Tanz im Feuer

von Ricky VL
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Christian Mann Oliver Sabel
01.05.2018
27.08.2018
30
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„Mensch Benito, was mach’ ich bloß mit dir? Da hat ja meine Tante `was mit dir angestellt,“ versuchte Olli seinen Freund aus Kreuzschifffahrtszeiten wieder aufzubauen, während er der Dekoration auf dem Tresen des No Limits den letzten Schliff gab. „Musst du mich damit immer wieder aufziehen? Ich weiß doch, dass du das Ganze belächelt hast,“ wusste es Benito besser, der auf einem Barhocker saß und gelangweilt Ollis Serviettendeko wieder auseinander zupfte. „Und dabei dachte ich erst, du und die Gräfin Lahnstein. Ich habe mich ganz schön blamiert, als ich vor versammelter Mannschaft beim Osterbrunch auf Königsbrunn Elisabeth gefragt hatte, wo denn ihr neuer portugiesischer Traumprinz stecken würde,“ berichtete Olli. „Geschieht dir ganz recht. Hättest du mal genauer hingesehen und zugehört, hättest du dieser Gefahr ausweichen können. Aber die Gesichter von Christian und dir waren göttlich, als ich mit Charlie im Arm durch die Tür kam,“ grinste Benito. „Und gleich lernst du noch ein anderes Gesicht von mir kennen, wenn du nicht sofort aufhörst, meine Kunstwerke zu zerstören,“ drohte Olli, der Benito freundschaftlich auf die Finger klopfte und die Dekorationsteile in sicherer Entfernung abstellte.

„Ist ja schon gut. Dann suche ich mir eben was anderes zum Spielen,“ gab sich Benito geschlagen, der seinen Blick durchs No Limits kreisen ließ und Olli damit signalisierte, dass der charmante Gigolo seinen Liebeskummer längst überwunden hatte. „Verstehe! Aber heute morgen ist es hier noch ein bisschen mager. Ich habe da die Lösung für dich. Die kommt da nämlich gerade auf uns zugerauscht,“ verkündete Olli, der Robert, den er  durch die Tür kommen sah, mit einem Lächeln begrüßte. „Hi Guys, ein Lächeln, ein Kaffee, und die Welt wird bunt,“ schwang Robert sich auf den Hocker neben Benito, griff dabei automatisch zu den Salzstangen, steckte sich eine davon in den Mund und begutachtete den jungen Mann neben sich. „Not a Chance, Rob,“ stellte Olli klar, der Roberts Blicke mittlerweile deuten konnte. Nachdem Rob sich wieder auf Olli konzentrierte und ihn zuzwinkerte, erfuhr er vom Barkeeper: „Benito ist ein sehr guter Freund von mir, aber ihm fehlt momentan die Freude am Leben.“ Robert und Benito sahen Olli fragend an bevor Robert einwarf: „Ich hoffe, es ist nichts Ernstes. Aber es gibt für alles eine Lösung. Wait a minute!“

Benito wirkte immer noch verständnislos, während Olli wusste, dass er sich auf Roberts Ideenreichtum verlassen konnte. „Venus Deluxe, was haltet ihr davon? Total abgefahren und für jeden Geschmack was dabei. Technobeats vom Feinsten. Sogar die ganze Promiwelt gibt sich da die Klinke in die Hand. Das wird heute eine Wahnsinnsnacht, “ lockte Robert die Jungs, indem er mit den Karten in seiner Hand winkte. „Klingt vielversprechend. Also Benito, bist du dabei? Dein Herz wird bestimmt bald wieder glühen,“ versprach Olli, der noch anfügte: „Rob kennt die coolsten Partys, und wenn er dabei ist, ist  Stimmung und Erfolg garantiert.“ „That’s right! Nur es gibt da ein Problem. Ich habe nur drei Karten. Mehr waren nicht aufzutreiben,“ erklärte Rob, worauf Benito mit dem Finger auf die Jungs und anschließend auf sich zeigte, während er durchzählte: „Uno, dos, tres.“

„Kluges Kerlchen, aber eine Karte hatte ich eigentlich für Christian reserviert,“ behauptete Robert, der dabei Olli ansah und wusste, dass seine Geste bei Olli ziehen würde. „Das ist gut gemeint von dir, aber Christian wird sicherlich nicht mitkommen,“ machte Olli zögerlich deutlich, da er wusste, dass Christian nicht mit Rob ausgehen würde. Gleichzeitig erkannte Olli eine Enttäuschung in Benitos Gesicht, weil dieser wohl annahm, dass er auf der Strecke bleiben würde, wenn Christian doch mitkäme. Aber Olli verbuchte diesen Versöhnungsversuch auf Roberts Konto und schenkte Rob ein dankbares Lächeln. „Schade, aber nun denn Jungs. Ich würde sagen, zieht euch was chickes an, lasst eure Uhren zu Hause und macht euch auf alles gefasst, was wieder den Puls ausschlagen lässt. Wir sehen uns da,“ versicherte Rob.

