an dir dran,“ ließ Olli wissen, der sich dann einmal im Takt der Musik drehte und dann, als es von der Seite einen kleinen Rempler gab, ungeschickt in Robs Arme landete, der daraufhin meinte: „Genau das wollte ich hören.“ Robert gab aber Olli sofort frei, um zu beweisen, dass er Ollis Mahnung respektierte, was Oliver auch positiv aufnahm. 
 
„Wo will Benito denn hin?“ fragte Olli, als er während des Tanzens entdeckte, dass sein Kumpel mit einem anderen Typen Richtung Ausgang ging. „Keine Ahnung. Vermutlich muss der Süße mal. Er ist doch schon groß, oder? Habe ich dir eigentlich schon mal verraten, wie sexy und aufregend sich deine Augen in den Lasern spiegeln?“ versuchte Robert Olli abzulenken. „Das wäre mit heute dein fünfter Versuch. Du wirst doch wohl nicht langweilig werden?“ grinste Olli Robert entgegen und meinte dann: „Ich werde besser mal nach Benito gucken. Nicht, dass er noch irgendwelche Dummheiten anstellt, wo ich ihn wieder rausboxen muss.“ Doch Robert musste verhindern, dass Olli in das Geschäft platzte und hielt ihn am Arm fest: „Quatsch, da ist nichts. Bleib hier.“ Olli sah Robert fragend an, während er sich losriss: „Woher willst du das wissen?“
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