„Guten Morgen Nico,“ begrüßte Christian seine Exfreundin, als er in den Vorhof von Schloss Königsbrunn geritten kam. „Ah Christian, Morgen. Gut, dass ich dich treffe. Sag’ mal hast du Phillip zufällig bei den Stallungen gesehen?“ wollte Nico wissen, während sie dem Pferd am Kopf streichelte. „Du meinst, deinen blaublütigen Verehrer? Nö, keine Ahnung, wo der sich rumtreibt, aber wenn ich ihn sehe, schicke ich ihn umgehendst zu dir,“ versprach Christian, der inzwischen abgestiegen war und dann meinte: „Ach schau mal an, wer da kommt?!“ Sofort drehte sich Nico zum Haupteingang des Schlosses, wo Frederic Graf von Ballhausen die Treppe herunter stiefelte: „Wer ist das? Muss ich den kennen?“ „Auch so ein adliger Fuzzi. Ollis gräflicher Freund. Aber ich bin mit dem durch,“ stellte Christian klar. „Die Bemerkung über den Adel ignoriere ich mal, und ich verrate es auch nicht deinen Arbeitgebern hier auf dem Schoss, aber kann es sein, dass du mit Ollis Freunden grundsätzlich nichts anfangen kannst?“ kam es Nico komisch vor, die den Mann entgegen sah, der auf sie zu kam und noch auf eine Antwort von Christian pochte, bevor der Typ sie erreicht hatte. „Du sprichst von Robert Marenbach, the King of Dance, Fun and Dru....? Den muss man nicht mögen. Den kann man nur hassen,“ machte Christian deutlich. „Aber dein Olli sieht das ganz anders?!“ nahm Nico an. „Genau da liegt das Problem. Er lässt sich von dem blenden,“ sagte Christian, der dabei sauer mit seinem Stiefel einen Kieselstein wegschoss.

„Hallo Christian, schön dich hier anzutreffen. Und sie müssen sicherlich Nico Gräfin von Lahnstein sein?!“ gesellte Frederic sich zu den Beiden. „Nico reicht völlig. Übrigens Frederic, was sagen sie zu dem Thema, dass Ollis Freunde nicht automatisch Christians Feinde sein müssen?“ brachte Nico Christian in Verlegenheit, der sich dann herauswinden wollte: „Das habe ich so nicht gesagt. Außerdem haben Frederic und ich uns ja mal gut verstanden.“ „Und warum knöpft ihr da nicht wieder an? Naja, wie auch immer, ich muss jetzt auch mal weiter und dringend auf die Suche nach blaublütigen Fuzzis gehen. Manche sind da gar nicht so übel,“ lächelte Nico die beiden Männer an und zog sich gekonnt zurück.

„Ähm ja, Elias muss auch mal wieder in den Stall zurück,“ wollte Christian sich der Situation entziehen. „Ah, das ist also Elias?! Du bereitest ihn für wichtige Dressurprüfungen vor, stimmt’s? Oliver hatte jedenfalls mal so was erwähnt,“ suchte Frederic das Gespräch, wobei seine Hand über das Pferd strich. „Hat Olli das? Ja, okay, wir Zwei werden immer besser,“ gab Christian zu verstehen, der Elias auf den Hals klopfte. „Und wo liegen seine Stärken? Eher in der Traversale, in der Passage oder in der Galopppirouette?“ verwunderte Frederic den jungen Reiter, der neugierig wurde: „Du kennst dich mit Dressur aus?“ „Auf Schloss Lerchensee haben wir auch ein Gestüt. Meine Mutter ist lange Dressur geritten. Da habe ich einiges aufgeschnappt. Naja, und wir Kinder mussten unzählige Turniere begleiten. Ich konnte im Schlaf alle Schritte mitzählen, die Castello im Viereck absolviert hatte,“ berichtete Frederic, was Christian noch mehr ins Staunen versetzte: „Deine Mutter hat Castello geritten? Wow, der gehört doch zu den teuersten Dressurpferden, die je nach Amerika verkauft wurden.“ Frederic bestätigte: „Stimmt! Die damalige Schlosssanierung kostete viel Geld. Und meiner Mutter fehlte auch immer mehr die Zeit zum Reiten. Danach konnten sich die Amis mit Castello rumärgern. Die Piaffe hat er immer versaut, wenn er keine Lust hatte. Ich konnte es ihm schon von der Tribüne im Voraus ansehen, wenn es wieder so weit war.“

„Ich will dich aber nicht länger aufhalten. Dann bring’ ihn mal in den Stall zurück,“ verkürzte Frederic das Wiedersehen. „Ja, müssen wir dann wohl. Was treibt dich eigentlich nach Königsbrunn?“ wollte Christian nicht unhöflich wirken, schaffte es aber mit dieser Frage erneut, was Frederic ihm aber nicht krumm nahm: „Ein neues Projekt mit den Lahnsteins steht an. Du weißt ja, dass ich jetzt selbstständig hier in Düsseldorf agiere. Und beim momentanen Stand im Personalkarussell in der Chefetage der Lahnstein-Holding musste ich meine Chance nutzen. Mit Elisabeth von Lahnstein kam ich immer bestens klar und Ludwig macht auch einen vernünftigen Eindruck. Aber jetzt muss ich echt los. Grüße bitte Oliver lieb von mir.“  

„Hör zu! Ich hab’ da vielleicht einen potenziellen Kunden an der Hand. Der Junge schreit förmlich nach Spaß. Ich werde ihn mit zur Venus Deluxe bringen. Da kümmerst du dich mal um ihn. Er heißt Benito. Aber unauffällig und mich hältst du daraus. Er darf von mir nichts erfahren. Haben wir uns verstanden?“ kündigte Robert am Handy einem seiner Handlanger an. 

„Und die letzte Kerze. Fertig! Also mir gefällt’s. Oh, den Wein muss ich noch öffnen,“ fiel Olli ein, der den Esstisch einladend hergerichtet hatte und den Duft aus der Küche der WG vernahm. Der Korkenzieher machte mit der Kraft von Ollis geübter Hand seinen Job, während Christian durch die Tür kam, das Werk entdeckte und überrascht nachfragte: „Hab’ ich irgendwas verpasst? Etwa unseren ersten Hochzeitstag? Nein, das kann noch nicht sein. Ah, was für ein Glückstag. Robbi hat einen tollen Job in der New Yorker Partyszene ergattert und kehrt Düsseldorf endlich den Rücken? Wenn dem so wäre, würde ich jeden Abend den Tisch so decken. Vom Frühstück am Bett ganz zu schweigen. Also Olli, was ist los?“ Olli stürmte mit der Weinflasche in der Hand zu Christian, verpasste ihm einen Kuss auf die Wange und orderte an: „Nun setz dich erst mal, Schatz. Warum kann ein Abendessen nach einem arbeitsreichen Tag nicht mal anders aufgetischt werden, als sonst so zwischen Tür und Angel?“

Christian setzte sich misstrauisch an den Tisch, warf aber einen neugierigen Blick in die Schalen, während Olli den Wein eingoss. „Sieht echt lecker aus. Da hast du dich ganz schön ins Zeug gelegt, Olli,“ ging Christian dazu über die ersten Komplimente zu verteilen. „Danke. Ich wollte es uns einfach mal für einen Augenblick, den wir gemeinsam haben, gemütlich machen,“ erklärte Olli seinen Aufriss. „Moment. Wieso Augenblick? Ist die Show hier gleich wieder vorbei? Musst du noch arbeiten?“ fand Christian Bestätigung für sein Misstrauen. „Nein, ich habe mit Miriam getauscht,“ sagte Olli, während er die Medaillons und die Bandnudeln auf den Tellern verteilte. Christian erhob das Weinglas und meinte: „Na, dann ist ja gut. Übrigens, ich soll dich von Frederic grüßen. Er war heute auf Königsbrunn. Stell’ dir vor, seine Mutter hat früher Castello geritten. Das Pferd war sogar für Olymp.....“ „Echt? Wer ist das denn jetzt?“ unterbrach Olli Christians Erzählungen, als es an der Tür klingelte. Olli öffnete sie: „Du? Jetzt schon?“ Benito stürmte die Wohnung: „Ja gut, wir sind erst in zwei Stunden verabredet, aber die können wir ja auch hier verbringen. Ich bin echt gespannt, in was für einen Luxusschuppen uns dieser Robert schleppt? Oder Findest du, ich bin zu overdressed? Was meinst du, Christian?“          
 
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